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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Deutsch-Wilmersdorf Issue 1908/1909

—  425 —
II. A  n d e r e  A n s t a l t e  n.
Personen , die ihrer Hinfälligkeit wegen ständiger W artu n g  und Pflege bedürfen, werden 
in Siechenanstalten untergebracht. A ls solche dienen ans G ru n d  gesetzlicher Bestim m ung in 
erster L inie die L andarm enanstalten  und Siechenhänser des P rov inzia lverbandes von B randenburg . 
N u r  wenn dort kein P latz m ehr vorhanden ist, erfolgt die U nterbringung der H ilfsbedürftigen 
in P riva tansta ltcn .
4. Hffcne Armen-KranKenpllege.
I n  E rkrankungsfällen  haben die A rm en freie W ah l un ter den am  O rte  w ohnhaften 
Ärzten, welche fü r  ihre Hilfeleistungen nach den Mindestsätzen der G ebührenordnung vom 
12. M a i 1896  honoriert werden.
Z u r  Pflege von arm en Kranken und W öchnerinnen sind im S tadtbezirk  4 Gemeinde­
schwestern tätig . Diesen Schwestern, Diakonissen des P a u l  G e rh a rd t-S tif te s  zu B erlin , steht 
zur G ew ährung  von Krankenunterstützung ein B etrag  von 1200  M t. jährlich zur V erfügung. 
Außerdem  erhalten sie zur Beschaffung von Arzneimitteln jährlich 150 M I. V on diesen 
G eldern werden S tä rk u n g sm itte l (S u p p en , Fleisch, Milch, W ein  und dergleichen) und M edi 
kontente beschafft und auch an solche Fam ilien  oder Personen verabfolgt, welche der öffent­
lichen Armenpflege zw ar nicht anheimgefallen, zu solchen A ufw endungen fü r sich aber nicht in 
der Lage sind. D ie Schwestern haben zu bestimmten T erm inen darüber Rechnung zu legen.
F ü r  jede am tierende Schwester werden gezahlt:
a) an  d a s  P a u l-G e rh a rd t-S t i f t  zu B erlin  jährlich 360  M ark,
b ) an  die leitende Schwester a ls  W irtschaftsgeld  jährlich 450  M ark.
D ie  Schwestern sind au f städtische Kosten in  einer P riv a tw o h n u n g  im Hause M a n n  
heimer S t r a ß e  44  untergebracht.
5 . Geschlossene Ä rm en-K ran lrenp ffeg e .
D iejenigen P ersonen , welche nach ärztlichem  Erm essen der B ehand lung  in einem Kranken­
hause bedürftig  w aren , sind stets einem solchen überwiesen worden.
V on wenigen A usnahm efällen  abgesehen, in denen die U n terbringung  der Kranken infolge 
P la tzm an ge ls  sich einige T ag e  hinzog, ist die A rm enverw altung  auf Schwierigkeiten in dieser 
Beziehung nicht gestoßen.
D ie fü r die K ranken in  Anspruch genommenen A nstalten  w aren , da W ilm e rsd o rf  ein 
eigenes K rankenhaus noch nicht besitzt, diejenigen der N achbargem einden. B esonders bevorzugt 
w urde d a s  K re isk rankenhaus zu G roß-Lichterfelde, da die G em einde au f G ru n d  ih re s  A u s ­
einandersetzungsvertrages m it dem Kreise T e lto w  d a s  Recht besitzt, in den K reiskrankenanstalten 
zu G roß-L ichterfelde und  Britz insgesam t 130 B etten  zu belegen. H äufig  ist von den Kranken 
a lle rd in g s  auch d a s  in nächster N ähe gelegene E lisabeth -K rankenhaus in der Lützowstraße in 
B e rlin  in  Anspruch genom m en worden.
Geisteskranke Personen werden, w enn sie gemeingefährlich sind, seitens der Polizeibehörde 
der Maison de sante in Schöneberg  zugeführt. D ie  h ie rau s  erwachsenden Kosten trä g t, wenn 
H ilfsbedürftigkeit im  S in n e  der Armengesetzgcbung vorlieg t, der O rtsa rm en v erb an d . Letzterer 
v e ra n la ß t jedoch, sobald der be treffend  F a ll  zu seiner K en n tn is  gelangt ist, die sofortige Über­
führung  des E rkrankten  in  eine L an d esirren an sta ll. F ü r  heilbare Geisteskranke sind daselbst 
Pflegekosten nicht zu zahlen. D agegen betragen die Pflegekoslen fü r unheilbare Kranke jährlich 
3 0 0  M ark . Geisteskranke, die nicht gemeingefährlich sind, aber dennoch zu ih rer K u r der Ü ber­
weisung an  eine L a n d es irren a n s ta lt bedürfen, verbleiben in  der R egel solange in ih re r F am ilie  
bzw. W oh nu ng , b is  seitens des L an desd irek to rs  angeordnet ist, welcher A n sta lt sie zuzuführen sind.
        
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