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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1919/1920

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Die Zahl der Neueingänge bei der Registratur D as Bestreben der Fürsorgestelle ging dahin, 
der Kriegsbeschädigtenfürsorge betrug im April die entstandenen Kosten durch sorgfältige P rü ­
1919 etwa 241 täglich, sie stieg bis 30. September fung der Gesuche nach Möglichkeit einzuschränken 
1920 auf etwa 273 täglich. und andere für Fürsorgemaßnahmen in Betracht 
Die Bearbeitung dieser Eingänge erfolgte im kommende Einrichtungen, vor allem die Heeres­
April 1919 nach Buchstaben geordnet in 5 Ex­ verwaltung und die Träger der Sozialversiche­
peditionen, welche mit je 1 Expedienten und je rung, in zulässigem Umfange in Anspruch zu 
2 Hilfskräften besetzt waren; ferner in einer nehmen. Nach dieser Richtung hin wurden in s­
Kartothek-Registratur und in den erforderlichen besondere bei notwendiger ärztlicher oder A n­
Nebenstellen, wie Rechnungsstelle, Kanzlei und staltsversorgung Schritte unternommen. Auch 
Bürokasse. Im  Laufe der Zeit mußte das P er­ wurden die Kriegsbeschädigten belehrt, Anträge 
sonal um 1 leitenden Stadtsekretär, 2 Expedienten an die zuständigen Militärbehörden betreffend 
und 4 Hilfskräfte vermehrt werden. Renten, Zusatzrenten und Heilverfahren durch 
Die erstmalige Beratung der in Fürsorge Vermittlung der städtischen Rechtsauskunftstelle 
tretenden Kriegsbeschädigten erfolgt in der Regel zu stellen, mit der zur Durchführung von im 
gelegentlich der Aufnahme der Personalkarte und Interesse der Kriegsbeschädigten notwendigen 
des Fragebogens im Büro der Fürsorgestelle. Maßnahmen ein ständiges enges Zusammen­
Zur Durchführung der Berufsberatung in arbeiten erfolgte.
schwierigen Einzelfällen fanden unter dem Vor­ Eine wesentliche Aufbesserung der Renten­
sitz des Leiters des Kriegsfürsorgeamtes A us­ bezüge der Kriegsbeschädigten erfolgte durch 
schußsitzungen statt, zu denen Mitglieder des Inkrafttreten des Reichsversorgungsgesetzes 
Beirats für Kriegsbeschädigtenfürsorge, Vertreter (R. V. G.) vom 12. M ai 1920. M it Rücksicht 
der heimischen Industrie sowie seitens der Arbeit­ darauf, daß die Umanerkennung der Rente nach 
nehmer in Vorschlag gebrachte Fachberufsberater dem R. V. G. nicht sofort durchgeführt werden 
in wechselnder Reihenfolge und Vertreter der konnte, wurde durch Verfügung der Haupt­
Kriegsbeschädigten selbst hinzugezogen wurden. fürsorgestelle für Kriegsbeschädigte und Kriegs­
Die Zahl der Ausschußsitzungen betrug bis hinterbliebene in Verbindung mit dem Reichs­
30. September 1920 38,; es wurden in jeder arbeitsministerium angeordnet, daß in den 
Sitzung 10— 11 Fälle erledigt, insgesamt Fällen, in denen eine dringende Notlage besteht, 
386 Fälle. diese durch Zahlung von Vorschüssen auf die 
Die Arbeitsvermittlung erfolgte in der Regel Rente des neuen Gesetzes behoben wird. B is  
zunächst durch Inanspruchnahme des früheren zum 30. September 1920 sind in 676 
Arbeitgebers, sodann unter Mithilfe der zu­ Fällen Rentenvorschüsse im Gesamtbeträge von 
ständigen Arbeitsgemeinschaft oder des Fach­ 179 744,85 M . gezahlt worden.
arbeitsnachweises, eventuell des Sonderarbeits­ Die Untersuchung und Beobachtung lungen­
nachweises für Kriegsbeschädigte, des städtischen kranker Kriegsbeschädigter erfolgte durch die 
Arbeitsnachweises für Kriegsbeschädigte und des städtische Fürsorgestelle für Lungenkranke zu 
städtischen Arbeitsnachweises in Neukölln. I n  Neukölln, der alle Fälle gemeldet und an welche 
einzelnen hierfür geeigneten Fällen konnte auch die betreffenden Kriegsbeschädigten in jedem ein­
eine Arbeitsvermittlung durch die an den B e­ zelnen Falle schriftlich verwiesen wurden.
rufsberatungen teilnehmenden Arbeitgeber und Die Pflegschaft für geisteskranke Kriegs­
Arbeitnehmer, durch den Gewerbeinspektor so­ beschädigte übernahm jeweils auf Ersuchen des 
wie durch unmittelbares Eingreifen des Kriegs­ Vormundschaftsgerichts die von der städtischen 
fürsorgeamtes herbeigeführt werden. Für die Rechtsauskunftstelle eingerichtete Sam m el­
Schwerbeschädigten wurde in der Hauptsache die pflegschaft.
bei der Hauptfürsorgestelle eingerichtete Ver­ Die Zahl der in Fürsorge sich befindlichen 
mittlungsstelle für Schwerbeschädigte in Anspruch Kriegsblinden betrug bis 30. September 1920 
genommen. 18. Hiervon sind 6 verzogen und 10 mit 
Berufsausbildung auf der städtischen B au ­ Führerhunden ausgestattet.
gewerkschule in Neukölln genossen bis 30. S ep ­ Vom 1. April 1919 bis 30. September 1920 
tember 1920 95 Kriegsbeschädigte. starben 198 Kriegsbeschädigte.
Auf Grund des Kapitalabfindungsgesetzes Weihnachten 1919 wurde an die Schwer­
wurde in 61 Fällen die vorgeschriebene Prüfung beschädigten und ihre Familienangehörige eine 
vorgenommen und den örtlich zuständigen Land­ städtische Spende verteilt, für die in 1101 Fällen  
ratsämtern eine Aeußerung überreicht. 39 800 M . aufgewendet wurden.
        
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