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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1919/1920

—  V  —
V o r wo r t .
D urch d a s  Erscheinen des vo rliegenden  letzten V e rw a ltu n g sb e rich ts  der ehem aligen  
S tad tg em e in d e  N e u k ö l l n  ist die B erich tersta ttung  b is zum  T ag e  des U ebergangs der S ta d t  
in  d a s  neue B e r lin  fo rtg efü h rt. D er B ericht w u rd e  m it Rücksicht au f die Druckkosten knapper 
gefaß t, d a s  T ab e llen m a te ria l gekürzt oder eingeschränkt. D ie B e a rb e itu n g  konnte noch zum  
g rö ß ten  T e il im  S tatistischen A m te erfolgen.
D e r a u f dem  deutschen W irtschaftsleben infolge des unglücklichen K rie g sa u sg a n g e s  u nd  
der schw ankenden D alu tave rhä ltn isse  lastende Druck ha t sich w e ite rh in  empfindlich fü h lb a r ge­
macht. P re iss te ig e ru n g e n , politische U nruhen , A rbeitslosigkeit und  W o h n u n g sn o t üb ten  au f das 
städtische Leben einen tief e ing re ifenden  E in flu ß  a u s . Z w a r  h a t sich die natürliche B ev ö lk eru n g s­
v e rm eh ru n g  (4756) infolge der S te ig e ru n g  der G eb u rten zah l w ieder erho lt. E in  noch g rö ß e re r 
W an d e ru n g sv e rlu s t (6540) fü h rte  indessen zu e in er B evö lk eru n g sab n ah m e von 267 077 au f 
265 293, also u m  1784 P erso n en .
T rotzdem  der bevorstehende V erlust ih re r  S elbständ igkeit der S ta d t  in  der V erw irk ­
lichung ih re r P lä n e  n a tu rg e m ä ß  eine gewisse Z urückhaltung  au ferleg te , haben  zahlreiche kom­
m u n a le  A ufgaben , insbesondere au f dem  G ebiete  der sozialen F ü rso rg e , eine w eitere  A u s ­
gesta ltung  e rfah ren . G e n a n n t seien zunächst die E rw erbslo sen fü rso rge , d a s  B eam ten - und  A n ­
gestelltenrecht un d  die R ege lung  der V erhältn isse der städtischen A rbe ite r. V on neuen E in ­
richtungen sind zu n en n en : die A uskunft- un d  Beschwerdestelle, d a s  K le in g a rten am t, die V olks- 
hochschulkurse, die V eran sta ltu n g  von T h ea te r-A u ffü h ru n g en  m it dem S ta a ts th e a te r  (S ch au ­
sp ie lhaus) in  der „N euen  W elt" , von B a u te n : 3 Brücken üb e r den S ch iffah rtsk an a l, d a s  F e r n ­
heizw erk u nd  die zu r  L in d e ru n g  der W o h n u n g sn o t errichteten m assiven W ohnhäuser in  der 
G eyger-, P la n e te n - , S i r iu s -  un d  D elph instraße  sowie die H olzhäuser am  M a rie n d o rfe r  W eg. 
I m  B a u  befand  sich am  Schlüsse der B erich tszeit die F lachhaussied lung  am  D am m w eg  (siehe 
T ite lb ild ) und  d a s  S ä u g lin g s -  un d  M ü tte rh e im  am  M a rie n d o rfe r  W eg.
M it dem  U ebergang  in  die neue S ta d tg e m e in d e  B e rlin  h a t d a s  kraftvoll pulsierende 
E igenleben  der S ta d t  N eukölln au fgehört. D a m it h a t eine S tad ten tw ick lung  ih ren  Abschluß 
gefunden, die in  der Geschichte der deutschen G roßstäd te  fast einzig dasteht. Noch im  J a h r e  
1875 ein D o rf m it n u r  ru n d  7800, nach der S ta d tw e rd u n g  am  1. A p ril 1899 ein O rt von 
85 000 E in w o h n e rn , n ah m  d as  frühere  R ird o r f , vom 27. J a n u a r  1912 an  N eukölln g en an n t, 
m it d am a ls  ru n d  252 000 E in w o h n e rn  u n te r  den G roßstäd ten  die 17. S te lle  ein . M it  der 
erstaunlich raschen B evö lkerungszunahm e h a t der A u sb au  der städtischen V e rw a ltu n g  stets 
gleichen S ch ritt gehalten . A uf allen  G ebieten  des städtischen L ebens konnte N eukölln  auf 
vorbildliche L eistungen  zurückblicken. E s  w ird  fe rn erh in  bem üht sein, im  R a h m e n  der ihm  
durch d a s  Gesetz vom  27. A p ril 1920 gelassenen M öglichkeiten an  dem A u fbau  des neuen  
B e r lin  nach besten K räften  m itzu arb e iten .
N e u k ö l l n ,  im  O ktober 1922.
Bezirksamt Neukölln.
S c h o l z .
Dr .  B ü c h n e r .
        
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