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Periodical volume VII. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Rixdorf Issue 1908/1909

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jähre außerordentlich begünstigt worden war. Den Naturwiesen war die trockene Witterung 
im Vorsommer ungünstig. E s wurde nur wenig, dafür aber recht gutes Heu geerntet: 
dasselbe war bei dem Kleebau der Fall. Bei dem seit 16 Jahren  zum Spargelbau benutzten 
Gelände ging der Ertrag naturgemäß zurück, während gleichzeitig auch der P reis beständig her­
untergeht. E s wird zu erwägen sein, ob der Spargelbau ganz auszugeben oder allmählich zu 
erneuern sein wird. Auf 1.15 ha wurden 48.72 Zentner geerntet und für 1461.60 M . 
verkauft. D as Ergebnis aus der Viehhaltung war zufriedenstellend.
Der im Voranschlag vorgesehene Wirtschaftsüberschuß von 61 500 M . ist erreicht 
worden und entspricht einer Verzinsung von 4.35 vom Hundert des aufgewendeten 
Kapitals.
Die in der Niederung vorhandenen zahlreichen Abzugsgräben waren von den 
unterhaltungspslichtigen Dorsinsassen vollständig vernachlässigt worden. Unter diesen 
Umständen hatten die starken Niederschläge im Herbst 1906 und besonders im Jahre 1907 
eine schädliche Anschwellung des Grundwassers hervorgerufen, so daß die meisten Gehöfte, 
Gärten und Niederungsländereien unter Durchfeuchtung litten. Die Folge davon waren 
zahlreiche Entschädigungsansprüche, die zum Teil zu gerichtlichen Klagen führten. D a der 
Beweis, daß die Rieselei ohne Einfluß auf dos Steigen des Grundwafsers fei, nicht leicht 
zu erbringen war, so wurden bei der Unsicherheit der Rechtslage, sowie um einen lang­
wierigen Prozeß zu vermeiden und das güte Einvernehmen mit der Dorfgemeinde und dem 
Kreise aufrechtzuerhalten, an die Geschädigten Beihilfen zu Erneuerungsarbeiten an den 
durchfeuchteten Gebäuden gewährt.
Um jedoch ähnlichen Vorkommnissen vorzubeugen und endgültig Abhilfe z» schaffen, 
wurde im Herbst 1907 mit der Gemeinde ein Abkommen getroffen, gemäß welchem 
städtischerseits das Grabennetz neu ausgebaut und die Dorflagc durch Absangegräben gegen 
das Nieselgelände abgegrenzt wurde; auch wurde dir Unterhaltung des Grabennetzes zunächst 
aus 10 Jah re  von der S ta d t übernommen. D er Erfolg dieses Vorgehens ist bisher durch­
aus zufriedenstellend und verspricht, nachdem sich der Grundwasserspiegel allmählich auf eine 
unschädliche Höhe eingestellt hat, dauernde Beseitigung jeder Durchfeuchtungsgefahr auch 
bei niedcrfchlagsreichen Jahren.
B o d d i n s f e l d e .  Z ur Anlegung des zweiten Rieselgutes sind im ganzen 
rund 550 ha Gelände von den Rittergütern Brusendorf und Groß - Machnow und von 
Ackerbürgern aus Mittenwalde für rund 1 250 000 M . angekauft worden. Nach Ab­
findung der Dorfgemeinde Brusendorf wegen Benutzung des Höllenpfuhlweges, sowie 
der Kirchengemeinde und der Schulgemeinde Brusendorf ist ans den in den Gutsbezirken 
Brusendorf und Groß-Machnow erworbenen Ländereien am 1. J a n u a r  1910 ein eigener 
Gutsbezirk gebildet worden, welcher zu Ehren der Verdienste des verstorbenen Oberbürger­
meisters Boddin den Namen „Boddinsfelde" erhalten Hat.
Zum Zwecke der Bewirtschaftung ist auf einer Bodenerhebung am „Höllcnpsuhl" 
ein Gutshof angelegt, welcher das Gutshaus, ein Leutewohnhaus für 4 Familien, einen 
Pferdestall mit Stellmacherwerknatt, Geräteräumen und Getreideboden, einen Rindviehstall 
mit Rauhfutter- und Getreideboden sowie Milchkellern und eine massive Scheune enthält. 
Außerhalb des Gutshofes sind ein Haus zur Unterbringung der Wanderarbeiter, zwei 
Familienhäuser mit zusammen sechzehn Wohnungen für ansässige Arbeiter und das Schul- 
haus erbaut worden. — Gesamtbaukosten 480 000 M .
Von den erworbenen Ländereien waren 215 ha bis zum 1. Oktober 1908 an den 
Vorbesitzer verpachtet, während 125 ha zu Rieselfeldern eingerichtet und rund 80 ha zur 
Anlage der Hauptentwäsierungsgräben verwendet wurden. Der Ban des Hauptentwässerungs­
grabens, die Einrichtung der'Rieselfelder und der Klärbecken hat rund 760 000 M . gekostet. 
Das gesamte Gelände Hat fast durchweg leichten Boden, zum Teil leichtesten Sandboden. 
Es war bei der Uebernahme in einem außerordentlich niedrigen Kulturzustande und fast 
durchweg durch Unkraut stark verunreinigt, sodaß auf nennenswerte Erträge aus der Land­
wirtschaft in den ersten Jahren  von vornherein nicht gerechnet werden konnte.
Dem Wachstum war die Witterung im Jahre 1908 nicht besonders günstig, der 
Roggen brachte jedoch noch eine Mittelernte. Beim Hafer blieb die Ernte unter Mittelmaß, da 
von 44.75 ha infolge der Nässe 15 ha ausfaulten Die Kartoffelernte war eine gute Mittel-
        
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