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Periodical volume

Full text: Pankower Register ... zur Erfassung rassistisch, antisemitisch, homophob und rechtsextrem motivierter Vorfälle, Angriffe und Propaganda Issue 2010

PankoWer
regIster 2010
zur Erfassung rassistisch, antisemitisch,
homophob und rechtsextrem motivierter
Vorfälle, Angriffe und Propaganda

2 Pankower Register 2010

Das Pankower Register ist ein Projekt
von [moskito] - Netzwerkstelle gegen
Rechtsextremismus, für Demokratie
und Vielfalt der Pfefferwerk Stadtkultur
gGmbH. Gefördert durch das Bezirksamt
Pankow.

Herausgeber/in:
[moskito] – Netzwerkstelle gegen
Rechtsextremismus, für Demokratie und
Vielfalt im Nachbarschaftshaus am
Teutoburger Platz
Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
Fehrbelliner Str. 92
10119 Berlin
Tel 	+49.30.443 83 459
Fax 	+ 49.30.443 71 71
moskito@pfefferwerk.de
www.pankower-register.de
Berlin, 2011
Spendenkonto:
Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH
Verwendungszweck: moskito
Bank für Sozialwissenschaft AG
BLZ 100 205 00
Konto Nr. 30 668-03

Pankower Register 2010 3

Inhaltsverzeichnis
1.	WAS IST DAS PANKOWER REGISTER? 	

S. 4

	 Anmerkungen zur Jahreschronik 	

S. 4

2.	GESAMTAUSWERTUNG DES PANKOWER REGISTERS	

S. 6

	 Rechtsextremismus in Pankow	

S. 7

	 Angriffe in Pankow	

S. 9

	 Räumliche Zuordnung aller Vorfälle in Pankow	

S. 10

	 Zeitliche Zuordnung aller Vorfälle in Pankow	

S. 11

	 Detaillierte Auswertung nach den Tatkategorien	

S. 12

	 Kurzer Problemaufriss und Ausblick 2011	

S. 17

3.	CHRONIK DES JAHRES 2010	

S. 20

	 Abkürzungsverzeichnis zu den Quellen	

S. 32

4.	GLOSSAR UND BEGRIFFSKLÄRUNG	

S. 33

	 Allgemeines Glossar 	

S. 33

	 Glossar zu rechten Gruppen, Personen, Codes und Symbolen	

S. 33

	 Zentrale Begrifflichkeiten im Kontext der Arbeit	

S. 38

5.	DIE ANLAUFSTELLEN IN PANKOW	

S. 41

4 Pankower Register 2010

Was ist das
Pankower Register?
Das Pankower Register wurde im April
2005 im Rahmen der Umsetzung des Lokalen Aktionsplans Pankow entwickelt.
Es wird seitdem durch [moskito] – Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus,
für Demokratie und Vielfalt betreut. Dabei tragen wir nicht nur die Vorfälle zusammen und publizieren die Chronik des
Registers, sondern sensibilisieren durch
verschiedene Veranstaltungen und Fortbildungen für die Thematik.
Ausschlaggebendes Kriterium für die
Erfassung eines Vorfalls ist ein offenkundig rassistisches, antisemitisches,
homophobes oder rechtsextremes Motiv.
Grundlegend dabei ist die Perspektive
der bzw. des Betroffenen. Gleichermaßen
werden andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufgenommen

wie beispielsweise Behinderten- und Obdachlosenfeindlichkeit, die ebenfalls integrale Bestandteile rechtsextremer Ideologie darstellen.
Das Pankower Register möchte sowohl
Betroffene unterstützen und ihre Erfahrungen sichtbar machen als auch die Bürger/innen für demokratiefeindliche Entwicklungen sowie Formen und Ausmaß
von Diskriminierungen in ihrem Bezirk
sensibilisieren. Ziel ist es, „alltägliche“
Diskriminierungen sowie rechtsextreme
Aktivitäten, auch jenseits einer strafrechtlichen Relevanz, zu erfassen, um ein
möglichst genaues Bild über den Bezirk
Pankow zu erhalten und (der Entstehung
von) Angsträumen frühzeitig entgegenwirken zu können. Langfristiges Ziel ist
es, auf einer breiten Ebene Ausgrenzun-

Anmerkungen zur Jahreschronik des Pankower Registers 2010
In diesem Jahr gibt es in der Auswertung der
Chronik eine grundlegende Änderung: In den
vorangegangen Jahren wurde bei Eintragungen, bei denen mehrere Delikte zusammenkamen, jeder Vorfall einzeln in die Statistik
aufgenommen. Ein Beispiel: Eine Freie Kameradschaftsgruppe zieht durch den Bezirk,
klebt Aufkleber und begeht dann noch eine
Sachbeschädigung an einem alternativen
Jugendclub. Dieses Ereignis wurde in der
Vergangenheit wie zwei Vorfälle gewertet:
Einmal als Propagandadelikt und ein weiteres Mal als Sachbeschädigung. Dadurch
entstand eine Differenz zwischen der Anzahl der Eintragungen und der Vorfälle. In

diesem Jahr wird dieser Auswertungsansatz
aufgegeben. Der entscheidende Grund dafür
ist, dass diese Vorgehensweise von keinem
anderen Berliner Register praktiziert wird.
Um eine einheitlichere Darstellung und
somit eine Vergleichbarkeit gewährleisten
zu können, werden wir darauf in Zukunft
verzichten. Für die aktuelle und zukünftige
Auswertung wird der gravierendere Vorfall
in einem Tathergang herausgegriffen und
in die Statistik aufgenommen. Um bei dem
obigen Beispiel zu bleiben, wäre es hier die
Sachbeschädigung, die als Eintrag dokumentiert werden würde. Entsprechend ist es
sinnvoll, in diesem Jahr auf einen numeri-

schen Vergleich zum vorangegangen Jahr zu
verzichten und sich auf eine Beschreibung
der Entwicklung zu beschränken.
Sie werden im Pankower Register auf Begriffe stoßen, die mit dem Symbol * gekennzeichnet sind: beispielsweise VNNO*.
Dies verweist darauf, dass der entsprechende Begriff im Glossar oder unter „Zentrale
Begrifflichkeiten“ im Kontext der Arbeit ab
Seite 33 (und folgende) näher erklärt wird.
Eine Legende für die benutzten Abkürzungen
der Quellen, also der Organisationen oder
Gruppen, die die jeweiligen Vorfälle veröffentlicht haben, finden Sie auf Seite 32.
Gemeinhin nennen Einträge der Chronik,
die nicht direkt den Anlaufstellen des

Pankower Register 2010 5

gen, Stigmatisierungen und rechtsextremen Denkweisen entgegenzuwirken.

rechtsextreme Werbung sehen oder entsprechende Angriffe mitbekommen!

Machen Sie mit!
Für das Pankower Register ist das Mitwirken möglichst vieler Pankowerinnen
und Pankower von Bedeutung. Nur was
Sie uns, der Netzwerkstelle [moskito],
und den über ganz Pankow verteilten 28
weiteren öffentlichen Anlaufstellen, den
Kooperationspartner/innen, der Polizei
oder zivilgesellschaftlichen, antifaschistischen Gruppen melden, kann ins Pankower Register aufgenommen werden.
Nur so werden diese Vorfälle und gesellschaftlichen Zustände einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Und entsprechend
können gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden.

Das Pankower Register sucht ebenfalls
demokratische Initiativen, Einrichtungen
und Projekte, die beim Register mitmachen wollen. Sie können als öffentliche
oder interne Anlaufstelle (nur für ihre
Nutzer/innen und Besucher/innen) Teil
des Pankower Registers werden, uns für
Veranstaltungen oder Workshops zu den
Themenbereichen (z.B. Argumentationstrainings) zu sich einladen oder aber die
Postkarten, Flyer und Aufkleber des Pankower Registers bei sich auslegen. Bei
Fragen wenden Sie sich bitte an uns!

Bitte melden Sie uns, wenn Sie z.B. homophobe (homosexuellenfeindliche) Parolen
hören, rassistisch motivierter Diskriminierung auf Ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt
sind, antisemitische Schmierereien sowie

P­ ankower Registers, sondern beispielsweise der Presse gemeldet oder den Meldungen der Polizei entnommen wurden, nur
die Hautfarbe bzw. Herkunft der Opfer-Personen, so sie nicht weiß bzw. deutsch sind.
Konkret bedeutet das, dass Betroffene von
zumeist rassistischer Gewalt „ethnisiert“
werden (also angegeben wird, sie seien
„dunkelhäutig“ oder hätten einen Migrationshintergrund). Demgegenüber bleiben
die Hautfarbe und Herkunft der Täter/innen
meistens unbenannt. Diese in Presse und
Öffentlichkeit verbreitete Tendenz finden
wir problematisch, da so weiße Deutsche
als Individuen, Menschen mit Migrationshintergrund hingegen immer als Stellvertreter/innen „ihrer“ vermeintlichen Gruppe

Auch wenn Sie in Ihrem Kiez gegen Ausgrenzung, rechte Bedrohung und Diskriminierung aktiv werden möchten, unterstützen wir Sie gerne.
[moskito] – Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus,
für Demokratie und Vielfalt

dargestellt und wahrgenommen werden ganz unabhängig davon, wie lange sie schon
in Deutschland leben (mitunter bereits seit
mehreren Generationen) und wie sie sich
selber definieren. Die Praxis der Benennung
der Zugehörigkeiten derjenigen, die von
der Mehrheitsgesellschaft als abweichend
oder nicht dazugehörig gesetzt werden, bei
gleichzeitiger Nicht-Nennung dieser Eigenschaften von denen, die als Norm gelten
(wie weiße Deutsche, Heterosexuelle oder
Menschen ohne Behinderungen), gibt es
bei allen Formen gruppenbezogener Menscheinfeindlichkeit. Sie muss insgesamt
kritisiert werden, da sie diskriminierende
Bilderwelten und vermeintliche „Normalitäten“ schafft und aufrecht erhält.

Alle Meldungen werden von der Netzwerkstelle [moskito] gesammelt und deren
Inhalt überprüft, sofern die Möglichkeit
einer Prüfung besteht. Hierzu zählen unter
anderem die Überprüfung von Straßen(kreuzungen) der Vorfallsorte, das Nachfragen (soweit möglich) bei Unklarheiten und
ggf. eine Nachrecherche vor Ort bzw. bei der
Polizei. Wir versuchen durch Einbezug vieler
Quellen unsere Informationen auf ein möglichst breites Fundament zu stellen. Dennoch können wir die sachliche Richtigkeit
nicht immer endgültig klären, so dass die
inhaltliche Verantwortung bei den genannten Quellen liegt.

6 Pankower Register 2010

Gesamtauswertung des
Pankower Registers 2010
[moskito] Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, für Demokratie und Vielfalt hat für 2010 insgesamt 115 Vorfälle im
Bezirk Pankow zusammengetragen, bei
denen die Motive Rassismus*, Antisemitismus*, Homophobie*, gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit* oder eine insgesamt rechtsextreme* Einstellung Grundlagen der Handlungen waren.

politische Gegner. Bei insgesamt 14 Vorfällen war die Handlung rassistisch motiviert, wobei es sich davon acht Mal um
antimuslimischen Rassismus*1 gehandelt hat. In jeweils fünf Vorfällen war der
Beweggrund Antisemitismus bzw. Homophobie. Und wir dokumentieren einen
Fall, bei dem der Auslöser Transphobie*
war.

Nach Motiven unterschieden, sieht die
Verteilung folgendermaßen aus: Bei 38
Vorfällen handelte es sich um rechtsextreme Selbstdarstellungen. Fast ebenso häufig (bei 35 Vorfällen) erfolgte die
Handlung aus der Motivation der NS-Verherrlichung und Verharmlosung heraus.
Am dritthäufigsten war der Anlass der

Nach wie vor handelt es sich bei den Tatkategorien in erster Linie um Propagandadelikte; sie machen knapp 61 Prozent
der registrierten Einträge aus. An zweiter
Stelle der Vorfälle stehen Bedrohungen,
Beleidigungen und Pöbeleien. Insgesamt
1 In der Grafik wird antimuslimischer Rassismus als Rassismus
(M) dargestellt.

Motive

(Zahlenangaben der Grafik spiegeln die Anzahl der jeweiligen Vorfälle wider und sind keine Prozentangaben.)

Pankower Register 2010 7

wurden hier 19 Vorfälle dokumentiert,
die damit 17 Prozent aller Vorfälle ausmachen. Danach folgen Sachbeschädigungen, die neun Vorfälle umfassen. Fast
ebenso hoch ist die Anzahl von Veranstaltungen: Hier wurden acht gezählt. Im Jahr
2010 kam es nach unseren Erkenntnissen
zu fünf Gewaltdelikten und drei Körperverletzungen. Einen Fall dokumentieren
wir unter „sonstiges“: Hierbei handelt es
sich um eine Hausdurchsuchung in Weißensee, bei der rechtsextremes Propagandamaterial beschlagnahmt wurde.

Rechtsextremismus
in Pankow
Als zentrales rechtsextremes Ereignis im
Jahr 2010 in Pankow ist der Aufmarsch
von Neonazis am 1. Mai zu nennen. Bereits im Vorfeld zu dem Aufmarsch bemühten sich Rechtsextreme verstärkt,
im Bezirk hierfür zu werben. Trotzdem
kamen statt der bis zu 3000 Neonazis, mit
denen die rechtsextreme Szene im Vorfeld gerechnet hatte, nur 650 Neonazis
zum Aufmarsch in den Prenzlauer Berg.
Aufgrund der großen Gegenproteste von
10.000 Menschen, die sich dem Neonaziaufmarsch in den Weg stellten, beendete die Polizei den Aufmarsch nach 800
Metern. Dies ist als großer Erfolg der
Bündnisarbeit der unterschiedlichen politischen und zivilgesellschaftlichen Kräfte
gegen Rechtsextremismus zu werten.

Die Aktivität der rechtsextremen Szene in
Pankow wird durch die dokumentierten
siebzig Propagandavorfälle deutlich. Dabei standen insbesondere rechtsextreme
Selbstdarstellungen wie die der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands*
(NPD) und die Verherrlichung und Verharmlosung des Nationalsozialismus im
Vordergrund. Es ist davon auszugehen,
dass die Propagandadelikte seit Jahren
von denselben Personen(-gruppen) meist
in nächtlichen Aktionen durchgeführt
werden. Neben der NPD sind dies die
Kameradschaftszusammenhänge Autonome Nationalisten* (ANB), die Vereinten
Nationalisten Nord-Ost* (VNNO) und die
in 2010 gegründeten Freien Nationalisten
Berlin-Mitte* (FNBM), die hier namentlich
besonders in Erscheinung treten.
Laut dem Verein für demokratische Kultur
e.V. (VDK) ist eine Häufung rechtsextremer Propaganda immer auch ein Hinweis
darauf, dass in dem Umfeld der Vorfälle
Rechtsextreme wohnen oder sich dort
häufig aufhalten. Betrachten wir die Propagandadelikte vor diesem Hintergrund,
so stellen wir fest, dass es insbesondere
in den Stadtteilen Prenzlauer Berg und
Weißensee (jeweils 15 Vorfälle) zu Propagandadelikten im vergangenen Jahr gekommen ist – gefolgt von den Stadtteilen
Pankow-Zentrum (12 Vorfälle) und Niederschönhausen (12 Vorfälle). Es folgen
Heinersdorf (sechs Vorfälle), Französisch
Buchholz (fünf Vorfälle), Karow (zwei Vorfälle) und Buch (ein Vorfall). Die Häufung

8 Pankower Register 2010

von Propagandadelikten in Weißensee
hängt höchstwahrscheinlich eng mit dem
Wohnort eines führenden Mitgliedes der
Freien Nationalisten Berlin-Mitte (jetzt
Nationale Bürgerbewegung Berlin) zusammen. Der Prenzlauer Berg hingegen
ist eher ein Stadtteil, in dem sich Rechtsextreme gerne vor allem am Wochenende
aufhalten, um Kneipentouren zu unternehmen oder große Parties zu besuchen.
Für das vergangene Jahr 2010 müssen
wir feststellen, dass sich die Angriffe seitens der Rechtsextremen sowohl gegen
Personen als auch gegen Sachen insbesondere gegen linke und alternative
Menschen, Projekte bzw. Einrichtungen
gerichtet hatten. Vier von neun – dem
Register gemeldeten – Sachbeschädigungen waren gegen diese Personen(gruppen) adressiert. Sechs Menschen
wurden Opfer von Gewaltanwendungen, die von den rechtsextremen Täter/
innen als politische Gegner/innen angesehen werden. Auch gab es wieder
massive Bedrohungen gegen politische
Gegner/innen (fünf von 19 Vorfällen).
Ein zentrales Beispiel:

Mitte/Ende Februar 2010 	
In Pankow erhalten sieben
Einzelpersonen bzw. Geschäftsstellen demokratischer Parteien und Organisationen,
die den Aufruf „13.02.2010 Dresden
Nazifrei. Gemeinsam blockieren“ unterzeichnet hatten, Morddrohungen.
Die nicht frankierten, weißen Briefumschläge werden direkt in die Briefkästen der Betroffenen eingeworfen.
Die Drohbriefe enthalten ein Streichholz sowie den Text: „Kommando 13.
Feb. - ...dein leben, interessiert uns
brennend...“ (Fehler im Original).
Strafanzeigen werden gestellt. Berlinweit werden 20 dieser Drohbriefe gemeldet.
Anlaufstellen: Die LINKE Pankow,
Netzwerkstelle [moskito]; u.a.
Dieses Beispiel macht deutlich, dass es
sich hierbei um ein geplantes Vorgehen
handelt. Dieses wird von den Rechtsextremen selbst als „Anti-Antifa-Arbeit“
bezeichnet. Damit ist ein systematisches
Ausspähen, Einschüchtern und im Extremfall gewalttätiges Vorgehen gegen
demokratische Akteur/innen, zivilgesellschaftliche bzw. antifaschistische Gruppen und linke Einrichtungen durch organisierte Rechtsextreme gemeint.

Pankower Register 2010 9

Angriffe in Pankow
Insgesamt kam es in 2010 zu 27 Angriffen
auf Menschen. Unter „Angriffe“ werden
sowohl Gewaltdelikte (fünf Vorfälle), Körperverletzungen (drei Vorfälle) als auch
(verbale) Angriffe, wie Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien (19 Vorfälle),
subsumiert.
Die Täter/innen von gewalttätigen Handlungen bzw. Bedrohungen, Beleidigungen
und Pöbeleien mit rassistischer, antisemitischer, homophober oder transphober
Motivation sind wesentlich heterogener
als die Personen, die gegen demokratische und antifaschistische Personen vorgehen. Es handelt sich nicht ausschließlich oder primär um Angehörige der
rechtsextremen Szene. Das Spektrum ist
relativ groß, sowohl bezogen auf das Alter als auch auf die soziale Herkunft der

Täter/innen. Ein weiterer Aspekt ist, dass
es sich bei den meisten Angriffen bzw.
Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien oft um spontane Gelegenheitstaten
handelt.
Bei der Auswertung des Pankower Registers zu den Angriffen muss berücksichtigt
werden, dass nur ein Bruchteil der wahrscheinlich stattgefundenen hier wirklich
auftaucht. Denn: Ein Großteil der Angriffe
und Vorfälle wird nicht öffentlich gemacht
und bleibt somit unbekannt!2
2 Zur Problematik der Dunkelziffern im Kontext diskriminierender Angriffe siehe auch Kapitel „Differenzierte Auswertung
nach den Tatkategorien“, Rubrik „Bedrohungen, Beleidigungen
und Pöbeleien“. Darüber hinaus müssen die vorliegenden Zahlen
als vorläufig gelten, da immer zahlreiche Nachmeldungen der
Polizei erfolgen.

Motive von (verbalen) Angriffen nach Tatorten sortiert

(Zahlenangaben der Grafik spiegeln die Anzahl der jeweiligen Vorfälle wider und sind keine Prozentangaben.)

10 Pankower Register 2010

Räumliche Zuordnung aller
Vorfälle in Pankow
Die meisten Vorfälle, die im Register 2010
festgehalten sind, fanden in dem Ortsteil
Prenzlauer Berg statt (30 Eintragungen,
das sind 26 Prozent aller Vorfälle). Fast
ebenso viele Vorfälle wie in Prenzlauer
Berg wurden in Weißensee (28 Eintragungen, das sind 24 Prozent aller Vorfälle)
registriert. An dritter Stelle steht Pankow-Zentrum (19 Eintragungen, fast 17
Prozent). Niederschönhausen folgt dann
mit zehn Vorfällen (knapp neun Prozent
aller Vorfälle). Mit drei bis fünf Vorfällen
im Jahr 2010 folgen dann die anderen
Ortsteile: Französisch Buchholz und Heinersdorf (jeweils fünf Eintragungen, das
sind vier Prozent), Buch (vier Eintragungen) und Karow (drei Eintragungen). Damit ist die regionale Streuung von Vorfällen in diesem Jahr weiter angewachsen.
Wichtig bei der Bewertung der regiona-

len Verteilung der Vorfälle ist, dass eine
höhere Anzahl von Meldungen aus bestimmten Ortsteilen eine stärker sensibilisierte Öffentlichkeit bedeuten kann, die
entsprechend Vorfälle publik macht. Zudem fehlen gerade in den zentrumsferneren Gebieten Pankows (wie Blankenburg,
Blankenfelde, Malchow und Rosenthal)
noch Anlaufstellen, um entsprechende
Vorfälle überhaupt dokumentieren zu
können. Weiterhin ist ein Zusammenhang von Vorfällen in einem bestimmten
Stadtteil mit einer größeren Präsenz von
potenziell betroffenen Personengruppen
nicht auszuschließen.
Auch kam es zu elf Eintragungen, die dem
Internet zugeordnet werden. Im Jahr 2010
wurden hierunter auch Eintragungen dokumentiert, wenn es sich um Eigenmeldungen auf rechtsextremen Internetseiten handelt, die von keiner anderen Quelle
bestätigt worden sind. Beispiel hierfür:

Tatorte

(Zahlenangaben der Grafik spiegeln die Anzahl der jeweiligen Vorfälle wider und sind keine Prozentangaben.)

Pankower Register 2010 11

Verteilung der Vorfälle nach Monaten

(Zahlenangaben der Grafik spiegeln die Anzahl der jeweiligen Vorfälle wider und sind keine Prozentangaben.)

23. April 2010 	
Laut eigenen Angaben
haben Neonazis in einem
„nationalen Jugendzentrum“* in Pankow eine Solidaritätsveranstaltung durchgeführt. Aus dem
Erlös sollen größere Räumlichkeiten
finanziert werden. Bei der Veranstaltung hält Eckhart Bräuniger, Mitglied
der Nationaldemokratischen Partei
Deutschlands (NPD) einen Vortrag, in
dem es um die napoleonischen „Befreiungskriege“ bis heute geht. Der
aus dem Kameradschaftsspektrum
stammende Liedermacher „Raunijar“* tritt ebenfalls auf. Nach Angaben
der NPD waren bis zu 70 Personen anwesend.
Quelle: Eigenmeldung auf der NPDInternetseite

Zeitliche Zuordnung aller
Vorfälle
Wie aus der Tabelle hervorgeht, ereigneten sich die meisten Fälle im April, das ist
vor allem darauf zurückzuführen, dass
es sich zu dem Zeitpunkt vor allem um
Propagandadelikte (20 von 23 Vorfällen)
handelt, die im Zusammenhang mit der
Mobilisierung für den Naziaufmarsch am
1. Mai in Prenzlauer Berg standen.

12 Pankower Register 2010

Detaillierte Auswertung nach
den Tatkategorien
Im Folgenden wird auf die einzelnen Tatkategorien: Körperverletzung und Gewaltdelikte; Bedrohungen, Beleidigungen
und Pöbeleien; Sachbeschädigungen;
Veranstaltungen; sowie Propagandadelikte genauer eingegangen. Neben der
statistischen Darstellung zu den Tatkategorien und einem exemplarischen
Vorfall wird abschließend kurz auf eine
Problematik im Kontext der jeweiligen
Tatkategorie hingewiesen. Die aufgeworfenen Problematiken fließen dann in das
anschließende Kapitel „Kurzer Problem­
aufriss und Ausblick 2011“ mit ein, wo
auch auf mögliche Handlungsmöglichkeiten eingegangen werden soll.
Körperverletzungen und Gewaltdelikte
Von den 115 statistisch erfassten Fällen
handelt es sich bei acht Vorfällen (knapp
sieben Prozent) um Gewaltdelikte und
Körperverletzungen gegen Personen.
Dabei ereigneten sich die meisten gewalttätigen Übergriffe im Ortsteil Weißensee
(vier von acht Vorfällen). Die anderen vier
Vorfälle verteilen sich auf die Ortsteile
Buch, Karow, Niederschönhausen und
Prenzlauer Berg (jeweils ein Vorfall).
Opfer von Gewaltanwendungen waren
2010 überwiegend Linke und alternative
Menschen (sechs von acht Vorfällen), die
von den rechtsextremen Täter/innen als
politische Gegner/innen angesehen werden. Zwei der acht Gewaltdelikte waren
rassistisch motiviert. Wie brutal die Täter/innen zum Teil vorgehen, zeigt dieses
Ereignis:

23. Mai 2010		
Gegen 4:45 Uhr wird ein
25-jähriger Mann beim
Verlassen des Geländes
der Kulturbrauerei in der Knaack-/
Ecke Danziger Straße von zwei Männern rassistisch beleidigt. Danach
wird der junge Tunesier von ihnen verfolgt, von hinten attackiert und geschlagen. Als sich der Angegriffene
wehrt, wird er mit einer Holzlatte angegriffen und fällt zu Boden. Dort wird
er dann von sechs bis sieben Männern
getreten und geschlagen, auch mit einer riesigen Holzbohle. Nachdem offensichtlich zur Gruppe der Täter gehörende Frauen Einhalt gebieten,
lassen die Täter vom Opfer ab. Als der
Angegriffene flüchtet, werfen ihm die
Täter noch Flaschen und einen Stein
hinterher. Der Angegriffene alarmiert
die Polizei und wird von einem Rettungswagen zur ambulanten Behandlung in eine Klinik gebracht. Die Täter
entfernen sich unerkannt. Laut Aussagen des Opfers in der BZ haben einige Passanten den Angriff beobachtet,
ohne jedoch einzugreifen.
Polizei-Pressemeldungen (23.05.2010,
01.06.2010, 02.06.2010); u.a.
Nicht nur die Brutalität des Übergriffes ist
erschütternd, sondern auch das genannte
Nichthandeln der anwesenden Passanten. Oft werden bei Angriffen nur die Täter/innen und die Opfer wahrgenommen.
Wichtig ist es aber auch, den Blick auf die
Zeug/innen von Angriffen und Gewalttaten zu richten, denn die Kultur des Wegschauens anstatt einzugreifen, ist nach
wie vor ein großes Problem. Letztlich
bilden die passiven Tatzeug/innen in ei-

Pankower Register 2010 13

ner Gewalt- bzw. Unrechtssituation quasi
den Hintergrund für die Täter/innen und
die von ihnen ausgeübte Gewalt. Die gezeigte Passivität bedeutet eine aktive Begünstigung der Gewalt. Als Erklärungsmuster für fehlende Zivilcourage wird in
der Psychologie häufig der BystanderEffekt benannt. Dieser beschreibt das
in etlichen Studien festgestellte paradoxe Phänomen, nach der alleine durch
die Anwesenheit anderer Personen die
Wahrscheinlichkeit von Hilfeleistungen
erheblich gesenkt wird. Wichtige Prozesse sind hierbei a) die Pluralistische Ignoranz, b) die Verantwortungsdiffusion und
c) die Bewertungsangst. Pluralistische
Ignoranz beschreibt das Ergebnis von
Vergleichsprozessen, bei denen das Verhalten anderer als Beleg für die Harmlosigkeit der Situation interpretiert wird.
Verantwortungsdiffusion bezeichnet eine
Abnahme der subjektiven individuellen
Verantwortung, wenn viele andere handlungsfähige Personen anwesend sind.
Bewertungsangst charakterisiert das
Phänomen, dass die anderen Augenzeug/
innen als potenzielle Beobachter/innen
und damit Bewerter/innen der eigenen
Intervention wahrgenommen werden.
Und dass die Angst vor einer negativen
Bewertung das Eingreifen verhindert.3
Bedrohungen, Beleidigungen
und Pöbeleien
Unter diese Rubrik fallen 19 Vorfälle, dies
entspricht 17 Prozent aller erfassten Vorfälle.
In fünf Fällen richteten sich die Bedro3 vgl. Url: http://psychologie.fernuni-hagen.de/Lernportal/
Lernumgebung/Html/Prosozial.html, Url: www.marinahennig.
de/PowerPoint/Konformitaet.ppt

hungen, Beleidigungen oder Pöbeleien
gegen alternative bzw. linke Menschen.
Bei jeweils vier Vorfällen handelte es sich
um rassistische beziehungsweise homophobe Tatmotive. Drei Vorfälle ereigneten
sich im Kontext der Verharmlosung und
Verherrlichung des Nationalsozialismus.
Antisemitisch motiviert waren zwei der
Bedrohungen, Beleidigungen oder Pöbeleien. Ein Vorfall richtete sich gegen
transsexuelle Menschen.
8. Oktober 2010 		
In der Schönhauser Allee
zwischen den U-Bahnhöfen
Eberswalder Straße und
Schönhauser Allee läuft ein Mann an
einem älteren Herren vorbei, der ihm
im Vorbeigehen die Worte „Verpiss
Dich, du schwule Judensau!“ hinter­
heruft. Als der Betroffene den älteren
Herrn daraufhin anspricht, wiederholt
dieser seine Beleidigung.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee
Mit Abstand die meisten Bedrohungen,
Beleidigungen und Pöbeleien (acht Vorfälle) fanden in Prenzlauer Berg statt.
Halb so viele Vorfälle ereigneten sich in
den Ortsteilen Weißensee und Pankow
(jeweils vier Vorfälle).
Es ist davon auszugehen, dass es sich bei
den hier zusammengetragenen Vorfällen
von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nur um die Spitze des Eisberges
handelt und dass die Dunkelziffer bei Bedrohungen, Beleidigungen und Pöbeleien
auch in Pankow um ein Vielfaches höher
liegt. Viele Menschen sind bspw. aufgrund
ihrer Herkunft, ihrer Religionszugehörigkeit, ihrer sexuellen Orientierung einer

14 Pankower Register 2010

Tatorte von (verbalen) Angriffen

(Zahlenangaben der Grafik spiegeln die Anzahl der jeweiligen Vorfälle wider und sind keine Prozentangaben.)

permanenten Diskriminierung in allen
Lebensbereichen ausgesetzt.
Die Annahme von einer extrem hohen Dunkelziffer wird durch eine EU-weite Studie4
der EU-Agentur für Grundrechte (FRA),
die 2009 vorgestellt wurde, bestätigt.
Demnach finden Diskriminierung, Belästigung und rassistisch motivierte Gewalt
viel häufiger statt, als amtliche Statistiken vermuten lassen. Der Grund hierfür
ist, dass die meisten Betroffenen ihre
Diskriminierung nicht melden. 82 Prozent
der Befragten, die nach eigenen Angaben
diskriminiert wurden, hatten dies nicht
4 Insgesamt wurden für die Untersuchung 23.500 potenziell
Betroffene in den EU-Mitgliedsstaaten befragt. Nur elf der 27
EU-Staaten haben nach Angaben der EU-Agentur zuverlässige
Statistiken über Diskriminierung. Die schlimmste Diskriminierung erfahren dem Bericht zufolge die rund zwölf Millionen
Roma, gefolgt von people of color*.

bei den Behörden gemeldet. Und 64 Prozent der Diskriminierungs­opfer meinten,
sie seien davon ausgegangen, dass auch
im Falle einer Meldung nichts unternommen worden wäre. Gleichzeitig kannten
80 Prozent keine einzige Organisation, die
Diskriminierungsopfer unterstützt oder
berät. Entsprechend kommt Morten Kjaerum, Direktor der FRA, zu dem Schluss:
„Die Erhebung zeigt, dass die überwältigende Mehrheit erlittene Diskriminierung
oder rassistisch motivierte Straftaten
nicht an eine zuständige Behörde meldet.
Tausende Fälle von rassistisch motivierten Straftaten und Diskriminierung bleiben damit unsichtbar.“5 Eine Folge davon
ist, dass die Straftäter letztlich ungestraft
bleiben.
5 h ttp://w w w.abendblatt.de/politik/deutschland/article992488/Migranten-staerker-diskriminiert-als-bisherangenommen.html

Pankower Register 2010 15

Sachbeschädigungen
Das Pankower Register dokumentiert
neun Sachbeschädigungen im Jahr 2010.
Auch hier war das gewalttätige Vorgehen
gegen Sachen in erster Linie gegen linke
und alternative Einrichtungen, Projekte
und ähnliches (vier von neun Vorfällen)
gerichtet.
9./10. März 2010	
In der Nacht vom 9. auf
den 10. März werden die
Fensterscheiben
des
Buchladens „Schwarze Risse“ in der
Kastanienallee in Prenzlauer Berg
eingeworfen. Dieser Vorfall reiht sich
ein in eine Serie von Anschlägen und
Drohungen insbesondere in Kreuzberg und Neukölln während der letzten Monate gegen Vereine, Parteien,
Projekte sowie Einzelpersonen, die
sich gegen Neonazis positionieren.
Quelle: Pressemeldung des Buchladen Schwarze Risse, u.a.
Als weiteres zentrales Motiv für Sachbeschädigungen ist NS-Verherrlichung und
Verharmlosung (drei von neun Vorfällen)
festzustellen. Die Sachbeschädigungen
waren in je einem Vorfall Ausdruck von
Antisemitismus und Homophobie.
Berlinweit wurde 2010 eine starke Zunahme von Sachbeschädigungen von alternativen und linken Einrichtungen beobachtet, die der rechtsextremen Szene
zugeordnet werden können. Dabei muss
von einem gezielten und systematischen
Vorgehen ausgegangen werden, da die
Sachbeschädigungen oft zeitgleich an
einem Abend/in einer Nacht an vielen
verschiedenen linken/alternativen Orten

stattfanden. Ein Grund für diese Entwicklung sei, so Bianca Klose (Leiter­in
der Mobilen Beratung gegen Rechts­
extremismus), dass „diese nächtlichen
Anschläge und Schmierereien den Tätern
mit verhältnismäßig geringem Organisationsaufwand zu großer medialer Präsenz
verhelfen“.6 Dies muss auch im Zusammenhang mit den Misserfolgen rechtsextremer Großevents wie dem 1. Mai-Aufmarsch gesehen werden. Weiter stärken
entsprechende Aktionen auch enorm den
inneren Zusammenhalt der Gruppe. Denn
die Angriffe müssen konspirativ vorbereitet und durchgeführt werden, so dass
nur der kleine eingeweihte Kreis davon
Bescheid weiß. Es ist davon auszugehen,
dass diese Angriffe von jungen, gewaltbereiten Neonazis, die dem Spektrum der
Autonomen Nationalisten* zuzuordnen
sind, ausgeübt werden.
Veranstaltungen
Unter Veranstaltungen werden alle öffentlichen beziehungsweise halböffentlichen Ereignisse wie Demonstrationen,
Infostände, Vorträge, Konzerte und Aktio­
nen subsumiert.
Für das Jahr 2010 verzeichnet das Pankower Register acht Veranstaltungen. Hierbei handelte es sich am häufigsten um
rechtsextreme Selbstdarstellung (vier
von acht Vorfällen). Als zentrales Ereignis ist im diesem Kontext der bereits am
Anfang dargestellte Neonaziaufmarsch
von 650 Neonazis am 1. Mai in Prenzlauer
Berg anzusehen. Weiter führte die Nationaldemokratische Partei Deutschlands*
(NPD) eine Veranstaltung durch, die
sich gegen die Moschee in ­Heinersdorf
6 h ttp://www.mbr-berlin.de/Aktuelles/Pressespiegel_der_
MBR/2010/855.html

16 Pankower Register 2010

r­ ichtete. ­Letzteres Ereignis wurde in die
Chronik unter dem Motiv antimuslimischer Rassismus* aufgenommen.
Wie im vorangegangenen Jahr kam es
auch 2010 zu verschiedenen (Gedenk-)
Veranstaltungen (drei von acht Vorfällen),
deren Anliegen NS-Verharmlosung und
-Verherrlichung waren:
2. September 2010 	
Auf dem St.-Nikolai-Friedhof in der Prenzlauer Allee
versammeln sich einige
Mitglieder der sogenannten Freien
Nationalisten (FN) Berlin-Mitte*, um
dem SA-Führer Horst Wessel* zu
gedenken. Nach eigenen Angaben
zünden sie eine Kerze an, legen Blumen an das Grab und begehen eine
Schweigeminute. Auf ihrer Internetseite huldigen sie Horst Wessel und
äußern ihr Unverständnis darüber,
dass Horst Wessel in einem normalen
Grab auf dem Friedhof liegt und nicht
mehr Menschen seiner gedenken.
Quelle: EAG, [`solid]
(Gedenk-)Veranstaltungen, deren Ziel die
Verharmlosung und Verherrlichung des
Nationalsozialismus ist, können seit 2005
durch die Behörden verboten werden. Und
zwar unter Berufung auf den Volksverhetzungs-Paragraph 130, Absatz 4. Hier
heißt es: „Mit Freiheitsstrafe von bis zu
drei Jahren oder mit Geldstrafe kann bestraft werden, wer öffentlich oder in einer
Versammlung den öffentlichen Frieden in
einer die Würde der Opfer verletzenden
Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.“ Im November 2009 wurde dieser
Paragraph in einem Urteil vom Bundes-

verfassungsgericht bestätigt. Demnach
ist das Verbot einer Veranstaltung, die die
Verherrlichung des Nazi-Regimes zum
Ziel hat, mit dem Recht auf Meinungsfreiheit durchaus vereinbar.7 Dies erklärt
auch, warum die dokumentierten NSverherrlichenden und -verharmlosenden
Veranstaltungen von Rechtsextremen im
Vorfeld kaum öffentlich beworben wurden und versucht wurde, diese klandestin
durchzuführen und erst später im Internet öffentlich zu machen.
Propagandadelikte
Im Jahr 2010 stellten die Propagandadelikte wieder den Großteil aller registrierten Vorfälle dar. So wurden insgesamt
70 Propagandadelikte erfasst. Darunter
fallen sowohl das Verteilen und/oder Anbringen von Aufklebern, Plakaten, (Zeit-)
Schriften und Schmierereien mit rechtextremen, rassistischen, antisemitischen
und/oder homophoben Inhalten als auch
das Werben für entsprechende Organisationen und Parteien. Die Verwendung
verfassungswidriger Symbole (wie Hakenkreuze und SS-Runen) wird ebenfalls
in dieser Rubrik erfasst.
Bei knapp der Hälfte aller Propagandavorfälle handelte es sich um rechtsextreme
Selbstdarstellungen (34 von 70 Vorfällen).
In der Regel ging es um Propaganda für
Freie Kameradschaften* oder die Nationaldemokratische Partei Deutschlands*
(NPD). Einen großen Anteil stellte die
NS-Verherrlichung und -Verharmlosung
dar (23 von 70 Vorfällen; dies entspricht
fast 33 Prozent aller Propagandadelikte).
Häufig wurden Abbildungen von verbote7 vgl. http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/volksverhetzungsparagraph-welche-folgen-hat-das-urteil-des-verfassungsgerichtes-3365

Pankower Register 2010 17

nen NS-Symbolen wie dem Hakenkreuz,
der Sig-Rune oder auch der Schriftzug
„NS Jetzt“ auf öffentlichen Gebäuden vorgefunden.
26. August 2010		
Im Ernst-Thälmann-Park
am Thälmanndenkmal sowie in der Straßenbahnunterführung am S-Bahnhof Greifswalder Straße werden neonazistische
Schmierereien festgestellt. Unter anderem: „C4 for reds“*, „NS Jetzt“,
„Rotfront verrecke“, „Antifa heißt Inzest“ und „Ein Kiez für Nazis“.
Quelle: [`solid]

mit der auch gewollten Schaffung von
Angsträumen für potenzielle Opfer einhergeht. Schließlich zielt der Versuch der
permanenten Propaganda auf eine Normalisierung rechtsextremer oder NSSymbolik im Alltag ab.

Kurzer Problemaufriss
und Ausblick 2011

Die Präsenz von rechtsextremer und NSverherrlichender und -verharmlosender
Propaganda in Form von Sprühereien,
Plakaten und Aufklebern muss ernst genommen werden. Der Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK)8 weist
auf unterschiedliche Ziele hin, die Rechtsextreme mit ihrer Propaganda verfolgen:
Es geht um die Rekrutierung (meist jugendlicher) Anhänger/innen durch entsprechende Darstellungen. Auch soll die
Propaganda zur Markierung ihres (vermeintlichen) Reviers beitragen, welches

Gerade in 2011, dem so genannten Superwahljahr, in dem in insgesamt neun
Bundesländern gewählt wird, ist es wichtig, sich Rassismus*, Antisemitismus*,
Homo­phobie* und gruppenbezogener
Men­schenfeindlichkeit* entgegenzustellen. Wir müssen uns darauf einstellen,
dass die rechtsextremen* und rechtspopulistischen* Parteien versuchen werden,
den Wahlkampf für die Verbreitung ihrer
Ideologien zu nutzen. Folglich ist bundesweit mit einer Zunahme an rechten Veranstaltungen und rechter Propaganda zu
rechnen.
Es ist davon auszugehen, dass die rechtsextremen und rechtspopulistischen Parteien weiterhin verstärkt antimuslimischen Rassismus* in ihre Agitation mit
einbeziehen werden. Die jüngst veröffentlichte Heitmeyer-Studie9 für das Jahr
2010 kommt zu dem Schluss, dass es
einen signifikanten Anstieg von antimuslimischem Rassismus in der deutschen
Gesellschaft gibt. In der Untersuchung
gaben knapp 39 Prozent an, sich „durch
die vielen Muslime hier manchmal wie
ein Fremder im eigenen Land zu fühlen.“
Das ist eine Zunahme um fast sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Aussage, „Muslimen sollte die Zuwanderung

8 Verein für demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK), Was
können Sie tun...? Taschenratgeber aktiv gegen Rechtsextremismus in Pankow, Berlin 2010

9 Seit 2002 findet die Langzeitstudie des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität
Bielefeld unter der Leitung von Wilhelm Heitmeyer statt.

Weit weniger häufig findet sich rassistisch motivierte Propaganda (sieben von
70 Vorfällen). Auffällig hierbei ist jedoch,
dass von den sieben erfassten Vorfällen
sechs antimuslimischen Inhaltes sind. Die
übrigen Vorfälle wenden sich einerseits
gegen politische Gegner/innen (vier von 70
Vorfällen) beziehungsweise sind antisemitisch (zwei von 70 Vorfällen) motiviert.

18 Pankower Register 2010

nach Deutschland untersagt werden“
­stimmen 26,1 Prozent zu. 2009 waren das
etwas weniger als fünf Prozent.10 Auch in
der Auswertung vom Pankower Register
macht das Motiv des antimuslimischen
Rassismus 57 Prozent aller Vorfälle mit
rassistischem Hintergrund aus.
Antimuslimischer Rassismus ist ein zentrales Themenfeld der rechtspopulistischen Parteien Bürgerbewegung Pro
Deutschland* (und ihres hiesigen Ablegers Bürgerbewegung Pro Berlin) und Die
Freiheit*, die zu den Abgeordnetenwahlen
in Berlin antreten werden. Beide Parteien
warnen vor einer „Islamisierung der Gesellschaft“ und fordern einen Baustopp
für Moscheen und Minarette. Gerade vor
dem Hintergrund der Debatte um Thilo
Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich
ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen“
hat es eine diskursive Verschiebung des
Sagbaren in der deutschen Gesellschaft
gegeben. Dies zeigen auch Umfragen vom
Herbst 2010, wonach rund 90 Prozent der
Bild.de-Leser/innen Sarrazins Thesen
unterstützen. Und laut Emnid 18 Prozent
der Wahlberechtigten bereit wären eine
Sarrazin-Partei zu wählen.11
Dieser Entwicklung muss Einhalt geboten werden und gerade im Vorfeld und
während des Wahlkampfes muss dem
auf verschiedenen Ebenen entgegen gewirkt werden. Notwendig ist es, Aufklärungsarbeit zu leisten. Gemeinsam mit
den anderen Netzwerkstellen werden wir
in diesem Jahr eine kleine Broschüre zur
Argumentation gegen rechtspopulistische Thesen herausgeben.

10 vgl. http://www.freitag.de/community/blogs/hguerler/
antimuslimischer-klassenkampf
11 vgl. http://www.akweb.de/ak_s/ak553/43.htm

Im Jahr 2010 war das zweithäufigste Motiv
für einen Vorfall die Verherrlichung und
Verharmlosung des Nationalsozialismus.
Dasselbe gilt auch in Bezug auf Propagandadelikte (fast 33 Prozent). Parolen, die
die menschenverachtenden Verbrechen
des Nationalsozialismus unverhohlen
verharmlosen und verherrlichen, müssen
ernst genommen werden und es muss
unverzüglich und rigoros darauf reagiert
werden. Neben der strafrechtlichen Verfolgung bei der Benutzung verfassungswidriger Symbole muss es darum gehen,
diese NS-Symbolik schnellstmöglich zu
entfernen, damit überhaupt keine Chance
für einen Normalisierungseffekt entsteht.
Ein erster Schritt ist Anfang 2011 damit
getan worden, dass es Schulungen über
rechtsextreme und NS-Symbolik und
die Arbeit des Pankower Registers für
Mitarbeiter/innen des Ordnungsamts in
Pankow gegeben hat. Wichtig ist es, die
Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt
aufrecht zu erhalten und auszubauen, da
diese Mitarbeiter/innen tagtäglich im Bezirk unterwegs sind und entsprechende
Vorfälle zur Anzeige bringen bzw. bei uns
melden können. Dabei soll die notwendige
Aufmerksamkeit hinsichtlich rechter und
NS-Symbolik aber nicht an die Behörden
delegiert werden. Sondern wir brauchen
die Unterstützung von möglichst vielen
Pankower Bürger/innen, um das Auftreten von menschenverachtenden Zeichen
und Schriftzügen im öffentlichen Raum
zurückzudrängen.
Deutlich ist auch geworden, dass es eine
Entwicklung in der rechtsextremen Szene in Berlin gibt (und das trifft tendenziell
auch auf Pankow zu), gegen vermeintliche
politische Gegner/innen und deren Einrichtungen vorzugehen. Dabei beschränkt
sich der Angriffsradius nicht auf die un-

Pankower Register 2010 19

mittelbaren Wohn- und Aufenthaltsorte
der Rechtsextremen, wie die Übergriffe
in Kreuzberg und Neukölln zeigen. Entsprechend bedarf es eines berlinweiten
Austausches zwischen den politischen
und zivilgesellschaftlichen Akteuren über
diese Entwicklung. Gemeinsam muss
beobachtet werden, ob sich ein größeres Bedrohungspotenzial für zivilgesellschaftliche und linke Bürger/innen in der
Stadt entwickelt. Ziel dieser rechtsex­tre­
men Übergriffe ist es, engagierte Menschen einzuschüchtern und sie zu vertreiben. Wichtig ist es daher, die Übergriffe
nicht zu verharmlosen, sondern diese als
ernstes Problem anzuerkennen. Weiter
halten wir es für ausgesprochen wichtig,
sich mit den Opfern öffentlich zu solidarisieren und sie zu unterstützen.
Die niedrige Zahl an gemeldeten Vorfällen
von Bedrohung, Beleidigung, Pöbeleien,
Gewaltdelikten und Körperverletzungen
mit rassistischem (sechs Vorfälle), antisemitischem (zwei Vorfälle), homophobem (vier Vorfälle) und transphobem (ein
Vorfall) Hintergrund lässt vermuten, dass
wir es mit einer hohen Dunkelziffer zu
tun haben. Vor allem, wenn wir von einer
gesamtgesellschaftlichen Zunahme von
antimuslimischem Rassismus ausgehen
müssen, muss sich verstärkt darum bemüht werden, die Betroffenen zu unterstützen. Entsprechend bedarf es weiterer
Anstrengungen, um eine Atmosphäre zu
schaffen, die die Opfer ermutigt, ihre Erfahrungen mitzuteilen. Vor dem Hintergrund der geringen Zahl an gemeldeten
Vorfällen 2010 sehen wir es als erforderlich an, potenziell betroffene Personen weiterhin durch Öffentlichkeitsarbeit
umfassend über die Arbeit des Registers
zu informieren und die Möglichkeiten der

Hilfe durch die Opferberatungsstellen
aufzuzeigen.
In dem Zusammenhang ist es ebenfalls
relevant, zivilcouragiertes Handeln zu
unterstützen und zu fördern. Genau hier
sehen wir auch unsere Aufgabe. Wir
möchten Möglichkeiten der Zivilcourage aufzeigen und engagierten Pankower
Bürger/innen zur Seite stehen. Dazu ist
Ende 2010 das kleine Heft „Was können
Sie tun...?“ Taschenratgeber aktiv gegen
Rechtsextremismus in Pankow erschienen - herausgegeben vom Verein für Demokratische Kultur in Berlin e.V. (VDK)
und entstanden u.a. unter unserer Mitarbeit. Es ist ein kleiner Leitfaden für zivil­
couragiertes Handeln. Daneben bieten
wir unsere Argumentations- und Handlungstrainings an, die Sie auch gerne für
Ihre Einrichtung/Ihr Projekt in Anspruch
nehmen können.
Wir werden auch in diesem Jahr aktiv
gegen Rassismus, Antisemitismus und
Homophobie tätig sein. Veränderungen
können jedoch nur gemeinsam erreicht
werden! Dank einer erfolgreichen Bündnisarbeit konnte der Naziaufmarsch am
1. Mai 2010 durch den Prenzlauer Berg
gestoppt werden. Und viele unterschiedliche Einrichtungen, Projekte, Initiativen
und Gruppen haben zum Zustandekommen des Pankower Registers 2010 beigetragen. Dafür möchten wir uns an dieser
Stelle recht herzlich bedanken. Viele Pankower Bürger/innen setzen tagtäglich ein
Zeichen gegen rechte Aktivitäten.
Engagieren wir uns weiter gemeinsam
für ein demokratisches und vielfältiges
Zusammenleben!

20 Pankower Register 2010

Pankower Chronik 2010
13. Januar 2010
Wegen des Verdachts des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung vollstrecken Beamte
der Landeskriminalämter Berlin und Sachsen
vier Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Tiergarten. Betroffen ist unter anderem
die Wohnung eines 36-Jährigen in Weißensee.
Die Durchsuchungen finden um 12 Uhr statt und
führen zur Beschlagnahme von 140 CDs, Aufklebern, Buttons, Schlüsselanhängern, 113 T-Shirts
mit dazugehörigen Aufdrucken, Speichermedien
sowie zahlreichen Geschäftsunterlagen. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, eine indizierte CD
der Berliner Naziband „Deutsch, Stolz, Treue“*
produziert und vertrieben zu haben.
Quellen: Pressemeldung der Polizei (14.01.2010);
Presse: BZ (14.01.2010), TS (14.01.2010)
25. Januar 2010
In der Karower Straße in Buch wird am Eingang
zum Müllplatz der Frauenberatung „BerTa“ ein
Aufkleber der sogenannten Heimattreuen Bewegung* entdeckt, der die Aufschrift „Heimat
ist auch Frauensache“ trägt. Abgebildet ist eine
blonde weiße Frau mit einem weißen Kleinkind im
Arm.
Anlaufstelle: Frauenberatung „BerTa“- Albatros
e.V.
28. Januar 2010
Neben die Haustür der „Villa der Freundschaft“
am S-Bahnhof Wollankstraße wird in den Abendstunden zwischen 20:30 und 21:30 Uhr ein umgedrehtes Hakenkreuz geschmiert. Die „Villa der
Freundschaft“ ist ein Haus der Falken Berlin, in
dem Jugendliche und Kinder ihre Freizeit verbringen können.
Quelle: [`solid]
Ende Januar 2010
Eine engagierte Bürgerin, die sich für Vielfalt
und Demokratie und gegen Rechtsextremismus
im Bezirk einsetzt, findet in ihrem Briefkasten
eine Broschüre eines rechtskonservativen österreichischen Verlags. Dieser ist wegen seiner
rassistischen, antisemitischen, geschichtsrevi-

sionistischen und rechtsextremen Publikationen
umstritten. In keinem anderen Briefkasten aus
dem Haus findet sich eine entsprechende Werbung, weswegen die Betroffene von einer gezielten Aktion ausgeht.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
Februar 2010
Im Februar wird in den Briefkasten des Stadtteilzentrums Pankow ein handschriftliches Schriftstück mit einem kopierten Zeitungsartikel der
Süddeutschen Zeitung zum Thema Zwangsarbeiter eingeworfen. Darin vertritt der/die anonyme
Verfasser/in antiamerikanische Positionen und
geschichtsrevisionistische, antisemitische Lügen, wonach u.a. Zwangsarbeiter und in Konzentrationslagern internierte jüdische Menschen im
Gegensatz zu nicht-jüdischen, deutschen Kindern
ein luxuriöses Leben gehabt hätten.
Anlaufstelle: Stadtteilzentrum Pankow
02. Februar 2010
In der Mahlerstraße wird am Schild einer Supermarktkette ein mit Edding gemaltes Hakenkreuz
festgestellt. Die Beschäftigten des Supermarktes
werden darüber informiert.
Quelle: [`solid]
06./07. Februar 2010
In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar grölen
während der Fahrt von der Schönhauser Allee zum Rosenthaler Platz in der Tram M1 zwei
Männer ein rassistisches Lied, das zu Gewalt an
Schwarzen aufruft.
Quelle: EAG
10. Februar 2010
Gegen 6:40 Uhr alarmiert eine Mitarbeiterin einer
Wohngemeinschaft für Mädchen in Prenzlauer
Berg die Polizei. Unbekannte Täter haben unter
anderem den Boden der Einfahrt mit einem etwa
60 x 90 cm großen Hakenkreuz und den Worten
„Raus mit euch!“ sowie eine Hofwand mit zwei
Davidsternen besprüht. Darüber hinaus werden
im Wohnhaus mehrere sexistische Parolen an die
Wände geschmiert.
Quellen: Pressemeldung der Polizei, NEA

Pankower Register 2010 21
12. und 14. Februar 2010
An beiden Tagen trägt sich die sogenannte „Mädelgruppe der Vereinten Nationalisten Nord-Ost
(VNNO)“* ins Gästebuch auf der Homepage des tivolotte Mädchenclubs ein. Es ist derselbe monotone, rassistische Spruch, mit dem das Internetgästebuch der OASE Pankow mitunter belästigt
wird: „Weil es UNSER Pankow ist – Moschee zurückbauen!“ Es werden neonazistische Internetseiten als Kontakt angegeben (vom NW-Berlin*
und freie-kraefte.tk).
Anlaufstelle: tivolotte Mädchenclub
14. Februar 2010
Am S-Bahnhof Greifswalder Straße werden
abends 15 Aufkleber zweier neonazistischer Internetportale zur Mobilisierung für die neonazistische Demo am 1. Mai in Berlin und mit dem
Slogan „Todesstrafe für Kinderschänder – 0%
Rückfallquote“ entdeckt und entfernt.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quelle:
EAG
15. Februar 2010
Laut eigenen Angaben haben Neonazis eine Infoveranstaltung zu Horst Wessel* in einem „nationalen Jugendzentrum“* durchgeführt.
Quelle: Eigenmeldung auf einer rechtsextremen
Internetseite Berlin
16. Februar 2010
Die neonazistische Vereinte Nationalisten Nord
Ost (VNNO)* hinterlässt wieder ihren altbekannten Spruch gegen die Moschee (vgl. Pankower
Register 2008) im Internetgästebuch der OASE
Pankow im InterKULTURellen Haus Pankow. Dieser wird umgehend entfernt.
Anlaufstelle: OASE Pankow
17. Februar 2010
Ein Informationsaushang mit den verschiedenen
Arbeitsbereichen und zuständigen Mitarbeiter/
innen aus dem Standesamt, der sich im Fahrstuhl des Rathauses Pankow befindet, wird beschmiert. Der Name einer Mitarbeiterin, der auf
einen polnischen Ursprung verweist, ist durchgestrichen und darunter das Wort „Jude“ gesetzt.
Der Aushang wird ersetzt.
Quelle: Integrationsbeauftragte des Bezirks
Pankow

19. Februar 2010
Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands
(NPD) verteilt flächendeckend in den Straßen um
das Rathaus-Center in Briefkästen Parteipropaganda zur Bombardierung Dresdens.
Quelle: EAG
Mitte/ Ende Februar 2010
In Pankow erhalten sieben Einzelpersonen bzw.
Geschäftsstellen demokratischer Parteien und
Organisationen, die den Aufruf „13.02.2010 Dresden Nazifrei. Gemeinsam blockieren“ unterzeichnet hatten, Morddrohungen. Die nicht frankierten, weißen Briefumschläge werden direkt in die
Briefkästen der Betroffenen eingeworfen. Die
Drohbriefe enthalten ein Streichholz sowie den
Text: „Kommando 13. Feb. - ...dein leben, interessiert uns brennend...“ (Fehler im Original). Es
werden Strafanzeigen gestellt. Berlinweit werden
20 dieser Drohbriefe gemeldet.
Anlaufstellen: Die LINKE Pankow, Netzwerkstelle [moskito]; Quellen: Mobile Beratung gegen
Rechtsextremismus; Presse: JW (24.02.2010),
ND (10.03.2010), SZ (23.02.2010), taz (24.02.2010,
9.03.2010)
März 2010
Im gesamten Bezirk, insbesondere aber in Niederschönhausen und Alt-Pankow, tauchen vermehrt Aufkleber des Nationalen Widerstands
Berlin (NWB)* sowie der NPD auf. Die Aufkleber
richten sich gegen Moscheen und vertreten antimuslimischen Rassismus*. Auf anderen Aufklebern wird für den Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai
in Berlin mobilisiert.
Quellen: EAG, [`solid]
02. März 2010
Am Schild eines Supermarktes in der Mahlerstraße wird erneut (vgl. den Eintrag am 2.2.2010)
der Schriftzug „NS Jetzt“ festgestellt. Auf der
gegenüberliegenden Hauswand befindet sich ein
Schriftzug mit der Internetadresse einer neonazistischen Homepage.
Quellen: [`solid], NEA
04. März 2010
Eine Mitarbeiterin des Bezirksamts entdeckt an
den Häuserfassaden Bizetstraße 41 und an der
Kinderfreizeiteinrichtung FiPP-Nische in der
Mahlerstraße 4 - 6 neonazistische und rassis-

22 Pankower Register 2010
tische Parolen, verfassungsfeindliche Symbole
und Werbung für eine neonazistische Internetplattform. Sie stellt Strafanzeige bei der Polizei.
Die Schmierereien sind dort sowie an einem nahe
gelegenen Supermarkt nach Angaben der NEA
in der Nacht vom 1. auf den 2. März angebracht
worden.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quelle:
NEA
06. März 2010
Vor dem Rathaus-Center in Pankow verteilen ca.
acht Neonazis für mindestens anderthalb Stunden Flyer zur Mobilisierung für den Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin.
Quellen: [`solid], Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus
06. März 2010
Vor dem Mühlenbergcenter nahe des S-Bahnhofs
Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg führen
Neonazis einen Info-Stand zur Mobilisierung
für den Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin
durch.
Quelle: [`solid]
09./10. März 2010
In der Nacht vom 9. auf den 10. März werden die
Fensterscheiben des Buchladens „Schwarze Risse“ in der Kastanienallee im Prenzlauer Berg eingeworfen. Dieser Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Anschlägen und Drohungen insbesondere
in Kreuzberg und Neukölln während der letzten
Monate gegen Vereine, Parteien, Projekte sowie
Einzelpersonen, die sich gegen Neonazis positionieren.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quelle:
Pressemeldung des Buchladen Schwarze Risse,
EAG
12. März 2010
Auf dem Schaufenster des tivolotte Mädchenclubs wird ein selbstgemachter schwarz-weißer
Aufkleber der „Autonomen Nationalisten Pankow“ (ANP)* direkt über den Flyern und der Beschreibung des Pankower Registers angebracht.
Der Aufkleber trägt den Spruch „Antifaschistische Offensive - Suizid gegen Rechts“ und es ist
ein Galgenstrick abgebildet.
Anlaufstelle: tivolotte Mädchenclub

13. März 2010
Gegen 23 Uhr läuft eine Gruppe von vier alkoholisierten jungen weißen Männern die Danziger
Straße in Richtung Friedrichshain entlang und
ruft dabei Nazi-Parolen wie „Sieg Heil“. Als sie
über die Kreuzung Danziger Straße/Ecke Knip­
rodestraße hinaus sind, ruft ihnen ein junger
weißer Mann aus einer Straßenbahnhaltestelle
„Nazis raus“ hinterher. Die Gruppe der Neonazis
reagiert nicht.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
18. März 2010
In der Nacht werden zwei 26 und 35 Jahre alte
Schwule in einem Biergarten einer Diskothek an
der Sredzkistraße in Prenzlauer Berg homophob
von einem 22-jährigen Neonazi beleidigt. Vorher
gab es bereits Auseinandersetzungen zwischen
mehreren Homosexuellen und drei Neonazis.
Der Täter zeigt den Hitlergruß, gibt neonazistische Parolen von sich und spricht von „vergasen“.
Danach flieht er. Wenig später stellt die alarmierte Polizei den Täter in der Nähe des Clubs und
nimmt seine Personalien auf.
Quellen: Pressemeldung der Polizei; Presse: ND
(19.03.2010), TS (18.3.2010),
20. März 2010
Nach Angaben einer rechtsextremen Internetseite findet in Prenzlauer Berg eine Musikveranstaltung der NPD-Pankow statt. Bei dieser tritt der
NPD-Multifunktionär Jörg Hähnel auf.
Quelle: EAG
21. März 2010
In der Hauptstraße in Französisch Buchholz wird
ein Aufkleber mit der Aufschrift „Suizid gegen
rechts“ der sogenannten Autonomen Nationalisten Pankow (ANP) an eine Jugendeinrichtung
geklebt.
Anlaufstelle: KJFE Oktopus
24. März 2010
In Buch werden Flugblätter mit den Themen „Minarettverbot“ und „Wirtschaftskrise“ gesteckt.
Nach eigenen Angaben besuchten die an der
Verteilaktion beteiligten Personen danach einen
Friedhof in der Umgebung, um den Menschen zu
huldigen, die „durch die bestialische Rote Armee
ums Leben kamen“. Vorgeblich sollte damit den

Pankower Register 2010 23
„Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“ gedacht
werden. Laut Friedhofsamt ist keine Kranzniederlegung bekannt geworden.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quelle:
Eigenmeldung auf einer rechtsextremen Internetseite, [`solid]

Infostände zur Neonazi-Demonstration am 1. Mai
durch. Im Umfeld der Stände werden mehrere
hundert Aufkleber entdeckt, die größtenteils noch
am selben Tag wieder entfernt werden.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quelle:
EAG, [`solid]

28. März 2010
Aufkleber, die für eine neonazistische Demonstration am 1. Mai in Berlin mobilisieren, werden
breit gestreut in Pankow vorgefunden und entfernt. Darunter in der Berliner Straße, Neumannstraße, Mühlenstraße und Maximilianstraße.
Anlaufstelle: Stadtteilzentrum Pankow; Quelle:
EAG

04. April 2010
Am Schild einer Supermarktkette in der Mahlerstraße (vgl. 2.2.2010) wird der Schriftzug „NS
Jetzt“ festgestellt. Auf der gegenüberliegenden
Hauswand wird für eine rechtsextreme Internetseite geworben. Selbiges wurde allerdings
bereits durchgestrichen, was darauf hindeutet,
dass sich beide Schriftzüge bereits seit längerem
dort befinden.
Quelle: [`solid]

29. März 2010
Anwohner/innen eines Hauses in der Wichertstraße in Prenzlauer Berg entdecken einen gekritzelten Davidstern sowie Neonaziaufkleber im
Hausflur. Auf einem Sticker wird der 8. Mai umgedeutet, auf dem anderen heißt es nationalistisch
„Berlin muss deutsch bleiben“.
Quelle: EAG
April 2010
Nach Angaben einer rechtsextremen Internetseite findet im „nationalen Jugendzentrum“ in Pankow eine „Anti-Antifaschulung“ statt.
Quelle: EAG
Anfang April 2010
Es werden mehrere Sticker des Nationalen Widerstand (NW) Berlin*, der Jungen Nationaldemokraten (JN)*, der Freien Kräfte Teltow* und
weiterer Neonazigruppen in Karow-Nord und AltKarow verklebt.
Quelle: [`solid]
02. April 2010
In der Gäblerstraße und deren Umgebung in
Weißensee werden in den letzten Tagen täglich
massiv Aufkleber des NW-Berlin* zum 1. Mai und
Sticker der NPD verklebt.
Quelle: EAG
03. April 2010
Neonazis des NW Berlin* und der Pankower
Kreisverband 8 der NPD* führen vor der Moschee
in Heinersdorf und am Antonplatz in Weißensee

6. April 2010
Im Stadtteilzentrum Pankow in der Schönholzer
Straße wird an das Glas eines Schaukastens ein
Aufkleber geklebt, der dazu aufruft, sich am 1.
Mai 2010 an einer Neonazidemonstration zu beteiligen.
Anlaufstelle: Stadtteilzentrum Pankow
07. April 2010
Mehrere Neonazis ziehen laut Eigenaussage vom
Alexanderplatz durch Prenzlauer Berg und verteilen Flugblätter des NW-Berlin* zum 1. Mai in
Briefkästen.
Quelle: EAG
07. April 2010
In Niederschönhausen werden ca. 50 Aufkleber
des NW Berlin* zum 1. Mai gefunden und entfernt.
Am Pastor-Niemöller-Platz werden mehrere
Plakate zum selben Thema entfernt.
Quelle: EAG
08. April 2010
In der Prenzlauer Allee/Ecke Mollstraße (an den
Friedhöfen), werden Dutzende Kameradschaftssticker für den 1. Mai entdeckt und entfernt. Vereinzelt sind auch Anti-Moschee-Aufkleber der
Nationaldemokratischen Partei Deutschlands
(NPD) Pankow angebracht worden. Sie werden
ebenfalls restlos entfernt.
Quelle: EAG

24 Pankower Register 2010
Mitte April 2010
In den Briefkasten einer Jugendfreizeiteinrichtung in der Hauptstraße in Französisch Buchholz
wird ein Flugblatt eingeworfen. In dem Flugblatt
wird zu einer Solidaritätskundgebung für den
Rechtspopulisten Geert Wilders* aufgerufen,
die am 17. April 2010 vor der Niederländischen
Botschaft stattfinden soll. Weiterhin wird auf ein
Internetportal verwiesen, das sich offen gegen
Minderheitenrechte richtet. Dabei nimmt der Antiislamismus einen hohen Stellenwert ein.
Anlaufstelle: KJFE Oktopus
17. April 2010
Beim Mittelalterfest in der Schießanlage Schönholzer Heide nehmen mehr als ein Dutzend erkennbare Neonazis, darunter auch Aktivisten
der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)*, teil. T-Shirts und Aufnäher mit
Auf­drucken, wie „Combat 18“*, „Hasta la vista
Antifascista“ und „Deutschland ist größer als die
BRD“ wurden offen getragen.
Quelle: EAG
19. April 2010
An einem Mülleimer am Ossietzkyplatz wird ein
geschmiertes Hakenkreuz entdeckt.
In direkter Umgebung befinden sich etliche Aufkleber, die für die neonazistische Demonstration
am 1. Mai in Berlin werben.
Quelle: [`solid]
19. April 2010
In der Danziger Straße, ungefähr Höhe Prenzlauer Allee, werden mehrere Aufkleber der neonazistischen Internetplattform „NW Berlin“* entdeckt, die für den Kampf für einen „nationalen
Sozialismus“ werben.
Anlaufstelle: Die LINKE Pankow
20. April 2010
In der Rudi-Arndt-Straße und in der Cotheniusstraße in Prenzlauer Berg werden erneut Aufkleber des NW-Berlin* zum 1. Mai gesichtet und
beseitigt.
Quelle: EAG
23. April 2010
Laut eigenen Angaben haben Neonazis in einem
„nationalen Jugendzentrum“* eine Solidaritäts-

veranstaltung durchgeführt. Aus dem Erlös sollen größere Räumlichkeiten finanziert werden.
Bei der Veranstaltung hält Eckhart Bräuniger,
Mitglied der Nationaldemokratischen Partei
Deutschland (NPD) einen Vortrag, in dem es um
die napoleonischen „Befreiungskriege“ bis heute geht. Der aus dem Kameradschaftsspektrum
stammende Liedermacher „Raunijar“* tritt ebenfalls auf. Nach Angaben der NPD waren bis zu 70
Personen anwesend.
Quelle: Eigenmeldung auf der NPD-Internetseite
23. April 2010
In Heinersdorf (am Bahnhof und an Straßenbahnhaltestellen) werden erneut 20 Aufkleber der
Nationaldemokratischen Partei Deutschlands
(NPD)* und des Nationalen Widerstand (NW) Berlin* gefunden und entfernt.
Quelle: EAG
24./25. April 2010
Im Laufe des Wochenendes werden in Prenzlauer Berg am Kollwitzplatz mehrere Hakenkreuze
von Anwohner/innen entdeckt und gemeldet. An
der Eingangstür der Pankower Geschäftsstelle
der Partei DIE LINKE wird ein Aufkleber der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD)*
gegen Moscheen vorgefunden.
Quellen: [`solid]; Presse: ND (26.04.2010), TS
(26.04.2010)
24./25. April 2010
In Karow werden Aufkleber von der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), Freien
Kräften (u.a. Teltow-Fläming), vom Nationalen
Widerstand (NW) Berlin* und weiteren rechts­
extremen Gruppen verklebt.
Quelle: [`solid]
26. April 2010
In Heinersdorf werden Naziaufkleber zum 1. Mai
entdeckt und entfernt.
Quelle: EAG
27. April 2010
Eine Gruppe von etwa 20 Neonazis zieht am frühen Abend vom Antonplatz über die Greifswalder
Straße, Wichertstraße, Ostseestraße, Prenzlauer
Allee, Wisbyer Straße und Bornholmer Straße
zum dortigen S-Bahnhof und verklebt mehrere

Pankower Register 2010 25
hundert Aufkleber. Diese werden direkt im Anschluss entfernt.
Quelle: EAG
28. April 2010
Am späten Nachmittag und in den frühen Abendstunden hängt die Netzwerkstelle [moskito] zusammen mit Mitwirkenden der Initiative „Wir sind
Pankow: tolerant und weltoffen“ Plakate „Berlin
gegen Nazis“ entlang der Strecke, die voraussichtlich die Neonazis am 1. Mai laufen werden.
Neben viel positivem Zuspruch von Anwohnenden
und Passant/innen wird aus einer Gruppe von drei
jungen Männern „Sieg Heil“ und „Scheiß Zecken“
gerufen und der sogenannte „Hitlergruß“ gezeigt.
Eine andere Person, die Plakate aufhängt, wird
symbolisch mit der Hand von einem jungen Mann
im Vorbeigehen „erschossen“.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
Ende April/Anfang Mai 2010
An der Schönhauser Allee/Ecke Bornholmer
Straße sowie an der Greifswalder Straße/Ecke
Schieritzstraße werden Aufkleber einer neonazistischen Internetseite entdeckt, die für die
Neonazi-Demonstration am 1. Mai mobilisieren.
Anlaufstelle: Die LINKE Pankow
April/Mai 2010
Das dänische Künstlerduo „Surrend“ (bestehend
aus Jan Egesborg und Pia Bertelsen) startet eine
Plakataktion. Auf den Plakaten befindet sich unter der nazistischen Überschrift „Endlösung“ eine
Karte des Nahen Ostens ohne den Staat Israel,
dafür mit der Bezeichnung „Ramallah“ für das
neue Staatsgebiet auf israelischem Boden. Die
Plakate befinden sich laut Aussage des „Tagesspiegel“ an zahlreichen Hauswänden in Prenzlauer Berg, Mitte und Kreuzberg. Sowohl der
Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD)
als auch Vertreter Israels und der jüdischen Gemeinde Berlin kritisieren die Aktion scharf.
Presse: TS (04.05.2010)
01. Mai 2010
Etwa 650 Neonazis versammeln sich am S-Bahnhof Bornholmer Straße, um von dort aus durch
Prenzlauer Berg zu marschieren. Der Aufmarsch
wird durch Massenblockaden bereits nach rund
800 Metern kurz vor der Schönhauser Allee ge-

stoppt. Die Polizei beendet schließlich die Demonstration. Treffpunkt einiger Pankower Neonazis war der S- und U-Bhf Pankow.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quellen:
EAG; Presse: MoPo, taz, DW, Berliner, ND
02. Mai 2010
Eine Mitarbeiterin des tivolotte Mädchenclubs
entdeckt, dass die Scheibe ihres Schaukastens
zerstört wurde. Im Schaukasten hatten die Mädchen anlässlich der Demonstration von Neonazis zum 1. Mai ein selbstgemaltes Plakat gegen
die Nationaldemokratische Partei Deutschlands
(NPD) aufgehängt. Es wird Anzeige erstattet.
Anlaufstelle: tivolotte Mädchenclub
03. Mai 2010
In der Schönhauser Allee/Ecke Bornholmer Straße wird ein Aufkleber aus der rechtsextremen
Szene gefunden, der dazu aufruft, sich am 1. Mai
2010 an einer Neonazidemonstration zu beteiligen.
Anlaufstelle: Die LINKE Pankow
04./05. Mai 2010
Aktivisten der Kameradschaft „Freie Nationalisten Berlin-Mitte“* (FN Berlin-Mitte) hinterlassen
auf der Berliner Allee und im Komponistenviertel
in Weißensee Aufkleber. Es handelt sich hierbei
vorwiegend um Aufkleber von der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) mit dem
Spruch „Moscheen zurückbauen“. Weiter finden sich Neonazischmierereien wie „Sieg Heil“,
Hakenkreuze, „88“*, „NS JETZT“ sowie „C4 for
Reds“*, wobei jedes „S“ in der Form einer SigRune* dargestellt ist, sowie Werbung für die Internetseite der Kameradschaft FN Berlin-Mitte*.
Unter anderem ist erneut die Kindereinrichtung
FiPP-Nische in der Mahlerstraße 4 – 6 von der
rechtsextremen Propaganda betroffen. Zudem
werden einige Dutzend Plakate gegen die 8.-MaiFeiern anlässlich der Befreiung vom Nationalsozialismus entdeckt, unter anderem in der Nähe
des Jüdischen Friedhofs Weißensee.
Das soziokulturelle Kultur- und Bildungszentrum
KuBiZ Raoul Wallenberg sowie der dort ansässige
Jugendklub Bunte Kuh werden ebenfalls gezielt
mit Neonaziparolen besprüht. Hier finden sich
„Anti-Antifa“-Parolen, als auch Sprüche, die das
NS-Regime verherrlichen, sowie Werbung für die

26 Pankower Register 2010
Internetseite der FN Berlin-Mitte. Die Sprühereien werden auf dem Hof, im offenen Garten, am
Hauseingang und an der Theaterschautafel des
KuBiZ angebracht. Am 6. Mai veröffentlichen die
FN Berlin-Mitte einen Bericht über diese „Aktion“
auf ihrer Internetseite.
Anlaufstelle: Haus der Jugend - Bunte Kuh,
Quellen: NEA, Presse: taz (16.07.2010)

Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]; Quellen:
Integrationsbeauftragte des Bezirks Pankow,
Reach Out

6. Mai 2010
In der Bizetstraße und Mahlerstraße in Weißensee werden mehrere rechtsextreme Schmierereien und Aufkleber gefunden. Unter anderem
die Schriftzüge „Sieg Heil“, „88“*, „NS“, „C4 for
Reds“* sowie Hakenkreuze. Auffällig ist, dass jedes „S“ in den Schriftzügen in Form einer Sig-Rune* geschrieben ist. Die Neonazischmierereien
werden mit Antifa“-Schriftzügen überschrieben,
Quelle: EAG

23. Mai 2010
Gegen 4:45 Uhr wird ein 25-jähriger Mann beim
Verlassen des Geländes der Kulturbrauerei in der
Knaack-/Ecke Danziger Straße von zwei Männern
rassistisch beleidigt. Danach wird der junge Tunesier von ihnen verfolgt, von hinten attackiert
und geschlagen. Als sich der Angegriffene wehrt,
wird er in mit einer Holzlatte angegriffen und fällt
zu Boden. Dort wird er dann von sechs bis sieben
Männern getreten und geschlagen, auch mit einer riesigen Holzbohle. Nachdem offensichtlich
zur Gruppe der Täter gehörende Frauen Einhalt
gebieten, lassen die Täter vom Opfer ab. Als der
Angegriffene flüchtet, werfen ihm die Täter noch
Flaschen und einen Stein hinterher. Der Angegriffene alarmiert die Polizei und wird von einem
Rettungswagen zur ambulanten Behandlung in
eine Klinik gebracht. Die Täter entfernen sich
unerkannt. Laut Aussagen des Opfers in der BZ
haben einige Passanten den Angriff beobachtet,
ohne jedoch einzugreifen.
Presse: Berliner (25.05.2010), BK (25.05.2010),
BZ (24.05.2010, 01.06.2010), Sp.onl. (23.05.2010),
taz (24.05.2010, 02.06.2010), TS (23.05.2010)
Pressemeldungen der Polizei (23.05.2010,
01.06.2010, 02.06.2010)

11. Mai 2010
An ihrem Namensschild an der Türklingel entdeckt eine Bürgerin einen Aufkleber der neonazistischen VVNO*, der sich gegen den Kurt-LadeKlub wendet und gegen sogenannte „Asoziale“
und Linksradikale hetzt. Da sich weder an anderen Klingelschildern noch anderswo in der Gegend weitere Aufkleber befinden, stellt sich die
Frage, ob es sich um eine gezielte Aktion oder gar
Bedrohung handelt.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
11. Mai 2010
An einem Briefkasten in der Hauptstraße im Ortsteil Französisch Buchholz wird ein Aufkleber mit
der Aufschrift „Weil es unser Pankow ist … Moschee zurückbauen!“ gefunden.
Anlaufstelle: KJFE Oktopus
17. Mai 2010
Im Ortsteil Niederschönhausen wird ein Bewohner eines Hauses von einem anderen Mieter rassistisch beleidigt und massiv bedroht. Zuvor hatte
der Täter ein Baumstück in die Richtung der Kinder des Geschädigten geworfen. Als Mieter/innen
den Mann darauf ansprechen wollen, agiert der
sehr aggressiv. Er droht damit, Leute zu kennen,
die dafür sorgen würden, dass der Geschädigte
nichts mehr zu lachen habe. Die Polizei nimmt
eine Anzeige wegen Beleidigung auf.

19. Mai 2010
In Heinersdorf in der Galenusstraße werden
Briefkästen mit NPD-Zeitungen bestückt.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]

23. Mai 2010
Anlässlich des 10. Todestages von Dieter Eich findet eine antifaschistische Gedenkdemonstration
in Buch mit 350 bis 400 Teilnehmenden statt. Dieter Eich war als Sozialhilfeempfänger von Neonazis in seiner Wohnung aufgesucht und ermordet
worden. Neonazis werfen kurz nach Beginn der
Demonstration in der Franz-Schmidt-Straße Eier
auf die Demonstrierenden. Niemand wird getroffen. Nach dem Gedenken der Veranstaltung in der
Walter-Friedrich-Straße kommt es dort zu Pöbeleien seitens rechter Jugendlicher.
Quelle: NEA

Pankower Register 2010 27
27.Mai 2010
Ein Anwohner entdeckt, dass eine gläserne Gedenktafel in Prenzlauer Berg, die an die KZGeschichte des Wasserturms* während des
Nationalsozialismus erinnert, zerstört wurde.
Anscheinend wurde sie gleich mehrfach mit Steinen oder ähnlichem eingeworfen. Es wurde Anzeige erstattet.
Quelle: EAG
05. Juni 2010
Auf den Respect Gaymes akzeptiert die Jury des
Streetballturniers, bestehend aus drei Frauen,
wiederholt nicht die Selbstdefinitionen von Teilnehmenden bezogen auf ihre geschlechtliche und
sexuelle Identität. Die genannten Namen werden
nicht akzeptiert und die sexuelle Orientierung
abgesprochen. Es werden verletzende Fragen
gestellt. Später kommt es zu weiteren sexistischen und transphoben* Sprüchen von anderen
Spielern, gegen die die Beleidigten versuchen
vorzugehen. Die Gruppe wendet sich an die Organisator/innen, doch sie erhalten dort nicht die gewünschte Unterstützung (Ansprache der Gruppe,
die diskriminierende Äußerungen tätigte). Da sie
sich nicht ernstgenommen fühlen, sprechen sie
die Vorfälle mit der Jury nicht mehr an.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]

Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen
und Sachbeschädigung gegen Unbekannt.
Quellen: Pressemeldungen der Polizei
(09.06.2010), NEA
12. Juni 2010
Gegen 23:00 Uhr hören Besucher/Innen des
Strandbads Weißensee „Sieg Heil“ und „Deutschland hoch“-Rufe am Seeufer, Nähe Große Seestraße, die von mehren Stimmen (mindestens drei
bis vier) skandiert werden und sich anscheinend
auf das Strandbad zubewegen. Die Besucher/
Innen alarmieren die Polizei, die Rufe verstummen ungefähr zeitgleich. Auf dem Nachhauseweg
hören sie erneut die Naziparolen, diesmal an der
Berliner Allee.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
17./18. Juni 2010
Neonazis verkleben in Niederschönhausen Aufkleber mit dem Slogan „Nationaler Freiheitskampf“. Die Sticker waren bereits im Jahr 2009
massenhaft verklebt worden. Sie beziehen sich
auf den sogenannten Volksaufstand in der DDR
am 17.06.1953.
Quelle: [`solid]

07. Juni 2010
Laut Website der Freien Nationalisten (FN) Berlin-Mitte* sollen in Weißensee und Mitte „mehrere hundert Plakate“ angebracht worden sein.
Quelle: EAG

19. Juni 2010
Um den S- und U-Bahnhof Pankow werden Aufkleber der Jungen Nationaldemokraten (JN)*
gefunden, die sich mit dem 17. Juni 1953 in der
DDR befassen. Sie können problemlos entfernt
werden.
Quelle: EAG

08. Juni 2010
Laut Website der Freien Nationalisten (FN) Berlin-Mitte sollen in Berlin-Weißensee und Mitte
„mehr als 1000 Informationsblätter über die hohe
Kriminalitätsquote bei Jugendlichen verteilt“
worden sein.
Quelle: EAG

22. Juni 2010
An einer Aushängetafel im Eingangsbereich
des Stadtteilzentrums am Teutoburger Platz in
Prenzlauer Berg wird ein sechs Zentimeter großes Hakenkreuz eingeritzt. Es wird mit einem
Aufkleber des Pankower Registers überklebt.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]

09. Juni 2010
Gegen 10:00 Uhr meldet ein Unbekannter über
den Polizeinotruf, dass das Sowjetische Ehrenmal
in der Wiltbergstraße in Buch mit Hakenkreuzen
beschmiert ist. Polizeibeamte beauftragen das
Bezirksamt, die schwarze Farbe zu beseitigen,
und stelen Strafanzeigen wegen Verwendens von

23. Juni 2010
Ein Mann wird gegen 0:00 Uhr wenige Meter,
nachdem er das Kultur- und Bildungszentrum
Raoul Wallenberg (KubiZ) verlassen hat, von einer männlichen Person aggressiv angehalten und
gefragt, ob er aus dem Zentrum käme. Noch bevor er antworten kann, wird er mit großer Wucht

28 Pankower Register 2010
ins Gesicht geschlagen. Er fällt ohnmächtig zu
Boden. Als er wieder bei Bewusstsein ist, liegt er
auf der Straße und wird weiter von der Person bedroht. Diese fragt, ob er eine der „linken Zecken“
sei, droht ihm, ihn umzubringen, und warnt ihn
davor, zur Polizei zu gehen. Der Mann erstattet
Anzeige beim nächsten Polizeiabschnitt.
Anlaufstellen: Bunte Kuh, Netzwerkstelle [moskito] Quelle: ReachOut
23. Juni 2010
Während des Fußball-WM-Spiels Deutschland
– Ghana wird der deutsche Spieler Mesut Özil,
nachdem er das 1:0 für Deutschland geschossen
hat, von einer Gruppe deutscher Fußballfans in
Weißensee (Gürtelstraße/Puccinistraße) ausgebuht.
Quelle: [`solid]
20. – 23. Juni 2010
Zwischen dem 20. und 23. Juni tauchen rund um
den Ernst-Thälmann-Park erneut Schreiben der
neonazistischen Freien Nationalisten (FN) Berlin-Mitte* auf. Darin wenden sie sich an den Patriotismus der deutschen Fußballfans und werben
für ihre Kameradschaft und ihre Arbeit gegen Kapitalismus und „Volkstod“. In der Lilli-Hennochund der Ella-Kay-Straße werden die Briefkästen
und die offiziellen Aushänge der Wohnungsverwaltung (GEWOBAG PB) bestückt. Die Hausmeister entfernen die neonazistischen Schreiben aus
den Aushängen und eine Bürgerin informiert zusätzlich die Hausverwaltung.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
26./27. Juni 2010
In Weißensee, in der Mahlerstraße, verkleben
Neonazis Aufkleber mit dem Slogan „Alles für
Deutschland – nicht nur während der WM“ an Regenrinnen und Hauswänden. Die Aufkleber zeigen, wie Neonazis versuchen an den – durch die
Fußball-Weltmeisterschaft der Männer aufstrebenden – Patriotismus der Deutschen anzuknüpfen und darüber neue Leute anzuwerben. Des
Weiteren werden angebrachte „Antifa“-Schriftzüge, um die Neonazischmierereien vom 06. Mai
(siehe Chronik) zu überdecken, durch den Zusatz
„Anti“ erweitert.
Quelle: [`solid]

29. Juni 2010
An einem Schaukasten vor einer Jugendeinrichtung in der Hauptstraße im Ortsteil Französisch
Buchholz wird ein Aufkleber mit der Aufschrift
„Alles für Deutschland! … nicht nur zur WM!“ entdeckt. Er bewirbt weiterhin ein Internetportal der
rechtsextremen Szene Berlins.
Anlaufstelle: KJFE Oktopus
05. Juli 2010
Im Eingangsbereich des Schlossparks Niederschönhausen wurde an einer Trafostation ein Hakenkreuz entdeckt.
Quelle: Bezirksamt Pankow
07. Juli 2010
Gegen 23:30 Uhr zieht durch die Gaudystraße in
Prenzlauer Berg grölend eine Gruppe von fünf
Menschen. Ein dunkelhäutiger Jugendlicher fordert von einem Balkon die Gruppe auf, sich leiser
zu verhalten. Die Aufforderung wird mit einem
„Sieg Heil“-Ruf beantwortet.
Quelle: [`solid]
09./10. Juli 2010
Ca. zehn Mitglieder der Freien Nationalisten (FN)
Berlin-Mitte* ziehen in der Nacht vom 09. auf
den 10. Juli vom Antonplatz zum Weißen See und
verkleben unterwegs mehrere neonazistische
Aufkleber. Diese werden direkt von Antifaschist/
innen entfernt. Am Weißen See angekommen,
beleidigt die Gruppe einen schwarzen Menschen
rassistisch, der flüchtet. Von hier zieht die Gruppe
der Neonazis weiter zum Gelände des Kultur- und
Bildungszentrum (KuBiz), auf dem sich auch das
alternative Jugendzentrum Bunte Kuh befindet.
Vor Ort befindet sich bereits die Polizei, die den
Neonazis einen Platzverweis erteilt. Weiter stellt
die Polizei im Gepäck der Gruppe zahlreiche neonazistische Flyer, zwei Teleskopschlagstöcke,
zwei Teppichmesser, zwei Dosen Pfefferspray
und eine Farbspraydose sicher.
Anlaufstellen: Bunte Kuh, Netzwerkstelle [moskito]; Quellen: NEA; Presse: taz (16.07.2010)
16./ 17. Juli 2010
In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli (zwischen
23:00 und 24:00 Uhr) bemerkt ein Besucher eine
schwarz gekleidete Gruppe von drei Neonazis, die
über das Gelände des Kultur- und Bildungszent-

Pankower Register 2010 29
rums (KuBiz) schleicht und einen Schlagring und
Holzlatten mit sich führt. Durch sein energisches
Auftreten gelingt es dem Besucher, die Neonazis
zu vertreiben.
Anlaufstellen: Haus der Jugend - Bunte Kuh,
Netzwerkstelle [moskito]; Quelle: NEA
23./24. Juli 2010
Ein Neonazi sprüht im Komponistenviertel rechte Parolen und verklebt NPD-Aufkleber. An der
Smetanastraße/Bizetstraße wird der Schriftzug
„Sozial nur national“, zwischen der Smetanastraße und der Lindenallee wird an einem Hofeingang
der Slogan „Nationaler Widerstand“ entdeckt. In
der Herbert-Baum-Straße und der Mahlerstraße
werden die Parolen „Nationaler Kampf“ und „NS
Jetzt“ gesichtet.
Quelle: NEA
19. August 2010
Gegen 12:00 Uhr werden mehrere mit Edding
geschriebene neonazistische, rassistische und
antisemitische Parolen sowie verfassungsfeindliche Symbole am Springbrunnen vor der Filiale
von Kaisers am Antonplatz entdeckt. Dabei handelt es sich konkret um den Text „White Power“*
mit einem entsprechenden Faust-Symbol. Und
der andere Schriftzug lautet „Ost-Berlin SKINHEADS. Weissensee bleibt Deutsch genau wie
Lichtenberg!“. Dabei ist der Punkt des Ausrufezeichens als Hakenkreuz und die „ss“ in Weißensee in Form einer SS-Rune* dargestellt. Zudem
ist ein Keltenkreuz* mit dem Spruch „WHITE PRIDE WORLD WIDE“ abgebildet. Des weiteren sind
„Jude“ und ein durchgestrichener Davidstern
hingeschmiert. DIE LINKE Pankow erstattet Anzeige bei der Polizei.
Anlaufstelle: DIE LINKE Pankow; Quelle: Pressemeldung der Polizei (19.08.2010)
20. August 2010
Um die S-Bahnhöfe Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße werden Aufkleber mit rechtsextremen Inhalten entdeckt. Sie werden wenig später
entfernt, einige wurden durch engagierte Bürger/
innen schon vorher zerkratzt.
Quelle: EAG

20. August 2010
Auf Bänken auf dem Antonplatz, in der Nähe
der mittlerweile von der Polizei unkenntlich gemachten NS-Parolen vom Vortag, befinden sich
einige (schwarz-weiße) Aufkleber. Auf diesen
Aufklebern ist der Spruch „Jugend braucht Perspektiven“ mit Verweis auf eine neonazistische Internetseite zu lesen. Weiter klebt dort ein mehrfarbiger Aufkleber mit der Aufschrift „Kamerad
Wessel*, wir rächen Dich!“.
Anlaufstelle: DIE LINKE Pankow
26. August 2010
Im Ernst-Thälmann-Park am Thälmanndenkmal
sowie in der Straßenbahnunterführung am SBahnhof Greifswalder Straße werden neonazistische Schmierereien festgestellt. Unter anderem:
„C4 for reds“*, „NS Jetzt“, „Rotfront verrecke“,
„Antifa heißt Inzest“ und „Ein Kiez für Nazis“.
Quelle: [`solid]
26./27. August 2010
In der Nacht vom 26. auf den 27. August stellt die
Polizei an vier verschiedenen Örtlichkeiten aufgesprühte Symbole mit rechtsgerichtetem und
nationalsozialistischem Hintergrund an Hauswänden und Rolltoren in Weißensee fest. Auf der
Bizetstraße werden großflächig Gebäudewände
mit Parolen besprüht. Die zahlreichen Schriftsätze enthalten szenetypische Symbole und „rechte“ Szenecodes. Die Polizei nimmt die drei mutmaßlichen Verursacher der Schmierereien (eine
22-jährige Frau und ihre zwei 37- und 39-jährigen
Komplizen) gegen 1:45 Uhr nach kurzer Verfolgung in der Berliner Allee fest.
Quellen: Pressemeldung der Polizei (27.08.2010);
Presse: JW (30.08.2010), TS (27.08.2010)
27. August 2010
Im Eingangsbereich des Mühlenbergcenters in
Prenzlauer Berg werden morgens vom Verantwortlichen des Einkaufscenters antisemitische
und nationalsozialistische Schmierereien entdeckt und die Polizei alarmiert.
Quellen: Pressemeldung der Polizei (27.08.2010),
Presse: JW (30.08.2010)

30 Pankower Register 2010
27. August 2010
Eine Gruppe von zehn Personen bedroht drei
Menschen beim Verteilen von Flyern für die „Kein
Kiez für Nazis“-​Kundgebung in Weißensee am
28.08.2010 u.a. mit Teleskopschlagstöcken.
Quellen: [`solid], ReachOut
28. August 2010
Um 13:30 Uhr veranstaltet eine Gruppe von 10 bis
15 Neonazis aus dem Spektrum der Freien Nationalisten Berlin Mitte* auf der Berliner Allee eine
Spontandemonstration. Als sie drei Antifaschist/
innen entdecken, greifen sie diese an. Der Angriff
kann durch anwesende Polizist/innen abgewendet werden. Am gleichen Tag finden das Blumenfest und eine antifaschistische Demonstration in
Pankow statt.
Quellen: [`solid], ReachOut
Ende August 2010
Eine Frau hört in ihrem Wohnhaus in Niederschönhausen ein Telefonat des Nachbarn mit, bei
dem der Nachbar sie gegenüber dem Gesprächspartners mehrfach als „Judensau“ bezeichnet.
Anlaufstelle: Stadtteilzentrum Pankow
02. September 2010
Auf dem St.-Nikolai-Friedhof in der Prenzlauer Allee versammeln sich einige Mitglieder der
sogenannten Freien Nationalisten (FN) BerlinMitte*, um dem SA-Führer Horst Wessel* zu gedenken. Nach eigenen Angaben zünden sie eine
Kerze an, legen Blumen an das Grab und begehen eine Schweigeminute. Auf ihrer Internetseite
huldigen sie Horst Wessel und äußern ihr Unverständnis darüber, dass Horst Wessel in einem
normalen Grab auf dem Friedhof liegt und nicht
mehr Menschen seiner gedenken.
Quelle: EAG, [`solid]
3. September 2010
Am Antonplatz in Weißensee steigt gegen Mitternacht ein Mann aus der Tram. Am Platz stehen
verschiedene Jugendgruppen. Aus einer heraus
wird er zunächst belustigt gefragt, ob er Mann
oder Frau sei. Nachdem er auf die Frage mit „Was
bist Du denn?“ antwortet, wird er von einem jungen Mann aus der Gruppe mehrfach aggressiv
homophob beleidigt. Ihm wird außerdem Gewalt
angedroht. Erst nachdem er außer Sichtweite ist,

stellt der junge Mann seine Beleidigungen ein.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee
04. September 2010
Vor einem Lokal in der Milastraße wird eine Regenbogenfahne von Unbekannten heruntergerissen. Als ihnen der Wirt des Lokals folgt, beleidigen sie diesen homophob und flüchten.
Quelle: Pressemitteilung der Polizei (04.09.2010)
04. September 2010
In einer Kleingartenkolonie in Pankow feiert der
„Tanzkreis Spree-Athen e.V.“ sein Sommerfest.
Die Veranstaltung wurde durch Mitglieder der
NPD vorbereitet. Unter den ca. 40 Gästen der
Veranstaltung finden sich dementsprechend
NPD-Mitglieder und Neonazis aus anderen völkisch orientieren Strukturen wie beispielsweise
der bereits verbotenen Heimattreuen Deutschen
Jugend (HDJ)* und der Gemeinschaft deutscher
Frauen (GdF)*. Einige der Teilnehmer/innen drohten anwesenden Journalist/innen Gewalt an.
Quellen: Blick nach Rechts (bnr.de), EAG, Antifaschistisches Pressearchiv (Apabiz); Presse: BK
(08.09.2010)
07. September 2010
In die Scheibe der Eingangstür des Pankower
Rathauses wurde ein großer Davidstern geritzt.
Quellen: Bezirksamt Pankow, [`solid]
15. September 2010
Anwohner/innen der Falkenberger Straße richten
ein Protestschreiben an den Petitionsausschuss
der BVV Pankow. Sie fordern dazu auf, weniger
Asylbewerber/innen als geplant in die Häuser der
Nachbarschaft einzuquartieren. Ihr Argument
ist die Destabilisierung des sozialen Gefüges der
Falkenberger Straße. In dem Protestschreiben
wird weiterhin eine Unterschriftenliste für ihr Anliegen erwähnt, die in einem Lokal in der Falkenberger Straße ausliegt.
Quelle: Bezirksamt Pankow
15. September 2010
Ein junger Mann geht zu einer Wohnungsbesichtigung in der Roelckestraße. Während er auf die
Hausverwalterin wartet, wird in einer Wohnung
eine Party gefeiert. Der Bewohner der Wohnung
spricht ihn auf sein Äußeres an, aus dem er

Pankower Register 2010 31
schließt, der mögliche neue Bewohner wäre homosexuell. Er rät ihm daraufhin, nicht im Haus
einzuziehen, da die Nachbarn alle „rechtsradikal“
seien und die Hausgemeinschaft im Sommer gemeinsam grillen würde und rechtsextreme Musik
höre. Kurz nachdem er in seine Wohnung geht,
kommen weitere Gäste der Party in den Hausflur,
die durch ihren Kleidungsstil als rechtsextrem
bezeichnet werden können und raten dem Wohnungsinteressenten aufgrund seines Äußeren,
nicht einzuziehen.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee
15. September 2010
Laut eigenen Angaben verteilen Neonazis in
Pankower Briefkästen 4000 Flugblätter für ein
rechtsextremes Konzert, das am 18. September
2010 in Schöneweide stattfinden soll.
Quelle: Bezirksamt Pankow, [`solid]
22. September 2010
Im Bürgerpark an der Heinrich-Mann-Straße
in Niederschönhausen werden an das JuliusFučík* -Mahnmal ein Davidstern und ein Galgen
gesprüht. Das Mahnmal wurde zum wiederholten
Mal beschmiert.
Quelle: Pressemitteilung der Polizei, Bezirksamt
Pankow
08. Oktober 2010
In der Schönhauser Allee zwischen den U-Bahnhöfen Eberswalder Straße und Schönhauser Allee läuft ein Mann an einem älteren Herr vorbei,
der ihm im Vorbeigehen die Worte „Verpiss Dich
Du schwule Judensau“ hinterher ruft. Als der Betroffene den älteren Herrn daraufhin anspricht,
wiederholt dieser seine Beleidigung.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee
09. Oktober 2010
Laut eigenen Angaben hat die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)* in der Hauptstraße in Wilhelmsruh einen Infotisch durchgeführt und Materialien der Partei verteilt.
Quelle: Eigenmeldung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)
12. Oktober 2010
Unbekannte beschmieren am frühen Morgen
Stromverteilerkästen und Kleidercontainer in

Niederschönhausen mit rechtsextremen Parolen.
Quelle: EAG
12. Oktober 2010
An einem Parkscheinautomat in der Lychener
Straße wird ein Hakenkreuz festgestellt. Das Hakenkreuz wurde durch Polizeibeamte entfernt.
Quelle: Bezirksamt Pankow
12. Oktober 2010
Auf der Internetseite des Pankower Kreisverbands der Nationaldemokratischen Partei
Deutschlands (NPD)* wird die Verlegung von
mehreren Stolpersteinen in Pankow beklagt. Neben der Netzwerkstelle [moskito] wird auch ein
Mann mit vollem Namen genannt, der die Verlegung von vier Stolpersteinen in der Florastraße
veranlasst haben soll.
Quelle: Eigenmeldung der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD)
14. Oktober 2010
Auf dem Gehweg am Schlosspark, im Nahbereich
der Brücke am Schlosspark und an einem Stromverteilerhäuschen in der Kleingartenkolonie in
der Schlossstraße werden rechtsextreme Farbschmierereien durch die Polizei und Passant/innen festgestellt.
Quelle: Pressemitteilung der Polizei (14.10.2010)
22. Oktober 2010
Anlässlich des zweijährigen Bestehens der Moschee in Heinersdorf veranstaltet die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einen
Infotisch an der Autobahnauffahrt Prenzlauer
Promenade/Ecke Tiniusstraße. Dabei wird auch
ein Banner hochgehalten wird. Die Aktion sollte
sich gegen die Moschee richten.
Quelle: Ahmadiyya-Gemeinde
22. Oktober 2010
In der Bizetstraße und in der Liebermannstraße
in Weißensee werden ca. 20 Aufkleber der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD)
geklebt, auf denen „sozial geht nur national“ und
„Moschee zurückbauen“ steht.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee

32 Pankower Register 2010
23. Oktober 2010
Auf einem Spielplatz in der Parkstraße wird an einem Spielgerät ein eingeritztes Hakenkreuz entdeckt. Nachdem der Vorfall von der Polizei aufgenommen war, wurde das Hakenkreuz entfernt.
Quelle: Ordnungsamt Pankow
25. Oktober 2010
An einem Briefkasten in der Gartenstraße wird
ein Aufkleber entdeckt, der die Aufschrift „Israel tötet – und die Welt schaut zu“ trägt. Verfasser
sind die sogenannten Freien Nationalisten Dresden. In der Umgebung werden noch zwei weitere
Aufkleber der JN* gefunden, die sich gegen „Kinderschänder“ richten.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee
03. November 2010
An die Wand des Freibades in der Straße Am
Schlosspark werden ein Hakenkreuz und volksverhetzende Äußerungen wie „Juden raus“ geschmiert. Die Polizei veranlasst die Entfernung
und nimmt die Ermittlungen auf.
Quellen: Pressemeldung der Polizei (04.11.2010),
Bezirksamt Pankow
13. November 2010
In einer Schulturnhalle in der Meyerbeerstraße
in Weißensee treffen sich Mitglieder der rechtsextremen Gemeinschaft deutscher Frauen (GdF)*
mit ihren Kindern zum Turnen. Die Halle wurde
durch die Organisation wiederholt genutzt. Die
Schule distanziert sich ausdrücklich davon, an
der Vermietung der Turnhalle beteiligt zu sein.
Die Halle war durch einen eingetragenen Verein
bei der Bezirksverwaltung angemietet worden.
Quelle:www.blog.schattenbericht.de
10. Dezember 2010
Mitglieder der Nationalistischen Befreiungsfront* (ehemals Freie Nationalisten (FN) BerlinMitte*) geben auf ihrer Website an, in Weißensee
sowie in Prenzlauer Berg rund um den S-Bahnhof
Greifswalder Straße mindestens 1500 Flugblätter
verteilt zu haben. Die Flugblätter wenden sich gegen die Partei Bündnis 90/Die Grünen, die in dem
Schreiben als „volksfeindliche Partei“ bezeichnet
wird. Anlass waren hohe Umfragewerte der Grünen, die „auch auf die Medienpropaganda zurückzuführen“ seien.
Quelle: [`solid]

21. Dezember 2010
Die NPD verteilt Postwurfsendungen in der Ostseestraße in Pankow. In diesen wird erst gegen
den FDP-Chef Guido Westerwelle und seine
Hartz-IV-Politik Stellung bezogen. Und abschließend mit Worten wie „orientalische Sozialschnorrer“ rassistisch gegen „Masseneinwanderungen“
gehetzt.
Anlaufstelle: Netzwerkstelle [moskito]
25. Dezember 2010
Es werden rund um den Weißen See an Laternenpfählen Aufkleber von den Freien Nationalisten
aus Eberswalde entdeckt.
Anlaufstelle: Umsonstladen Weißensee

Abkürzungsverzeichnis zu den Quellen
Presse:
Berliner = Berliner Zeitung
BK = Berliner Kurier
BZ = B.Z.
DW = Die Welt
JW = Junge Welt
Mut = Mut gegen rechte Gewalt (Internetportal)
MoPo = Berliner Morgenpost
ND = Neues Deutschland
Sp.onl. = Spiegelonline
SZ = Süddeutsche Zeitung
taz = die tageszeitung
TS = Tagesspiegel
Zivilgesellschaftliche und
antifaschistische Gruppen:
AKP = A ntifa Klein Pankow
ASV = Antifaschistische Schüler_innen Vernetzung, Jugendantifa Pankow
EAG = Emanzipative Antifa Gruppe
[`solid] = Linksjugend [`solid] Pankow
NEA = North East Antifascists
VVN-BdA = Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Pankower Register 2010 33

GLOSSAR UND
BEGRIFFSKLÄRUNG
Allgemeines Glossar
Julius Fučík
Julius Fučík (*23.Februar 1903 in Prag) war ein
tschechischer Schriftsteller, Journalist und kommunistischer Kulturpolitiker. Seit dem Einmarsch
der NS-Truppen in die Tschechoslowakei im März
1939 engagierte Fučík sich im Widerstand. Im
April 1942 wurde er verhaftet, inhaftiert und gefoltert. 1943 wurde er in Plötzensee wegen Hochverrats von den Nazis ermordet.
People of color
People of color (singular: Person of color) ist eine
selbstgewählte Bezeichnung von Menschen, die
in einer Mehrheitsgesellschaft als nicht-weiß
gelten und sich wegen ethnischer Zuschreibungen („Sichtbarkeit“) alltäglichen, institutionellen
und anderen Formen des Rassismus ausgesetzt

fühlen. In dem Begriff spiegelt sich die gemeinsame Erfahrung von Menschen wider, die als
Minderheit diskriminiert werden. Entstanden ist
die Bezeichnung vor allem im anglo-amerikanischen Raum und wird von vielen Personen seit
den 1990er-Jahren gegenüber Begriffen bevorzugt, die durch ihre koloniale Geschichte geprägt
­w urden.
Wasserturm Prenzlauer Berg
Die SA nutzte im Frühjahr 1933 das zum Wasserturm gehörende Maschinenhaus als wildes
Konzentrationslager. Hier wurden Kommunisten,
Sozialisten, Juden und andere Personen ohne
Gerichtsurteil interniert und ermordet. An diese
Verbrechen erinnert seit 1981 eine Gedenkwand
auf dem Gelände des Wasserturms.

Glossar zu rechten Gruppen, Personen,
Codes und Symbolen
88 = HH
Zahlencodes und Abkürzungen sind eine bei
Rechtsextremen beliebte Verschlüsselungsmethode menschenverachtender und strafrechtlich
relevanter Begriffe und Inhalte. Zumeist (aber
nicht ausschließlich) stehen dabei die Zahlen für
die entsprechenden Buchstaben im Alphabet. Der
achte Buchstabe ist das H, 88 bedeutet folglich
HH und steht für „Heil Hitler“.
Diese Grußformel ist in der rechtsextremen Szene weit verbreitet und wurde bereits in den Nachkriegsjahren von Nationalsozialist/innen verwendet. Sie findet in Band- und Organisationsnamen,
als Schmierereien, Wunsch-Autokennzeichen
oder auch als Grußformel in Briefen und Internetforen Verwendung.

Anti-Antifa
Die Bemühungen rechtsextremer Gruppen, ein
Bedrohungspotenzial aufzubauen, indem politische Gegner/innen wie Antifaschist/innen,
zivilgesellschaftliche Akteure, Angehörige demokratischer Parteien, Gewerkschafter/innen,
aber auch Journalist/innen ausgespäht, deren
persönliche Daten veröffentlicht und diese zum
Teil auch tätlich angegriffen werden.
Autonome Nationalisten (AN)
Ist die Eigenbezeichnung einer Strömung innerhalb der rechtsextremen Szene von aktionistischen, gewaltbereiten jungen Frauen und Männern. Kennzeichnend ist, dass sie sich in Kleidung
und Auftreten an der linksautonomen Szene ori-

34 Pankower Register 2010
entieren. Es dominieren schwarze Sachen, Kapuzenpullover und Basecaps. Auch englische Slogans und Hardcore-Musik sind Stilmittel, derer
sich ANs bedienen.
Autonome Nationalisten Berlin (ANB)
Autonome Nationalisten Pankow (ANP)
Hierbei handelt es sich um zwei Labels, die von
unterschiedlichen rechtsextremen Zusammenhängen und von Einzelpersonen für ihre Aktionen,
häufig im Bereich der „Anti-Antifa-Arbeit“, oder
auch als Schmierereien auf Hauswänden u.ä, genutzt werden. Das Label „ANB“ wird dabei Berlinweit verwendet.
Siehe auch: p Autonome Nationalisten (AN)
Blood & Honor (B&H)
Blood & Honor (dt. Blut und Ehre) ist ein internationales Neonazi-Skinhead-Netzwerk, das in den
80er-Jahren in Großbritannien gegründet wurde.
Der Schwerpunkt von B&H ist die Durchführung
von Konzerten sowie die illegale Produktion und
der Vertrieb neonazistischer Musik. An das B&HNetzwerk sind zahlreiche Bands, Labels, Versände und Ladengeschäfte angebunden. Der deutsche Ableger von B&H wurde im September 2000
vom Bundesinnenminister verboten. Seitdem hat
es nach Angaben des Verfassungsschutzes nur
noch sieben Konzerte in Deutschland gegeben.
B&H vertritt die Ideologie von der globalen Dominanz der weißen Rasse und den Kampf für deren
Erhaltung. Der Name Blood & Honor knüpft bewusst an die Parole „Blut und Ehre“ der HitlerJugend an, die sich auch in der Begründung der
Nürnberger Rassegesetze findet.
Bürgerbewegung Pro Deutschland / Pro Berlin
2005 wurde die rechtspopulistische Partei Pro
Deutschland gegründet. In ihrer Propaganda
setzt sie insbesondere auf antimuslimischen
Rassismus. Die Partei schürt gezielt Ängste, indem sie vor einer „Islamisierung der deutschen
Gesellschaft“ warnt. Dieser Logik folgend fordern sie die Abschiebung von „kriminellen Ausländern“ und sprechen sich gegen den Bau von
Moscheen aus. In Pankow trat die Partei 2006 mit
ihrem regionalen Ableger Pro Berlin erstmals öffentlich in Erscheinung. Damals unterstützte der
Ableger die Bürgerinitiative gegen den Moscheebau der Ahmadiyya-Gemeinde. Seit 2008 trat Pro

Berlin in Pankow kaum noch in Erscheinung. Dies
änderte sich Ende 2010; seitdem versucht der
Pankower Ableger wieder verstärkt durch Propagandaaktivitäten für sich zu werben. Dabei hat
er die Wahlen 2011 klar im Fokus, in allen neun
Pankower Wahlkreisen will Pro Berlin antreten.
C4 for Reds
C4 ist eine Parole, bei der „C4“ für einen vom Militär verwendeten Plastiksprengstoff steht. „Reds“
bezeichnet politische Gegner, die den Linken im
Allgemeinen zugerechnet werden – Lokalpolitiker/innen, demokratisch Engagierte oder Menschen, die sich in antifaschistischen oder antirassistischen Gruppen organisieren. „C4 for Reds“
ist eine Morddrohung gegen alles Linke.
Combat 18
Combat 18 (C18) gilt als „bewaffneter Arm“ von
Blood & Honour. C18 ist ein internationales Neonazi-Netzwerk mit Schwerpunkten in England
und Skandinavien, besitzt aber auch Anhänger in
Deutschland. Als Symbol wird der SS-Totenkopf
verwendet.
Deutsch, Stolz, Treue
Die 1994 in Berlin gegründete neonazistische
Band „Deutsch, Stolz, Treue“ (auch: D.S.T.) hat
sich inzwischen in X.x.X. umbenannt. In ihren Texten verherrlicht sie den Nationalsozialismus und
leugnet die Shoa. Darüber hinaus befürwortet sie
den Mord an Jüdinnen und Juden, Migrant/innen
und Politiker/innen. Alle Veröffentlichungen der
Band sind auf dem Index und strafrechtlich relevant.
Die Freiheit
Die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit –
Partei für mehr Freiheit und Demokratie“ wurde
im September 2010 gegründet. Ihr Initiator, Motor
und Vorsitzender ist das ehemalige CDU-Mitglied
René Stadtkewitz. Die Partei verfügt über ein
umfangreiches Grundsatzprogramm, ihre zentralen Themen sind jedoch der Islam und Integration. Es wird von einer Bedrohung durch eine
wachsende „Parallelgesellschaft“ gewarnt und
sich dafür ausgesprochen, „kriminelle Ausländer“ abzuschieben. Die in Berlin verortete Partei
versucht sich nach außen von Rechtsextremen zu
distanzieren. Ist jedoch auf internationaler Ebene

Pankower Register 2010 35
mit rassistischen und rechtsextremen Parteien
aus Schweden, Österreich und Belgien vernetzt,
u.a. bestehen enge Kontakte zu dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders*.
Freie Nationalisten Berlin Mitte (FN Berlin Mitte)
Die zum Spektrum der Freien Kameradschaften*
zählende Gruppe gehörte in den Jahren 2009 und
2010 zu den aktivsten der Berliner Neonaziszene. Nach einer Hausdurchsuchung wegen einer
Sachbeschädigung im September löste sich die
Gruppe offiziell auf. Seit November 2010 ist sie
wieder im Internet präsent und veröffentlicht täglich Beiträge.
Freie Kameradschaft
Freie Kameradschaft ist die Selbstbezeichnung
für kleine aktive neonazistische Basisgruppen.
Diese stellen einen sehr dynamischen und aktionsorientierten Zusammenhang dar. Die Gruppen
agieren eigenständig und sind parteienabhängig,
wenngleich viele Gruppen mit der NPD eng verbunden sind. Sie sammeln sich auch unter den Eigenbezeichnungen „Freie Kräfte“ und „Nationaler
Widerstand“.
Freie Kräfte Teltow-Fläming (FKTF)
Die Freien Kräfte Teltow-Fläming (FKTF) sind ein
Zusammenschluss jugendlicher Neonazis aus
Teltow-Fläming. Seit Anfang 2005 agieren sie
unter diesem Namen. Die Gruppe zählt zu den
aktivsten, auch gewalttätig agierenden rechtsextremen Netzwerken in Brandenburg.
Geert Wilders
Geert Wilders ist Vorsitzender der niederländischen Partij voor de Vrijheid (Partei für die
Freiheit). Er gilt als Rechtspopulist und IslamGegner. Seine Partei wurde 2010 drittstärkste
politische Kraft in den Niederlanden. Im Oktober
2010 stimmten die niederländischen Christdemokraten auf einem Sonderparteitag der Zusammenarbeit mit Wilders Partei zu. Dadurch
hat diese erheblichen Einfluss auf die Politik der
Regierung gewonnen.
Gemeinschaft deutscher Frauen (GdF)
Die GdF ist die älteste Frauenorganisation der
extremen Rechten. Hervorgegangen ist sie aus
dem Skingirl Freundeskreis Deutschland, der

dem rechtsextremen Musiknetzwerk Blood &
Honour nahe stand. Aus Angst vor einem Verbot,
löste sich der Skingirl Freundeskreis auf. Ehemalige Mitglieder gründeten 2001 die Gemeinschaft
Deutscher Frauen, die organisatorisch eng mit
der verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend
verbunden waren.
HH
Siehe den Eintrag zu p „88“
Heimattreue Bewegung
Die Aufkleber mit dem Slogan „Heimattreue Bewegung“ stammen vom Aktionsbüro Rhein-Neckar. Beim Aktionsbüro Rhein-Neckar handelt es
sich um einen lokalen Vernetzungsansatz rechtsextremer Freier Kameradschaften aus der RheinNeckar Region. Die von diesem herausgegebene
Propagandaaufkleberreihe wendet sich gegen
Migrant/innen, Kapitalismus und Demokratie;
weiter werden hier ein völkischer Nationalismus
und Rassismus vertreten. Darüber hinaus wird
positiv auf den Nationalsozialismus Bezug genommen.
Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ)
Laut Antifaschistischem Pressearchiv war die
Heimattreue Deutsche Jugend e.V. eine extrem
rechte Organisation, die sich der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern widmete. Die HDJ führte
im wesentlichen Zeltlager, Fahrten, ›Heimabende‹ und andere Gemeinschaftsveranstaltungen
durch. Die Gruppen fielen durch einheitliche Kleidung auf.
Die HDJ war im gesamten Bundesgebiet aktiv.
Ihre Bundesgeschäftsführung war in Berlin ansässig. Häufig bestanden Doppelmitgliedschaften bei den Jungen Nationaldemokraten, der
Jungen Landsmannschaft Ostpreußen (JLO) e.V.
oder den Kameradschaften. Im März 2009 wurde
die HDJ verboten.
Horst Wessel
SA-Führer in den frühen 1930er Jahren in Berlin. Nach seiner Ermordung durch einen KPDAktivisten wurde er von der NSDAP zum Märtyrer stilisiert. Noch heute sehen rechtsextreme
Aktivist/innen in ihm ein Vorbild. Sein Grab in der
Prenzlauer Allee ist Anlaufpunkt für so genannte
„Heldengedenken“.

36 Pankower Register 2010
Institut für Staatspolitik (IfS)
Eine der „Neuen Rechten“ zuzuordnende Organisation. Das seit 2000 existierende Institut hat
Überschneidungen mit der Zeitung „Junge Freiheit“ und versucht, Rechtsextremismus mit Ideologie zu untermauern. Seit 2003 veröffentlicht
das IfS zweimonatlich die Zeitschrift „Sezession“.
Junge Nationaldemokraten (JN)
Die Jungen Nationaldemokraten (JN) sind die
offizielle Jugendorganisation der Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)*. Die JN
bekennt sich zum Parteiprogramm der NPD und
vertritt ebenso eine rechtsextreme Ideologie. Allerdings treten sie inhaltlich wie auch praktisch
wesentlich aggressiver auf. Die Verbindungen zur
gewalttätigen Neonaziszene sind bei der JN noch
offensichtlicher als bei der NPD. Gegründet wurde die JN 1969 und ist laut NPD-Satzung „inte­
graler Bestandteil“ der Partei. Die NPD verfügt
als einzige rechtsextreme Partei über eine relevante Jugendorganisation.
Keltenkreuz
In der rechtsextremen Szene ist das gleichschenklige Keltenkreuz weit verbreitet. Es steht
als Symbol für die „Vormachtstellung der weißen
Rasse“ und wird meist mit der White-Power-Bewegung der USA (s.a. White Power) in Verbindung
gebracht. In Deutschland ist die Verwendung des
gleichschenkligen Keltenkreuzes seit Oktober
2008 verboten.
Nationaldemokratische Partei Deutschlands
(NPD)
Die Nationaldemokratische Partei Deutschland (NPD) ist die älteste rechtsextreme Partei Deutschlands, sie wurde im November 1964
gegründet. Gegenwärtig ist sie zugleich die
modernste und erfolgreichste rechte Partei in
Deutschland. Sie vertritt einen völkischen Nationalismus sowie geschichtsrevisionistische, antisemitische, rassistische und homophobe Vorstellungen. Ihr Parteivorsitzender ist Holger Apfel.
Insgesamt verfügt die NPD über 9.000 Mitglieder
(Stand Januar 2011). Zum 1. Januar 2011 ging die
ebenfalls rechtsextreme Deutsche Volksunion
(DVU) in der NPD auf. Seitdem trägt die Partei den
Namenszusatz „Die Volksunion“.

Nationalistische Befreiungsfront Berlin (NBfB)
Die „Nationalistische Befreiungsfront Berlin“
(NBfB) ist aus den vermeintlich aufgelösten Freien Nationalisten Berlin-Mitte (FN-Mitte) hervorgegangen. Die Freie Kameradschaft* plant und
führt gewalttätige Aktionen durch. Es häufen sich
Anzeichen einer Annäherung an die Strukturen
des „Nationalen Widerstand Berlin“ (NW-Berlin).
Mehrere Berichte auf den jeweiligen Internetseiten legen dies nahe.
Nationaler Widerstand Berlin (NW Berlin)
Sammelbegriff für einen Großteil der jugendlichen parteiunabhängigen Rechtsextremist/innen
in Berlin. Geht auf eine Internetseite zurück, die
nach dem Verbot der Lichtenberger Kameradschaft „Tor“ ins Leben gerufen wurde, und die als
Portal für Beiträge aus verschiedenen Bezirken
dient. NW Berlin initiiert unregelmäßig Kampagnen und produziert dafür eigenständig Propaganda.
Nationales Jugendzentrum
Von Januar bis Juni 2010 gab es nach Aussagen
des Verfassungsschutzes einen Neonazi-Treffpunkt in Pankow. Dieser Treffpunkt wurde von
den rechtsextremen Gruppen als „Nationales
Jugendzentrum“ bezeichnet und heimlich in einem Ladenlokal betrieben. Die Adresse wurde
vom Verfassungsschutz aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht. Auf neonazistischen Internetseiten wurde von Schulungen, Vorträgen
und Feiern in einem nationalen Jugendzentrum in
Pankow berichtet. Warum das Objekt im Juni 2010
aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Der Verfassungsschutz beobachtet seit Juni die konkreten
Bemühungen der Autonomen Nationalisten (AN)*
in verschiedenen Bezirken Berlins, darunter auch
Pankow, vornehmlich kleinere bis mittlere Immobilien anzumieten, zu pachten oder sogar zu
kaufen, um dort dezentrale „Nationale Jugendzentren“ (wieder-)einzurichten.
Rudolf Heß
Rudolf Heß (26. April 1894 - 17. August 1987) war
der Stellvertreter und ein enger Vertrauter von
Adolf Hitler. Er flog 1941 nach England und wurde dort festgesetzt. Nach 1945 wurde er in den
Nürnberger Prozessen zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach seinem Selbstmord in Haft wurde

Pankower Register 2010 37
er zum Märtyrer der rechtsextremen Szene. Zu
seinem Todestag versuchen Rechtsextreme jährlich, bundesweit Demonstrationen und Aktionen
durchzuführen.
Runen
Runen sind altnordische/germanische Zeichen,
die teils Laut-, teils Symbolcharakter hatten.
Im Nationalsozialismus diente die Verwendung
von Runen der Konstruktion einer germanisch„arischen“ Traditionslinie. Dementsprechend
sind Runen heutzutage in der rechtsextremen
Szene weit verbreitet, zumeist ohne historischen
Bezug und mit völkischer Interpretation. Sie
finden in rechtsextremen Band- und Organisationslogos, als Tattoos und im Rahmen von Bedrohungen Anwendung. Z.T. sind Runen aufgrund
ihrer Verwendung in der NS-Zeit heute als verfassungsfeindliche Kennzeichen eingestuft und nach
§ 86a StGB strafbar.
Sig-Rune, doppelte Sig-Rune
Die Sig-Rune gilt als Symbol des Sieges und der
militärischen Macht. Die Sig-Rune wurde in der
völkischen Jugendbewegung und in den Freikorps nach dem Ersten Weltkrieg genutzt. Im
NS diente die einzelne Sig-Rune als Symbol des
sogenannten „Deutschen Jungvolkes“, das die
Betreuung zehn- bis sechzehn-Jähriger organisierte. Über das Verbot dieses Organisationsabzeichens hinaus erfüllt die einzelne Sig-Rune
dann den Straftatbestand nach § 86 a StGB, wenn
sie in einem Kontext steht, der nicht in offenkundiger und eindeutiger Weise die Gegnerschaft zu
Organisationen des NS und die Bekämpfung ihrer
Ideologie zum Ausdruck bringt.
Die doppelte Sig-Rune war das Abzeichen der
nationalsozialistischen Schutzstaffel (SS). Die SS
war für die Konzentrations- und Vernichtungslager zuständig und ihre „Eliteeinheit“, die WaffenSS, verübte zahlreiche Kriegsverbrechen an der
Front und in den besetzten Gebieten. Ihre Verwendung ist strafbar.
Die (doppelte) Sig-Rune ist in der rechtsextremen
Szene beliebt, wird aber mitunter aufgrund ihrer
Strafbarkeit in abgewandelter Form verwendet,
z.B. durch die Darstellung in Form eines Blitzes,
mit einem Pfeil nach unten. Häufig wird das „S“
rechtsextremer Bands oder Organisationen in
Form einer Sig-Rune dargestellt.

Vereinte Nationalisten Nord Ost (VVNO)
Kameradschaftsähnlicher Zusammenhang aus
Pankow. Es bestehen große personelle Überschneidungen mit dem Pankower Kreisverband
8 der NPD. Verantwortlich für Aufkleberkampagnen gegen interkulturelle Begegnungsstätten
und alternative Jugendklubs im Bezirk.
White Power
White Power (dt. Weiße Macht bzw. Weiße Vorherrschaft) ist ein oft verwendeter Schlüsselbegriff in der rechtsextremen Szene. Damit gemeint
ist der Wunsch nach der Übermacht der weißen
Menschen gegenüber allen Nicht-Weißen. Seinen Ursprung hat der Ausspruch White Power
und das dazugehörige Symbol der White-PowerFaust als Provokation des Knights of the Ku Klux
Klans (KKKK) gegenüber der Black Power Bewegung. Der KKKK ist ein rassistischer Geheimbund aus den Südstaaten der USA und kämpft bis
heute auch mit Gewalt gegen Afroamerikaner. In
Europa wurde der rassistische Slogan Anfang der
neunziger Jahre von dem britischen Neonazi Ian
Stuart aufgegriffen und verbreitet. Der Sänger
der Band „Skrewdriver“ und Gründer des neonazistischen Bandnetzwerk „Blood & Honour“ hatte
bis zu seinem Tod 1993 großen Einfluss auf die
neonazistische europäische Musikszene.
White Pride World Wide
Auch der Ausspruch White Pride World Wide (dt.
weltweiter weißer Stolz) kurz WPWW hat seinen
Ursprung beim KKKK. Häufig wird der Schriftzug
„White Pride Worldwide“ mit einem stilisierten
Keltenkreuz abgebildet.

Mehr Informationen zu rechten Codes und
Symbolen finden Sie unter:
www.dasversteckspiel.de

38 Pankower Register 2010

Zentrale Begrifflichkeiten im Kontext der Arbeit
Antimuslimischer Rassismus/Islamfeindlichkeit
Ähnlich wie beim Antisemitismus handelt es sich
auch beim antimuslimischen Rassismus nicht
um ein Phänomen der Moderne, sondern seine
Wurzeln sind in Europa bis zur Entstehung des
Christentums zurückzuverfolgen. Folglich waren
und sind Menschen islamischen Glaubens immer
wieder Opfer von Ausgrenzung, Diskriminierung
und Verfolgung.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September
2001 in den USA erfuhr der antimuslimische Rassismus erneut eine breite Akzeptanz. Dabei wird
auf alte Feindbilder zurückgegriffen, die bereits
im Mittelalter entstanden sind. Diese stereotype
Wahrnehmung verknüpft Islam mit Müßiggang,
zügelloser Leidenschaft, Machtgier, Besitzhunger und Gewalt. Und stand/steht damit im Gegensatz zu dem Selbstbild der christlichen Kultur. So
galt/gilt die islamische Kultur als eine einheitliche und feststehende Kultur »der Anderen«. Seit
Mitte des 20. Jahrhunderts sind fünf stereotype
Darstellungen kennzeichnend: die des reichen
Ölscheichs – von dem man abhängig ist; die des
Terroristen – der gewaltbereit ist; die des Fundamentalisten – der fanatisch ist; die des Migranten
– der ungebildet ist und zuletzt die der muslimischen Frau – die unterdrückt und ungebildet ist.
Nach den Anschlägen vom 11. September wurde ein neues Bedrohungsszenario geschaffen,
wonach die »zivilisierte westliche Welt« durch
»Schurkenstaaten« bzw. die »Achse des Bösen«
ernsthaft in Gefahr sei. Dies gipfelte in der Rede
von dem »Kampf der Kulturen«.
Antisemitismus
Unter Antisemitismus ist die pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums zu verstehen.
Seinen Ausdruck fand und findet Antisemitismus
in der Verleumdung, Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung und Vertreibung bis hin zu Versuchen der Vernichtung von jüdischen Menschen.
Und gipfelte im Nationalsozialismus in der Shoa*,
dem systematischen Ermorden von 6 Millionen
Jüdinnen und Juden. Dabei ist Antisemitismus
kein Phänomen der Moderne, sondern lässt sich

etwa 2500 Jahre zurückverfolgen. Antisemitismus ist ein Oberbegriff für unterschiedliche Erscheinungsformen von Feindschaft gegenüber
Jüdinnen und Juden: Die christliche Judenfeindschaft (1. Jhd.) entstand mit der Herausbildung
des Christentums. Die Judenfeindschaft aus
ökonomischen Motiven (14. Jhd.) erhält ihre Bedeutung im Frühkapitalismus und der Bedeutungszunahme von Geldhandel. Der Moderne
Antisemitismus (19 Jhd.) entwickelt sich im Zusammenhang mit grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen. Moderner Antisemitismus
ist ein Oberbegriff, der sich aus verschiedenen
Formen des Antisemitismus zusammensetzt.
Diese Formen sind der rassistische und völkischnationalistische Antisemitismus, der kapitalis­
tische und antikapitalistische Antisemitismus
und der verschwörungstheoretische Antisemitismus. Nach der Befreiung vom Nationalsozial­
ismus (1945) entstand der bis heute wirkende
Sekundäre Antisemitismus. Mit der Ausrufung
des Staates Israel kommt der israelfeindliche Antisemitismus auf.
* Shoa (wörtlich: »Zerstörung«, »große Katastrophe«) ist die hebräische Bezeichnung für den
systematischen Massenmord an etwa sechs
Millionen Jüdinnen und Juden und der jüdischstämmigen Bevölkerung Europas im Nationalsozialismus. Shoah wird synonym zu dem Begriff
Holocaust verwendet, der aus dem griechischen
kommt und „vollständig Verbranntes“, „Brandopfer“ bedeutet.
Diskriminierung
(Soziale) Diskriminierung bedeutet eine gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Individuen. Diese erfolgt anhand gruppenspezifischer Merkmale wie
Herkunft, Hautfarbe, Sprache, politischer oder
religiöser Überzeugungen, sexueller Orientierung, Geschlecht oder Behinderung. Grundlage
von Diskriminierung ist die Unterscheidung und
Bewertung einer Gruppe durch wichtige gesellschaftliche Kräfte. Von Diskriminierung betroffen sind damit Gruppen, die den bestimmenden
gesellschaftlichen Vorstellungen nicht entspre-

Pankower Register 2010 39

chen. In der deutschen Gesellschaft sind bis heute
Merkmale wie weiß, männlich, heterosexuell, gesund, leistungsfähig, christlich etc. bedeutungsvoll. Menschen, die von diesen Merkmalen abweichen, sind oft von Diskriminierung betroffen.
Um strukturelle Diskriminierung von gesellschaftlichen Gruppen handelt es sich dann, wenn
diese in der Struktur der Gesellschaft enthalten
ist. Dies ist beispielsweise in einer patriarchalen
Gesellschaft (männliche Herrschaftsform) der
Fall, die Frauen systematisch und strukturell aus
vielen Bereichen der Gesellschaft ausschließt.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit dient
als ein Oberbegriff der feindselige Einstellungen
gegenüber Menschen unterschiedlicher Herkunft
sowie mit verschiedenen Lebensstilen zusammenfasst. Der Begriff umfasst somit folgende
Elemente: Rassismus, Antisemitismus, Hetero­
sexismus, Islamfeindlichkeit, Abwertung von
Obdachlosen, Abwertung von Behinderten, Sex­
ismus, Etabliertenvorrechte und Abwertung von
Langzeitarbeitslosen. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit beschreibt somit die Ideologie
der Ungleichwertigkeit. Die Gleichwertigkeit und
Unversehrtheit von spezifischen Gruppen der Gesellschaft wird in Frage gestellt. Es handelt sich
hierbei um einen Diskriminierungskomplex, der
darauf verweist, dass verschiedene Einstellungen
oft gleichzeitig oder in Wechselwirkung auftreten.
Besonders ausgeprägt ist die gruppenbezogene
Menschenfeindlichkeit bei Neonazis. Diese sehen
sich selbst als »Herrenmenschen« an, sprich:
Menschen mit der höchsten Wertigkeit. Aus dieser Ideologie rechtfertigen sie im Extremfall auch
die Ermordung von angeblich »minderwertigen«
Menschen.
Homophobie / Heterosexismus / Transphobie
Homophobie bzw. Heterosexismus umfasst verschiedene Formen von sozialer Ausgrenzung
und Abwertung, verbale und körperliche Gewalt,
wirtschaftliche, rechtliche und soziale Diskriminierung sowie Ignoranz schwul-lesbischer­
L(i)eb­ens­weisen. Unter Transphobie wird die Dis-

kriminierung von Menschen verstanden, die ihr
Geschlecht geändert haben oder nicht eindeutig
in die Geschlechterzweiteilung Mann - Frau einzuordnen sind.
Insbesondere im Nationalsozialismus wurden
Schwule, Lesben und Trans* verfolgt und ca. 7500
Homosexuelle ermordet. Auch heute noch kommt
es zu Anfeindungen und Übergriffen gegen Menschen aufgrund ihrer Homosexualität. Noch bis
ins Jahr 1992 führte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität als Krankheit.
*Trans (Transgender ist ein Oberbegriff für Menschen, die sichtbar aus den klassischen sozialen
Geschlechtsrollen ausbrechen. Um Transsexualität handelt es sich, wenn ein Mensch körperlich eindeutig dem männlichen oder weiblichen
Geschlecht zugehört, sich jedoch selber als
Angehörige/r des anderen Geschlechts sieht und
versucht, sich auch körperlich dem gewünschten
Geschlecht anzugleichen.)
Rassismus
Rassismus beschreibt ein gesellschaftlich tief
verankertes System, das auf verschiedenen, klar
voneinander abgegrenzten Menschengruppen
beruht. Dafür werden willkürlich sichtbare und
unsichtbare, behauptete oder wirkliche biologische Merkmale herangezogen, z.B. Hautfarbe,
Kopfform, Blut etc. Den so voneinander abgegrenzten Menschengruppen (»Rassen«, Kulturen, Völker oder Ethnien) werden dann meistens
noch negative, biologische und/oder kulturelle
Eigenschaften zugeschrieben. Beispielsweise
wurden Afrikaner/innen im Kolonialismus und
werden zum Teil bis heute als wild, brutal, dumm
und emotional-kindisch beschrieben. Solche
geschaffenen Bilder werden dann als Rechtfertigung für einen unterschiedlichen Zugang zu
Ressourcen, Rechten und symbolisch-kultureller
Zugehörigkeit/ Teilhabe genutzt. Rassismus produziert Strukturen der Ungleichheit, verschleiert
sie als »natürlich« und stellt sie so als »gerecht«
dar. Ein Beispiel hierfür ist die überdurchschnittlich hohe Sonderschulquote der Kinder von Migrant/innen, die auf strukturell diskriminierende
Auslesemechanismen zurückzuführen ist.

40 Pankower Register 2010

Rechtsextremismus / Neofaschismus
Der Begriff Rechtsextremismus bezeichnet zum
einen ein politisch-organisatorisches Spektrum
von Parteien und Gruppierungen, zum anderen
steht er für eine politische Einstellung bzw. Orientierung. Rechtsextremismus ist ein Sammelbegriff, welcher verschiedene Ideologien umfasst,
die als rechtsgerichtet, undemokratisch und inhuman gelten. Der Kern eines rechts­extremen
Weltbildes umfasst u.a. die Vorstellungen von
einer natürlichen Ungleichheit der Menschen,
eines ethnisch homogenen Volkes, die Befürwortung von hierarchischen und diktatorischen
Verhältnissen und damit einhergehend die Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen, die nicht
in dieses Weltbild passen (z.B. Migrant/innen,
Homosexuelle, Juden und Jüdinnen, Behinderte,
Obdachlose) . Rechtsextremismus geht häufig mit
der Verharmlosung oder Rechtfertigung des Nationalsozialismus einher.

Rechtspopulismus
Rechtspopulist/innen vertreten autoritäre Politikkonzepte. Allerdings handelt es sich beim
Rechtspopulismus eher um eine politische Strategie, als um eine geschlossene Ideologie. Ziel
dieser Strategie ist es, autoritäre und rechte
Vorstellungen zu verbreiten. Kennzeichnend dafür sind inszenierte Tabubrüche, das Einfordern
radikaler Lösungen und der Hang zu Verschwörungstheorien.
Zentral für Rechtspopulismus ist, dass für Probleme des »einfachen Volkes« eine »korrupte
Elite« verantwortlich gemacht wird. Als Feind
können Regierungsapparate, Konzerne, Parteien oder Lobbyverbände dienen. Mit »Volk« ist
dabei implizit oder explizit eine ethnisch reine
Gemeinschaft gemeint. Entsprechend wird sich
auch strikt gegen andere ethnische oder religiöse Gruppen abgegrenzt. Charakteristisch
für den Rechtspopulismus der letzten Jahre ist
das ­offene Propagieren eines antimuslimischen
Rassismus, der sich z.B. in Protesten gegen Moscheebauten zeigt.
Bei Themen wie Abtreibung, Förderung von Ehe
und Familie oder auch der Bildungspolitik ähneln
ihre Positionen oft denen von Konservativen.

Pankower Register 2010 41

Die Anlaufstellen
in Pankow
Bei den Meldestellen des Pankower Registers können Sie von Ihren eigenen Beobachtungen rechts­
extremer Vorfälle berichten. Hier eine Auswahl aus verschiedenen Ortsteilen Pankows.
(Stand: Oktober 2010)

, Buch
Frauenberatung „BerTa“ - Albatros e.V.
Karower Str. 6, 13125 Berlin
Tel.: 030 – 941 141 56
E-mail: frauen.buch@albatrosev.de
Bildung und Integration e. V. - Soziale Projekte
Pankow. Integrationshilfe und Kinderhilfsprojekt Chance 2010
Röbellweg 2, 13125 Berlin
Tel.: 030 – 664 048 79
E-mail: sozialberatung-pankow@bint.de
http://www.bint-berlin.de

Nordberliner Werkgemeinschaft gGmbH
- Werkstatt für behinderte Menschen
Triftstr. 36, 13127 Berlin
Tel.: 030 – 474 794 0
E-mail: mail@nbw.de
http://www.nbw.de
    
, Heinersdorf
Arbeiterwohlfahrt Berlin Nordost e.V. - Seniorenbegegnungsstätte „Quasselstube“
Romain-Rolland-Straße 138, 13089 Berlin
Tel.: 030 – 473 021 12
E-Mail: buero@awo-nordost.eu

, Französisch Buchholz
Kieztreff in Französisch Buchholz – OASE
Pankow e.V.
Arnouxstraße 10, 13127 Berlin
Tel.: 030 – 551 033 16
E-mail: aussiedler@oase-pankow.de

, Karow
Stadtteilzentrum im Turm - Albatros e.V.
Busonistr. 136, 13125 Berlin
Tel. 030 – 943 800 97
E-mail: derturm@albatrosev.de

KJFE Oktopus
Parkstraße 12-14, 13127 Berlin
Tel.: 030 – 476 119 90
E-mail: info@oktopus-pankow.de
http://www.oktopus-pankow.de

, Niederschönhausen
FiPP-Schülerklub Pankow in der Grundschule
im Hasengrund
Charlottenstr.19, 13156 Berlin
Tel.: 030 – 474 029 44
E-mail: sc-hasengrund@fippev.de

Nachbarschaftszentrum. Amtshaus Buchholz Bürgerhaus e.V.
Berliner Straße 24, 13127 Berlin
Tel.: 030 – 475 847 2
E-mail: nachbarschaftszentrum@amtshausbuchholz.de
http://www.amtshaus-buchholz.de

, Prenzlauer Berg
Anti-Diskriminierungsbüro Berlin e.V.
Greifswalder Str.4, 10405 Berlin
Tel. 030 – 204 251 1
E-mail: adb_berlin@gmx.de
http://www.adb-berlin.org

42 Pankower Register 2010

Bündnis 90/Die Grünen
Kreisverband Pankow
Pappelallee 82, 10437 Berlin
Tel. 030 – 501 803 39
E-mail: Buero@gruene-pankow.de
http://www.gruene-pankow.de
DIE LINKE. Pankow
Kopenhagener Str. 76, 10437 Berlin
Tel. 030 – 440 177 80
E-mail: bezirk@die-linke-pankow.de
http://www.die-linke-pankow.de

Sonntags-Club e.V.
Greifenhagener Str. 28, 10437 Berlin
Tel. 030 – 449 759 0
E-mail: beratung@sonntags-club.de
http://www.sonntags-club.de
Theater Ramba-Zamba/ Sonnenuhr e.V.
Schönhauser Allee 36–39, 10435 Berlin
Tel. 030 – 440 490 44
E-mail: info@theater-rambazamba.org
http://www.theater-rambazamba.org

EWA e.V.-Frauenzentrum
Prenzlauer Allee 6, 10405 Berlin
Tel. 030 – 442 55 42
E-mail: ewa.ev@arcormail.de
http://www.ewa-frauenzentrum.de
NUR FÜR FRAUEN!

, Pankow
Jugendfreizeiteinrichtung Mühlenstr. 24
Mühlenstr. 24, 13187 Berlin
Tel. 030 – 484 798 45
E-mail: jfe.lagamue@googlemail.com
http://www.myspace.com/deinjugendklub

Kinder- und Jugendfreizeithaus DIMI
Danziger Straße 111, 10405 Berlin
Tel. 030 – 486 222 74
E-mail: dimi@pfefferwerk.de
http://www.kjfe-dimi.de

Frauenzentrum Paula Panke e.V. (NUR FÜR
FRAUEN)
Schulstr. 25, 13187 Berlin
Tel. 030 – 480 998 46
E-Mail: frauenzentrum@paula-panke.de
http://www.paula-panke.de

Kulturverein Prenzlauer Berg e.V.
Danziger Str. 50, 10435 Berlin
Tel. 030 – 446 777 30
E-mail: pressestelle@kvpb.de
http://www.kvpb.de
[moskito] Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus , für Demokratie und Vielfalt
Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin
Tel. 030 – 443 83 459
E-Mail: moskito@pfefferwerk.de
http://www.netzwerkstelle-moskito.de
Oase Pankow und Koordinierungsstelle gegen
Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus im InterKLUTURellen Haus Pankow
Schönfließer Straße 7, 10439 Berlin
Tel. 030 – 300 244 053
E-mail: gegenrechts@oase-berlin.org
http://www.oase-berlin.org

SPD Kreis Berlin NordOst (Pankow, Prenzlauer
Berg, Weißensee)
Berliner Straße 30, 13189 Berlin
Tel. 030 – 962 09 660
E-Mail: pankower-register@spd-berlin-nordost.
de
http://www.spd-berlin-nordost.de
Stadtteilzentum Pankow
Schönholzer Strasse 10, 13187 Berlin
Tel. 030 – 499 870 900
E-mail: info@stz-pankow.de
http://www.stz-pankow.de
tivolotte Mädchenclub - Kinder lernen Leben
gGmbH
Berliner Str. 27/28, 13189 Berlin
Tel. 030 – 449 602 6
E-Mail: kontakt@tivolotte.de
http://www.tivolotte.de
NUR FÜR MÄDCHEN/FRAUEN

Pankower Register 2010 43

, WeiSSensee
Beschäftigungswerk – Arbeit für Berlin GmbH
Bizetstr. 51-55, 13088 Berlin,
Tel. 030 – 924 005 – 0
E-mail: info@beschaeftigungswerk.de
http://www.beschaeftigungswerk.de
Frei-Zeit-Haus e.V.
Pistoriusstr. 23, 13086 Berlin
Tel. 030 – 927 994 63
E-mail: info@frei-zeit-haus.de
http://www.frei-zeit-haus.de
Haus der Jugend-Bunte Kuh e.V.
Bernkasteler Straße 78, 13088 Berlin
Tel. 030 – 927 438 5
E-mail: Buntekuh@t-online.de
http://www.buntekuhverein.de
Umsonstladen Weißensee im KuBiZ
Bernkasteler Straße 78, 13088 Berlin
Bitte zuerst per E-mail Kontakt aufnehmen.
E-mail: umsonstladen@kubiz-wallenberg.de
http://www.kubiz-wallenberg.de
, Wilhelmsruh
Mehrgenerationenhaus Pankow – c/o Pankower
Früchtchen gGmbH
Schillerstr. 49, 13158 Berlin
Tel.: 030 – 470 369 12
E-mail: mehrgenerationenhaus@pankowerfruechtchen.de
http://www.pankower-fruechtchen.de
, Stadtteilsiedlung Malchow, Blankenburg, Rosenthal, Blankenfelde
Hier gibt es derzeit noch keine Anlaufstellen des
Pankower Registers.
Falls Sie interessierte Organisationen, Vereine,
Einrichtungen o.ä. kennen bzw. selber sind, freut
sich die Netzwerkstelle [moskito] über Kontaktaufnahme bzw. die Vermittlung eines Kontaktes.
(Weitere) Anlaufstellen sind in allen Ortsteilen
Pankows gewünscht!
        
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