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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Deutsch-Wilmersdorf Issue 1908/1909

—  24 -
k le in e n  K re is e  h o c h g e m u te r M änner, aus dem  d ie  N am en w ie  S ch a rn h o rs t, 
G neisenau, V in k e , S choen , S c h ro e te r und  v o r  a lle m  d e r des R e ich s fre ih e rrn  
vom  S te in  zu uns h e rü b e rle u ch te n , jenem  K re ise , de r fas t gegen  den W ille n  
des V o lk e s , fast gegen  den W ille n  seines K ö n ig s  d ie  W ie d e rg e b u r t Preussens 
he rbe izu füh ren  a u f s ich  nahm . D ie  fo lg e n d e n  Jahre haben geze ig t, dass d ie  
Q u e lle n  gesunden V o lk s tu m s , gesunden B ü rge rs inns  vo rh a n d e n  w aren , dass 
nur u nend liche  M assen von  S ch u tt des B u reaukra tism us , des P o lize is taa tes  
diese Q u e lle n  v e rs c h ü tte t h a tten , und als je n e  M änner d iesen S c h u tt h in w e g ­
g e rä u m t h a tten , da  begannen d ie  Q u e lle n  zu s p ru d e ln . M . H . !  D e r  9. O k ­
to b e r 1807 w a r das T ro m p e te n s ig n a l zu e ine r neuen Z e it, jenes la p id a re  
W o r t  des E d ik ts  vom  9. O k to b e r  1807: „V o m  M a rtin s ta g e  18 to  g ib t  es
n u r fre ie  M enschen in P reussen“ , w a r  d e r B eg inn  e in e r neuen, gew iss  k o m ­
p liz ie rte re n , aber doch  e ine r besseren Z e it, unse re r m odernen Z e it un d  e rst, 
nachdem  a u f d iese W e ise  d ie  R este  m it te la lte r lic h e r  U n fre ih e it , m it te la lte r ­
l ic h e r  G e b u n d e n h e it ze rsch lagen  w o rd e n  w aren , da  e rb a u te  F re ih e rr  v o m  S te in  
nun P o s it ive s  a u f dem  neuen G runde . —  N u r  w e n ig e  M on a te  w a r es ihm  
v e rg ö n n t, d ie  G e sch icke  Preussens zu le ite n , a b e r w e lch e  F ü lle  v o n  Plänen, 
vo n  E n tw ü rfe n , vo n  G ru n d la g e n  a u f ein J a h rh u n d e rt h inaus b e rgen  diese M onate .
M eine H e rre n , S ie  w issen a lle , d e r H ass N apoleons v e r fo lg te  S te in  und 
ges te rn  v o r  h u n d e rt Jahren is t es gew esen, dass S te in  sein A m t als M in is te r 
n ie de rlegen  m usste und a ls  la n d fre m d e r F lü c h t lin g  h in a u sg in g  ü b e r d ie  
G renzen seines V a te rla n d e s , abe r w en ige  T a g e  v o rh e r  ko n n te  e r als k ö s tlic h s te  
F ru c h t seines W irk e n s  no ch  in  d ie  S cheuer h in e in fü h re n : d ie  S tä d te o rd n u n g  
vom  19. N o ve m b e r 1808.
M eine H e rre n ! W i r  sind heu te  genau fa s t T a g  fü r  T a g  und S tunde  fü r  
S tunde  u n te r r ic h te t, und  w ir  besitzen g länzend gesch riebene  W e rk e  ü b e r d ie  
V o rg e s c h ic h te  d e r S tä d te o rd n u n g  vo n  1808 und w ir  w issen es, dass an dem  
A u fb a u  des Gesetzes, an den E in ze lh e ite n  des G esetzes S te in  fa s t g a r  n ic h t 
m itg e w ir k t  ha t. D ie s  V e rd ie n s t g e b ü h rt dem  M in is te r v o n  S c h ro e te r und 
v o r  a lle m  dem  G ehe im en K r ie g s ra t F re y , a b e r tro tz d e m  h a t das preussische 
V o lk ,  h a t d ie  G e sch ich te  m it R e c h t d iese r S tä d te o rd n u n g  n ic h t den N am en 
F re y , n ich t den N am en S c h ro e te r, so nde rn  den N am en „S te in ’sche S tä d te ­
o rd n u n g “  gegeben , w e il sie geb o re n  is t aus den G edanken , d ie  S te in  zuers t 
se it Jah rhunde rten  w ie d e r in  d ie  p reuss ische  G e se tzgebung  und in das
deutsche S taa ts leben  e in g e fü h rt ha t, den G edanken , d ie  Jah rh u n d e rte  h in d u rc h  
to t ,  o d e r w en ig s ten s  w ie  to t w a ren  und d ie  doch  ge rade  a ltge rm an ische  
R e ch tsgedanken  sind.
M eine H e rre n ! U nd  was is t es, w esha lb  aus a lle n  den b e d e u tu n g svo lle n  
G esetzen jene r Jahre, d e r Z e it, d ie  w ir  als d ie  e rs te  R e fo rm e p o ch e  Preussens 
bezeichnen, v o r  a lle m  d ie  S tä d te o rd n u n g  vo n  1808 dem  p reuss ischen  V o lk  
a ls  e tw as besonders K ö s tlic h e s , a ls  e in  besonders liebes  B es itz tum  und E rb te i l  
d e r A ltv o rd e rn  e rsche inen lässt?  Ich  m eine d o c h  e in s : zum ers ten  M a l
e rsch e in t h ie r in d e r p reuss ischen  G ese tzgebung  ein G esetz, das a u fg e b a u t 
is t und in dem  Ideen  erscheinen, n ic h t d e r B e vo rm undung  und d e r G ä n g e lu n g  
v o n  oben, sondern des V e rtra u e n s  d e r R e g ie ru n g , des K ö n ig s  zu seinem 
V o lk e ,  a u fg e b a u t a u f dem  V e rtra u e n  zu dem  G u ten  im  M enschen, au fgebau t 
auf dem  V e rtra u e n  zu dem  B ürge rs inn , zu dem  G em einsinn , zu d e r A u f ­
o p fe ru n g  fü r  das A llg e m e in e . D as sind d ie  G edanken , d ie  zum ersten  M a le
        
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