Abgeordnetenhaus von Berlin - 8. Wahlperiode
38. Sitzung vom 23. Oktober 1980
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SenDir Koch
(A) ich gesagt habe: Die Überschrift sollte dazu dienen, Leute, die die
Zeitung lesen und nicht so sehr mit der Materie vertraut sind,
insbesondere auf den wesentlichen Inhalt der Ausführungsvor
schriften über Hausaufgaben hinzuweisen, nämlich daß Hausauf
gaben nicht als Strafe und nicht als Mittel zur Disziplinierung von
Schülern eingesetzt werden sollten.
Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Ulzen!
Ulzen (CDU): Herr Senatsdirektor, halten Sie es nicht für
möglich, daß durch diese irreführende Überschrift der Gedanke
der Hausaufgaben pädagogisch genau ins Gegenteil verkehrt
wird?
[Sehr richtig! bei der CDU]
Präsident Lorenz: Herr Senatsdirektor Koch!
Frau Wiechatzek (CDU): Herr Senatsdirektor, sind Ihnen oder ((
der Redaktion denn konkrete Fälle bekannt, daß Hausaufgaben
als Strafe benutzt wurden, so daß die Überschrift „Hausaufgaben
- als Strafe nicht zulässig“ überhaupt berechtigt war, gerade
auch unter dem Gesichtspunkt, daß diese Zeitung von Lehrern,
Eltern, aber auch Schülern gelesen wird?
Präsident Lorenz: Herr Senatsdirektor Koch!
Koch, Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Schul
wesen: Frau Abgeordnete Wiechatzek, ich verstehe, daß Sie als
Lehrerin sich persönlich angesprochen fühlen. Ich kann nur noch
einmal darauf hinweisen, daß nach Auskunft der Redaktion - ins
besondere beweisen das auch Briefe von Eltern - diese Vor
schrift nicht bei allen Eltern des Landes Berlin bekannt gewesen
ist.
Koch, Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Schul
wesen: Ich habe, Herr Abgeordneter Ulzen, darauf hingewiesen,
daß Lehrer ihre Pflichten - davon bin ich überzeugt - kennen und
wissen, daß Hausaufgaben nicht zu dem Zweck eingesetzt
werden sollen, den ich mehrmals betont habe. Insofern kann ich
Ihr Anfrage im Hinblick auf das, was ich vorher ausgeführt habe,
welchen Zweck Überschriften haben, im Augenblick nicht anders
beantworten,
Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Landowsky!
Landowsky (CDU): Herr Senatsdirektor, nachdem Sie uns so
befriedigend und erschöpfend geantwortet haben, können Sie
uns auch für die Zukunft versprechen, daß in derartig schwierigen
Fällen wie in der Vergangenheit Sie die Verantwortung vor dem
Parlament selber wahrnehmen und den Schulsenator zu Hause
lassen werden?
i
Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Kollat!
Kollat (SPD): Herr Senatsdirektor, ist der Redaktion der Zei
tung „die schule“ zureichend bekannt, daß an der Berliner Schule
seit Jahrzehnten das Stellen von Hausaufgaben als Strafarbeiten
eindeutig unzulässig ist?
Präsident Lorenz: Herr Senafsdirektor Koch!
Koch, Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Schul
wesen: Herr Abgeordneter Kollat, ich habe der Redaktion diese
Frage gestellt und habe den Eindruck, daß dieses bekannt war
und aus den vorhin von mir angeführten Gründen die Überschrift
gewählt wurde.
Präsident Lorenz: Herr Abgeordneter Städing!
Städing (SPD): Herr Senatsdirektor, wie schätzen Sie den
Wert von Rechtsverordnungen und speziell der hier in Rede
stehenden Rechtsverordnung ein, wenn sie erfahrungsgemäß
- und das kann belegt werden - tagtäglich vielhundertfach
durchbrochen wird?
Präsident Lorenz; Herr Senatsdirektor Koch!
Koch, Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Schul
wesen: Herr Abgeordneter Städing, ich habe die Frage akustisch
vielleicht nicht ganz verstanden; ich versuche trotzdem zu antwor
ten.
[Heiterkeit]
Herr Abgeordneter Städing, ich mache noch einmal darauf auf
merksam, daß auch Rechtsvorschriften oder Ausführungs
vorschriften, wenn sie journalistisch aufbereitet werden und von
einem breiten Leserkreis angenommen werden sollen, manchmal
- und dafür ist die Zeitungswelt dieser Stadt auch ein Beispiel -
in Überschriften verkürzt dargestellt werden, und das muß nach
meiner Meinung auch der Redaktion dieses Nachrichtenblattes
zugestanden werden.
Präsident Lorenz; Frau Abgeordnete Wiechatzek!
[Heiterkeit und Beifall]
Präsident Lorenz: Herr Senatsdirektor Koch!
Koch, Senatsdirektor in der Senatsverwaltung für Schul
wesen; Herr Abgeordneter, das kann ich Ihnen nicht versprechen,
da ich weisungsabhängiger Beamter bin.
[Heiterkeit und Beifall]
Präsident Lorenz: Keine weiteren Zusatzfragen? - Damit ist
die Fragestunde beendet. Die nicht aufgerufenen Fragen werden
schriftlich beantwortet.
Wir kommen nun zu
lfd. Nr.2:
Erklärung des Regierenden Bürgermeisters
Dazu haben die Fraktionen der CDU, der SPD und der F.D.P.
einen Antrag auf Annahme einer Entschließung über Verurteilung
des von der Regierung der DDR angehobenen Mindestumtau
sches eingebracht, der folgenden Wortlaut hat;
Das Abgeordnetenhaus von Berlin verurteilt auf das
schärfste die Anhebung des Mindestumtausches durch die
Regierung der DDR sowie die Ausweitung des davon betrof
fenen Personenkreises. Die Regierung der DDR mißachtet
damit das elementare Interesse der Menschen im geteilten
Deutschland, sich zu treffen und miteinander zu reden. Die
Regierung der DDR verletzt durch diese Maßnahme binden
de Vereinbarungen. Die Gleichsetzung der Gebühren für
Berlin (Ost) und die DDR berührt das Viermächte-Abkommen
über Berlin. Die Regierung der DDR trägt deshalb die Verant
wortung für diese ernste Gefährdung der Politik der Entspan
nung.
Die von der Regierung der DDR genannte finanzielle Begrün
dung ist unwahrhaftig. Die drastische Anhebung des Min
destumtausches erschwert den Reise- und Besucherver
kehr, so daß einboher Rückgang der Besucherzahlen eintritt.
Offensichtlich will die Regierung der DDR diese Konsequenz
herbeiführen. Sie ergänzt damit ihr menschenverachtendes