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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  53 —
7. Die Säuglingssterblichkeit in verschiedener Berechnungsweise
1910 bis 1918.
Auf je 100 Lebend­ Von je 100 der im Von je 100 Lebend­
geborene des Zähl- Zähljahr und im vor­ geborenen des Zätil- 
Zähljahr jahres (Sp. 1) trafen hergehenden Jahre jahres starben in Sterbefälle im 1. Le­ Lebendgeborenen diesem und im nach­
bensjahr (übliche starben im Zähljahr folgenden Jahre im 
Berechnung) im 1. Lebensjahr 1. Lebensjahr
1 2 3 4
1910 14.3 14.3 15 3
1911 19.6 19.8 18.2
1912 13.9 13.8 13.7
1913 143 14.0 14.6
1914 16.2 15.6 14.9
1915 14.1 12.9 11.7
1916 12.3 11.1 12.2
1917 15 8 15.1 15.2
1918 11.2 11.9 11.8
Den zutreffendsten Ausdruck für die Sterblichkeitsverhältnisse eines K a le n d e r ­
j a h r e s  bieten die Ziffern in Spalte 3 der Uebersicht 7. Man sieht, wie bis zum 
Jahre 1913 der Unterschied zwischen diesen und den nach der üblichen Berechnung 
gewonnenen nur ganz geringfügig ist und erst vom*Jahre 1914 an mit dem Einsetzen 
des stärkeren Geburtenrückgangs an Bedeutung gewinnt. Bis zum Jahre 1917 sind 
dann die genaueren Sterbeziffern niedriger, für das Jahr 1918 dagegen höher.
Die Ziffern in Spalte 4 der Uebersicht 7 hingegen veranschaulichen die Ver­
minderung der G e b u r t e n g e s a m t h e i t  durch die Säuglingstodesfälle und die Zahl 
der das gefährliche 1. Lebensjahr überlebenden Kinder. Wenn man von den beiden 
für die Säuglinge unheilvollen Jahren 1914 und 1917 absieht, ist also die verhältnis­
mäßige Zahl der Kinder, die das 2. Lebensjahr erreichen, in den Kriegsjahren größer 
gewesen als in den letzten vier Friedensjahren. Im Durchschnitt der Jahre 1910 bis 
1 9 1 3  überlebten das 1. Lebensjahr von je 100 der Lebendgeborenen 84.5, im Durch­
schnitt der Jahre 1914— 1918 dagegen 86.7 v. H., in den Jahren 1915, 1916 und 1918 
sogar 88.3, 87,8 und 88.2 v. H. Allerdings sind auch alle diese Berechnungen insofern 
noch ungenau, als hierbei der Einfluß der fü r unsere Stadt bekanntlich erheblichen 
Wanderungsbewegung auf die Zahl der vorhandenen Säuglinge außer Betracht 
bleiben mußte.
ln der Stadt Berlin kamen auf je 100 Lebendgeborene eines Jahres Gestorbene 
im 1. Lebensjahre 1914: 15.6, 1915: 14.1, 1916: 12.8, 1917: 15.7 und 1918: 14.1. Die 
Entw icklung die Säuglingssterblichkeit war hier also ziemlich die gleiche wie in Neukölln.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die während des Krieges vielfach laut 
gewordenen Befürchtungen für eine erhebliche Vermehrung der Säuglingssterbefälle 
sich erfreulicherweise in Neukölln (und, soweit bisher bekannt geworden ist, auch in 
anderen Städten) nicht bewahrheitet haben. Nur in den Jahren 1914 und 1917 er­
höhten offenbar klimatische Einflüsse die verhältnismäßige Zahl der Säuglingstodes­
fälle über diejenige des letzten Friedensjahres 1913 hinaus, in den Jahren 1916 und 
1918 blieb sie sogar nicht unbeträchtlich hinter dieser zurück. Diese vergleichsweise 
günstige Entw icklung der Sterblichkeitsverhältnisse der Säuglinge ist wohl ausschließlich 
der weitgehenden öffentlichen und privaten Fürsorgetätigkeit zu verdanken, die man 
diesem jüngsten Nachwuchs hat angedeihen lassen. Der Erfolg zeigt, daß die Mühen 
nicht vergeblich gewesen sind.
        
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