Path:

Full text: Modellprojekt regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern / Stühler, Karina

Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale
Gesundheitskonferenzen
in Bayern
Endbericht

Für eine bessere Lesbarkeit haben wir bei manchen Personenbezeichnungen
auf ein Ausschreiben der weiblichen Form verzichtet. Selbstverständlich sind in
diesen Fällen Frauen und Männer gleichermaßen gemeint.

Herausgeber:	
		
		
Telefon:		
Telefax: 		
E-Mail:		
Internet:		
Bildnachweis:	
		
Druck:		
Stand:		
Autoren:		

Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
Eggenreuther Weg 43, 91058 Erlangen
09131 6808-0
09131 6808-2102
poststelle@lgl.bayern.de
www.lgl.bayern.de
Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
Kaiser Medien GmbH, Nürnberg
Juni 2015
Karina Stühler, PD Dr. Alfons Hollederer

Bei fachlichen Fragen wenden Sie sich bitte an:
Karina Stühler
Telefon: 09131 6808-2917
E-Mail: gesundheitsregionplus@lgl.bayern.de
© Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
alle Rechte vorbehalten
Gedruckt auf Papier aus 100 % Altpapier
ISBN 978-3-945322-46-7 	
ISBN 978-3-945332-47-4 	

Druckausgabe
Internetausgabe

Diese Druckschrift wird kostenlos im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Bayerischen Staatsregierung
herausgegeben. Sie darf weder von den Parteien noch von Wahlwerbern oder Wahlhelfern im Zeitraum
von fünf Monaten vor einer Wahl zum Zweck der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Landtags-,
Bundestags-, Kommunal- und Europawahlen. Missbräuchlich ist während dieser Zeit insbesondere die
Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken
und Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe
an Dritte zum Zweck der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die
Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Staatsregierung zugunsten
einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte. Den Parteien ist es gestattet, die Druckschrift zur
Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder zu verwenden. Bei publizistischer Verwertung – auch von Teilen – wird
um Angabe der Quelle und Übersendung eines Belegexemplars gebeten. Das Werk ist urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte sind vorbehalten. Die Broschüre wird kostenlos abgegeben, jede entgeltliche Weitergabe ist untersagt. Diese Broschüre wurde mit großer Sorgfalt zusammengestellt. Eine Gewähr für die
Richtigkeit und Vollständigkeit kann dennoch nicht übernommen werden. Für die Inhalte fremder Internet­
angebote sind wir nicht verantwortlich.

BAYERN | DIREKT ist Ihr direkter Draht zur Bayerischen
Staatsregierung.
Unter Tel. 089 122220 oder per E-Mail unter
direkt@bayern.de erhalten Sie Informationsmate­rial und
Broschüren, Auskunft zu aktuellen Themen und Internetquellen sowie Hinweise zu Behörden, zuständigen Stellen
und Ansprechpartnern bei der Bayerischen Staatsregierung.

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Inhalt
Zusammenfassung ..................................................................................................... 6
1. Herausforderungen im Regionalen Gesundheitsmanagement ............................... 8
2. Gesundheitskonferenzen als Lösungsansatz: Verbreitung und Stand der
Evaluationsforschung ........................................................................................... 10
2.1 Begriffsbestimmung ......................................................................................... 10
2.2 Verbreitung von Gesundheitskonferenzen und Rahmenbedingungen in
Deutschland .......................................................................................................... 10
2.3 Bisherige Evaluationsstudien .......................................................................... 13
3. Rahmenbedingungen des Modellprojekts Regionale Gesundheitskonferenzen in
Bayern .................................................................................................................. 15
4. Zielsetzung und konzeptioneller Hintergrund des Modellprojekts......................... 17
5. Modellregionen Bamberg, Südostoberbayern und Weißenburg-Gunzenhausen . 21
6. Wissenschaftliche Begleitung und formative Evaluation ...................................... 24
6.1 Methodik .......................................................................................................... 24
6.2 Monitoring der Implementations- und Umsetzungsphase ............................... 26
6.3 Ergebnisse der Teilnehmerbefragung der drei Modellregionen ....................... 28
6.4 Regionalberichte zu den drei Modellregionen ................................................. 34
6.4.1 Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg .............................................. 34
6.4.1.1 Geschäftsstelle Bamberg ................................................................... 34
6.4.1.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg ............... 34
6.4.1.3 Bedarfsanalyse Bamberg ................................................................... 36
6.4.1.4 Arbeitsgruppen in Bamberg ............................................................... 37
6.4.1.5 Öffentlichkeitsarbeit Bamberg ............................................................ 39
6.4.1.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung in Bamberg............................. 39
6.4.1.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der
Teilnehmerbefragung in Bamberg.................................................................. 41
6.4.1.8 Resümee des Geschäftsstellenleiters der Regionalen
Gesundheitskonferenz Bamberg ................................................................... 43
6.4.1.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg ................ 43
6.4.2 Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern ............................... 45
6.4.2.1 Geschäftsstelle Südostoberbayern .................................................... 45
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

3

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4.2.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern 45
6.4.2.3 Bedarfsanalyse Südostoberbayern .................................................... 46
6.4.2.4 Arbeitsgruppen in Südostoberbayern ................................................. 47
6.4.2.5 Ergebnis: gemeinsame Resolution Südostoberbayern ...................... 47
6.4.2.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung Südostoberbayern .................. 48
6.4.2.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der
Teilnehmerbefragung in Südostoberbayern ................................................... 50
6.4.2.8 Resümee des Geschäftsstellenleiters der Regionalen
Gesundheitskonferenz Südostoberbayern ..................................................... 53
6.4.2.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern . 53
6.4.3 Regionale Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen ............... 55
6.4.3.1 Geschäftsstelle Weißenburg-Gunzenhausen..................................... 55
6.4.3.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz WeißenburgGunzenhausen............................................................................................... 56
6.4.3.3 Bedarfsanalyse Weißenburg-Gunzenhausen .................................... 57
6.4.3.4 Arbeitsgruppen in Weißenburg-Gunzenhausen ................................. 58
6.4.3.5 Öffentlichkeitsarbeit Weißenburg-Gunzenhausen.............................. 62
6.4.3.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung in Weißenburg-Gunzenhausen
....................................................................................................................... 62
6.4.3.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der
Teilnehmerbefragung in Weißenburg-Gunzenhausen ................................... 65
6.4.3.8 Resümee der Geschäftsstellenleiterin der Regionalen
Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen ..................................... 67
6.4.3.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz WeißenburgGunzenhausen............................................................................................... 67
7. Schlussfolgerungen .............................................................................................. 69
8. Ausblick: Gesundheitsregionenplus........................................................................ 74
9. Publikationen, Workshops und Vorträge im Rahmen des Modellprojekts ............ 76
9.1 Publikationen ................................................................................................... 76
9.2 Kongressbeiträge, veranstaltete Workshops und Vorträge ............................. 76
9.3 Internetauftritt .................................................................................................. 77
10. Danksagung ........................................................................................................ 79
11. Literatur .............................................................................................................. 80
12. Tabellen und Abbildungsverzeichnis .................................................................. 83
13. Anhang ............................................................................................................... 85
Anhang 1: Muster-Geschäftsordnung einer Regionalen Gesundheitskonferenz ... 86

4

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 2: Titelblatt Evaluationsbogen Teilnehmerbefragung ............................... 92
Anhang 3: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg 93
Anhang 4: Logo und Homepage der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
.............................................................................................................................. 96
Anhang 5: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz
Südostoberbayern – Befragung der Bürgermeister ............................................... 97
Anhang 6: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz
Weißenburg-Gunzenhausen ............................................................................... 101
Anhang 7: Resolution der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
............................................................................................................................ 103
Anhang 8: Flyer Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus ............................ 113

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

5

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Zusammenfassung
Hintergrund
Gesundheitskonferenzen bieten eine Struktur, um größere Verantwortung in Planung
und Gestaltung des kommunalen Gesundheitsmanagements wahrzunehmen. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege (StMGP) wurden
Regionale Gesundheitskonferenzen von Mitte 2013 bis Ende 2014 im Rahmen eines
Modellprojekts auch in Bayern erprobt. Die teilnehmenden drei Modellregionen waren
die Stadt und der Landkreis Bamberg, der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
sowie die Planungsregion Südostoberbayern. Die 18-monatige Projektphase wurde
vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
wissenschaftlich begleitet und formativ evaluiert.
Methodik
Für die Evaluierung der Implementierungsphase wurden verschiedene Erhebungsinstrumente, wie eine schriftliche Befragung der Geschäftsstellenleiter, Dokumentenanalysen sowie eine standardisierte Fragebogenerhebung bei allen Teilnehmern
der drei Modellregionen, eingesetzt. Das Ziel war, die Strukturen, Prozesse und Ergebnisse der drei Regionalen Gesundheitskonferenzen zu erfassen und zu bewerten, Hinweise auf Entwicklungspotenziale zu geben sowie die Übertragbarkeit auf
andere Regionen zu prüfen. Für die Modellphase sollten die drei Regionen eine Gesundheitskonferenz gründen, die sich aus den regionalen Akteuren des Gesundheitswesens zusammensetzt, und eine Geschäftsstelle einrichten. Außerdem sollten
drei Sitzungen der Regionalen Gesundheitskonferenzen zu Konstituierung, Bedarfsermittlung und Maßnahmenentwicklung stattfinden und für eine vertiefende Bearbeitung der gesetzten Themen Arbeitsgruppen gebildet werden.
Ergebnisse
Die Vorgaben konnten in allen drei Regionen erfolgreich umgesetzt werden. Den
Vorsitz der Gesundheitskonferenz übernahmen die Landräte bzw. der Planungsverbandsvorsitzende. Die Geschäftsstellen wurden zügig bei der kommunalen Selbstverwaltung eingerichtet und die Gremien mit den entsprechenden Akteuren besetzt.
Bedarfsanalysen wurden anhand eigener Befragungen sowie Analysen bestehender
Daten durchgeführt. Der Themenschwerpunkt lag in allen drei Regionen auf der
ärztlichen Versorgung. Insgesamt wurden 13 Arbeitsgruppen gebildet. Aufgrund der

6

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

verschiedenen Regionalbezüge gab es Unterschiede in der Größe und Zusammensetzung der Gremien. Auch die Herangehensweisen und Geschwindigkeiten differierten in den drei Regionen, so dass sie sich am Ende der Implementationsphase in
verschiedenen Entwicklungsstadien befanden. Während in Südostoberbayern eine
umfassende Resolution verabschiedet wurde, sind in Weißenburg-Gunzenhausen
einzelne Projekte umgesetzt, aber bspw. auch ein Positionspapier zum Bereitschaftsdienst entwickelt worden. In Bamberg lag der Fokus im medizinischen Bereich
mit einigen Projekten, die sich zum Teil noch in der Planungsphase befinden. Auch
wenn sich die Prozesse und Ergebnisse der Regionen unterscheiden, zeigte die am
Ende der Modellphase durchgeführte Teilnehmerbefragung insgesamt ein sehr
positives Feedback seitens der Akteure, die fast alle mit dem Verlauf der Gesundheitskonferenzen zufrieden waren und auch in Zukunft wieder teilnehmen würden.
Drei Viertel der Akteure empfanden die Atmosphäre konstruktiv. Die Teilnehmer
sehen die Regionalen Gesundheitskonferenzen als ein geeignetes Instrument zur
Optimierung der Gesundheitsversorgung sowie zur Verbesserung der Kooperation
untereinander und bestätigen die Wichtigkeit eines Geschäftsstellenleiters.
Schlussfolgerungen
Insgesamt zeigten die Ergebnisse im Modellprojekt, dass die Regionalen Gesundheitskonferenzen eine sehr gute Plattform für Koordination, Austausch und Zusammenarbeit der Akteure darstellen. Sie haben sich somit als Kooperationsinstrument
bewährt. Der Ansatz wird in Bayern über das neue Förderkonzept Gesundheitsregionenplus des StMGP qualitativ und in der regionalen Reichweite ausgebaut. Die Regionalen Gesundheitskonferenzen Weißenburg-Gunzenhausen und Bamberg sowie der
Landkreis Berchtesgadener Land aus der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern werden in eine Gesundheitsregionplus überführt und können somit ihre
Arbeit fortsetzen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

7

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

1. Herausforderungen im Regionalen Gesundheitsmanagement
„Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt:
dort, wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben“ formulierte die Ottawa-Charta der
Weltgesundheitsorganisation (WHO, 1986). Sie schrieb damit den „Lebenswelten“,
wie den Gemeinden, Kreisen oder Städten, eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit der Menschen zu. Gleichzeitig nimmt das Gesundheitswesen – als elementarer
Bestandteil des Gemeinwesens – einen hohen Rang in der Wertigkeit der
Bürgerinnen und Bürger ein. Es zählt auch wirtschaftlich als wichtiger Standortfaktor.
Gesundheit ist nicht nur ein privates, sondern auch ein öffentliches Gut. Länder und
Kommunen nehmen deshalb in besonderem Maße Steuerungs- und Aufsichtsfunktionen über das Gesundheitswesen im Sinne der Daseinsfürsorge wahr.
Das Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen. Der demografische
Wandel führt zu einer immer älter werdenden Gesellschaft mit großen Veränderungen im Krankheitsspektrum und beim Bedarf an Versorgungsleistungen. Das
Gesundheitswesen ist aber nicht nur durch die Verschiebungen in der Nachfrage
nach Gesundheitsleistungen, sondern auch durch die Überalterung der niedergelassenen Ärzteschaft gefordert. Um den hohen Standard einer flächendeckenden und
wohnortnahen medizinischen Versorgung aufrechtzuerhalten, gilt es daher, sowohl
drohende Unterversorgung als auch Über- und Fehlversorgung zu vermeiden. Das
deutsche Gesundheitssystem ist durch eine in dieser Form einzigartige starke
Trennung der ambulanten und stationären Leistungsbereiche sowie durch eine ausgeprägte Selbstverwaltung gekennzeichnet. Seine Komplexität, verschiedene
Zuständigkeiten und die Schnittstellenproblematik erfordern Kommunikation, Mitverantwortung und Kooperation der Akteure (SVR, 2007). Den Kommunen kommt dabei
steigende Bedeutung zu, da jede Region andere Voraussetzungen hat und historisch
gewachsene regionale Unterschiede in den Strukturen der Gesundheitsversorgung
und Prävention bestehen (SVR, 2014). Darüber hinaus sind die Gesundheitszustände in der Bevölkerung und die Bedarfslagen regional sehr verschieden (AurichBeerheide & Knieps, 2014). Darauf weisen regionale Differenzen in der Sterblichkeit
und Lebenserwartung in Bayern hin (LGL, 2014; Gaber & Wildner, 2011). Erfolgversprechender ist deshalb eine Optimierung der Strukturen in Kenntnis der regionalen
Besonderheiten und Bedürfnisse. Regionalspezifische bedarfsgerechte Steuerungs-

8

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

systeme gewinnen damit für die Gesundheitsversorgung stark an Relevanz. Viele
populationsbezogene Gesundheitsprobleme sind außerdem nicht (mehr) von Einzelakteuren, sondern nur im Zusammenwirken vieler Beteiligter im Gesundheitssystem
und unter Einbeziehung verschiedener Politikfelder lösbar. Eine Reihe von Risikofaktoren der Hauptkrankheitsgruppen liegen z. B. in den Bereichen Umwelt, Arbeit,
Soziales, Bildung etc. und bedürfen eines „Health in all Policies“-Ansatzes auch auf
der regionalen Ebene (McQueen et al., 2012). Erschwerend kommt hinzu, dass sich
die Versorgungsforschung in Deutschland in vielen Bereichen erst im Aufbau befindet und es dadurch an Studien und Daten für evidenzbasiertes gesundheitspolitisches Handeln mangelt (Hollederer et al., 2015a; 2015b). Für eine zielgerichtete
sektorenübergreifende Zusammenarbeit vor Ort werden geeignete Kommunikationsund Koordinationsstrukturen sowie ein kompetentes Netzwerk benötigt. Auch der
Sachverständigenrat im Gesundheitswesen spricht sich in seinem Sondergutachten
aus dem Jahr 2009 für eine Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems
durch verbesserte Koordination und regionale Abstimmung sowie für eine auf die
Bedürfnisse der Generationen bezogene Gesundheitsversorgung aus (SVR, 2009).

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

9

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

2. Gesundheitskonferenzen als Lösungsansatz: Verbreitung und Stand der
Evaluationsforschung
Ein geeignetes Management- und Steuerungsinstrument für die genannten Herausforderungen stellen kommunale Gesundheitskonferenzen dar (Hollederer, 2015). Sie
dienen als Plattform für den direkten Transfer von Informationen, Konzepten und
Strategien zwischen Land und Kommunen sowie Akteuren des Gesundheitswesens.
Gesundheitskonferenzen bieten eine Struktur, um größere Verantwortung für die
Planung und Gestaltung des Gesundheitswesens wahrzunehmen und die Handlungsmöglichkeiten vor allem im regionalen Gesundheitsmanagement durch
zielgerichtete Zusammenarbeit über die Systemgrenzen des zudem hochgradig
selbstverwalteten Gesundheitswesens hinweg zu erweitern.
2.1 Begriffsbestimmung
Meier (1995) definiert Gesundheitskonferenzen als „runde Tische“, an denen
Vertreter aller relevanten Gruppierungen und Institutionen des Gesundheitswesens
teilnehmen. Sie zielen auf Verständigung, Kooperation sowie Partizipation. Brand
und Michelsen (2012) beschreiben Gesundheitskonferenzen auch als eine Möglichkeit, Politik sektorenübergreifend zu gestalten. Das Konsensprinzip sowie die
Initiative des öffentlichen Sektors mit Einbindung der Akteure und Entscheidungsträger des selbstverwalteten Gesundheitswesens werden als charakteristisch für das
Arbeiten einer Gesundheitskonferenz dargestellt (ebd.). Das Wort „Konferenz“ kann
vom lateinischen Wort „conferre“ abgeleitet werden und bedeutet „zusammentragen“
oder auch „sich besprechen“ (Dudenverlag, 2015). Bei einer Gesundheitskonferenz
sollen dementsprechend relevante Gesundheitsthemen erörtert, aber auch Lösungsansätze entwickelt werden.
2.2 Verbreitung von Gesundheitskonferenzen und Rahmenbedingungen in
Deutschland
Zu Gesundheitskonferenzen bestehen langjährige Umsetzungserfahrungen bei
relativ hoher Verbreitung. Gesundheitskonferenzen gibt es in Mitteleuropa in den
Ländern Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz (Hollederer, 2014).
Sie sind damit besonders in Ländern mit föderaler Struktur und Gesundheitswesen
mit Sozialversicherungssystemen verbreitet. In Deutschland werden sie bereits seit

10

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

mehr als zwei Jahrzehnten in unterschiedlichen Wellen implementiert, insbesondere
in den alten Bundesländern. Sie gehen auf Initiativen von Gesundheitsministerien der
Länder oder einzelnen kommunalen Gebietskörperschaften zurück. Insgesamt
decken ca. 130 bestehende Gesundheitskonferenzen rund ein Drittel der Kreise und
kreisfreien Städte ab (Hollederer, 2015). In Abbildung 1 wird die räumliche Verteilung
dieser 130 Gesundheitskonferenzen dargestellt.
Abbildung 1: Verbreitungsgrad der Gesundheitskonferenzen in Deutschland (Stand 2014)

Erstellt von: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Versorgungsqualität, Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystemanalyse (GE6) mit Data & Maps for ArcGis, ©ESRI
Quelle: Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

11

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Die Einführungsstrategien reichten je nach Ambition der Länder von lokalen Einzelaktionen bis hin zur Flächendeckung (Hollederer, 2015). Es gibt allerdings unterschiedliche Raumbezugsgrößen und eine Vielzahl an verwendeten Begrifflichkeiten
für Gesundheitskonferenzen. Ebenso sind die zugrundeliegenden Konzepte und die
Zusammensetzung der Akteure sehr heterogen. Es gibt ein breites Themenspektrum,
das von bevölkerungsbezogenen Gesundheitsproblemen über Themen der Gesundheitsversorgung und -förderung bis zu speziellen Zielgruppenproblematiken reicht.
Die Prioritätensetzungen sind auch durch die Bildung von speziellen Arbeitsgruppen
ersichtlich, die Gesundheitskonferenzen einsetzen, wenn Gesundheitsprobleme
langfristig und intensiver bearbeitet werden. Besonders häufig wird inhaltlich die
Prävention und Gesundheitsförderung aufgegriffen, da diese als gesellschaftliche
Gemeinschaftsaufgabe besonders der Koordination und Ausgestaltung vor Ort bedarf. Die Wirksamkeit der Arbeitsformen und Ergebnisse ist weitgehend von der
Mitwirkungsbereitschaft der Mitglieder und deren Einflussmöglichkeiten abhängig.
Die Umsetzung erfolgt vorwiegend im eigenen Zuständigkeitsbereich der beteiligten
Akteure, wodurch die Gesundheitskonferenzen die bedarfsplanrechtlichen
Zuständigkeiten im ambulanten und stationären Sektor formell unberührt lassen.
Durch die Gesundheitskonferenzen wird in der Regel die Politikberatung unterstützt,
Transparenz und Öffentlichkeit sowie der Transfer zwischen Land und Kommunen
hergestellt. Oftmals wirken Gesundheitskonferenzen auch an der kommunalen
Gesundheitsberichterstattung mit und definieren prioritäre populationsbezogene Gesundheitsziele. Die Geschäftsstellen wurden bei fast allen Gesundheitskonferenzen
beim (neutralen) Öffentlichen Gesundheitsdienst bzw. Gesundheits-/Landratsamt
angesiedelt.
In den Ländern wurden auch entscheidende politische, finanzielle und gesetzgeberische Rahmenbedingungen für das Funktionieren von Gesundheitskonferenzen
gesetzt. Die nachfolgende Tabelle 1 gibt einen Überblick zu den Rahmenbedingungen in besonders engagierten Bundesländern. 1

1

Ausführliche Informationen zur Entwicklung der Gesundheitskonferenzen in Deutschland sowie Beispiele aus den einzelnen Bundesländern bei Hollederer (2015).

12

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Tabelle 1: Unterstützung der Gesundheitskonferenzen auf kommunaler bzw. regionaler Ebene durch
die Bundesländer
Bundesland

Finanzierung durch das
Land

Gesetzliche
Verankerung

Flankierung
durch Landesämter für
Gesundheit
o.ä.

Geschäftsstelle am
Gesundheits/Landratsamt

Inhaltliches
Landesrahmenkonzept

BadenWürttemberg

Einmalig 38.000€ je Landkreis für Geschäftsstelle aus
Aktionsprogramm Landärzte
(insg. 1,75 Mio.)

nein

ja

ja

ja

Berlin

Geschäftsstellenleiter durch
Bezirk

ja

ja

ja

ja

Hamburg

Geschäftsstellenleiter durch
Bezirk
+ 1.000€ jährlich

ja

nein

ja

nein

Keine, für überregionale
Gesundheitskonferenzen

ja

nein

ja

ja

nein

ja

ja

nein

ja, verpflichtende
Einführung für
alle Kommunen

ja

ja

ja

Hessen

(ja, für lokale Gesundheitskonferenzen als Teilprojekte
im Förderprogramm Regionale Netzwerke, 1,35 Mio €
Gesamtmittel)
Niedersachsen

2010-2013: jährlich
100.000€ je Modellregion
2014-2017: jährlich
600.000€ Gesamtmittel; bis
zu 25.000 € je Landkreis

NordrheinWestfalen

61.300€ jährlich je
Kommune für 3 Jahre

2.3 Bisherige Evaluationsstudien
Gesundheitskonferenzen bieten viele Ansatzpunkte für das kommunale Gesundheitsmanagement. Sie wurden bisher allerdings nur selten wissenschaftlich begleitet.
Die wissenschaftlichen Begleitevaluationen der kommunalen Gesundheitskonferenzen in Nordrhein-Westfalen (NRW) (Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und
Gesundheit NRW, 2000; Knesebeck et al., 2001; Knesebeck et al., 2002; Zamora,
2002), der Gesundheitskonferenzen in Berlin (Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, 2010) sowie des Modellprojekts „Zukunftsregion Gesundheit“ in Niedersachsen (Brandes, Bregulla & Altgeld, 2014; Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.,
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

13

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

2014) stellen Ausnahmen dar. Zu den zentralen Ergebnissen der Studien gehört
übereinstimmend eine verbesserte organisations- und professionsübergreifende
Zusammenarbeit durch die Gesundheitskonferenzen. Zudem wurden in NRW und
Niedersachsen die Wichtigkeit von professionellen Strukturen in Form eines
Geschäftsstellenleiters bzw. einer Koordinierungsstelle sowie das Engagement und
die Beteiligung der Akteure für eine erfolgreiche Arbeit betont (Brandes, Bregulla &
Altgeld, 2014; Knesebeck et al., 2001). In NRW haben die Akteure zusätzlich die
Arbeitsatmosphäre positiv bewertet (Knesebeck et al., 2001). Restriktionen der
Gesundheitskonferenzen bestehen allerdings in der Gesamtschau häufig aufgrund
von Finanzierungsschwierigkeiten sowie eingeschränkten Regelungskompetenzen.
Vorhandene Interessens- und Verteilungskonflikte sowie Systemprobleme können
nicht aufgehoben, sondern nur konsensual in eigener Zuständigkeit abgemildert
werden (Hollederer, 2015). Insgesamt überwiegen in den Studien aber die positiven
Aspekte der Kooperation und Netzwerkbildung, so dass Gesundheitskonferenzen als
geeignet angesehen werden, um sich gemeinsam vor Ort den Herausforderungen
der Gesundheitsversorgung zu stellen (Brandes, Bregulla & Altgeld, 2014). Für die
Weiterentwicklung der Gesundheitskonferenzen in Deutschland besteht dennoch
weiterer Evaluationsbedarf hinsichtlich der Durchführbarkeit und Wirksamkeit (Hollederer, 2015).

14

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

3. Rahmenbedingungen des Modellprojekts Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern
Vor dem beschriebenen Hintergrund und unter Berücksichtigung der Chancen, welche Gesundheitskonferenzen potenziell bieten, hat das Bayerische Staatsministerium
für Gesundheit und Pflege (StMGP) das Bayerische Landesamt für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit (LGL) Anfang des Jahres 2013 mit der Durchführung des
Forschungsprojekts „Untersuchung des Bedarfs an regionalen Gremien zur Vor-OrtAnalyse der ärztlichen Versorgungssituation“ beauftragt. Im Rahmen dieses
Forschungsprojekts wurden in Bayern Regionale Gesundheitskonferenzen (RGK) mit
Konzentration auf die wohnortnahe Gesundheitsversorgung modellhaft erprobt. Das
Modellprojekt wurde durch das Sachgebiet GE 6 „Versorgungsqualität, Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemanalyse“ des LGL betreut und wissenschaftlich begleitet. Das LGL fungierte gleichzeitig als Bewilligungsbehörde.
Die Modellphase war ursprünglich auf eine Laufzeit von neun Monaten mit einer finanziellen Unterstützung von 20.000 Euro pro Region angelegt. Bei intensiven Vorgesprächen mit möglichen Partnern in den Modellregionen stellte sich aber die kurze
Zeitspanne für die Implementierung als Hinderungsgrund für eine Teilnahme dar. Die
damit verbundene kurze Finanzierungsdauer führte zu Unsicherheit hinsichtlich einer
langfristigen Projektfortführung. Die Nachhaltigkeit der Regionalen Gesundheitskonferenzen wurde als gefährdet eingeschätzt. Durch eine darauf folgende Ausweitung
der Projektdauer und Finanzierung von Mitte 2013 bis Ende 2014 konnten schließlich
drei verschiedenartige Regionen für das Modellprojekt der Regionalen Gesundheitskonferenzen in Bayern akquiriert werden.
Das StMGP stellte für die Durchführung des Projekts eine Gesamtsumme von
263.109 Euro zur Verfügung. Jede der drei teilnehmenden Regionen wurde mit einer
Anschubinvestition von ca. 46.000 Euro unterstützt, um den Großteil der anfallenden
Personal- und Organisationskosten zu decken. Der Betrag wurde mit einer halben
Stelle im gehobenen Dienst und zusätzlichen Sachkosten für die Projektlaufzeit
kalkuliert. Eine verpflichtende Einbringung an Eigenmitteln der Regionen gab es
nicht. Die übrigen Finanzmittel wurden für die Besetzung einer Projektstelle am LGL
zur fachlichen Betreuung der Regionen und wissenschaftlichen Begleitung der
Modellphase eingesetzt.
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

15

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Als weitere Unterstützung für die Modellregionen entwickelte das LGL als Starthilfe
ein umfassendes Fachkonzept für die Durchführung von Regionalen Gesundheitskonferenzen und die inhaltliche Aufbereitung prioritärer Themen in der Gesundheitsversorgung. Außerdem wurde eine Mustergeschäftsordnung (vgl. Anhang 1) zur
Verfügung gestellt, welche die Regionen individuell anpassen konnten. Es war
jedoch nicht verpflichtend, sie zu nutzen. Die vorbereiteten Unterlagen sollten den
Einstieg in die Facharbeit erleichtern und beschleunigen. Flankierend wurde eine
intensive fachliche Beratung und Unterstützung der Modellregionen durch das LGL
und ein intensiver fachlicher Austausch mit den Geschäftsstellenleitern durchgeführt.
Zudem konnten im Verlauf des Modellprojekts Synergieeffekte innerhalb des LGL
erzielt werden. Bei Fragestellungen bspw. zur ärztlichen Versorgung oder zu innovativen Versorgungsideen konnte der direkte Kontakt zu Ansprechpartnern des am LGL
angesiedelten Kommunalbüros für ärztliche Versorgung oder des Projektconsultings
für das Förderprogramm innovative medizinische Versorgungskonzepte vermittelt
werden. Zusätzlich fanden während der Modellphase wiederholt Projekttreffen
zwischen den Geschäftsstellenleitern und Verantwortlichen des LGL und StMGP
statt, um einen Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den einzelnen
Regionen und gleichzeitig die Berichterstattung gegenüber dem Auftraggeber des
Projekts sicherzustellen.
Die wesentlichen Informationen wurden im Internetauftritt des Modellprojekts (unter www.lgl.bayern.de/gesundheit/gesundheitsversorgung/gesundheitskonferenzen)
eingepflegt.
Neben der wissenschaftlichen Prozessbegleitung und Evaluation fanden außerdem
diverse weitere Aktivitäten statt. Hierzu zählten wissenschaftliche Publikationen und
Vorträge zum Thema Gesundheitskonferenzen. Die Netzwerkarbeit mit anderen
Bundesländern, die im Bereich der Gesundheitskonferenzen aktiv sind, wurde vor
allem durch organisierte Workshops auf Fachkongressen intensiviert. Hier wurden
jeweils die aktuellen Zwischenergebnisse des Modellprojekts vorgestellt und diskutiert sowie durch Vorträge von verantwortlichen Protagonisten aus anderen Bundesländern ergänzt.

16

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

4. Zielsetzung und konzeptioneller Hintergrund des Modellprojekts
Die strategische Zielsetzung von Regionalen Gesundheitskonferenzen bestand in
der Optimierung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung in Bayern. In der Modellphase waren zunächst der Bedarf und die Akzeptanz seitens der regionalen Akteure
im Gesundheitswesen bezüglich eines solchen Gremiums modellhaft in drei Regionen Bayerns zu erproben. Aus dem Modellprojekt sollten Erkenntnisse über die
praktische Umsetzung und Wirksamkeit gewonnen werden, um über eine spätere
Ausweitung des Instruments und die dazugehörigen Rahmenbedingungen gesundheitspolitisch entscheiden zu können.
In jeder der drei Modellregionen sollten zur Verbesserung der Strukturen vor Ort
daher Gesundheitskonferenzen im Sinne eines Fachgremiums gegründet und dazugehörige Geschäftsstellen eingerichtet werden. Empfohlen wurde die Ansiedlung der
Geschäftsstelle beim Öffentlichen Gesundheitsdienst. Weitere zentrale Anforderungen für die Modellphase waren jeweils drei Sitzungen der Gesundheitskonferenz für
die Konstituierung, das Assessment und die Entwicklung von Maßnahmen,
Strategien oder Projekten (vgl. Abbildung 2).
Abbildung 2: Projektplan für die Modellphase der Regionalen Gesundheitskonferenzen

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

17

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Um Schwerpunkte für die zukünftige Arbeit festlegen zu können, war nach der konstituierenden Sitzung die Analyse der Versorgungssituation und die Identifikation von
etwaigem lokalen Versorgungsbedarf und Qualitätsdefiziten in der Gesundheitsversorgung notwendig. Entsprechend der Themenauswahl waren danach Arbeitsgruppen zu gründen und schließlich Maßnahmen oder Projekte zu initiieren. Je nach Art
der regionalen Problemlage gab es verschiedene Aufgaben und Aktivitäten für die
Regionalen Gesundheitskonferenzen und deren Arbeitsgruppen, um das Ziel einer
verbesserten wohnortnahen Gesundheitsversorgung zu erreichen. Dazu gehören
u.a. die


Formulierung von kommunalen Gesundheitszielen



Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen für die regionale Gesundheitsversorgung



Vernetzung sowie Intensivierung der Kooperation der regionalen Akteure im
Gesundheitswesen (Kooperationsprojekte oder gemeinsame Maßnahmen)



Verabschiedung von Handlungsempfehlungen, die unter Selbstverpflichtung
der Beteiligten umgesetzt werden

Akteure
In dem fachlich kompetenten Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenzen sollten alle Vertreter der Einrichtungen zusammenkommen, die vor Ort bei der gesundheitlichen Versorgung eine wesentliche Rolle wahrnehmen. Die Auswahl der entsprechenden Akteure hatte durch die teilnehmenden Regionen zu erfolgen. Das
Gremium war mit Vertretern der Gesundheitspolitik und der Gesundheitsverwaltung,
der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung, von Sozialversicherungsträgern sowie Vertretern weiterer gemeinnütziger Organisationen der Region zu
besetzen. Es wurde allerdings empfohlen, eine Obergrenze von 30 Mitgliedern
einzuhalten. In Abbildung 3 werden alle Akteure, die im Allgemeinen für die Gesundheitskonferenzen nach dem Fachkonzept infrage kommen, aufgeführt.

18

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Abbildung 3: Akteure in Gesundheitskonferenzen

Aufgaben der Geschäftsstelle
Die einzurichtende Geschäftsstelle repräsentierte die Regionale Gesundheitskonferenz nach außen. Die Geschäftsführer koordinierten und unterstützten die
Arbeit der Regionalen Gesundheitskonferenz. Sie bereiteten die Sitzungen vor und
nach. Die Geschäftsführer organisierten die Arbeitsgruppen und begleiteten sie
inhaltlich. Außerdem waren sie zuständig für den Austausch mit und der Berichterstattung gegenüber dem LGL, für die Zusammenführung und Weitergabe von Informationen und die Öffentlichkeitsarbeit.
Agenda-Setting
Die Regionalen Gesundheitskonferenzen hatten seitens des Auftraggebers keine
konkreten Vorgaben bezüglich der Schwerpunktthemen, da davon auszugehen war,
dass die spezifischen Problemlagen vor Ort sehr unterschiedlich aussehen würden.
Die Auswahl musste von allen Mitgliedern gemeinsam und in Abhängigkeit von den
jeweiligen regionalen Problemkonstellationen getroffen werden. Es war allerdings ein
Fokus auf die ambulant-ärztliche Versorgung zu legen. Für die Bearbeitung der gewählten prioritären Gesundheitsthemen sollten Arbeitsgruppen gebildet werden. Die
Arbeitsgruppenmitglieder waren von der Regionalen Gesundheitskonferenz festzulegen, wobei zusätzliche externe Fachleute je nach Anlass hinzugezogen werden
konnten.
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

19

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Handlungszyklus
Die untenstehende Abbildung 4 verdeutlicht in Anlehnung an den Public-HealthAction-Cycle, wie die Gremien idealerweise vorgehen sollten. Zuerst gilt es, die
regionalen Gesundheitsprobleme zu identifizieren, z. B. mit Hilfe der Gesundheitsberichterstattung. Nach einer Analyse der regionalen Versorgungssituation sollten
Gesundheitsziele und evidenzbasierte Strategien entwickelt werden, welche anschließend in Form von Maßnahmen oder Projekten umgesetzt werden sollten.
Wichtig ist hierbei die Evaluation und Verlaufsbeobachtung von Projekten und Maßnahmen, deren Ergebnisse auch wieder in eine darauffolgende Problembestimmung
einfließen. Hiermit schließt sich der Kreis und das Prozedere beginnt erneut mit der
Identifikation der regionalen Gesundheitsprobleme.
Abbildung 4: Handlungszyklus einer Gesundheitskonferenz

20

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

5. Modellregionen Bamberg, Südostoberbayern und WeißenburgGunzenhausen
Das Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen wurde in drei verschiedenartigen und räumlich getrennten Modellregionen erprobt:
1. Stadt und Landkreis Bamberg
2. Planungsverband Südostoberbayern (Landkreise Mühldorf am Inn, Altötting,
Traunstein, Rosenheim, Berchtesgadener Land und kreisfreie Stadt Rosenheim)
3. Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Abbildung 5: Modellregionen der Regionalen Gesundheitskonferenzen in Bayern

Erstellt von: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Versorgungsqualität, Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystemanalyse (GE6) mit Data & Maps for ArcGis, ©ESRI
Quelle: Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

21

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Über diese drei Modellregionen wurden somit neun der 96 bayerischen Landkreise
und kreisfreien Städte in drei verschiedenen Regierungsbezirken erreicht (vgl. Abbildung 5). Die drei Modellregionen divergieren in den Raumbezugsgrößen.
Während der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen alleine eine Gesundheitskonferenz bildete, schlossen sich bei den anderen zwei Modellregionen mehrere Gebietskörperschaften zusammen. Die Stadt Bamberg liegt inmitten des Landkreises
Bamberg. Sie bildeten eine gemeinsame Regionale Gesundheitskonferenz. In Südostoberbayern gründeten insgesamt fünf Landkreise und eine kreisfreie Stadt eine
Gesundheitskonferenz.
Die drei Modellregionen unterschieden sich erheblich bezüglich der jeweiligen Strukturdaten und Versorgungsindikatoren (vgl. Tabelle 2). Die Modellregionen differieren
stark in der Bevölkerungsentwicklung. Für den dünn besiedelten Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wird ein vergleichsweise hoher Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Für die Stadt Bamberg als auch für den Landkreis Bamberg ist ein leichter
Bevölkerungsrückgang zu erwarten. Die größte Regionale Gesundheitskonferenz
bildete die Planungsregion Südostoberbayern mit insgesamt um die 800.000
Einwohner und einer tendenziellen Bevölkerungszunahme, wobei die einzelnen
Stadt- und Landkreise leichte Unterschiede aufweisen und bspw. für den Landkreis
Rosenheim der höchste Zuwachs prognostiziert wird. Betrachtet man die Versorgungsindikatoren der Regionen, sind auch hier Unterschiede zwischen den Modellregionen, aber auch innerhalb der Modellregion Bamberg und Südostoberbayern bei
den teilnehmenden Gebietskörperschaften festzustellen. Beispielsweise gibt es für
die Region Bamberg statistisch insgesamt 525 Einwohner je Arzt in ambulanten Einrichtungen. Dies verteilt sich allerdings auf 257 Einwohner je Arzt im Landkreis und
1.081 in der Stadt. Dagegen hat die Stadt Bamberg eine sehr viel höhere Krankenhausbettendichte mit 14,5 je 1.000 Einwohner im Vergleich zum Landkreis mit 1,7.
Die Unterschiede sind zwar innerhalb der Planungsregion Südostoberbayern nicht so
groß, aber dennoch nennenswert. Mühldorf am Inn hat die höchste Anzahl an Einwohnern je Arzt in ambulanten Einrichtungen mit 610, während die Stadt Rosenheim
mit 243 die niedrigste aufweist. Die Krankenhausbettendichte ist in der Stadt und im
Landkreis Rosenheim (mit 10,7 bzw. 10,4 je 1.000 Einwohner) am höchsten. Die
Struktur- sowie Versorgungsunterschiede innerhalb der teilnehmenden Gebietskörperschaften sowie zwischen den Modellregionen können die Etablierung der

22

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Gesundheitskonferenzen, ihre Größe und Besetzung der Gremien, aber auch deren
Arbeitsweise und die zu behandelnden Themen beeinflussen.
Tabelle 2: Ausgewählte Strukturdaten und Versorgungsindikatoren der Modellregionen zu
Projektbeginn

Strukturdaten

Jahr

Gebietskörperschaften

Regionale
Regionale
Regionale
Gesundheitskonferenz
Gesundheitskonferenz Gesundheitskonferenz
WeißenburgBamberg
Südostoberbayern
Gunzenhausen
Landkreise Altötting,
Berchtesgadener Land, Landkreis WeißenburgStadt und Landkreis
Rosenheim, Traunstein
Gunzenhausen
Bamberg
und Stadt Rosenheim

Bevölkerung (31.12.2012)

2012

214.621

792.285

92.187

Bevölkerungsveränderung 2011-2031
(in %)

2011

-2,7

1,5

-7,4

Fläche in km²

2013

1.223

5.225

971

Siedlungsstrukturelle Typen

2013

Ländlicher Kreis mit
Verdichtungsansätzen;
Stadt Bamberg als Oberzentrum

Ländliche Region
(ländliche Kreise mit
Verdichtungsansätzen
und Städtische Kreise)

dünn besiedelter
ländlicher Kreis

2012

525

485

698

2010

25,9

27,4

20,6

2012

5,9

7,1

4,6

Versorgungsindikatoren
Einwohner je Arzt in ambulanten
Einrichtungen
Hausärzte: Anteil 60 Jahre und älter
(in %)
Krankenhausbettendichte je 1.000
Einwohner

Quelle: eigene Berechnungen basierend auf Daten des Bayerischen Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung, Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Laufende Raumbeobachtung), GBE 2012 Indikator 8.8 und KVB Versorgungsatlas

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

23

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6. Wissenschaftliche Begleitung und formative Evaluation
6.1 Methodik
Die Erfahrungen und Ergebnisse im Modellprojekt der Regionalen Gesundheitskonferenzen wurden von August 2013 bis Dezember 2014 vom LGL wissenschaftlich
begleitet, dokumentiert und formativ evaluiert. Eine formative Evaluation ist meistens
erkundend angelegt und wird vor allem bei der Entwicklung und Erkundung neuer
Maßnahmen eingesetzt (Bortz & Döring, 2002). Das Ziel der hier durchgeführten prozessbegleitenden Evaluation war, die Ergebnisse der Regionalen Gesundheitskonferenzen zu bewerten und gleichzeitig einen umfassenden Überblick der Strukturen
und Prozesse der Gesundheitskonferenzen zu erhalten. Außerdem zielte sie darauf,
auch die Perspektive der teilnehmenden Akteure besonders hinsichtlich ihrer Zufriedenheit mit der Gesundheitskonferenz und ihrer Einschätzung über die Zielerreichung zu erheben. Dies sind entscheidende Erfolgsparameter für das Fortbestehen
und den Erfolg einer Gesundheitskonferenz. Die Evaluation sollte auch der späteren
Übertragbarkeit in andere Regionen dienen. Die Erkenntnisse aus der Modellphase
sollten vom LGL daher abschließend in einen Handlungsleitfaden zur Unterstützung
für weitere bayerische Regionen eingearbeitet werden (vgl. Kapitel 8).
Die Evaluation erfasste die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität. Die für die Evaluation entscheidenden Merkmale werden in Tabelle 3 dargestellt.
Tabelle 3: Strukturelle, prozessuale und ergebnisbezogene Merkmale der Evaluation

Die formative Evaluation erfolgte in einer Triangulation von qualitativen und quantitativen empirischen Methoden. Sie lehnte sich im Evaluationsdesign stark an die
wissenschaftliche Begleitung des Modellprojekts „Ortsnahe Koordinierung der
gesundheitlichen und sozialen Versorgung“ aus Nordrhein-Westfalen an (Ministerium
für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit NRW, 2000; Knesebeck et al, 2001).

24

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Zu Beginn der Modellphase wurde mit einer standardisierten schriftlichen Befragung
der Geschäftsstellenleiter die Strukturqualität und der Aufbau der Geschäftsstellen
erfasst. Für ein Monitoring der Implementations- und Umsetzungsphase dienten
Dokumentenanalysen von vierteljährlichen Fortschrittsberichten, Sitzungsprotokollen
der Gesundheitskonferenzen und der Arbeitsgruppentreffen sowie von Sitzungsdokumentationsbögen. Die Befunde wurden ergänzt durch die teilnehmenden Beobachtungen der Evaluatoren an den einzelnen Sitzungen der Gesundheitskonferenzen
sowie den kontinuierlichen Austausch mit den Geschäftsstellenleitern.
Um die Perspektive der Akteure zu erfassen, wurde als wichtigstes Evaluationsinstrument am Ende der letzten Sitzung der Gesundheitskonferenzen eine Vollerhebung bei allen Teilnehmern der drei Modellregionen mittels eines teilstandardisierten
Fragebogens durchgeführt. Das Erhebungsinstrument beinhaltete 21 Items im LikertFormat mit Statements, deren Zustimmungsgrad auf einer 4-stufigen-Antwortskala
abgefragt wurde („trifft zu“, „trifft eher zu“, „trifft eher nicht zu“, „trifft nicht zu“ sowie
die Antwortmöglichkeit „weiß nicht“). Neun Items fragten die Einschätzungen der
Akteure bezüglich Strukturen und Prozesse und drei Items den Einfluss der
Geschäftsstellenleiter, Vorsitzenden und Moderatoren ab. Weitere sieben
Einzelitems erfassten Erfolgsparameter der Gesundheitskonferenz aus Sicht der
Akteure und zwei den Zufriedenheitsgrad. Außerdem wurde in dem Fragebogen die
Zugehörigkeit zu den Hauptakteursgruppen erhoben. Vier offene Fragen gaben die
Möglichkeit, positive und negative Faktoren für den Verlauf der Gesundheitskonferenz sowie Verbesserungsvorschläge zu nennen. Der Fragebogen war von den
Akteuren anonym zu beantworten und zurückzugeben. Die Rückgabe konnte direkt
vor Ort oder auch postalisch erfolgen.
Mittels der Statistiksoftware IBM SPSS Statistics 22 wurden Deskriptions- und Korrelationsanalysen mit den erfassten Daten durchgeführt. Für die Likert-skalierten Items
wurden darüber hinaus Mittelwerte berechnet. Es ist einschränkend darauf hinzuweisen, dass die berichteten Ergebnisse insbesondere auf regionaler Ebene auf kleinen
Fallzahlen beruhen. Deswegen wurde auf statistische Tests und die
Berechnung von Konfidenzintervallen verzichtet. Die berichteten Unterschiede
zwischen den Akteursgruppen oder Regionen sind daher prinzipiell als Hinweise zu
betrachten und vorsichtig zu interpretieren.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

25

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Im Folgenden werden die zentralen Befunde und Ergebnisse der wissenschaftlichen
Begleitung des Modellprojekts der Regionalen Gesundheitskonferenzen berichtet.
Zuerst folgt eine Deskription der Implementationsphase sowie die Darstellung der
Ergebnisse aus der Teilnehmerbefragung, jeweils zusammenfassend für alle drei
Modellregionen. Anschließend wird jede Region individuell vorgestellt, um einen
tieferen Einblick in die verschiedenen Gesundheitskonferenzen und deren Entwicklungen geben zu können.
6.2 Monitoring der Implementations- und Umsetzungsphase
Tabelle 4 informiert über die Strukturen der drei Regionalen Gesundheitskonferenzen
während der Implementationsphase.
Alle drei Modellregionen haben relativ zügig eine funktionierende Gesundheitskonferenz etablieren können. Durch die Anschubfinanzierung wurde in den drei
Regionen die Einrichtung der Geschäftsstellen realisiert und mit der nötigen Infrastruktur bei der kommunalen Selbstverwaltung angesiedelt. Die Geschäftsstellenleiter wurden in Teilzeit beschäftigt und erhielten weitere Unterstützung von
Mitarbeitern der jeweiligen Institution. Für Organisation, Planung und Agenda-Setting
wurden interne kleinere Steuerungsgruppen gebildet. In der Befragung der
Geschäftsstellenleiter werden die Arbeitsbedingungen mit „gut“ bis „sehr gut“ beurteilt. Den Vorsitz der Gesundheitskonferenzen führten die Landräte bzw. der
Planungsverbandsvorsitzende. Die Moderation der einzelnen Sitzungen der
Gesundheitskonferenzen wurde entweder von den Geschäftsstellenleitern oder den
Vorsitzenden bzw. auch in Kombination übernommen. Entsprechend dem Projektplan fanden in der Implementationsphase in allen Regionen jeweils drei Sitzungen
der Gesundheitskonferenz statt. In zwei Modellregionen wurde eine Geschäftsordnung verabschiedet.

26

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Tabelle 4: Strukturen der Regionalen Gesundheitskonferenzen
Regionale
Bamberg
Gesundheitskonferenz

Südostoberbayern

WeißenburgGunzenhausen

Vorsitz

Landrat

Planungsverbandsvorsitzender

Landrat

Ansiedlung
Geschäftsstelle

Gesundheitsamt

Planungsverband

Gesundheitsamt

Steuerungsgruppe

ja

ja

ja

Moderation der
Sitzungen

Geschäftsstellenleiter

Vorsitzender

Geschäftsstellenleiterin

Geschäftsordnung

ja

nein

ja

a) eigene Befragung

ja

ja

ja

b) Analysen
bestehender Daten

ja

ja

ja

Arbeitsgruppen (AG)

1. AG: Künftige Entwicklungen in haus- und fachärztlicher Versorgung

6 AGs auf Landkreis1. AG: Ärztliche Versorgung
/Stadtebene mit identischen
2. AG: Patienten- und
Themeninhalten:
Pflegewegweiser
a) Räumlicher Zuschnitt
3. AG: SchnittstellenVersorgungsbereiche
kommunikation und Überleib) Bereitschaftsdienst/
tung
Notdienst
c) Begleitende Maßnah4. AG: Hospiz- und
men auf kommunaler
Palliativversorgung
Ebene
d) Schnittstelle
ambulant/stationär
e) Psychotherapeutische
Versorgung

Bedarfsermittlung

2. AG: Praktisches für
haus- und fachärztliche
Versorgung
3. AG :Medizinische Versorgung in Pflegeheimen

Die Teilnahmebereitschaft der eingeladenen Akteure der regionalen Gesundheitsversorgung war sehr hoch. So ist es den Regionen gelungen, Vertreter der Kommunalpolitik und Unteren Gesundheitsbehörden, Sozialversicherungsträger, Leistungserbringer der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung sowie teils Patientenvertreter und Vertreter weiterer gesundheitsbezogener Organisationen für ihre
Gremien zu gewinnen. Unterschiede bestanden hinsichtlich der Teilnehmerzahl,
welche zwischen den Regionen und auch im Zeitverlauf zwischen den Sitzungen von
17 bis 37 Teilnehmern variierte. Auffallende Fluktuationen gab es aber in der TeilBayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

27

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

nahmebereitschaft nicht. In Südostoberbayern wurden räumlich bedingt die meisten
Akteure für die Gesundheitskonferenzen eingeladen, in Bamberg am wenigsten.
Die Bedarfsermittlung zur Identifizierung der regionalen Gesundheitsprobleme
erfolgte mehrstufig und variierte in den Regionen. Beispielsweise wurden in eigenen
Fragebogenerhebungen unter den eingeladenen Akteuren die Problemlagen vor Ort
und die dringlichsten Themen erfasst, die danach in den Sitzungen diskutiert sowie
priorisiert wurden. Zusätzlich wurden verschiedene, bereits existierende Daten für die
Analysen ausgewertet, z. B. Daten des Ärztlichen Kreisverbands, des Gesundheitsatlas Bayern oder der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Bereits nach den
ersten Sitzungen konnten Schwerpunkte für die weitere Arbeit der Gesundheitskonferenzen definiert werden, wobei in allen drei Regionen die ambulante ärztliche
Versorgung den Hauptarbeitsschwerpunkt darstellte. Für die Themen wurden entsprechende Arbeitsgruppen gebildet, in denen teilweise weitergehende Bedarfsermittlungen, wie z. B. eine Vollerhebung bei Pflegeheimen bezüglich deren Überleitungsmanagement im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, stattfanden. In Bamberg gab es insgesamt drei aktive Arbeitsgruppen. Jeweils eine Arbeitsgruppe zu
„künftigen Entwicklungen“ und „Praktisches“ der haus- und fachärztlichen Versorgung sowie eine Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen auseinandersetzte. In Südostoberbayern entsprachen die
Arbeitsgruppen den Landkreisen, innerhalb der Arbeitsgruppen wurden wiederum
dieselben Themenschwerpunkte bearbeitet. Die Ergebnisse wurden dort am Ende
der Modellphase in einer gemeinsamen Resolution zusammengeführt und abschließend an die politischen Entscheidungsträger auf Landes- sowie kommunaler Ebene
adressiert (vgl. Anhang 7). Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wurden neben
der Arbeitsgruppe für die Sicherung der ärztlichen Versorgung noch weitere Arbeitsgruppen zu den Themen Hospiz- und Palliativversorgung, Patienten- und Pflegewegweiser sowie zum Thema Überleitungsmanagement gebildet. Ausführlichere
Informationen zu den Aktivitäten und Ergebnissen der Arbeitsgruppen werden weiter
unten in den Einzeldarstellungen der drei Regionen gegeben.
6.3 Ergebnisse der Teilnehmerbefragung der drei Modellregionen
Bei der am Ende der Modellprojektphase durchgeführten Teilnehmerbefragung wurden von insgesamt 80 ausgeteilten Fragebögen 72 beantwortet, so dass sich eine

28

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Rücklaufquote von 90 % ergibt (17 von 17 in Bamberg; 29 von 34 in Südostoberbayern; 26 von 29 in Weißenburg-Gunzenhausen). Die Non-Response bei den einzelnen
Items war relativ klein und betrug in der Regel zwischen Null und zwei Teilnehmer.
Die Zahl der einzelnen „Weiß nicht“-Antworten lag in der Regel zwischen Null und
drei – mit Ausnahme von wenigen Ausreißern. Die nachfolgenden Abbildungen 6-8
zeigen gegliedert in drei Themenblöcken die Zustimmungsgrade der Teilnehmer zu
den abgefragten Items auf 100 %-Skalen. Hierzu wurden jeweils nur die Antworten
innerhalb der 4-stufigen-Antwortskala einbezogen, fehlende Angaben sowie die Antwort „weiß nicht“ wurden ausgeschlossen. Die Antworten aus den offenen Fragen der
Teilnehmerbefragung werden für jede Region einzeln in den drei Regionalberichten
in Kapitel 6.4 dargestellt.
Der erste Themenblock (Abbildung 6) umfasst die Struktur- und Prozessindikatoren
der Regionalen Gesundheitskonferenzen. Die meisten Befragten empfanden die
Teilnehmerzahlen an den Sitzungen als angemessen (54 %) oder eher angemessen
(39 %). Die Aussage, dass alle für die gesundheitliche Versorgung bzw. Gesundheitspolitik der Region wichtigen Akteure vertreten sind, traf für 60 % der Teilnehmer
zu und für weitere 38 % eher zu. Auch hinsichtlich der Interaktion in den Gremien
gelangten die Akteure zu einer positiven Einschätzung. So stimmten 85 % dem
Statement zu oder eher zu, dass sich die Mehrheit der Teilnehmer in der Regel aktiv
an den Sitzungen beteiligt hat und 86 % der Aussage, dass jedes Mitglied die gleichen Chancen hatte, ein Thema in der Regionalen Gesundheitskonferenz einzubringen. Obwohl insgesamt 46 % der Befragten angaben, dass während der Sitzungen
Konflikte zwischen den Teilnehmern deutlich wurden, waren die Sitzungen für 73 %
der Akteure in der Regel durch eine konstruktive Atmosphäre gekennzeichnet, für
weitere 21 % traf dies eher zu und ausschließlich für 6 % eher nicht. 82 % der
Akteure verneinten die Aussage kategorisch oder eher, dass die Mehrheit der Teilnehmer nur erschien, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

29

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Abbildung 6: Strukturen und Prozesse aus Sicht der Teilnehmer in den drei Modellregionen (4-stufigeAntwortskala)

Bei dem Statement, dass erfolgte Absprachen und Zusagen in der Regel eingehalten
wurden, gab es einen auffallend hohen Anteil an „weiß nicht“- bzw. fehlenden Angaben (31%). Das könnte darauf hindeuten, dass die Abfrage zu früh für die Beteiligten
kam, da Projekte erst gestartet wurden und es noch wenige konkrete Verpflichtungen
gab. Von den gegebenen Antworten fielen dennoch insgesamt 96 % auf die beiden
Kategorien „trifft zu“ und „trifft eher zu“.
Auch die Frage, ob die Geschäftsordnung hilfreich war bzw. gewesen wäre, wurde
von vielen Befragten mit „weiß nicht“ oder gar nicht beantwortet (22 %). Von den übrigen Befragten hielten 68 % eine Geschäftsordnung als hilfreich oder eher hilfreich.
Die Funktionsträger für Vorsitz, Geschäftsstellenleitung und Moderation wurden als
bedeutsam für die Regionalen Gesundheitskonferenzen erachtet. Der Geschäftsstellenleiter war für alle Akteure und der Vorsitzende für 90 % wichtig oder eher wichtig für das Funktionieren der Gesundheitskonferenz. Ein ebenfalls hoher Anteil der

30

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Teilnehmer (96 %) stimmte voll oder eher zu, dass der Moderator einen positiven
Einfluss auf den Sitzungsverlauf hatte.
Abbildung 7: Erfolgsparameter und Eignung der Gesundheitskonferenzen aus Sicht der Teilnehmer in
den drei Modellregionen (4-stufige-Antwortskala)

Im zweiten Themenblock (Abbildung 7) werden die Erfolgsparameter aus Sicht der
Akteure abgebildet. Sie erlauben Rückschlüsse auf die Realisierungsmöglichkeiten
der professions- und organisationsübergreifenden Kooperation im Gesundheitswesen und auf die Eignung der Gesundheitskonferenz zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung. Für 90 % der Befragten traf die Aussage zu oder eher zu, dass die
Regionale Gesundheitskonferenz ein geeignetes Steuerungsinstrument zur Optimierung der Kooperation der Akteure auf regionaler Ebene ist. Ebenso hoch war der
Anteil der Akteure, der die Regionale Gesundheitskonferenz als Steuerungsinstrument zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung prinzipiell als geeignet oder eher
geeignet hält. Die Vertreter der Sozialversicherungen und Leistungserbringer sahen
dies aber nicht durchgängig so positiv wie die anderen Akteursgruppen.
Alles in allem wurde die bisherige Arbeit in den Gesundheitskonferenzen von insgesamt 94 % der Akteure als erfolgreich bewertet. Jeweils 46 % stimmten zu bzw. eher
zu, dass die wichtigsten Probleme der Region identifiziert wurden. Besonders die
Kommunalpolitiker vertraten diesen Standpunkt (73 %). Eine verbesserte KommuniBayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

31

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

kation zwischen der Region und den Strukturen auf Landesebene sahen 18 % als
gegeben und weitere 64 % als eher gegeben an. Auffallend ist, dass vor allem die
Vorsitzenden und Geschäftsstellenleiter der Regionalen Gesundheitskonferenzen
eine Verbesserung empfanden. Gleichzeitig gab es aber einen hohen Anteil an „weiß
nicht“-Antworten.
Von 78 % der Befragten wurde Zustimmung signalisiert, dass die beschlossenen
Maßnahmen und Projekte umgesetzt werden konnten bzw. gute Realisierungschancen haben. Allerdings war auch bei diesem Item der Anteil an fehlenden und „weiß
nicht“-Antworten erhöht. Die Teilnahme an der Regionalen Gesundheitskonferenz
erachteten 85 % als nützlich oder eher nützlich für die jeweils vertretene Institution.
Abbildung 8: Globale Zufriedenheit der Akteure der Gesundheitskonferenzen in den drei Modellregionen (4-stufige-Antwortskala)

Für eine Fortführung der Regionalen Gesundheitskonferenzen ist die globale Zufriedenheit der Akteure entscheidend und daher auch deren Erfassung im Rahmen der
Gesamtevaluation (vgl. Abbildung 8). Mit dem bisherigen Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenzen waren 54 % insgesamt zufrieden und weitere 37 % waren
eher zufrieden. Der Grad der Zufriedenheit war in den einzelnen Regionen ähnlich,
jedoch gab es Unterschiede zwischen den Akteursgruppen. Während alle Vorsitzenden und Geschäftsstellenleiter sowie alle Vertreter der Kommunalpolitik und Unteren
Gesundheitsbehörden mit dem bisherigen Verlauf zufrieden oder eher zufrieden
waren, traf das nicht bei allen weiteren Akteuren in diesem Ausmaß zu.
In Abbildung 9 werden die Unterschiede zwischen den Akteursgruppen anhand von
Mittelwerten dargestellt (unter der pragmatischen Annahme der Äquidistanz in der

32

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Merkmalsausprägung). Eigenen Angaben zufolge würden 98 % der Akteure auch in
Zukunft an den Regionalen Gesundheitskonferenzen teilnehmen oder eher teilnehmen. Die Items der globalen Zufriedenheit aus Abbildung 8 sind mit allen Items zu
Erfolgsparameter und Eignung (Abbildung 7) sowie den meisten Struktur- und
Prozessindikatoren (Abbildung 6) positiv assoziiert.
Abbildung 9: Zufriedenheit nach Akteursgruppen auf 4-stufiger-Antwortskala (Mittelwerte): „Mit dem
bisherigen Verlauf der Regionalen Gesundheitskonferenz bin ich insgesamt zufrieden."

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

33

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4 Regionalberichte zu den drei Modellregionen
Im folgenden Abschnitt wird für jede der drei verschiedenen Regionalen Gesundheitskonferenzen ein Überblick der jeweiligen Strukturen, Prozesse und Ergebnisse
gegeben. Als Basis für den Bericht dienen die einzelnen Fortschritts- und Abschlussberichte, die Teilnehmer- und Geschäftsstellenleiterbefragungen, die Protokolle der
verschiedenen Sitzungen sowie der persönliche Austausch mit den Geschäftsstellenleitern.
6.4.1 Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg
Die Stadt und der Landkreis Bamberg waren bereits in der Vergangenheit bei der
Durchführung von Pilotprojekten aus dem Gesundheitsbereich aktiv. Im Handlungsfeld der Prävention und Gesundheitsförderung war Bamberg z. B. am Projekt
„Gesunde Gemeinde / Gesunder Landkreis“ beteiligt. Außerdem wurde die „Gesundheitsregion Bamberg e.V.“ mit dem Qualitätssiegel „Gesundheitsregion Bayern“ ausgezeichnet. Im Rahmen des Modellprojekts der Regionalen Gesundheitskonferenzen
stand nun besonders die gesundheitliche Versorgung im Fokus.
6.4.1.1 Geschäftsstelle Bamberg
Die Geschäftsstelle der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg wurde mit
Beginn zum 01.08.2013 beim Gesundheitsamt angesiedelt. Das Gesundheitsamt ist
sowohl für den Landkreis als auch für die Stadt Bamberg zuständig. Die Geschäftsstellenleitung wurde über einen Werkvertrag an eine externe Agentur weiter vergeben, welche über mehrjährige Erfahrung im Projektmanagement bei unterschiedlichen regionalen Gesundheitsdienstleistern verfügt. Der Geschäftsstellenleiter war
von Beruf Arzt, kooptiertes Mitglied des Ärztlichen Kreisverbands Bamberg und Projektleiter der Gesundheitsregion Bamberg, so dass er mit den Gegebenheiten vor Ort
vertraut war. Zusammen mit der Abteilungsleiterin aus dem Landratsamt, dem Leiter
des Gesundheitsamts Bamberg sowie weiteren Mitarbeitern wurde eine Steuerungsgruppe für die Geschäftsstelle gebildet.
6.4.1.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
Für die Auswahl der Teilnehmer wurde in Vorbesprechungen der Steuerungsgruppe
eine Liste möglicher Mitglieder diskutiert. Ziel war es, möglichst alle relevanten
Akteure in die Gesundheitskonferenz zu bekommen und gleichzeitig die Handlungs-

34

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

fähigkeit des Gremiums zu erhalten. Als Kompromiss bei fraglichen Fällen wurde
vereinbart, dass bei Bedarf über einen Beschluss neue Mitglieder in das Gremium
hinzugeholt werden können. Außerdem wurde beschlossen, dass es in den Arbeitsgruppen die Möglichkeit geben soll, jederzeit externe Experten hinzuzuziehen. Die
ausgewählten Teilnehmer wurden persönlich bzw. schriftlich angefragt, ob sie zu
einer Teilnahme bereit wären, und bei Interesse zur ersten Sitzung eingeladen. Um
eine möglichst hohe Teilnahme zu erreichen, wurden die Sitzungen der Gesundheitskonferenzen jeweils frühzeitig mit einem „Save-the-Date“-Schreiben angekündigt. Zusätzlich wurde durch den Landrat mit einem offiziellen Schreiben zur Sitzung
eingeladen. Den Vorsitz der Regionalen Gesundheitskonferenz hatte der Landrat des
Landkreises Bamberg. Ab der zweiten Sitzung war der im Zuge der Kommunalwahlen 2014 neu gewählte Landrat der Vorsitzende der Gesundheitskonferenz. Der
Wechsel funktionierte reibungslos. Wie für die Modellphase gefordert, wurden insgesamt drei Sitzungen der Regionalen Gesundheitskonferenz durchgeführt. An der
letzten Sitzung nahm auch die Bayerische Gesundheitsministerin Frau Melanie Huml
teil. Die Sitzungen fanden an folgenden Terminen jeweils von 19-21 Uhr im Landratsamt Bamberg statt:
1. Sitzung: 09.12.2013
2. Sitzung: 27.05.2014
3. Sitzung: 04.12.2014
Im Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg waren Mitglieder
folgender Institutionen / Berufsgruppen vertreten:
-

Kommunalpolitik / Untere Gesundheitsbehörde

-

Ärztlicher Kreisverband Bamberg

-

Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg mbH

-

Sozialstiftung Bamberg

-

Gesundheitsregion e.V.

-

Niedergelassene Hausärzte

-

Hebammen

-

Facharzt und Mitglied im Zulassungsausschuss KVB

-

Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB)

-

Gesetzliche Krankenkasse (AOK, DAK)

-

Betriebskrankenkasse (Bosch BKK)
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

35

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

-

Patientenfürsprecher Stadt und Landkreis Bamberg

-

Pflegedienste

-

AWO / Selbsthilfe

-

Bayerischer Apothekerverband e.V.

-

Psychotherapeuten

Im Zeitverlauf gab es kaum Veränderungen des Teilnehmerkreises. Bei Verhinderungen von einzelnen Personen wurden Vertreter geschickt.
Die offizielle Begrüßung der Sitzungen sowie die Zusammenfassung und Verabschiedung übernahm der Vorsitzende. Die Moderation der Sitzungen lag überwiegend beim Geschäftsstellenleiter. Dieser präsentierte dem Plenum auch die Ergebnisse aus den einzelnen Arbeitsgruppen. Die Regionale Gesundheitskonferenz
Bamberg verabschiedete in der ersten Sitzung eine Geschäftsordnung.
6.4.1.3 Bedarfsanalyse Bamberg
Für die Bedarfsanalyse wurde in Bamberg ein mehrstufiges Verfahren angewandt.
Zuerst wurde durch die Geschäftsstelle eine Liste möglicher Themen erstellt und
Überschneidungen mit anderen Projekten (z. B. Prävention) geklärt. Über eine
schriftliche Befragung wurden die möglichen Themenschwerpunkte bei den Mitgliedern der Gesundheitskonferenz eingeholt und die Rückmeldungen ausgewertet. Die
genannten Themen wurden strukturiert und sollten anschließend nochmals von den
Teilnehmern nach Dringlichkeit und Relevanz gewichtet werden. Aus den erneuten
Rückmeldungen ergaben sich folgende Hauptthemen: „Hausärztliche Versorgung“,
„Fachärztliche Versorgung“ und „Notfallversorgung“. Zu diesen drei Themen wurden
die Mitglieder in einer weiteren Befragung gebeten, ihre persönlichen Einschätzungen über Bedarf, Hintergründe und Erklärungsmodelle zur Diskrepanz zwischen
„tatsächlichem“ und „gefühltem“ Bedarf zu geben. Zusätzlich zu den Befragungen der
Teilnehmer wurden durch die Geschäftsstelle Berechnungen mit öffentlich zugänglichem statistischem Datenmaterial wie z. B. Geo- und Bevölkerungsdaten oder Daten
der KVB und Informationen des Ärztlichen Kreisverbands durchgeführt (vgl. Anhang
3).
Die Ergebnisse der Befragungen sowie der Berechnungen wurden schließlich in der
zweiten Sitzung der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg von allen Akteuren

36

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

diskutiert. Daraufhin wurden drei verschiedene Arbeitsgruppen gegründet, die nachfolgend kurz beschrieben werden.
6.4.1.4 Arbeitsgruppen in Bamberg
Arbeitsgruppe I „Medizinische Versorgung in Pflegeheimen“
Neben dem Geschäftsstellenleiter waren in der Arbeitsgruppe „Medizinische Versorgung in Pflegeheimen“ noch die Gemeinnützige Krankenhausgesellschaft, ein
niedergelassener Hausarzt sowie ein Patientenfürsprecher des Landkreises vertreten. Die Teilnehmer identifizierten mehrere Bereiche, in denen Verbesserungsbedarf
bei der medizinischen Versorgung von Bewohnern in Pflegeheimen besteht. Die zeitliche Verfügbarkeit der jeweiligen Hausärzte und des Pflegepersonals wurde ebenso
wie die Koordination der Besuche der niedergelassenen Ärzte bemängelt. Für Neuaufnahmen im ländlichen Raum sei es zunehmend schwerer, einen Hausarzt zu
finden. Die Arbeitsgruppe hat daher eine Lösungsstrategie entwickelt, die drei Ansätze in einem Gesamtprojekt vereint: 1. Information, 2. Kooperation und 3. Kommunikation. Durch Information sollen Pflegekräfte geschult und somit unnötige Arztkontakte vermieden werden. Zusätzlich könnten bspw. in Kamingesprächen mit Experten
Schwerpunktthemen diskutiert werden. Die Kooperation wird als Herzstück des
angedachten Projekts bezeichnet. Der Zusammenschluss von ca. 40 Allgemein- und
Fachärzten in einem Verbund soll eine „Rund-um-die-Uhr“-Betreuung ermöglichen.
Unzureichende Kommunikation soll über einfache Richtlinien und Kommunikationsstandards verbessert werden.
Arbeitsgruppe II „Künftige Entwicklungen“
Die Arbeitsgruppe „Künftige Entwicklungen“ bestand aus dem Geschäftsstellenleiter
und drei Akteuren. Sie vertraten die Sozialstiftung Bamberg, den Bayerischen
Apothekerverband und den Ärztlichen Kreisverband. Die Inhalte der Arbeitsgruppe
sollten Abschätzungen über zukünftige Entwicklungen in Bezug auf die Versorgungsstrukturen, die Altersstruktur der Ärzteschaft sowie das Berufsbild des Landarztes
sein. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Modell „Landarzt als Einzelkämpfer“
in Zukunft nicht mehr aufrechtzuerhalten sein wird. Als Gründe wurden eine veränderte Lebenswirklichkeit und Berufsauffassung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf,
Arbeitszeitmodelle in Teilzeit sowie planbare Not- und Bereitschaftsdienste aufgeführt. Zudem haben manche Gemeinden nicht mehr genug Einwohner, um einen
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

37

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

finanziell interessanten Praxisbetrieb zu gewährleisten, so dass Praxisübernahmen
weniger attraktiv werden. Als Lösungsansatz wurde das Projekt „Zweckverband
ärztliche Versorgung“ entwickelt. Modellhaft soll die Machbarkeit der Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden bei der Planung einer Gemeinschaftspraxis geprüft
werden. Vorbild könnten Zweckverbände z. B. bei der Wasserversorgung sein. Relevante Faktoren wären Lage (Infrastruktur), Organisationsstruktur, Gesellschaftsform,
Träger, abgedeckte Fachrichtungen etc. Diskutiert wurden dafür auch die Einrichtung
von Fahrdiensten und die Unterstützung bei nicht-ärztlichen Tätigkeiten für
Abrechnungen oder Versicherungen.
Arbeitsgruppe III „Praktisches“
In der Arbeitsgruppe „Praktisches“ nahmen sechs Akteure teil. Neben dem
Geschäftsstellenleiter waren Krankenkassen, die Sozialstiftung Bamberg, Hausärzte
und Psychotherapeuten sowie die Selbsthilfe beteiligt. Die Hauptthemen der Arbeitsgruppe sollten praktische Angelegenheiten wie Terminvergaben und Wartezeiten in
Praxen, der Hausarzt als Wegweiser oder die Diskrepanz zwischen „Zahlen und
Bauchgefühl“ hinsichtlich Unterversorgung sein. In ihren beiden Treffen wurden von
der Arbeitsgruppe hierzu erste Überlegungen und Lösungsansätze entwickelt:
-

Projekt „Arzt-Patient-Kommunikation“: ein Schulungsangebot soll neuen und
bereits lange aktiven Ärzten soziale Kompetenzen vor allem dahingehend
vermitteln, wie man „schlechte Nachrichten“ patientengerecht übermitteln oder
mit „schwierigen Patienten“ umgehen kann.

-

Projekt „Informationskampagne Sekundärsysteme“: das bereits existierende
Angebot von nicht-ärztlichen Helfersystemen in der Ärzteschaft ist oft nicht
ausreichend bekannt, weshalb viele Möglichkeiten der Delegation von Aufgaben nicht genutzt werden. Eine Informationskampagne soll hier Abhilfe schaffen, indem z. B. ein Faltblatt mit Hinweisen und Links dem Rundschreiben des
Ärztlichen Kreisverbands an die Ärzteschaft mehrmals beigelegt wird.

-

Projekt „Zukunftswerkstatt“: nach Abschluss der Arbeitsgruppe soll eine daran
anschließende Veranstaltung eingerichtet werden, in der sich interessierte
Mitglieder der Regionalen Gesundheitskonferenz und hinzugeladene Experten
regelmäßig treffen und neue Ideen diskutiert werden können. Vielversprechende Ansätze können dann zur Ausarbeitung konkreter Projekte wieder an
die Gesundheitskonferenz übergeben werden.

38

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

-

Projekt „Praxis-Workflow“: durch ein vom Ärztlichen Kreisverband vermitteltes
Angebot von Hospitationen bei Kollegen mit einer gut funktionierenden Praxisorganisation (vor allem bezüglich Wartezeiten) sollen angehende Praxisinhaber Erkenntnisse für die zukünftige Arbeit erlangen. In einer Art
„Startermappe“ könnten die Ergebnisse zusammengefasst und Niederlassungswilligen an die Hand gegeben werden.

-

Projekt „TTOM – Telefon Termin Online Manager“: über eine Online-Plattform
können angemeldete ärztliche und nicht-ärztliche Versorger schnell und unkompliziert Terminvorschläge für gemeinsame Telefonate vereinbaren.

Von den diskutierten Projekten befindet sich derzeit nur das Projekt „TTOM“ in der
Umsetzungsphase.
6.4.1.5 Öffentlichkeitsarbeit Bamberg
Für die professionelle Außenwirkung wurde von der Geschäftsstelle von Anfang an
auf ein durchgängiges Marketingkonzept gesetzt und ein eigenes Logo, ein entsprechendes Briefpapier und eine Homepage für die Regionale Gesundheitskonferenz
Bamberg (www.gesundheitskonferenz-bamberg.de) entwickelt (vgl. Anhang 4). Auf
der Homepage waren auch die Pressemitteilungen zu den jeweiligen Sitzungen der
Gesundheitskonferenz abrufbar.
6.4.1.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung in Bamberg
In Abbildung 10 wird die Zustimmung der Teilnehmer der Regionalen
Gesundheitskonferenz Bamberg zu den in der Endbefragung der wissenschaftlichen
Begleitung abgefragten Statements separat ausgewiesen. Aufgrund der Limitationen
hinsichtlich der Fallzahlengröße werden zusammenfassend die Mittelwerte dargestellt.
Die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung waren in den drei Modellregionen relativ
ähnlich. Auffällig war in der Modellregion Bamberg das Statement, ob alle wichtigen
Akteure im Gremium vertreten waren. Hier liegt der Wert der Zustimmung in Bamberg etwas niedriger als der Durchschnitt. Außerdem wurde die Aussage, dass die
Sitzungen in Bamberg von einer konstruktiven Atmosphäre geprägt waren, deutlich
häufiger mit „trifft zu“ beantwortet. In Bamberg wurde häufiger als im Durchschnitt
aus drei Regionen dem Statement, dass die Regionale Gesundheitskonferenz zur
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

39

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Verbesserung der Kooperation der Akteure geeignet ist, zugestimmt. Etwas weniger
Akteure als der Durchschnitt sahen das Instrument jedoch als geeignet für die
Optimierung der Gesundheitsversorgung. Auffallend war ebenso die hohe Bereitschaft, auch zukünftig an der Regionalen Gesundheitskonferenz teilzunehmen.
Abbildung 10: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der Teilnehmer der
Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg auf 4-stufiger-Antwortskala (Mittelwerte)

40

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4.1.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der Teilnehmerbefragung in
Bamberg
Die folgenden Textkästen zeigen die Antworten der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg zu den offenen Fragen der Teilnehmerbefragung. Die Akteure
erachteten vor allem die Kooperationsbereitschaft der Akteure aus verschiedenen
Bereichen als positiv für den Verlauf der Regionalen Gesundheitskonferenz. Auch
die Wichtigkeit der Geschäftsstelle wird hier deutlich. Als entscheidende negative
Faktoren werden vor allem die eingeschränkten Regulierungskompetenzen auf der
regionalen Ebene sowie die zeitliche Begrenzung für das Modellprojekt gesehen.
Letzteres zählt auch zu den Punkten, die zukünftig verbessert werden könnten, so
dass die angedachten Projekte und Strukturen mit ausreichenden Zeitläufen weiterentwickelt werden können.
Welcher Faktor wirkte sich am positivsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Netzwerke, Bereitschaft miteinander zu reden
− Das gut strukturierte Vorgehen vom Geschäftsstellenleiter
− Die ausgeglichene, verbindliche und fachkompetente Sitzungsleitung
− Pers. Gespräch in AG
− Das offene Gespräch ohne Partikularinteressen
− Große Bereitschaft der Akteure zur Kooperation
− Die Mischung, dass Vertreter aus allen Bereichen teilnahmen
− Alle Teilnehmer sind konstruktiv an Lösungen interessiert und gesprächsbereit
− Zusammenspiel aller Akteure
− Koordination der Geschäftsstelle; mit Bündelung der unterschiedlichen Konferenzen
− Unterstützung durch Politik, finanzielle Unterstützung (Geschäftsstelle)
− Gute Moderation, Struktur, Protokolle usw.
− Gute Organisation + Moderation + Kleingruppenarbeit
− Faktische Zwänge zwingen zur Zusammenarbeit
− Arbeitskreise
− Strukturiertes Vorgehen
− Zusammensetzung, angemessene Größe

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

41

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Welcher Faktor wirkte sich am negativsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Zeitliche Begrenzung bis Ende des Jahres
− Thematisierung von Partikularinteressen (selten)
− Oft recht komplexe Problemstellungen ohne Zahlen und Daten
− Bei der Problemlösung liegen teilweise die Kompetenzen nicht innerhalb der
RGK; z. B. KVB
− Die Schwierigkeit von Terminabsprachen der AGs
− Schwer änderbare Umgebungsbedingungen (z. B. KV) als KO-Kriterium in der
Diskussion
− Derzeit noch keine negative Erkenntnis
− Zeit
− Zeitliche Begrenzung der Gesundheitskonferenz
− Die Selbstdarstellungsnöte
− KV ist ein Hemmschuh
− Vorgehensweise nicht immer transparent
Was sollte Ihrer Meinung nach verbessert werden, damit sich der Nutzen der
Regionalen Gesundheitskonferenz erhöht?
− Langfristige finanziell gesicherte Geschäftsstelle
− Befragen von örtlichen Vereinen - Organisationen
− Die Arbeit in AGs intensivieren und auf die Umsetzung der Ergebnisse zeitnah
drängen
− Netzwerke ausbauen, regelmäßiger Kontakt d. versch. Berufsgruppen
− Noch "häufiger" Diskussion der erarbeiteten Konzepte u. Projektierungen
− Konzentration der Organisationen, z. B. auch hin zu einer Ges-region plus
− Treffen bzw. Konferenzen als Zwischenbilanz
− Ganz konkret: Verbesserungen bei der Koordination, z. B. klare Vereinbarungen
bzgl. Protokollweitergabe etc.  hatte sich erst im Lauf der Arbeit gezeigt
− Finanzielle Ausstattung, Bündelung der verschiedenen Aktivitäten
− (Finanzielle) Unterstützung von Einzelprojekten, gesicherte Finanzierung der Geschäftsstelle in der Zukunft
− Weiterführung der begonnenen Strukturierung und Projekte
− Noch thematisch gezielter in Kleingr. Arbeiten, mehr Vertrauen schaffen, dass
nicht alles nur Makulatur sein wird
− Noch differenziertere Auswahl der Teilnehmer/innen
− Die Aufteilung der Zulassungsbezirke für Stadt und Landkreis Bamberg
− Klare Ziele - Wer steht bzw. wessen Wohl steht im Mittelpunkt

42

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Gibt es jenseits der abgefragten Punkte noch etwas, das Sie uns gerne mitteilen
möchten?
− Konflikt SSB - GKG muss gelöst werden
− Die aufgedeckten Defizite ausbessern, notwendige Ergänzungen umsetzen in
"überschaubaren" Rahmen der Region Bamberg. "Taten folgen lassen"
− Frage der Motivation einzelner Versorger in der Region
− Sehr gute und konstruktive Unterstützung durch das LGL
− Mögen die Projekte, die angedacht worden sind nicht im Sand verlaufen. Von Vorteil wäre die rgb weiter laufen zu lassen
− Wichtig wäre, dass gewonnene Erkenntnisse auch umgesetzt werden können
− Gute Idee, die Strukturierung der regionalen Gesundheitsversorgung vor Ort zu
lassen
− Das Thema Vernetzung zwischen den Disziplinen im Gesundheitswesen und die
Vernetzung ambulant und stationär ist einfach schlecht. Viele Reibungsverluste!
− Die Heterogenität der Teilnehmer beleuchtet Themen von verschiedenen Seiten,
was für ein Gesamtbild von Vorteil ist
− Gesundheitsregion Bamberg ist gemeinnützig. Das sollte so bleiben. Bedeutet
jedoch Konflikt in Bezug auf Wirtschaftsförderung
6.4.1.8 Resümee des Geschäftsstellenleiters der Regionalen Gesundheitskonferenz
Bamberg
Die Geschäftsstellenleitung schreibt in ihrem Projektendbericht als Resümee, dass
die „Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg“ als Erfolg gewertet werden kann
und dass sich diese Einschätzung auch mit persönlichen Rückmeldungen aus den
Teilnehmerkreisen deckt. Es wird außerdem auf die sehr gute Atmosphäre während
der Arbeit in der Geschäftsstelle, in den Arbeitsgruppen und den Sitzungen des Plenums hingewiesen und auf die daraus resultierenden regelmäßigen Gelegenheiten
zum interdisziplinären Austausch, welche intensiv genutzt wurden.
6.4.1.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg
Das insgesamt positiv ausgefallene Fazit der Geschäftsstellenleitung, besonders
hinsichtlich der Kooperationsbereitschaft sowie der guten Atmosphäre, wird in der
Teilnehmerbefragung am Ende der letzten Sitzung bestätigt. Kritisch anzumerken ist,
dass einige Projektideen bereits sehr konkret formuliert, aber noch nicht in die
Umsetzung gekommen sind und in Zukunft weiter verfolgt werden müssen. Das
Einzelprojekt „TTOM“ ist dagegen bereits finanziell gesichert und die Umsetzung
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

43

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

wurde gestartet. Die Evaluation zeigte, dass die Umsetzungschancen der angedachten Maßnahmen noch etwas kritisch gesehen werden. Es wurde aber deutlich, dass
die Akteure es wichtig finden und auch bereit sind, weiter zusammen zu arbeiten, um
dann auch weitere Projekte realisieren zu können. Insofern kann der Interventionszeitraum für die Gesundheitskonferenz Bamberg als zu kurz bewertet werden, um die
diskutierten Projektskizzen auf der Maßnahmenebene bis zum Ende der Modellphase zu realisieren. Die Aktivitäten sollten in die Gesundheitsregionplus überführt
und fortgesetzt werden (vgl. Kapitel 8).

44

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4.2 Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
Der Regionale Planungsverband Südostoberbayern hat sich schon vor der Gründung
der Regionalen Gesundheitskonferenz mit dem Thema der ärztlichen Versorgung in
der Planungsregion 18 befasst. So legte der Planungsausschuss bereits in seiner
Sitzung am 25.11.2010 großen Wert darauf, dass ein Schwerpunkt der künftigen
Bemühungen auf die Versorgung mit ärztlichen Diensten im ländlichen Raum gelegt
werden soll. Die dauerhafte und nachhaltige Sicherung der ärztlichen Versorgung in
den Gemeinden, Städten und Landkreisen der Region Südostoberbayern wird als
eine wichtige Zukunftsaufgabe betrachtet. In zahlreichen Recherchen, Schreiben,
Gesprächen und Vorträgen (z. B. Bayerischer Landkreistag 14.05.2013 in Altötting;
Regionale Versorgungskonferenz 07.08.2014 in Fürstenfeldbruck) hat der Regionale
Planungsverband Südostoberbayern auf die Situation aufmerksam gemacht und
Verbesserungen für den ländlichen Raum eingefordert. Im Modellprojekt der Regionalen Gesundheitskonferenzen konnte das Thema der gesundheitlichen Versorgung
schließlich strukturiert im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten weiter behandelt
werden.
6.4.2.1 Geschäftsstelle Südostoberbayern
Die Geschäftsstelle der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern wurde
beim Regionalen Planungsverband Südostoberbayern, mit Sitz im Landratsamt
Traunstein, angesiedelt. Der damalige Geschäftsführer des Planungsverbands Südostoberbayern und gleichzeitige Leiter des Sachgebiets „Raumordnung, Kreisentwicklung, ÖPNV“ des Landratsamts Traunstein wurde zum 15.09.2013 für den
gesamten Projektzeitraum als Geschäftsstellenleitung der Gesundheitskonferenz
berufen. Der Stellenumfang betrug in der Regel 19 Stunden pro Woche. Für Vorbereitungen der Sitzungen erhielt der Geschäftsstellenleiter personelle Unterstützung
durch weitere Mitarbeiter des Planungsverbands.
6.4.2.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
Für das Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern wurden
alle entscheidungskompetenten Vertreter
-

der Landkreise und Gemeinden der Planungsregion,

-

der Krankenkassen,
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

45

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

-

der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns,

-

der Bayerischen Krankenhausgesellschaft,

-

der Ärztekammer,

-

der Staatlichen Gesundheitsämter,

-

der ärztlichen Kreisverbände,

-

der Kliniken,

-

der niedergelassenen Ärzte,

-

der Apotheker sowie

-

Vertreter aus dem psychotherapeutischen Bereich angesprochen.

Bei der großen Region mit ihren fünf Landkreisen und einer kreisfreien Stadt wurden
daher über 60 Akteure für die Gesundheitskonferenzen eingeladen, von denen an
den Sitzungen jeweils zwischen 30 und 40 Personen teilnahmen. Es gab somit in der
Praxis keine beständigen Mitglieder, sondern eine wechselnde Beteiligung zwischen
den Konferenzen. Der Vorsitz der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern lag beim Planungsverbandsvorsitzenden, der gleichzeitig Landrat des
Landkreises Traunstein war. Der Vorsitzende übernahm größtenteils auch die Moderation der Sitzungen. Er erhielt Unterstützung durch die Beiträge des Geschäftsstellenleiters, der vor allem die Fortschritte und Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen in
den Vollversammlungen vorstellte. In der ersten Sitzung gab es zusätzlich einen
Impulsvortrag durch einen Vertreter der KVB. Insgesamt fanden in der Modellphase
wie vorgeschrieben drei Sitzungen statt, die jeweils 2-3 Stunden dauerten:
1. Sitzung: 12.12.2013
2. Sitzung: 30.06.2014
3. Sitzung: 16.09.2014
6.4.2.3 Bedarfsanalyse Südostoberbayern
Die Bedarfsanalyse und Themenpriorisierung erfolgte in der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern in mehreren Schritten. Zum einen hat der
Planungsverband schon vor Start des Modellprojekts die ärztliche Versorgung erörtert. Weiterhin wurden Datenrecherchen bspw. mit dem KVB-Atlas zur ärztlichen
Versorgung im ambulanten Bereich durchgeführt. Mit dem Einladungsschreiben zur
ersten Sitzung der Gesundheitskonferenz wurde außerdem eine Vorabfrage zu
gewünschten Themen verschickt. Zusätzlich fand eine Fragebogenerhebung bezüg-

46

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

lich der ärztlichen Versorgung bei allen Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden
statt (vgl. Anhang 5). Die Vorüberlegungen, Datenanalysen und Ergebnisse der
Themenabfrage wurden in der ersten Sitzung des Gremiums diskutiert. Als Schwerpunkt wurde die ambulante ärztliche Versorgung und ihre Probleme gewählt, wobei
jedoch die gesamte Versorgung mit den ambulanten wie stationären Sektoren zu
betrachten ist. Aus dem Meinungsbildungsprozess haben sich folgende prioritäre
Themenfelder herauskristallisiert:
1. Räumlicher Zuschnitt der Versorgungsbereiche
2. Bereitschaftsdienst / Notdienst
3. Schnittstelle ambulant / stationär
4. Begleitende Maßnahmen auf kommunaler Ebene
5. Psychotherapeutische Versorgung
6.4.2.4 Arbeitsgruppen in Südostoberbayern
Zur Bearbeitung der genannten Themenfelder entsprachen die Arbeitsgruppen den
Landkreisen. Sie sollten aus einem Kernteam bestehen, für das jeweils folgende
Organisationen / Institutionen eingeladen wurden:
-

Ärztlicher Kreisverband des jeweiligen Landkreises

-

Leiter der staatlichen Gesundheitsämter der jeweiligen Landkreise

-

Leiter der Kliniken in den jeweiligen Landkreisen

-

Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetags der jeweiligen Landkreise

-

Vertreter der Krankenkassen der jeweiligen Landkreise

-

Vertreter der Hausärzte

-

Vertreter der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns

-

Bei Bedarf weitere Akteure

Jede Arbeitsgruppe gab sich einen Sprecher und traf sich ein bis zwei Mal.
6.4.2.5 Ergebnis: gemeinsame Resolution Südostoberbayern
Die drei Vollversammlungen und die verschiedenen Arbeitsgruppen kamen in dem
gut einjährigen Prozess zu dem Hauptergebnis, dass trotz des hochkomplexen
Systems, vielfältigen Zuständigkeiten und sehr unterschiedlichen Interessenslagen
Möglichkeiten bestehen, die medizinische Versorgung besonders im ländlichen
Raum zu sichern und zu verbessern.
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

47

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Eines der wichtigsten Themen für die Region war der räumliche Zuschnitt der
Versorgungsbereiche. Es wurde festgestellt, dass die Einteilung der Versorgungsbereiche in Mittelbereiche zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber in der
Bewertung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern die Versorgungsbereiche immer noch zu groß und praxisfern sind. Es wurde daher ein in der
Region abgestimmter Vorschlag zur Neuabgrenzung erarbeitet. Als Ergebnis des
Prozesses der Regionalen Gesundheitskonferenz wurde eine gemeinsame
Resolution verabschiedet, in der neben dem Vorschlag für die Mittelbereiche auch
die Diskussionsergebnisse der anderen Themenfelder eingeflossen sind. Folgende
Ziele stehen dabei im Mittelpunkt:
-

Sicherung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung vor allem im
ländlichen Raum

-

Verhinderung einer Konzentration von medizinischer Versorgung in den Ballungszentren zu Lasten des ländlichen Raumes

-

Bedarfsgerechte Regelung der räumlichen Verteilung der niedergelassenen
Haus- und Fachärzte in der Versorgungsplanung

-

Schaffung flexibler Möglichkeiten für Kommunen zur Verbesserung ihrer medizinischen Versorgung

-

Kooperation von stationärer und fachärztlicher Versorgung mit den niedergelassenen Hausärzten

-

Bessere Kommunikation / besserer Informationsfluss zwischen den Akteuren

-

Neuregelung des Not- / Bereitschaftsdienstes

-

Mehr Ärztinnen und Ärzte für die ambulante Versorgung

Die Resolution wurde an alle relevanten Entscheidungsträger auf Landes- sowie
kommunaler Ebene mit der Bitte um Unterstützung verteilt. Die ausführliche Resolution der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern ist im Anhang 7 zu
finden.
6.4.2.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung Südostoberbayern
Abbildung 11 zeigt die Zustimmung zu den 21 abgefragten Items der Teilnehmerbefragung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern anhand von
Mittelwerten.

48

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Die Gesundheitskonferenz mit der höchsten Teilnehmerzahl bewertete die Größe
des Gremiums etwas kritischer als die anderen beiden Regionen. Der Zustimmungsgrad, dass sich die Mehrheit aktiv beteiligt hat, fiel auch etwas geringer aus. Jedoch
waren die Akteure im Verhältnis häufiger der Meinung, dass jeder die gleichen Chancen hatte, ein Thema einzubringen. Im Regionalvergleich gaben die Akteure in Südostoberbayern etwas seltener an, dass die Sitzungen eine konstruktive Atmosphäre
hatten. Auch die Erfolgsparameter wurden insgesamt etwas kritischer bewertet, vor
allem die Eignung des Steuerungsinstruments zur Verbesserung der Kooperation der
Akteure, den Erfolg der bisherigen Arbeit und die Umsetzungschancen der Projekte.
Überproportional viele Akteure stimmten aber der Aussage zu, dass die wichtigsten
Probleme identifiziert wurden.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

49

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Abbildung 11: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der Teilnehmer der
Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern auf 4-stufiger-Antwortskala (Mittelwerte)

6.4.2.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der Teilnehmerbefragung in
Südostoberbayern
Die folgenden Textkästen präsentieren die Antworten der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern zu den offenen Fragen der Teilnehmerbefragung. Die
Akteure der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern betonen in ihren

50

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Angaben, dass sie vor allem das Zusammenbringen und den Austausch der Akteure
als einen wichtigen positiven Faktor für die Gesundheitskonferenz erachten. Aus den
Antworten zu den Faktoren, die sich negativ auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz auswirkten, zeichnet sich kein einzelner Faktor als entscheidend ab. Hier werden Rahmenbedingungen wie gesetzliche Vorgaben oder politisches Interesse ebenso wie die Größe des Plenums oder die Ungewissheit über die
Fortführung des Prozesses erwähnt. Letzteres spiegelt sich entsprechend auch bei
den Verbesserungsvorschlägen, in denen besonders auf die Wichtigkeit einer Fortsetzung der Zusammenarbeit und Ausarbeitung von Maßnahmen verwiesen wird.
Welcher Faktor wirkte sich am positivsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Persönliches Kennenlernen der Akteure
− Die Nachhaltigkeit und Beharrlichkeit und offene Bereitschaft alle Seiten neutral
einzubringen ist durch den Moderator besorgt gewesen
− Kompetenz der TN
− Vielschichtigkeit der Perspektiven
− Erstmals Mitgestaltung
− Erkennen der Bedeutung der medizinischen Versorgung für den Raum
− Aktive Mitarbeit der Beteiligten
− Alle Player an einem Tisch
− Gedankenaustausch zw. Teilnehmern  Identifikation von Problemlagen
− Kommunikation
− Modellregion, Vorstellung endlich Einfluss zu nehmen
− Alle Beteiligten komprimiert an einem Tisch
− Angst vor Versorgungslücken
− Allein schon mal dass sich alle treffen ist schön

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

51

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Welcher Faktor wirkte sich am negativsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Ziel "Versorgungsbereich-Zuschnitt" war fest
− Gesetzliche Vorgaben
− Politisches Interesse
− Zu starre bisherige Planungsvorgaben
− Finanzielle Versäulung der Bereiche
− Ungewissheit wie nachhaltig der Prozess weiter betrieben + evaluiert wird
− Zukünftiger Mangel an Ärzten, Mangelverwaltung
− Geringes Interesse der niedergel. Ärzte
− Bgm erst seit 1.5.14 im Amt
− Plenum zu groß
− Partikularinteressen
− Geld ist knapp

Was sollte Ihrer Meinung nach verbessert werden, damit sich der Nutzen der
Regionalen Gesundheitskonferenz erhöht?
− Gleichmäßiges Einbeziehen aller Akteure; keine Honorar- oder Kostendiskussionen in der "Planungsphase"
− Forderungen an gesetzl. + KVB Vorgaben zur Änderung / Anpassung an aktuelle
Problematik
− Konstruktive Vorschläge
− Verlängerung der Konferenz bzw. Aktualisierung und Ausarbeitung von Details
− Fortsetzung mit klaren Themenbereichen wie z. B. Notfall / Bereitschaft
− Die Selbstverwaltung sollte ihre Umsetzungskompetenz übertragen
− Ergebnisse in konkreten Maßnahmenplan umsetzen und regelmäßig auf
regionaler + ministerieller Ebene evaluieren
− Druck auf die Politik, Probleme anzupacken, Allmacht der Krankenkassen
reduzieren!
− Chancen auf Umsetzung d. Vorschläge darlegen
− Polit. Würdenträger stärker einbinden
− Kleine Arbeitsgruppen, Bearbeiten einzelner Themen mit den Akteuren
− Wenig Teilnehmer
− Häppchen :)

52

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Gibt es jenseits der abgefragten Punkte noch etwas, das Sie uns gerne mitteilen
möchten?
− Praxisorientierung bei alleiniger Anhörung der "Funktionäre" so gut wie nicht
vorhanden  Brainstorming besser bei den Ausführenden
− Die Konferenz hat eine Struktur entwickelt, die eine Steuerung zukünftiger
Hausärzte ermöglichen soll. Dabei sind noch vordringlicher die Verbesserungen
der Rahmenbedingungen um Kollegen in die ländliche Region zu bekommen
bzw. in den Hausarztberuf
− Kassenvertreter haben sich völlig rausgehalten u. sind nicht in der Lage einheitliche Statements zu formulieren
− Sehr wichtig wäre es das Modellprojekt fortzusetzen, z. B. Unterregion Reg. 18
testen
6.4.2.8 Resümee des Geschäftsstellenleiters der Regionalen Gesundheitskonferenz
Südostoberbayern
Im Projektendbericht des Geschäftsstellenleiters wird folgender Mehrwert beschrieben, der durch die Etablierung und Durchführung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern festgestellt werden konnte:
-

Alle Institutionen bzw. Personen, die mit Gesundheit oder ärztlicher Versorgung zu tun haben, kommen ins Gespräch, lernen sich und die jeweiligen
Aufgaben kennen

-

Ganzheitliche Beleuchtung des Gesundheitswesens und des
Gesundheitssystems

-

Erhebung des Ist-Standes über die vorhandene Situation in der Region

-

Gemeinsame Festlegung von Maßnahmen und Forderungen: Nicht viele,
sondern die richtigen Maßnahmen ergreifen

-

Gewinnung von Synergien: Bündelung des Wissens, der Zeit und der
Finanzen

-

Anstoß eines Dialogprozesses über das Gesundheitswesen

6.4.2.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
Der Geschäftsstellenleiter hebt in seinem Projektendbericht als Mehrwert der
Gesundheitskonferenz die Vernetzung der Akteure und die daraus entstehenden
Synergieeffekte hervor. Zwar erhielt das Item, dass die Regionale Gesundheitskonferenz ein geeignetes Steuerungsinstrument für die Optimierung der Kooperation der
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

53

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Akteure ist, in der Teilnehmerbefragung etwas weniger Zustimmung als in den anderen beiden Modellregionen, dennoch wird genau dieser Aspekt bei den offenen
Fragen häufig als positiver Faktor der Gesundheitskonferenz betont. Die Regionale
Gesundheitskonferenz Südostoberbayern hatte schon allein durch die Größe der
Region eine andere Gremienstruktur als die beiden kleineren Regionen. Die Teilnehmergröße wurde in der Endbefragung auch etwas negativer bewertet als im
Durchschnitt. Für die Bearbeitung der Themen wurden die Arbeitsgruppen auf Ebene
der Stadt- und Landkreise gebildet. Dies deutet daraufhin, dass der Regionalbezug
für eine konkrete Projektarbeit und Umsetzung vor Ort möglicherweise zu groß ist.
Für eine elaborierte gesundheitspolitische Stellungnahme, wie sie in Form der Resolution erfolgte, kann der Regionalbezug allerdings geeignet sein. Dies wird durch die
Ergebnisse der Befragung gestützt, in der zwar die Umsetzungschancen als schwierig angesehen werden, dafür aber vergleichsweise viele Akteure der Meinung waren,
dass die wichtigsten Probleme identifiziert wurden. Das Anspruchsniveau der Zielsetzung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern ist als verhältnismäßig hoch zu bewerten und die Befragungsergebnisse entsprechend zu relativieren.

54

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4.3 Regionale Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen
Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen wurde bereits im März 2011 in der Landtagsdrucksache Nr. 16/8133 (Bayerischer Landtag, 2011) als eine Beispielregion für
die Herausforderungen des demografischen Wandels namentlich erwähnt. Daher
wurden seitens des Landkreises schon Überlegungen angestellt, wie bspw. die
Niederlassungsbereitschaft von Ärzten, insbesondere von Allgemeinmedizinern,
verbessert werden kann. Die Auseinandersetzung mit der hausärztlichen Versorgung
und der gesundheitlichen Versorgung auf der Kreisebene konnte schließlich ab Mitte
2013 durch die Einführung der Regionalen Gesundheitskonferenz intensiviert werden.
6.4.3.1 Geschäftsstelle Weißenburg-Gunzenhausen
Die Geschäftsstelle der Regionalen Gesundheitskonferenz WeißenburgGunzenhausen wurde innerhalb des Landratsamts der Abteilung Gesundheitswesen
(Gesundheitsamt) zugeordnet. Für die Leitung der Geschäftsstelle fand eine Ausschreibung statt und konnte personell zum 01.10.2013 besetzt werden. Die
Geschäftsstellenleiterin hatte bereits Berufserfahrungen im Gesundheitsbereich. In
der Mitte des Jahres 2014 fand ein Personalwechsel in der Geschäftsstelle statt. Als
ausgebildete medizinische Fachangestellte und Studentin des M.A. Gesundheitsmanagement war die neue, aus der Region stammende Geschäftsstellenleiterin mit
dem örtlichen Gesundheitswesen sehr vertraut. Der Stellenumfang lag bei 20 Stunden pro Woche. Beide Geschäftsstellenleiterinnen erachteten den Stellenumfang
aber als zu gering, vor allem in Zeiträumen, in denen vermehrt Arbeitsgruppensitzungen stattfanden. Die Geschäftsstellenleitung stand über den gesamten Projektzeitraum im Kontakt zum Landrat und anderen flankierenden Sachgebieten. In der
Steuerungsgruppe waren daher neben der Geschäftsstellenleitung auch die jeweiligen Leiter der Zukunftsinitiative, des Gesundheitsamts und des Regionalmanagements vertreten. Unterstützt wurden sie zusätzlich durch den Vorstand der Klinik
Altmühlfranken. Für das Thema der ärztlichen Versorgung wurde außerdem eine
externe Projektbegleiterin hinzugezogen. Für den internen Netzwerkaufbau wurde
neben den Teilnehmern des Steuerkreises bspw. Kontakt zur Jugendstelle, Gesundheitsförderung, Ehrenamtsbörse oder Kinderschutzstelle gesucht. Außerdem wurde
ein Erfahrungsaustausch auch durch den Kontakt zu Geschäftsstellen von Gesundheitskonferenzen in anderen Bundesländern hergestellt. Die Geschäftsstellenleiterin
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

55

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

nahm an diversen Kongressen und Fachtagungen, wie bspw. dem Europäischen
Gesundheitskongress in München oder der wissenschaftlichen Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, aktiv teil.
6.4.3.2 Gremium der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen
Die Vorauswahl der Zusammensetzung des Gremiums der Regionalen Gesundheitskonferenz fand durch den Steuerungskreis statt. In der Geschäftsordnung, die sich
die Gesundheitskonferenz gegeben hat, wurden die verschiedenen Vertreter der
Institutionen und Organisationen festgelegt. Es wurde außerdem bestimmt, dass
themenbezogen Experten ohne Stimmrecht hinzugezogen bzw. neue Mitglieder mit
einer Zweidrittel Mehrheit aufgenommen werden können. Ab der zweiten Sitzung
wurden auch diejenigen Arbeitsgruppensprecher einbezogen, die ursprünglich keine
Mitglieder der Regionalen Gesundheitskonferenz waren, aber aufgrund ihrer Expertise zu den Arbeitsgruppen eingeladen wurden. Das Gremium der Regionalen
Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen setzte sich aus Vertretern
folgender Institutionen zusammen:
-

Kommunalpolitik / Untere Gesundheitsbehörde

-

Ärztlicher Kreisverband Südfranken

-

Ärzteverein

-

Kassenärztliche Vereinigung Bayerns

-

Zahnärztlicher Bezirksverband Mittelfranken

-

Kinder- und Jugendlichentherapie

-

Apothekerkammer

-

Zentrale Diakoniestation des Diakonischen Werkes WeißenburgGunzenhausen e.V.

-

Bayerisches Rotes Kreuz

-

Caritas Verband

-

Klinikum Altmühlfranken

-

Gesetzliche Krankenkasse (AOK)

-

Evangelischer Krankenverein e.V.

-

Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe und Bürgerschaftliches Engagement

-

56

Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

-

Gesundheitsversorgung Migranten

-

DVG-Bildungszentrum Gunzenhausen

Den Vorsitz der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen hatte der Landrat inne. Die Moderation der Sitzungen übernahm die Geschäftsstellenleitung, unterstützt durch den Vorsitzenden. In der ersten Sitzung gab es einen Impulsvortrag der KVB über deren Aufgaben und Informationen zur Bedarfsplanung. In
einem zweiten Impulsvortrag wurde das seniorenpolitische Gesamtkonzept des
Landkreises vorgestellt. Ab der zweiten Sitzung nahmen aber vor allem die Berichterstattung durch die Arbeitsgruppensprecher und die anschließende Diskussion den
Hauptteil der Sitzungen ein. In der letzten Sitzung, in der Frau Staatsministerin
Melanie Huml persönlich teilnahm, wurden hauptsächlich die vorläufigen Endergebnisse der Arbeitsgruppen dargestellt und Beschlüsse zu den jeweiligen Maßnahmen
oder zukünftigen Planungen gefasst.
Insgesamt fanden drei Sitzungen der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen statt, die jeweils ca. zwei Stunden dauerten:
1. Sitzung: 11.12.2013
2. Sitzung: 19.03.2014
3. Sitzung: 22.09.2014
6.4.3.3 Bedarfsanalyse Weißenburg-Gunzenhausen
Für die Bedarfsanalyse wurden verschiedene Verfahren angewandt. Neben einem
intensiven Austausch und Informationen der KVB wurden Analysen mit Daten des
Gesundheitsatlas Bayern des LGL durchgeführt. Ergänzend zur Einladung für die
erste Sitzung wurde auch ein Fragebogen zur Bestimmung der regionalen Gesundheitsprobleme versandt. In diesem wurde der Handlungsbedarf zu verschiedenen
aufgeführten Themen in den Bereichen der allgemeinen medizinischen Versorgung,
der Gesundheitsversorgung nach Lebensphasen und nach Zielgruppen abgefragt.
Die Themen wurden nach hoher, mittlerer und geringer Priorität eingestuft. Die
Fragebögen wurden von der Geschäftsstelle ausgewertet und die Themen in eine
Rangfolge gebracht (vgl. Anhang 6). Die Ergebnisse wurden in der ersten Sitzung
der Gesundheitskonferenz mit den Akteuren diskutiert. Auf Basis der im Vorfeld
durchgeführten Bedarfsanalyse wurden dann bereits in der ersten Sitzung vier ver-

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

57

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

schiedene Arbeitsgruppen gegründet, die nachfolgend beschrieben werden. Für eine
weiterführende Bedarfsanalyse wurde ein Interviewleitfaden für die vier Arbeitsgruppenthemen entworfen. Die Befragungen erfolgten meist telefonisch, um Erfahrungen
auszutauschen, Informationen über bereits erfolgte Maßnahmen zu erhalten und
weitere relevante Fachexperten zu gewinnen.
6.4.3.4 Arbeitsgruppen in Weißenburg-Gunzenhausen
Arbeitsgruppe I „Ärztliche Versorgung im Landkreis“
Für die Arbeitsgruppe „Ärztliche Versorgung im Landkreis“ wurden alle niedergelassenen Ärzte des Landkreises eingeladen. Neben interessierten Ärzten waren in der
Arbeitsgruppe außerdem der Landrat, die Geschäftsstelle und die KVB vertreten.
Moderiert wurden die Sitzungen von einer externen Expertin. Die Arbeitsgruppe konzentrierte sich auf das gesetzte Ziel, Lösungsmöglichkeiten für den zunehmenden
Ärztemangel zu finden. Hierzu wurden erste Konzeptideen im Sinne von strukturierten Seminar-, Fort- und Weiterbildungsprogrammen unter der Betreuung einer
implementierten Koordinationsstelle entwickelt. Dadurch soll effektiv und langfristig
für den Landkreis geworben und die Attraktivität gesteigert werden. Dafür bedarf es
nach Ansicht der Arbeitsgruppe neben den Fortbildungsveranstaltungen und
passenden Unterkünften auch eines guten Freizeitangebotes, um den medizinischen
Nachwuchs von der ländlich geprägten Region begeistern zu können. Angedacht ist
auch eine „Ferienakademie“ für Studenten der Humanmedizin in höheren Semestern
im Landkreis.
Um die Attraktivität zur Niederlassung auf dem Land zu steigern, war sich die
Arbeitsgruppe einig, dass die derzeitige Arbeitsbelastung der Landärzte, die sich
hauptsächlich durch die Ableistung von Bereitschafts- und Notdiensten ergibt, reduziert werden muss. Die Arbeitsgruppe entschied sich nach einem Erfahrungsaustausch mit anderen Landkreisen und regen Austausch untereinander gegen die
Errichtung einer Bereitschaftsdienstpraxis durch die Ärzteschaft. Stattdessen wurde
ein Positionspapier mit Vorschlägen, um die Arbeitsbelastung im Bereitschaftsdienst
zu senken, erarbeitet. Dazu gehören u.a., dass mehr Ärzte aus Ballungsräumen für
diese Dienste eingesetzt werden, ein Belastungsmaximum anhand einer festen
Stundenanzahl festgesetzt wird oder bestimmte Ärzte, wie z. B. Ärztinnen mit
Kindern im Alter zwischen 0 und 12 Jahren, komplett freigestellt werden. Dieses

58

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Positionspapier wurde in der letzten Sitzung der Regionalen Gesundheitskonferenz
direkt an Staatsministerin Huml sowie weitere Vertreter des StMGP adressiert und
sollte über die anwesenden Vertreter der KVB auch deren Vorstand erreichen. Das
Positionspapier wurde u.a. im Oktober 2014 im Gesundheitsausschuss des
Bayerischen Landkreistags vorgestellt.
Arbeitsgruppe II „Patienten- und Pflegewegweiser“
In der Arbeitsgruppe „Patienten- und Pflegewegweiser“ waren neben der Geschäftsstellenleitung aus dem Landratsamt das Regionalmanagement, die Zukunftsinitiative,
der Bereich Soziales und Senioren sowie die Gesundheitsförderung vertreten.
Außerdem nahmen Vertreter des Bildungszentrums Gunzenhausen, der Kontaktund Informationsstelle für Selbsthilfe und Bürgerschaftliches Engagement, des Vereins für Interkulturelle Begegnungen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen e.V.
und die Patientenfürsprecherin des Klinikum Altmühlfrankens an der Arbeitsgruppe
teil. Die Arbeitsgruppe hatte drei Schwerpunkte für die Modellphase festgelegt und
umgesetzt:
-

Neuauflage Seniorenwegweiser:
Der Seniorenwegweiser, der Informationen und Kontaktadressen zum Thema
Leben im Alter in der Region Altmühlfranken von 2011 enthielt, wurde aktualisiert. Er ist seit Herbst 2014 in gedruckter Form kostenlos zu erhalten. Er wurde über zentrale Stellen des Landratsamtes verteilt und ist ebenfalls in digitaler Form auf der Homepage des Landratsamtes als Download verfügbar
(www.altmuehlfranken.de/soziales/seniorenwegweiser).

-

Flyer Entlastungsangebote für pflegende Angehörige:
Der Flyer soll insbesondere einen Überblick von Hilfsangeboten für pflegende
Angehörige geben und macht bspw. auf Themen wie Patientenverfügung oder
Pflegeberatung aufmerksam. Der gedruckte Flyer wurde an die Mitglieder der
Gesundheitskonferenz ausgehändigt und landkreisweit verteilt.

-

Virtueller Patientenwegweiser:
Unter www.altmuehlfranken.de/patientenwegweiser können Hilfesuchende
nunmehr über die entsprechenden Links wegweisende Informationen zu Kliniken, Ärzten, Zahnärzten, Apotheken und anderen Gesundheitsdienstleistern

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

59

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

des Landkreises einholen. Das Landratsamt wird zukünftig die Daten auf
Aktualität hin überprüfen und pflegen.
Arbeitsgruppe III „Schnittstellenkommunikation und Überleitung“
In der Arbeitsgruppe „Schnittstellenkommunikation und Überleitung“ beteiligten sich
neben der Geschäftsstellenleitung vor allem Vertreter der Gesetzlichen Krankenversicherung, der Zentralen Diakoniestation des Diakonischen Werkes WeißenburgGunzenhausen e.V., der AWO und der Pflegedirektor des Klinikums Altmühlfranken
als Sprecher der Arbeitsgruppe. Die Arbeitsgruppe beschäftigte sich hauptsächlich
mit dem Thema der Verbesserung und Sicherung des Informationstransfers zwischen den am Betreuungs- und Behandlungsprozess beteiligten Organisationen in
der Region Altmühlfranken. Die Themen Schnittstellenkommunikation zwischen
Haus- und Fachärzten sowie Geriatrische Verbünde wurden vorerst vertagt. Man
konzentrierte sich auf folgende Schwerpunkte:
-

Pflegeüberleitungsbogen der Region Altmühlfranken:
Da kaum Zugang zu geeigneten Daten bestand, entschloss sich die Arbeitsgruppe zu einer eigenen Bedarfserhebung bei den stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen mittels eines Fragebogens. Basierend auf den Ergebnissen der durchgeführten Erhebung wurde dann ein „Pflegeüberleitungsbogen der Region Altmühlfranken“ erstellt, der nach den Inhalten bisheriger Pflegeüberleitungsbögen, den bestehenden Anforderungen im Bereich der Demenzversorgung sowie auf Grundlage anerkannter Expertenstandards erarbeitet wurde. Der Überleitungsbogen wurde im Klinikum Altmühlfranken einem
Pretest unterzogen. Schließlich wurde der fertige Überleitungsbogen mit einem Schreiben vom Landrat an alle entsprechenden Einrichtungen im Landkreis mit der eindringlichen Bitte zur Verwendung des Bogens ausgegeben.
Dieser soll dazu beitragen, dass Informationen standardisiert zwischen den
verschiedenen Einrichtungen übermittelt werden, bspw. bei der Einweisung
eines Patienten aus dem Pflegeheim ins Klinikum, um Informationsverlusten
zwischen stationären und ambulanten Institutionen entgegenzuwirken.

-

Pflegeforum der Region Altmühlfranken:
Es wurde beschlossen, ein Pflegeforum ins Leben zu rufen, das als Austausch- und Netzwerkplattform dem gegenseitigen Informationsaustausch der

60

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Pflegenden sowie der am Betreuungs- und Behandlungsprozess Beteiligten
dient, gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen initiiert und letztlich
die Verwirklichung gemeinsamer Zielsetzungen im Bereich der Pflege unterstützt. Informationen zum Pflegeforum sind auf der Homepage des Landratsamtes und auch in Form eines Flyers erhältlich.
Arbeitsgruppe IV „Hospiz- und Palliativversorgung“
Die Teilnehmerzahl an den Treffen der Arbeitsgruppe „Hospiz- und Palliativversorgung“ variierte im Zeitverlauf, da zwischenzeitlich Experten wie z. B. Verantwortliche
aus dem Bereich der Hospiz- und Palliativversorgung aus anderen Landkreisen mitwirkten. In einem der ersten Treffen der Arbeitsgruppe wurde bspw. auch der
Geschäftsführer des Bayerischen Palliativ- und Hospizverbands eingeladen, um die
Gruppe zu unterstützen und mögliche Fragen zu klären. Sprecher der Gruppe war
der Leiter des Palliativmedizinischen Dienstes des Klinikums Altmühlfranken, weitere
Mitglieder waren Vertreter des Hospiz-Vereins Gunzenhausen e.V., des Gesundheitsamtes, der Zentralen Diakoniestation des Diakonischen Werkes WeißenburgGunzenhausen e.V. sowie niedergelassene Ärzte. Der Fokus der Arbeitsgruppe lag
auf den Handlungsfeldern Etablierung einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV), weitere Förderung ehrenamtlichen Engagements, eigene HospizHelfer-Ausbildung im Landkreis und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Im Laufe der
Arbeitsgruppensitzungen wurde das Thema stationäres Hospizwesen vorerst
zurückgestellt, da die große Mehrheit der Bevölkerung zu Hause sterben möchte und
laut der Feststellung des früheren Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und
Gesundheit rein rechnerisch der Bedarf an stationären Hospiz-Betten im Landkreis
lediglich bei 1,5 Betten läge.
Die Arbeitsgruppe empfiehlt die Einrichtung eines SAPV-Teams, um die Anschlussversorgung nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sicherzustellen. Da ein wirtschaftlich erfolgreiches SAPV-Team nur in einem Versorgungsgebiet mit etwa
200.000 Einwohnern arbeiten kann, wurde Kontakt zum angrenzenden Landkreis
Roth hergestellt, mit dem nun Planungen zur Konzeption und zum Aufbau eines
gemeinsamen SAPV-Teams stattfinden. Zusätzlich ist geplant, dass Informationsveranstaltungen für potentielle Träger sowie für Ärzte und Pflegekräfte zur Zusatzqualifizierung organisiert werden.
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

61

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Die Mitglieder halten es für notwendig, dass der Hospizverein-Gunzenhausen e.V.
gestärkt wird. Hierzu wurde an der Schaffung der Fördervoraussetzungen nach § 39a
SBG V gearbeitet, um u.a. zwei hauptamtliche Koordinatoren beschäftigen zu
können. Zur Gewinnung weiterer ehrenamtlicher Hospizarbeiter wird diskutiert, eine
Hospiz-Helfer-Ausbildung im Landkreis anzubieten, um neben kurzen Fahrtstrecken
auch eine verbesserte Mitarbeitersichtung und -bindung zu generieren.
6.4.3.5 Öffentlichkeitsarbeit Weißenburg-Gunzenhausen
Um die Öffentlichkeit für die Gesundheitsthemen zu sensibilisieren, fand bereits vor
der ersten Sitzung der Regionalen Gesundheitskonferenz ein Pressegespräch statt.
Das Modellprojekt wurde außerdem im Herbst 2013 durch die Teilnahme am Gesundheitsforum Altmühlfranken (Messe mit über 40 örtlichen Anbietern der Gesundheitsversorgung) vorgestellt. Zu den einzelnen Sitzungen der Gesundheitskonferenz
sowie den Aktivitäten der Arbeitsgruppen wurden weitere Pressemitteilungen
veröffentlicht. Ein Internetauftritt wurde im Januar 2014 realisiert
(www.altmuehlfranken.de/regionale-gesundheitskonferenz). Hier wurden laufend die
Ergebnisse der Sitzungen der Gesundheitskonferenzen und erste Ergebnisse der
Arbeit der einzelnen Projektgruppen eingestellt. Der Landrat ließ die Erfahrungen
auch in überregionalen Gremien einfließen und stellte vorläufige Ergebnisse des
Modellprojekts bspw. beim Bayerischen Landkreistag vor.
6.4.3.6 Standardisierte Teilnehmerbefragung in Weißenburg-Gunzenhausen
Abbildung 12 visualisiert die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung in WeißenburgGunzenhausen zu den 21 Items auf der 4-stufigen-Antwortskala anhand von Mittelwerten.
Ähnlich wie in Bamberg gibt es einen hohen Zustimmungsgrad zu der Aussage, dass
die Sitzungen in der Regel durch eine konstruktive Atmosphäre gekennzeichnet
waren. Auffallend ist der hohe Anteil der Akteure in Weißenburg-Gunzenhausen, die
widersprachen, dass die Mehrheit der Akteure nur zu den Sitzungen erschien, um
ihre Partikularinteressen durchzusetzen. Außerdem empfanden vergleichsweise viele
Teilnehmer, dass die Geschäftsordnung hilfreich war. Die Geschäftsstellenleitung
wurde in allen drei Regionen als wichtig für das Funktionieren der Regionalen
Gesundheitskonferenz erachtet, in Weißenburg-Gunzenhausen war der Zustimmungsgrad am höchsten. Die Akteure der Regionalen Gesundheitskonferenz

62

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Weißenburg-Gunzenhausen stehen den Umsetzungschancen ihrer Maßnahmen
deutlich positiver gegenüber als die Akteure der beiden anderen Modellregionen. Für
die globale Zufriedenheit wurden ebenfalls sehr gute Ergebnisse erzielt. So sind insgesamt jeweils 96 % mit dem bisherigen Verlauf zufrieden und würden auch zukünftig wieder an den Gesundheitskonferenzen teilnehmen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

63

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Abbildung 12: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der Teilnehmer der
Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen auf 4-stufiger-Antwortskala (Mittelwerte)

64

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

6.4.3.7 Einflussfaktoren und Verbesserungspotenzial in der Teilnehmerbefragung in
Weißenburg-Gunzenhausen
Die folgenden Textkästen listen die Antworten der Regionalen Gesundheitskonferenz
Weißenburg-Gunzenhausen zu den offenen Fragen der Teilnehmerbefragung auf.
Als positive Faktoren für den Verlauf der Regionalen Gesundheitskonferenz werden
von den Akteuren in Weißenburg-Gunzenhausen vor allem die Einrichtung der
Geschäftsstelle und deren Tätigkeiten, wie z. B. Organisation und Moderation, ebenso wie das Engagement und die Kooperationsbereitschaft der Teilnehmer genannt.
Dennoch werden Partikularinteressen von einzelnen Akteuren als negativer Faktor
für den Verlauf der Gesundheitskonferenzen, genauso wie eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten durch feste gesetzliche Rahmenbedingungen betrachtet. Aus
den Angaben zu möglichen Verbesserungsvorschlägen zeigt sich, dass die Akteure
vor allem Wert auf eine Fortsetzung der Konferenz und der begonnenen Kooperationen und Aktivitäten legen, so dass die Strukturen verstetigt werden können. Zusätzlich wird in den offenen Angaben auch das Thema Prävention angesprochen, das
zukünftig mitbehandelt werden sollte.
Welcher Faktor wirkte sich am positivsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Engagement von einzelnen Akteuren
− Moderation der Arbeitsgruppen + intensive Vorbereitungen
− Überleitung dieses Bogens kann schnell umgesetzt werden
− Steuerung über Landratsamt
− Gruppengröße
− Offene Arbeitsweise in den Arbeitsgruppen
− Kooperationen / Synergieeffekte
− Geschäftsordnung und Moderation
− fachlich gut moderierte Arbeit
− Netzwerk innerhalb Landkreis
− Kooperationsbereitschaft aller Teilnehmer
− Gemeinsame Interessen der Akteure
− Unterstützung durch Ministerium
− Organisation, Strukturen, Moderation
− Hauptamtliches Personal in der Geschäftsstelle inkl. Moderation der Konferenzen und Arbeitsgruppen
Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

65

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

− Neutrale Geschäftsstelle
− Notwendigkeit!
− Bestehende Mängel die beseitigt werden sollen
− Wir haben es geschafft, miteinander zu reden

Welcher Faktor wirkte sich am negativsten auf den Verlauf der Regionalen
Gesundheitskonferenz aus?
− Bürokratie
− Partikularinteressen; geringe Kenntnis der Einflussmöglichkeiten und Entscheidungsbefugnisse durch LRA
− Partikularinteressen Einzelner / Gruppen
− Nicht alle Stimmen hatten das gleiche Gewicht
− Koordination der Terminabstimmung der Arbeitsgruppen
− Zu große Arbeitsgruppengrößen
− Keine Aspekte vorhanden
− Persönliche Animositäten und Wechselnotwendigkeit in Geschäftsstelle
− Unklarheit bzgl. rechtlicher Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten
− Keine, ggf. gesetzliche Regelung
− Systemhemmnisse der Selbstverwaltungsträger bzw. Probleme konnten durch
RGK nicht beeinflusst werden!
− Schwer zu beeinflussende Regelwerke (KV, Kassen)
− Einzelinteressen, die nachgereicht werden

Was sollte Ihrer Meinung nach verbessert werden, damit sich der Nutzen der
Regionalen Gesundheitskonferenz erhöht?
− Klare Zusammensetzung der RGK; LRA Vertreter begrenzen
− Stärkere Einbindung von rechtlichem Fachwissen, bessere Rückkopplung an die
Verbände wie KV, Krankenkassen + Gesundheitsministerium
− Die Teilnahme von privat Personen (1-2)
− Konsequent an den Themen arbeiten - "dran bleiben"
− Öffentlichkeitsarbeit vor allem durch die beschlossenen Konzepte
− Weiter so
− Fortsetzung mit hoher staatlicher Förderung
− Verlängerung des Arbeitszeitraumes, um mehrere Punkte anzugehen bzw. umzusetzen

66

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

− Konkreter Ansprechpartner für Fragen (Finanzierung / Förderung / rechtl. Rahmenbedingungen) im Landkreis / auf Landesebene / StMGP
− Weitergehende Förderung durch Gesundheitspolitik z. B. Abbau ärztl. Überversorgung in Städten, um Ärzte zusätzlich zur Niederlassung am Land zu bewegen
− Zeitrahmen (1 Jahr) war zu kurz, sollte verlängert werden
− Verstetigung der Strukturen und Ressourcen!
− Noch nicht absehbar!
− Evaluation nach 1 Jahr ob Projekte entstanden sind
− Kann ich nicht absehen

Gibt es jenseits der abgefragten Punkte noch etwas, das Sie uns gerne mitteilen
möchten?
− Thema Kinder + Prävention wurden nicht berücksichtigt. Liegt es daran das Kinder nicht wählen können?
− Ärztl. Versorgung - schwieriges Thema, klare Ziele Ärzte vorher definieren +
trennen: hausärztl. Versorgung, fachärztl. Versorgung; Themenschwerpunkt interdisziplinär
− Prävention richtet sich nicht nur an "Gesundheits- / Krankheits-Akteure"  Erweiterung des Feldes, z. B. um Schulen, Erzieher, Sportvereine, Volkshochschule etc.
− Danke für die Unterstützung
− Grundsätzlich: GUTE IDEE!!

6.4.3.8 Resümee der Geschäftsstellenleiterin der Regionalen Gesundheitskonferenz
Weißenburg-Gunzenhausen
Seitens der Geschäftsstelle wird im Projektendbericht ein positives Fazit bezüglich
der Regionalen Gesundheitskonferenz gezogen. Das Modellprojekt generierte
schnell externe Schnittstellen der Akteure der Gesundheitsversorgung, aber auch
innerhalb des Landratsamtes. Ein persönlicher und reger Austausch konnte binnen
kürzester Zeit realisiert und Bestrebungen aus der Vergangenheit wieder aufgegriffen
und in eine strukturierte Organisation der Regionalen Gesundheitskonferenz
integriert werden.
6.4.3.9 Zwischenfazit Regionale Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen
Das positive Resümee der Geschäftsstelle bezüglich Kooperation und Zusammenkommen empfanden der Teilnehmerbefragung nach auch die Akteure selbst als entBayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

67

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

scheidenden Mehrwert der Gesundheitskonferenz. Die kurze Phase ohne Geschäftsstellenleitung verdeutlichte die Wichtigkeit dieser Stelle, weil dort alle Informationen
zusammengeführt werden. Kurzzeitig war unklar, wer nun Ansprechpartner ist und
wer für die Organisation bspw. von Arbeitsgruppentreffen zuständig war. Durch eine
rasche Einarbeitung der neuen Verantwortlichen und den bereits aufgebauten Strukturen konnte die Arbeit aber relativ schnell weitergehen. Dass die Arbeit der
Geschäftsstelle entscheidend für den Verlauf der Regionalen Gesundheitskonferenz
ist, kommt auch durch die Teilnehmerbefragung sowohl in den offenen Fragen als
auch bei den Item-Abfragen zu Geschäftsstelle und Moderation zum Ausdruck. Eine
halbe Stelle wird hier allerdings als zu wenig erachtet. Die Arbeitsgruppen der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen waren bereits relativ weit
in der Umsetzung ihrer Vorhaben und kleinere Projekte waren zum Teil sogar bereits
abgeschlossen. Entsprechend positiv war demnach auch die Bewertung der Umsetzungschancen der angedachten Maßnahmen. Die Wertschätzung der Akteure
bezüglich der Gesundheitskonferenz zeigt sich neben den positiven Ergebnissen in
der Teilnehmerbefragung auch in der letzten Sitzung, in der von den Mitgliedern
beschlossen wurde, das Gremium und die entsprechenden Vorhaben auch nach
Ende des Modellprojekts fortzuführen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht sicher, ob
dem Landkreis durch ein darauffolgendes Förderprojekt weiterhin Mittel für die
Geschäftsstelle zur Verfügung stehen würden.

68

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

7. Schlussfolgerungen
Das Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen hatte zum Ziel, den Bedarf
und die Akzeptanz eines solchen Gremiums in drei Modellregionen Bayerns zu
erproben. Durch die wissenschaftliche Begleitung sollten Strukturen, Prozesse und
Ergebnisse der Gesundheitskonferenzen bewertet, Hinweise auf Entwicklungspotenziale erkannt und die Übertragbarkeit in weitere Regionen geprüft werden. Für den
relativ kurzen Projektzeitraum von rund 18 Monaten wurde daher ein eher deskriptives Evaluationsdesign gewählt.
Für die Diskussion der Ergebnisse ist als Limitation anzumerken, dass der Zugang in
das Modellprojekt freiwillig war und die Regionen unter starker Beobachtung der
Landesbehörden standen. Dies kann möglicherweise zu einem überdurchschnittlich
hohen Engagement der Akteure geführt haben, welches eventuell bei einer Ausweitung im Routinebetrieb nicht in diesem Ausmaß zu erwarten ist. Entsprechend ist
auch eine Tendenz zur sozialen Erwünschtheit beim Antwortverhalten in der Teilnehmerbefragung prinzipiell nicht auszuschließen. Die Sicherstellung der Anonymität
in der Fragebogenerhebung und die externe Auswertung sollten dem jedoch
entgegenwirken.
Allen drei Modellregionen ist es relativ zügig gelungen eine Regionale Gesundheitskonferenz mit Geschäftsstelle zu etablieren und die vorgegebenen drei Sitzungen in
der Projektphase durchzuführen. Es wurde fast zeitgleich begonnen, aber im Verlauf
unterschiedliche Herangehensweisen und Geschwindigkeiten entwickelt. Am Ende
des Interventionszeitraums befanden sie sich auch in verschiedenen Entwicklungsstadien.
Aufbauend auf den Bedarfsermittlungen und den Priorisierungen zeigten sich
zwischen den Regionalen Gesundheitskonferenzen Abstufungen in der Problemrelevanz, auf die sich die unternommenen Aktivitäten richteten. Während Südostoberbayern zentral die Bedarfsplanungssysteme fokussierte, wurden in Weißenburg-Gunzenhausen eher gemischte Themen, wie Patientenwegweiser oder der
Aufbau eines SAPV-Teams, bearbeitet. Der Fokus in Bamberg lag eher im medizinischen Bereich, dafür weniger auf prioritären Public-Health-Problemen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

69

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Raumbezugsgrößen und Implikationen
Die drei Gesundheitskonferenzen hatten außerdem einen unterschiedlichen Regionalbezug, entsprechend unterschiedlich war auch die Besetzung der Gremien. Es
konnten die wichtigsten Akteure für die regionale Gesundheitsversorgung akquiriert
werden und es gab keine großen Veränderungen im Zeitverlauf. In der Teilnehmerbefragung wurde bestätigt, dass alle wichtigen Akteure vertreten waren. In Südostoberbayern war durch die verschiedenen Stadt- und Landkreise die Kommunalpolitik jedoch wesentlich stärker vertreten als in den anderen beiden Regionen, in
denen dafür andere für die Versorgung wichtige Akteure, wie z. B. Patientenfürsprecher oder Vertreter der Selbsthilfe, eingebunden werden konnten. Die Größe der
Gremien wurde von den Akteuren in der Endbefragung überall als angemessen
betrachtet, wenn auch von den Teilnehmern in Südostoberbayern als größtes
Gremium etwas kritischer. Die Richtgröße von 20-30 Personen scheint somit angebracht. Die Größe des Gremiums führte in Südostoberbayern dazu, dass zur
Bearbeitung der gesetzten Themen Arbeitsgruppen auf Landkreisebene gebildet
wurden. Dies deutet darauf hin, dass zum einen eine ganze Planungsregion zu groß
für die Bearbeitung spezieller Probleme und entsprechende Projektarbeit ist, aber
zum anderen nicht zu groß für gesundheitspolitische Stellungnahmen wie der elaborierten gesundheitspolitischen Resolution von Südostoberbayern. Dies dürfte auch
ein Grund dafür sein, dass in Südostoberbayern die Umsetzungschancen kritischer
als in den beiden anderen Regionen gesehen wurden, wo konkretere, teils kleinere
Projekte angegangen wurden. Die insgesamt in der Teilnehmerbefragung eher
hohen Missing-Quoten bei den Umsetzungschancen der Maßnahmen deuten darauf,
dass der Zeitpunkt der Abfrage sehr früh für deren Bewertungen war, da sich einige
Projekte erst in der Planungsphase befanden.
Strukturqualität
Als enorm wichtig stellte sich in allen Regionen die Tätigkeit der Geschäftsstellenleitung heraus. Dies zeigte sich vor allem in der Teilnehmerbefragung, in der alle
Akteure der Frage nach der Wichtigkeit der Geschäftsstelle einhellig zustimmten und
sie auch in den offenen Fragen betonten. Dieses Ergebnis bestätigt die anfangs
erwähnten Evaluationsstudien aus NRW (Knesebeck et al., 2001) und Niedersachsen (Brandes, Bregulla & Altgeld, 2014), in denen eine Koordinierungsstelle als
ausschlaggebend für eine erfolgreiche Arbeit genannt wird. Bei dem Aufbau einer

70

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Gesundheitskonferenz sollte die Einrichtung einer Geschäftsstelle somit als Grundvoraussetzung dazu gehören. Nach der Einschätzung der Geschäftsstellenleiterinnen aus Weißenburg-Gunzenhausen ist allerdings zukünftig eine Vollzeitstelle für die
Arbeit anzuraten. Außerdem unterschieden sich die drei Regionalen Gesundheitskonferenzen in der Anbindung der Geschäftsstelle durch a) Integration im Landratsamt, b) Anbindung an Gesundheitsamt und Amtsleiter und c) Vergabe an Dritte.
Durch die Arbeitsplatzeinrichtung im Landratsamt ist eine wesentlich stärkere Einbindung in Verwaltungsprozesse, amtsinterne Zusammenarbeit und Führung durch die
Leitungsgremien im Landratsamt zu beobachten. Die Vergabe an Dritte birgt latent
die Gefahr, dass mit der Delegation der Aufgaben von den Antragstellern auch in der
Tendenz die Verantwortung und das Engagement für den Gesamtprozess mit
übertragen werden. Es wird daher in der Vergleichsanalyse eine Einbindung ins
Landratsamt als organisatorisch und im Ergebnis tendenziell zielführender als die
Vergabe an Dritte erachtet.
Geschäftsordnung
Für die Verwendung einer Geschäftsordnung kann keine allgemeingültige Empfehlung getroffen werden. Die Missing-Quote in der Teilnehmerbefragung war bei
diesem Item auffallend hoch und sowohl in Südostoberbayern (ohne Geschäftsordnung) als auch in Bamberg (mit Geschäftsordnung) zeigte die Abfrage keine einheitliche Meinung der Akteure, wohingegen in Weißenburg-Gunzenhausen die Existenz
der Geschäftsordnung eher förderlich bewertet wurde.
Prozessqualität
Trotz vereinzelter Konflikte zwischen den Akteuren der Gesundheitskonferenzen, die
womöglich eher grundsätzlichen Interessenskonflikten geschuldet waren, herrschte
laut der Teilnehmer insgesamt eine konstruktive Atmosphäre in den Sitzungen. Diese
positive Einschätzung bezüglich der Atmosphäre wurde auch in der Begleitstudie von
NRW (Knesebeck et al., 2001) herausgehoben. Aus Sicht der Akteure standen
einzelne Partikularinteressen der anderen Teilnehmer nicht im Vordergrund deren
Teilnahme, auch wenn dies von wenigen Befragten als negativer Faktor in den offenen Angaben der Endbefragung erwähnt wurde.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

71

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Die bisherigen Evaluationsstudien zeigten als zentrale Ergebnisse eine verbesserte
organisations- und professionsübergreifende Zusammenarbeit durch die Gesundheitskonferenzen (Knesebeck et al., 2001; Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit,
Umwelt und Verbraucherschutz, 2010; Brandes, Bregulla & Altgeld, 2014). Dieses
Ergebnis wird durch das Modellprojekt in Bayern bestätigt. In den Regionalberichten
der drei verschiedenen Gesundheitskonferenzen wird im Fazit jeweils besonders die
Kooperation als Mehrwert betont, da dies vor allem aus der Teilnehmerbefragung
sowie dem Austausch mit den Geschäftsstellenleitern hervorgeht. Durch die regelmäßigen Gesundheitskonferenzen kann Vertrauen unter den Akteuren aufgebaut,
der Austausch vereinfacht und inhaltliche Positionen oder Sachzwänge der anderen
Akteure erfahren werden. Dieser Mehrwert sollte in seiner potentiellen langfristigen
Auswirkung nicht unterschätzt werden, auch wenn er kurzfristig anhand quantitativer
Daten schwer erfasst werden kann. Die intensivierte Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure kann genutzt werden, um eine Optimierung in der Versorgung zu
bewirken und somit langfristig auch zum Ziel einer verbesserten Gesundheit in der
Bevölkerung beizutragen.
Die Akzeptanz und Zufriedenheit der Akteure bezüglich des Steuerungsinstruments
Gesundheitskonferenzen sind entscheidend, um es langfristig mit Erfolg regional zu
etablieren. In der Teilnehmerbefragung zeigte sich, dass die globale Zufriedenheit
der Akteure sehr groß ist. Es sind jedoch Unterschiede zwischen den verschiedenen
Akteursgruppen zu verzeichnen, da die Zufriedenheit bei Sozialversicherungsträgern
und Leistungserbringern unter dem Durchschnitt liegt. Das deckt sich mit NRW, wo
auch eine kritischere Einschätzung von ärztlichen Delegierten beobachtet wurde
(Wüstenbecker, 2003; Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe, 2009). Die
hohe Akzeptanz und Wertschätzung der Regionalen Gesundheitskonferenzen in
Bayern kommt auch durch den hohen Anteil von 87 % der Befragten, die einer
zukünftigen Teilnahme zustimmten, zum Ausdruck. Dieses Ergebnis wird durch die
kontinuierliche Teilnahme der Akteure während der Modellphase und dem in den
offenen Antworten dargestellten Streben nach einer Fortführung und entsprechenden
Zukunftsplanungen unterstützt. Beispielhaft kann hier die Gesundheitskonferenz
Weißenburg-Gunzenhausen erwähnt werden, in der am Ende der letzten Sitzung
gemeinsam eine Fortführung der Konferenz beschlossen wurde und weitere Arbeitsgruppentreffen ohne definitive Zusicherung einer zukünftigen finanziellen Unterstüt-

72

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

zung stattfanden. Ein anderes Beispiel stellt die Steuerungsgruppe der Regionalen
Gesundheitskonferenz Bamberg dar, die das Thema der ärztlichen Versorgung
weiter bearbeitete und zusammen mit dem Kommunalbüro für ärztliche Versorgung
des LGL einen Workshop über die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum mit
interessierten Bürgermeistern durchgeführt hat.
Gesamtfazit
Zusammenfassend hat die Modellphase gezeigt, dass sich die Regionalen Gesundheitskonferenzen als Kooperationsinstrument auf der kommunalen Ebene bewährt
haben und entsprechend der dargestellten Ergebnisse eine sehr gute Ausgangsplattform für den Austausch, die Koordination und die Steuerung der Akteure im Gesundheitswesen bieten. Als besonders wichtig wird erachtet, eine Geschäftsstelle
möglichst in Form einer Vollzeitstelle zur Organisation und Koordination als „Motor“
der Entwicklung einzurichten. Außerdem sollte eine solche Strukturbildung mit sich
daraus entwickelnden Projekten langfristig angelegt werden. Dies zeigte sich bereits
in den Vorabgesprächen mit möglichen Modellregionen, die aufgrund der kurzen
Zeitspanne nicht am Projekt teilnahmen, und wird auch durch die Ergebnisse der
Teilnehmerbefragung bestätigt. Das zentrale Ziel der Regionalen Gesundheitskonferenzen, die Gesundheit der Bevölkerung durch eine optimierte wohnortnahe
Gesundheitsversorgung zu verbessern, ist in einer so kurzen Modellphase bei nur
wenigen vorhandenen kleinräumigen Gesundheitsdaten und zu erwartenden moderaten populationsbezogenen Effektgrößen durch die Gesundheitskonferenzen kaum
adäquat im Erreichungsgrad zu evaluieren. Eine Outcome-Evaluation würde einen
wesentlich größeren Zeithorizont und umfassendere Evaluationen der Projekte in den
Arbeitsgruppen benötigen. Dennoch wurde in der Modellphase in den Regionen
durch die Gesundheitskonferenzen ein großer Output festgestellt, wie z. B. Strukturbildung, Kooperationen, Gründung von vielen Arbeitsgruppen und der Anstoß von
Projekten, wie z. B. ein flächendeckendes Patientenüberleitungsmanagement, was
als „erfolgversprechende Intervention“ eingestuft und plausibel langfristig zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung vor Ort und der Bevölkerungsgesundheit führen
dürfte. Die Ergebnisse der Teilnehmerbefragung zu Erfolgsparameter und Eignung
bestätigen diese Einschätzungen der Evaluatoren auch weitgehend aus der Perspektive der Akteure in den Regionalen Gesundheitskonferenzen.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

73

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

8. Ausblick: Gesundheitsregionenplus
Angesichts der guten Umsetzungserfahrungen wurde bereits am Ende der Modellphase seitens des StMGP beschlossen, dass der Ansatz der Regionalen Gesundheitskonferenzen tragfähig und wichtig ist. Er sollte daher ausgebaut und ausgeweitet werden. Aufgrund der parallel bestehenden Projekte des StMGP „Gesunder
Landkreis - Runde Tische zur regionalen Gesundheitsförderung“ und „Gesundheitsregionen“ wurde nun ein Gesamtkonzept zur Vernetzung und Koordination auf
kommunaler Ebene entwickelt (StMGP, 2015). Das neue Förderprogramm Gesundheitsregionenplus zielt darauf, den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu
verbessern, die gesundheitsbezogene Lebensqualität auch im Hinblick auf die
gesundheitliche Chancengleichheit zu erhöhen und die wohnortnahe Gesundheitsversorgung und -vorsorge weiterzuentwickeln. Das StMGP stellt für zunächst maximal 24 Gesundheitsregionenplus Finanzmittel von je Region maximal 250.000 Euro
bis Ende 2019 zur Verfügung. Zur Strukturbildung einer Gesundheitsregionplus
gehören die Einrichtung einer koordinierenden Geschäftsstelle, die Gründung eines
Gesundheitsforums als Planungs- und Steuerungsgremium sowie der Aufbau von
themenbezogenen Arbeitsgruppen. Alle relevanten regionalen Akteure des Gesundheitswesens unter Vorsitz des Landrats bzw. Oberbürgermeisters sollen in dem
Gesundheitsforum vertreten sein. Zentrale Handlungsfelder sind Gesundheitsversorgung und Prävention / Gesundheitsförderung sowie ggf. weitere regionalspezifische
Themen. Eine im LGL eingerichtete fachliche Leitstelle stellt den Informations- und
Erfahrungsaustausch zwischen den Gesundheitsregionenplus her (vgl. Anhang 8).
Zukünftige Projekte und Maßnahmen der Gesundheitsregionenplus können in der
Perspektive mit staatlichen Förderprogrammen des StMGP verbunden werden.
Die Erfahrungen aus der Modellphase der Regionalen Gesundheitskonferenzen
wurden somit in das neue Förderkonzept Gesundheitsregionenplus überführt. Neben
einer entsprechend längeren Projektdauer wurden auch die Fördermittel für die
Einrichtung einer Geschäftsstelle angehoben, so dass eine Vollzeiteinstellung der
Geschäftsstellenleitung ermöglicht wird. Die in den Regionalen Gesundheitskonferenzen geübte Kritik bezüglich des Ausschlusses der Prävention in den Gesundheitskonferenzen wurde damit ebenfalls aufgegriffen und die beiden Bereiche
zusammengeführt.

74

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Der ursprünglich geplante Handlungsleitfaden für die Einführung von weiteren
Regionalen Gesundheitskonferenzen wurde entsprechend zu einem Leitfaden für
das neue Förderkonzept Gesundheitsregionenplus weiterentwickelt.
Die Regionalen Gesundheitskonferenzen Bamberg sowie WeißenburgGunzenhausen haben sich nach Abschluss der Modellphase erfolgreich für das
Förderprojekt Gesundheitsregionenplus beworben. Sie können somit ihre als Gesundheitskonferenz gestartete Arbeit in den neuen Strukturen und mit fünfjähriger
Planungssicherheit fortführen. Eine Kontinuität ist damit gesichert. Aus der
Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern hat der Landkreis Berchtesgadener Land erfolgreich einen Antrag für eine Gesundheitsregionplus gestellt.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

75

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

9. Publikationen, Workshops und Vorträge im Rahmen des Modellprojekts
9.1 Publikationen
Hollederer A. Gesundheitskonferenzen in Deutschland: ein Überblick. Gesundheitswesen 2015; 77: 161-167.
Hollederer A, Stühler K. Kooperation im Gesundheitswesen: Formative Evaluation
des Modellprojekts Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern. Gesundheitswesen 2015 (eingereicht).
9.2 Kongressbeiträge, veranstaltete Workshops und Vorträge
1) Gemeinsamer Kongress Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention
(DGSMP) und Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) am
20.09.2013 in Marburg:
Workshop: Gesundheitskonferenzen – ein wichtiges Steuerungsinstrument für die
Optimierung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung

76

-

Die Entwicklung der Gesundheitskonferenzen in Deutschland
Hollederer A, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Nürnberg

-

Erfahrungen aus 20 Jahren Kommunale Gesundheitskonferenzen in NRW am
Beispiel Kreis Heinsberg
Feldhoff KH, Kreis Heinsberg, Gesundheitsamt, Heinsberg

-

Bestandsanalyse nach zwei Jahren Kommunaler Gesundheitskonferenzen in
Baden-Württemberg (Arbeitstitel)
Leykamm B, Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (LGA BW), Stuttgart

-

Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern: erste Erfahrungen nach Implementierung in ausgewählten Modellregionen
Stühler K, Hollederer A, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Nürnberg

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

2) 50. Wissenschaftliche Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin
und Prävention am 25.09.2014 in Erlangen
Workshop: Regionale Gesundheitskonferenzen im kommunalen Gesundheitssystem:
Gestalten oder verwalten?
-

Gesundheitskonferenzen in Europa: eine Einführung
Hollederer A, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Nürnberg

-

Kommunale Gesundheitskonferenz als Planungs- und Steuerungsorgan
Roller G, Landratsamt/Kreisgesundheitsamt, Reutlingen

-

Evaluationsergebnisse zur Implementierung von Regionalen Gesundheitskonferenzen in drei bayerischen Modellregionen
Stühler K, Hollederer A, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Nürnberg

-

Regionale Gesundheitskonferenz Bamberg: Implementierungserfahrungen
aus der Sicht einer Modellregion
Strauch W, Landratsamt, Bamberg

-

Gesundheitskonferenzen und regionale Steuerungsgruppen als
Instrumente für eine koordinierte und sektorenübergreifende Gesundheitsversorgung
Richter B, Altgeld T, Brandes S, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., Hannover

-

Gesundheitskonferenzen und Kapazitätsentwicklung: Positive und negative
Einflussfaktoren
Michelsen K, Brand H, Maastricht University, Maastricht

3) Gesundheitskonferenzen als Handlungsansatz für die Herausforderungen in der
Gesundheitsversorgung
Stühler K
36. Öffentliche Sitzung des EuRegio-Rates der EuRegio Salzburg - Berchtesgadener
Land - Traunstein; 06.11.2014.
9.3 Internetauftritt
Das Modellprojekt der Regionalen Gesundheitskonferenzen bekam einen eigenen
Internetauftritt auf der Homepage des LGL

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

77

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

(www.lgl.bayern.de/gesundheit/gesundheitsversorgung/gesundheitskonferenzen), in
dem das Konzept dargestellt wird, die Ansprechpartner der Modellregionen aufgeführt sind und weitere Informationen rund um das Modellprojekt zur Verfügung stehen.

78

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

10. Danksagung
An dieser Stelle bedanken sich die Autoren dieses Projektberichts ganz herzlich bei
allen am Modellprojekt Beteiligten für die intensive, konstruktive und angenehme
Zusammenarbeit, vor allem bei den Vorsitzenden, Herrn Landrat a.D. Günther
Denzler, Herrn Landrat Johann Kalb, Herrn Landrat a.D. Hermann Steinmaßl und
Herrn Landrat Gerhard Wägemann, sowie den Geschäftsstellenleitern der drei
Regionalen Gesundheitskonferenzen, Herrn Dr. Martin Diruf, Herrn Hans Zott, Frau
Anja Eberl und Frau Nina Silbereisen. Ein besonderer Dank geht an Herrn Timo
Deiters für die Erstellung der Karten in den Abbildungen 1 und 5. Der Dank gilt auch
den Mitarbeitern des StMGP, Herrn LMR Albert Eicher und Herrn Dr. Florian Pfister,
für die sehr gute Kooperation.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

79

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

11. Literatur
(1)

Bayerischer Landtag. Drucksache 16/8133 vom 29.03.2011. Beschluss des
Bayerischen Landtags. Oberfranken als „Modellregion demografische Herausforderungen“. 2011.

(2)

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Gesundheitsreport
2/2014. http://www.lgl.bayern.de/publikationen/doc/gesundheitsreport_2014_02.
pdf

(3)

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (Hrsg.). Konzept Gesundheitsregionenplus. Stand 22.01.2015. München:
2015. http://www.stmgp.bayern.de/wirtschaft/gesundheitsregionen/doc/konzept
_gesundheitsregionen_plus.pdf

(4)

Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.
Schlussbericht Projekt: Umsetzung des Gesundheitsdienst-Gesetzes (GDG).
Berlin: Juni 2010.

(5)

Brand H, Michelsen K. Collaborative governance: the example of health conferences. In: McQueen DV, Wismar M, Lin V, Jones CM, Davies M (Ed.). Intersectoral Governance for Health in All Policies. Structures, actions and experiences.
Copenhagen, Denmark: WHO Regional Office for Europe; 2012: 165-184.

(6)

Brandes S, Bregulla I, Altgeld T. Zukunftsregionen Gesundheit. Kommunale
Gesundheitslandschaften. Bericht zur Abschlussevaluation. Landesvereingung
für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., Hannover:
2014.

(7)

Bortz J, Döring N. Forschungsmethoden und Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler. 3. Aufl. Heidelberg: Springer Verlag; 2002.

(8)

Dudenverlag. Duden online. Suchergebnisse „conferre“. Im Internet:
http://www.duden.de/suchen/dudenonline/conferre; Stand: 08.04.2015.

(9)

Graber E, Wildner M. Sterblichkeit, Todesursachen und regionale Unterschiede.
Robert-Koch-Institut (Hrsg.). Berlin: 2011.

(10) Hollederer A. Gesundheitskonferenzen in Europa: eine Einführung. Gesundheitswesen 2014; 76: 556-557.
(11) Hollederer A. Gesundheitskonferenzen in Deutschland: ein Überblick. Gesundheitswesen 2015; 77: 161-167.

80

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

(12) Hollederer A, Braun GE, Dahlhoff G et al. Memorandum „Weiterentwicklung der
Gesundheitsversorgungsforschung in Bayern aus Sicht der LAGeV“. Gesundheitswesen 2015a; 77: 180-185. https://www.thiemeconnect.de/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1389915.pdf
(13) Hollederer A, Voigtländer S, Wildner W et al. Stand und Potenziale der Versorgungsforschung: Die Perspektive der Akteure in Bayern. Gesundheitswesen
2015b; 77: 186-192. https://www.thiemeconnect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1367030.pdf
(14) Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe. Kommunale Gesundheitskonferenzen in Nordrhein-Westfalen – Eine Erfolgsgeschichte? Standpunkt Berufspolitik 2009; 14-15.
(15) Knesebeck O, Badura B, Zamora P, Weihrauch B, Werse W, Siegrist J. Evaluation einer gesundheitspolitischen Intervention auf kommunaler Ebene – Das
Modellprojekt „Ortsnahe Koordinierung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung“ in Nordrhein-Westfalen. Gesundheitswesen 2001; 63: 35-41.
(16) Knesebeck O, Joksimovic L, Badura B, Siegrist J. Evaluation of a communitylevel policy intervention. Health Policy 2002; 61: 111-122.
(17) Knieps F, Pfaff H (Hrsg.). Gesundheit in Regionen. Zahlen, Daten, Fakten. BKK
Gesundheitsreport 2014. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2014.
(18) Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V., Hrsg. Zukunftsregionen Gesundheit. Kommunale Gesundheitslandschaften. Abschlussbericht 2014. Hannover: 2014.
(19) McQueen DV, Wismar M, Lin V, Jones CM, Davies M (Ed.). Intersectoral Governance for Health in All Policies. Structures, actions and experiences. Copenhagen, Denmark: WHO Regional Office for Europe; 2012.
(20) Meier B. Gesundheitskonferenzen – Instrumente der Kooperation zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Gesundheitswesen 1995; 57: 645-51.
(21) Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit NRW, Hrsg. Ortsnahe
Koordinierung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung. Abschlussbericht
der wissenschaftlichen Begleitforschung zu einem Modellvorhaben. Düsseldorf:
2000.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

81

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

(22) Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
(SVR). Kooperation und Verantwortung. Voraussetzungen einer zielorientierten
Gesundheitsversorgung. Gutachten 2007. Bonn: 2007
(23) Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
(SVR). Koordination und Integration – Gesundheitsversorgung in einer Gesellschaft des längeren Lebens. Sondergutachten 2009. Bonn: 2009
(24) Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen
(SVR). Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und
ausgewählte Leistungsbereiche. Gutachten 2014. Bonn: 2014
(25) Weltgesundheitsorganisation (WHO) (1986). Charta der 1. Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung, Ottawa 1986. In Franzkowiak P, Sabo P
(Hrsg.). Dokumente zur Gesundheitsförderung. Mainz: Sabo-Verlag; 1993.
(26) Wüstenbecker M. Kommunale Gesundheitskonferenzen im Urteil ärztlicher Delegierter. Westfälisches Ärzteblatt. 8/2003: 11.
(27) Zamora P. Möglichkeiten, Grenzen und Perspektiven einer Optimierung der
gesundheitlichen Versorgung durch Kommunalisierung von gesundheitsbezogenen Steuerungs- und Managementprozessen. Dissertation. Universität Bielefeld; 2002.

82

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

12. Tabellen und Abbildungsverzeichnis
Tabelle 1: Unterstützung der Gesundheitskonferenzen auf kommunaler bzw.
regionaler Ebene durch die Bundesländer................................................................ 13
Tabelle 2: Ausgewählte Strukturdaten und Versorgungsindikatoren der
Modellregionen zu Projektbeginn ............................................................................ 23
Tabelle 3: Strukturelle, prozessuale und ergebnisbezogene Merkmale der Evaluation
................................................................................................................................. 24
Tabelle 4: Strukturen der Regionalen Gesundheitskonferenzen .............................. 27

Abbildung 1: Verbreitungsgrad der Gesundheitskonferenzen in Deutschland (Stand
2014) ........................................................................................................................ 11
Abbildung 2: Projektplan für die Modellphase der Regionalen
Gesundheitskonferenzen .......................................................................................... 17
Abbildung 3: Akteure in Gesundheitskonferenzen .................................................... 19
Abbildung 4: Handlungszyklus einer Gesundheitskonferenz .................................... 20
Abbildung 5: Modellregionen der Regionalen Gesundheitskonferenzen in Bayern .. 21
Abbildung 6: Strukturen und Prozesse aus Sicht der Teilnehmer in den drei
Modellregionen (4-stufige-Antwortskala) .................................................................. 30
Abbildung 7: Erfolgsparameter und Eignung der Gesundheitskonferenzen aus Sicht
der Teilnehmer in den drei Modellregionen (4-stufige-Antwortskala)........................ 31
Abbildung 8: Globale Zufriedenheit der Akteure der Gesundheitskonferenzen in den
drei Modellregionen (4-stufige-Antwortskala) ........................................................... 32
Abbildung 9: Zufriedenheit nach Akteursgruppen auf 4-stufiger-Antwortskala
(Mittelwerte): „Mit dem bisherigen Verlauf der Regionalen Gesundheitskonferenz bin
ich insgesamt zufrieden." .......................................................................................... 33

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

83

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Abbildung 10: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der
Teilnehmer der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg auf 4-stufigerAntwortskala (Mittelwerte) ........................................................................................ 40
Abbildung 11: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der
Teilnehmer der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern auf 4-stufigerAntwortskala (Mittelwerte) ........................................................................................ 50
Abbildung 12: Strukturen, Prozesse, Erfolg, Eignung und Zufriedenheit aus Sicht der
Teilnehmer der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen auf
4-stufiger-Antwortskala (Mittelwerte) ........................................................................ 64

84

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

13. Anhang
Anhang 1: Muster-Geschäftsordnung einer Regionalen Gesundheitskonferenz
Anhang 2: Titelblatt Evaluationsbogen Teilnehmerbefragung
Anhang 3: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
Anhang 4: Logo und Homepage der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
Anhang 5: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern – Befragung der Bürgermeister
Anhang 6: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz WeißenburgGunzenhausen
Anhang 7: Resolution der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
Anhang 8: Flyer Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

85

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 1: Muster-Geschäftsordnung einer Regionalen Gesundheitskonferenz

„Muster – Geschäftsordnung“
Regionale Gesundheitskonferenz „Name Gebietskörperschaft“ (RGK)
Präambel

Die Regionale Gesundheitskonferenz ist ein Instrument, das als Plattform für Austausch, Koordination, Kooperation, Management und Steuerung der Akteure der
Gesundheitsversorgung in der Region XY dient. Sie bietet eine Struktur, um größere
Verantwortung für die Planung und Gestaltung des Gesundheitswesens in der
Region wahrzunehmen.
Die Regionale Gesundheitskonferenz der Region XY beruht auf den Grundsätzen
der Freiwilligkeit und der Selbstverpflichtung. Die Eigenständigkeit der Mitglieder
bleibt unberührt.
§1

Ziele und Aufgaben
(1) Das Ziel der Regionalen Gesundheitskonferenz ist generell die Optimierung
der wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Die Regionale Gesundheitskonferenz zielt auf die Identifikation von etwaigem lokalen Versorgungsbedarf, drohender Unterversorgung und Qualitätsdefiziten in der Gesundheitsversorgung,
sowie auf die Erschließung von Synergieeffekten durch Vernetzung und auf
die Intensivierung der Kooperation der regionalen Akteure im Gesundheitswesen.
Die Regionalen Gesundheitskonferenzen tragen dazu bei, die vorhandenen
Angebote besser auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abzustimmen. Sie dienen auch dem Transfer zwischen Land und Kommunen als Frühwarnsystem
bei Entwicklungen von Über-, Unter- oder Fehlversorgung. Sie fördern darüber
hinaus zwischen den Kommunen die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.
(2) Als fachlich kompetentes Gremium berät sie gemeinsam interessierende Fragen der gesundheitlichen Versorgung auf regionaler Ebene und entwickelt
Verbesserungsvorschläge für die Region. Je nach Art des behandelten Prob-

86

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

lems und der Arbeitszusammenhänge hat die Regionale Gesundheitskonferenz ein breites Spektrum an Arbeits- und Ergebnisformen zur Verfügung:

§2

-

Entschließungen zu regional prioritären Versorgungsthemen

-

Handlungsempfehlungen

-

Stellungnahmen für die regionale Bedarfsplanung

-

Formulierung von Regionalen Gesundheitszielen

-

Kooperationsprojekte oder gemeinsame Maßnahmen

-

Evaluationen und Verlaufsbeobachtungen von Projekten oder Maßnahmen

-

Informationsvermittlung und Fachveranstaltungen etc.

Mitgliedschaft
(1) Die Regionale Gesundheitskonferenz setzt sich aus Vertretern von öffentlichrechtlichen Institutionen der Gesundheitspolitik und der Gesundheitsverwaltung, der ambulanten und stationären Gesundheitsversorgung, aus Sozialversicherungsträgern sowie aus Vertretern weiterer gemeinnütziger Organisationen der Region zusammen 2.
(2) In der Regionalen Gesundheitskonferenz sind im Einzelnen vertreten 3:
Kommunalpolitik und untere Gesundheitsbehörde
1. Oberbürgermeister bzw. Landrat
2. Leiter Gesundheitsamt
Repräsentanten der ambulanten und stationären Versorgung
3. Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbandes
4. Regionalbeauftragter Kassenärztliche Vereinigung Bayerns
5. Regionalbeauftragter Bayerische Zahnärztekammer/Kreiszahnärzteschaft,
Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns
6. Vertreter Apothekerkammer
7. Vertreter Psychotherapeutenkammer

2

Eine Obergrenze von ca. 30 Mitgliedern ist empfehlenswert

3

Bitte nicht Zutreffendes streichen

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

87

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

8. Vertreter Heilberufe (anlassbezogen Pflege, Hebammen, Ergo/Physiotherapie, Logopädie)
9. Vertreter Bayerische Krankenhausgesellschaft
Sozialversicherungsträger
10. Gesetzliche Krankenkasse
Vertreter von Arbeitsgemeinschaften
11. Patientenvertreter und gesundheitsbezogene Selbsthilfe
Weitere Mitglieder
(3) An der Regionalen Gesundheitskonferenz nimmt jeweils ein von den teilnehmenden Institutionen und Einrichtungen ernannter Vertreter bzw. dessen
Stellvertreter teil.
(4) Jedes Mitglied hat eine Stimme. Im Falle einer Verhinderung geht das Stimmrecht auf den Stellvertreter über.
(5) Zusätzlich zu den festen Mitgliedern können themenbezogen Experten ohne
Stimmrecht zeitweilig hinzugezogen werden.
(6) Neue Mitglieder können mit einer 2/3 Mehrheit vorgeschlagen und aufgenommen werden.
§3

Vorsitz und Geschäftsführung
(1) Den Vorsitz der Regionalen Gesundheitskonferenz führt der Oberbürgermeister/Landrat. Der Vorsitzende leitet die Sitzungen.
(2) Die Geschäftsführung der Regionalen Gesundheitskonferenz und ihrer Arbeitsgruppen obliegt der Geschäftsstelle der Regionalen Gesundheitskonferenz, die bei der unteren Gesundheitsbehörde eingerichtet ist.

§4

Geschäftsstelle
(1) Die Geschäftsstelle vertritt die Regionale Gesundheitskonferenz nach außen.
Sie koordiniert und unterstützt die Arbeit der Regionalen Gesundheitskonferenz durch Organisation, Vor- und Nachbereitung der Sitzungen, sowie durch
Organisation und inhaltliche Begleitung der Arbeitsgruppen.

88

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

(2) Die Geschäftsstelle gilt als Ansprechpartner für alle Mitglieder und als Koordinierungsstelle zwischen der Regionalen Gesundheitskonferenz und ihren Arbeitskreisen. Dies beinhaltet u.a. die Zusammenführung von Informationen
und deren Weitergabe sowie die Öffentlichkeitsarbeit.
(3) Die Geschäftsstelle stellt den Kontakt zu anderen Netzwerken und Landesgremien her. Sie bringt ggf. Stellungnahmen und Beschlüsse in zuständige
Landesgremien wie nach §90a SGB V ein.
(4) Die Geschäftsstelle steht im Austausch mit dem Bayerischen Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).
§5

Sitzungen
(1) Die Sitzungen der Regionalen Gesundheitskonferenz sollen mindestens einmal jährlich stattfinden.
(2) Die Regionale Gesundheitskonferenz wird mindestens 28 Tage vor Sitzungstermin schriftlich durch die Geschäftsstelle einberufen. Ein nächster Termin
kann auch jeweils in der stattfindenden Sitzung vereinbart werden. Einladungen mit Tagesordnung und ggf. weiteren Beratungsunterlagen erfolgen spätestens 14 Tage vor der Konferenz durch die Geschäftsstelle.
(3) Vorschläge zur Tagesordnung müssen spätestens 21 Tage vor dem Sitzungstermin bei der Geschäftsstelle eingegangen sein. Die Regionale Gesundheitskonferenz behält sich vor, die Tagesordnung zu Beginn der Sitzung zu genehmigen bzw. zu verändern.
(4) Im Falle einer Verhinderung benachrichtigen die Teilnehmer rechtzeitig ihre
Stellvertreter sowie die Geschäftsstelle.
(5) Die Regionale Gesundheitskonferenz ist nicht öffentlich. Über Ausnahmen
entscheidet die Regionale Gesundheitskonferenz.
(6) Über die Sitzungen werden Protokolle angefertigt und anschließend von der
Geschäftsstelle an alle Mitglieder versandt.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

89

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

§6

Beschlussfähigkeit und Abstimmung
(1) Die Regionale Gesundheitskonferenz ist beschlussfähig, wenn die Mehrheit
der Mitglieder anwesend ist.
(2) Jedes anwesende Mitglied hat eine Stimme.
(3) Entscheidungen, Stellungsnahmen sowie Handlungsempfehlungen bedürfen
der 2/3 Mehrheit der anwesenden Mitglieder und gleichzeitig dem Einvernehmen aller Mitglieder, die eine Institution vertreten, welche von der Umsetzung
betroffen ist.

§7

Selbstverpflichtung
Die Teilnehmer unterstützen die Arbeit der Regionalen Gesundheitskonferenz
und verpflichten sich, im Rahmen ihrer Kompetenzen und Zuständigkeiten auf
die Umsetzung verabschiedeter Handlungsempfehlungen hinzuwirken und im
Rahmen ihrer Institution alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen. Sie verpflichten sich zusätzlich, die Ergebnisse der Regionalen Gesundheitskonferenz zeitnah in Ihre eigene Institution zu tragen.
Ein Aufwendungsersatz für Reisekosten und die für die Regionale Gesundheitskonferenz eingebrachte Arbeitszeit findet nicht statt, vielmehr trägt jedes
Mitglied seine angefallenen Kosten selbst.

§8

Arbeitsgruppen
(1) Die Regionale Gesundheitskonferenz kann nach Bedarf Arbeitsgruppen für die
Bearbeitung der gewählten Themen bilden. Die Mitglieder sind die für den
Themenbereich Zuständigen und werden auf der Regionalen Gesundheitskonferenz festgelegt. Es können zusätzlich externe Fachleute hinzugezogen
werden.
(2) Die Mitglieder der Arbeitsgruppe wählen mit einfacher Mehrheit einen Arbeitsgruppenleiter, welcher auch der Sprecher der Arbeitsgruppe ist, die Ergebnisse in der Regionalen Gesundheitskonferenz vorträgt und im regelmäßigen
Austausch mit der Geschäftsstelle steht.

90

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

(3) Innerhalb der Arbeitsgruppe sollen Programme bzw. Handlungsempfehlungen
zu den jeweiligen Problemstellungen entwickelt werden. Über die Sitzungen
werden Protokolle angefertigt. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden auf
der Regionalen Gesundheitskonferenz vorgestellt und beraten.
§9

Änderung der Geschäftsordnung
(1) Änderungen der Geschäftsordnung können von jedem ständigen Mitglied
eingebracht werden.
(2) Änderungen der Geschäftsordnung bedürfen einer 2/3 Mehrheit.

§ 10

Inkrafttreten
Die Geschäftsordnung tritt mit Beschlussfassung der Regionalen Gesundheitskonferenz in Kraft.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

91

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 2: Titelblatt Evaluationsbogen Teilnehmerbefragung

92

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 3: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
Folgende Inhalte zur schriftlichen Befragung der Mitglieder der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg sind dem Projektendbericht des Geschäftsstellenleiters entnommen.

Ergebnisse Versorgungsbedarf
Im Rahmen des mehrstufigen Verfahrens zur Festlegung der „Fokusthemen
Bedarfsanalyse“ durch die Mitglieder der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg wurden unter Berücksichtigung des Auftrags der Regionalen Gesundheitskonferenz innerhalb der Geschäftsstelle eine Liste möglicher Themen erarbeitet und eine
erste Klärung von Überschneidungen durch andere Projekte (z. B. Pflege, Prävention) durchgeführt. Über eine schriftliche Befragung wurden mögliche Themenschwerpunkte bei den Mitgliedern der Gesundheitskonferenz eingeholt und alle Rückmeldungen ausgewertet. Die Mitglieder erhielten die Aufgabe einer Gewichtung der in
eine strukturierte Form gebrachten Themenschwerpunkte nach Dringlichkeit und Relevanz.
Es wurden alle 19 Mitglieder angeschrieben, woraufhin 15 Rückmeldungen (79%)
eingingen. Es erfolgte eine Korrektur von invertierten Wertungen, die Verwechslung
konnte telefonisch geklärt werden. Folgende drei Hauptthemen wurden gewählt:
„Hausärztliche Versorgung“ (Score* 30/31), „Fachärztliche Versorgung“ (Score
42/44) und „Notfallversorgung“ (Score 51/42). (*Anm.: Der Score errechnet sich aus
der Summe der jeweiligen Rangfolge - je kleiner der Wert, desto höher die Wichtigkeit / Relevanz, s. auch Abbildung 003).
Zu den Ergebnissen („Hausärztliche Versorgung“, „Fachärztliche Versorgung“ und
„Notfallversorgung“) wurde um eine Rückmeldung mit persönlichen Einschätzungen
über Bedarf, Hintergründen und Erklärungsmodellen der Diskrepanz zwischen
„tatsächlichem“ und „gefühltem“ Bedarf gebeten.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

93

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Es wurden alle 19 Mitglieder angeschrieben, woraufhin 11 Rückmeldungen (58%)
eingingen. Dabei wurde die hausärztliche Versorgung als derzeit grundsätzlich noch
gut eingeschätzt. Es ergeben sich zum heutigen Zeitpunkt lediglich regional Probleme (z. B. Burgwindheim). Teilweise wurden weite Wege zum Arzt moniert. Zum Ausdruck gebracht wurde die Sorge um die künftige Versorgung durch altersbedingtes
Ausscheiden – auch hier teils mit konkretem regionalem Bezug (z. B. Ebrach). Für
die künftige Entwicklung müssen auch veränderte Lebensentwürfe der kommenden
Ärztegeneration Berücksichtigung finden. So seien Praxisnachfolger künftig teilweise
nur noch in Teilzeit tätig oder die „Landärztliche Einzelpraxis“ wird als Auslaufmodell
wahrgenommen. Gerade für den älteren, wenig mobilen Patienten sei das abnehmende Angebot an Hausbesuchen problematisch. Auch habe sich das Anspruchsniveau der Patienten gewandelt, so ergebe sich besonders ein gefühlter Bedarf zu
„ungünstigen Zeiten“ (Wochenende oder außerhalb typischer Sprechzeiten). Nicht
unterschätzt werden dürften Unterschiede in der „gefühlten“ Behandlungsqualität
zwischen den Praxen: durch die ungleichmäßige Patientenverteilung ergeben sich
lange Wartezeiten bei „beliebten Ärzten“, wo hingegen die Statistik eine ausreichende Versorgung zeige.
Bei der fachärztlichen Versorgung wurden im Allgemeinen lange Wartezeiten beklagt. Im Speziellen betrafen einige Rückmeldungen eine konkrete regionale Unterversorgung (z. B. Östlicher Landkreis: Frauen-, Augen- und Kinderarzt). Auch

94

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

werden Probleme bei der ambulanten fachärztlichen Notfallversorgung (z. B. HNO,
MKG, Dermatologie, Neurologie und Radiologie) benannt. Neben der in Vorgesprächen oft als schwierig beschriebenen Sicherstellung der allgemeinärztlichen Behandlung von Heimbewohnern wurde bei einer Rückmeldung auch insbesondere auf einen Mangel bei der neurologischen Versorgung verwiesen.
In Bezug auf die Notfall-Versorgung befasst sich mehrere Rückmeldungen mit der
Notwendigkeit einer Unterscheidung von „echten“ und „gefühlten Notfällen“. Ähnlich
der hausärztlichen Versorgung stand hier die Angst vor langen Wegen (insbesondere
bei älteren, wenig mobile Patienten) im Vordergrund.
Anhand von Berechnungen der Geschäftsstelle aus öffentlich zugänglichem
statistischem Datenmaterial und aktuellen Informationen des ärztlichen Kreisverbands Bambergs wurde die häufig von der KV propagierte Überversorgung im Raum
Bamberg in Frage gestellt. So besteht nach KV Angaben bundesweit eine sog. „Verhältniszahl für alle Planungsbereiche“ von „ein Hausarzt je 1.671 Einwohner“. Diese
Verhältniszahl kann sich durch bestimmte Faktoren (wie z. B. demographische Verteilung) ändern. Die angepasste Verhältniszahl liegt für den Mittelbereich Bamberg
bei 1.712. Legt man die 113 aktiv im hausärztlichen Bereich tätigen Kollegen und
214.600 Einwohner zu Grunde, so ergibt sich eine Verhältniszahl von 1:1.900, woraus sich auf eine real existierende Unterversorgung schließen lässt. Es wurde die
Bevölkerungsdichte in den einzelnen Gemeinden analysiert, die Hausarztdichte und
daraus resultierend eine sog. Heat-Map erstellt, welche die tatsächlichen Praxisadressen auf der Landkarte zeigt. Anhand dieser Grafik werden nochmals die schwach
versorgten Gebiete deutlich. Die örtliche Ungleichverteilung wurde von der Geschäftsstelle wie auch von den Teilnehmern als „erstes Problem“ bezeichnet. Als
„zweites Problem“ wurde die zu erwartende Entwicklung in naher Zukunft benannt
und illustriert. 2004 betrug das Durchschnittsalter der Hausärzte im Raum 53 Jahre.
Laut KVB Versorgungsatlas betrug der Anteil an Kollegen über 60 Jahre 2010
25,9%; der bayernweite Wert liegt bei 23%. Eine nicht weiter besetzte Praxis in der
Stadt würde für die darin versorgten Patienten einen „gefühlten Bedarf“ auslösen,
wird die einzige Praxis in einem weiten Landstrich nicht weiter geführt, entsteht eine
deutliche Versorgungslücke.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

95

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 4: Logo und Homepage der Regionalen Gesundheitskonferenz Bamberg
Logo:

Homepage: www.gesundheitskonferenz-bamberg.de

96

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 5: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz
Südostoberbayern – Befragung der Bürgermeister
Ausgewählte Ergebnisse aus der Befragung der Bürgermeister der Region 18, die
der Geschäftsstellenleiter in der zweiten Sitzung der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern den Teilnehmern präsentierte.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

97

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

98

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

99

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

100

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 6: Bedarfsermittlung in der Regionalen Gesundheitskonferenz WeißenburgGunzenhausen
Ergebnisse der Mitgliederbefragung zur Themenpriorisierung und dazugehörige
Begründungen, welche von der Geschäftsstellenleitung in der ersten Sitzung der Regionalen Gesundheitskonferenz Weißenburg-Gunzenhausen vorgestellt wurden.
Rang-

Thema

Begründung

folge
1.

Medizinische Versorgungsdefizite oder

a) Nachfolge von Apotheken unsicher

drohender Ärztemangel

b) Praxisnachfolge in vielen Fällen nicht gesichert
c) keine Zeit für Patientengespräche
d) fehlende Haus- und Fachärzte
e) kaum Hausbesuche möglich
f) lange Wartezeiten

2.

3.

Schnittstellen zwischen ambulanter und

a) Kommunikation verbessern

stationärer Versorgung

b) Anschlussversorgung ungenügend

Kooperation der Gesundheitsberufe

a) Kinderärzte in Bereitschaftsdienst einbeziehen
b) Ärztenetzwerk (Herr Hopp) wieder aktivieren
c) mehr Kooperation der Ausbildungsstätten
d) seit vielen Jahren schwierig
e) Schnittstellen vernetzen

3.

Patienteninformation, Patientenorientierung

a) Infoportal: wer macht was?
b) Zeit fehlt für Patientengespräch
c) Beratungsstellen bieten genügend Angebote

4.

Palliativversorgung und Hospizwesen

a) Palliativversorgung ab 1.4.2014 durch Klinik
gesichert
b) Hospizbetten fehlen
c) Förderung der stationären und ambulanten
Palliativversorgung notwendig

5.

Medizinisch-Soziale Versorgung älterer

a) bessere Transparenz der Hilfeleistungen

Menschen

b) Kosten- und Zeitdruck bei Pflegepersonal
abbauen
c) Zeit für Menschlichkeit schaffen
d) alternative Wohnformen schaffen
e) Seniorenbörse, Nachbarschaftshilfe

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

101

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

f) wenig Pflegekooperation zwischen den „alten“ Landkreisen
g) mehr ehrenamtliche Helfer in der
Betreuung
6.

Kinder- und Jugendgesundheit

a) Kinderpsychologen und -orthopäden anwerben
b) Ernährungs- und Bewegungsangebote
ausweiten
c) Angebote für Eltern ausdehnen
d) chronische Erkrankungen beginnen immer
früher (Psyche, Übergewicht, Diabetes)

6.

Selbsthilfe

a) mehr Kooperation
b) mehr Angebote für ADHS-Kinder, für Essgestörte
c) zu wenig Gesundheitspräventions-Angebote
d) mehr Stärkung der Selbsthilfe

102

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 7: Resolution der Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern

Resolution
der
Regionalen Gesundheitskonferenz Südostoberbayern
Präambel
Die Region Südostoberbayern ist mit knapp 800 000 Einwohnern und etwa 5 000 km² nach
den Regionen München und Nürnberg die größte Region mit ländlichen Räumen und zentralen Städten. Durch ihre Randlage in Bayern ist eine eigenständige, flächendeckende medizinische Versorgung für die Bevölkerung von größter Bedeutung.
Dem Verfassungsrang für gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz
Bayern, in Stadt und Land, wird man nur gerecht, wenn auch eine nachhaltige Sicherung der
medizinischen Versorgung in allen Teilen unserer Region erfolgt.
Der Regionale Planungsverband Südostoberbayern widmet sich im Rahmen der „Regionalen
Gesundheitskonferenz Südostoberbayern“ umfassend der medizinischen Versorgung. Dabei
soll das Wohl der Bürger als Patienten im Focus der Bemühungen stehen.
In diesem Zusammenhang haben die Kliniken in der Region Südostoberbayern eine herausragende Bedeutung für die Versorgung des ländlichen Raums:
• Sie gewährleisten eine hochwertige Akutversorgung.
• Sie halten die Notfallbereitschaft vor; sind 24 Stunden an 365 Tagen verfügbar.
• Sie stehen für die Ausbildung des medizinischen Personals zur Verfügung.
Mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege hat der
Verband die Initiative ergriffen und sich schwerpunktmäßig mit der ambulanten ärztlichen
Versorgung und ihrer Probleme beschäftigt, wobei jedoch die gesamte Versorgung,ambulant
wie stationär, betrachtet wurde. Dabei sollen folgende Ziele erreicht werden:
• Sicherung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung vor allem im ländlichen
Raum
• Verhinderung einer Konzentration von medizinischer Versorgung in den Zentren, zu Lasten des ländlichen Raumes
• Bedarfsgerechte, räumliche Verteilung der niedergelassenen Haus- und Fachärzte durch
eine entsprechende Versorgungsplanung.
• Stärkung der Kommunen bei der Verbesserung ihrer medizinischen Versorgung
• Kooperation von stationärer und fachärztlicher Strukturen mit den niedergelassenen
Hausärzten
• Bessere Kommunikation / besserer Informationsfluss zwischen den Akteuren zu Gunsten
der Patienten.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

103

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

• Neuregelung des Not- / Bereitschaftsdienstes (ambulant/stationär/Bereitschaftspraxen)
• Mehr junge Ärztinnen und Ärzte sollen für die ambulante Versorgung von ländlichen
Strukturen gewonnen werden.
In den Sitzungen und Arbeitsgruppenbesprechungen sowie in Gemeindebefragungen wurde
herausgearbeitet, dass trotz des hochkomplexen Systems mit vielen Querverbindungen, vielfältigen Zuständigkeiten und sehr unterschiedlichen Interessenslagen, Möglichkeiten bestehen, die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern und zu verbessern. Die
Ergebnisse haben exemplarischen Charakter und können auch auf andere Regionen in Bayern angewendet werden.
Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern erlässt als Ergebnis der gemeinsamen Arbeit folgende Resolution:
I. Räumlicher Zuschnitt der Versorgungsbereiche
Um eine möglichst sinnvoll verteilte, hausärztliche Versorgung langfristig sicher zu stellen,
sind die Versorgungsbereiche in ihrem Zuschnitt insbesondere mit den Kriterien Bevölkerungsdichte und Siedlungsstruktur, lokale Besonderheiten sowie die Topografie zu berücksichtigen und entsprechend kleinräumig zu gestalten.
Der Vorschlag zur räumlichen Neugestaltung der Versorgungsgebiete ist der beiliegenden
Karte zu entnehmen.
Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern fordert:
•
•

•

die Vorschläge für die Bedarfsplanung zu übernehmen und zu berücksichtigen; außerdem
wenn sich bereits ein Versorgungsmangel abzeichnet, sollte man niederlassungswillige
Ärztinnen und Ärzte nach Kräften unterstützen und vorhandene Restriktionen entsprechend flexibel handhaben (siehe Anlage 2 „allgemeine Forderungen“).
die Verhältniszahl (Arzt / Einwohner) regional flexibler und praxisorientierter zu handhaben.

II. Bereitschaftsdienst / Notdienst
Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern appelliert
•

•
•
•

an die KVB, mit den betroffenen Gemeinden und den Hausärzten die Dienstgebiete für
sie neu zu regeln (z.B. auf Landkreisebene) und dabei regionale Besonderheiten zu beachten. Die bisherigen Dienstgebiete sind in der Fläche zu groß und die diensthabenden
Ärzte dafür in der Regel zu wenig.
Daher müssen diese Dienste für Ärztinnen und Ärzte attraktiver gestaltet und finanziell
besser honoriert werden.
an die Kommunen, einen entsprechenden Fahrdienst für diese Dienste anzubieten.
an die Krankenhäuser und die KVB, die Versorgung der Bevölkerung im Notdienst durch
Etablierung von Notfallpraxen an Kliniken zu sichern.

104

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

III. Koordination und Kooperation von ambulant und stationär
Künftig soll zugunsten einer fachlich orientierten Versorgung der Patienten eine noch
bessere Vernetzung im Bereich der Schnittstelle ambulant / stationär angestrebt werden.
Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern appelliert deshalb an
•

•
•

•
•

•
•

die Krankenkassen und Krankenhausträger, eine ambulante Versorgung auch in stationären Einrichtungen bei bestimmten fachlichen Notwendigkeiten zuzulassen. Eine
Kassenzulassung für stationäre Einrichtungen ist zu erwägen.
die KVB, die „Konferenz Schnittstelle ambulant / stationär“ wieder zu beleben.
alle beteiligten Seiten, die bisherige, starre Trennung zwischen stationär und ambulant
aufzubrechen. Dies gilt vor allem für den Bereich der Finanzierung. In diesem Zusammenhang wird vorgeschlagen, Versorgungszentren an Krankenhäuser anzubinden.
Für die Notfallversorgung braucht es einen Verbund der stationären und ambulanten Einrichtungen, die jeweils ausreichend finanziert sind.
alle beteiligten Seiten, den Informationsaustausch zwischen dem stationären und dem
ambulanten Bereich zu verbessern. (z.B. können digitale Technologien wie standardisierte Emails verwendet werden)
alle beteiligten Seiten, die Organisation und Trägerschaft dieser neuen Einrichtungen
systemübergreifend und lösungsorientiert zu diskutieren und zu realisieren.
Die stärkere Einbindung der Facharztpraxen in die Notfall- und Bereitschaftsdienste ist zu
prüfen.

Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern appelliert deshalb insbesondere an
den Gesetzgeber, die Kliniken, die Bayerische Krankenhausgesellschaft, die Hausärzte, die
KVB, die Krankenkassen und die Kommunen, innovative Versorgungsstrukturen auf dem
Land aber auch an den Klinikstandorten zu entwickeln.
IV. Maßnahmen auf kommunaler Ebene
Auch die Kommunen haben die Möglichkeit und Pflicht, durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen zur flächendeckenden und bedarfsgerechten ambulanten medizinischen
Versorgung der Bevölkerung beizutragen (siehe Anlage 3 „gesetzliche Vorgaben“).
Hiervon sollten sie im Rahmen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch Gebrauch machen. Dies ist – wie aus unserer Umfrage bei den Gemeinden der Region 18 hervorgeht – in
Teilbereichen schon geschehen.
Jetzt geht es darum, die Möglichkeiten der Kommunen noch besser auszuschöpfen. Neben
der Erhöhung des Problembewusstseins bei den Bürgermeistern, sollte vor allem die Einbindung und Mitbestimmung der Kommunalverwaltung in den Prozess der med. Versorgung
verstärkt werden.
Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern appelliert deshalb an die Landkreise, Städte und Gemeinden, alle in ihrem Zuständigkeitsbereich zur Verfügung stehenden
Möglichkeiten im Rahmen der Daseinsvorsorge zu nutzen und diese auch in ihren Gremien
zu beschließen und umzusetzen. Dazu zählen insbesondere:

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

105

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Marketingmaßnahmen für die Anwerbung von (Haus-)Ärztinnen und Ärzten
- Werbung innerhalb und außerhalb Bayerns für Standort Südostoberbayern, zur Anwerbung
junger Ärztinnen und Ärzte.
- Workshop mit Medizinstudenten / innen z.B. an Universitäten zur Analyse der Erwartungen
an das Berufsleben als Hausarzt in einer Gemeinde.
- Erstellung eines Servicepakets (z.B. Angebote und Hilfestellungen der Kommune) zur
Anwerbung junger Ärzte / Ärztinnen.
Strukturelle / organisatorische Maßnahmen
−
−

−
−

−
−

Stärkung der lokalen Infrastruktur und Steigerung der Lebensqualität (Arbeitsplätze,
Wohnen, Versorgung, Verkehr, Bildung, Kultur und Sport, Freizeit, lebenswerte Umwelt)
Betriebswirtschaftliche Unterstützung junger Ärzte / Ärztinnen z.B. durch Ausgliederung
der Personalwirtschaft, zentrales Management in der Kommune bzw. durch einen externen Dienstleister.
Schaffung familienfreundlicher Einrichtungen zur Kinderbetreuung mit entsprechenden
Öffnungszeiten (Vereinbarkeit von Familie und Beruf).
Unterstützung und Weiterentwicklung bei Strukturen, die der Entlastung der Hausärzte
und zur Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung dienen. Besonderes Augenmerk ist hierbei auf das bereits existierende Modell „ Verah“ (Versorgungsassistentin in
der hausärztlichen Praxis) zu legen. Dieses Modell sollte in Ausbildung und Finanzierung gefördert werden. Wo diese Versorgungsform in Ermangelung einer Hausarztpraxis
nicht möglich ist, kann die Einführung einer Gemeindeschwester hilfreich sein.
Mobilität für die Patienten durch ÖPNV (flexible Bedienungsformen), Fahrdiensten u. ä.
Kommune als Betreiber einer Arztpraxis / Arzt als Beschäftigter der Kommune.

Investitionsmaßnahmen
- Bereitstellen von Investitionshilfen.
- Hilfestellung bei Immobiliensuche für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte.
- Bereitstellen von Immobilien (evtl. leerstehende Gebäude in Ortsmitte etc.).
Stärkung der Kommunen
Darüber hinaus sollten die Kommunen, im Rahmen ihrer Daseinsvorsorge, stärker in die
Planung des Gesundheitswesens vor Ort eingebunden werden.
Es sollte für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden möglich sein, Arztsitze zu kaufen
und auch mit Nachbargemeinden zusammen zu betreiben (Zweckverbände oder Genossenschaften), evtl. auch Praxisgemeinschaften.
Es ist zu prüfen, ob man den Kommunen die Möglichkeit eröffnet, ähnlich der stationären
Versorgung auch die ambulante Versorgung zu organisieren. Dabei sollten auch Facharztpraxen möglich sein.

106

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

V. Psychotherapeutische Versorgung
Die Regionale Gesundheitskonferenz appelliert an

•

•
•

•

die KVB / Krankenkassen / Landesausschuss / Gemeinsamen Bundesausschuss, im
Bereich der psychotherapeutischen Versorgung die Bedarfsplanung zu überprüfen, da
auch in formal überversorgten Gebieten in der Realität nicht ausreichend Therapieplätze zur Verfügung stehen.
die KVB / Krankenkassen / Landesausschuss / Gemeinsamen Bundesausschuss, mehr
Niederlassungsmöglichkeiten zu realisieren.
die Beteiligten, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um so lange Wartezeiten (= zusätzliche berufliche Ausfallzeiten) auf einen Therapiebeginn zu verhindern. Diese Wartezeit
(in ländlichen Kreisen bis zur Erstberatung ca. 12 Wochen Wartezeit, auf einen Therapieplatz muss 24 Wochen gewartet werden) sollte verringert werden. Dies ist besonders
bei Patienten, die aus einer psychiatrischen oder psychosomatischen Klinik entlassen
wurden und eine unmittelbare Weiterbehandlung benötigen, wichtig.
an alle Beteiligten, den Möglichkeiten einer Psychotherapie mehr Aufmerksamkeit und
Wertschätzung entgegenzubringen (man beachte den Anstieg der psychischen und
psychosomatischen Erkrankungen).

Neben diesen Schwerpunktthemen gibt es allgemeine Forderungen, die als Anlage zu dieser
Resolution aufgelistet sind. Die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern unterstützt diese Forderungen.

Traunstein, 16.09.2014
_________________________________
Hermann Steinmaßl
Landrat a.D. des Landkreises Traunstein und Vorsitzender der Regionalen
Gesundheitskonferenz Südostoberbayern

_________________________________
Erwin Schneider
Landrat des Landkreises Altötting und
Vorsitzender des Regionalen
Planungsverbandes Südostoberbayern

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

107

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anlage 1: Karte der Versorgungsbereiche für die Region Südostoberbayern

Kriterien für Versorgungsbereiche:
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•

Größe: ca. 15.000 - max. 30.000 Einwohner
Möglichst kompakte Ausdehnung
Ausdehnung max. 20-30 km
Erreichbarkeit mit dem ÖPNV berücksichtigen
Die Versorgungsbereiche sollten innerhalb der Landkreisgrenzen gebildet werden
Bisherige gewachsene, räumliche Verbindungen und gewohnte Orientierungen in der
Bevölkerung sollten berücksichtigt werden
Die Topografie sollte beachtet werden
Prinzip: von standortorientierter zu erreichbarkeitsorientierter Versorgung
Die Altersstruktur der Bevölkerung sollte berücksichtigt werden
Die Bevölkerungsdichte bzw. Siedlungsstruktur sollte berücksichtigt werden

108

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Versorgungsbereiche: Einwohner und Gemeinden
Landkreis Altötting:
AÖ 1: 25 934 EW
AÖ 2: 36 982 EW
AÖ 3: 40 028 EW

Pleiskirchen, Töging, Winhöring, Reischach, Erlbach, Perach, Neuötting.
Tyrlaching, Feichten, Kirchweidach, Halsbach, Garching,
Unterneukirchen, Kastl, Tüssling, Teising, Altötting.
Burgkirchen, Burghausen, Mehring, Emmerting, Haiming, Stammham,
Marktl.

Landkreis Berchtesgadener Land:
BGL 1: 28.122 EW
BGL 2: 28.282 EW
BGL 3: 21.423 EW
BGL 4: 24.097 EW

Freilassing, Laufen, Saaldorf – Surheim.
Ainring, Anger, Piding, Teisendorf.
Bad Reichenhall, Bayerisch Gmain, Schneizlreuth.
Schönau, Ramsau, Bischofswiesen, Berchtesgaden, Marktschellenberg.

Landkreis Mühldorf am Inn:
MÜ 1: 14.112 EW
MÜ 2: 16.256 EW
MÜ 3: 34.037 EW
MÜ 4: 18.382 EW
MÜ 5: 31.581 EW

Egglkofen, Neumarkt-St. Veit, Niedertaufkirchen, Niederbergkirchen,
Lohkirchen, Zangberg, Oberbergkirchen, Schönberg.
Ampfing, Heldenstein, Rattenkirchen, Obertaufkirchen, Schwindegg,
Buchbach.
Erharting, Töging am Inn, Mettenheim, Mühldorf am Inn
Maitenbeth, Haag, Kirchdorf, Reichertsheim, Gars am Inn, Unterreit,
Rechtmehring.
Oberneukirchen, Taufkirchen, Jettenbach, Aschau am Inn, Waldkraiburg.

Landkreis Rosenheim und Stadt Rosenheim
RO
RO
RO
RO
RO
RO

1: 12.145 EW
2: 23 422 EW
3: 33.136 EW
4: 15.394 EW
5: 14.785 EW
6: 28.512 EW

RO 7: 15.470 EW
RO 8: 35.125 EW
RO 9: 18.764 EW
RO 10: 15.021 EW
RO 11: 15.007 EW
RO 12: 20.086 EW
RO 13: 59.935 EW

Soyen, Amerang, Babensham, Eiselfing.
Albaching, Edling, Wasserburg am Inn, Pfaffing, Ramerberg.
Bruckmühl, Tuntenhausen, Feldkirchen-Westerham.
Großkarolinenfeld, Schechen, Rott am Inn.
Griesstätt, Schonstett, Halfing, Söchtenau, Prutting, Vogtareuth.
Bad Endorf, Höslwang, Eggstätt, Gstadt, Breitbrunn, Prien, Rimsting,
Chiemsee.
Stephanskirchen, Riedering.
Kolbermoor, Bad Aibling.
Raubling, Bad Feilnbach.
Neubeuern, Samerberg, Nußdorf am Inn, Rohrdorf.
Bernau, Frasdorf, Aschau im Chiemgau.
Brannenburg, Flintsbach, Oberaudorf, Kiefersfelden.
Stadt Rosenheim.

Landkreis Traunstein
TS 1: 18.612 EW
TS 2: 39.331 EW
TS 3: 25.227 EW

Tacherting, Engelsberg, Kienberg, Obing, Pittenhart, Schnaitsee.
Trostberg, Palling, Traunreut, Altenmarkt an der Alz.
Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring, Petting, Waging a. S., Wonneberg, Taching a.S.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

109

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

TS 4: 9.183 EW
TS 5: 24.435 EW
TS 6: 33.993 EW
TS 7: 19.199 EW
Anlage 2:

Seeon-Seebruck, Chieming.
Traunstein, Nußdorf, Surberg.
Grassau, Unterwössen, Reit im Winkl, Schleching, Marquartstein, Übersee, Grabenstätt, Vachendorf, Unterwössen, Bergen.
Siegsdorf, Inzell, Ruhpolding.

Allgemeine Forderungen

Hier appelliert die Regionale Gesundheitskonferenz Südostoberbayern an alle Beteiligten:
•

•

•

•

•

•

•

110

Der initiierte Informationsaustausch insbesondere zwischen KVB, dem Regionalen
Planungsverband Südostoberbayern mit seinen Gemeinden, Städten und Landkreisen sowie weiterer relevanter Akteure aus dem Gesundheitsbereich und dem zuständigen Ministerium sollte auch weiterhin aufrecht erhalten bleiben und man regt
deshalb regelmäßige Informationsgespräche, wie z.B. einen Runden Tisch zwischen
den o.g. Institutionen an.
Thema Bürokratieabbau: ein nur sehr schwer greifbarer und abstrakt gebliebener Begriff (dem Thema ja immanent), der aber sehr häufig als große Belastung von den
niedergelassenen Ärzten genannt wurde und auch als starker Faktor für niedrige Attraktivität des Hausarztberufes identifiziert wurde. Trotzdem gilt es hier weiter nach
konkret umsetzbaren Möglichkeiten zu suchen und dies dann auch zügig umzusetzen. Eine Arbeitsgruppe speziell für dieses Thema sollte eingerichtet werden, welche
weiter an diesem Problem arbeitet. Vorgeschlagen wird als Gegenmaßnahme die
Regionalisierung und Dezentralisierung der Finanzierung.
Häufige Reformen und Gesetzesänderungen im Gesundheitsbereich verringern die
Planungssicherheit für angehende Ärztinnen und Ärzte. Eine Lebens- und Berufsplanung ist so nur schwer kalkulierbar. Vorgeschlagen wird die hausarztzentrierte Versorgung, die bereits zwischen Hausärzteverband und Krankenkassen existiert, auszubauen und zu fördern. Diese ermöglicht Anreize für Hausärzte direkt in Bayern.
Außerdem bietet sie die Möglichkeit spezifische Schwerpunkte für die medizinische
Versorgung innerhalb Bayerns zu setzen.
Die heterogenen Strukturen Deutschlands bzw. von Bayern müssen in der Versorgungsplanung berücksichtigt werden (ungleiche Verteilung in der Einwohnerdichte,
sozioökonomische Faktoren, Topografie, wirtschaftliche Faktoren, demografische
Entwicklung).
Die Attraktivität sowie das Ansehen des Hausarztberufes muss gesteigert werden.
Dies kann nur gelingen, wenn auch die Vertreter der Ärzteschaft (KBV) selber und
der Bundespolitik positiv über die Berufstätigkeit von niedergelassenen Ärztinnen und
Ärzten sprechen und informieren.
Das System der Fallpauschalen bzw. Punktesysteme ist zu unflexibel und bevorzugt
finanziell die Gerätemedizin. Hier sollte eine Einzelfallwürdigung in Betracht gezogen
werden, um eine Nachvollziehbarkeit der Kosten und eine Orientierung an den Patientenbedürfnissen zu ermöglichen.
Die Regresspflicht (insbesondere bei Budgetüberschreitung oder Medikamentenverordnung) gestaltet das Berufsbild des Hausarztes sehr unattraktiv und sollte abgeschafft werden.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

•

•

•

•

•
•

•
•

•

Ein Zuschlag für Landärzte kann die Mehrbelastungen für ihr Budget ausgleichen
(dies ergibt sich durch mangelnde Verteilung der Behandlungskosten auf viele Ärzte,
wie dies in der Stadt der Fall ist).
Der Abwanderung junger Mediziner sollte entgegengewirkt werden. Hier sollte man
Arbeitsbedingungen schaffen, die die allgemeine, gesellschaftliche Entwicklung widerspiegeln und die für ein attraktives Lebensumfeld sorgen, das alle Bedürfnisse
hochqualifizierter Arbeitskräfte befriedigen kann (Familienfreundlichkeit, Lebensqualität durch Freizeit-, Kultur- und Sportmöglichkeiten, Arbeitsplätze für Familienangehörige, Einkaufsmöglichkeiten, gut ausgebaute Infrastruktur und ÖPNV sowie neue Arbeitszeitmodelle, s. auch Thema 4).
Die Zusammenarbeit und Kommunikation über Systemgrenzen hinweg sollte
verbessert werden. Regelmäßige Gespräche sollten als fixer Bestandteil des
Informationsaustausches über die Dauer der Regionalen Gesundheitskonferenz hinaus etabliert werden. Hier wird im Besonderen auf die Pläne innerhalb der sog. Gesundheitsregion plus ab 2015 verwiesen.
Die Arbeitsstrukturen ändern sich (Generation Y, work-lifetime-balance), vor allem
junge Ärztinnen, welche in Zukunft die Mehrheit der Ärzteschaft bilden werden, möchten im Team und zeitlich flexibel arbeiten (allgemeiner Trend hin zu Gemeinschaftspraxen, Filialpraxen, MVZ usw.).
Die medizinische Versorgung sollte nicht privaten, gewinnorientierten Trägern überlassen werden.
Die Bedürfnisse behinderter Menschen, welche oft auch besonders häufig medizinische Leistungen in Anspruch nehmen müssen, sollen bei der Bedarfsplanung im Gesundheitswesen berücksichtigt werden.
Das unternehmerische Risiko eines niedergelassenen Hausarztes sollte honoriert
werden (Vergleich zu Klinikarzt).
Der Wunsch eines eigenen Vertreters der Ärzte (siehe Beispiel: reg. Vorstandsbeauftragter der KVB, Hr. Dr. Kofler Rosenheim) bei der Kassenärztlichen Vereinigung
Bayerns für die Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land wurde
geäußert.
Es sollte möglich werden, Filialpraxen einzurichten, mit der Anstellung von Ärzten in
Voll- und Teilzeit durch den KV-Vertragsarzt.

Grundsätzlich müssen mehr Medizinerinnen und Mediziner in die ärztliche
Versorgung der Menschen integriert werden!
Beim Thema Aus- und Weiterbildung von Ärzten ergeben sich folgende Forderungen:
•
•
•

Die Einstiegshürde in Form des Numerus Clausus muss abgesenkt werden.
Im Moment gibt es in Bayern nur 2 Lehrstühle mit der Fachrichtung Allgemeinmedizin. Hier müssen mehr Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Medizinstudentinnen und -studenten müssen Perspektiven im Bereich der hausärztlichen Tätigkeit eröffnet werden. Hier kann als sehr positives Beispiel das Projekt
„Land in Sicht“ der BVMD in Zusammenarbeit mit der KVB genannt werden (Stipendium für die vorgeschriebene Famulatur bei Ärzten in der Fläche).

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

111

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

•

•

•
•

Die jährliche Fortbildungspflicht für selbstständige Ärztinnen und Ärzte ist wegen dem
großen Zeitaufwand dafür ein Problem. Weiterbildung ist natürlich sehr wichtig, hier
muss jedoch eine für die Ärzte verträglichere Lösung gefunden werden.
Die Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte an die Erfordernisse der ambulanten medizinischen Versorgung sind anzupassen (z. B. Ausbau der Lehrstühle für Allgemeinmedizin an allen medizinischen Fakultäten, Einführung eines Pflichtquartals für Allgemeinmedizin). Die Ärzte sollten bereits im Krankenhaus während Praktikumszeiten
die Möglichkeit erhalten, sich zum Allgemeinarzt weiterzubilden. (siehe hier: Dillinger
Konzept für die Ausbildung von Hausärzten).
Gründung von Weiterbildungs-Verbänden bzw. Weiterführung / Übertragung von
Modellen wie InnDoc (Landkreis Mühldorf) auf weitere Landkreise.
Wertschätzung und finanzielle Unterstützung von Lehrpraxen, die junge angehende
Mediziner in den Praxen aufnehmen. Jeder angehende Arzt muss auch in einer Praxis einen Kurs absolvieren, der im Universitätslehrplan vorgeschrieben ist. Inzwischen
darf das sogenannte Praktische Jahr (PJ) auch in besonders qualifizierten Praxen
absolviert werden. Diese Praxen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Förderung
und Bindung des medizinischen Nachwuchses in unserer Region.

Anlage 3: gesetzliche Vorgaben
Gerade einer flächendeckenden und bedarfsgerechten ambulanten Versorgung mit Hausund Fachärzten in zumutbarer Entfernung kommt im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. Staat, Kommunen, einschlägige Organisationen und Verbände sowie die Öffentlichkeit sind hier gleichermaßen betroffen.
o

Die Förderung und Sicherung gleichwertiger Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land haben Verfassungsrang (Art. 3, Abs. 2
Satz 2 der Bayerischen Verfassung). Die Rolle der Gemeinden und Städte in der Gesundheitsversorgung wird in Art. 83, Abs. 1 geregelt.

o

Darüber hinaus schreibt das Landesentwicklungsprogramm Bayern als Zielvorgabe in
1.1.1 (Z) vor, dass in allen Teilräumen gleichwertige Lebens- und Arbeitsbedingungen
zu schaffen oder zu erhalten sind. Hierfür sollen insbesondere die Grundlagen für eine bedarfsgerechte Bereitstellung und Sicherung von Arbeitsplätzen, Wohnraum sowie Einrichtungen der Daseinsvorsorge und zur Versorgung mit Gütern geschaffen
oder erhalten werden.

Die Versorgung der Einwohner in der gesamten Region (also nicht nur urban geprägte Teile)
muss im Zentrum der Bemühungen stehen. Dies gibt das Sozialgesetzbuch V vor.

112

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Modellprojekt Regionale Gesundheitskonferenzen in Bayern

Anhang 8: Flyer Fachliche Leitstelle Gesundheitsregionenplus

Weitere Informationen unter www.lgl.bayern.de/gesundheitsregionenplus

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

113

www.lgl.bayern.de

Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
Telefon:	
09131 6808-0
Telefax:	
09131 6808-2102
E-Mail:	poststelle@lgl.bayern.de
Internet:	www.lgl.bayern.de
91058 Erlangen
Eggenreuther Weg 43

85764 Oberschleißheim
Veterinärstraße 2

80538 München
Pfarrstraße 3

97082 Würzburg
Luitpoldstraße 1

91126 Schwabach
Rathausgasse 4

90441 Nürnberg
Schweinauer Hauptstraße 80

www.lgl.bayern.de
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.