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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1919/1920

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6. Telegraphie. des Siemenssystems angeordnet. Diese Einrich­
Die seinerzeit in Betrieb befindliche Feuer­ tung ist als vollkommen auf diesem Gebiete zu 
meldeanlage der Stadt Neukölln hat sich schon bezeichnen: ihr Wert beruht hauptsächlich darauf, 
seit langem als völlig unzureichend erwiesen. Ab­ daß mit Hilfe vorgesehener elektrischer M eß­
gesehen davon, daß die Zahl der in den Straßen  instrumente die Anlage dauernd unter Kontrolle 
verteilten Feuermelder viel zu gering war, ent­ steht, so daß etwa auftretende Leitungsstörungen 
sprach auch die technische Einrichtung der An­ wie Bruch usw. sich auf den Feuerwachen sofort 
lage durchaus nicht mehr den an eine derartige kenntlich machen. Des weiteren stören gleichzeitig 
Sicherheitsanlage zu stellenden Anforderungen. ausgelöste Melder den sicheren Eingang der M el­
A us diesem Grunde wurde der B au einer neuen dungen nicht. Der Hauptempfangsapparat 
Anlage beschlossen. Die Durchführung der er­ arbeitet nicht nach Art der bekannten Morse­
forderlichen Arbeiten wurde der Firm a Siem ens  apparate, sondern es werden die eingehenden 
L Halske im Winter 1919 laut Magistratsbeschluß Meldungen durch Lochungen im Papierstreifen 
übertragen. Die Arbeiten sind am 1. Oktober markiert, so daß die Meldungen in zu Zahlen 
1920 so weit vorgeschritten, daß die Vollendung gruppierten Lochungen auf dem Papierstreifen 
der Anlage in Kürze bevorsteht. in Erscheinung treten, entsprechend der Nummer 
Die Anlage ist nach dem Siem ens-Feuer- des ausgelösten Melders. Jeder dieser Apparate 
meldesystem erbaut. Die Feuermelder, von denen ist mit Zeitstempel ausgerüstet, so daß der E in­
insgesamt 63 Stück aus Straßen und Plätzen gang der Meldung auf die M inute festgelegt ist. 
der Stadt aufgestellt sind, entsprechen in ihrer Jede auf einer der Wachen eingehende Meldung 
äußeren Form  den vorhandenen Meldern; die wird automatisch auf die zweite Wache über­
innere Einrichtung unterscheidet sich aber wesent­ tragen, indes tritt auf der zweiten Wache die 
lich von diesen. S ie  enthalten in erster Linie ein Alarmvorrichtung zunächst nicht in Tätigkeit. 
Uhrwerk mit Typenscheibe. Nach Einschlagen Die Alarmvorrichtung als solche ist eigenartig, 
einer vor einem Druckknopf befindlichen G las­ und der Alarm wird folgendermaßen bewirkt: 
scheibe wird durch Druck auf den Knopf dieses Sofort mit der Auslösung des M elders und A n­
Laufwerk freigegeben und die Typenscheibe da­ sprechen der Empfangseinrichtung treten Wecker, 
durch in Umdrehung versetzt. Eine Kontaktvor­ die in der Feuerwache zweckmäßig verteilt sind, 
richtung, welche mit der Typenscheibe in Ver­ in Tätigkeit und geben in Einzelschlägen, die 
bindung steht, gibt nach Art einer Telegraphier­ wiederum durch kürzere und längere Pausen eine 
taste bestimmte Zeichen an die Feuerwache. Diese Zahl abhören lassen, die Nummer des Melders, 
Zeichen werden hier aufgenommen und kenn­ welcher ausgelöst wurde, jedem einzelnen Feuer­
zeichnen den Standort des ausgelösten Melders. wehrmann bekannt. Gleichzeitig tritt die Nummer 
Gleichzeitig wird durch Druck auf den erwähnten des Melders auf einem großen Lichttableau in 
Knopf ein Mechanismus in Bewegung gesetzt, der Wagenhalle in Lichtschrift in Erscheinung, in 
welcher eine über dem Druckknopf befindliche Tür gleicher Weise auf einem kleineren Tableau im 
automatisch öffnet. Hinter dieser Tür befindet Apparateraum, so daß jede eingehende Meldung 
sich die aus den alten Meldern her bekannte vom Registrierapparat, vom Lichttableau und 
Lautfernsprecheinrichtung. Der Wert dieser von den Einschlagweckern aufgenommen und der 
Fernsprecheinrichtung beruht darauf, daß bei Feuerwehrmannschaft bekannt gegeben wird. 
entsprechend klarer Bekanntgabe des Brand­ Ganz automatisch stellt sich die gesamte M elde­
herdes die Feuerwehr in die Lage versetzt wird, einrichtung nach Abrücken der Feuerwehr wieder 
den Umweg über den Feuermelder zu vermeiden in Ruhestellung und ist ohne Zutun eines 
und direkt den Brandplatz aufzusuchen. W eit­ Menschen wieder für eine neue Meldung 
gehende Irrtüm er sind durch diese Kombination empfangsbereit.
vermieden, da die Feuerwehr durch die Auf­ Wird dem Telephonisten der Feuerwache von 
zeichnungen in allen Fällen weiß, an welchem dem Meldenden mittels Lautsprecher, gemäß der 
Feuermelder sich der Meldende befindet; es muß anfangs erwähnten Beschreibung, die Brandstelle 
daher auch der Brandherd in der Nähe dieses bekannt gegeben, so läßt er einen lauten 
Melders liegen. Notwendig ist bei Benutzung der Sirenenruf ertönen. Gleichzeitig schickt er der 
Fernsprecheinrichtung, daß klar und eindeutig Mannschaft die genaue M itteilung über den Ort 
Straße und Hausnummer der Brandstelle ge­ der Brandstelle durch eine im Hause befindliche 
nannt werden. Sämtliche Melder sind durch Rohrpostanlage zu. Alles geht so schnell von­
Kabelleitungen mit den zugehörigen Wachen ver­ statten, daß die Mannschaft bereits nach 20 bis 
bunden. Hier sind die Empfangseinrichtungen 30 Sekunden ausrücken kann.
        
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