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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Deutsch-Wilmersdorf Issue 1908/1909

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Die hiesige Arm enverwaltung ha t  auch der Lungentuberkulose seit längerer Z e i t  ihre 
besondere Aufmerksamkeit zugewendet und, so oft ärztlicherseits die Unterbringung einer Person  
in  einer Lungenheil- oder E rholungsstä tte  fü r  notwendig erachtet worden ist, umgehend das  
Entsprechende veranlaßt (vgl. hierzu auch den Abschnitt betreffend die „Städtische Fürsorgestclle 
fü r  Lungenkranke").
Die Überführung der Kranken nach dem Krankenhause ha t  in  der Regel die Benutzung 
eines besonderen Krankenw agens erforderlich gemacht. S i e  erfolgt, soweit es sich um T ra n s p o r te  
nach dem Kreiskrankenhanse zu Groß-Lichterfelde handelt,  durch den Ansta ltswagen, wofür eine 
nach der Zeitdauer bemessene Gebühr zu zahlen ist. Sonstige Überführungen bewirkt d a s  
Krankentrausportinstitu t von A. S w a d e  zu Charlo ttenburg , m it dem die Gemeinde zu diesem 
Zweck einen besonderen V er t rag  abgeschlossen hat.
K aun  der T r a n s p o r t  ohne Gefahr fü r  den Kranken m ittels  anderer T ra n s p o r tm it te l  
(Droschke, S t ra ß en b a h n )  bewerkstelligt werden, so w ird  die S o rg e  hierfür nicht selten auch 
von den Angehörigen des zu Überführenden selbst übernommen.
B. D ie Organisation der W aisenpflege.
1. A llgem eines.
D ie Waisenpflege wurde in bezug auf leibliche Versorgung lediglich durch die O rgane 
der öffentlichen Armenpflege und im wesentlichen in derselben Weise wie diese letztere ausgeübt. 
W ährend P rü fu n g  und Begutachtung des einzelnen F a lle s  Sache des jeweils zuständigen 
P flegers ist, ist die Beschlußfassung über die Höhe der zu zahlenden Pflegegelder der betreffenden 
Armenkommisstou allein vorbehalten. I m  übrigen w ird die Leitung und Beaufsichtigung der 
Waisenpflcge durch die au s  2 M agistratsm itg liedern, 2 S tad tverordneten  und 5  B ürgerdepu­
tierten bestehende D eputation fü r die Waisenpflege ausgeübt.
Den Vorsitz in der D eputation fü h rt der Dezernent fü r das Armenwesen.
W a s  die Versorgung hilfsbedürftiger K inder an langt, so werden solche in  der Regel 
am O rte  selbst in Privatpflege gegeben. N ur ausnahm sw eise werden sie A nstalten zur Pflege 
überwiesen. Letzteres geschieht nur, wenn entweder seitens der Angehörigen entsprechende 
Wünsche geltend gemacht werden, oder aber wenn die besondere geistige oder körperliche V er­
anlagung der K inder ihre Versorgung durch eine A nstalt angezeigt erscheinen läß t.
Durch V ertrag  vom 2./S . M ärz 1908 ist m it dem Evangelischen V erein fü r Waisenpflcge 
in der Ostmark das Abkommen getroffen worden, daß dieser körperlich und geistig gesunde, 
nicht verwahrloste evangelische K inder beiderlei Geschlechts im A lter von höchstens 6 J a h re n  
zunächst in sein W aisenhaus Neuzedlitz (K reis Witkowo) aufnim m t, sie dann innerhalb der 
P rovinzen Posen und W estpreußeu in geeigneten ländlichen Pflegestellen un terbring t und durch 
seine O rgane deren Erziehung überwacht. An Pflegegeld wird fü r solche Kinder bis zum A b­
lau f der Schulpflicht an den Verein ein J a h re sb e itra g  von 150 M ark gezahlt. A us diesem Betrage 
ha t der Verein jährlich einen B etrag  von 50 M ark zinsbar anzulegen. D a s  auf diese Weise 
angesammelte K apita l soll zur späteren Seßhaftm achung des P fleg lings a ls  Ackerwirt oder 
Handwerker in den Provinzen Posen und W estpreußen verwendet werden. E inen  R echtsan­
spruch darauf hat der P flegling jedoch nicht.
I m  Berichtsjahre 1908 sind dem W aisenhanse Neuzedlitz 8 Kinder überwiesen worden.
        
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