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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1919/1920

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Probierstube geschaffen. W as hier geboten w ird, D ie W ohnungsnot ist überaus groß, das 
ist p re isw ert und gut. P riv a tk ap ita l rü h rt keine H and, um  diesem 
Die Neuköllner Großhandelsgesellschaft ist E lend abzuhelfen, die S täd te  m ußten den W oh­
durch die Lebensm ittelwirtschaft der Kriegszeit n ungsbau  allein übernehm en. S o  lag es auf 
entstanden. Die S täd te  w aren gezwungen, für der Hand, daß Neukölln zur Beschaffung der 
die L agerung  und V erteilung von Lebensm itteln B aum ateria lien  Ziegeleien erw arb  und den 
umfangreiche Einrichtungen zu schaffen; sie W ohnungsbau  durch die dem hochbauam t ange­
m ußten, um  auch n u r eine leidliche Versorgung gliederte Baugeschäftliche Abteilung selbst a u s ­
ih rer E inw ohner zu erzielen, die Einkäufe von führen ließ. D a diese A bteilung innerhalb  der 
Lebensrnitteln selbst vornehm en und um fang­ städtischen V erw altung  zu schwerfällig arbeitete, 
reiche L ieferungsverträge abschließen. w urde zur G ründung der Neuköllner S ta d tb a u ­
E s  entstand nun  nach Kriegsende die F rag e : gesellschaft m. b. H. übergegangen. D as U nter­
sollen diese m it erheblichen M itteln  geschaffenen nehm en um faßt die Zw eige des B augew erbes, 
E inrichtungen wieder aufgegeben ober sollen sie hat die notw endigen, m odern ausgestatteten 
im Interesse der Allgem einheit von der G e­ Spezialbetriebe und ist in  der Lage, alle vo r­
meinde selbst w eiterbetrieben w erden? M a n  kommenden B auarbeiten  auszuführen. D as 
entschloß sich zu letzterem; es schwebte der G e­ Unternehm en verschafft sich seine A ufträge auch 
danke vor, durch große zentrale Einkäufe bei den im Konkurrenzkam pf m it den Privatwirtschaft» 
P roduzenten und Im p o rteu ren  usw. un ter liehen B etrieben. E s  w ird allseitig anerkannt, 
größtmöglicher Ausschaltung des Zwischenhan­ daß hier eine vorzügliche A rbeit geleistet w ird.
dels die W aren  zu erw erben, um  sie dann  un ter Neukölln hat keine V eranlassung, sein V or­
Aufschlag der eigenen Unkosten an  die Klein­ gehen zu bereuen. G as  und E lektrizität brachten 
händler zur V erteilung zu bringen. D er K lein­ erhebliche Uebersihüsfe, ebenso S tadtbank, 
händler sollte die W aren  dann  un ter E inhaltung  Druckerei, Anschlagwesen, W einkeller und Z iege­
einer begrenzten Derdienstspanne an  die Kon­ leien. Die Großhandelsgesellschaft schneidet ver­
sumenten abgeben. Diese ideale Lösung hätte hältn ism äß ig  günstig ab, sie Hot die S ta d t durch 
der Bevölkerung M illionen erspart, hätte den ihre sachgemäße W arenbew irtschaftung vor 
an  der V erteilung beteiligten Kreisen eine großem  Schaden bew ahrt. E s  w ird  keine S ta d t 
Existenz gew ährt und dem Wucher m it Lebens­ von gleicher G röße und gleichen Verhältnissen 
rnitteln entgegengearbeitet. au s  der Lebensm ittelwirtschaft der Kriegs- und 
Kurzsichtigkeit und Einsichtslosigkeit arbeiteten Nachkriegszeit so günstig hervorgehen wie 
diesem Bestreben entgegen. Interessentenkreise Neukölln.
betrieben eine maßlose A gitation  gegen die neue Bei der Stadtbaugesellschast ist die Entwick­
Einrichtung, die angeblich ihre Selbständigkeit lung gut, doch kann hier nach A rt des B e­
und Existenz bedrohe, der größte Teil der K on­ triebes ein endgültiges Urteil erst nach ein bis 
sumenten begriff dieses V orhaben nicht und zwei Ja h re n  gefällt werden.
leistete dem rückschrittlichen H ändlerkreis G e­ Auch w ir haben manche Schwierigkeiten über­
folgschaft. w inden müssen, es sind nicht alle E rw artu n g en  
S o  w urde ein großer P la n  zum Scheitern eingetroffen, das liegt aber an  den w idrigen 
gebracht, um  der Privatw irtschaft, in  Wirklich­ Zeitverhältnissen. E in  späteres und für diese 
keit dem G roßkapital, zum  S iege zu verhelfen. Id een  reiferes Geschlecht w ird  diese E inrichtungen 
Die Folge w ar, daß die Gesellschaft, die nach gerechter beurteilen, als es unsere heutigen Z eit­
streng kaufmännischen Grundsätzen aufgebaut ist, genossen tun.
an die G ründung von eigenen Verkaufsstellen 
ging, um  m it den Konsum enten in  direkte V er­ 6 .  Wasserversorgung.
bindung zu treten. D er Kam pf, der gegenw ärtig  
in  W ort und Schrift gegen alles, w as K om m u­ Die C harlo ttenburger Wasserwerke schritten 
nalisierung betrifft, geführt w ird, ist noch nicht infolge der steigenden M aterialienpreise und 
abgeschlossen. Einzelfehler, die hier und da vor­ Löhne auf G ru n d  gesetzlicher Erm ächtigung im 
kommen und die sich auch bei den p riv a tw irt­ Rechnungsjahre 1919 zu einer E rhöhung der 
schaftlichen U nternehm ungen zeigen, werden W asserbezugsgebühren. H iergegen w urden von 
weidlich ausgenutzt, um  ein an  und für sich gutes den beteiligten G em einden, daru n te r auch N eu­
System  zu bekämpfen. D er sogenannte „freie kölln, E inw endungen erhoben, so daß schließlich 
Handel" w ill w ieder das Feld allein behaupten, ein Schiedsgericht m it der Entscheidung betraut 
um nach Gutdünken schalten zu können. werben m ußte. D a die C harlo ttenburger
        
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