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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Deutsch-Wilmersdorf Issue 1908/1909

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und gab ihnen die V erw altung ihrer A ngelegenheiten selbst in die Hand. 
Dieses Grundprinzip der S tein’schen S tädteordnung ist übernommen worden 
sow ohl von allen übrigen S tädteordnungen als auch von der Landgem einde­
ordnung vom  3. Juli 189t, unter deren H errschaft unsere Gemeinde bis vor 
kurzer Zeit gestanden hat.
Meine H erren! D er so geschaffenen S elbstverw altung und der hierdurch 
gew ährleisteten selbständigen A rbeit des freien B ürgertum s verdanken die 
Gemeinden ihren gew altigen Aufschwung, die Selbstverw altung ist die Q uelle 
freudiger O pferw illigkeit und inniger Vaterlandsliebe gew orden und die 
Selbstverw altung ist es auch, die unser W ilm ersdorf aus kleinen dörtlichen 
Verhältnissen heraus zu einem blühenden Gemeinwesen und zu einer auf­
strebenden S tadtgem einde gem acht hat.
Meine Herren! W enn wir auch von der V eranstaltung einer besonderen 
Jubelfeier der S tädteordnung Abstand genommen haben, so b ietet dieser 
G edenktag  doch für uns freudigen Anlass, den innigen Gefühlen der D ank­
barkeit und A nerkennung A usdruck zu geben gegenüber allen denjenigen 
Männern, die im Laufe der Jahrzehnte im Sinne der Stein’schen S täd te ­
ordnung im Ehrendienst unserer Gemeinde in selbstloser und hingebender 
A rbeit bis heute tä tig  gew esen sind. Zugleich gibt dieser T ag  Gelegenheit, 
erneut die Hoffnung auszusprechen, dass hier allezeit, wie bisher, ein echter, 
freier, reg er Bürger- und ein lebendiger Gemeinsinn im Geiste des 
Begründers der Selbstverw altung w alten m öge, der zu dem Bewusstsein 
führt, dass uns allen nichts höher stehen kann und darf als das Endziel aller 
unserer Bestrebungen, unserer Mühen und S orgen : das Gemeinwohl: das 
w alte G ott!
Rede des stellvertretenden Stadtvcrordnetcn-Porstchers 
Prof. Dr. L eidig, R egiernngsrat a. T .
Meine geehrten  H erren! G estatten  Sie auch mir, als derzeitig hier 
funktionierendem V orsteher, heute, wo nun die städtischen Behörden zum 
ersten Mal nach dem 19. N ovem ber zu gem einsam er A rbeit hier versam m elt 
sind, in ihrem Namen des T ages zu gedenken, der überall — der H err 
E rste  B ürgerm eister hat es bereits g esag t -— in ganz Preussen, in ganz 
D eutschland und über D eutschland hinaus als der hundertjährige G edenktag  
des G eburtstages preussisch-deutscher, ja  europäischer, w enigstens kontinen­
ta ler Selbstverw altung gefeiert w orden ist.
Meine geehrten  H erren! A uf den Gefilden von Jena und A uerstäd t 
w ar das H eer F riedrichs des Grossen durch die überlegene strateg ische 
Kraft Napoleons geschlagen w orden, aber diese N iederlage wurde in den 
folgenden W ochen zu einer K atastrophe für Preussen. Ich will nicht erinnern 
an all das Viele von Unmännlichkeit, von Zaghaftigkeit, von A pathie bis zu 
offenbarem V errat, was jene leidensvollen W ochen über Preussen gebrach t 
haben. Das preussische V olk befand sich in apathischem  Zustande gegen­
über diesem grossen nationalen U nglücke, und d er berühm te Befehl, den in 
jenen T agen  der Polizeipräsident von Berlin bei dem Herannahen französischer 
Scharen gegen unsere H aup tstad t erliess: „Ruhe ist die erste B ürgerpflicht", 
dieses berühm te W ort ist durch die Jahrhunderte hindurch dafür kennzeichnend 
geblieben. Ich glaube, unauslöschlichen Dank sind wir alle schuldig jenem
        
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