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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Deutsch-Wilmersdorf Issue 1906/1908

—  96 —
Was die Art der Versorgung hilfsbedürftiger Kinder anlangt, so werden dieselben in der 
Regel am Orte selbst in Privatpflege gegeben. Nur ausnahmsweise werden sie Anstalten zur 
Pflege überwiese«. Letzteres geschieht nur, wenn entweder seitens der Angehörigen entsprechende 
Wünsche geltend gemacht werden, oder aber wenn die besondere geistige oder körperliche Ver­
anlagung der Kinder ihre Versorgung durch eine Anstalt angezeigt erscheinen läßt.
Durch Vertrag vom 2./9. März 1908 ist mit dem Evangelischen Verein für Waisenpflege 
in der Ostmark das Abkommen getroffen worden, daß dieser körperlich und geistig gesunde, 
nicht verwahrloste evangelische Kinder beiderlei Geschlechts im Alter von höchstens sechs Jahren 
zunächst ■ in sein Waisenhaus Neuzedlitz (Kreis Witkowo) aufnimmt, sic dann innerhalb der 
Provinzen Posen und Westpraißen in geeigneten ländlichen Pflegestellen unterbringt und durch 
seine Organe deren Erziehung überwacht. An Wegegeld wird für solche Kinder bis zum Ablauf 
der Schulpflicht an den Verein ein Jahresbetrag von 150 Mark gezahlt. Aus diesem Betrage 
hat der Verein jährlich einen Betrag von 50 Mark zinsbar anzulegen. Das auf diese Weise 
angesammelte Kapital soll zur späteren Seßhaftmachung des Pfleglings als Ackerwirt, oder 
Handwerker in den Provinzen Posen und Westpreußen verwandt werden. Einen Rechtsanspruch 
darauf hat der Pflegling jedoch nicht.
2. Hjsene Rraisettpstege.
Die Besetzung von Pflegestellen erfolgt nur, nachdem letztere von dem zuständigen Annen- 
bzw. Waisenpfleger geprüft und als geeignet befunden worden sind. Aber auch nach ihrer 
Besetzung verbleiben die Wegestellen unter der ständigen Aufsicht und Kontrolle des Pflegers, 
zu dessen Bezirke sie gehören.
Außerdem findet seit einigen Jahren eine fortlaufende Beauffichfigung der Pflegekinder 
selbst durch die Gemeindeschwestern statt.
An Pflegegeld werden im allgemeinen monatlich gewährt:
für Kinder im Alter bis zu einem Jahre 18 Mark
„ „ von über 1 bis zu 6 Jahren 15 „
über 6 Jahre 12 „
Die laufenden Pflegegelder für die am Orte untergebrachten Kinder werden an die
Empfangsberechtigten monatlich nachträglich, sonst aber in derselben Weise wie die laufenden 
Baruntcrstützungen der Armenpflege gezahlt.
3. Geschloffene Waisenpffegc.
Die geschlossene Waisenpflege tritt, wie schon erwähnt, nur ausnahmsweise ein, und 
zwar nur dann, wenn geistige Mängel oder körperliche Gebrechen der Kinder deren Unter­
bringung in einer Anstalt als das Gebotene erscheinen lassen.
Jugendliche Idioten oder Epileptiker werden auf Grund der bestehenden Gesetzgebung 
in Anstalten des Provinzialverbandes von Brandenburg gegen Zahlung der tarifmäßigen 
Verpflegungssätze untergebracht.
I n  allen Fällen, in denen zur Versorgung von Kindern auswärtige Anstalten in An­
spruch genommen werden, wird das Wegegeld an diese oder die anderweit legitimierten 
Empfangsberechtigten durch die Stadthauptkasse übersandt.
        
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