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Full text: "Wir mischen uns ein!" / Peretz, Nina

„Wir mischen uns ein!“
Die Arbeit der Fachgruppe Ältere Menschen
beim Paritätischen Berlin

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„Wir mischen uns ein!“ Die Arbeit der Fachgruppe Ältere Menschen beim Paritätischen Berlin.

Inhalt

	

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		 Vorworte
		 Prof. Barbara John
		 Peter Stawenow
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Alternde Menschen
sind wie Museen:
Nicht auf die Fassade
kommt es an, sondern
auf die Schätze
im Innern.“
	

Jeanne Moreau

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	Politische Partizipation
Seniorenpolitik – für ein generationsübergreifendes,
solidarisches Miteinander
Für mehr Teilhabe älterer Menschen in Kreuzberg
	Gleichstellung im Alter
Gleichstellung im Alter für hörgeschädigte Menschen
	Bürgerschaftliches Engagement
älterer Menschen stärken
Der Mehrwert des Ehrenamts
„Es gibt endlich ein politisches Interesse
an bürgerschaftlichem Engagement“
	Wohnen im Alter
Trotz Einschränkung im eigenen Zuhause bleiben
Von der Haushaltsfee bis zur Antragsberatung
Wohnen mit Service
Wohnungsanpassung – länger zuhause leben
Qualitätssicherung für Pflege-Wohngemeinschaften
Generationsübergreifendes Wohnen in Gemeinschaft
	Verkehr und Mobilität im Alter
Ehrenamtlich Freude und Nähe schenken
Weniger Barrieren im Graefe-Kiez
Zuhause wohnen und am Leben teilhaben
	Verbraucherschutz für ältere Menschen
Gut vorbereitet für den Fall der Fälle
Selbstbestimmung auch bei Betreuungsbedarf
Hilfe zur Selbsthilfe – damals wie heute

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	Verhinderung von Altersdiskriminierung
Was tun bei Benachteiligung wegen Alters oder
Behinderung?
	Ältere Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und
intergeschlechtliche Menschen (LSBTI)
Queeres Leben und Lieben im Alter
Gemeinschaft, Kultur und Pflege im Alter
Ein schwules Mehrgenerationenhaus
	Lebenslanges Lernen
22 Jahre erfolgreiche Arbeit mit Erfahrungswissen
Fitmachen für die digitale Welt

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10 	Alternsgerechte Arbeit

Die Arbeitgeber müssen sich mehr an den
­Bedürfnissen älterer Menschen orientieren

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11 	Teilhabe an Kultur in der Stadt

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12 	Sport und Bewegung älterer Menschen

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Vergissmeinnicht
Donnerstags wird gerockt
und am Freitag gesungen

Wer sich und andere bewegt, der lebt länger
Bewegung und Sport für alle
ist unser oberstes Ziel
Rheuma braucht Bewegung
Spaziergangsgruppen in Kreuzberg
13 	Ältere Migrantinnen und Migranten

Marzahn-Hellersdorf – Lebensmittelpunkt
für ältere Migrantinnen und Migranten
Interkulturelle ­Ö ffnung in Altenpflegeeinrichtungen und ­Krankenhäusern –
Notwendige Schritte dorthin
Bunt und kreativ – Plädoyer für mehr
interkulturelle Spiel-Räume

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14 	Die Gesundheit älter werdender Menschen

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15 	Pflege im Alter

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Die Alzheimer Angehörigen-Initiative
Bewegung ist das A und O
Generationenbad der Deutschen Rheuma-Liga –
ein Bauvorhaben wird Realität

Selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben
und gepflegt werden
Unterm Dach der Gräfin
Aktiv die Pflegepolitik in Berlin gestalten

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16 	Hospiz- und Palliativangebote

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17 	Altersarmut / Verbesserung gesellschaftlicher

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Teilhabechancen in Berlin
Altersarmut – keine zeitweilige Erscheinung
Anteilnahme am Leben und Rückzug in die eigenen vier Wände

Bis zuletzt ein würdiges Leben ermöglichen
Sterben zuhause ermöglichen

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		Vielfalt, Mitwirken und Einmischen
der Fachgruppe Ältere Menschen
Dr. Oliver Zobel: Ein- und Ausblick

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		 Adressen
		 Impressum

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Vorworte
Prof. Barbara John
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Liebe Leserinnen und Leser, „Jeder will es werden, aber keiner will es
sein“. Viele von Ihnen kennen diese kleine Rätselfrage aus Ihrer Kindheit. Damals lautete die stereotype
Antwort: „alt“. Das ist heute aus meiner Sicht anders.
Denn alt sein und alt werden ist längst kein zu beklagender Dauerzustand mehr. Vielen Älteren über 65
sind oft noch Jahrzehnte guter und mobiler Lebensqualität gegeben. Zahlreiche Studien beweisen, dass
ein aktives Altern gesund ist und gesund erhält. Wer
sich darunter Kreuzfahrten über die Weltmeere vorstellt, liegt allerdings falsch. Wer aber an tägliche
Bewegung, ehrenamtliche und auch bezahlte Arbeit
denkt, trifft schon eher den Nagel auf den Kopf. Doch
die Politik behandelt Ältere beruflich noch so, wie es
vor 80 Jahren üblich war, nämlich sie zwangsweise
in den Ruhestand versetzen, selbst wenn sie freiwillig weitermachen wollen. Langsam gibt es aber ein
Umdenken, auch weil es an Menschen mit Erfahrung
fehlt. An anderer Stelle gibt es noch gewaltige Hinternisse. Gerade wer – mit oder ohne regelmäßige Tätigkeit  –  ganz selbstverständlich gleichberechtigt am
gesellschaftlichen Leben teilhaben will, braucht eine
„Altersmöblierung“ in der Stadt. Diese fehlt jedoch…
Dazu ein paar Beobachtungen: Wo sollen ältere
Menschen sich eigentlich hinsetzen und ausruhen
können, ohne gleich etwas verzehren zu müssen? Bei
zu kurzen Grünphasen einer Ampel müssen Ältere
spurten – warum eigentlich?
Und wo befindet sich in der Nähe die nächste öffentliche Toilette? Warum sind die preiswerten
Produkte in den Regalen im Supermarkt immer ganz
unten, wo sich ältere Menschen so schwer bücken
können? Warum gibt es, wie es in den Wohnungsbaugesellschaften Mieterbeiräte gibt, in den größeren
Einkaufszentren keine Kundenbeiräte, die Einfluss auf
das Sortiment und seine Präsentation nehmen können? Sie sehen, es gibt noch viel zu tun, wenn wir das
Leben für Ältere lebenswerter gestalten wollen.
Gleichzeitig sind die Altersgruppen der Seniorinnen und Senioren heterogener und ihre Bedürfnisse
sind vielfältiger geworden. Da sind zum einen die älteren Menschen, die eigentlich noch aktiv sein möchten – aber den Anforderungen der modernen Arbeitswelt nicht mehr gewachsen sind. Für sie gibt es zu

wenig flexible Möglichkeiten, sich weiterzubilden und
ihre Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt
einzubringen. Ehrenamtliche Tätigkeiten, zum Beispiel
im Verein oder in der Stadtteilarbeit, sind für viele eine
sinnvolle Option.
Dann gibt es die Gruppe der über 65- bis 67-Jährigen, die ein auch körperlich anstrengendes Berufsleben beendet haben und jetzt Zeit haben, ihre Interessen und Hobbys auszuleben. In Berlin haben aber
auch 31 551 Menschen über diesen Zeitraum hinaus
eine bezahlte Tätigkeit. Weil sie zu ihrer Rente etwas
hinzuverdienen müssen – oder auch, weil sie wissen,
dass ihre Professionalität noch gebraucht wird. Wir
sprechen aber auch von den über 70-Jährigen, die
noch ihre über 90-jährigen Eltern betreuen. Im Dialog
80+ wird gegenwärtig von der Senatsverwaltung eine
Diskussion geführt, was zu tun ist, um die Lebensqualität von Hochaltrigen weiter zu verbessern. Das ist
wichtig, denn in Berlin gibt es heute mehr 100-jährige
Menschen als je zuvor.
Letztlich kommt es darauf an, ob man gesund und
mobil ist. Ob man in den eigenen vier Wänden wohnen kann oder einen anderen Wohnraum hat, an dem
man sich wohlfühlt. Ob man die Kraft und die Möglichkeiten hat, sich zu engagieren, mitzureden und seine
Umgebung mitzugestalten. Und schließlich darauf, ob
es Politik und Gesellschaft gelingt, die Bedingungen für
ein gutes Leben im Alter zu schaffen. Dazu gehört in
erster Linie, dass alte Menschen überall selbstverständlich mittendrin sind. Volle Inklusion, auch für die Alten!
Fragen wir also die Seniorinnen und Senioren
selbst nach Antworten. Die Mitglieder der Fachgruppe Ältere Menschen sind Experten in eigener Sache.
Bestimmt kommen Ihnen noch Ideen und Anregungen in den Sinn, wenn sie diese Broschüre lesen – wir
stehen Ihnen mit unseren Mitgliedsorganisationen
gern zur Verfügung.
Viel Freude beim Lesen und Nachdenken wünscht
Ihnen
Barbara John
Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin

Peter Stawenow
Foto: Christiane Weidner

Liebe Leserinnen und Leser, in Ihren Händen halten Sie die Broschüre
„Wir mischen uns ein!“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, die einen Auszug der Leistungspalette der Mitgliedsorganisationen zur Arbeit mit älteren
Menschen und für diese vorstellt.
Als wir uns an die Arbeit zur Erstellung dieser Broschüre gemacht haben, ahnten wir nicht, worauf wir
uns eingelassen hatten. Eine große Vielfalt von Angeboten galt es zu strukturieren und in eine Systematik zu bringen. Gute Beispiele galt es auszuwählen, die
zum Mit- und Nachmachen anregen. Zahlen und Fakten zu benennen, die zum Nachdenken inspirieren.
Einfach gesagt: Aufzuschreiben, was Sie neugierig auf
mehr macht.
Wir haben uns in der Fachgruppe Ältere Menschen dazu verständigt, uns an den Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik zu orientieren, die der Senat im
August 2013 beschlossen hat. Anhand praktischer Beispiele wollten wir schauen, was daraus geworden ist
und wie wir uns als Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Berlin in deren Umsetzung einmischen.
Im Vorwort zu den Leitlinien heißt es: „Ziel der
­Berliner Seniorenpolitik ist es, die Lebensqualität der
Berliner Seniorinnen und Senioren weiter zu verbessern und sie noch stärker als bisher an der Gestaltung
der Gesellschaft zu beteiligen.“ Für insgesamt 17 Handlungsfelder wurden Ziele und Maßnahmen festgelegt. Zu den Handlungsfeldern gehören unter anderem: politische Partizipation und bürgerschaft­liches
Engagement von Älteren, Wohnen im Alter, Verkehr
und Mobilität, Gesundheit, Pflege und Hospiz, Kultur, Sport sowie die Bekämpfung von Diskriminierung und Altersarmut. Die seniorenpolitischen Leitlinien sind eine Handlungsanleitung für Politik und
Verwaltung und formulieren Seniorenpolitik als Querschnittsaufgabe. Zugleich sind wir alle aufgefordert,

die darin festgeschriebenen Ziele und Maßnahmen
breit zu diskutieren, mit Leben zu erfüllen und weiterzuentwickeln.
Das wollen wir mit dieser Broschüre tun und ihnen
die Möglichkeit geben, sich über den Stand der Dinge zu informieren und sich aktiv an den Diskussionsund Umsetzungsprozessen zu beteiligen. Getreu dem
Gedanken „ältere Menschen helfen anderen älteren
Menschen“ wurden der Selbsthilfe und dem Ehrenamt
alle Möglichkeiten zur Entfaltung gegeben. Älteren
Menschen vertrauen und Verantwortung übertragen,
das war und ist eine Grundforderung, die von vielen
Menschen aus den unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern mitgetragen und unterstützt wird. Diese Broschüre gibt Ihnen einen Einblick in die Vielfalt der Angebote, die die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen
Berlin in der Arbeit mit und für ältere Menschen erbringen. Wir sind stolz auf das bisher ­Erreichte. Gleichzeitig
wissen wir aber auch, dass noch viel zu tun ist, um das
Leben älterer Menschen lebenswerter zu gestalten.
Wenn Sie nach dem Lesen dieser Broschüre Ihre
Neugier über die offene Altenarbeit in Berlin gestillt
haben, dann geben Sie bitte diese Broschüre an Menschen weiter, die sich für die ehrenamtliche Arbeit mit
älteren Menschen und für diese interessieren. Wenn
Sie sich für die Arbeit des Paritätischen Berlin interessieren, dann besuchen Sie unsere Internetseiten
­paritaet-berlin.de und paritaet-alsopfleg.de oder senden Ihre Vorschläge und Gedanken zur Verbesserung
der Lebensqualität älterer Menschen an die Fachgruppe Ältere Menschen des Paritätischen Berlin, Brandenburgische Str. 80, 10713 Berlin. Wir machen was daraus!
Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Lesen der
Broschüre und alles Gute sowie Gesundheit. Auf eine
„Einmischung“ Ihrerseits freut sich
Peter Stawenow
Sprecher der Fachgruppe Ältere Menschen

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P o l i t i s c h e Pa r t i z i pat i o n

Politische Partizipation ist ein grundlegendes Element der plura­
listischen und solidarischen Stadtgesellschaft. Der Senat von Berlin
will seine Vorreiterrolle in diesem Feld schärfen. Dabei soll nicht
nur das Berliner Seniorenmitwirkungsgesetz im Fokus stehen,

Seniorenpolitik – für ein generationsübergreifendes,
solidarisches Miteinander
Der Landesseniorenbeirat Berlin und seine Aktivitäten

sondern auch die qualitative Weiterentwicklung der Standards
für die Gremienarbeit.

1. Politische Partizipation

2030

2030

2030

+14%

~ 2 

Seniorinnen und
Senioren zu Gast
im Abgeordnetenhaus von Berlin
bei der Veranstaltung „Senioren
debattieren im
Parlament“ im
Jahr 2014. Foto:
LSBB/Giese

2030

ø 44

ø 42

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		 Zahlen und Fakten:
		 Berlin wächst, wird älter und bunter.
1 	Das Durchschnittsalter von gegenwärtig 42 Jahren
	
wird bis zum Jahr 2030 auf 44 Jahre angestiegen sein.
2 	Die Gruppe der „jungen Alten“ (65 Jahre bis unter 80 Jahre)
	
wird um 14 Prozent zunehmen.
3 	Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter)
	
wird sich von 140 000 nahezu verdoppeln.
4
	Deutlich steigt der Anteil der Migranten.
	
		Im Landesseniorenbeirat beraten die zwölf Organisationen
und zwölf bezirklichen Seniorenvertretungen
den Berliner Senat in allen seniorenrelevanten Fragen.
		Seit 2006 gibt es in Berlin als erstem Bundesland
ein Seniorenmitwirkungsgesetz.

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Berlin war das erste Bundesland mit einem Seniorenmitwirkungsgesetz. Dieses schafft die politischen
Rahmenbedingungen für eine gleichberechtigte
Seniorenpolitik. Es vereint die Politikfelder, die für das
Zusammenleben der Generationen und die ­positive
Gestaltung des demografischen Wandels relevant
sind, schafft Rechtssicherheit und ist für die Zukunft
der älteren Generation entscheidend.
Auf Grundlage des Berliner Seniorenmitwirkungsgesetzes wird der Landesseniorenbeirat im Land Berlin (LSBB) für die Dauer der Wahlperiode des Abgeordnetenhauses berufen.
Zusammenarbeit für die Belange Älterer. Der Landesseniorenbeirat Berlin wird vom Grundsatz geprägt,
ein Altern in Würde zu ermöglichen. Dazu ist es unerlässlich, die Selbständigkeit, Selbstbestimmung und
Teilhabe zu erhalten. Zugleich gilt es, das Ehrenamt
und bürgerschaftliche Engagement der älteren Generation zu fördern und zu stärken. Wir suchen den Dialog
mit allen, die für das Zusammenleben der Generatio-

nen Verantwortung tragen. Darin sehen wir eine große
Herausforderung und unseren Auftrag, für den wir um
jede Unterstützung bitten. Unser Ziel ist eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Organisationen, Verbänden,
Vereinen, Institutionen, allen Fraktionen und ihren Ausschüssen im Abgeordnetenhaus von Berlin sowie mit
allen politisch Verantwortlichen. Dies ist unerlässlich,
damit wir eine erfolgreiche Politik für die Belange der
älteren Generation in unserer Stadt machen können.
Der Zusammenhalt der Generationen und das Gelingen einer erfolgreichen Integrationspolitik sind für
die Zukunft Berlins entscheidend. Deshalb ist es ein
großes zentrales Anliegen des Landesseniorenbeirates Berlin, alle Reserven zu mobilisieren für ein generationsübergreifendes, solidarisches Miteinander, ein
funktionierendes Zusammenleben von Jung und Alt,
Berlinern von hier und ausländischen Mitbürgern. Wir
wollen Wegbereiter im Prozess der Umsetzung sein
und sehen darin eine dauerhafte Investition in die
Zukunft unserer Stadt.

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P o l i t i s c h e Pa r t i z i pat i o n

Der demografische Wandel macht auch um Berlin keinen Bogen, und auf die Auswirkungen müssen wir in
allen Lebensbereichen Antworten finden.
Zu den bereits aufgeführten Arbeitsaufgaben
zählen wir weiterhin:  Bekämpfung der Alters­armut
 Kampf gegen Altersdiskriminierung  Abbau des vorherrschenden negativen ­„Altenbildes“ in der Gesellschaft  Barrierefreiheit in der Stadt  zuverlässige
ambulante, teilstationäre und stationäre medizinische
Versorgung

Ganz konkret stellt der Landesseniorenbeirat Berlin Forderungen an die Politik, Verbände und Institutionen,
verfasst Resolutionen und Empfehlungen. So mischt er
sich ein, nimmt Stellung zu aktuellen seniorenpolitisch
relevanten Problemen, zeigt Lösungsmöglichkeiten auf
und arbeitet aktiv an deren Umsetzung mit.
Wir laden Sie ein, in den bezirklichen Seniorenvertretungen mitzuwirken oder sich in einer der vielen
Organisationen des Paritätischen Berlin für die Belange der älteren Menschen zu engagieren.

Wir mischen uns ein! Seniorenpolitik ist weitreichend
und wir sehen sie als politische Querschnittsaufgabe.
Die oben aufgeführten Arbeitsaufgaben sind deshalb
auch nur ein Bruchteil der Themen, mit denen sich der
Landesseniorenbeirat Berlin befasst. Da die Aufgaben
so umfangreich sind, wurden Arbeitsgruppen gebildet, die ganz konkrete Zielstellungen erarbeiten.

Regina Saeger, Vorsitzende Landesseniorenbeirat Berlin

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P o l i t i s c h e Pa r t i z i pat i o n

Landesseniorenbeirat Berlin (LSBB)
Neues Stadthaus, Parochialstraße 3, 10179 Berlin
Telefon: 030 32 66 41 26  |  Fax: 030 901 82 27 34
info@landesseniorenbeirat-berlin.de
www.landesseniorenbeirat-berlin.de

Für mehr Teilhabe älterer Menschen in Kreuzberg
Netzwerkarbeit in der Tempelhofer Vorstadt

Kreuzberg steht in den nächsten Jahren vor einer deutlichen Zunahme älterer und zugleich auch ärmerer
Menschen. Ausgehend von dieser Prognose begann
das Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V. sich folgende Fragen zu stellen: Wie ermöglichen wir älteren
Menschen mit geringem Einkommen eine Teilhabe
am gesellschaftlichen Leben? Wie gewährleisten wir
eine vielfältige, wohnortnahe Angebotspalette, die
es älteren Menschen möglich macht, würdevoll und
integriert zu leben? Wie erreichen wir von Altersarmut

1

betroffene Menschen überhaupt? Welche aufsuchende Arbeit, welche Kooperationen und Netzwerke sind
dafür notwendig?
Im Sommer 2013 gründete das Nachbarschaftshaus gemeinsam mit dem Bezirksamt FriedrichshainKreuzberg das Netzwerk „Für mehr Teilhabe älterer
Menschen in Kreuzberg“. Dieses Netzwerk von Fachleuten aus Verwaltung und freien Trägern, Aktiven aus
Nachbarschaftsinitiativen sowie älteren Menschen
wächst und wird inzwischen durch eine größere aktive
Kerngruppe getragen. Federführend koordiniert vom

Kiezspaziergang
im Chamisso-Kiez.
Foto: Nachbarschaftshaus
Urbanstraße

Nachbarschaftshaus, konzentriert es seine Arbeit auf
den Kreuzberger Südwesten mit rund 60 000 Bewohnerinnen und Bewohnern.
Inhaltlich arbeiten wir im Netzwerk vor allem an
der Entwicklung und Ausgestaltung von vielfältigen
Zugängen zu älteren Menschen, um zukünftig niemanden von sozialer und kultureller Teilhabe auszuschließen. Strategisch entwickeln wir Angebote und
Aktivitäten in vier verschiedenen Richtungen:
Wir binden längerfristig Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren, zum Beispiel aus Arztpraxen, Apotheken, Physiotherapien, in die Ansprache und Information älterer Menschen ein.
Wir sensibilisieren die Nachbarschaft für die aktive
Ansprache älterer Menschen. Anfang 2016 starten wir
die Kampagne „Ziemlich beste Nachbarn. Dank Dir!“.
Wir laden per Brief regelmäßig ältere Menschen
bestimmter Jahrgänge ein und informieren über

Angebote im Sozialraum. 2015 haben wir 1000 ältere
Menschen angeschrieben. 70 Interessierte kamen zu
einer Informationsveranstaltung ins Nachbarschaftshaus, um sich zu Möglichkeiten freiwilligen Engagements, der Freizeitgestaltung und der konkreten Beratung und Unterstützung zu informieren.
Wir entwickeln und organisieren aus dem Netzwerk
heraus mobile Angebote zur Ansprache älterer Menschen und binden sie in die Mitgestaltung ihres Wohn­
umfeldes ein. So gab es 2015 beispielsweise zwei Kiezspaziergänge zum Thema „Älter werden in Kreuzberg“
sowie eine aktivierende Befragung im ­Chamisso-Kiez.
Markus Runge, Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Urbanstraße 21, 10961 Berlin
Telefon: 030 69 04 97 23  |  Fax: 030 693 73 09
m.runge@nachbarschaftshaus.de
www.nachbarschaftshaus.de

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g l e i c h s t e l l u n g i m a lt e r

Die Lebenssituation von älteren Menschen unterscheidet sich
in vielfältiger Hinsicht. Dabei haben aber nur wenige soziale Kate­
gorien von Kindheit an im Lebensverlauf einen solchen Einfluss
auf das Leben im Alter wie das Geschlecht. Vor diesem Hintergrund
ist die Einbeziehung der Gleichstellungsorientierung ein integraler

Gleichstellung im Alter für hörgeschädigte
Menschen
Beratung und Gemeinschaft beim Berliner Schwerhörigen-Verein

Bestandteil der Seniorenpolitik des Landes Berlin.

2. Gleichstellung im Alter
2010

2010

2012

52

44,5

26

18,6

Deutschland

25

16

Berlin
1

2

		 Zahlen und Fakten:
		Frauen verdienen weniger als Männer, arbeiten öfter in Minijobs, haben
schlechtere Karrierechancen, sind seltener in Führungspositionen. Dementsprechend bekommen sie weniger Rente als Männer. Die Rentenlücke
zwischen Frauen und Männern beträgt in Deutschland nach Berechnungen des Frauenhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT)
57 Prozent. In den westdeutschen Bundesländern ist die Altersrente von
Frauen geringer als die gezahlten Witwenrenten.
		Bis 1977 waren Frauen in der BRD nur berechtigt, erwerbstätig zu sein,
„soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar“ war.
	

1 	Im Durchschnitt lag der Anteil der alleinlebenden Frauen im Alter von

65 und mehr Jahren im Jahr 2010 bei 44,5 %, in Berlin bei 52 %. Unter den
Männern dieses Alters lebten deutschlandweit 18,6 % allein, in Berlin 26 %.

	

2 	Im

Jahr 2012 mussten nach Daten des Statistischen Bundesamts 25 %
der alleinlebenden Frauen ab 65 Jahren in Deutschland mit weniger als
900 Euro persönlichem monatlichen Nettoeinkommen auskommen,
bei den Männern waren es 16 %.

Die Gesundheit ist die wichtigste Voraussetzung, um
die Selbständigkeit und die Lebensqualität im Alter zu
erhalten. Der Verlust des Hörvermögens, der schon ab
dem 50. Lebensjahr beginnen kann, ist eine typische
Alterserscheinung. Für die Betroffenen bedeutet er
die große Herausforderung, sich auf die Veränderungen einzustellen, die eine Hörschädigung zwangsläufig mit sich bringt.
Bei den ersten Symptomen zum Arzt. Von diesem
Krankheitsbild sind relativ viele Menschen betroffen: Etwa die Hälfte der über 65-jährigen Männer und
rund 25 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe leiden an Altersschwerhörigkeit. Die ersten Anzeichen
dafür sollten besser nicht ignoriert werden. Frühzeitige Erkennung und Behandlung des Hörverlustes
kann sozialen Rückzug und mitmenschliche Probleme
abmildern oder ganz verhindern. Der erste und wichtigste Ansprechpartner wird immer ein Hals-NasenOhren-Arzt sein, der die Ursachen der Altersschwerhörigkeit klären kann. Ist diese altersbedingt, lässt sich
das Hörvermögen nicht wiedergewinnen. In diesem
Fall sollte möglichst schnell ein Hörgerät angepasst
werden, damit das Gehirn die Verarbeitung der Töne
nicht verlernt.
Die UN-Menschenrechtskonventionen mit dem
Übereinkommen der Vereinten Nationen über die
Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert
die Gleichstellung von durch Krankheit und Behinderung betroffenen Menschen. Somit soll auch kommunikationsgeschädigten Menschen die Teilhabe am
gesellschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht
werden. Um Barrierefreiheit für Menschen mit Hörhandicap einen festen Platz einzuräumen, müssen die
unterschiedlichen kommunikativen Bedürfnisse anerkannt und unterstützt werden.

Elke Hirschmann
vom SchwerhörigenVerein Berlin e.V. nutzt
den Hörverstärker im
Reise-Center Berliner
Hauptbahnhof. Foto:
Gisela Schuster

Dank technischer Hilfsmittel zu mehr Teilhabe. So
können zur Verbesserung der Lebensqualität verschiedene Hilfsmittel den Betroffenen helfen, den Alltag im
gewohnten Lebensumfeld selbständig zu bewältigen,
Kontakte aufrecht zu erhalten und vor allem die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben zu
bewahren. Weil auch ein Hörgerät kein Ersatz für normales Hören ist, müssen für kommunikationsgeschädigte Menschen in allen öffentlichen Einrichtungen
Hörverstärker vorhanden sein, beispielsweise Funksignalanlagen, Mikrofonanlagen, Induktions- oder Ringschleifeneinbau sowie die Visualisierung in Form von
Sichttafeln. Vorhandene Hörverstärker müssen in Vortragsgebäuden und anderen öffentlichen Einrichtungen durch einen Lageplan sichtbar gemacht werden.
Die Gleichstellung hörgeschädigter Menschen wird
damit maßgeblich unterstützt und sorgt dafür, dass
Teilhabe überhaupt erst möglich wird.

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g l e i c h s t e l l u n g i m A lt e r

Das bürgerschaftliche Engagement ist notwendig für den
­Zusammenhalt der Gesellschaft und sinngebend für die Einzelne
und den Einzelnen. Der Senat von Berlin versteht sich hierbei als
Unterstützer und sieht sich in der Verantwortung für die Schaffung
notwendiger Rahmenbedingungen. Dabei steht die Ermutigung
zur Teilhabe gerade älterer Menschen, deren Erfahrungswissen
Der Einsatz von Gebärdendolmetschern oder Schriftdolmetschern wird von Ertaubten und Schwerhörigen,
Organisationen und Unternehmen, Ämtern und anderen öffentlichen Einrichtungen in Anspruch genommen, um Kommunikationsbarrieren zu überwinden.
Die Beantragung, auch den Leistungsanspruch bei
den Krankenkassen, veranlassen die Betroffenen individuell entsprechend ihrer Bedarfssituation.
Das Umfeld auf den Unterstützungsbedarf auf­
merksam machen. Schwerhörigkeit ist in unserer
Gesellschaft noch immer ein Tabu. Menschen mit
einem Hörhandicap werden oft ausgegrenzt und führen ein Nischendasein. Was aber kann man selbst tun,
um Hindernisse aus dem Weg zu räumen und den
Dialog bei einem Hörhandicap zu erleichtern?
Verheimlichen Sie Ihre Schwerhörigkeit nicht,
damit keine Missverständnisse entstehen. Bitten Sie
den Gesprächspartner, nicht lauter, sondern deutlicher zu sprechen. Ein Schwerhöriger muss mit den
Augen hören – das Ablesen vom Mund ist für ihn
unerlässlich. Wenden Sie sich daher dem Gesprächspartner zu, damit Lippenlesen möglich ist. Täuschen
sie nicht vor, etwas verstanden zu haben, sondern bitten Sie um die Wiederholung des Gesagten. Ziehen
Sie sich weder privat noch beruflich zurück und schämen Sie sich nicht für Ihr Hörhandicap. Menschen aus
allen sozialen Schichten sind Ihre Schicksalsgenossen.
Eine Hörschädigung kann man nicht sehen. Die
Betroffenen müssen darauf aufmerksam machen, beispielsweise durch eine Schwerhörigenkarte mit der
Aufschrift „Ich bin hörbehindert“. Diese kann beim Berliner Schwerhörigen-Verein in der Sophie-CharlottenStr. 23a in 14059 Berlin bezogen werden. Nur wenn wir
auf uns aufmerksam machen, können wir Hilfe erwarten – gemäß dem Grundsatz: „Wie die Nachfrage, so
das Angebot“.

Nicht allein bleiben mit der Hörschädigung. Ich
selbst bin Mitglied im Schwerhörigen-Verein Berlin
und auch Ansprechpartnerin in der Senioren-Selbsthilfegruppe in Berlin-Pankow. In dieser Gruppe sind
die Altersstufen von 65 bis 85 Jahre vereint und wir
treffen uns einmal im Monat. Alle Teilnehmerinnen
und Teilnehmer sind schwerhörig und tragen Hörgeräte oder Chochlearimplantate. In der Regel führen wir einen regen Erfahrungsaustausch zum Thema
Hörschädigung, wie sie jeder an sich selbst erlebt, mit
allen guten und schlechten Erfahrungen. Ärzte und
Akustiker wissen selbst meist nicht, wie es ist, eine
Hörhilfe zu tragen. In unserer Runde gibt jeder seine
Erfahrungen weiter, sodass alle davon profitieren können. Die Teilnehmer kommen gerne zusammen, weil
auch der gesellige Teil nicht zu kurz kommt.
Vor einiger Zeit habe ich einen Spruch gelesen,
der sich mir sehr eingeprägt hat: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, auch wenn er schwerhörig ist.“
Der Berliner Schwerhörigen-Verein in der SophieCharlotten-Straße 23a hat ein Beratungs- und Informationszentrum, das HörBiz. Zwei Sozialbeiterinnen sorgen mit großer Fachkompetenz für eine umfassende
Beratung zum Thema Schwerhörigkeit.
Die Sprechzeiten für Beratungen sind: Montag und
Dienstag, 9 bis 12 Uhr, Donnerstag 12 bis 18 Uhr.

von unschätzbarem Wert für das Land ist, weit im Vordergrund.

3. Bürgerschaftliches
­Engagement älterer
­Menschen stärken

Elke Hirschmann
Sozialwerk der Hörgeschädigten Berlin e.V.
Sozialwerk der Hörgeschädigten Berlin e.V.
Sophie-Charlotten-Straße 23a  |  14059 Berlin
Telefon: 030 32 60 23 75  |  Fax: 030 32 60 23 76
info@hoergeschaedigte-berlin.de
www.hoergeschaedigte-berlin.de

Über ein Drittel der deutschen Bevölkerung engagiert sich freiwillig
in den unterschiedlichsten Bereichen: in Sport, Freizeit, Kunst, Kultur,
Religion, Umweltschutz, Gesundheit, Soziales. Das stellt der erste
­Engagementbericht der Bundesregierung von 2012 fest.
Während das bürgerschaftliche Engagement bei jungen Menschen
unter 25 Jahren etwas abgenommen hat, sind Ältere heute zunehmend
engagiert. Ein Rückgang ist erst ab einem Alter von 70 Jahren
zu verzeichnen. Positive Altersbilder spielen für das Engagement
Älterer eine wichtige Rolle.
Unter dem Dach des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin
sind rund 700 gemeinnützige Organisationen und Selbsthilfegruppen
zusammengeschlossen, 70 davon in der offenen oder halboffenen
Altenarbeit oder mit Angeboten und Diensten für ältere Menschen.

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3

B ü r g e r s c h a f t l i c h e s E n g a g e m e n t ä lt e r e r M e n s c h e n s tä r k e n

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B ü r g e r s c h a f t l i c h e s E n g a g e m e n t ä lt e r e r M e n s c h e n s tä r k e n

Der Mehrwert des Ehrenamts
Warum wir uns das Engagement mehr kosten lassen sollten

wenn wir Menschen dabei unterstützen können,
ihr Leben selbständig, glücklich und inhaltsreich zu
gestalten. Unsere Aktivitäten und unser Engagement
sind – wenn es von anderen angenommen wird – wiederum ein großer Ansporn für weiteres Tun. Die Freude und die Möglichkeiten, die wir an andere weitergeben, kommen bildlich gesprochen lächelnd zurück!
Für andere – und doch nicht selbstlos. So gestehe
ich auch, dass mein Tun im Sozialwerk Berlin e.V. mit
und für ältere Menschen nicht nur selbstlos ist. Mir
persönlich ist meine Ehrenamtsarbeit ein Bedürfnis,
weil sie mir viel an Lebensqualität gibt. Das ehrenamtliche Engagement bereitet mir mehr Freude als Kummer und es gibt immer wieder Neues und viele Ideen,
die oft realistisch und realisierbar sind. Darum empfinde nicht nur ich die Ehrenamtsarbeit als eine spannende und gesellschaftlich äußerst wichtige Aufgabe.
Der Tradition meiner Mutter, Käte Tresenreuter,
folgend, möchte ich fünf Gedanken mit auf den Weg
geben, denn Ehrenamt ist nicht umsonst!

Ehrenamtlich
Engagierte des
Sozialwerks mit
Therapiehündin Bella. Foto:
­Martin Thoma

Mein Name ist Margit Hankewitz und ich bin eine
der zahlreichen Frauen und Männer, die sich in unserer Stadt ehrenamtlich engagieren. Wir alle arbeiten
ganz freiwillig, ehrenamtlich und mit großer Freude.
Manchmal benötigen wir dazu nur zehn oder zwanzig Stunden in der Woche, öfter aber auch mehr als
vierzig Stunden. Doch das ist nicht so entscheidend,
solange wir nicht von anderen ermahnt werden, etwas
vernünftiger zu sein, weil sie sich um unsere Gesundheit sorgen. Dabei haben wir alle längst begriffen, dass
wir ohne unsere ehrenamtliche Tätigkeit gar nicht so
gesund wären, wie wir es in unserem teilweise doch
etwas fortgeschrittenen Alter sind. Wer ehrenamtlich
tätig ist, der lebt länger und intensiver!

Engagement muss gut koordiniert werden. Wir
Ehrenamtlichen sehen und spüren, dass wir von vielen Menschen wirklich gebraucht werden. Ohne
Ehrenamt geht in unserer Stadt nichts. Unser Anliegen
ist es, den Menschen in jedem Lebensabschnitt Wert
und Lebensqualität zu geben. Dieser Aufgabe können
wir umso besser gerecht werden, je besser wir verstehen, dass es sich dabei um eine sehr komplexe Herausforderung handelt. Sicher hilft jede einzelne Aktivität – egal, in welchem Bereich wir uns engagieren.
Wir versuchen aber, größere und nachhaltige Wirkungen zu erreichen, indem wir in den unterschiedlichen
Tätigkeitsfeldern ehrenamtliches und hauptamtliches
Engagement so eng miteinander verknüpfen, dass
Synergie-Effekte entstehen.
Wir gehen auch davon aus, dass Menschen sich
selbst am besten helfen können, indem sie anderen
Menschen helfen, denn es ist ein schönes Gefühl,

1 Was ist ehrenamtliche Arbeit wert? Eine einheit-

liche Berechnungsgrundlage ist dafür mehr als hilfreich und erforderlich. Eine Diskussion darüber sollte
nicht nur im Ausschuss für Bürgerschaftliches Engagement des Abgeordnetenhauses geführt werden.
Berechnungsgrundlage ist die ehrenamtlich eingesetzte Zeit, denn Zeit ist nicht manipulierbar. Sie
kann nicht schneller oder langsamer verlaufen, es ist
die Lebenszeit der Ehrenamtlichen.

2 Aufwendungen und Auslagenersatz. Über

eine
Ermittlung der Zuwendungen aus dem Berliner Haushalt zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements wird sichtbar, wie Ehrenamt im Land finanziell
unterstützt wird.
3 Wertschöpfung durch das Ehrenamt. Setzen wir

die ermittelten Zahlen zu 1. und 2. ins Verhältnis, dann
werden wir sehr schnell sehen, dass ein im Ehrenamt
eingesetzter „Taler“ ein Mehrfaches an Wert gewinnt.
4 Aufwandsentschädigung ist nicht Bezahlung.
Ehrenamt ist unbezahlbar und nicht umsonst. Ehrenamt bringt etwas und kostet auch etwas. Unser Anliegen ist es, die Unterschiede in der Erstattung der Aufwendungen der Ehrenamtlichen zu nivellieren.
5 Entbürokratisierung. In der Ehrenamtsarbeit
möchten wir nur so viel Bürokratie wie nötig und nicht
so viel wie möglich. Zu viel Bürokratie kostet Geld und
Zeit, die der ehrenamtlichen Arbeit verloren gehen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen weiterhin
viel Freude an Ihrer ehrenamtlichen Arbeit, Gesundheit und ein langes erfülltes Leben mit Menschen, die
Ihnen als Dank zurücklächeln!
Margit Hankewitz
Vorstandsvorsitzende Sozialwerk Berlin
Sozialwerk Berlin e.V.
Humboldtstraße 12  |  14193 Berlin
Telefon: 030 891 10 51/52  |  Fax: 030 892 60 08
sozialwerk@gmx.de  |  www.sozialwerk-berlin.de

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B ü r g e r s c h a f t l i c h e s E n g a g e m e n t ä lt e r e r M e n s c h e n s tä r k e n

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B ü r g e r s c h a f t l i c h e s E n g a g e m e n t ä lt e r e r M e n s c h e n s tä r k e n

„Es gibt endlich ein politisches Interesse
an bürgerschaftlichem Engagement“
Fünf Fragen an Dr. Susanna Kahlefeld, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
im Berliner Abgeordnetenhaus

Dr. Susanna Kahlefeld. Foto: Bündnis 90/Die Grünen

Dr. Susanna Kahlefeld hat 1999 an der Freien Universität Berlin in Philosophie promoviert. Seitdem hatte sie
diverse Lehraufträge an der FU Berlin inne, seit 2000
ist sie Dozentin für Deutsch als Zweitsprache.
Für Bündnis 90/Die Grünen ist Susanna Kahlefeld
seit 2011 im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie ist unter
anderem Vorsitzende des Ausschusses für Bürgerschaftliches Engagement.
Seit wann gibt es den Ausschuss für Bürgerschaft­
liches Engagement im Berliner Abgeordneten­
haus und womit hat er sich schwerpunktmäßig
bisher beschäftigt?
Dr. Susanna Kahlefeld: Der Ausschuss tagte am
2. September 2013 das erste Mal, damals noch unter
dem Vorsitz meines Fraktionskollegen Martin Beck.
Mittlerweile sind wir bei der 22. Sitzung: Was wir bisher
getan haben? Jede zweite Sitzung findet außerhalb
des Abgeordnetenhauses statt, um die Bedingungen
für freiwilliges Engagement vor Ort zu besuchen. Das
freiwillige Engagement der Berlinerinnen und Berliner ist enorm vielfältig. Am 18. Januar haben wir die
Berliner Bahnhofsmission besucht – ein wichtiger Ter-

min, besonders zu dieser Jahreszeit. Wir waren bei
der Feuerwehr, aber auch auf dem Rathausturm Neukölln, um uns die Arbeit der Freifunker erklären zu lassen, die seit Jahren hochprofessionell und ehrenamtlich Einrichtungen mit kostenlosem Internetzugang
versorgen. Davon profitieren Senioreneinrichtungen
ebenso wie Flüchtlingsunterkünfte. Wir haben uns die
Beratung von selbstmordgefährdeten Jugendlichen
durch Jugendliche vorstellen lassen, aber auch über
Strukturen und Grundsatzpapiere wie die Charta für
Bildung der Landesarbeitsgemeinschaft diskutiert. Die
Vielfalt und die Qualität des freiwilligen Engagements
werden in den Tagesordnungen deutlich. Deutlich
wird aber auch, dass es an allen Ecken und Enden an
Unterstützung durch den Senat fehlt: Unsere Verwaltung ist nicht eingestellt auf die Zusammenarbeit mit
Freiwilligen, Förderstrukturen sind mühsam, Entschädigungen und Fahrtgeld ein Problem. Da kommt sehr
viel zusammen.
Welche Motive haben ältere Menschen, sich ehren­
amtlich zu engagieren?
Dr. Susanna Kahlefeld: Nach meiner Erfahrung ist das
sehr unterschiedlich. Es gibt ganz viele Menschen, die
ihr Leben lang engagiert waren, in einem Verein oder
auch an immer neuen Orten, und die im Engagement
älter geworden sind. Für sie gehört das zu einem aktiven Leben, sie sind am Gemeinwohl interessiert und
haben wohl auch Freude am Zusammensein und an
dem Einfluss, den jede und jeder hat, der sich einmischt. Sei es in der Pflege, im Sport oder einem Bildungsprojekt. Andere fangen erst nach der Berufstätigkeit oder wenn die Ansprüche der Familie nicht
mehr so groß sind, an, sich zu engagieren. Nochmal
etwas tun, wozu man vorher nie Zeit hatte. Oder einen
dringenden Bedarf erkennen und dann aktiv werden,
z. B. in der Betreuung und Begleitung oder in der Hausaufgabenhilfe.

Was müsste in Berlin geschehen, um das bürger­
schaftliche Engagement von älteren Menschen
weiter zu unterstützen?
Dr. Susanna Kahlefeld: Einfach gesagt: Die Unterstützung muss so vielseitig sein wie das Engagement
selbst. Fahrtgelder sind ein Problem für Menschen mit
einer kleinen Rente. Der Senat könnte für den kleinen
Preis eines Fahrscheins die wertvolle Zeit und den Einsatz eines Menschen für die Belange der Stadt gewinnen. Wichtig sind aber auch Räume, eine an der Situation älterer Menschen orientierte Ehrenamtsbegleitung
und Koordination. Das ist in den Bezirken sehr unterschiedlich organisiert. Da kann sicher noch viel mehr
geschehen.
Welche Überlegungen hat der Ausschuss, um die
Anerkennungskultur bei älteren Menschen zu
­fördern?
Dr. Susanna Kahlefeld: Wir arbeiten derzeit an einer
neuen Gestaltung der Ehrenamtskarte: Geplant ist,
dass es zukünftig verschiedene Typen von Ehrenamtskarten geben soll. Eine, mit der eher kulturelle Angebote vergünstigt werden, eine, die Vergünstigungen
für Freizeitangebote enthält und so weiter. Dabei wird
hoffentlich auch ein Anteil mit BVG-Karten sein, sodass
wir künftig mit der Anerkennung, die die Karte bedeutet, auch den Interessen und Bedürfnissen der Ehrenamtlichen besser entsprechen können.
Mit welchen Indikatoren ist Ihrer Meinung nach
ehrenamtliche Arbeit messbar?
Dr. Susanna Kahlefeld: Man kann natürlich die von
Freiwilligen geleistete Arbeit nach Qualifikation und
Zeitumfang wie eine bezahlte Arbeit ansetzen und
ihren Wert dann anhand des Honorars errechnen, das
nötig wäre, diese Arbeit zu bezahlen. Dann kommt
man auf astronomische Summen. So würde ich das
dennoch nicht machen. Und zwar, weil der Wert freiwilligen Engagements für die Gesellschaft noch viel

größer ist als diese Summe. Wer sich engagiert, weiß,
wo es brennt, wo etwas fehlt, was andere brauchen.
Engagement ist innovativ und bringt uns gesellschaftlich voran. Außerdem ist unbezahlte Arbeit unabhängig und frei. Wenn ich keinen Chef habe, dann
gestalte ich mein Engagement in Absprache mit der
Gemeinschaft, in der ich mich engagiere, so, wie ich
das möchte – sei es ein Verein, ein Krankenhaus, eine
Schule oder eine Initiative. Ich kann aus- und einsteigen, ich kann Veränderungen anregen und neue Ideen umsetzen. Das ist unbezahlbar.
Ich vermisse diese Freiheit, weil ich mich aus vielen Initiativen zurückziehen musste, seit ich im Abgeordnetenhaus bin, denn es fehlt mir die Zeit. Aber
ich habe immer noch Ideen für Projekte und Initiativen und würde gern wieder loslegen, Mitstreiterinnen und Mitstreiter suchen und etwas aufbauen. Ich
bin begeistert von der gut organisierten und verlässlichen Arbeit der Flüchtlingsinitiativen. Außer dem, was
sie für die Geflüchteten leisten, haben sie auch unsere Gesellschaft wärmer und herzlicher gemacht und
unser Bild in der Welt enorm verbessert. Das ist mit
nichts zu bezahlen. Ich habe derzeit den Eindruck, dass
auch die anderen Bereiche ehrenamtlicher Arbeit von
dieser Anerkennung profitieren, denn es gibt dadurch
endlich eine Öffentlichkeit und ein politisches Interesse an bürgerschaftlichem Engagement. Diese Gunst
der Stunde sollten wir für längerfristige Verbesserungen, zum Beispiel die Erarbeitung einer Engagementstrategie für Berlin, nutzen. Dafür setze ich mich ein.
Dr. Susanna Kahlefeld
Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses
Grünes Bürger*innen Büro
Wipperstraße 25  |  12055 Berlin
Telefon: 030 68 08 33 98
www.susanna-kahlefeld.de

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w o h n e n i m a lt e r

Die Anpassung der Wohnungsbestände an die Anforderungen
generationsgerechten Wohnens in sozialer Nachbarschaft ist eine
zentrale Zukunftsaufgabe der Politik des Landes Berlin. Niedrig­

Trotz Einschränkung im eigenen Zuhause bleiben

schwellige Angebote zum Erhalt der Mobilität und zum Verbleib

Hilfsmittelberatung des Sozialverband VdK

der älteren Menschen in der eigenen Häuslichkeit werden vom
Senat im Rahmen des Integrierten Sozialprogramms gefördert.
Die meisten Menschen möchten auch dann in ihrem
vertrauten Umfeld leben, wenn sie durch Krankheit,
Behinderung oder Pflegebedürftigkeit (mehr) Hilfe
benötigen. Die Beratungsstelle für technische Hilfen
und Wohnraumanpassung des Sozialverbands VdK
unterstützt Menschen mit Behinderung sowie ältere
Menschen dabei, in ihrer Wohnung wohnen bleiben
zu können.

4. Wohnen im Alter
20 %

25 %

72 %

54 %

1

2

3

		 Zahlen und Fakten:
	

1 	In

Berlin gibt es seit 2003 mehr Ein- als Mehr­personenhaushalte –
Tendenz steigend (derzeit 54 Prozent).

	

2 	In

	

3 	In

einem Viertel der fast 2 Millionen Privathaushalte in Berlin leben
­Menschen im Alter von über 65 Jahren, darunter sind 72 Prozent Frauen.
jedem ­fünften Haushalt leben ausschließlich Seniorinnen und Senioren.

Wohngemeinschaften: Zahlen pro Bezirk und entsprechende Platzzahl*
Bezirk

Anzahl Wohn­
gemeinschaften

maximale
Platzzahl

Belegte Plätze
bei Meldung

Charlottenburg-Wilmersdorf
Friedrichshain-Kreuzberg
Lichtenberg
Marzahn-Hellersdorf
Mitte
Neukölln
Pankow
Reinickendorf
Spandau
Steglitz-Zehlendorf
Tempelhof-Schöneberg
Treptow-Köpenick
Summe

76
11
49
47
62
36
69
45
26
58
77
42
598

573
88
322
375
431
305
508
340
186
422
580
324
4.454

535
87
291
296
408
284
469
314
185
406
536
298
4.109

*Stand 15.10.2015. Quelle: Landesamt für Gesundheit und Soziales / Heimaufsicht

Kleine Helfer im Alltag. Für solche Situationen gibt
es die unterschiedlichsten Hilfsmittel. Dies sind Gegenstände, die beeinträchtigte Körperfunktionen ersetzen,
erleichtern oder ergänzen. Sie dienen so dem Behinderungsausgleich, sichern den Erfolg einer Krankenbehandlung und/oder beugen einer weiteren Behinderung vor. Wichtig ist, dass sie an die individuellen
Bedürfnisse angepasst werden. So tragen sie zum Erhalt
der Selbständigkeit bei und mindern die Abhängigkeit
von der Hilfe anderer Menschen. Mehr als 40 000 Hilfsmittel sind in einem Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen zusammengefasst. Es
gibt eine Abgrenzung zu den sogenannten Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens.
Einerseits werden immer noch viele Hilfsmittel
problemlos bewilligt, andererseits ist der Versorgungsprozess an sich sehr kompliziert geworden. Er beinhaltet Ausschreibungen, Festpreise, Fallpauschalen, Vertragspartner, Wirtschaftlichkeit und vieles mehr. Hier
hilft die Beratungsstelle für technische Hilfen und
Wohnraum­anpassung. Sie hilft ebenso, wenn ein Hilfsmittel abgelehnt wird oder nicht die benötigte Versorgung, sondern eine andere (schlechtere) angeboten
wird. Man kann sich aber auch schon vor der Beantragung eines Hilfsmittels an die Beratungsstelle wenden
und individuell dazu beraten lassen.

Christine Graszcyk berät beim Sozialverband VdK zu Hilfsmitteln rund ums
Wohnen. Foto: Wolfram Klein

(Umbau-)Maßnahmen so verändert werden, dass
­ä ltere Menschen und Menschen mit Behinderung
trotz vorhandener Probleme (wieder) zurechtkommen. Wie diese Wohnraumanpassung im Einzelnen
aussieht, wird in einem persönlichen Gespräch beziehungsweise bei einem Hausbesuch geklärt. Wir helfen
auch bei notwendigen Anträgen und Ähnlichem.
Alle Beratungsangebote sind kostenlos und unverbindlich.
Christine Gaszczyk, Sozialarbeiterin

Auf persönliche Bedürfnisse angepasste Woh­
nung. Auch wenn man in einer stationären Einrichtung lebt, besteht ein Anspruch auf eine Versorgung
mit Hilfsmitteln – hier unterstützt die Beratungsstelle
ebenfalls gerne. Wenn Hilfsmittel alleine nicht ausreichen, kann die Wohnung durch kleinere und ­größere

Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg e. V.
Beratungsstelle für technische Hilfen und
Wohnraum­anpassung
Linienstraße 131  |  10115 Berlin
Telefon: 030 864 91 08 20  |  Fax 030 864 91 05 20
christine.gaszczyk@vdk.de  |  www.vdk.de

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w o h n e n i m a lt e r

4

Von der Haushaltsfee bis zur Antragsberatung

Wohnen mit Service

Sophia ermöglicht mehr Unabhängigkeit im Alter

Das Seniorenzentrum Friedrichshain

Die Einwohnerstruktur Berlins ändert sich derzeit dramatisch: Es werden wieder mehr Kinder geboren und
die Menschen leben länger. Das Durchschnittsalter ist
in Berlin auf 43,6 Jahre angestiegen. Trotz der Zuwanderung vieler Flüchtlinge im eher jüngeren Alter ist
davon auszugehen, dass die Zahl der Menschen über
65 Jahre bis 2020 um knapp 28 Prozent und die ab 75
Jahre deutlich ansteigt. Die Prognosen des Senats von
Berlin gehen davon aus, dass dann 10,1 Prozent der
Berliner 75 Jahre und älter sind.
Mit Unterstützung im eigenen Zuhause bleiben.
Die beiden großen städtischen Wohnungsbaugesellschaften degewo und Stadt und Land wollen ältere Menschen dabei unterstützen, möglichst lange in der eigenen Wohnung zu verbleiben. Sie haben deshalb bereits
2007 das Angebot Sophia (Soziale Personen­betreuung
und Hilfen im Alltag) ins Leben gerufen, in dessen Rah-

Zuhause umsorgt: Ehrenamtliche von Sophia kümmern sich um
ältere Menschen. Foto: Sophia Berlin Gmbh
men sich mit viel Expertenwissen und großem professionellen Sachverstand dieser Aufgabe angenommen wird.
Ursprünglich war geplant, durch die Verbindung
von ehrenamtlichen Helfern mit einem intelligenten
Notrufsystem Älteren und Menschen mit Einschränkungen zu helfen, den Auszug aus den eigenen vier
Wänden so lange wie möglich zu vermeiden. Der
regelmäßige Kontakt der über 35 Ehrenamtlichen mit
den Sophia-Teilnehmern per Telefon oder vor Ort wird
besonders geschätzt und ist unverändert ein Alleinstellungsmerkmal von Sophia.

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w o h n e n i m a lt e r

Professionelle Begleitung im Alltag. Schnell wurde
klar, dass Sophia zusätzliche Dienstleistungen anbieten muss, um den Anforderungen an eine selbständige Lebensführung im Alter zu entsprechen. So wurde
zunehmend eine Unterstützung im Haushalt erbeten.
Inzwischen sind die Sophia-„Haushaltsfeen“ im Einsatz, die von der Begleitung zu Arztbesuchen über
Einkäufe bis hin zur Reinigung der Wohnung helfen.
Oftmals ist ein längerer Verbleib in der eigenen
Wohnung nur möglich, wenn mit dem Rat der Experten
von Sophia Schwellen beseitigt, Bäder umgebaut und
Türen verbreitert werden. Viele Ältere scheuen die für
die Wohnraumanpassung entstehenden Kosten, da sie
nicht wissen, dass es hierfür finanzielle Unterstützung,
beispielsweise von der Pflegekasse, gibt. Neben dieser Beratungsleistung können sich die Senioren auch
an Sophia wenden, wenn sie Fragen zur Beantragung
von Pflege- oder Sozialleistungen, Patientenverfügung
oder Vorsorgevollmacht haben. Geschulte Mitarbeiter
kommen dann ins Haus und helfen bei Antragstellung,
Widerspruch oder dem Ausfüllen von Vordrucken.
In das soziale Umfeld integriert. Zu diesem Aufgabenspektrum passt, dass Sophia immer mehr Stützpunkte in größeren Wohnanlagen betreibt. Für die
Mieter gibt es hierdurch die Möglichkeit, Hilfe und
Unterstützung unmittelbar im Haus zu erhalten, Nachbarn beim Kaffee besser kennenzulernen und damit
Einsamkeit vorzubeugen. In einigen Häusern bietet
Sophia darüber hinaus auch regelmäßige Beratung zu
sozialrechtlichen Fragen.
Das Engagement der städtischen Wohnungsbaugesellschaften, mithilfe von Sophia einen wichtigen
Beitrag zum Wohnen im Alter zu leisten, findet allgemeine Anerkennung. So wird Sophia explizit in den
Leitlinien der Berliner Seniorenpolitik genannt.

Rudolf Kujath und Melanie Rosliwek-Hollering, Sophia
Sophia Berlin GmbH
Mehrower Allee 52  |  12687 Berlin
Telefon: 030 93 02 08 70
info@sophia-berlin.de  |  www.sophia-berlin.de

Die Handarbeits­
gruppe im Senio­
renzentrum
­Friedrichshain des
Unionhilfswerks.
Foto: Gliesche

Dass der demografische Wandel unsere Gesellschaft
von Grund auf verändern wird, ist längst eine akzeptierte Tatsache. Doch die „neuen Alten“ werden nicht
nur älter, sie sind auch immer länger fit und gestalten
ihr Leben selbst. Eine zentrale Rolle spielt in diesem
Zusammenhang das Thema Wohnen. Ins Heim wollen
die wenigsten, doch die Pflege zuhause ist oft nicht
möglich. Schon die halbe Treppe im Flur oder die für
einen Rollstuhl zu schmalen Zimmertüren verwandeln das einst geliebte Zuhause schnell in einen Ort
voller Hindernisse.
Neue Wohnformen sind gefragt. Mittlerweile gibt
es jedoch eine ganze Reihe neuer Wohnformen für
Senioren, bei denen die individuellen Wünsche und
Bedürfnisse im Vordergrund stehen. „Wohnen mit Service“ – so lautet das Credo der Angebote, wie sie auch
das Unionhilfswerk in Kooperation mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte mbH (WBM) im Seniorenwohnhaus in der Singerstraße 83 im Programm hat. Bei der

Sanierung der Räumlichkeiten vor wenigen Jahren wurde darauf geachtet, alle Räume des Seniorenzentrums
barrierefrei zu gestalten. Bei den Wohnungen handelt
es sich um Ein- und Zweiraumwohnungen, welche von
den Senioren, das Durchschnittsalter liegt bei 75 Jahren,
direkt über die WBM angemietet werden.
Seit 1994 betreibt das Unionhilfswerk im Haus das
Senioren-Beratungs- und Begegnungszentrum Friedrichshain. Zu den Angeboten zählen unter anderem
Handarbeits- und Gymnastikgruppen, Spielenachmittage, Singen und Gedächtnistraining. Im Wintergarten-Café finden regelmäßig Feste und Vorträge statt,
zudem beraten die Mitarbeiter zu sozialen Fragen
oder nehmen Kontakt auf zu Ämtern, Seniorenvertretungen und Pflegediensten. Circa 40 Bewohner – rund
ein Drittel der Senioren in der Singerstraße hat eine
Pflegestufe – werden durch ambulante Pflegedienste
versorgt. Sie kümmern sich um die gesundheitlichen
Aspekte. Das Seniorenzentrum ist bemüht, die Menschen in die soziale Hausgemeinschaft zu integrieren.

20

4

Für ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Ein wichtiger
Bestandteil des Lebens in der Singerstraße ist außerdem die Arbeit mit Freiwilligen. Rund 15 Personen
sind hier regelmäßig sozial engagiert und ermög­
lichen durch ihren Einsatz ein noch breiteres Angebotsspektrum. Seniorengerechtes Wohnen – das wird
am ­Beispiel des Seniorenzentrums Friedrichshain in
der Singerstraße ganz deutlich – bedeutet weit mehr
als Barrierefreiheit und die regelmäßigen ­B esuche
eines Pflegedienstes. Hier werden Gemeinschaft und
Geborgenheit vermittelt, denn wie singt Herbert

w o h n e n i m a lt e r

­ rönemeyer so schön in einem seiner Songs: „Heimat
G
ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl!“
Katrin Dietl, Unionhilfswerk
Unionhilfswerk Senioren-Einrichtungen
­gemeinnützige GmbH
Senioren-Beratungs- und Begegnungszentrum
Friedrichshain, Ines Heinrich
Singerstraße 83  |  10243 Berlin
Telefon: 030 249 10 77  |  Fax: 030 24 63 86 85
www.unionhilfswerk.de/gesellschaften/
www.seniorenggmbh.php

Wohnungsanpassung – länger zuhause leben
Erhalt der Selbständigkeit durch den Abbau von Barrieren

Wohnberatung unterstützt Ältere und Menschen mit
Behinderung dabei, ihre Wohnung so den eigenen
Bedürfnissen anzupassen, dass sie möglichst selbständig und langfristig dort leben können. Dies ist unter
anderem in den Qualitätsstandards der Wohnberatung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. festgeschrieben.
Anpassen statt ausziehen. Der in den Leitlinien der
Berliner Seniorenpolitik formulierte Grundsatz, die
Wohnungsbestände auf altersgerechte Nutzung hin
zu betrachten, gilt auch grundsätzlich für die individuelle Wohnungsanpassung. Anpassungsmaßnahmen im Altbestand sind fast immer eine Verbesserung

des Wohnwertes auch für nachfolgende Wohnungsnutzer. Die Beratung zur Wohnungsanpassung kann
eine Alternative zum Wohnungswechsel sein, denn
auch kleine Veränderungen wie Zimmertausch oder
die Beseitigung von Stolperquellen können den Verbleib in der Häuslichkeit sichern. Bauliche Veränderungen der angestammten Wohnung können den
Verbleib auch bei gesundheitlichen Einschränkungen,
fortschreitender Behinderung oder Pflegebedürftigkeit auf lange Zeit sichern.
Die Beratung zur beziehungsweise Begleitung
bei der Wohnungsanpassung ist eine wichtige Aufgabe der Berliner Pflegestützpunkte, da die Leistungen zur Wohnungsanpassung auch per Pflegeversi-

4

21

w o h n e n i m a lt e r

cherung von den Pflegekassen finanziell unterstützt
werden. Um dieses Beratungs- und Unterstützungsangebot den Pflegebedürftigen weiter zugänglich zu
machen, wird auf gezielte Öffentlichkeitsarbeit und
Multiplikatoren bei engagierten Senioren gesetzt.
Die ehrenamtlichen Besuchsdienste der Kontaktstellen für Pflegeengagement werden durch Schulungen
der Pflegestützpunkte zu Mitteln der Sturzprävention
und kleinen Maßnahmen der Wohnungsanpassung
als Multiplikatoren gewonnen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegestützpunkte haben die Broschüre „Die Wohnung
anpassen“ erstellt. Diese ist in allen Pflegestützpunkten und bei ausgewählten Veranstaltungen erhältlich.
Ein kleiner Wohnungsdurchgang mit vielen Beispielen soll darin auf Möglichkeiten der Veränderung aufmerksam machen.
Wissenswerte zur Barrierefreiheit. Ein wichtiges
Beratungsinstrument der Pflegestützpunkte ist die
Datenbank Hilfelotse (hilfelotse-berlin.de). Über 13 000
Datensätze bilden Dienstleister zu allen pflegerischen
Themen und flankierende Angebote in Berlin ab. So
können dort beispielweise Handwerksfirmen mit spezifischen Kenntnissen zur Barrierefreiheit oder mit entsprechenden Zertifikaten gefunden werden oder sich
registrieren lassen. Die Pflegestützpunkte nutzen einheitliches Anschauungsmaterial, unter anderem eine
Datenbank zur Wohnungsanpassung mit Falldarstellungen, die auch per Tablet im Hausbesuch gezeigt
werden können.
Im April 2015 organisierten die Fachgruppe Ältere Menschen des Paritätischen Landesverbandes, der
Landesseniorenbeirat Berlin und die Pflegestützpunkte einen Fachtag zum Thema Wohnen im Alter in Berlin. Zwischen Politik und Verwaltung, Seniorenvertretungen, -beiräten, Interessierten, Angehörigen und
weiteren Multiplikatoren gab es einen Austausch über
die Wohnsituation älterer Menschen.

Fensterbad mit
bodengleichem
Duschbereich. Foto:
Pflegestützpunkt
Albatros gGmbH

Themen waren die Wohnungssuche für ältere Menschen angesichts der heutigen Berliner Wohnungssituation, die Suche nach der passenden Wohnform,
Unterstützungsinstrumente, Hilfen beim Umzug und
Best-Practice-Beispiele von Wohnungsunternehmen.
Die Ergebnisse des Fachtages wurden zu einem
Positionspapier zusammengefasst, das unter paritaetalsopfleg.de/index.php/altenarbeitaltenhilfe zu finden ist.
Astrid Schultze, Berliner Pflegestützpunkte
Pflegestützpunkt Pankow
Mühlenstraße 48  |  13187 Berlin
Telefon: 030 47 53 17 19  |  Fax: 030 47 53 18 92
psp.pankow@albatrosggmbh.de
www.albatrosggmbh.de

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w o h n e n i m a lt e r

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w o h n e n i m a lt e r

Qualitätssicherung für Pflege-Wohngemeinschaften
Transparenz-Offensive des Selbstbestimmtes Wohnen im Alter e.V.

Die Qualität muss
stimmen bei der
Betreuung in der
Pflege-WG. Foto:
Wolfram Klein

3.ai
adb_AZb_A5_081

09.10.13

Seit Gründung der ersten ambulant betreuten Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz im Jahr
1996 durch Klaus Pawletko (vom Freunde alter Menschen e.V.) hat sich diese Wohn- und Betreuungsform
rasant entwickelt: Rund 600 ambulant betreute Pflege-Wohngemeinschaften sind im Oktober 2015 beim
Landesamt für Gesundheit und Soziales gemeldet.
Pflege-Wohngemeinschaften haben sich teilwei­
se zu unkontrollierten Kleinstheimen entwickelt.
Von dem ursprünglichen Modell, dass Betroffene und
deren Angehörige eine WG gründen, als Auftraggebergemeinschaft einen gemeinsam gewählten Pflegedienst beauftragen und damit selbstbestimmte
Organisatoren der Betreuung, des Alltags sowie der
Pflege bleiben, hat sich die Realität aber inzwischen
weit entfernt. Angehörige sind nur bei maximal der
Hälfte der Fälle vorhanden, entsprechend viele Menschen werden von rechtlichen Betreuerinnen und
Betreuern begleitet. Nur ein kleiner Teil der Angehö-

16:23:06 Uhr

ng?
Diskriminieru
Nicht mit mir!

„Qualitätskriterien für ambulant betreute Wohn­
gemeinschaften für Menschen mit Demenz –
eine Orientierungs- und Entscheidungshilfe“
Hrsg.: Verein für Selbstbestimmtes Wohnen
Alter, Behinaufgru nd von
Gesch lecht,
Niema nd darf
her Herkunft,
derung, ethnisc
ng oder
Weltan schauu
werde n!
Religio n bzw.
ät benachteiligt
sexuel ler Identit
oder
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Sie
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chpart ner.
Anspre
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Wir berate n Sie
finden
Gemei nsam
und vertrau lich.
einen Weg.

ngsberatung
Antidiskriminieru
Alter oder Behind

erung

/ 27 59 25 27
Telefon: 030
59 25 26
Fax: 030 / 27
e
thilfe-b erlin.d
www.l v-selbs

im Alter SWA e.V., Berlin 2006.
Diese Broschüre wird derzeit komplett überarbeitet –
voraussichtliche Neuerscheinung im Sommer 2016.

rigen oder Betreuerinnen ist in der Lage oder willens,
die notwendige Verantwortung in dem ursprünglichen Modell zu übernehmen. Damit entfällt häufig
die so notwendige interne Kontrollinstanz.
Die im Grunde erfreuliche enorme Vielfalt der WGs
in Berlin entspricht einerseits den sehr unterschiedlichen Ansprüchen, der Eigenheit und Individualität
der verschiedensten Nutzerinnen und Nutzer. Andererseits existiert aber auch angesichts fehlender Qualitätsnormen ein kaum mehr zu durchschauender
Markt, auf dem sich WGs mit hervorragender Qualität, aber auch sehr problematische Mikro-Kosmen
(unkontrollierte Kleinstheimen) entwickelt und etabliert haben. So werden unter anderem sogenannte
Tagespauschalen (derzeit zwischen 102,41 Euro und
106,80 Euro pro Tag) gewährt, unabhängig davon, für
wie viele Menschen Betreuungs- oder Pflegepersonal
in einer WG eingesetzt wird.
Verbindliche Qualitätsstandards notwendig. Bei
all dem steht jedoch insbesondere der schutzbedürftige Mensch mit Demenz im Fokus, dem ein selbstbestimmtes und würdiges Leben im Alter ermöglicht werden soll. Hierfür können ambulant betreute
Pflege-Wohngemeinschaften eine sehr gute Lebensund Versorgungsform sein – vorausgesetzt, die Qualität stimmt! Dieser Problematik stellt sich der Verein
Selbstbestimmtes Wohnen im Alter (SWA e.V.). Seit
Gründung im Jahre 2001 beschäftigt sich der Verein mit Qualitätsstandards und Qualitätssicherung in
ambulant betreuten Pflege-Wohngemeinschaften.
2006 resultierte daraus eine Broschüre zu Qualitätskriterien, die bundesweit bekannt ist. Der Verein bietet
Beratung, Information und Austauschforen, engagiert
sich sozialpolitisch und in der Öffentlichkeit. Aktuell
startet der SWA e.V. eine Transparenz-Offensive zur
Qualitätssicherung, für die ein Evaluations-Instrument
entwickelt wurde.
Dennoch ersetzt auch dieses Instrument keine
umfassende und verbindliche Festschreibung von
Qualitäts-Standards, da es auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und Offenheit von qualitätsorientierten Anbietern beziehungsweise Organisatoren von ambulant
betreuten Wohngemeinschaften beruht. Gemein-

sam mit anderen Fachverbänden fordert der SWA e.V.
daher unter anderem umfangreiche Beratung, Transparenzkriterien und angemessene Personalquoten
sowie Qualifikationsanforderungen für alle ambulant
betreuten Pflege-Wohngemeinschaften in Berlin, wie
es diese in anderen Bundesländern bereits gibt.

Selbstbestimmtes Wohnen im Alter (SWA) e.V.
im Bürgerzentrum Neukölln
Werbellinstraße 42  |  12053 Berlin
Telefon: 030 85 40 77 18 (mit AB)
verein@swa-berlin.de  |  www.swa-berlin.de

Andrea von der Heydt, Vorsitzende des SWA e.V.

Generationsübergreifendes Wohnen in Gemeinschaft
Kreuzberger Wohntisch bietet Raum für alternative Wohnideen

Seit 2008 hat das Nachbarschaftshaus Urbanstraße begonnen, sich intensiver mit den Aufwertungsund Verdrängungsprozessen auseinanderzusetzen,
die Kreuzberg seit etwa zehn Jahren erlebt. „Wir nehmen die Ängste und die Unsicherheit vieler Menschen
ernst hinsichtlich ihrer Perspektive, hier in Kreuzberg
zu bezahlbaren Mieten wohnen bleiben zu können“,
sagt die Gemeinwesenarbeiterin Bahar Sanli.
Mit dem Kreuzberger Wohntisch sprechen wir seit
Anfang 2014 Menschen an, die am gemeinschaftlichen und/oder generationsübergreifenden Wohnen
interessiert sind. Der Wohntisch ist ein Begegnungsraum, in dem wir Menschen miteinander in Kontakt
bringen wollen, die in Kreuzberg leben (bleiben) wollen und gemeinsam mit anderen nach einer Wohnform suchen, die zu ihrer Lebenssituation und zu ihren
Vorstellungen passt. Insbesondere möchten wir Menschen mit Interesse an Wohnprojekten zur (bezahl­
baren) Miete unterstützen. Ziel des Wohntisches ist es,
dass sich Menschen kennenlernen, gemeinsame Aktivitäten starten und Wohnperspektiven entwickeln.
Der Wohntisch wird gemeinsam mit der Netzwerkagentur GenerationenWohnen organisiert.
Bereits im Herbst 2014 entstand aus dem Wohntisch heraus eine erste Gruppe von Menschen in der
zweiten Lebenshälfte, die „Xberger Wohnverwandtschaften“, die ihr Vorhaben so formuliert: „Unser Ziel ist
es, nicht an den Stadtrand gedrängt zu werden, son-

dern selbstbestimmt und selbständig in Kreuzberg
wohnen zu bleiben. Wir möchten uns gegenseitig
unterstützen und gemeinsame Aktivitäten erleben. Es
ist uns wichtig, in unseren vertrauten Kiezen zu bleiben und zugleich das nachbarschaftliche Zusammenleben aktiv mitzugestalten.“
Die Gruppe weiß um ihre niedrigen Renten und
die drohende Altersarmut. Sie will ein Wohnprojekt
zur Miete mit etwa 20 Wohnungen und zusätzlichen
Gemeinschaftsräumen in Kreuzberg umsetzen und
gern mit mehreren Generationen unter einem Dach
zusammenleben. Das Nachbarschaftshaus begleitet diese Gruppe bei der Suche nach einem geeigneten Haus und nach Unterstützung für die Umsetzung
ihres modellhaften Wohnprojektes.
Markus Runge, Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Urbanstraße 21  |  10961 Berlin
Telefon: 030 690 497 23  |  Fax: 030 693 73 09
m.runge@nachbarschaftshaus.de
www.nachbarschaftshaus.de
Netzwerkagentur GenerationenWohnen
Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft mbH
www.netzwerk-generationen.de

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25

v e r k e h r u n d m o b i l i tät i m a lt e r

Der Senat von Berlin wird verkehrspolitische Vorhaben zum
­weiteren Abbau von Barrieren und zur Steigerung der Mobilität
­älterer Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer in

Ehrenamtlich Freude und Nähe schenken

einem sicheren Verkehrsraum vorantreiben.

Besuchs- und Kontaktnetz des HVD

5. Verkehr und Mobilität
im Alter
2012

2016

2020

2017

118

Seit vielen Jahren besteht das Besuchs- und Kontaktnetz im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.
Wie in unserem humanistischen Selbstverständnis formuliert, ist es unser Ziel, Menschen praktische Lebenshilfe zu geben und Isolation und Stigmatisierung
entgegenzuwirken. Mithilfe eines ehrenamtlichen
Besuchsdienstes ermöglichen wir auch Menschen mit
Einschränkungen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, Neues kennenzulernen und in einer Gemeinschaft Spaß zu haben.

126
107

98

64 %

89

> ¹⁄ 

³

9

9
1

2

3

4

		 Zahlen und Fakten:
	

1 	Von

den 173 U-Bahnhöfen waren Ende 2012 in Berlin 98 stufenlos
­ rreichbar, davon 89 mit Aufzügen und 9 mit Rampen. Bis 2016 ist
e
der Einbau von Aufzügen in weiteren 28 U-Bahnhöfen geplant.

	

2 	Über

	

3 	Von

	

4 	Mehr

ein Blindenleitsystem verfügen rund 64 Prozent aller U-Bahnhöfe.

den 132 Berliner S-Bahnhöfen sind 118 stufenlos erreichbar.
Bis zum Jahr 2020 sollen sämtliche BVG-Bahnhöfe barrierefrei sein.
als ein Drittel aller in Berlin verkehrenden Straßenbahnen
sind ­behindertengerecht (Niederflurwagen mit Einstiegshilfe).
Bis Ende 2017 sollen alle Straßenbahnen barrierefrei nutzbar sein.

		Seit Ende 2009 sind alle in Berlin eingesetzten Omnibusse barrierearm
nutzbar.
		In Berlin gibt es 2100 Verkehrsampelanlagen. Viele ältere Fußgänger
­finden die Grünphasen zu kurz.
		Im öffentlichen Raum gibt es zu wenige Toiletten und nur 160 City­Toiletten sind barrierefrei.

Angebot konnte ausgebaut werden. Dafür erhalten wir vom Landesamt für Gesundheit und Soziales
finanzielle Mittel. Nachdem unser Besuchs- und Kontaktnetz lange Zeit ehrenamtlich organisiert wurde,
ist nun seit drei Jahren eine festangestellte Mitarbeiterin im Rahmen eines Minijobs für die Koordination
des Besuchsdienstes zuständig. Seither gibt es nicht
nur mehr Tandems, sondern vor allem hat sich die
Qualität der Arbeit merklich verbessert. Standards wie
regelmäßige Ansprache, Vorabgespräche für Freiwillige und zu Besuchende, Teamsitzungen, Fortbildungen, vernetztes Arbeiten mit anderen Sozialprojekten
oder Nachsorgeanrufe sind Grundlage unserer erfolgreichen Arbeit.
Kernaufgaben des Besuchs- und Kontaktnetzes
sind wöchentliche Besuche und Begleitung zu Ärzten oder bei Einkäufen. Weitere Angebote wie Ausflüge mit dem Kleinbus ins Umland oder gemeinsame
Konzertbesuche mit anschließender Begleitung nach
Hause werden gern angenommen.
Zeit für zwischenmenschliche Beziehungen. Viele
der Tandems bestehen seit Jahren und enge, vertrauensvolle Freundschaften sind gewachsen.
So betreut zum Beispiel Frau L. seit einem guten
Jahr die blinde Frau G., die durchaus körperlich fit ist.
Neben Vorlesen und Hilfe bei Behördengängen freut
sich Frau G. immer, wenn sie mit Frau L. auch mal das
Umland von Berlin genießen kann. Als Frau L. erzählte,
dass sie neben ihrem Auto noch ein großes Motorrad
besitze, war Frau G. nicht mehr zu bremsen. Mit einer
Spritztour hat sich für die 91-Jährige nun ein großer
Traum erfüllt. Auch die Tatsache, dass die beiden Frau-

en aus unterschiedlichen Generationen und gesellschaftlichen Verhältnissen (Ost und West) stammen,
macht ihre Beziehung zueinander besonders bereichernd und beide sind sehr dankbar für den Kontakt
zur jeweils anderen.
Doch die Begleitung älterer Menschen ist nicht
immer einfach und kann die Freiwilligen überfordern.
Zum Beispiel, wenn die zu Begleitenden plötzlich körperlich oder geistig schnell abbauen und die Frage
nach einem professionellen Pflegedienst auftaucht.
Für Besuchsdienste stellt die „Pflege“ der Freiwilligen
daher eine wichtige Aufgabe dar. Mit ihrem Engagement dürfen sie nicht alleine gelassen werden, denn
unser Ziel ist es, sie zu einem möglichst langen Engagement zu motivieren.
In unserer alternden Gesellschaft wird die Nachfrage nach Freiwilligen weiter wachsen, da professionelle Pflegedienste nicht alles auffangen werden können. Daher ist es wichtig, den Engagierten ordentliche
Rahmenbedingungen zu bieten. Ohne zusätzliche
finanzielle Mittel wird diese Aufgabe zukünftig nicht
zu bewältigen sein.
Carmen Malling
Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg e.V.
Humanistischer Verband Deutschlands
Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.
Wallstraße 61-65  |  10179 Berlin
Telefon: 030 61 39 04 0  |  Fax: 030 61 39 04 864
info@hvd-bb.de  |  www.hvd-bb.de

Foto: © HVD BerlinBrandenburg e.V.

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v e r k e h r u n d m o b i l i tät i m a lt e r

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v e r k e h r u n d m o b i l i tät i m a lt e r

Weniger Barrieren im Graefe-Kiez

Zuhause wohnen und am Leben teilhaben

Nachbarschaftshaus setzt sich ein für Nachbarschaft für alle

Mobilitätshilfe als Auftrag und Anliegen

der Prozess ins Rollen gebracht. Bei mehreren „Berollungen“ beziehungsweise Begehungen nach dem
Kiezspaziergang sowie in Gesprächen mit der Verwaltung wurde der akute Handlungsbedarf diskutiert. Mit
der anschließend erreichten Umsetzung von baulichen Veränderungen auf einer Straße und einem Platz
im Kiez konnten aktive Bewohnerinnen und Bewohner 2014 gleich zwei Erfolge auf dem Weg zu mehr
Barrierefreiheit feiern.
Im Sommer 2014 startete das Nachbarschaftshaus
mit der Bewohnergruppe „Barrierefreie Nachbarschaft“
und der Behindertenbeauftragten eine Rampenaktion
im Graefe-Kiez. In zwei Straßen wurden Gespräche mit
Gewerbetreibenden geführt, deren Geschäfte die baulichen Voraussetzungen für das Aufstellen einer mobilen Rampe erfüllten. Gleich mehrere Gewerbetreibende entschieden sich daraufhin für die Anschaffung.
Barrierefreie
Nachbarschaft.
Foto: Nachbarschaftshaus
Urbanstraße

5

Obgleich es im Graefe-Kiez mehrere Wohneinrichtungen für ältere Menschen gibt und viele ältere Bewohnerinnen und Bewohner noch in ihren eigenen Wohnungen leben, ist das nachbarschaftliche Umfeld von
vielen Barrieren gekennzeichnet. Menschen mit Rollatoren, Rollstühlen oder Sehbehinderungen finden
Schlaglöcher, lose Bodenplatten und Wurzeln vor. Oft
sind die Bordsteine bei Übergängen und Ampeln viel
zu hoch oder teilweise nur auf einer Straßenseite abgesenkt. Auch die Ampelanlagen selbst sind oft nicht
altengerecht. Zudem verschwinden die Sitzbänke aus
dem öffentlichen Raum, die für Ältere, aber auch für
Schwangere oder chronisch kranke Menschen Gelegenheit bieten, sich zwischendurch auszuruhen.
Plätze, Straßen und Geschäfte sollen für alle nutz­
bar sein. Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren
initiierte die Stadtteilarbeit im Graefe-Kiez 2013 einen
Partizipationsprozess zur Gestaltung einer barrierefreien Nachbarschaft. Mit einem Kiezspaziergang wurde

Barrierefrei arbeiten und kommunizieren. 2014 und
2015 bot das Nachbarschaftshaus als weiteren Baustein
eine kostenlose Qualifizierungsreihe für Anwohnerinnen und Anwohner aus Kreuzberg an. Diese konnten
sich in sechs thematisch vielfältigen Workshops unter
anderem zu Formen von Mobilitätseinschränkungen,
zur barrierefreien Öffentlichkeitsarbeit oder Veranstaltungsplanung weiterbilden. Die Vermittlung von
alltagstauglichem, praktischem Wissen stand dabei
im Vordergrund. Regelmäßige Austauschtreffen und
Exkursionen beispielsweise zu barrierefreien Orten
rundeten die Qualifizierungsreihe ab.

Bahar Sanli, Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Urbanstraße 21  |  10961 Berlin
Telefon: 030 69 04 97 21  |  Fax: 030 693 73 09
gekko@nachbarschaftshaus.de
www.nachbarschaftshaus.de

„Das ist so ’ne gute Sache, man kommt an die frische Luft, man sieht Menschen, endlich wieder Menschen…“, sagt Frau M. Auch Herr B. kann seine Wohnung nicht mehr alleine verlassen: „Die Arthrose in
den Knien macht mir zu schaffen. Ich bin über dieses Angebot sehr froh, jetzt kann ich meine Angele­
genheiten wieder selbständig regeln.“ Frau L. ist nach
einem Sturz auf einen Rollator angewiesen und benötigt Hilfe auf der Treppe zu ihrer Wohnung und Begleitung zum Einkauf. Alle drei leben in ihrer eigenen
Häuslichkeit und möchten den Kontakt zu ihrem vertrauten Umfeld weiter halten, solange es geht.
Bundesweit einmalig – 13 Mal in Berlin. Die drei
Senioren werden von den Berliner Mobilitätshilfediensten begleitet, die größtenteils aus Mitteln des
Landes Berlin (Integriertes Sozialprogramm) gefördert
werden. Von den Klienten wird hierfür eine geringe
Verwaltungs­pauschale erhoben, aber die Begleitung
ist kostenfrei. Dieses Angebot ist bundesweit einmalig. Die Mobilitätshilfedienste sind über 13 Einsatzstellen in allen Berliner Bezirken erreichbar. Träger sind
gemeinnützige Organisationen wie der Sozialverband
VdK, das Unionhilfswerk, der Humanistische Verband
oder der Fördererverein Heerstraße Nord.
Die Berliner Mobilitätshilfedienste leisten jährlich
über 300 000 Stunden Begleitdienste für ältere und
hochaltrige Berlinerinnen und Berliner, die auf diese
Dienst­leistungen angewiesen sind. Nach dem Motto „Draußen spielt das Leben  –  wir bringen Sie hin“
kann es sich hierbei zum Beispiel um eine Begleitung
zum Einkaufen, zu einer Veranstaltung, zum Treffen mit
Angehörigen oder einfach zum Spazierengehen handeln. Dabei geht es auch um Pflegeprävention und Vermeiden von stationärer Pflege und Heimeinweisung.
Seit über 25 Jahren für die Klienten da. Zu den Leistungsangeboten der Mobilitätshilfedienste gehören
Begleitdienste, Rollstuhlschiebedienste, Blindenführungen und Treppentransporte. Die Mitarbeiter werden gewissenhaft auf die verantwortungsvollen Aufgaben vorbereitet. Die Berliner Mobilitätshilfedienste

arbeiten seit über 25 Jahren koordiniert zusammen.
Grundlage ihrer Arbeit sind sorgfältig festgelegte
Qualitätskriterien. Am Anfang steht ein persönliches
Erstgespräch mit den Klienten, in dem die individuellen Bedarfe und Wünsche der Klienten besprochen
werden.
Tobias Baur
Koordinationsstelle Mobilitätshilfedienste, BBI
BBI Gesellschaft für Beratung Bildung
Innovation mbH
Bülowstraße 66  |  10783 Berlin
Telefon: 030 802 08 87 77  |  Fax: 030 802 08 87 88
t.baur@bbi-consult.de
www.berliner-mobilitaetshilfedienste.de

Unterstützung
beim Einkaufen
tut gut. Foto: Ralf
Behrendt

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V ER B RA U CHERSCH U TZ F Ü R Ä LTERE M ENSCHEN

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Der Schutz älterer Menschen in ihrer Rolle als Konsumentinnen
und Konsumenten ist ein zentrales Anliegen des Senats.
­Entsprechende Maßnahmen im Land Berlin orientieren sich an

Gut vorbereitet für den Fall der Fälle

dem Leitsatz „Verbraucherschutz ausbauen, Verbraucherinnen

Patientenverfügung und Notfallplanung

und Verbraucher stärken“; sie berücksichtigen dabei gezielt
auch die Bedürfnisse älterer Menschen.

6. Verbraucherschutz für
ältere Menschen
2013

2015
59

52

64

57

14 – 29

1

50 +

2

		 Zahlen und Fakten:
		Die vier grundlegenden Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher
sind:  das Recht auf Sicherheit, zum Beispiel was die Herkunft und
Zusammensetzung von Lebensmitteln angeht;  das Recht auf Infor­
mation, die es Verbrauchern als Marktteilnehmern erlaubt, bewusste
Entscheidungen zu treffen;  das Recht auf Wahlfreiheit, also der Zugang
zu einem Markt, der Wettbewerb garantiert;  das Recht, im Streitfall
ihre Ansprüche vorbringen und durchsetzen zu können.
	

1 	Der Verbrauchervertrauensindex

in Berlin ist im Jahr 2015 auf 59 von
100 Punkten gestiegen. Im Jahr 2013 lag er bei 52 Punkten.
2 	Unter jungen Menschen ist das Vertrauen größer: Bei den 14- bis 29	
Jährigen beträgt der Index 64 Punkte, bei den über 50-Jährigen 57.
		Als wichtigstes Handlungsfeld sehen die Verbraucher Essen und Trinken
an. Die größte Unzufriedenheit besteht im Handlungsfeld Finanzen
und Versicherungen.
		2011 hat der Berliner Senat Justiz und Verbraucherschutz in einem Ressort
zusammengefasst und eine eigene Staatssekretärin für Verbraucherschutz ernannt. Die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz
und der Landesseniorenbeirat Berlin (LSBB) tauschen sich regelmäßig
über den Verbraucherschutz für Senioren aus.

Das wollten auch Sie eigentlich immer schon mal
machen – sich aber doch lieber nicht damit beschäftigen? Die allermeisten Menschen hoffen ja, solange sie
einigermaßen gesund sind, in diesem Zustand möglichst alt zu werden. Und am Ende möchten sie ohne
Leiden aus diesem Leben scheiden können. Gerade
deshalb ist es so wichtig, rechtzeitig über das Thema
„meine Patientenverfügung“ nachzudenken und sich
beraten zu lassen.
Was ist, wenn ich nicht mehr selbst entscheiden
kann? Es geht darum, was sein soll, wenn Sie einmal
nicht mehr selbst über medizinische Maßnahmen
bestimmen können. Das betrifft beispielsweise eine
schwere Operation, eine Behandlung auf einer Intensivstation oder eine dauerhafte künstliche Ernährung
im Pflegeheim. Solange Sie selbst noch zur Entscheidung in der Lage sind, dürfen Ärztinnen und Ärzte Sie nur behandeln, wenn Sie einem Eingriff zuvor
zugestimmt haben. Können Sie nicht mehr selbst
entscheiden, muss ein Patientenvertreter hinzugezogen werden. Das ist entweder ein gerichtlich eingesetzter Betreuer oder aber ein von Ihnen bestimmter
Gesundheitsbevollmächtigter. Automatisch hat auch
ein naher Angehöriger keine Befugnis!
Gesetzlich haben sich später Ärzte und Ärztinnen
verbindlich an eine Patientenverfügung zu halten –
es will also sehr gut überlegt sein, was dort inhaltlich
wie formuliert ist. Eine optimale Patientenverfügung
ist auf Sie persönlich zugeschnitten. Es gibt aber auch
empfehlenswerte Standard-Patientenverfügungen.
Unterschreiben Sie keinesfalls einfach einen Vordruck,
der Ihnen fix und fertig vorgelegt wird.
Wir dokumentieren Ihre Wünsche und Entschei­
dungen. Wir als Beratungsteam im Humanistischen
Verband wissen, dass sich niemand gern mit derartigen Fragen beschäftigt – und wie entlastet sich unsere Klientinnen und Klienten anschließend fühlen. Wir
sind für Sie da, um Sie dabei zu unterstützen, sich über
das eine oder andere klar zu werden. Wir helfen Ihnen
unverbindlich und kostenfrei, die passende Lösung
zu finden und fertigen entsprechende Dokumente
für Sie an. Diese Leistung der Ausfertigung ist aller-

dings gebührenpflichtig. Auch bitten wir bei Zusendung unserer Vorsorge-Materialien darum, uns Druckund Portokosten zu ersetzen (auf unserer Internetseite
können sie auch kostenfrei heruntergeladen werden).
Bitte denken Sie daran: Nur wenn Ihre Wünsche dokumentiert oder bekannt sind, können diese im Fall des
Falles Berücksichtigung finden.
Neu: Versorgungsplanung im Pflegeheim. Unser
Leistungsspektrum im Humanistischen Verband geht
noch weiter: Wir bieten die Hinterlegung von Patientenverfügungen mit laufender Aktualisierung und Anpassung an veränderte Gegebenheiten. Speziell für Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner kann das eine
„Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase“ sein
(nach dem neu eingeführten § 132 g Sozialgesetzbuch
V). Dabei können wir deren Wünsche, Hoffnungen und
Ängste im einfachen Gespräch erfahren – gegebenenfalls mithilfe ihrer Vertreterinnen oder Vertreter. Es geht
etwa darum, ob das Pflegepersonal noch einen Notarzt
rufen soll beziehungsweise ob eine Klinikeinweisung
oder Intensivstation noch erwünscht wäre. Dabei sollen mögliche Missverständnisse rechtzeitig ausgeräumt
und Sicherheit für alle Beteiligten geschaffen werden.

Bundeszentralstelle Patientenverfügung
im Humanistischen Verband
Berlin-Brandenburg e.V.
Wallstraße 65  |  10179 Berlin
Telefon: 030 61 39 04-11, -12 oder -32
mail@patientenverfuegung.de
www.patientenverfuegung.de

Gemeinsam zur
Patientenverfügung
professionellen
Rat in Anspruch
nehmen. Foto: HVD
Berlin-Brdbg. e.V.

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6

V ER B RA U CHERSCH U TZ F Ü R Ä LTERE M ENSCHEN

6

Selbstbestimmung auch bei Betreuungsbedarf

Hilfe zur Selbsthilfe – damals wie heute

Aufgaben des Betreuungsvereins des Humanistischen Verbandes Berlin

Das Berliner Seniorentelefon hilft bei Einsamkeit und anderen Sorgen

Der Humanistische Betreuungsverein begleitet und
unterstützt Bürgerinnen und Bürger, die aufgrund
ihrer persönlichen Situation in verschiedenen Lebensbereichen nicht mehr allein handlungsfähig sind.
Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit sind daher
gesetzliche Betreuungen. Eine Betreuung ist die
Übernahme der gesetzlichen Vertretung für Menschen, die aufgrund einer seelischen oder geistigen
Erkrankung nicht mehr in der Lage sind, ihre eigenen Angelegenheiten zu regeln. Eine Richterin oder
ein Richter muss diese Betreuung anordnen. Dabei
wird auch festgelegt, für welche Aufgabenbereiche
die Betreuerin oder der Betreuer verantwortlich ist.
Die Mitarbeitenden unseres Betreuungsvereins übernehmen selbst keine körperliche Pflege wie Waschen
oder Verbinden und leisten auch keine Haushaltshilfe
wie Putzen oder Kochen. Vielmehr organisieren sie für
die Betreuten, dass entsprechende Dienstleister dies
übernehmen und im Sinne der Betreuten durchführen.

Im Sommer 1993 entschloss sich eine Gruppe von
Päda­gogikstudentinnen und -studenten der Technischen Universität Berlin mit Unterstützung einiger
Senio­rinnen und Senioren, das Projekt „Berliner Senio­
rentelefon“ zu entwickeln. Sie wollten eine Einrichtung
schaffen, die sich an eine bestimmte Zielgruppe wendet, die in unserer Gesellschaft häufig ausgegrenzt
wird, nämlich die älteren Menschen. Man wollte die
Anonymität des Telefons nutzen, um älteren Menschen ein Stück aus ihrer Isolation herauszuhelfen –
ohne lange Wege.

So war das bei unserer Betreuten Frau M. Frau M. kommt nach einem
Schlaganfall plötzlich in ein Krankenhaus. Die Erkrankung beeinträchtigt sie
so, dass sie keine Anträge mehr stellen und unterschreiben kann. Die Ärzte im
Krankenhaus beantragen beim Amtsgericht eine Betreuung für Frau M. Die
Betreuung wird unserem Vereinsbetreuer B. übertragen. Der Betreuer kümmert sich darum, dass Frau M. nach der Entlassung aus dem Krankenhaus
eine häusliche Unterstützung durch einen Pflegedienst erhält und sie, entsprechend ihrem Wunsch, weiter Zuhause wohnen kann. Den Wellensichtich
von Frau M. hat der Betreuer während ihres Krankenhausaufenthaltes bei
einer freundlichen Nachbarin untergebracht.

Individuelle Lösungen für Ratsuchende. Zu den
Aufgaben des Betreuungsvereins gehören auch die
Beratung, Schulung und Unterstützung von ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern sowie Bevollmächtigten. Die Beratung der Sozialpädagoginnen
und -pädagogen wie auch der Juristinnen und Juristen unseres Betreuungsvereins orientiert sich dabei an

den Leitlinien des Humanistischen Verbandes. In unserer täglichen Arbeit bedeutet dies, dass das Selbstbestimmungsrecht der Beratenen so weit wie möglich
Berücksichtigung findet, weshalb wir uns stets an ihren
eigenen Werten und Ressourcen orientieren. Wir zeigen Lösungswege auf und ermutigen die Ratsuchenden, ihre eigenen Wege zu finden und auch zu gehen.
Eine weitere Aufgabe ist die Beratung zur Vorsorge.
Hier versuchen wir, die Bürgerinnen und Bürger dahingehend zu unterstützen, sich selbst zu überlegen, wie
und durch wen sie bei eigener möglicher Entscheidungsunfähigkeit betreut werden wollen, und diese
Überlegungen in die Vorsorgedokumente einfließen
zu lassen.
Die eigenen Rechte kennen und nutzen. Unser Verein ist seit 1992 vom Berliner Senat anerkannt und vorwiegend in den Berliner Bezirken Mitte, Reinickendorf
und Pankow tätig. Unsere Leistungen stehen allen
Bürgerinnen und Bürgern mit einem entsprechenden Bedarf zur Verfügung. Wichtig ist uns, das Thema gesetzliche Betreuung und Vorsorge stärker in das
Bewusstsein der Menschen rücken zu lassen, ihre Entscheidungsfähigkeit in allen Phasen ihres Lebens zu
sichern. Das Wissen um die eigenen Rechte stärkt Bürgerinnen und Bürger in ihrem eigenen Handeln.
Auf der Internetseite der Interessengemeinschaft
der Berliner Betreuungsvereine finden Sie Ansprechpartner für alle Berliner Bezirke. Sie können sich auch
bei den bezirklichen Betreuungsbehörden erkundigen, die Teil der Bezirksämter für Soziales sind: berliner-betreuungsvereine.de

Alexandra Gerken, Leitung, Humanistischer Betreuungsverein Mitte, Pankow und Reinickendorf
Humanistischer Betreuungsverein Mitte,
­Pankow und Reinickendorf
Schicklerstraße 5-7  |  10179 Berlin
Telefon: 030 441 30 56  |  Fax: 030 441 30 59
betreuungsverein-mitte@hvd-bb.de
www.betreuungsverein.hvd-berlin.de

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V ER B RA U CHERSCH U TZ F Ü R Ä LTERE M ENSCHEN

Mit den eigenen Erfahrungen anderen weiterhel­
fen. Dass die Idee der Gründerinnen und Gründer nach
über 20 Jahren genauso aktuell ist wie damals, beweisen die Anruferzahlen. Nach wie vor ist das wichtigste Element unseres Angebotes, Hilfe zur Selbsthilfe zu
leisten. Geändert haben sich nur die Inhalte der Anrufe. Überwogen in den ersten Jahren die Nachfragen
zu „Wo erledige ich was?“, steigt in den letzten Jahren
kontinuierlich der Anteil an längeren Gesprächen aus
Einsamkeitsgründen.
Seit seiner Gründung ist das Berliner Seniorentelefon ein reines Ehrenamtsprojekt und Träger ist seit 2000
der HVD, Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. Der
größte Teil der Teammitglieder hat ihre Lebensarbeitszeit mit Familie und Beruf hinter sich und sucht nach
einer sinnvollen Gestaltung dieses neuen Lebensabschnittes. Sie bringen viel Erfahrungswissen aus den
unterschiedlichen Bereichen mit.
Zusammenhalt der ehrenamtlichen Berater. Außer
ihrem Dienst am Telefon treffen sich Alle regelmäßig
zu Teamberatungen und Schulungen, um Probleme
aus den Anrufen zu erörtern, sich zu seniorenrelevanten Themen weiterzubilden, Aufgaben zur öffent­
lichen Präsentation zu beraten, neue Ideen zu ent­

wickeln (zum Beispiel die „Kontaktbrücke“), aber auch
teamfestigende Maßnahmen wie Exkursionen oder
Veranstaltungsbesuche vorzubereiten.
Der aktive Kern umfasst 12 bis 18 engagierte Mitglieder, zum Teil noch aus den ersten Jahren und solche, die erst in den letzten Jahren ihre Tätigkeit aufgenommen haben. Die Motive für die Mitarbeit liegen
auf zwei Ebenen, nämlich der individuellen – sich
selbst zu helfen, selbst zu handeln – und der sozialen – für andere da zu sein.
Andrea Käthner-Isemeyer, Humanistischer Verband
Deutschlands, LV Berlin-Brandenburg
Berliner Seniorentelefon
des Humanistischen Verbandes Deutschlands,
LV Berlin-Brandenburg
Wallstraße 61-65  |  10179 Berlin
Telefon: 030 279 64 44  |  Fax: 030 61 39 04-864
info@berliner-seniorentelefon.de
www.berliner-seniorentelefon.de

Zuhören und
Ratgeben am
Telefon. Foto:
Wolfram Klein

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7

V ER h i n d e r u n g v o n a l t e r s d i s k r i m i n i e r u n g

33

Der Senat von Berlin setzt sich dafür ein, dass das Berliner Landes­
recht von altersdiskriminierenden Vorschriften bereinigt wird und
die Rahmenbedingungen für ein diskriminierungsfreies Klima in
der Stadt weiter gestärkt werden. Dabei wird der Senat besonderes
Augenmerk auf Mehrfachdiskriminierungen legen, wie beispiels­

Was tun bei Benachteiligung wegen Alters oder
Behinderung?
Die Antidiskriminierungsberatung der LV Selbsthilfe Berlin e.V.

weise ältere Menschen mit Behinderungen.

7. Verhinderung von
­Altersdiskriminierung

Neben Geschlecht und ethnischer Herkunft gehört das Alter zu den
­häufigsten Diskriminierungsgründen.
Eine Expertise der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem
Jahr 2010 stellte Unterschiede in der Behandlung älterer und jüngerer
­Menschen in den Bereichen Arbeit, Gesundheit und Pflege, Wohnen,
Finanzen und Versicherungen fest. Benachteiligt werden überwiegend
ältere Menschen.
Mehrfachdiskriminierung ist eher die Regel als die Ausnahme. Häufig
­betroffen von Mehrfachdiskriminierungen sind zum Beispiel alte
­Menschen weiblichen Geschlechts und alte Menschen mit Behinderung.
Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, wurde 2006 erlassen. Es schützt neben Diskriminierung zum Beispiel wegen ethnischer Herkunft, Weltanschauung,
Behinderung, Geschlecht oder sexueller Identität auch vor Benachteiligungen wegen des Lebensalters in zentralen Bereichen wie der Arbeitswelt und dem Zivilrechtsverkehr.

Diskriminierung aufgrund des Lebensalters betrifft
uns alle, völlig unabhängig vom jeweiligen Alter: Man
kann als zu jung oder auch als zu alt für etwas angesehen werden – je nach Zusammenhang.
Die Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung (ADB) bietet Beratung, Unterstützung und
Begleitung für alle Berlinerinnen und Berliner, die sich
aufgrund ihres Alters oder/und aufgrund einer Behinderung diskriminiert, also ungleich behandelt, sehen.
Die Beratung ist kostenlos und vertraulich. Finanziert
wird dieses Angebot aus Mitteln der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Grundlage
für die Beratungsarbeit ist unter anderem das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das Benachteiligung aus Gründen der ethnischen Herkunft, des
Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer
Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität
verhindern und beseitigen soll.
Erster Schritt: Beratung ohne Barrieren. Die Beratungsstelle ist niedrigschwellig, das heißt sie soll für
möglichst alle Ratsuchenden erreichbar und offen
sein. Die Geschäftsstelle der Landesvereinigung
Selbsthilfe Berlin e.V., bei der die ADB angesiedelt ist,
ist barrierefrei eingerichtet, liegt zentral in Berlin-Mitte und es wird versucht, auf alle spezifischen Bedarfe der Ratsuchenden Rücksicht zu nehmen. Sofern
Ratsuchende beispielsweise sehr mobilitätseingeschränkt sind, besteht auch die Möglichkeit, sich an
einem anderen Ort zu treffen, gegebenenfalls in einer
Einrichtung oder auch im häuslichen Umfeld. Gerne
können die Anfragen zu möglicher Ungleichbehandlung auch von Angehörigen oder Multiplikatorinnen
beziehungsweise Multiplikatoren kommen.
Konkret kann die Beratungsstelle zum Beispiel
durch bestimmte Interventionen unterstützen und versuchen, die Diskriminierung zu benennen und zu verhindern: Zunächst wird der Sachverhalt genau geklärt.
Anschließend wird die Gegenseite um eine Stellungnahme gebeten, gegebenenfalls ein Beschwerdebrief
aufgesetzt. Die Beraterinnen und Berater verweisen
auf erfahrene Rechtsbeistände, begleiten bei Bedarf
zu Gesprächen. Schließlich wird nach individuellen
Lösungsstrategien gesucht, in die auch andere Inte-

Diskriminierung?
Nicht mit mir!
Foto: Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e.V.

ressenvertreterinnen und -vertreter oder Organisationen mit einbezogen werden.
Alltägliche Diskriminierungsfälle. So wurden seit
der Eröffnung der Beratungsstelle Ende 2012 bereits
Menschen in folgenden Problemlagen unterstützt, in
denen eine Ungleichbehandlung beispielsweise aufgrund des Alters und/oder einer Behinderung vermutet wurde:  Fragen der Gewährung von Hilfs- und Heilmitteln durch die Krankenkassen  Neubeantragung
und Verschlimmerungs-Antrag beim Versorgungsamt,
Umgang mit Gutachten und nicht barrierefreien Gutachter-Praxen  Dienstleistungsanbieter, die wegen
eines vermeintlich zu hohen Alters Kunden ausgrenzen (zum Beispiel Autovermietung)  ehrenamtliche
Tätigkeiten, wie Schöffin oder Schöffe, Engagement
für Vereine et cetera, die mit einer (sinnfreien) Altersgrenze versehen sind  in beruflichen Zusammenhängen Schwierigkeiten mit Arbeitgeber oder Kollegium,
sofern diese als diskriminierend wegen des Alters oder
einer Behinderung empfunden werden  und viele
weitere Beschwerdegründe

Franziska Müller
Antidiskriminierungsberatung Alter oder Behinderung
Antidiskriminierungsberatung Alter oder
Behinderung, Landesvereinigung Selbsthilfe
Berlin e.V
Littenstraße 108  |  10179 Berlin-Mitte
Telefon: 030 27 59 25 27  |  Fax: 030 27 59 25 26
mueller@lv-selbsthilfe-berlin.de
www.lv-selbsthilfe-berlin.de

Barrierefreier
Zugang.
Beratung:
Di. 9–13 Uhr und
Do. 13–17 Uhr
nach Anmeldung.

34

8

Ä l t e r e L e s b e n , S c h wu l e , B i s e x u e l l e , T r a n s - u n d i n t e r g e s c h l e c h t l i c h e M e n s c h e n ( LS B TI )

35

Der Senat von Berlin setzt sich für die Belange älterer Lesben,
Schwuler, Bisexueller und trans- und intergeschlechtlicher
­Menschen aktiv ein und verurteilt jede Diskriminierung dieser

Queeres Leben und Lieben im Alter

­Menschen.

Bei den „Rosa Falten“ stehen die „Alten“ auf der Bühne

8. Ältere Lesben, Schwule,
Bisexuelle, trans- und
intergeschlechtliche
Menschen (LSBTI)
29 %
8 %

13 %

3 %
1

2

		In Berlin leben geschätzt 40 000 Lesben und Schwule, die älter als
65 ­Jahre sind. Über die Zahl der bisexuellen, trans- und intergeschlecht­
lichen Menschen dieser Altersgruppe lässt sich keine Aussage treffen.
		Eine Umfrage unter ambulanten und stationären Senioreneinrichtungen
in Berlin ergab 2011:
1 	Lediglich in 8 % der ambulanten und 3 % der stationären Angebote
	
gibt es Qualitätsstandards zu LSBTI-Lebensweisen.
2 	29 % der ambulanten und 13 % der stationären Einrichtungen
	
machen spezifische Angebote für LSBTI-Senioren.
		Die Hälfte der Einrichtungen sieht die Notwendigkeit, sich mehr mit dem
Thema zu beschäftigen.
	

	Unter Paritätischem Dach versammeln sich 14 Vereine von und für
queer lebende Menschen, die in vielfältigen Projekten beraten, unter­
stützen, begleiten und gesellschaftliche Aufklärung betreiben. Angebote
für LSBTI im Alter machen das „Netzwerk Anders Altern“ der Schwulen­
beratung Berlin gGmbH, die RuT – Offene Initiative lesbischer Frauen e.V.,
der Sonntags-club e.V. , Mann-O-Meter e.V. und das Antidiskriminierungs­
projekt „Stand Up“ der Schwulenberatung Berlin gGmbH.

Die Leitlinie 8 ist sehr umfassend und muss natürlich auf alle Lebensbereiche der älteren lesbischen,
schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) übertragen werden.
Nach dem Austritt aus dem Berufsleben fallen
zwar die Diskriminierungen im Arbeitsumfeld weg,
aber nun werden die Menschen mit neuen, vorher
nicht relevanten Situationen konfrontiert. Themen
wie Altenheim, Pflege, Sex im Alter, Einsamkeit – mangels nicht vorhandener Familien (Kinder, Enkel und oft
auch Partner) – stellen die Betroffenen vor neue Herausforderungen.
Theater schafft ein Sprachrohr für ein wichtiges
Thema. Unter dem Gesichtspunkt der Stigmatisierung älterer Lesben, Schwuler, Bisexueller und transund intergeschlechtlicher Menschen hat das Theater
der Erfahrungen in Kooperation mit der Schwulenberatung Berlin die „Rosa Falten“ in die Senioren-Theaterszene geschickt. Durch den Aufbau dieser Gruppe 2012
im Rahmen des Netzwerks Anders Altern der Schwulenberatung Berlin ist ein Sprachrohr für eine Gruppe
von schwulen älteren Männern, lesbischen und heterosexuellen Frauen entstanden, die ihre Erfahrungen
über die Bühne in den Sozialraum schicken und damit
Geschichtliches und Persönliches sichtbar machen.
Die „Rosa Falten“ proben im Lebensort Vielfalt. In
diesem Haus leben mehrere Generationen in Vielfalt zusammen – etwa 60 Prozent der Bewohner sind
schwule Männer über 55, rund 20 Prozent sind Frauen,
weitere 20 Prozent sind jüngere schwule Männer. Mitglieder der hier angesiedelten Pflege-WG für schwule
ältere Männer wurden eingeladen und aus der Thea­
tergruppe entwickelte sich eine inklusive Gruppe:
Menschen im Rollstuhl und mit Demenzerkrankung
konnten erfolgreich in die „Rosa Falten“ eingebunden
werden.
Offener Umgang mit der Diskriminierung. Themenschwerpunkt war und ist die Sensibilisierung der
Gesellschaft für die Belange von älteren lesbischen,
schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen. Kontakte zu Jugendlichen in Freizeiteinrichtungen oder Auftritte bei Fachtagungen und

in Nachbarschaftsheimen oder in interkulturellen Einrichtungen machen es möglich, ein breites Publikum
mit diesen Themen zu konfrontieren und vor allen Dingen nach den Präsentationen darüber ins Gespräch zu
kommen. Die Gruppe geht offensiv mit ihren Themen
um und nimmt kein Blatt vor den Mund, denn Reibung ist erwünscht. Durch die nun schon vierjährige
Zusammenarbeit der Gruppe und die vielen Auftritte und Aktivitäten wird deutlich, wie ältere Menschen
mit dem Thema Diskriminierung umgehen.
Das wichtigste Stück – das 2012 entwickelte „Wir
leben noch!“ – wird permanent nachgefragt und zeigt
die Lebensläufe von zwei schwulen älteren Männern,

Theatergruppe
Rosa Falten mit
ihrer Produktion
„Millionenbauern“.
Foto: Theater der
Erfahrungen

36

8

Ä l t e r e L e s b e n , S c h wu l e , B i s e x u e l l e , T r a n s - u n d i n t e r g e s c h l e c h t l i c h e M e n s c h e n ( LS B TI )

die in den 40er Jahren geboren und den steinigen Weg
der Stigmatisierung über viele Jahre gegangen sind.
Die Zuschauenden erfahren in mehreren Stationen von den entscheidenden Ereignissen im Leben
der beiden Männer und davon, was es hieß, schwul zu
sein in einer Zeit, in der Schwulsein noch strafrechtlich verfolgt wurde. Aber die Stationen zeigen auch
auf, was das Leben dieser beiden Männer darüber hinaus ausmacht, sie werden nicht nur auf ihre sexuelle
Orientierung reduziert.
Das Stück sorgt bei jedem Auftritt für viel Gesprächsstoff. Die Spielenden kommen mit den Zuschauenden
in Kontakt und sorgen dafür, dass die Barrieren im Kopf

8

Ä l t e r e L e s b e n , S c h wu l e , B i s e x u e l l e , T r a n s - u n d i n t e r g e s c h l e c h t l i c h e M e n s c h e n ( LS B TI )

37

fallen. Hier wird sehr aktiv und bürgernah an der oben
genannten Leitlinie gearbeitet – ehrenamtliches Engagement bringt die „Alten“ nach vorne.
Dietmar von der Forst
Theater der Erfahrungen – Werkstatt der alten Talente
Theater der Erfahrungen – Werkstatt der alten
Talente
Vorarlberger Damm 1  |  12157 Berlin
Telefon: 030 855 42 06  |  Fax: 030 855 43 78
theater-der-erfahrungen@nbhs.de
www.theater-der-erfahrungen.nbhs.de
Gemeinsam
­wohnen und in die
Jahre kommen.
Foto: RuT

Gemeinschaft, Kultur und Pflege im Alter
Das Projekt RuT-FrauenKultur&Wohnen

RuT-FrauenKultur&Wohnen – das ist inklusives generationenübergreifendes Leben und Wohnen für frauenliebende Frauen in Berlin: selbstbestimmt, diskriminierungsfrei, barrierefrei und bezahlbar.
Nicht genug Angebote für lesbische Frauen im
Alter. Idee des Projektes ist es, einen inklusiven Ort zu
schaffen, an dem 60 frauenliebende Frauen in einer
solidarischen Frauen-/Lesbengemeinschaft wohnen und leben können und bis zu ihrem Lebensende selbstbestimmt und so selbständig wie möglich
bleiben können. Der wachsenden Zahl lesbischer
Frauen, die in die Jahre kommen, steht ein nur sehr
geringes Angebot gegenüber, das auf ihre Interessen
und Bedürfnisse ausgerichtet ist. Deshalb will RuTFrauenKultur&Wohnen einen Beitrag dazu leisten, diese Versorgungslücke zu schließen. Rund 200 Interessentinnen haben sich bisher eingetragen, es erfolgen
permanent weitere Anfragen.

Wesentlicher Inhalt des geplanten Projektes ist es,
bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit Mehrfachdiskriminierung zur Verfügung zu stellen: frauenliebenden Frauen im Alter und Lesben mit Behinderung.
Frauen sind in besonderem Maße von Altersarmut
betroffen. Sie haben aufgrund struktureller Benachteiligung deutlich weniger Geld im Alter zur Verfügung.
So ist laut dem ersten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung von 2011 die durchschnittliche Rente von Frauen nicht einmal halb so groß wie die von
Männern. Als politisches Signal für die Sichtbarkeit
und Wertschätzung von Lesben wollen wir mit dem
Projekt auch dazu beitragen, der strukturellen Benachteiligung von Frauen/Lesben entgegenzuwirken.
RuT-FrauenKultur&Wohnen bietet
Wohnen:  Gemeinschaftliches generationenübergreifendes Wohnen in  50 bid 60 barrierefreien Wohnungen  Bezahlbare Wohnungen auch für sozial

schwache Mieterinnen  Rollstuhlgerechte Wohnungen für Frauen mit Behinderung  Passivhausstandard
Pflege und Gesundheitsprävention:  Pflege-Wohngemeinschaft für acht bis zehn schwerstpflegebedürftige und demenzkranke Lesben  Ambulante Pflege
im Haus und  Eine Servicestation Pflege  Gesundheitsprävention – Kurse und Veranstaltungen
Kultur- und Freizeitveranstaltungen:  Begegnung
und Kommunikation  Mitbestimmung und Teilhabe
 Fachkompetenz mit Bildungs- und Fachveranstaltungen, Beratung und Information für Frauen/Lesben,
Vernetzung
Gästewohnungen und Gemeinschaftsräume runden das Konzept ab.
So schnell wie möglich loslegen. Der Besuchsdienst
„Zeit für Dich“ des RuT unterstützt die Versorgung der
Frauen im Projekt.
Aktuell wird dringend ein geeignetes Grundstück
für das Projekt innerhalb des S-Bahnrings gesucht
(circa 3000 Quadratmeter). Sobald das Grundstück
gefunden wird, können wir sofort mit der Realisierung
beginnen, denn vieles ist schon vorhanden: 50 Frauen, die sich verbindlich angemeldet haben, mehr als

200 stehen bereits auf der Warteliste, eine Bank ist
bereit, uns Kredit zu gewähren, viele Frauen haben uns
zinslose Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Zusage
der ­Lotto-Stiftung und die Unterstützung des Senats
geben einen Hinweis darauf, dass das Land Berlin an
dem Projekt ein hervorgehobenes Interesse hat. Der
Paritätische Berlin engagiert sich und unterstützt unser
Projekt seit Jahren in vielerlei Hinsicht: durch fachliche
Beratung, mit finanzieller Unterstützung für die Entwicklung des Projektes; Prof. Barbara John unterstützt
als Mitglied unseres Kuratoriums das Projekt.
Das geplante Projekt ist einzigartig in Berlin. Es ist
ein politisches Signal für die Sichtbarkeit und Wertschätzung von Lesben. Wir arbeiten intensiv daran,
dass wir bald ein Grundstück gefunden haben und
mit der Realisierung beginnen können.
Jutta Brambach
Rad und Tat – Offene Initiative Lesbischer Frauen e.V.
RuT – Rad und Tat –
Offene Initiative L­ esbischer Frauen e.V.
Schillerpromenade 1  |  12049 Berlin
Telefon: 030 621 47 53  |  Fax: 030 621 47 53
j.brambach@rut-berlin.de
www.lesbischeinitiativerut.de

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8

Ä l t e r e L e s b e n , S c h wu l e , B i s e x u e l l e , T r a n s - u n d i n t e r g e s c h l e c h t l i c h e M e n s c h e n ( LS B TI )

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Ä l t e r e L e s b e n , S c h wu l e , B i s e x u e l l e , T r a n s - u n d i n t e r g e s c h l e c h t l i c h e M e n s c h e n ( LS B TI )

Ein schwules Mehrgenerationenhaus
Der Lebensort Vielfalt der Schwulenberatung Berlin

ist mit einer bodengleichen Dusche ausgestattet, ein
anderer Teil mit einer Badewanne. Alle Wohnungen
haben einen Südbalkon. Die Wohnungsmieten liegen
zurzeit bei durchschnittlich 11 Euro Warmmiete. Die
kleineren Wohnungen im Lebensort Vielfalt haben
einen reduzierten Mietpreis und sind auch für Menschen mit geringem Einkommen beziehungsweise
Hartz-IV-Empfänger erschwinglich.
Neben den erwähnten Wohnungen beherbergt
das Gebäude in der Niebuhrstraße 59/60 auch ein
Restaurant mit Veranstaltungsbetrieb – den „Wilde
Oscar“ –, eine betreute Wohngemeinschaft für schwule Männer mit Pflegebedarf, eine schwul-lesbische
Ausleihbibliothek sowie Büros und Beratungsräume
der Schwulenberatung Berlin.

Wohngemeinschaft für schwule
Männer mit
Pflegebedarf im
Lebensort Vielfalt.
Foto: Schwulen­
beratung Berlin

Im Jahr 2012 eröffnete in Berlin-Charlottenburg das
europaweit erste schwule Mehrgenerationenhaus.
Die meisten Wohnungen in diesem Haus bewohnen
schwule Männer im Alter von 55 bis 85 Jahren. Diese
Männer haben einen Großteil ihres Lebens in Angst
vor Diskriminierung und strafrechtlicher Verfolgung
aufgrund ihrer Homosexualität leben müssen. Sie
genießen die Tatsache, dass Schwulsein im Lebensort
Vielfalt selbstverständlich ist. Genauso wichtig ist den
schwulen Bewohnern aber auch, dass einige Wohnungen für Frauen und jüngere Männer reserviert sind
und daher nicht das Gefühl entsteht, in einem Altenheim oder „Schwulen-Reservat“ zu leben. Die Mieter
und Mieterinnen legen Wert auf eine gelebte Nachbarschaft und gemeinschaftliche Aktivitäten. Auf diese Weise hat man sich inzwischen gut kennengelernt
und es ist eine starke Hausgemeinschaft entstanden.

Mitsprache beim Konzept sorgt für ein gutes
Gefühl. Insgesamt verfügt das Haus über 24 Wohnungen, größtenteils Zweiraumwohnungen, aber auch
mehrere Einraum-, Dreiraum- und eine Vierraumwohnung. Alle Wohnungen wurden nach einer Entkernung der oberen Stockwerke des Gebäudes entsprechend der Pläne des Architekten Ullrich Schop
barrierefrei und zum Teil rollstuhlgerecht ausgeführt
– und zwar auf der Grundlage des Wohnkonzepts, an
dessen Entwicklung viele Mieter beteiligt waren. Diese
Beteiligung ist sicher ein wichtiger Grund dafür, dass
sich die Menschen hier wohlfühlen. Aufgrund der Mitsprache bei der Konzeptentwicklung verfügen nun
beispielsweise einige Wohnungen über eine separate, andere über eine offene Küche. Ein Teil der Bäder

Engagiert für die Mitbewohner im Haus. Mitarbeiter des Seniorenprojekts der Schwulenberatung Berlin
(Netzwerk Anders Altern) fördern die Hilfsbereitschaft
und das Engagement der Mieter untereinander. So
wurde zum Beispiel für alle Bewohner, die sich verstärkt um jene Nachbarn im Haus kümmern wollen,
die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ein kostenloses Rollstuhl-Training organisiert. Außerdem koordiniert das Netzwerk einen ehrenamtlichen Besuchsdienst (Mobiler Salon), der schwulen Männern in ganz
Berlin, aber eben auch einigen Bewohnern des Hauses
zugutekommt.
Die Schwulenberatung Berlin verspricht den Mietern im Lebensort Vielfalt, dass im Falle des Eintritts
von Pflegebedürftigkeit ambulante Pflege organisiert wird und die Mieter nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen müssen. Nur in Ausnahmefällen wird
ein stationärer Aufenthalt nicht vermeidbar sein. Eine
Alternative bietet die Wohngemeinschaft für acht
pflegebedürftige schwule Männer, die sich im Haus
befindet. In dieser WG ist ein Mitarbeiter des Netzwerk Anders Altern 20 Stunden wöchentlich für die
Betreuung der Bewohner und die Koordination nichtpflegerischer Leistungen zuständig. Konkret heißt das
beispielsweise, Gruppen- und Einzelgespräche anzubieten, mit den Bewohnern biografisch zu arbeiten,

Krisenberatungen durchzuführen, Mitarbeitende der
Beratungsstelle und Multiplikatoren über das Projekt
zu informieren oder Fortbildungen zu organisieren.
Vor allem aber geht es darum, Bewohner zu motivieren, geeignete Außenaktivitäten wahrzunehmen. So
nehmen drei Mieter der Pflege-WG mittlerweile an der
inklusiven Theatergruppe „Rosa Falten“ teil, die im Rahmen des Netzwerk Anders Altern angebotenen und
vom Paritätischen gefördert wird. Der Mitarbeiter kümmert sich aber nicht nur um eine gute Integration pflegebedürftiger Mieter, er garantiert außerdem als Bindeglied zwischen der Schwulenberatung Berlin und
der Wohngemeinschaft beziehungsweise dem Pflegedienst einen qualifizierten fachlichen Austausch.
Für mehr Offenheit bei Senioreneinrichtungen.
Ein auf schwule Senioren spezialisiertes Wohn- und
Pflegeprojekt kann freilich nur ein Segment in einer
vielfältigen Versorgungslandschaft sein. Allerdings
sind heutige Senioreneinrichtungen auf schwule und
lesbische Bewohnerinnen und Bewohner häufig nicht
vorbereitet. Die Schwulenberatung Berlin – seit 2015
Mitglied im Landespflegeausschuss – beabsichtigt
daher, herkömmliche Alten- und Pflegeeinrichtungen
bei ihrer Öffnung für kulturelle beziehungsweise sexuelle Vielfalt zu unterstützen. Die Mittel für ein entsprechendes Qualifizierungsprojekt sind Ende 2015 beantragt worden.
Der Lebensort Vielfalt freut sich auf Besuch. Wer
nicht nur auf einen Kaffee im Wilden Oscar vorbei
schauen sondern sich ausführlicher informieren will,
vereinbart am besten einen Termin.

Dr. Marco Pulver, Schwulenberatung Berlin gGmbH
Schwulenberatung Berlin gGmbH
Niebuhrstraße 59/60  |  10629 Berlin
Telefon: 030 233 690 70  |  Fax: 030 233 690 98
info@schwulenberatungberlin.de
www.schwulenberatungberlin.de

39

40

9

41

Lebenslanges Lernen

Der Senat von Berlin bekennt sich zum Prinzip des lebenslangen
­Lernens. Er will ältere Menschen verstärkt ermutigen, Weiter­
bildungs- und Qualifizierungsangebote wahrzunehmen. Lebens­

22 Jahre erfolgreiche Arbeit mit Erfahrungswissen

langes Lernen soll auch in den Personalentwicklungskonzepten

Selbst erlebte Geschichte nachfolgenden Generationen näherbringen

der Landesverwaltung als Leitprinzip nachhaltig verankert und
­gezielt umgesetzt werden.
Fröhliches Lachen erklang aus einem Klassenzimmer
in einem Berliner Gymnasium. Was war die Ursache für
diese Fröhlichkeit? Frau L. Kubitza, eine vitale 75-jährige Seniorin, hatte in der Geschichtsstunde dieser
Klasse über ihre Erlebnisse und Erfahrungen im harten Nachkriegswinter 1945/46 erzählt, als Hunger und
Kälte das Leben der Menschen in Berlin bestimmten.
Sie erzählte, wie sie mit Schulkameraden von abgestellten und von Polizei bewachten Waggons Rüben
und Kohlen herunterholte. Das war verboten, aber
auch abenteuerlich und nicht ganz ungefährlich. Frau
Kubitza schloss ihre Schilderung mit den Worten „Das
war echt cool.“ Frau Kubitza ist eine von rund 160 Zeitzeugen der Berliner Zeitzeugenbörse (ZZB).

9. Lebenslanges Lernen
58 %
51 %

58 %
32 %

39 %
25 %
25 – 34

55 – 64

		Die Beteiligung älterer Menschen an Veranstaltungen der Berliner Volkshochschulen nimmt zu. Ein Drittel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
(Zahlen von 2012) sind älter als 50.

Die Nachfrage nach Zeitzeugen ist hoch. Nachfolgenden Generationen Vergangenes und Lebenserfahrungen näherbringen –dieser Anspruch eint
alle Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des 1993 in Berlin gegründeten Vereins. Die präsentierten Themen
sind breit gefächert. Sie reichen über die Verbrechen der Nazizeit, Krieg und Nachkriegszeit, über das
Leben im geteilten Berlin bis zur Wiedervereinigung.
Im Jahr 2014 erhielt die ZZB 299 Anfragen nach Zeitzeugen. Insgesamt wurden 450-mal Damen und Herren zu diversen Anlässen vermittelt. Sie erzählten vor
Schulklassen und Jugendlichen, trafen sich aber auch
zu Gesprächen mit Journalisten und Geschichtsforschern sowie mit Studenten aus dem Ausland, meist
vom Goethe-Institut vermittelt.
Wenn Margot S. über Anfeindungen und Diskriminierungen berichtet, denen sie als Tochter eines jüdischen Vaters ausgesetzt war, in welchen bedrohlichen
Situationen sie sich mitunter befunden hat, dann ist
das für Jugendliche heute schwer vorstellbar. Es hilft
ihnen aber, den menschenverachtenden Charakter
der Nazis zu erkennen. Deshalb war es für Margot S.
ein schönes Erlebnis, als ihr ein afrikanischer Schüler
als Grund für sein Interesse sagte: „Damit ich mit den
‚Glatzen’ besser argumentieren kann!“

		Die Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland und die Paritätische
Bundes­akademie bilden wichtige Bausteine in der breiten Palette der
Bildungsangebote im Land Berlin.

Alle arbeiten ehrenamtlich und hoch motiviert.
Alle durch die Geschäftsstelle der Zeitzeugenbörse
vermittelten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie

1

2

3

		Seit den 1990er Jahren ist lebenslanges Lernen eine wesentliche
­bildungspolitische Handlungsgrundlage der Europäischen Union.
Beim lebenslangen Lernen geht es nicht allein um die Qualifizierung
für den Arbeitsmarkt. Es soll auch die Möglichkeiten zur Teilhabe an
gesellschaftlichen und politischen Prozessen verbessern.
		In Deutschland ist die Beteiligung an Weiterbildungsangeboten
im internationalen Vergleich relativ gering.
1 	Laut dem Adult Education Survey (AES) zum Weiterbildungsverhalten
	
in Deutschland 2014 nahmen 51 % der 18- bis 64-Jährigen an Weiter­
bildung teil. Die betriebliche Weiterbildung umfasst 70 % aller Weiter­
bildungsaktivitäten.
2
	
	58 % Erwerbstätige, aber nur 32 % der Arbeitslosen und 25 % der
sonstigen Nicht-Erwerbstätigen bilden sich weiter.
3
	
	Die höchste Teilnahmequote liegt in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen
(58 %) vor, die niedrigste in der ältesten Gruppe der 55- bis 64-Jährigen
(39 %).

die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle arbeiten ehrenamtlich und mit großem Engagement. Sie betrachten
diese Tätigkeit als besonderen persönlichen Gewinn.
Dazu eine Aussage eines unserer langjährigen Zeitzeugen, Herrn M. O.: „Ich freue mich über jeden Anruf,
durch den ich um ein Interview gebeten werde. Es ist
so schön und befriedigend zu wissen, dass man noch
gebraucht wird. Da habe ich trotz der altersbedingten
Wehwehchen gar keine Zeit, krank zu sein.“ Zeitzeuge
kann im Prinzip jeder werden, der sich nicht scheut,
sein Wissen weiterzugeben. Sie sollten aber auch
bereit sein, sich kritischen Fragen zu stellen. Ob private Erlebnisse oder öffentliche Ereignisse, es gibt viel,
worüber zu erzählen sich lohnt.
Interessenten für diese Tätigkeit werden durch
erfahrene Mitarbeiter der ZZB für die gezielte Erinnerungsarbeit angeleitet. Sie erhalten organisatorische und methodische Hinweise zur wirkungsvollsten
Übermittlung ihres Erfahrungswissens.
Irma Gideon, Zeitzeugenbörse e.V.
Zeitzeugenbörse e.V.
Ackerstraße 13  |  10115 Berlin
Telefon: 030 44 04 63 78  |  Fax: 030 44 04 63 79
info@zeitzeugenboerse.de
www.zeitzeugenboerse.de

Margot S. schildert
dem jungen Publikum Ausschnitte
aus ihrem Leben
als Tochter eines
jüdischen Vaters
in der NS-Zeit.
Foto: Zeitzeugenbörse

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9

43

Lebenslanges Lernen

Das Land Berlin fördert die Aktivierung und Nutzung der
Potenziale Älterer auf dem Arbeitsmarkt durch Einflussnahme

Fitmachen für die digitale Welt

auf eine altersgerechte Gestaltung von Arbeitsplätzen und

Computerschule1 des Arbeitskreises Berliner Senioren

-bedingungen. Erklärtes Ziel ist die existenzsichernde Beschäf­
tigung bis zum regulären Eintritt in das Rentenalter.

le1 ins Käte-Tresenreuter-Haus Ende 2013 hat sich die
Nachfrage stabilisiert und teilweise sogar erhöht, so
dass Ergänzungskurse angeboten werden.

Auch sie wollen
teilhaben an der
digitalen Welt
und ihren Möglichkeiten. Foto:
Wolfram Klein

Die Anfänge. Ende 1999 gründete der Arbeitskreis
Berliner Senioren die heutige Computerschule1 (CS1),
damals noch unter dem Namen Computerschule
CS50plus. In der heutigen CS1 wird weiterhin nach
dem damals entworfenen Curriculum gelehrt. Das
bedeutet, maximal fünf Schülerinnen oder Schüler
mit einem Tagespensum von dreimal 45 Minuten mit
halbstündiger Pause nach dem ersten 90-MinutenBlock zu unterrichten. Zum Prinzip gehört auch, dass
eine Schülerin beziehungsweise ein Schüler an einem
Rechner arbeitet. Der ursprüngliche Name CS50plus
bezog sich auf die anfänglich eingerichtete ­Webseite.
Nachdem 2005 die Webseite neugestaltet und in Computerschule1 umbenannt wurde, übernahm auch die
Schule diesen Namen.
Wie es weiterging. Im Jahr 2002 genehmigte der
Zuwendungsgeber, die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, 1000 Euro für die Schulung von
ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
der ABS-Mitgliedsorganisationen. Das Unterrichtsvolumen für Ehrenamtliche lag bis dahin mit 200 Stunden bei etwa einem Fünftel der jetzigen CS1-Kapazität.
Nach Bekanntgabe dieses Angebots im Mitgliederkreis dauerte es nicht lange, bis dieses Kontingent aus­
geschöpft war.
Die Nachfrage ist groß, Tendenz steigend. In 16 Jahren seit 2000 haben bei etwa tausend Stunden Jahreskapazität und einer durchschnittlichen Kurslänge von
neun Unterrichtsstunden knapp 1800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die CS1-Kurse besucht. Manche
kommen seit Jahren regelmäßig zum Auffrischen
ihres Wissens. Die Auslastung liegt verlässlich bei rund
80 Prozent. Mit dem Umzug der ABS-Computerschu-

Was wird wann unterrichtet. Seit fünf ­Jahren hat
sich eingespielt, jeweils im ersten Trimester, von
­Januar bis Mai, und im dritten Trimester, von September bis Dezember, Kurse anzubieten. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählen die Windows-basierten
MS Office-Programme Word und Excel, der Umgang
mit dem Internet und die verstärkt nachgefragten Programme von Adobe zur Fotobearbeitung und Gestaltung von werbenden Unterlagen wie Flyern, Plakaten
und Handzetteln. Auf Nachfrage werden auch Einzelunterricht, Spezialkurse und Hausbesuche angeboten.
Ferner gibt es Kauf- und Konfigurationsberatung. Der
Unterricht findet grundsätzlich an dem mit der Lehrersoftware Master-Solution ausgerüsteten 6-ComputerNetzwerk der CS1 statt. Seit einigen Jahren erlauben
die Lehrer den Schülerinnen und Schülern, ihre eigenen Notebooks mitzubringen und beantworten daran
Einzelfragen.
Beständiges Unterrichtsteam mit vielen Aufga­
ben. Das Unterrichtsteam besteht aus drei Personen: dem Gründer Hans Buchholz seit dem Jahr 2000,
Karlheinz Rieger, dem Gestalter der ­Webseite, der
seit 2001 dabei ist, sowie Halina Krawczyk, seit 2005
mit im Team. Das Team stellt das jeweilige Unterrichtsprogramm inhaltlich und terminlich zusammen
und verwaltet eigenständig die Computerschule1.
Das Erfolgsmodell ist ausbaufähig. Dazu braucht
es allerdings mehr finanzielle Mittel und ein bis zwei
neue Lehrkräfte, die bereit sind, Entgeltstundensätze
um 20 Euro zu akzeptieren.

Hans Buchholz, Computerschule1
Sozialwerk Berlin e.V.  |  Computerschule1
Humboldtstraße 12  |  14193 Berlin-Grunewald
Telefon: 030 86 20 89 70  |  Fax: 030 86 20 89 71
info@scomputerschule1.de
www.computerschule1.de

10. Alternsgerechtes
­Arbeiten
2021

2000
50+

2011

55+

+200
+100
=100

+14

+21

55 – 60
1

60 – 65

2

		 Zahlen und Fakten:
	

1 	Schon

im Jahr 2021 werden mehr als zwei Fünftel der deutschen Bevöl­
kerung im erwerbsfähigen Alter 50 Jahre und älter sein, mehr als ein
Viertel sogar 55 Jahre und älter. Das geht aus der 12. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts hervor.

	

2

	Die Erwerbstätigenquote in Deutschland hat sich laut Mikrozensus
­zwischen 2000 und 2011 in der Altersgruppe der 55- bis unter 60-Jährigen
bei Männern um 14 Prozent und bei Frauen um 21 Prozent erhöht.
In der Altersgruppe der 60- bis unter 65-Jährigen hat sie sich bei Männern
annähernd verdoppelt und bei Frauen sogar fast verdreifacht.

		Die Wünsche älterer Beschäftigter für ein altersgerechtes Arbeiten werden oft nur unzureichend berücksichtigt:*  Zum Beispiel wünschen sich
84,2 % eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsumfelds. Umgesetzt
wird sie nur in 37,7 % der Unternehmen.  81,5 % möchten in Weiterbildungsangebote einbezogen werden. Nur in 58,3 % der Unternehmen ist
das der Fall.  79,9 % wollen altersgemischte Teams. Realität sind diese in
immerhin 69,5 % der Unternehmen.  79,1 % wünschen sich Angebote zur
Gesundheitsvorsorge. Nur in 40,5 % der Unternehmen gibt es welche.
* Quelle: von BMFSFJ und BMWi geförderte repräsentative Umfrage im Herbst 2010 unter sozialversicherungspflichtig
­Beschäftigten und Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen ab 10 Mitarbeitern

44

10 a l t e r n s g e r e c h t e s a r b e i t e n

45

10 a l t e r n s g e r e c h t e s a r b e i t e n

Die Arbeitgeber müssen sich mehr an den
­Bedürfnissen älterer Menschen orientieren
Veränderungen der Arbeitsbedingungen sind nötig

Die Menschen in der Bundesrepublik sollen zukünftig
bis zum 67. Lebensjahr arbeiten, um die Rentenkassen
zu entlasten. Bund und Länder finanzieren Qualifizierungsprogramme für ältere Menschen zur Unterstützung der Wirtschaft. Diese Maßnahmen dienen der
Legitimierung der schrittweisen Heraufsetzung des
Renteneintrittsalters. Statistisch wurde in den letzten
Jahren belegt, dass im Vergleich zu 2005 die Erwerbstätigkeit älterer Menschen gestiegen ist.

Donald Hüke, 59 Jahre. Selbsthilfe im Vor-Ruhestand, im
Mobilitätsdienst eingesetzt. Foto: Marion Juttka

Doch wie sieht die Praxis aus? Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter des Vereins Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand
beraten seit über 20 Jahren Menschen ab 55 Jahren,
die sich im Übergang von der Erwerbstätigkeit in den
Ruhestand befinden. Ziel ist, die Menschen bei der
Gestaltung dieser Lebensphase zu unterstützen und
Kontakte mit Menschen in gleicher Lebenslage im Kiez
zu fördern. Aktivitäten und Programme werden entwickelt, um gemeinsam aktiv zu bleiben. Menschen
bringen ihre Fähigkeiten zum Nutzen anderer und zur
Verbesserung der Lebensqualität im Stadtteil ein.
Man sollte annehmen, dass die Nachfrage nach
dieser Unterstützung sich in den vergangenen Jahren
verringert hat, da mehr ältere Menschen in Arbeit sind,
oder dass die Betroffenen älter sind als vor 20 Jahren.
Doch dies ist nicht der Fall. Wir beobachten stattdessen die Zunahme gesundheitlicher und psychischer
Probleme, die ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem
Erwerbsleben erforderlich machen. Viele Menschen
erleben die letzten Berufsjahre als äußerst beschwerlich und sind froh über den Beginn der Rente.

Sich dem Stress des modernen Arbeitslebens
nicht mehr gewachsen fühlen. Die Mehrzahl der
Menschen, die im Verein aktiv sind, möchte sich gerne sinnvoll betätigen, wobei Bildung ebenso wichtig erscheint wie Freizeitgestaltung. Doch angesichts
der zunehmenden Arbeitsverdichtung fühlen sich die
meisten Menschen dem Stress des modernen Arbeitslebens nicht mehr gewachsen. Trotzdem sind viele
Menschen noch erwerbstätig, was häufig dem ökonomischen Druck geschuldet ist. Vor allem bei Alleinstehenden und Neurentnern reicht die Rente nicht
für den Lebensunterhalt, wenn die Erwerbstätigkeit
wegen Kindererziehung oder Arbeitslosigkeit unterbrochen wurde. Viele bessern sich – mit vorwiegend
einfachen Tätigkeiten – im Rahmen von 400-­EuroJobs ihre ­R ente auf, indem sie zum Beispiel ­R egale
im Supermarkt einräumen, Zeitungen austragen
oder Reinigungsarbeiten verrichten. Andere möchten gerne arbeiten, um etwas hinzuzuverdienen, einer
sinnerfüllten Tätigkeit nachzugehen oder um ihre
Fähigkeiten einzusetzen und fit zu bleiben. Für diese
Menschen gibt es eindeutig zu wenige Möglichkeiten
auf dem regulären Arbeitsmarkt. Die einzige Alternative besteht zumeist in einer ehrenamtlichen Tätigkeit.
Warum fühlen sich ältere Menschen ausgegrenzt
aus dem Arbeitsleben? Die Ausgrenzung älterer
Menschen aus dem Arbeitsmarkt hat vielfältige Gründe, in erster Linie sind diese ökonomisch bedingt.
In der modernen Kommunikationsgesellschaft sind
Schnelligkeit, Technikaffinität, Flexibilität und Mobilität notwendig. Selbst in Berufsbereichen, in denen
Arbeitskräfte gesucht werden, gilt: Wer mit über 50
Jahren arbeitslos wird, hat nur geringe Chancen, wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden.

Immer mehr Interesse an Arbeit bei älteren Men­
schen. Der Verein Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand
beschäftigt gezielt ältere Menschen, vor allem in
Arbeitsfördermaßnahmen. Es besteht schon deshalb
großes Interesse an dieser Arbeit, weil die Jobcenter
zunehmend über 62-jährige Arbeitslose in die Rente
drängen. Die Erfahrungen sind überwiegend positiv,
obwohl viele Menschen durch ihre Langzeitarbeitslosigkeit vorbelastet sind. Sie werden im Service, in der
Unterstützung und Betreuung hochaltriger Senioren
und im Büro eingesetzt. Um erfolgreich zu sein, benötigen ältere Menschen geregelte Rahmenbedingungen, Zeit und Kontinuität.
Was wir in Zukunft brauchen. In der stetig wachsenden Stadt wird man zukünftig kaum auf die Erwerbstätigkeit älterer Menschen verzichten können. Dafür
sind Veränderungen an den Arbeitsbedingungen notwendig. Die Arbeitgeber müssen sich mehr an den
Bedürfnissen älterer Menschen orientieren und den
Erhalt der Gesundheit und Arbeitsfähigkeit in den
Fokus nehmen.

Dorothea Reinhardt
Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand e.V.
Stettiner Straße 63  |  13357 Berlin
Tel.: 030 493 36 77  |  Fax: 030 493 36 77
d.reinhardt@sh-vor-ruhestand.de
www.sh-vor-ruhestand.de/

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47

11 T e i l h a b e a n ku l t u r i n d e r s t a d t

Gesellschaftliche Teilhabe ist auch Teilhabe an Kultur.
Der Senat von Berlin wirkt darauf hin, dass auch älteren Menschen
die Teilhabe an Kultur weiter erleichtert wird.

Vergissmeinnicht
Teilhabe von Demenzerkrankten an Kultur in der Stadt

11. Teilhabe an Kultur
in der Stadt

Unter Teilhabe wird die Nutzung von Kulturangeboten – Museen, Theatern, Konzerten – verstanden und
es werden im Rahmen des demografischen Wandels
verbesserte Zugangsmöglichkeiten im Sinne von Barrierefreiheit ins Auge gefasst. Dies ist allerdings nur
eine Seite der Medaille.
Ältere Menschen gestalten Kultur aktiv mit. Auf
der anderen Seite der Medaille haben sich inzwischen
weitere Modelle der Partizipation entwickelt, die auf
eine aktive Mitwirkung von älteren Menschen abzielen.
Eine bunte Landschaft von Seniorentheater-, Musik-,
Literatur-, Tanz- und Pantomime-Gruppen hat sich herausgebildet. Seniorenchöre, intergenerative und interkulturelle Initiativen bereichern die Szene und es gibt
Lese-, Sing- und Theater-Paten in Kitas sowie Schulen.
Das Feld der sozio-kulturellen Arbeit hat sich in den
vergangenen zehn Jahren enorm entfaltet und bietet damit vielen Seniorinnen und Senioren zum einen
die Möglichkeit, Kulturprogramme selbst zu gestalten.
Zum anderen erreichen diese oft lokal angebundenen
Gruppierungen ganz andere, teilweise weniger mobile
Zuschauerkreise – ein Doppelgewinn.

Teilhabe an der Kultur in der Stadt: In der offenen Altenarbeit tragen
über 70 Paritätische Mitgliedsorganisationen mit einer Vielzahl an Projekten, Angeboten und Hilfen dazu bei, älteren Menschen die Teilhabe
an der Kultur in der Stadt zu ermöglichen. Sie sind tätig in Besuchs- und
Mobilitätshilfediensten, Service- und Dienstleistungen, Angeboten zur
Erholung und zu Ausflügen. Im Paritätischen tummelt sich ein breites
Spektrum an Interessenskreisen und Kursen in Treffpunkten und Begegnungsstätten, Theater und generationsübergreifenden und generationsverbindenden Angeboten.

Theaterspielen mit an Demenz erkrankten Men­
schen. Eine besondere Form der Mitwirkung und Mitgestaltung wurde in den Jahren 2014 und 2015 in der
Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz ausprobiert. Das Theater der Erfahrungen und der Ehrenamtliche Besuchsdienst, beides Einrichtungen des Nachbarschaftsheimes Schöneberg, initiierten das Projekt
„Vergissmeinnicht – Menschen mit und ohne Demenz
im Scheinwerferlicht“, das sich auf verschiedene Weisen mit dem Thema befasste. Zum einen wurde das
Programm „Ein Schiff wird kommen – Theaterreise“
entwickelt. An Demenz erkrankte Menschen spielten gemeinsam mit Darstellerinnen und Darstellern
vom Theater der Erfahrungen. Alle waren mit großem
Engagement dabei und für die Zuschauer war nicht zu
erkennen, wer gesund und wer weniger gesund war.

Vom Annehmen und Loslassen. Die Seniorentheatergruppe „OstSchwung“ vom Theater der Erfahrungen entwickelte „Eine andere Welt – Ein Stück über
das Annehmen und Loslassen“, das sich der Thematik
aus der Perspektive der Angehörigen, Menschen aus
der Nachbarschaft und Freundinnen und Freunden
näherte. Die einzelnen Szenen berichten von unruhigen Nächten, den Sorgen, Ängsten und der Erschöpfung, die die Fürsorge für den Partner, Verwandten
oder die Freundin mit sich bringt. Aber sie zeigen
auch, dass dieses Leben komische, berührende und
wertvolle Momente bereithalten kann.
Der Beispiele sind viele… Der Veranstaltungstag
„Vergissmeinnicht – Menschen mit und ohne Demenz
im Scheinwerferlicht“ in der Ufa-Fabrik präsentierte die Produktionen einer größeren Öffentlichkeit
und stellte mit verschiedenen Themeninseln Initiativen aus dem Berliner Raum vor, die ebenfalls mit
Kultur und Demenz arbeiten: Die Alzheimer-Gesellschaft organisiert unter dem Motto „Augenblicke im

Eine Köchin lernt
Englisch. Projekt
Vergissmeinnicht
mit seiner Produktion „Ein Schiff wird
kommen“. Foto:
Christine Roth

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11 T e i l h a b e a n ku l t u r i n d e r s t a d t

­ useum“ monatlich Besuche in der GemäldegaleM
rie, im Projekt „Clowns und Menschen mit Demenz“
gehen die Rotnasen in die Kliniken, im Rahmen von
„Märchen als Türöffner“ lauschen alte Menschen und
Kitakinder Geschichten der Gebrüder Grimm und bei
„Trommeln trotz(t) Demenz“, organisiert vom Deutschen Roten Kreuz, kommt mit viel Rhythmus und Percussion Leben in die Bude.
Mit Projekten dieser Art werden die kreativen
Potenziale älterer Menschen aufs schönste eingebunden, gesellschaftlich genutzt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht – die Leitlinie Teilhabe an

der Kultur lässt sich offenbar auch ganz anders auslegen und interpretieren.
Eva Bittner
Werkstatt der alten Talente – Theater der Erfahrungen
Werkstatt der alten Talente – Theater der
Erfahrungen
Vorarlberger Damm 1  |  12157 Berlin
Telefon: 030 855 42 06  |  Fax: 030 855 43 78
theater-der-erfahrungen@nbhs.de
www.theater-der-erfahrungen.de

Donnerstags wird gerockt und am Freitag
gesungen
Kultur im Bürgerzentrum Neukölln

Gemeinsam etwas unternehmen ist der Grundge­
danke. Das Bürgerzentrum Neukölln ist eine Nachbarschaftseinrichtung im Norden Neuköllns mit einer
inzwischen mehr als 30-jährigen Geschichte. Neben
den vielen Beratungs-, Informations- und Hilfsangeboten, trifft man sich hier auch, um gemeinsam Karten
oder Rummikup zu spielen, zu kegeln oder um gemütlich bei einem Kaffee die Neuigkeiten auszutauschen.
Das Haus ist offen für alle Besucherinnen und Besucher, die in ihrer Freizeit gerne etwas mit anderen
Menschen unternehmen und am öffentlichen Leben
teilhaben wollen. Es bietet neben den vielen individuellen Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren,
ein breites Spektrum an offenen Gruppenaktivitäten
und Veranstaltungen.

49

11 T e i l h a b e a n ku l t u r i n d e r s t a d t

Donnerstags das Tanzbein schwingen. Ein Höhepunkt für eine Vielzahl der Besucherinnen und Besucher ist der wöchentliche Tanztee mit wechselnder
Livemusik. Durchschnittlich machen sich jeden Donnerstag rund 60 bis 80, zumeist ältere Menschen im
feinen Ausgehdress auf den Weg in die Werbellinstraße, um das Tanzbein zu schwingen. So mancher Rollator landet an diesem Tag am Rand der Tanzfläche.
Das musikalische Spektrum umfasst alle tanzbare
Musik von 1950 bis heute und reicht von Standardtänzen wie langsamem Walzer oder Foxtrott bis hin
zu Twist und Rock´n´Roll. Auch moderne Popmusik
darf nicht fehlen – hier ist der „Freistil“ gefordert, ganz
gleich, ob allein, als Paar oder in einer größeren Gruppe.
Für alle, die einen Tanz erlernen oder ihren Tanzstil verbessern möchten, bietet das Bürgerzentrum Neukölln
zudem jeden Mittwoch Tanzkurse mit einem ausgebildeten Tanzlehrer an.

Vietnamesische
Tanzgruppe bei der
Weihnachtsfeier
2015 im Bürgerzentrum Neukölln.
Foto: ­Nguyen Thi
Minh Ngoc

Altbekanntes und neue Lieder singt die „Neuköll­
ner Spätlese“. Ein weiterer Höhepunkt im Angebot
des Hauses ist das gemeinsame Singen im Seniorenchor „Neuköllner Spätlese“, der momentan aus 18 Sängerinnen zwischen 57 und 93 Jahren besteht. Auch
einige Besucherinnen aus der Tagespflege von VITA
e.V. sind Teil des Chors, der sich jeden Freitag trifft und
neben den bekannten Liedern auch schon eigene
Texte verfasst hat, wie das Lied der Neuköllner Spätlese. Rund sechs bis acht Mal im Jahr tritt der Chor bei
Veranstaltungen auch außerhalb des Hauses auf, wie
dem 65-jährigen Bestehen des Paritätischen Berlin
Anfang Juni 2015. Besonders beliebt sind die gemeinsamen Auftritte mit Kindern aus einer benachbarten
Grundschule.

die Aktion „Wir verschönern unseren Vorgarten“ am
Berliner Freiwilligentag hat inzwischen Tradition. Auch
stehen zwei bis drei Auftritte im Jahr vom Theater der
Erfahrungen oder Modeschauen mit Models aus der
Handarbeitsgruppe auf dem Programm  – gezeigt
wird Mode aus dem „Trödelkeller“. Der Gastraum im
Restaurant Roter Elefant wird zudem für wechselnde Ausstellungen wie etwa „Gepflegt in der Gegenwart“ oder „Malen nach Herzenslust“ genutzt. Darüber
hinaus stehen zahlreiche Außenaktivitäten auf dem
­Programm. Ob gemeinsame Spaziergänge durch den
Kiez, Berlinerkundungen, Tagesfahrten oder gemeinsame Theater- oder Varietébesuche – hier findet jede
und jeder das Richtige.
Monika Fritsch-Behrens, Bürgerzentrum Neukölln

Vom Feiern im Hause bis zu gemeinsamen Unter­
nehmungen außerhalb. Neben den regelmäßigen Angeboten werden im Bürgerzentrum Neukölln
gemeinsame Feste wie Fasching, das Fest der Nachbarn, Weihnachten oder das Opferfest gefeiert. Und

Bürgerzentrum Neukölln
Werbellinstraße 42  |  12053 Berlin
Telefon: 030 681 80 62  |  Fax: 030 681 80 64
info@buergerzentrum-neukoelln.org
www.buergerzentrum-neukoelln.org

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51

12 s p o r t u n d b e w e gu n g ä l t e r e r M e n s c h e n

Sportlicher Aktivität der Einzelnen und des Einzelnen soll keine
Altersgrenze gesetzt sein. Der Senat von Berlin setzt sich dafür ein,
dass das vielfältige Sportangebot für ältere Menschen bedarfs­

Wer sich und andere bewegt, der lebt länger

gerecht weiterentwickelt wird, um möglichst vielen Menschen eine

Gedankengänge zu Bewegung und Mobilität

Teilhabe am Aktivsport bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

12. Sport und Bewegung
älterer Menschen

56 %

1

65,6 %

2

		 Zahlen und Fakten:
	

1 	In

Berlin treiben 56 Prozent der über 65-Jährigen regelmäßig einmal
in der Woche Sport, Tendenz steigend.

	

2 	Der

privat organisierte Sport hat mit 65,6 Prozent den größten Anteil.
Kommerzielle Sportangebote werden von den Älteren in geringerem
Umfang angenommen. Dafür wird dem Sporttreiben im Verein oder
einer Sportgruppe ein weitaus höherer Stellenwert beigemessen.

Es ist ein physikalisches Gesetz: Jeder Körper nimmt
den energieärmsten Zustand an. Beim Menschen ist
das der Schlaf. Nun können und sollten wir nicht nur
schlafen, sondern haben auch unsere Alltagsverrichtungen zu erledigen wie Aufstehen, Ankleiden, Saubermachen, Einkaufen und vieles andere mehr. Dazu
bewegen wir uns. Wir gehen, laufen, manchmal rennen wir auch, um nicht zu spät zu kommen oder den
Bus noch zu erreichen. Wenn wir gut in Form sind,
dann ist alles in Ordnung.
Signale des Körpers ernst nehmen. Aber haben wir
nicht schon Situationen erlebt, wo uns die Bewegung
schwergefallen ist? Die Puste weggeblieben ist? Wir
nach langem Stehen oder Laufen nach einer Sitzgelegenheit Ausschau gehalten haben? Dann sind das
Signale unseres Körpers, die wir ernst nehmen sollten.
Für Bewegung braucht der Körper Energie. Es gibt solche Sprichworte, wie: Kein Motor geht ohne Benzin.
Die sollten wir nicht zu wörtlich nehmen, denn es gibt
auch Diesel- oder Solarmotoren. Oder: Wie die Verpflegung, so die Bewegung! Das heißt: Wer viel isst,
sollte sich auch viel bewegen. Aber wir können das
auch dialektisch betrachten: Wer sich viel bewegt,
muss auch viel essen. Oder: Wer nicht isst, der muss
sich auch nicht bewegen.
Das große Ziel – mobil zu bleiben. Mobil zu bleiben,
ist Voraussetzung für Selbständigkeit, selbstbestimmt
sein und für Teilhabe am Leben. Gymnastik, Yoga, Sitztanz, Spazieren gehen, Treppen steigen statt Fahrstuhl
fahren, das sind nur einige Möglichkeiten, wie wir im
Alltag unsere Fitness erhalten können. Ein Schrittzähler hilft nicht nur unsere Aktivität zu messen, sondern
motiviert uns auch. Bewegung soll Freude bereiten.
Das geht allein, aber besser mit anderen zusammen.
In der Gemeinschaft entstehen soziale Kontakte und
das Selbstwertgefühl wird gestärkt.
Im Ehrenamt bewegen wir uns und andere. Bewegung, dieses Wort kennen wir auch in einem anderen
Verständnis: Das hat mich bewegt oder das bewegt

mich sehr. Die emotionale Seite, das Gefühl ist angesprochen und oftmals Auslöser für Bewegung, etwas
zu tun. Beispielsweise im Ehrenamt – dort bewegen
wir uns und andere! Etwas bewegen heißt, etwas verändern, mitgestalten, Vorschläge unterbreiten und
etwas mitentwickeln.
Wohin bewegen? Philosoph Bernstein formulierte:
Bewegung ist alles – das Ziel ist nichts! Darüber kann
man unterschiedlicher Meinung sein, denn genauer betrachtet ist ständig im Kreis laufen auch nicht
befriedigend, es sei denn man ist Zehntausend-Meter-Läufer und rennt im Stadion seine Runden. Dann
natürlich mit dem Ziel, eine gute Platzierung oder Zeit
zu erreichen. Wohin bewegen? Das heißt aber auch,
Orte aufzusuchen: in der Wohnung, im öffentlichen
Raum, eine Begegnungsstätte, Turnhallen.
Wie bewege ich mich? Das geht mit dem Auto, mit
der Bahn oder dem Bus. Da bewege ich mich, ohne
mich zu bewegen. Natürlich nur, wenn sich die Bahn
bewegt. Denken sie mal darüber nach, was sie am
Bewegen hindert. Gesundheit, Krankheit, ­fehlende
Sitzgelegenheiten oder Toiletten im öffentlichen
Raum, zu kurze Ampelphasen.
Wer hilft mir beim Bewegen? Familie, Nachbarn, Taxi,
Sonderfahrdienst, Mobilitätshilfedienste, ehrenamt­
liche Besuchsdienste. Die Palette ist groß. Der Bedarf
ist jedoch noch größer.
Es ist bewiesen: Bewegung hält gesund. Also gilt:
Wer sich und andere bewegt, der lebt länger! Also
bewegen wir uns und andere. Danke, dass sie sich bis
hierher bewegt und den Artikel gelesen haben.

Margit Hankewitz
Vorstandsvorsitzende Sozialwerk Berlin
Sozialwerk Berlin e.V.
Humboldtstraße 12  |  14193 Berlin
Telefon: 030 891 10 51/52  |  Fax: 030 892 60 08
sozialwerk@gmx.de  |  www.sozialwerk-berlin.de

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12 s p o r t u n d b e w e gu n g ä l t e r e r M e n s c h e n

Bewegung und Sport für alle
ist unser oberstes Ziel

Vom Neueinsteiger, der die Bewegung für sich entdeckt hat, über den Wiedereinsteiger, der nach längerer Abstinenz den Weg zum Sport wieder gefunden hat, bis hin zum Wettkampfsportler, der sich bis
ins hohe Alter in seiner Sportart messen möchte:
Bewegung und Sport für alle ist unser oberstes Ziel.
Jeder von ihnen hat andere Motive. Diese gilt es in
der Umsetzung der Rahmenbedingungen sowie der
Gestaltung der Angebote zu berücksichtigen.
Berliner Sportvereine sind hierfür das Herzstück.
Im Wasser und an Land findet Bewegung und Sport
unter fachlicher Anleitung statt. Die Senioreninnen
und Senioren erfahren die positiven Effekte der Bewegung und werden, sofern es auch mal nicht so gut
läuft, durch die anderen Teilnehmenden der Gruppe
und die Übungsleiter motiviert und unterstützt.

Sich fit halten in
der Gruppe und
mit Anleitung
fällt leichter. Foto:
Jürgen Engler

Neben adäquaten Bewegungs- und Sportangeboten
bietet der Sportverein seinen Mitgliedern eine soziale Heimat. Außersportliche Aktivitäten wie Skatrunden
im Vereinsheim oder Ausflüge sind ebenso beliebt wie
ehrenamtliche Tätigkeiten im Bereich des Veranstaltungsmanagements.
Des Weiteren werden verschiedene Projekte initiiert, die die Berliner Seniorinnen und Senioren zu

unterschiedlichen Themen sensibilisieren. Aufklärende Veranstaltungsreihen im Evangelischen Geriatriezentrum haben eine hohe Bedeutung, um den Sinn
von Bewegung und Sport auch bei gesundheitlichen
Einschränkungen zu vermitteln. Dabei spielen Schnupperangebote eine zentrale Rolle. Ausprobieren von
Bewegungen in Verbindung mit dem Empfinden von
Spaß und Freude sind die Eintrittskarte für lebenslange Bewegung. Dazu eignen sich auch die zahlreichen
Aktivplätze in Berlin, die eine hervorragende Grund­
lage für kostenfreies Bewegen in der Natur bieten.
Betreute Angebote durch qualifizierte Übungsleiter
bieten über die alleinige Nutzung der Geräte die Chance einer individuellen und passgenauen Anleitung
von weiteren Bewegungsübungen, die zum Beispiel in
Form von Sturzprophylaxe relevant sind, vorliegende
Einschränkungen oder Erkrankungen berücksichtigen
und entsprechende Alternativbewegungen schaffen.
Somit wird keiner von einem Angebot ausgegrenzt,
sondern Inklusion findet direkt vor Ort statt.
Einmalige oder auch regelmäßige Wander-, Spaziergangs- oder seniorensportliche Events in den Vereinen und in den Bezirken eignen sich hervorragend
zum Ausprobieren und Kennenlernen von verschiedenen Bewegungsformen oder Sportarten. Sie laden
auch ein zum geselligen Miteinander und wirken präventiv gegen Einsamkeit.
Fachtagungen wie das Symposium Sport der Älteren, an dem alle seniorenpolitisch Aktiven teilnehmen
können, die sich mit dem Thema Bewegung und Sport
für Ältere beschäftigen, sind wichtig, um neue Strukturen zu schaffen und zur Vernetzung. Nur gemeinsam ist es uns möglich, den Bedürfnissen der älteren
Menschen in ihrer Vielfalt gerecht zu werden.
Katja Sotzmann, Landessportbund Berlin
Landessportbund Berlin
Abteilung Sportentwicklung
Jesse-Owens-Allee 2  |  14053 Berlin
Telefon: 030 30 00 21 27  |  Fax: 030 300 02 61 27
k.sotzmann@lsb-berlin.de  |  www.lsb-berlin.net

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12 s p o r t u n d b e w e gu n g ä l t e r e r M e n s c h e n

Rheuma braucht Bewegung
Gemeinsam aktiv mit Funktionstraining und Bewegungskursen

Wassergymnastik
bei der RheumaLiga. Foto: Robert
Kneschke, Fotolia

Für rheumakranke Menschen jeden Alters hält die
Deutsche Rheuma-Liga Berlin zahlreiche Bewegungsangebote vor. Am verbreitetsten ist das Funktionstraining, man unterscheidet hier zwischen Warmwasserund Trockengymnastik. Ergänzend dazu ermutigt die
Rheuma-Liga Betroffene zur Ausübung sanfter Gruppenbewegungsarten wie Yoga, Tai Chi oder Qi Gong.
Die Angebote finden unter fachlicher Anleitung statt,
damit die individuelle Verfassung jedes einzelnen Teilnehmers optimal berücksichtigt wird.
Bewegung ist ein wichtiger Baustein der Rheuma­
therapie. Gute Medikamente können zwar die Krankheitsaktivität zurückdrängen, viele Betroffene leiden
aber dennoch unter körperlichen Einschränkungen
sowie Schmerz, Müdigkeit, Schlafstörungen oder
Depressionen. Ein aktiver Lebensstil hilft rheumakranken Menschen dabei, ihre körperliche Belastbarkeit
und Leistungsfähigkeit zu verbessern und diese Leiden zu kompensieren. Moderate Bewegung erhöht
Muskelfunktion, Beweglichkeit und Ausdauer und fördert einen positiven Krankheitsverlauf.

Ideal für viele Betroffene ist Warmwassergymnas­
tik. Sie entlastet die verschiedenen Gelenke und die
Wirbelsäule. Die Teilnehmenden stehen dabei bis zu
den Schultern im Wasser und wiegen durch die Auftriebskraft nur noch zehn Prozent des eigentlichen
Körpergewichtes. Bei den Übungen im Bewegungsbad können Bewegungsabläufe optimiert und das
Herz-Kreislauf-System aktiviert werden.
Immer weniger Bäder und damit weniger Kurse.
Aufgrund der zahlreichen Bäderschließungen kann
die Rheuma-Liga in den letzten Jahren jedoch immer
weniger Kurse anbieten. Leidtragende sind die Betroffenen, die lange und anstrengende Anfahrtswege auf
sich nehmen müssen oder gar keine Warmwassergymnastik machen können. Deshalb bemüht sich die
Rheuma-Liga mit hohem Engagement um zusätzliche
Kurszeiten in öffentlichen und privaten Bädern.

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12 s p o r t u n d b e w e gu n g ä l t e r e r M e n s c h e n

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12 s p o r t u n d b e w e gu n g ä l t e r e r M e n s c h e n

Spaziergangsgruppen in Kreuzberg
Gesundheit und Geselligkeit fördern

Ein Generationenbad in Planung. Dabei sucht die
Selbsthilfeorganisation auch nach neuen Wegen: So
gelang es beispielsweise einer Kooperationsgemeinschaft aus Rheuma-Liga und vier anderen Trägern,
unterstützt durch Klinik und Bezirksamt, das Bewegungsbad im Klinikum Neukölln wiederzueröffnen.
Darüber hinaus plant die Rheuma-Liga den Neubau
eines eigenen Generationenbads. Hier will sie für
rheumakranke Kinder, Jugendliche und Erwachsene Gruppengymnastik mit Wasserbewegungskursen,
Wärme- und Kältekammern sowie modernen Geräten
anbieten.

Gymnastik mit Stöcken. Foto: Deutsche Rheuma-Liga

Wohnortnahe Rheuma-Liga-Treffpunkte. Aktiv
gegen ihre Krankheit sind die Betroffenen auch über die
Kurse hinaus in der Rheuma-Liga: In rund 100 Selbsthilfegruppen organisieren sich rheumakranke Menschen,
tauschen sich über den Umgang mit der Krankheit
aus und helfen sich gegenseitig. Zahlreiche Betroffene
bewältigen ihre Leiden in den unterschiedlichen Freizeit- und Kreativgruppen, dort leben sie ihr künstlerisches Potenzial aus oder können Entspannung finden.
So gibt es etwa eine Theater-, eine Wander-, eine SitzTanz-, eine Töpfergruppe und einen Chor. Viele dieser
Gruppen finden sich in den wohnortnahen bezirklichen Rheuma-Liga-Treffpunkten zusammen.

Ursula Leyk, Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.
Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.
Therapie-, Beratungs- und Selbsthilfezentrum
Mariendorfer Damm 161a  |  12107 Berlin
Telefon: 030 32 29 02 90  |  Fax: 030 32 29 02 939
zirp@rheuma-liga-berlin.de
www.rheuma-liga-berlin.de

Im April 2012 startete das Nachbarschaftshaus Urbanstraße mit der Organisation von Spaziergangsgruppen. Dabei kommt es weniger darauf an, möglichst
weite Wege zu schaffen, als vielmehr sich wöchentlich
zu treffen und gemeinsame Zeit zu verbringen. Neben
der Geselligkeit steht aber die Förderung der Gesundheit eindeutig im Vordergrund.
Aktuell gibt es im Nachbarschaftshaus eine Spaziergangsgruppe mit dem Namen „Stadtwanderungen“. Dieses wöchentliche Angebot ist für Menschen,
die mobil sind und sich selbständig fortbewegen können. Ausgangsort der Gruppe ist immer das Nachbarschaftshaus. Von hier aus erobert sie sich ganz Berlin
und manchmal auch Gegenden außerhalb. „Wir erwandern uns sternförmig Berlin, sind unterwegs in Parks,
finden versteckte Kleinode oder umwandern Berliner
Seen“, erzählt die Mitarbeiterin des Nachbarschaftshauses, Rosa Neumüller. Gemeinsam im Tandem mit
einer Freiwilligen organisiert sie die wöchentlichen
Stadtwanderungen. Die Gruppe ist in den letzten
Monaten weit herumgekommen, von Schmöckwitz
bis zum Humboldthain, von der Pfaueninsel bis nach
Tegel Konradshöhe!
Zwei Jahre lang gab es eine Spaziergangsgruppe
bestehend aus weniger mobilen Menschen, die aber
aktuell nicht nachgefragt wird. Bei Interesse setzen
wir dieses Spaziergangsangebot aber gern wieder in
Gang.
Christa Hagemann
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Urbanstraße 21  |  10961 Berlin
Telefon: 030 69 04 97 20  |  Fax: 030 693 73 09
c.hagemann@nachbarschaftshaus.de
www.nachbarschaftshaus.de

Spaziergangsgruppe unterwegs in Kreuzberg. Foto: Nachbarschaftshaus Urbanstraße

Nur wo Du
zu Fuß warst,
bist Du auch
wirklich gewesen.“
	

Johann Wolfgang Goethe

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13 ä l t e r e M i g r a n t i n n e n u n d M i g r a n t e n

Migrantinnen und Migranten sind fester Bestandteil der ­Berliner
Stadtgesellschaft. Der Senat von Berlin berücksichtigt die
­besonderen Belange der älter werdenden Migrantinnen und
­Migranten und wird sein Engagement in dem wichtigen Bereich der
interkulturellen Altenhilfe und Pflege ungebrochen fortsetzen.

13. Ältere Migrantinnen
und Migranten

Marzahn-Hellersdorf – Lebensmittelpunkt
für ältere Migrantinnen und Migranten
Der Migrationssozialdienst als Anlaufstelle vor Ort

Marzahn-Hellersdorf ist mit seinen knapp 260 000 Einwohnerinnen und Einwohnern auch Lebensmittelpunkt für zahlreiche Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler sowie Neuankömmlinge aus Vietnam.
Seit 2008 gilt das zunehmend auch für EU-Bürgerinnen und Bürger aus Rumänien und Bulgarien sowie
seit 2011 vermehrt für Flüchtlinge. So lebten hier im
August 2015 insgesamt 1074 Flüchtlinge.
Der MSD – Anlaufstelle für Migrantinnen und Mig­
ranten. Seit 2005 gibt es im Bezirk Marzahn-Hellersdorf den bezirklichen Migrationssozialdienst (MSD). In
unterschiedlicher Trägerkonstellation ist die Volkssolidarität seit Beginn Träger der Fachstelle für Migration
und Integration. Seit 2009 erfolgt diese Trägerschaft in
Kooperation mit der Caritas.
Der MSD ist Anlaufstelle für Migrantinnen und
Migranten und vermittelt als Clearingstelle Hilfe­
suchende an zuständige Fachstellen. Darüber hinaus
unterstützt er die sozialen Stadtteilzentren dabei, sich
interkulturell zu öffnen, um Migrantinnen und Migranten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu
ermöglichen.

Unter dem Dach des Paritätischen Berlin wirken 70 Träger mit über
100 Einrichtungen und vielfältigen ­Angeboten und Projekten im Bereich
Flucht und Migration.
An der regelmäßig stattfindenden Fachgruppe Migration nehmen
­Vertreter von rund 35 Paritätischen Mitgliedsorganisationen aus
­verschiedenen sozialen Bereichen teil.
Über 180 Nationalitäten leben in Berlin.

Vorwiegend ältere Menschen als Nutzer der sozia­
len Dienste. Laut Prognosen wird der Anteil von Seniorinnen und Senioren in Marzahn-Hellersdorf in den
nächsten 15 Jahren um 190 Prozent steigen. Bereits
jetzt sind die Nutzerinnen und Nutzer der sozialen
Stadtteilzentren, der Migrantenselbstorganisationen
und des Migrationssozialdienstes vorwiegend ältere
Menschen. Während die Spätaussiedler hauptsächlich
bezirkliche Angebote nutzen, weil es für diese Zielgruppe viele Anlaufstellen gibt, orientieren sich Vietnamesinnen und Vietnamesen auch berlinweit.
Aufgrund der Nichtanerkennung ausländischer
Berufsabschlüsse und mangelnder Deutschkenntnisse
geraten Spätaussiedler häufig in die Langzeitarbeitslosigkeit und sind folglich im Alter von Armut betroffen. Zur Berechnung ihrer Rente müssen sie Unterlagen aus Russland einreichen, die sie nur sehr schwer
erhalten und auf die sie lange warten müssen, sodass
Fristen bei der Rentenversicherungsanstalt nicht eingehalten werden können. Dadurch haben sie Zeiten

zu überbrücken, in denen sie keinen Lebensunterhalt
erhalten. Wenn sie dann ihre Rente bekommen, müssen sie meist noch zusätzlich Grundsicherung beantragen.
Beratungen zur Grundsicherung stellen den größ­
ten Anteil der Beratungen im MSD dar. Damit verbunden gibt es auch immer häufiger Anfragen zu
Lebensmittelausgaben. Als Barriere erweist sich dabei,
dass man nur zu den Ausgabestellen gehen kann, die
sich im Sozialraum des angemeldeten Wohnraums
befinden. Das ist problematisch, da Menschen sich
für ihre Armut schämen und nicht wollen, dass ihre
Bedürftigkeit in der Nachbarschaft sichtbar wird.
Weitere Themen der Beratungsstelle betreffen
Verschuldung, Mehrfachverschuldung und verstärkt
das Abschließen von Dienstleistungsverträgen beziehungsweise Haustürgeschäften. Für Vertragsabschlüsse gibt es im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte eine
kostenlose spezialisierte Verbraucherberatung in russischer Sprache. Diese Beratung ist ein Angebot der
Verbraucherzentrale Berlin im Rahmen des Projektes
„Aufsuchender Verbraucherschutz“.
Vietnamesische Bürger, die die Beratung in
Anspruch nehmen, sind wesentlich jünger. In dieser
Gemeinschaft leben lediglich etwa 1000 Menschen in
Berlin, die über 60 Jahre alt sind. In dieser Zielgruppe liegen entsprechend kaum Erfahrungen im Beratungsbedarf bei Seniorinnen und Senioren vor.

Das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte bietet Beratung
und Information für ältere Migrantinnen und
Migranten. Foto:
Mario Zeidler

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Pflegebedürftige Vietnamesen wünschen sich
Betreuung aus ihrer kulturellen Lebenswelt. Durch
erste Anfragen an Pflegeeinrichtungen und Beratungsstellen der Volkssolidarität deutet sich bei den vietnamesischen Bürgerinnen und Bürgern ein wachsender
Pflegebedarf an, der wie auch in der deutschen Bevölkerung vielfach nicht mehr von Familie oder Freunden
gedeckt werden kann. Pflegebedürftige Vietnamesinnen und Vietnamesen möchten genau wie andere
Pflegebedürftige von Menschen gepflegt werden, die
sie und ihre besonderen Bedürfnisse verstehen. Sie
suchen daher Betreuung in Gruppen, die ihre kulturelle Lebenswelt teilen. Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass Berlin als multikulturelle Stadt auch
in der Pflege multikulturell aufgestellt sein muss.
Migrantinnen und Migranten wollen in diesem
Bereich wie auch in anderen Bereichen des Lebens

13 ä l t e r e M i g r a n t i n n e n u n d M i g r a n t e n

13 ä l t e r e M i g r a n t i n n e n u n d M i g r a n t e n

angemessen beraten werden. Damit unterscheidet
sich ihr Beratungsbedarf nicht von dem der Mehrheitsgesellschaft. Der Unterschied besteht vielmehr
darin, dass für diesen Personenkreis häufig fehlende Deutschkenntnisse und aufenthaltsrechtliche Einschränkungen an die Antragstellung von Sozialleistungen gekoppelt sind.

Migrationshintergrund zu Ausbildungsgängen im
Pflegebereich jedoch wenig erfolgreich. Es bedarf
gezielter Anwerbekampagnen. Und es bedarf weiterer Initiativen und Kooperationen wie folgender:

Asli Peker Gaubert
Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte
Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V.
Stadtteilzentrum Marzahn – Mitte
Marzahner Promenade 38  |  12679 Berlin
Telefon: 030 998 95 02  |  Fax : 030 99 90 29 70
kieztreff-marzahn-mitte@volkssolidaritaet.de
www.volkssolidaritaet.de

Interkulturelle Öffnung in Altenpflege­
einrichtungen und Krankenhäusern
Notwendige Schritte dorthin

Spätestens seit Ende der 80er Jahre war bekannt, dass
die sogenannten Gastarbeiter in Deutschland alt werden und die Pflegeeinrichtungen sich darauf vorbereiten sollten. Es war jedoch lange Zeit gängige Praxis, Übersetzungsprobleme zwischen Patienten und
medizinischem Personal in den Krankenhäusern mittels ausländischen Reinigungskräften zu lösen. Inzwischen findet ein langsames Umdenken statt und es
wurde begonnen, mehr zweisprachiges Personal auszubilden und einzustellen. Der Bedarf ist jedoch hoch
und es sind noch viele Schritte seitens Politik, Pflege-

einrichtungen und allen Beteiligten zu unternehmen,
die interkulturelle Öffnung der Altenpflegeeinrichtungen und Krankenhäuser voranzutreiben.
Der Bedarf an mehrsprachigem Personal ist groß.
Mehrsprachiges Personal in den Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen sollte zur Normalität werden und
ebenso die Bereitschaft, die Wünsche und die Befindlichkeiten der Mitbewohnerinnen und Mitbewohner
aus anderen kulturellen Lebenswelten zu berücksichtigen. Bisher ist der Zugang für die Jugendliche mit

59

Pilotprojekt „Stärken vor Ort“ bringt hohe Ver­
mittlungsergebnisse. Ein Gespräch des Interkulturellen Beratungs- und Begegnungszentrums (IBBC) im
Jahr 2010 mit dem Neuköllner Stadtrat für Gesundheit
und die Ausschreibung des Förderprogramms „Stärken
vor Ort“ führten dazu, dass der IBBC den ersten Vorbereitungskurs im Pflegebereich als Pilotprojekt für junge Frauen mit Migrationshintergrund anbieten konnte. Das hohe Vermittlungsergebnis am Ende des Kurses
ist auf die gute Kooperation mit der Vivantes Netzwerk
für Gesundheit GmbH zurückzuführen. Zu jenem Zeitpunkt hatte das Unternehmen Vivantes den Bedarf an
mehrsprachigen Pflegekräften ebenfalls erkannt und
es sich zur Aufgabe gemacht, die Zielgruppe junge
Frauen mit Migrationshintergrund zu erreichen. Seither existiert zwischen IBBC und dem Krankenhausunternehmen Vivantes ein vertrauensvolles Verhältnis der
Zusammenarbeit und Kooperation.
Die Beteiligten fachlich und individuell vorberei­
ten. Der IBBC bereitet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowohl auf den Einstellungstest von Vivantes
vor als auch inhaltlich und persönlich auf einen Beruf
im Krankenhaus. Das dreimonatige Praktikum findet
in unterschiedlichen Vivantes-Häusern statt. Die Kurse
werden von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen finanziert.
Das Elternhaus spielt bei der Auswahl eines Berufes eine wesentliche Rolle. Der Berufswunsch des Kindes sollte von den Eltern akzeptiert und unterstützt
werden. Deshalb werden die Eltern bei der pädagogischen Begleitung von Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern mitberücksichtigt.
Seit der Durchführung der Vorbereitungskurse im
Pflegebereich wurden insgesamt 156 Teilnehmerinnen
und Teilnehmer in den Kursen aufgenommen und 131
von ihnen hauptsächlich in Ausbildungsverhältnisse
im Pflegebereich vermittelt. Die meisten Jugendlichen
haben bei Vivantes einen Ausbildungsplatz erhalten.

Der Bedarf an
Pflegekräften mit
Migrationshintergrund nimmt zu.
Foto: IBBC

Der IBBC als Brücke zwischen Unternehmen und
Ausbildungssuchenden. Mit der Vermittlung in Ausbildungsverhältnisse im Pflegebereich unterstützt der
IBBC zum einen die Jugendlichen mit Migrationshintergrund bei der Erlangung eines Arbeitsplatzes in
einem sicheren Berufszweig. Zum anderen gewinnen
die Unternehmen wertvolle zweisprachige Fachkräfte. Der Verein übernimmt bei der Vermittlung eine
Brückenfunktion und trägt dazu bei, dass es möglich
wird, auch die wachsende Anzahl älterer Zuwanderer
mit Demenzerkrankung muttersprachlich fachlich zu
betreuen.

Ilknur Gümüs, Interkulturelles Beratungs- und
­Begegnungszentrum (IBBC) e.V.
Interkulturelles Beratungs- und Begegnungszentrum (IBBC) e.V., Bürgerzentrum Neukölln
Werbellinstraße 42  |  12053 Berlin
Telefon: 030 56 82 27 53  |  Fax: 030 53 16 65 69
info@ibbc-berlin.de  |  www.ibbc-berlin.de

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13 ä l t e r e M i g r a n t i n n e n u n d M i g r a n t e n

61

13 ä l t e r e M i g r a n t i n n e n u n d M i g r a n t e n

Bunt und kreativ
Plädoyer für mehr interkulturelle Spiel-Räume

Die Balkonpflanzen rebellieren.
Theatergruppe
Bunte Zellen mit
ihrer Produktion „Berliner
Pflanzen“. Foto:
Johanna Kaiser

Seit dreißig, vierzig, fünfzig oder gar mehr Jahren
leben in Berlin Menschen, die über Lautsprecher oder
Bekanntmachungen beispielsweise in anatolischen
Dörfern von deutschen Firmen aus Berlin angeworben wurden. Sie erlebten ein in zwei Hälften geteiltes
Berlin, geprägt von der Nachkriegsgeschichte, sichtbar in den Lücken der Straßenzüge, aufgerüttelt durch
studentische Proteste bis hin zu Hausbesetzungen.
Und sie lebten Seite an Seite mit den deutschen Kolleginnen und Kollegen, als Nachbarn oder junge Eltern
auf Elternabenden oder Kinderfesten und nun als ältere Frauen und Männer in der Stadt.
Die Erfahrungen dieser Menschen, die sich vor
Jahren nach Berlin aufgemacht haben, unterscheiden

sich manchmal von denen der einheimischen Berliner, manchmal auch nicht. Es gilt, Platz für die Erzählung, Verarbeitung, Auswertung oder auch nur für das
Lachen oder Streiten über gemeinsame Erlebnisse
und Beobachtungen in einem langen Leben zu schaffen. Und es gilt, Platz für die besonderen Erfahrungen,
Beobachtungen von Diskriminierung oder Hilfsbereitschaft, von Fremdheit oder Nähe der Berliner und
Berlinerinnen, die Migrationsgeschichten zu erzählen
haben, einzuräumen.
Gemeint sind hier nicht Orte, an denen das ­leckere
Essen oder folkloristische Einlagen zur Auflockerung
eines bunten Nachmittags organisiert werden, ­sondern
Räume, in denen Ältere nicht als Fremde, sondern als
Mitglieder unserer Gesellschaft gefragt werden. Als

Leute, die sich in Schulen oder Kitas engagieren, die
sich mit aktuellen Problemen wie Ökologie oder der
Thematik von Geflüchteten oder Gentrifizierung in
dieser Stadt auseinandersetzen und nicht zum Befragungsobjekt über ausschließlich Migration degradiert
werden.
Gemeint sind Orte, an denen gezielt Anlässe für
einen transkulturellen Austausch geschaffen werden
können, ob mit Kindern oder Jugendlichen, mit anderen Älteren oder einfach zunächst untereinander. Ein
Versuch dazu wurde 2005 im Theater der Erfahrungen
mit der damals als Graue Zellen bekannten Neuköllner
Theatergruppe gestartet. Aufgrund der Zusammenarbeit mit Kidöb, dem türkischen Frauenladen des Nachbarschaftsheims Schöneberg, gelang es, Interessierte
zu finden, und es begann eine spannende Stückentwicklung zur Nachkriegsgeschichte Berlins, an deren
Ende das Stück ‚Allet janz anders – aber so verschieden nu ooch wieder nicht‘ stand. Der Austausch mit
Gleichaltrigen über unter anderem die erste Liebe
oder den ersten Abschied war für alle eine ungeheure
Entdeckungsreise, die insbesondere wegen der vielen
Gemeinsamkeiten Verblüffung auslöste.
Die Gruppe mit mittlerweile 16 Mitgliedern ist emsig
am Werk, drei weitere Stücke, Tourneen etwa nach Griechenland, in die Türkei und nach Frankreich folgten. Die
neue Konstellation in einer der drei kontinuierlichen
Theatergruppen des Theaters der Erfahrungen veränderte das bewährte Altentheater Berlins ungemein.
Die gemeinsame Produktion „Altes Eisen“ konnte als
deutsch-türkisches Musical die Bühne erobern und als
Pilotbeispiel für Empowerment und Engagement dienen, denn mit bisher 24 Aufführungen vor rund 6000

Zuschauenden zeigt es Möglichkeiten einer transkulturellen Zusammenarbeit auf. Als kreatives Potenzial im
Stadtteil wurden in Neukölln die Sultaninen, in Tegel
eine deutsch-russische Gruppe gegründet.
Doch auch im Kleinen und Verborgenen, in Kitas
und Schulen ist die transkulturelle Zusammenarbeit
ein wesentliches Element für die zivilgesellschaftliche Entwicklung in unserer Stadt. Ein zweisprachiges deutsch-türkisches Mitmachtheater eröffnet auch
in Kitas andere Formen und gewinnt die Herzen der
Eltern auf neue Weise. Die Verleihung der Berliner
Tulpe im Jahr 2009 honorierte die Bemühungen der
interkulturellen Arbeit und ermutigte die Beteiligten,
weiterzumachen.
Das ist nicht immer leicht, denn es fehlt in Berlin immer noch an Räumen, in denen transkulturelles
Engagement sich entfalten und entwickeln kann, ob
im intergenerativen oder im Altenbereich. Die Einrichtungen zielen allzu oft auf ein homogenes Publikum ab
und lassen in ihrem kleinen Biotop nichts anderes zu.
Doch Berlin braucht ältere Menschen mit ihren
Migrationserfahrungen für alle Themen der Stadt. Es
gilt hier Räume zu eröffnen und Anlässe zu schaffen,
um ihr Engagement zum Blühen bringen zu können.
Prof. Johanna Kaiser
Werkstatt der alten Talente – Theater der Erfahrungen
Werkstatt der alten Talente – Theater der
Erfahrungen
Vorarlberger Damm 1  |  12157 Berlin
Telefon: 030 855 42 06  |  Fax: 030 855 43 78
theater-der-erfahrungen@nbhs.de
www.theater-der-erfahrungen.de

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14 d i e G e s u n d h e i t ä l t e r w e r d e n d e r M e n s c h e n

63

Gesundheit ist der Baustein für den Erhalt der Selbständigkeit
und Lebensqualität im Alter. Der Senat von Berlin setzt sich dafür
ein, dass der bereits begonnene Gesundheitszieleprozess die
besonderen Belange älterer Menschen in allen Lebenslagen

Die Alzheimer Angehörigen-Initiative
Ein Beispiel für die praktische Umsetzung der Berliner Seniorenleitlinien

berücksichtigt und dass die Notwendigkeit gesundheitlicher
Prävention in einer alternden Gesellschaft weiter in den Vorder­
grund rückt. Präventive, ambulante und stationäre Angebote
sollen bedarfsgerecht in guter Qualität genutzt werden können.

14. Die Gesundheit älter
werdender Menschen
2030
+9
+25

2050

+8

+21

1

2

Die Gruppenangebote der Alz­heimer
Angehörigen­Initiative ­erfreuen
sich großer
Beliebtheit. Foto:
Christiane Weidner

3

		

Zahlen und Fakten:

	

1 	In

Berlin haben derzeit 60-jährige Frauen im Durchschnitt
noch rund 25 Jahre vor sich, gleichaltrige Männer 21 Jahre.

	

2 	80-jährige

	

3 	Als

und ältere Frauen können im Durchschnitt mit weiteren
neun Lebensjahren, Männer mit knapp acht Jahren rechnen.

eine der großen Herausforderungen gelten Demenzen.
Auf Grundlage des Demenz-Reports 2011 vom Berlin-Institut
für Bevölkerung und Entwicklung ist davon auszugehen,
dass in Berlin derzeit rund 50 000 Demenzkranke leben,
im Jahr 2030 werden es über 70 000 Betroffene sein.

Mit zunehmendem Alter erhöht sich das Risiko an
einer Demenz zu erkranken. Derzeit sind in Deutschland rund 1,5 Millionen Menschen an Alzheimer oder
einer anderen Form von Demenz erkrankt. Davon
leben über 50 000 in Berlin. Aufgrund des demografischen Wandels in unserem Land wird sich diese Zahl
bis 2050 dramatisch erhöhen, Experten erwarten eine
Verdoppelung.
Das Krankheitsbild und der Verlauf können individuell sehr unterschiedlich sein. Eine Demenz ist bis
heute nicht heilbar. Die Krankheit verläuft in Phasen
und führt letztlich zu einer völligen Abhängigkeit von
fremder Hilfe. Der Erhalt noch vorhandener Fähigkeiten ist von größter Bedeutung bei demenzerkrankten
Menschen, um so den Abbauprozessen entgegenzuwirken.
Pflegende Angehörige sind von einer Demenzerkrankung in erheblichem Maße mitbetroffen. Sie erleben tagtäglich die schleichenden Veränderungen
im Wesen und Verhalten eines geliebten Menschen.
Pflegende Angehörige müssen in eine oftmals nicht
erlernte Pflege- und Versorgungsrolle hineinwachsen,
die viel Kraft kostet und den bisherigen Strukturen in
der Beziehung oder der Familie manchmal vollkommen zuwiderläuft. Eigene Interessen können zuneh-

mend nicht mehr wahrgenommen werden. Bisherige
soziale Bindungen sind durch die zwangsweise übernommene Rolle nicht mehr aufrechtzuerhalten. Dabei
erleben pflegende Angehörige oftmals gesellschaftliches Unverständnis. Besonders bitter ist es, wenn
pflegende Angehörige innerhalb der Familie anstatt
mit Dankbarkeit und Anerkennung mit Unverständnis
und Vorwürfen konfrontiert werden.
Als die Alzheimer Angehörigen-Initiative 1997 an
den Start ging, war das Krankheitsbild Demenz noch
ein Tabuthema. Gemeinsam mit anderen Alzheimer
Gesellschaften setzten wir uns dafür ein, das Thema
Demenz in die Öffentlichkeit zu bringen und Menschen mit Demenz und ihre pflegenden Angehörigen
aus ihrer Isolation herauszuholen. Inzwischen wird viel
dafür getan, den Umgang mit Demenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die Leitlinien der Berliner
Seniorenpolitik, die wir konkret und aktiv verfolgen.
Die Gesundheitsförderung und damit die Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Demenz
und pflegenden Angehörigen ist unser primäres Satzungsziel. Um dieses Ziel zu erreichen, bieten wir ein
differenziertes und vielseitiges Hilfsangebot in den
Bereichen Beratung, Betreuung, Begegnung und Bil-

64

14 d i e G e s u n d h e i t ä l t e r w e r d e n d e r M e n s c h e n

14 d i e G e s u n d h e i t ä l t e r w e r d e n d e r M e n s c h e n

Bewegung ist das A und O
Fünf Fragen an Dr. Helmut Sörensen, Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.

Rosemarie
Dreihaus-Wagner
Foto: Christiane
Weidner

dung. Angehörige können entsprechend ihrer aktuellen Lebenssituation die für sie sinnvollsten Unterstützungsangebote auswählen. So erhalten sie die Hilfe,
die sie am stärksten entlastet. Und sie erhalten alle Hilfen aus einer Hand. Darüber hinaus wirken wir darauf
hin, die Eigenpotenziale demenzbetroffener Familien
in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld zu stärken und
helfen beim Aufbau kleiner sozialer Netzwerke.
Obwohl das Informations- und Beratungsangebot
in Berlin in den letzten Jahren verbessert wurde, finden pflegende Angehörige oft erst spät – manchmal
zu spät – den Weg zu Hilfe und Entlastung. Wir arbeiten eng mit den Berliner Pflegestützpunkten zusammen. Um pflegende Angehörige gleich zu Beginn zu
erreichen, wenn Fragen rund um das Thema Demenz
im Raum stehen, wollen wir einen Schritt weiter
gehen und uns der zugehenden Beratung zuwenden.
In diesem Zusammenhang haben wir uns auf den
Weg gemacht mit Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die an der Schnittstelle zu Menschen mit Demenz

und pflegenden Angehörigen arbeiten, wie zum Beispiel Krankenhäusern. Hier sind Mitarbeiter der Sozialdienste oder Gedächtnissprechstunden unsere direkten Ansprechpartner.
Durch unsere langjährigen Erfahrungen konnten
wir eine umfangreiche Expertise erwerben, die wir
in Kooperationen und Netzwerken einbringen, die
der Verbesserung des Umfeldes und der Versorgung
von Menschen mit Demenz dienen. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem  die Verbesserung
der Situation von Menschen mit Demenz im Krankenhaus (Kooperation mit dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth-Herzberge)  die Verbesserung
der nachstationären Langzeitversorgung von Menschen mit einer Demenz nach Schlaganfall (Mitwirkung im Projekt INDIKA des Qualitätsverbundes Netzwerk im Alter Pankow)  die Mitgestaltung der Lokalen
Allianz Zehlendorf und der demenzfreundlichen Kommune Lichtenberg.
Auch im Bereich der Fachkräftesicherung leistet die
Alzheimer Angehörigen-Initiative einen aktiven Beitrag. Wir bauen unsere Angebote stetig aus und bieten examinierten Altenhilfefachkräften gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen. Dazu gehört auch der
notwendige Zeitrahmen, um Menschen mit Demenz
angemessen zu betreuen.
Christiane Sarr, Alzheimer Angehörigen-Initiative
Alzheimer Angehörigen-Initiative
Reinickendorfer Straße 61 (Haus 1)  |  13347 Berlin
Telefon: 030 47 37 89 95  |  Fax: 030 47 37 89 97
aai@alzheimerForum.de
www.alzheimer-organisation.de

Dr. Helmut Sörensen ist seit 1985 Präsident der Deutschen Rheuma-Liga Berlin e.V. Außerdem praktiziert er
als Rheumatologe in Steglitz-Zehlendorf. 2011 wurde
er mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für seine
besonderen Verdienste für rheumakranke Menschen
und die Rheumaversorgung geehrt. Aktuell engagiert er sich in besonderer Weise für das Bauvorhaben
Generationenbad: Hier will die Deutsche Rheuma­Liga Berlin e.V. Gruppengymnastik im warmen Wasser
anbieten – für rheumakranke Kinder, Erwachsene und
Jugendliche.
Dr. Sörensen, wie sehr schränkt Rheuma betroffe­
ne Menschen ein? Wie äußert sich das Krankheits­
bild?
Helmut Sörensen: Rheuma ist Sammelbegriff für
mehr als 400 Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Insofern sind die Einschränkungen
ganz unterschiedlich: Viele leiden an schmerzhaften Schwellungen der Gelenke, Erschöpfungszuständen und Arbeitsunfähigkeit bei besonders entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis,
Morbus Bechterew, Kollagenosen und Vaskulitiden.
Viele haben auch chronische Rückenleiden und Fibromyalgie. Betroffen von Rheuma sind Menschen jeden
Alters – in Berlin über 60 000 Erwachsene, aber auch
über 2000 Kinder und Jugendliche. Eines aber haben
alle Betroffenen gemeinsam: Tag für Tag müssen sie
die Auswirkungen einer chronischen Krankheit auf
ihre Lebensqualität und ihren Alltag bewältigen. Hier
setzt die Deutsche Rheuma-Liga Berlin an: Wir wollen
rheumakranken Menschen mit speziellen Angeboten
im Umgang mit der Krankheit kompetent zur Seite
stehen, sie unterstützen und begleiten. Übrigens tun
wir das schon seit über 40 Jahren.
Wie können Rheumapatienten unterstützt wer­
den? Können Arbeitgeber und Angehörige helfen?
Helmut Sörensen: Neben der medizinischen Versorgung gilt: Rheuma braucht Bewegung. Ein aktiver
Lebensstil hilft den Betroffenen dabei, ihre körperliche
Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit zu verbessern
und ihre Leiden zu ertragen. Moderate Bewegung
erhöht Muskelfunktion, Beweglichkeit und Ausdau-

er und fördert einen positiven Krankheitsverlauf. Die
Deutsche Rheuma-Liga Berlin unterstützt Betroffene
hier unter anderem mit Funktionstraining. Hier gibt
es zwei Arten: Warmwasser- und Trockengymnastik.
Übungen im Bewegungsbad sind besonders gelenkschonend.
Auch das Umfeld ist gefordert, sich auf rheuma­
kranke Menschen einzustellen: Angehörige Rheuma­
kranker müssen sich mit einer Fülle von individuellen
Problemen auseinandersetzen. Eltern müssen beispielsweise in enger Abstimmung mit dem rheuma­
kranken Kind, dem behandelnden Arzt und der Schule
entscheiden, ob der Schulsport regulär belegt werden kann. Eine rheumakranke Frau muss zusammen
mit ihrem Partner, wenn ein Kinderwunsch besteht,
klären, ob die Krankheit negative Auswirkungen auf
den Verlauf einer Schwangerschaft haben kann. Für
Arbeitgeber hingegen stellt sich die Frage: Wie kann
ich einen rheumakranken Arbeitnehmer in meinen
Betrieb integrieren? Meist kann das mit einfachen Mitteln wie Anpassung der Arbeitszeiten oder der Ausstattung des Arbeitsplatzes unkompliziert erreicht
werden. Hierzu gibt es auch den Rheuma-Preis, der in
Kooperation mit der Deutschen Rheuma-Liga vergeben wird. Mit ihm werden herausragende Beispiele für
den Umgang mit der chronischen Krankheit Rheuma
im Berufsalltag prämiert.
Für all diese individuellen Fragen ist die Deutsche
Rheuma-Liga Berlin Ansprechpartner. So gibt sie etwa
im Rahmen einer aktuellen Kampagne unter dem
Motto „Rheuma – den Alltag bewältigen“ ganz konkrete Tipps, mit welchen einfachen Hilfsmitteln Betroffene gelenkschonend im Haushalt oder am Arbeitsplatz agieren können. Mit der Broschüre „Arbeiten mit
Rheuma“ informiert sie unter anderem zu Unterstützungsleistungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
gemeinsam in Anspruch nehmen können.
Wie bewerten Sie das Versorgungsnetz für Men­
schen mit Rheuma in Berlin?
Helmut Sörensen: Bei über 60 000 Menschen mit entzündlichem Rheuma und 90 000 mit schwerer Arthrose benötigen wir mindestens 60 Rheuma-Ärzte! Leider haben wir in Berlin mit nur 29 Rheumatologen eine

65

66

14 d i e G e s u n d h e i t ä l t e r w e r d e n d e r M e n s c h e n

14 d i e G e s u n d h e i t ä l t e r w e r d e n d e r M e n s c h e n

67

Generationenbad der Deutschen Rheuma-Liga
Ein Bauvorhaben wird Realität

erhebliche Unterversorgung. Patienten müssen allzu
lange Wartezeiten von vier bis acht Monaten in Kauf
nehmen oder werden gar nicht aufgenommen.
Gegen diesen Missstand kämpft die Deutsche
Rheuma-Liga Berlin schon seit geraumer Zeit. So sammelten wir Unterschriften gegen RheumatologenMangel, die wir der Patientenbeauftragten des Landes
Berlin, Karin Stötzner, übergaben. Wir hoffen inständig auf eine baldige Besserung der Situation! Die Zeit
drängt, denn für rheumakranke Menschen ist es besonders wichtig, dass ihr Leiden früh erkannt wird. Oft kann
dann der Krankheitsverlauf eingedämmt und schwere
Folgekrankheiten können vermieden werden.
Was tut die Deutsche Rheuma-Liga Berlin genau?
Welche Angebote machen Sie?
Helmut Sörensen: Die Deutsche Rheuma-Liga Berlin
ist mit rund 11 000 Mitgliedern sowie rund 500 ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitern die größte
Berliner Selbsthilfeorganisation im Gesundheitswesen.
Wir unterstützen rheumakranke Menschen bei ihrer
Krankheits- und Alltagsbewältigung nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Darüber hinaus betreiben wir
aktive Interessenvertretung und Öffentlichkeitsarbeit
mit dem Ziel, gesellschaftliche Teilhabe und Mitbestimmung für Betroffene zu verbessern.
Konkret organisieren wir das oben erwähnte Funktionstraining sowie andere Bewegungs- und Kreativangebote wie Yoga oder Malen. Auch leisten wir
soziale Beratung durch hauptamtliche Sozialarbeiter,
die in Gesprächen mit rheumakranke Menschen oder
auch deren Angehörigen Lösungen für individuelle Problemlagen erarbeiten. Überdies ermutigen wir
die Betroffenen zum Besuch einer unserer rund 100
Selbsthilfegruppen, dort tauschen sie sich über ihre
Erfahrungen aus und bekommen wertvolle Hinweise
zum Umgang mit Rheuma.
Darüber hinaus gibt es maßgeschneiderte Angebote der Rheuma-Liga für bestimmte Zielgruppen, in
denen rheumakranke Menschen anderen Betroffenen
ehrenamtlich helfen. So gibt es zum Beispiel einen
Besuchsdienst für Schwerst-Rheumakranke oder das
Förderprojekt „Zusammen stärker“ für rheumakranke
Kinder und junge Menschen.

Auch sind Betroffene ehrenamtlich in Gremien wie
Bezirksbehindertenbeiräten aktiv und setzen sich dort
für unsere Belange ein. Weiterhin bieten wir das ganze Jahr über in Kooperation mit Experten aus Medizin,
dem Gesundheitswesen und der Selbsthilfe Informations- und Fachveranstaltungen an. Wichtig ist dabei:
Unsere Angebote finden in ganz Berlin statt, unter
anderem in unseren sechs festen bezirklichen Treffpunkten. So haben alle Betroffenen − gerade auch die,
die sich nicht mehr so gut bewegen können – die Möglichkeit teilzunehmen und keiner wird ausgeschlossen.
Welche Pläne hat Ihre Organisation für die Zukunft?
Helmut Sörensen: Wie schon angeführt, wollen wir
mehr Teilhabe und Mitbestimmung für rheumakranke
Menschen erreichen und die Versorgungslage verbessern. Aber ein Vorhaben liegt mir besonders am Herzen:
der Neubau eines eigenen Bewegungsbades in unserer Zentrale in Tempelhof. In diesem Generationenbad wollen wir Gruppengymnastik im warmen Wasser
anbieten – für rheumakranke Kinder, Erwachsene und
Jugendliche. Ergänzt wird das Angebot durch Wärmeund Kältekammern sowie physiotherapeutische Geräte
wie Wasserfahrräder. Im Dezember 2014 hat die Stiftung
Deutsche Klassenlotterie Berlin wichtige Mittel freigegeben und wir sind voller Hoffnung, dieses einzigartige
Bauvorhaben nun rasch vollenden zu können!
Leider hat unsere Initiative einen ernsten Hintergrund: In den letzten Jahren wurden in Berlin zahlreiche Bewegungsbäder geschlossen, in denen wir unser
Funktionstraining angeboten haben. Bewegung ist für
rheumakranke Menschen aber das A und O für eine
positive Krankheits- und Alltagsbewältigung. Deshalb
kämpfen wir auf allen Ebenen und fordern eine konzertierte Aktion zum Erhalt der Berliner Bewegungsbäder! Erste Erfolge konnten hier erzielt werden: Im
Oktober letzten Jahres etwa hat ein Zusammenschluss
aus fünf Betreibern das Bewegungsbad im Klinikum
Neukölln wiedereröffnet. Die Deutsche Rheuma-Liga
Berlin wird sich jedoch weiterhin für Bewegungsbäder
und auch in anderen Bereichen als starker Partner für
rheumakranke Menschen einsetzen, ganz nach ihrem
Motto: „Hilfe zur Selbsthilfe – wir bewegen mehr!“
Die Fragen stellte Miguel-Pascal Schaar

Generationenbad
als Modell. Foto:
Deutsche RheumaLiga Berlin

Am 17. September 2015 fand mit zahlreichen Gästen
aus Gesellschaft, Politik und Gesundheitswesen die
Grundsteinlegung für das Generationenbad statt.
Die Teilnehmenden setzten damit zugleich ein
Zeichen gegen die zunehmenden Bäderschließungen
in Berlin. Denn leider können längst nicht alle rheuma­
kranken Menschen dringend benötigte Warmwassergymnastik belegen. Deshalb ist die Rheuma-Liga auch
aktiv für mehr Bewegung und kämpft um zusätzliche
Kurszeiten in öffentlichen und privaten Bädern.
Für die Finanzierung des Generationenbades stellte die Lotto-Stiftung Berlin 1,68 Millionen Euro als erste Rate zur Verfügung. Neben den Mitteln der Stiftung
benötigt die Rheuma-Liga weitere Gelder. Zu diesem
Zweck organisiert sie unter anderem Benefizkonzerte in der Begegnungshalle, die an das Baugrundstück

grenzt. Die Einnahmen kommen dem Generationenbad zugute. Oftmals finden die Benefizkonzerte noch
an einem zweiten Termin und dann in der St. Lukas
Kirche Kreuzberg in der Bernburger Straße 3-5 in 10963
Berlin statt. Zusätzlich ruft die Selbsthilfeorganisation
alle Freunde der Rheuma-Liga auf, durch Spenden das
Vorhaben Generationenbad zu unterstützen oder sich
ehrenamtlich zu engagieren.
Ursula Leyk, Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.
Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.
Therapie-, Beratungs- und Selbsthilfezentrum
Mariendorfer Damm 161a  |  12107 Berlin
Telefon: 030 32 29 02 90  |  Fax: 030 32 29 02 939
zirp@rheuma-liga-berlin.de
www.rheuma-liga-berlin.de

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69

15 P f l e g e i m A l t e r

Die Berliner Pflegepolitik wird ihre Vorreiterrolle in Sachen
Beratungsstruktur, Prävention und Stärkung von bürgerschaft­
lichem Engagement im Pflegebereich weiter ausüben. Der Senat
von Berlin hält die Unterstützung von Pflegebedürftigen
und ihren Angehörigen für eine herausragende gesellschaftliche

Selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben
und gepflegt werden
Eine Anleitung für pflegende Angehörige und Betroffene

Aufgabe der solidarischen Stadtgemeinschaft und wird alle
Anstrengungen unternehmen, dem Fachkräftemangel aktiv
entgegenzuwirken.

15. Pflege im Alter

Unter dem Dach des Paritätischen Berlin wirken
19 Träger vollstationärer Pflegeeinrichtungen
mit 38 Pflegeeinrichtungen und rund 5000 Plätzen
13 Träger in der Tagespflege mit 19 Einrichtungen
und rund 370 Plätzen
3 Träger in der Kurzzeitpflege mit 3 Einrichtungen
und rund 60 Plätzen
2 Akutkliniken: Das Jüdische Krankenhaus Berlin mit 305 Betten
und das Paulinenkrankenhaus mit 148 Betten, darunter 21
mit Beatmungskapazität.

Ein Unfall, Oberschenkelhalsbruch, die Diagnose
Demenz, ein Anruf aus den Krankenhaus – Entlassung,
Antragstellung Pflegestufe oder Schwerbehindertenausweis, Pflegeheim oder nicht. Was ist eigentlich eine
Wohngemeinschaft oder Verhinderungspflege? Wie
soll ich das alles organisieren? An wen kann ich mich
wenden?
Wenden Sie sich an die Berliner Pflegestützpunkte.
Wenn Sie diese oder ähnliche Fragen im Kopf haben,
sind die Berliner Pflegestützpunkte die richtigen
Ansprechpartner. Durch gezielte Informationen in
der Öffentlichkeit wird stetig versucht, das umfassende Beratungsangebot weiter bekannt zu machen, um
Unterstützung in schier ausweglosen Situationen leisten zu können.
Pflegestützpunkte beraten:  zur Pflegeversicherung  zu sozialrechtlichen Angelegenheiten sowie
Antrags- und Widerspruchsverfahren  zu präventiven,
medizinischen und rehabilitativen Angeboten  zu
Hilfsmitteln  zu alten-und behindertengerechtem
Wohnungsumbau  zu Wohnformen

Mit Entlastungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige stärken die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Berliner Pflegestützpunkte das vorhandene Selbsthilfepotenzial der Betroffenen und der Angehörigen. Sie
übernehmen eine unverzichtbare Lotsenfunktion im
„Angebotsdschungel“.
Zwölf der 35 Beratungseinrichtungen – ehemals
„Koordinierungsstelle Rund ums Alter“– stehen in der
Verantwortung des Landes Berlin. Unter dem Dach
des Paritätischen Berlin befinden sich davon sieben
Pflegestützpunkte in unterschiedlicher Trägerschaft.
Durch ihre tatkräftige Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit in den einzelnen Bezirken leisten sie einen
unentbehrlichen Beitrag zur Qualitätssicherung der
Berliner Pflegelandschaft.
Demografische Herausforderungen. Bis 2030 wird
die Zahl der über 80-Jährigen um 80 Prozent ansteigen.
Zeitgleich sinkt die Zahl der Angehörigen, die sich um
die notwendige Pflege kümmern können. Die Pflege-

Beratung im Pflegestützpunkt Albatros.
Foto: Albatros

stützpunkte müssen sich noch breiter aufstellen, sich
noch weiter vernetzen, um die Menschen mit Unterstützungsbedarf im Sinne der Prävention noch früher zu erreichen. Nur auf diesem Weg kann eine Fehl-,
Unter- und Überversorgung vermieden werden, gerade im Hinblick auf die steigende Zahl der Betroffenen.
Der Vereinsamung von pflegebedürftigen Men­
schen entgegenwirken. In den seniorenpolitischen
Leitlinien wird als Hauptentwicklungstendenz die Vereinsamung von pflegebedürftigen, allein lebenden
Menschen beschrieben. Hier ein kleiner Wink in Richtung medizinisches Versorgungssystem: Deren Akteure müssten stärker an die bereits im System vorhandenen Beratungs- und Kontaktstellen weitervermitteln.
Um hier den notwendigen Grad an Akzeptanz und
Bewusstsein für das Beratungsangebot zu schaffen,
bedarf es weiterhin gezielter Aufklärungsarbeit zu
den umfangreichen Angeboten der Berliner Pflegestützpunkte.

Marlen Podszun
Leiterin des Pflegestützpunktes ­Marzahn-Hellersdorf
Pflegestützpunkt Marzahn-Hellersdorf –
Albatros gGmbh
Marzahner Promenade 49  |  12679 Berlin
Telefon : 030 514 30 93  |  Fax: 030 514 30 61
psp.marzahn-hellersdorf@albatrosggmbh.de
www.berlinerpflegestuetzpunkte.de

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Gartenidyll in der
Pflegestätte. Foto:
Hildegard ­Gräfin
von Koenigsmarck-Stiftung

15 P f l e g e i m A l t e r

71

15 P f l e g e i m A l t e r

Unterm Dach der Gräfin

Aktiv die Pflegepolitik in Berlin gestalten

Die Seniorentagespflegestätte der Hildegard Gräfin von Koenigsmarck-Stiftung
feierte 20-jähriges Jubiläum

Statistische Aussagen in den Pflegealltag übertragen

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. So war es auch, als
am 11. September 1995 die Seniorentagespflegestätte in der Zehlendorfer Limastraße zum ersten Mal die
Türen für pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren
öffnete. Untergebracht unweit des Schlachtensees, in
der rollstuhlgerecht umgebauten Villa der namensgebenden Stifterin Hildegard Gräfin von Koenigsmarck, wird hier seitdem die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung ausgefüllt. Das
Angebot richtet sich an pflegende Angehörige, welche durch die Tagespflege bei der täglichen Betreuung entlastet werden. Die Ausrichtung zielt dabei auf
ältere Menschen aller Pflegestufen. Die Tagespflege
in familiärer Atmosphäre bietet anregende Betreuung, fachkundige Pflege und das oft lang vermisste
Gefühl von Gemeinschaft. Die pflegenden Angehörigen werden entlastet. Die Gäste besuchen die Tagespflege an einem oder mehreren Tagen in der Woche.
Auf Wunsch überbrückt ein Hol- und Bringedienst die
kurze Entfernung nach Kleinmachnow.
Die Seniorentagespflegestätte der Hildegard Gräfin von Koenigsmarck-Stiftung war seinerzeit eine der
ersten Einrichtungen dieser Art im Land Berlin – und
die Zahl der Zweifler überstieg die Zahl derjenigen, die
von der Idee überzeugt waren bei weitem. Inzwischen

existieren über 80 solcher Einrichtungen im Land Berlin und so war es ein Anlass zu großer Freude, als auf
den Tag genau am 11. September 2015 das 20-jährige
Jubiläum begangen werden konnte.
Der Einladung zum Fest folgten nicht nur die
Tagesgäste und deren Angehörige, sondern auch ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ehemalige
und jetzige Vorstandsmitglieder der Stiftung, frühere
und aktuelle ehrenamtliche Helfer sowie die Mitarbeiter der Fahrdienste, welche die Gäste täglich bringen
und nachmittags abholen. Insgesamt feierten über
100 Gäste und Mitarbeiter, genossen das reichhaltige, vom Kooperationspartner Krankenhaus Waldfriede zubereitete Buffet, freuten sich über die Späße von
Clownin Brischitt von den Roten Nasen e.V. und die
Musik des Duos Saite an Saite. Auch der hauseigene
Chor Immergrün gratulierte der Tagespflege und dem
Team mit einem selbstgedichteten Lied zur Melodie
des Schlagers „An der krummen Lanke“.
Allenthalben wurde mit berechtigter Zuversicht
geäußert, dass die Seniorentagespflegestätte noch
viele weitere Jubiläen begehen wird. Dafür sorgt nicht
zuletzt das Team aus Krankenschwestern, Pflegekräften sowie therapeutischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie alle leben den im Leitbild der Stiftung
festgehaltenen Grundsatz eines respektvollen und
wertschätzenden Umgangs. Die Gäste mit all ihren
Charaktereigenschaften und ihren gelebten Erfahrungen stehen im Mittelpunkt der täglichen Arbeit. Alles
in allem eine gute Basis für künftige Jubiläen in der Villa im Grünen, die vielen älteren Menschen auch weiterhin die Möglichkeit bieten wird, zuhause zu wohnen und in Gemeinschaft zu leben.
Jutta Wiemer, Hildegard Gräfin von Koenigsmarck-Stiftung
Seniorentagespflegestätte
Hildegard Gräfin von Koenigsmarck-Stiftung
Limastraße 32  |  14163 Berlin-Zehlendorf
Telefon: 030 802 61 97  |  Fax: 030 80 49 99 28
info@seniorentagespflegestaette.de
www.seniorentagespflegestaette.de

Die Zahl der Menschen mit einem Pflegebedarf in Berlin nimmt stetig zu. Dieser Bedarf lässt sich auch an
dem Wachstum der Pflegeeinrichtungen der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege ablesen. Hat
das Abgeordnetenhaus am 21. Januar 2015 noch 608
ambulante Pflegedienste benannt, so ist die Zahl laut
AOK-Gesundheitsnavigator im Oktober 2015 schon auf
666 Dienste gestiegen. Ebenso zeigt sich ein Zuwachs
im Bereich der Tagespflegen von 87 auf 95 Einrichtungen. Lediglich der Anteil der stationär versorgenden
Einrichtungen ist relativ konstant geblieben und stieg
nur um eine Einrichtung von 301 auf 302.
Die Anzahl der Pflegekräfte wird sinken. In der
Bewertung dieser Zahlen könnte man meinen, dass
der sozialpolitische Grundsatz „ambulant vor stationär“
im Hinblick auf die Versorgungsstrukturen auf dem
Berliner Pflegemarkt angekommen sei. Der demografische Wandel in der Gesellschaft macht allerdings
nicht vor der Mitarbeiterschaft halt. Steigende Qualitätsanforderungen und die Umsetzung gesetzlicher
Neuerungen machen sowohl das Sichern von Pflegefachkräften als auch die Erhöhung ihrer Kompetenz
zu vorrangigen Aufgaben in der Organisationsentwicklung eines Pflegeunternehmens. Diese selbstverständlichen Bemühungen der ständigen Kompetenzentwicklung werden in den kommenden Jahren nicht
verhindern können, dass die Anzahl der Pflege- und
Pflegefachkräfte sinken wird. So ist in unserem Unternehmen mit durchschnittlich 720 Mitarbeiterinnen
in 14 Einrichtungen der Altenpflege der Altersdurchschnitt bei über 57 Prozent der Mitarbeiterschaft
höher als 50 Jahre; die Betriebszugehörigkeit liegt bei
38,8 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei
mehr als 15 Jahren. Ohne eine wertschätzende Unternehmenspolitik kann schon heute kein Pflegeunternehmen mehr am Markt existieren. In Anbetracht
der Entwicklung einer alternden Mitarbeiterschaft ist
eine weitere Arbeitsverdichtung in der Pflegebranche
absolut ausgeschlossen.
Bürgerversicherung einführen. Das grundlegende Finanzierungsprinzip der Pflegeversicherung ist
die Teilleistung und nicht, wie fälschlicherweise heu-

te noch behauptet wird, das der Teilkasko, was aber
als Vollfinanzierung verstanden wird. Ein pflegebedürftiger Mensch muss rund zwei Drittel der Kosten
aus eigener Tasche tragen, um so gepflegt zu werden, wie der entsprechende individuelle Hilfebedarf es erfordert. Wie soll also ein pflegebedürftiger
Mensch, dessen Kosten für Miete, Medikamentenzuzahlung und Lebenserhaltung stetig steigen, seine
Pflege anteilig selbst finanzieren, wenn proportional
der Sachleistungsbetrag nicht ausreichend angepasst
wird. Die Hoffnung richtet sich auf die Umsetzung des
Pflegestärkungsgesetzes II ab 2017, wenn der Pflegegrad 2 mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz maximal eine finanzielle Unterstützung für die
Versicherten von 88 Prozent Steigerung erfährt. Eine
zukunftsweisende sichere Basis wäre hier die Einführung einer Bürgerversicherung.
Bezahlbares Wohnen und neue Wohnformen för­
dern. Es wird also unvermeidlich sein, zusätzlich die
Strukturen des sozialen Raumes zu stärken und weitere Wohnformen zu sozialverträglichen Mieten zu
fördern. Die Berliner Politik ist aufgefordert, die Gentrifizierung aufzuhalten und sich für eine effektive
Mietpreisbremse starkzumachen. Denn nur wenn für
Pflege Geld übrig ist, können es Pflegeanbieter für
tarifliche Lohnsteigerungen, gute Arbeitsbedingungen und Kosten für Kompetenzentwicklung beziehungsweise Personalrekrutierung einsetzen, was auch
zufriedene Kunden für die Kostenträger (Pflegeversicherungen) generiert. Gute präventive Pflege erspart
Folgekosten für die Krankenkassen. Respektvoller
Umgang auf Augen­höhe ist die Voraussetzung für die
aktive Gestaltung der Pflegepolitik in Berlin.

Sylvia Svoboda, Pflegedirektorin der Sozialdienste der
Volkssolidarität Berlin gGmbH
Sozialdienste der Volkssolidarität Berlin gGmbH
Alfred-Jung-Straße 17  |  10367 Berlin
Telefon: 030 30 86 92 28  |  Fax: 030 55 49 38 28
sozialdienste-berlin-ggmbh@volkssolidaritaet.de
www.volkssolidaritaet.de

72

73

16 H o s p i z - u n d P a l l i a t i v a n g e b o t e

Das Sterben in Würde hat Verfassungsrang. Der Senat von Berlin
setzt sich auch in Zukunft für eine weitere Verbesserung der
umfassenden Betreuung und Versorgung schwerstkranker und

Bis zuletzt ein würdiges Leben ermöglichen

sterbender Menschen ein und wird sein Hospiz- und Palliativ­

Das Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie vom Unionhilfswerk

konzept dementsprechend umsetzen und fortschreiben.

16. Hospiz- und
­Palliativangebote

Unter dem Dach des Paritätischen Berlin wirken
12 ambulante Hospizdienste, darunter ein interkultureller und ein
­palliativgeriatrisch ausgerichteter Hospizdienst,
6 stationäre Hospize, darunter ein Hospiz als Tages- und Nachthospiz,
2 Informations- und Beratungsstellen, darunter die Zentrale Anlauf­stelle
Hospize für alle, die im Zusammenhang mit Sterben, Tod und Trauer
­Fragen haben oder Orientierung suchen sowie
1 Projekt zur Palliativen Geriatrie

Palliative Geriatrie leitet sich aus dem Konzept der
Hospizarbeit und Palliative Care ab. Sie hat zum Ziel,
hochbetagten Menschen bis zuletzt ein beschwerdefreies und würdiges Leben zu ermöglichen. Schmerzen, belastende körperliche Symptome sowie soziale
und seelische Nöte werden gelindert. Palliative Geriatrie erfordert ein ganzheitliches Betreuungskonzept für
Betroffene und Betreuende.
Palliative Geriatrie unterscheidet sich von anderen palliativen Angeboten wie zum Beispiel denen für
Tumorpatienten. Die alten und/oder sterbenden Menschen sind oft nicht mehr in der Lage, ihre Bedürfnisse allgemein verständlich zu formulieren. Sie sind zu
krank, zu schwach, zu müde oder oft zu dement, um
sich mitzuteilen. Hinzu kommen häufig schwere körperliche Einschränkungen. Deshalb liegt ein Schwerpunkt der Arbeit im Erschließen von Kommunikationswegen. So können ein angespannter Gesichtsausdruck
oder Schlaflosigkeit indirekte Schmerz- und Leidenszeichen sein.
Das interdisziplinäre Team, bestehend aus Pflegerinnen und Pflegern, Ärztinnen und Ärzten, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Mitarbeitenden
anderer Berufsgruppen sowie ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen und -begleitern, geht gemeinsam
mit Betroffenen und Nahestehenden neue Wege im
gemeinsamen Umgang. Dies geschieht durch einen

Betreuungsansatz, der sowohl kurative als auch palliative Maßnahmen vereint und sich immer mehr
zugunsten palliativer Angebote verschiebt.
Aktivitäten des Kompetenzzentrums Palliative
Geriatrie – KPG. Die Aktivitäten des 2004 gegründeten Kompetenzzentrums Palliative Geriatrie sind
sowohl in den Träger – Unionhilfswerk – als auch in
die Gesellschaft hinein gerichtet. Das KPG setzt sich
für die Weiterentwicklung bestehender Versorgungsangebote im Sinne von Hospizkultur und PalliativeCare-Kompetenz in der Altenpflege und eine gezielte
Organisationsentwicklung ein. Das KPG ist Teil nationaler und internationaler Netzwerke. Die Themen
werden in Teilprojekten bearbeitet:
 KPG Bildung bietet unter Beteiligung nationaler und
internationaler Experten vielfältige palliativgeriatrisch
ausgerichtete Bildungsangebote, wie Praxisworkshops, Kurse, Zusatzqualifikationen, Tagungen sowie
Vorlesungen oder Vorträge.
 KPG Forschung liefert ein differenziertes Bild zu
Lebens- und Sterbebedingungen in Pflegeheimen
und darüber hinaus. Erkenntnisse werden veröffentlicht und fließen in Projekte zur Etablierung von palliativer Geriatrie sowie in strategische und konzeptionelle Überlegungen auf kommunaler Ebene und darüber
hinaus ein.

KPG - Kernteam
2015. Foto: UHW

74

16 H o s p i z - u n d P a l l i a t i v a n g e b o t e

 KPG Hospiz arbeitet als palliativgeriatrischer Hospizdienst an zwei Berliner Standorten und steht mit
geschulten ehrenamtlichen Mitarbeitenden im Sinne
der Altershospizarbeit zur Seite.
 KPG Beratung steht bei Fragen zur Einführung und
Umsetzung von Hospizkultur- und Palliative-CareKompetenzen in Organisationen und Institutionen
zur Seite und kooperiert im Rahmen der Einzel- und
Patientenverfügungsberatung sowie gesundheitlichen Versorgungsplanung mit der Zentralen Anlaufstelle Hospiz.
 KPG Pflege integriert Palliativpflege in die ambulante
und stationäre Altenpflege. Der Träger hält auch einen
SAPV-Pflegedienst bereit.
 KPG Medizin kooperiert mit Schmerztherapeuten
und Palliativmedizinern sowie Leistungserbringern
der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung
(SAPV) sowie im Kontext der Allgemeinen Palliativversorgung (APV), etwa über einen palliativgeriatrischen
Konsiliardienst für Pflegewohnheime.
 Netzwerke und Kooperationen mit Institutionen
und Personen auf nationaler und internationaler Ebe-

16 H o s p i z - u n d P a l l i a t i v a n g e b o t e

ne, welche palliative Geriatrie und Altershospizarbeit
befördern und entwickeln, sichern den Wissenstransfer und die Bearbeitung der Themen des KPG auf fachlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene. Ein
Beispiel ist das vom Land Berlin geförderte Netzwerk
Palliative Geriatrie Berlin.
 Öffentlichkeitsarbeit transportiert die Idee der palliativen Geriatrie, der Altershospizarbeit sowie deren
Lösungsansätze in die Gesellschaft und Fachöffentlichkeit, beispielsweise über Veröffentlichungen und
Aktionen.

Sterben zuhause ermöglichen
Die Möglichkeiten zur Unterstützung sind noch wenig bekannt

Die Hospiz- und Palliativversorgung hat in den letzten Jahren einen stetigen Ausbau erfahren. Dennoch
sind insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung Verbesserungen der gesetzlichen Grundlagen für eine umfassende Versorgung
der Betroffenen notwendig.
Das Sterben in der Häuslichkeit zu ermöglichen,
ist nach wie vor ein Uranliegen der Hospizbewegung,
abgeleitet von den Bedürfnissen der Betroffenen. Patienten brauchen dafür medizinische, pflegerische und
(psycho-)soziale Unterstützung.

Team ambulantes
Hospiz. Foto:
Volkssolidarität

Dirk Müller, Kompetenzzentrum Palliative Geriatrie vom
Unionhilfswerk
Unionhilfswerk Kompetenzzentrum Palliative
Geriatrie
Richard-Sorge-Straße 21 A  |  10249 Berlin
Telefon: 030 42 26 58 33  |  Fax: 030 42 26 58 35
dirk.mueller@unionhilfswerk.de
www.palliative-geriatrie.de

Zwei Drittel aller Deutschen wissen nicht, was
Palliativarbeit ist. Als Teil einer Versorgungsstruktur
übernehmen ambulante Hospizdienste dabei sowohl
beratend als auch begleitend den Bereich der (psycho-)sozialen Hilfe. Trotz einer allgemein wachsenden
Bekanntheit der Hospiz-und Palliativbewegung wissen dennoch die wenigsten älteren Menschen über
die Möglichkeiten der Unterstützung durch ambulante Hospizdienste Bescheid. Zwei Drittel aller Deutschen wissen nicht, was Palliativarbeit ist. Nur acht
Prozent der Deutschen wissen nach eigener Einschätzung korrekt zu benennen, welche legalen Formen

75

der Sterbehilfe es gibt. In Anbetracht der Diskussion
um einen ärztlich assistierten Suizid bedarf es daher
auch der Förderung einer Kultur der Wertschätzung
eines Lebens unter Bedingungen von Pflege, schwerer Krankheit und Demenz. In einer Gesellschaft des
langen Lebens, in der die Zahl der auf fremde Hilfe
angewiesenen Menschen ebenso zunimmt wie die
Angst, dass für einen nicht gesorgt sein wird, müssen
die Voraussetzungen für die Sorgefähigkeit der Gesellschaft – kulturell und infrastrukturell – in den Vordergrund der politischen und gesellschaftlichen Bemühungen gerückt werden. Nur so wird glaubhaft, dass
schwerstkranke und sterbende Menschen Teil der
Gesellschaft sind und in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen werden.
Noch viele Versorgungslücken sind zu schließen.
Das Gesetz zur Verbesserung der Hospiz-und Palliativversorgung in Deutschland, welches im November
2015 verabschiedet wurde und im Dezember in Kraft
getreten ist, reicht nicht aus, um dem wachsenden
Bedarf gerecht zu werden. Zu begrüßen ist die neue
geplante finanzielle Entlastung der Träger ambulanter
Hospizdienste durch eine Sachkostenförderung. Auch
die Möglichkeit, zukünftig Begleitungen sterbender
Menschen im Krankenhaus abrechnen zu können, soll
die Versorgungssituation verbessern. Dennoch bleiben vor allem in der ambulanten Betreuung eklatan-

te Versorgungslücken. In der praktischen Umsetzung
ist dabei ein Ausbau der allgemeinen ambulanten
Palliativversorgung vor allem für nicht onkologisch
erkrankte ältere Menschen und eine Verbesserung
der spezialisierten ambulanten Palliativ­versorgung
unverzichtbar. Auch eine flächendeckende intensive
Bekanntmachung hospizlicher und palliativer Angebote, vor allem für die ambulante Unterstützung
muss intensiv verfolgt werden. Darüber hinaus müssen Krankenhäuser als Schnittstellen im Rahmen des
Entlassungsmanagements in ihrer Verantwortung
gestärkt werden.
Ambulante Hospizarbeit lebt auch vom Ehrenamt.
Ambulante Hospizarbeit lebt unter anderem auch
vom bürgerschaftlichen Engagement. Die Stärkung
und Wertschätzung des Ehrenamtes im Sinne einer
generationsübergreifenden Verantwortung ist insofern auch ein Bestandteil der palliativen Sorgekultur.

Susanne Rehberg, Leiterin Ambulanter Hospizdienst,
Sozialdienste der Volkssolidarität gGmbH
Ambulanter Hospizdienst, Sozialdienste der
Volkssolidarität gGmbH
Einbecker Straße 85  |  10315 Berlin
Telefon: 030 29 33 57 28  |  Fax: 030 29 33 57 22
hospiz@volkssolidaritaet.de
volkssolidaritaet.de/berlin/betreuung-pflege/
www.ambulanter-hospizdienst

17 A l t e r s a r mu t   /  V e r b e s s e r u n g g e s e l l s c h a f t l i c h e r T e i l h a b e c h a n c e n i n B e r l i n

76

Der Senat von Berlin wird sich im Rahmen seiner Seniorenpoli­
tik ­dafür einsetzen, dass die gesellschaftliche Teilhabe älterer
­Menschen unabhängig von deren finanzieller Situation möglich ist.

Altersarmut – keine zeitweilige Erscheinung

Die Maßnahmen auf Landesebene werden dabei sowohl präventi­

Warum sie weiter steigen wird und welche Maßnahmen zu ergreifen sind

ven als auch integrativen Charakter haben.

17. Altersarmut /
Verbesserung gesell­
schaftlicher Teilhabe­
chancen in Berlin
5,6 %

2,7 %

8,1 %

Frau Annemarie Schulz ist 79 Jahre alt und alleinstehend. Sie fühlt sich einsam, ausgegrenzt und ist unzufrieden mit Ihrer derzeitigen Lebenssituation. Obwohl
sie in ihrem Leben überwiegend berufstätig war – allerdings mit sehr geringem Verdienst – verfügt sie kaum
über Ersparnisse und gehört mit ihrer Rente von 620
Euro in die Gruppe der von Armut betroffenen Menschen.
Wer gilt als arm? Nach einem für alle EU-Länder verbindlichen Konzept gilt als relativ arm, wer weniger als
60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der
Gesamtbevölkerung zur Verfügung hat. Altersarmut
allein aus monetärer Sicht zu definieren, wird der realen Sitation in keiner Weise gerecht. Alter und Armut
sind in ihren Zusammenhängen und Auswirkungen
auf Gesundheit, Pflegebedürftigkeit und soziale Teilhabe der Betroffenen und deren Einfluss auf die Entstehung von Armut zu betrachten.

1,7 %

Berlin
1

Deutschland

Brandenburg

2

		 Zahlen und Fakten:
	

1 	Gemessen

am Landesmaßstab mit einer Armutsgefährdungsschwelle
von 798 Euro (für einen Einpersonenhaushalt) liegt die Armutsgefährdung der Berliner Bevölkerung ab 65 Jahren bei 8,1 Prozent.

		Die innerhalb der Gruppe der Älteren ab 65 Jahren jüngere Bevölkerung
ist im Vergleich zur Bevölkerung ab 75 Jahren stärker armutsgefährdet.
	

2 	Die

relative Betroffenheit der Berliner Bevölkerung im Alter ab 65 Jahren,
Grundsicherungsleistungen in Anspruch nehmen zu müssen, liegt Ende
des Jahres 2013 bei 5,6 Prozent und damit ungefähr doppelt so hoch wie
im Durchschnitt für Deutschland (2,7 Prozent) und viermal so hoch wie in
Brandenburg (1,7 Prozent).

		Am 31.12.2013 erhielten 37.666 Berlinerinnen und Berliner ab 65 Jahren
Grundsicherungsleistungen nach SGB XII.

Altersarmut gleich gesellschaftliche Ausgren­
zung? Altersarmut verhindern ist eine dauerhafte
gesamtgesellschaftliche Aufgabe, denn sie ist trotz
vielfältiger staatlicher Hilfen keine vorübergehende Erscheinung. Armut drückt sich – wie am Beispiel
von Frau Schulz angedeutet – neben einem geringen Einkommen auch darin aus, dass die Handlungsspielräume gravierend eingeschränkt sind und eine
gleichberechtigte Teilhabe an den Aktivitäten und
Lebensbedingungen weitgehend auszuschließen
sind. Subjektiv wird Altersarmut häufig mit dem Empfinden verbunden, gesellschaftlich ausgegrenzt zu
sein, nicht dazuzugehören, kurzum keine Lebensperspektive zu haben. In Berlin liegt der Anteil von Menschen mit drohender Armut bei den 65- bis 74-Jährigen derzeit bei 14,1 Prozent.
Welche Faktoren beeinflussen Altersarmut? Das
sind Krankheiten und Pflegebedürftigkeit, der allgemeine Gesundheitszustand, der Stand der sozialen Integration, familiäre Netzwerke, die Stetigkeit in den Arbeitsverhältnissen, Einfluss von Arbeitslosigkeit, Hartz IV und
nicht zuletzt auch die Wohnbedingungen.

Wesentlichen Einfluss auf die Entstehung von Altersarmut hat die Höhe der Rente, die für 95 Prozent der
Bevölkerung Berlins ab 65 Jahren die einzige Einnahmequelle darstellt. Mit dem eingeleiteten Prozess der
Senkung des Rentenniveaus von derzeit 48 Prozent
des letzten Nettoeinkommens auf etwa 43 Prozent im
Jahre 2030 ist ein Anwachsen der Altersarmut vorprogrammiert. Besonders betroffen sind bereits jetzt vor
allem alleinstehende Frauen und ältere Migrantinnen,
die nicht nur geringer entlohnt wurden, sondern infolge einer falschen Familienpolitik auch oft ausschließlich vom Alterseinkommen ihres Mannes abhängig
sind (in Berlin-Mitte und in Kreuzberg leben zurzeit 30
Prozent Rentner mit Migrationshintergrund).
Es wurde berechnet, dass die Hälfte aller heute
erwerbstätigen Frauen Rentenansprüche unter 683
Euro zu erwarten haben und damit praktisch in die
Altersarmut geraten werden. Der Anteil der Rentner,
die neben der Rente noch staatliche Transferleistungen in Form von Grundsicherung erhalten, liegt in Berlin gegenwärtig bei 5,8 Prozent, das heißt etwa 35 000
Personen, allerdings mit stetig steigender Tendenz.
Weiter ansteigen wird auch der Anteil der Rentner, die
aufgrund ihres nicht ausreichenden Einkommens weiterhin ein Arbeitsverhältnis eingehen müssen.

Suppenküche
in Berlin. Foto:
Hélène Vallée,
istockphoto

77

78

17 A l t e r s a r mu t   /  V e r b e s s e r u n g g e s e l l s c h a f t l i c h e r T e i l h a b e c h a n c e n i n B e r l i n

Was tun auf Landesebene? Sind auch Entscheidungen zu Renten sowie zur Gesundheit und Pflege ausschließlich Bundesangelegenheiten, so gilt es unabhängig davon, alle Möglichkeiten zur Bekämpfung
von Altersarmut auch auf Landesebene voll auszuschöpfen. Das betrifft auch die Sicherung des sozialen Miteinanders sowie die Verhinderung von sozialer
Isolation und Hilflosigkeit. Dazu gehören die Gewährleistung ausreichender Beratungs- und Hilfsangebote
sowie Arbeitsmöglichkeiten für Menschen im höheren Lebensalter. Berlin benötigt einen integrierten
Armuts- und Sozialbericht, der neben bereits vorhandenen Daten konkrete Aussagen zur Anzahl von Räumungsklagen als Folge von Mietschulden sowie eine
Kennzeichnung der Situation und Anzahl von Wohnungslosen enthalten sollte. Gleichermaßen ist es

erforderlich, neben Absichtserklärungen, wie in der
Leitlinie 17 der Berliner Seniorenpolitik, einen Aktionsplan mit konkreten Verantwortlichkeiten und Realisierungszeiten zur Bekämpfung von Altersarmut vorzulegen und den Schwerpunkt nicht nur auf Kinderarmut
zu konzentrieren.
Dr. Klaus Sack, Landesseniorenbeirat (LSBB)
Geschäftsstelle Landesseniorenbeirat (LSBB)/
Landesseniorenvertretung (LSV)
Neues Stadthaus  | Raum 231
Parochialstraße 3  |  10179 Berlin
Telefon: 030 32 66 41 26  |  Fax: 030 90 18 22 734
info@landesseniorenbeirat-berlin.de
www.landesseniorenbeirat-berlin.de

Anteilnahme am Leben und Rückzug
in die eigenen vier Wände
Über hundert Jahre Sidonie-Scharfe-Stiftung

Ein Stift für arme Witwen und benachteiligte „alte
Mädchen“ sollte entstehen, das diesen erlaubt, in
einer eigenen Wohnung ein selbständiges Leben im
Alter zu führen – so die testamentarische Verfügung
von Sidonie Scharfe, die 1909 verstarb. Damit schuf die
Wohltäterin schon damals die Grundlage für ein sehr
modernes Konzept – ein Wohnen für Seniorinnen, das
Gemeinschaft und Rückzug bietet.
Umsorgt in der eigenen Wohnung. Denn die Sidonie-Scharfe-Stiftung ist kein Pflegeheim, sondern bietet altersgerechtes, beschütztes Wohnen für Frauen ab
60 Jahren. Zwei schöne Altbauten von 1914 und 1926,
die mit einem parkartigen Garten, gepflegten Beeten

und Wegen untereinander verbunden sind, umfassen
die insgesamt 77 Wohnungen der Stiftung. Diese sind
jeweils mit einem behindertengerechten Duschbad
und einer Küche ausgestattet.
Barrierefreier Zutritt zu allen Wohnungen, Gemeinschaftsräumen und zum Garten ermöglicht auch
Damen mit körperlichen Einschränkungen einen selbständigen Alltag. Notruftasten in den Wohnungen
gewährleisten rasche Hilfe von einer der beiden Mitarbeiterinnen vor Ort. Ein Förderverein im Haus organisiert Freizeitunternehmungen – von gemeinsamen
Mittagessen über Ausflüge zu Schlössern und anderen Sehenswürdigkeiten bis hin zu Lese- und Film­
abenden.

17 A l t e r s a r mu t   /  V e r b e s s e r u n g g e s e l l s c h a f t l i c h e r T e i l h a b e c h a n c e n i n B e r l i n

Zukunft des Wohnens im Alter. Anlässlich des hunderten Jubiläums der Stiftung lud das Kuratorium der
Stiftung im Sommer 2014 zu einer Podiumsveranstaltung im Rathaus Zehlendorf ein, um gemeinsam mit
den interessierten Zuhörern einen Blick in die Zukunft
der Stiftung und des Wohnens im Alter zu richten. Fragen dabei waren beispielsweise, welche Wohnformen sich für Menschen über 60 bewährt haben, was
Architektur zur erhöhten Lebensqualität beitragen
kann und welche Rolle Eigeninitiative, Ehrenamt und
Selbsthilfe spielen.
Henning Scherf (75), ehemals Bürgermeister von
Bremen, berichtete dabei aus seiner Erfahrung aus
einem Wohnprojekt, das er gemeinsam mit seiner Ehefrau und acht Mitbewohnern vor 25 Jahren, nach dem
Auszug der gemeinsamen Kinder, gegründet hatte.
Seine Erfahrung sei, dass das Familienleben durch die
intensiven gemeinsamen Erlebnisse im Kreis der Mitwohnenden bereichert werde. Diese Art des generationsgemischten Wohnens einer Hausgemeinschaft
sei nicht nur persönlich bereichernd, es ergäben sich
auch materielle Synergieeffekte.
Wohnraum muss angepasst werden. Prof. Wolfgang
Schuster, Dekan der Brandenburgischen Technischen
Universität Cottbus, thematisierte auf dem Podium
die Anpassung von Wohnraum an die Anforderungen
einer immer älter werdenden Gesellschaft. Durch bauliche Veränderungen und den Einsatz von Unterstützungstechnologien könnten Umzüge in stationäre
Pflege weitaus häufiger vermieden werden. Dies wäre
nicht zuletzt auch ein wirtschaftlicher Gewinn für die
Gesellschaft. Schuster nannte eine Zahl von fast 5000
Berliner Bürgern, die 2014 ihre Wohnungen wegen
baulicher Unzulänglichkeiten verlassen müssten.
Margit Hankewitz berichtete von ihren Erfahrungen im Sozialwerk Berlin, dass ältere Menschen durch
ehrenamtliches Engagement etwas Gutes für sich
selbst täten und aufmunternd auf ihr Umfeld wirkten.
Es sei außerdem sehr wichtig, Menschen aller Genera-

tionen den Verbleib im Quartier zu ermöglichen. Voraussetzungen seien für ältere Menschen beispielsweise Sitzgelegenheiten auf dem Weg zum Supermarkt,
öffentliche Toiletten in erreichbarer Nähe und längere
Ampelphasen zur gefahrlosen Straßenüberquerung.
Nicht zu vernachlässigen sei auch die Förderung von
Besuchsdiensten sowie Telefonketten für Menschen,
die unter Einsamkeit leiden.
Ganz in diesem Sinne gelingt es der Sidonie-Scharfe-Stiftung auch im zweiten Jahrhundert ihres Bestehens, Menschen eine dauerhafte Wohnstatt im Alter
zu gewähren. Durch die unmittelbare Nähe zur Clayallee mit ihren sehr guten Verkehrsanbindungen, Wellness-Bad, Supermarkt, Arztpraxen, Apotheken und
mehreren Cafés finden die Bewohnerinnen in direkter
Umgebung alles, was sie brauchen.
Ulrike Müller-Hofstede, Sidonie-Scharfe-Stiftung
Sidonie-Scharfe-Stiftung
Scharfestraße 4  |  14169 Berlin
Telefon: 801 56 35  |  Fax: 805 89 403
sidonie-scharfe-stiftung@gmx.de
www.sidoniescharfestiftung.de

79

Sidonie-ScharfeStiftung. Foto:
Heide Schostek

80

E i n - u n d Au s b l i c k

Ad r e s s e n

Vielfalt, Mitwirken und Einmischen
der Fachgruppe Ältere Menschen
Ein- und Ausblick

Dr. Oliver Zobel
Foto: privat

Seit der Konstituierung der Fachgruppe Ältere Menschen im Jahr 1973 sind Vielfalt, Mitwirkung und Einmischen prägend für die Arbeit ihrer Mitglieder.
Der Aufruf des Senats im Jahr 2013, mit der Fortschreibung der seniorenpolitischen Leitlinien auch
in eine kontinuierliche Diskussion einzutreten, griff
eine zentrale Forderung des Paritätischen auf, einen
offenen Diskurs zu führen. So begannen die
­ersten Erörterungen zu dieser Broschüre auch
mit den Positionierungen der Mitglieder zum
Entwurf der seniorenpolitischen Leitlinien.
Die Mitglieder der Fachgruppe machten
in ihrer Auseinandersetzung mit den Leit­linien
immer wieder deutlich, dass diese nur ein
Rahmen sind, den es mit Leben auszufüllen
gilt – wohlwissend, dass dieser Rahmen keineswegs abschließend ist. So werden Senioren­
politik und Altenhilfe durch die zentralen Themen und
Aktivitäten der Mitglieder, wie beispielsweise Wohnen, Mobilität im Alter, Unterstützungsbedarf bei
Pflegebedürftigkeit, Lebensqualität im Alter oder
­drohende Alters­armut, vielfach erst greifbar.
Die Klärung der Daseinsberechtigung und die personelle Aufstockung der Mobilitätshilfedienste oder
die finanzielle Stärkung der landesseitigen Pflegestützpunkte sind Beispiele, wie Seniorenpolitik in Berlin mit viel Tatkraft konkretisiert werden kann.
Probleme der rechtlichen Betreuung, des nachhaltigen Ausbaus von Angeboten der offenen Altenarbeit, der Teilhabe oder Unterstützung der Seniorenmitwirkung benennt die Fachgruppe und setzt sich
für deren Verankerung in der Seniorenpolitik ein.
Die Ziele der Seniorenpolitik müssen durchaus
visionär sein, wobei die praktische Umsetzung stets
im Mittelpunkt stehen sollte.
Die Landespolitik hat die Chance zur Novellierung
des Berliner Seniorenmitwirkungsgesetzes jedoch
nicht genutzt. Die Mitwirkung und Unterstützung
der Engagierten im Landesseniorenbeirat und dessen
Gremien ist insofern weiter zu stärken, um die meist

zähen politischen Beteiligungsprozesse nicht nur formell im Sinne der Verwaltung zu ermöglichen. Das
Fachreferat Ältere Menschen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin sieht in dieser Stärkung der Mitwirkung, Mitgestaltung und der (Alten-)Selbst­h ilfe
– neben den fachlich-inhaltlichen Themen  – einen
zentralen Schwerpunkt der Fachgruppenarbeit mit
und für Mitgliedsorganisationen und des Landesseniorenbeirats. Ein lebenslanges Lernen mit generationenübergreifenden Angeboten und Leistungen,
die Vernetzung des bürgerschaftlichen Engagements
oder das Eintreten für die Rechte von nicht nur älteren Menschen sind hohe Werte, die gemeinsam und
nachhaltig abgesichert werden müssen.
Seniorenmitwirkung ist mehr als eine Befragung
von „Experten in eigener Sache“. Sie ist ein verläss­
liches Generationenangebot, die Nutzung von Erfahrungswissen und Weisheit und nicht zuletzt ein Recht
auf Teilhabe und Mitwirkung.
Die Beiträge zu den bisher 17 seniorenpolitischen
Leitlinien des Landes Berlin sind auch als Reflexion auf
die Landespolitik zu verstehen. Es gilt weiterhin, den
landespolitischen Leitliniendiskurs zu präzisieren. Aus
Sicht der Fachgruppe müssen zahlreiche Leitlinien
akzentuierter werden – wirkungsorientiert für Mitglieder wie für Betroffene. Das wird intensivere Diskussionen erfordern. So wenig die Pflege im Alter auf wenigen Leitlinienseiten behandelt werden konnte, so
unzureichend ist der Blick auf den Verbraucherschutz
durch die Justizverwaltung ohne Berücksichtigung
der Herausforderungen einer rechtlichen Betreuung.
Abschließend will ich Peter Stawenows Aufruf zur
Mitwirkung im Vorwort dieser Broschüre nochmals
hervorheben. Die Mitglieder der Fachgruppe und das
Fachreferat freuen sich auf Ihre Einmischung.
Dr. Oliver Zobel
Fachreferent Ältere Menschen

Adressen
A
ABC Blindenwohnstätte in Weißensee
gemeinnützige Betriebs GmbH
Berliner Allee 193-197, 13088 Berlin,
Tel. 030 96 25 10,
www.blindenwohnstaetten.de
Advent-Wohlfahrtswerk in Berlin e.V.
Koblenzer Straße 3, 10715 Berlin,
Tel. 030 85 79 01 26, www.aww.info
Albatros e.V.
Berliner Straße 14, 13507 Berlin,
Tel. 030 319 83 10, www.albatrosev.de
Albert Schweitzer Stiftung –
Wohnen & Betreuen
Bahnhofstraße 32, 13129 Berlin,
Tel. 030 47 47 70, www.ass-berlin.org
Altenzentrum „Erfülltes Leben“ gGmbH
Volkradstraße 28, 10319 Berlin,
Tel. 030 515 88 10,
www.erfuelltesleben.de
Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.
Reinickendorfer Straße 61 / Haus 1,
13347 Berlin, Tel. 030 47 37 89 95,
www.alzheimer-organisation.de
Alzheimer-Gesellschaft Berlin e.V.
Friedrichstraße 236, 10969 Berlin,
Tel. 030 89 09 43 57,
www.alzheimer-berlin.de

BWS Blindenwohnstätten
­gemeinnützige GmbH
Niederneuendorfer Allee 6-9,
13587 Berlin, Tel. 030 33 50 06 11,
www.blindenwohnstaetten.de

C
CharlotteAktiv e.V.
Dresselstraße 1, 14057 Berlin,
Tel. 030 32 00 02-93/-96,
charlotteaktiv@charlotte-bau.de

D
Demenzfreundliche Kommune
Lichtenberg e.V.
Einbecker Straße 85, 10385 Berlin,
Tel. 030 983 17 63 24,
www.dfk-lichtenberg.de
Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.
Mariendorfer Damm 161a, 12107 Berlin,
Tel. 030 32 29 02 90,
www.rheuma-liga-berlin.de
domino e.V., Gesundheitsund ­soziale Dienste
Karl-Marx-Straße 84-86,
16547 Birkenwerder, Tel. 03303 29 37 60,
www.domino-world.de

E
Elsbeth Seidel-Stiftung
Wernerstraße 9-11, 14193 Berlin,
Tel. 030 895 71 50,
www.elsbeth-seidel-stiftung.de

B

F

Bürgerzentrum Neukölln gGmbH
Werbellinstraße 42, 12053 Berlin,
Tel. 030 681 80 62,
www.buergerzentrum-neukoelln.org

Feministisches Frauen Gesundheits
Zentrum
Bamberger Straße 51, 10777 Berlin,
Tel. 030 213 95 97, www.ffgz.de

BWS Blindenwohnstätten
­gemeinnützige Betriebs GmbH
Niederneuendorfer Allee 6-9,
13587 Berlin, Tel. 030 335 00 60,
www.blindenwohnstaetten.de

81

Fördererverein Heerstraße Nord e.V.
Obstallee 22 c, 13593 Berlin,
Tel. 030 375 89 80,
www.foerdererverein.de
FÖV Pflege Gesundheit und soziale
Dienste g
­ emeinnützige GmbH
Obstallee 22 c, 13593 Berlin,
Tel. 030 375 89 80, www.foev-pflege.de
Freie Demokratische Wohlfahrt e.V.
Rubensstraße 28, 12159 Berlin,
Tel. 030 851 90 68, www.fdw-berlin.de
Freunde alter Menschen e.V. –
les petits frères des Pauvres
Hornstraße 21, 10963 Berlin,
Tel. 030 691 18 83, www.famev.de

G
gemeinnützige ProCurand Stiftung
Französische Straße 55, 10117 Berlin,
Tel. 030 440 15 24 00, www.procurand.de
Gesellschaft zur Förderung
­altersgerechten Wohnens gGmbH
Bülowstraße 71-72, 10783 Berlin,
Tel. 030 44 04 43 08,
www.faw-zimmerboerse.de
Gesellschaft zur Förderung der
­Gehörlosen in Berlin
Friedrichstraße 12, 10969 Berlin,
Tel. 030 251 70 51, www.gfgb.de

H
Hildegard Gräfin von KoenigsmarckStiftung
Limastraße 32, 14163 Berlin,
Tel. 030 802 61 97,
www.seniorentagespflegestaette.de
Humanistischer Verband Deutschlands,
LV Berlin-Brandenburg e.V.
Wallstraße 61-65, 10179 Berlin,
Tel. 030 613 90 40, www.hvd-bb.de

82

Ad r e s s e n

Ad r e s s e n

J

L

Jahresringe – Gesellschaft für Arbeit
und Bildung e.V.
Bitterfelder Straße 15, 12681 Berlin,
Tel. 030 29 34 18 13,
www.jahresringe-ev.de

LBD – Lichtenberger ­BetreuungsDienste
gGmbH
Allee der Kosmonauten 23 B, 10315 Berlin,
Tel. 030 53 02 93 50, www.lbd-info.de

Jahresringe – Verband für Vorruhestand
und aktives Alter, LV Berlin e.V.
Torstraße 203-205, 10115 Berlin,
Tel. 030 28 04 68 68,
landesverband-berlin@jahresringe-ev.de
Johannisches Sozialwerk e.V.
Bismarckallee 23, 14193 Berlin,
Tel. 030 89 68 80,
www.johannisches-sozialwerk.de
Jüdisches Krankenhaus Berlin Stiftung
des bürgerlichen Rechts
Heinz-Galinski-Straße 1, 13347 Berlin,
Tel. 030 499 40,
www.juedisches-krankenhaus.de

K
Kaiser Wilhelm- und Augusta-­Stiftung
Reinickendorfer Straße 57, 13347 Berlin,
Tel. 030 45 30 17 82, s.koenig@gewobag.de
Klub 74 Nachbarschaftszentrum
­Hellersdorf e.V.
Am Baltenring 74, 12619 Berlin,
Tel. 030 563 09 93, www.klub74.de
Kotti – Nachbarschafts- und Gemein­
wesenverein am Kottbusser Tor
Dresdener Straße 10, 10999 Berlin,
Tel. 030 615 79 91, www.kotti-berlin.de
Kreativhaus e.V.
Fischerinsel 3, 10179 Berlin,
Tel. 030 238 09 13,
www.kreativhaus-tpz.de
KWA Kuratorium Wohnen im Alter
gemeinnützige AG
Biberger Straße 50, 82008 Unterhaching,
Tel. 089 66 55 85 00, www.kwa.de

Lebenssegen e.V.
Am Schmeding 13, 12685 Berlin,
Tel. 030 64 32 96 57,
lebenssegen@t-online.de
Lebenswege für Menschen mit
­Behinderungen gGmbH
Gubener Straße 49, 10243 Berlin,
Tel. 030 446 87 23 00,
www.lebenswege-berlin.de

M
Miteinander – Füreinander,
­Selbsthilfe-Begegnungsstätten e.V.
Dunckerstraße 77, 10437 Berlin,
Tel. 030 445 23 21,
www.mitundfuereinander.de
Miteinander Wohnen e.V.
Volkradstraße 8, 10319 Berlin,
Tel. 030 512 40 68,
www.miteinanderwohnen.de
Mittelhof e.V.
Königstraße 42 -43, 14163 Berlin,
Tel. 030 80 19 75 11, www.mittelhof.org

N
Nachbarschaftshaus am Lietzensee e.V.
Herbartstraße 25, 14057 Berlin,
Tel. 030 303 06 50,
www.nbh-lietzensee.de
Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.V.
Urbanstraße 21, 10961 Berlin,
Tel. 030 690 49 70,
www.nachbarschaftshaus.de
Nachbarschaftsheim Neukölln e.V.
Schierker Straße 53, 12051 Berlin,
Tel. 030 687 50 96, www.nbh-neukoelln.de

Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin,
Tel. 030 85 99 51 12, www.nbhs.de
Nachbarschaftsheim Schöneberg
­Pflegerische Dienste gGmbH
Holsteinische Straße 30, 12161 Berlin,
Tel. 030 85 99 51 12, www.nbhs.de

S
Selbstbestimmtes Wohnen im Alter e.V.
Werbellinstraße 42, 12053 Berlin,
Tel. 030 85 40 77 18, www.swa-berlin.de

Sozialwerk Berlin
Ithweg 22, 14163 Berlin,
Tel. 030 891 10-51/-52,
www.sozialwerk-berlin.de

83

V
Verband für sozial-kulturelle Arbeit e.V.
Tucholskystraße 11, 10117 Berlin,
Tel. 030 861 01-91/-92, stz.spinnenwerk.de

Selbst-Hilfe im Vor-Ruhestand e.V.
Stettiner Straße 63, 13357 Berlin,
Tel. 030 493 36 77,
www.sh-vor-ruhestand.de

Sozialwerk der Hörgeschädigten ­Berlin
e.V.
Sophie-Charlotten-Straße 23 A,
14059 ­Berlin, Tel. 030 32 60 23 75,
www.hoergeschaedigte-berlin.de

Ortsverein Grünau e.V.
Regattastraße 141, 12527 Berlin,
Tel. 030 674 43 48,
www.buergerhaus-gruenau.de

Selko – Verein zur Förderung von
Selbsthilfe-Kontaktstellen e.V.
Bismarckstraße 101, 10625 Berlin,
Tel. 030 89 02 85 37, www.selko.de

Sozialwerk des Demokratischen
­Frauenbundes (Dachverband) e.V.
Hagenstraße 57, 10365 Berlin,
Tel. 030 577 99 40, www.frauen-dfb.de

P

Seniorenstiftung Prenzlauer Berg
Gürtelstraße 33, 10409 Berlin,
Tel. 030 42 84 47 11 10,
www.seniorenstiftung.org

Stiftung Sinnvolle Lebensgestaltung
im Alter GmbH
Bahnhofstraße 33, 13129 Berlin,
Tel. 030 916 51 61,
www.seniorenbetreuung-berlin.de

VIA Pflege gGmbH
Geneststraße 5-6, 10829 Berlin,
Tel. 030 44 35 46 00, www.via-pflege.de

T

Vita care – Die ambulante ­Pflege –
gGmbH
Heerstraße 12-14, 14052 Berlin,
Tel. 030 45 47 51 20, www.vita-ev.de

O

Paritätisches Seniorenwohnen gGmbH
Joachimsthaler Straße 2, 13055 Berlin,
Tel. 030 98 31 55 31, www.pswohnen.de
Pestalozzi-Fröbel-Haus Stiftung
des öffentlichen Rechts
Karl-Schrader-Straße 7-8, 10781 Berlin,
Tel. 030 21 73 01 62, www.pfh-berlin.de
Pflegewohnzentrum Kaulsdorf Nord
gGmbH
Tangermünder Straße 30, 12627 Berlin,
Tel. 030 97 99 22 80,
www.pflegewohnzentrum.de

R
Rad und Tat (RuT) – Offene Initiative
Lesbischer Frauen e.V.
Schillerpromenade 1, 12049 Berlin,
Tel. 030 621 47 53,
www.lesbischeinitiativerut.de
Reha-Steglitz gGmbH
Bergstraße 1, 12169 Berlin,
Tel. 030 319 80 51 00, www.reha-steglitz.de
Reinickes Hof Selbsthilfe e.V.
Ollenhauerstraße 84/Eingang Waldstraße,
13403 Berlin, Tel. 030 41 78 38 39,
https://.reinickeshof.codeanker.de

Sidonie-Scharfe-Stiftung
Binger Straße 27, 14197 Berlin,
Tel. 030 801 56 35,
www.sidoniescharfestiftung.de
Sophia Berlin Gemeinnützige e.V.
Mehrower Allee 52, 12687 Berlin,
Tel. 030 93 02 08 70,
www.sophia-berlin.de
Sozialdienste der Volkssolidarität B
­ erlin
gGmbH
Alfred-Jung-Straße 17, 10367 Berlin,
Tel. 030 30 86 92 26,
www.volkssolidaritaet-berlin.de
Sozialstiftung Köpenick
Werlseestraße 37-39a, 12587 Berlin,
Tel. 030 644 22 34,
www.sozialstiftung-koepenick.de
Sozialverband Deutschland – Landesverband Berlin-Brandenburg e.V.
Kurfürstenstraße 131, 10785 Berlin,
Tel. 030 263 93 80, www.sovd-bbg.de
Sozialverband VdK Berlin-­Brandenburg
e.V.
Linienstraße 131, 10115 Berlin,
Tel. 030 864 91 00,
www.vdk.de/berlin-brandenburg

Telefonseelsorge Berlin (Konflikt­
beratung – Suizidverhütung) e.V.
Nansenstraße 27, 12047 Berlin,
Tel. 030 613 50 23,
www.telefonseelsorge-berlin.de
Tertianum Seniorenresidenz
­Betriebsgesellschaft Berlin mbH
Passauer Straße 5-7, 10789 Berlin,
Tel. 030 21 99 20,
www.tertianum-berlin.de
Trägerwerk Soziale Dienste in Berlin
und Brandenburg gGmbH
(TWSD in BB gGmbH)
Neues Ufer 12, 10553 Berlin,
Tel. 030 36 40 66 88, www.twsd-bb.de

U
Unionhilfswerk Senioren-­Einrichtungen
gGmbH
Richard-Sorge-Straße 21 A, 10249 Berlin,
Tel. 030 42 26 56, www.unionhilfswerk.de
Unionhilfswerk, LV Berlin e.V.,
Richard-Sorge-Straße 21 A, 10249 Berlin,
Tel. 030 42 26 57 10, www.unionhilfswerk.de

Verein für Integrative Therapeutische
Angebote – „Vita e.V. Berlin“
Heerstraße 12-14, 14052 Berlin,
Tel. 030 45 47 58 00, www.vita-ev.de
Verein Gemeinschaftshilfe und Altersheim – Berlin
Eyke-von-Repkow-Platz 2, 10555 Berlin,
Tel. 030 39 90 34 95,
www.haus-christophorus-berlin-mitte.de

Volkssolidarität LV B
­ erlin e.V.
Alfred-Jung-Straße 17, 10367 Berlin,
Tel. 030 308 69 20,
www.volkssolidaritaet.de

W
Werner-Bockelmann-Haus gGmbH
Bundesallee 48b-50, 10715 Berlin,
Tel. 030 86 39 16 90,
www.werner-bockelmann.de

Z
ZeitZeugenBörse e.V.
Ackerstraße 13, 10115 Berlin,
Tel. 030 44 04 63 78,
www.zeitzeugenboerse.de
Zukunftswerkstatt Heinersdorf
­Bürgerverein Berlin-Heinersdorf e.V.
Romain-Rolland-Straße 112, 13089 Berlin,
Tel. 030 21 98 29 70,
www.zukunftswerkstatt-heinersdorf.de

84

Impressum

Titelbild
„Treffpunkt Aktives Alter“ im Mittelhof e.V.
© Victoria Tomaschko/Mittelhof e.V.

Herausgeber
Paritätischer Wohlfahrtsverband
Landesverband Berlin e.V.
Brandenburgische Straße 80
10713 Berlin
Telefon: 030 860 01-0
Fax: 030 860 01-110
info@paritaet-berlin.de
paritaet-berlin.de
paritaet-alsopfleg.de

Fotos
Wir danken allen Fotografinnen und Fotografen, die
für den Paritätischen ehrenamtlich im Einsatz sind.
Dank an die Vereine, Verbände und Organisationen, die für
dieses Themenheft Fotos zur Verfügung gestellt haben.
Gestaltung
Joachim Dietl, Berlin
Lithografie
bildpunkt, Berlin

Vorsitzende
Prof. Barbara John

Druck
Union Sozialer Einrichtungen – Printinghouse, Berlin

Geschäftsführerin
Dr. Gabriele Schlimper

Auflage
4.000 Exemplare

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kathrin Zauter, Leitung
zauter@paritaet-berlin.de

Aus Gründen der Lesbarkeit verzichtet die Redaktion
größtenteils auf eine Genderschreibweise.
Die Bezeichnung von Personengruppen bezieht die
weibliche Form und die Transgenderform jeweils ein.

Text- und Bildredaktion
Nina Peretz, Rita Schmid

Berlin, Juni 2016

„Wir mischen uns ein!“ Der Titel dieser Broschüre steht
für die Vision der Fachgruppe „Ältere Menschen“ des
Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin. Wenn es um
die Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen
in Berlin geht, sind alle gefragt, sich einzubringen. Viele
ältere Menschen sind heute noch sehr agil und gestalten ihre Umgebung aktiv mit. Gleichzeitig haben Senio­
rinnen und Senioren besondere Bedürfnisse – seien es
Möglichkeiten des ehrenamtlichem Engagements, ein
funktionierendes Pflegesystem, barrierefreie Transportwege oder alters­gerechte Bewegungsmöglichkeiten.
 
Die 2013 vom Senat beschlossenen Leitlinien zur Berliner
Seniorenpolitik sollten einen Fahrplan zur senioren­
gerechten Gestaltung der Stadt vorgeben. Dieser Rahmen ist keineswegs abschließend oder ausreichend.
Die Fachgruppe „Ältere Menschen“ prüft nun, wie es in
der Praxis mit der Umsetzung aussieht – und welchen
Beitrag die Mitgliedsorganisationen des Paritätischen
Wohlfahrtsverbands dazu leisten. Und so gibt die Broschüre nicht nur einen Einblick in die Vielfalt der Leistungen für Seniorinnen und Senioren, sondern zeigt
auch, wie ältere Menschen in Berlin sich selbst für eine
bessere Seniorenpolitik einsetzen.

Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V.
Brandenburgische Straße 80  |  10713 Berlin  | Tel 030 860 01 - 0  |  Fax 030 860 01 - 110
paritaetberlin
info@paritaet-berlin.de  |  paritaet-berlin.de  | 
        
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