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Periodical volume II. Der wirtschaftliche Charakter der Stadt

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Rixdorf Issue 1908/1909

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die Zählung der am O rte  vorhandenen Gewerbebetriebe und der in ihnen beschäftigten 
Personen.
Als allgemeines Ergebnis ging aus dieser Zählung hervor, dag 9 179 gewerbliche 
Betriebe überhaupt und zwar 8 693 Hauptbetriebe ( =  94.7 Prozent) und 486 Nebenbetriebe 
(—  5.3 Prozent) ermittelt wurden. Hauptbetriebe sind solche, in denen mindestens eine 
Person hauptberuflich tätig ist, Nebenbetriebe solche, in denen keine Person mit ihrer haupt­
sächlichen oder alleinigen Tätigkeit beschäftigt ist. D a der gewerblich Tätige naturgem äß 
nach seiner Hauptbeschäftigung statistisch zu behandeln ist, darf er zur Vermeidung von 
Doppelzählungen nicht auch mit seiner Nebenbeschäftigung aufgeführt werden, und so ergibt 
sich, daß in der Statistik Nebenbetriebe solche ohne Personenangaben sind.
V on den 8 693 Hauptbetrieben waren 4 055 oder 46.7 Prozent Alleinbetriebe, 
das heißt solche Betriebe, in denen der In h ab er allein ohne M itarbeit von M itinhabern, 
Gehülfen, mithelfenden Familienangehörigen und ohne M otore arbeitete, und 4 638 oder 
53.3 Prozent Gehülfenbetriebe, und zwar 3 992 oder 45.92 Prozent der Gesamtheit Betriebe 
mit 2 bis 5 Beschäftigten, 346 oder 3.75 Prozent Betriebe mit 6 bis 10 Beschäftigten, 
279 oder 3.20 Prozent mit 11 bis 50 Beschäftigten, 37 oder 0,42 Prozent mit 51 bis 
200 Beschäftigten und 4 oder 0,05 Prozent mit mehr als 200 Beschäftigten. Von den 
letzteren, den 4 größten Betrieben, zählte je einer 333, 283, 245 und 205 Personen.
I n  den 8 693 Hauptbetrieben waren am Zählungstage, dem 12. J u n i  1907, beschäftigt 
18 397 ( =  70.13 Prozent) männliche, 7 834 ( =  29.87 Prozent) weibliche, zusammen 
26 231 Personen. Verheiratete Arbeiterinnen wurden 322, männliche und weibliche Arbeiter 
unter 16 Ja h re n  705 gezählt.
Eine Vorstellung von der gewerblichen Entfaltung kann man gewinnen, wenn man 
die Z ahl der Hauptbetriebe nach Größenklassen in sich gliedert, und wenn man die B e ­
t r i e b e  nach Größenklaffen und ihre B e s c h ä f t i g t e n  zur Bevölkerung in Beziehung 
setzt. Die Tabelle 1 (S - 44 und 45) enthält die entsprechenden Angaben für alle 42 deutschen 
Großstädte.
Von der Gesamtzahl der B e t r i e b e  entfielen in unserer S ta d t 92.57 Prozent auf 
Kleinbetriebe (mit 1 bis 5 Beschäftigten), 6.96 Prozent aus Mittelbetriebe (mit 6 bis 
50 Beschäftigten) und 0.47 Prozent ans Großbetriebe (mit mehr als 50 Beschäftigten). 
Aufs Tausend der Bevölkerung kommen 49.09 Betriebe und zwar 45.45 Kleinbetriebe, 
3.41 Mittelbetriebe und 0.23 Großbetriebe. Hinsichtlich der Gesamtzahl der Betriebe aufs 
Tausend der Bevölkerung steht Rixdorf an 37 fter S telle . I n  Charlottenburg und Schöne­
berg gestalten sich in dieser Beziehung die Verhältniße günstiger. B erlin  ist mit seiner 
hochentwickelten Industrie  nicht in Vergleich zu ziehen. Aber auch hinter ander» S täd ten  
steht Rixdorf gewerblich zurück. M ehr Großbetriebe als Ripdorf weisen bei ziemlich gleicher 
Einwohnerzahl Aachen, Barm en und M annheim auf.
Noch deutlicher als die vergleichende Betrachtung der Ziffern der Betriebe läßt die 
Gegenüberstellung der in den Betrieben B e s c h ä f t i g t e n  und deren Zurücksührung 
aufs Tausend der Bevölkerung den Umfang und die Bedeutung des Gewerbes in den 
Großstädten hervortreten. Rirdors nahm nicht n u r mit der absoluten Zahl der im heimischen 
Gewerbe beschäftigten Personen ( =  26 231) eine weniger günstige S tellung ein, sondern 
auch bezüglich der aus das Tausend der Bevölkerung berechneten Beschästigtenziffer. E s  
entfielen in Ripdorf pro M ille der Bevölkerung 148.15 Beschäftigte, gegenüber 288.65 in 
Charlottenburg und 222.57 in Schöneberg. 'Wie diese beiden Vorortgemeinden erreicht 
auch Ripdorf nicht den Gesamtdurchschnitt aller deutschen Großstädte.
Die Ursache liegt in der vorwiegenden Entwicklung der S ta d t zur Wohnsitzgemeinde. 
Die Nähe B erlins übt auch hier ihren Einfluß aus. R irdors ist, wie die genannten 
Schwesterstädte, bis zu einem bestimmten Grade geschäftlich ebenfalls von B erlin abhängig.
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