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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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gestorbenen Säuglinge zum Opfer, den letzteren 32.5 v. H. Die Häufigkeit der Todes­
fälle an angeborener Lebensschwäche nahm  erst vom Jahre 1916 an zu; in diesem 
starben an ihr 30.7 v. H., 1917: 29.0 v. H. und 1918: 32.9 v. H. Man geht wohl 
nicht fehl, auch hierin eine der W irkungen der Hungerblockade zu sehen. Infolge 
der U nterernährung der M ütter kam en m anche Kinder bereits mit verm inderter 
Lebensfähigkeit zur Welt. Die verhältnism äßige Zahl der an M agen- und Darm­
krankheiten gestorbenen Säuglinge hat sich in erfreulich starkem  Maße vermindert, 
nämlich von 32.5 v. H. aller Säuglingstodesfälle im Jahre 1913 und 34.0 v. H. im 
Jahre 1914 auf 20.5 v. H. im Jahre 1916 und auf 14.4 v. H. im Jahre 1918. Nur im 
Jahre 1917 fielen dieser Krankheitsgruppe w ieder 26.2 v. H. aller gestorbenen Säuglinge 
zum Opfer. Hierdurch wird die V erm utung bekräftigt, daß die erhöhte Säuglings­
sterblichkeit des Jahres 1917 und wohl auch die des Jah res 1914 in der Hauptsache 
der hohen Som m ertem peratur dieser Jah re  zuzuschreiben sein möchte. Die verhältnis­
m äßige Zahl der Todesfälle an Lungenentzündung und an Influenza hielt sich im 
Jahre 1917 auf ungefähr gleicher Höhe, um dann aber im Jah re  1918 stark anzuziehen. 
Bei den übrigen Todesursachen ist keine wesentliche V eränderung ihrer Anteilsziffern 
an der Säuglingssterblichkeit festzustellen. Freilich ist bei alledem zu beachten, daß 
die Erm ittlung der Todesursache der gestorbenen Säuglinge sich nicht immer leicht 
gestaltet, zumal in zahlreichen Fällen ein Arzt während der Erkrankung nicht zu­
gezogen wird, oft auch nicht m ehr rechtzeitig zugezogen werden kann, weil das 
schwache Lebenslicht dieser Jüngsten häufig binnen kürzester Zeit erlischt. So waren 
beispielsweise nach einer besonderen Feststellung im Jah re  1912 von den 852 ge­
storbenen Säuglingen 257, also über ein Drittel, gestorben, ohne ärztlich behandelt zu 
sein, im Jahre 1918 von 319 gestorbenen Säuglingen 107.
Schließlich muß noch darauf hingewiesen werden, daß die übliche Art der Be­
rechnung der Säuglingssterblichkeit durch Beziehung der Gestorbenen auf die in der 
gleichen Zeit Lebendgeborenen, wie sie vorstehend in Erm angelung anderw eitiger 
Unterlagen durchw eg angew andt werden mußte, nur unter der V oraussetzung zu 
hinreichender G enauigkeit führt, daß sich die Zahl der Lebendgeborenen von Jah r zu 
Jahr nicht erheblich ändert. Denn die in einem gegebenen Jahre sterbenden Säug­
linge waren z. T. im vorhergehenden Jahre geboren. W ar in diesem nun die Zahl 
der Lebendgeborenen größer als im späteren Jahr, so muß unter sonst gleichbleibenden 
Umständen auch die Zahl der von ihnen im späteren Jah r noch Sterbenden größer 
sein, als es der verm inderten Geburtenzahl dieses späteren Jah res entspricht, und um ­
gekehrt. Daher erscheinen die nach dieser M ethode berechneten Säuglingssterbe­
ziffern für die ersten Kriegsjahre zu hoch, dagegen für das Jah r 1918 zu niedrig, da 
in diesem die Zahl der Lebendgeburten größer war als im vorhergehenden Jahre. 
Eine zutreffendere Berechnung der Säuglingssterbeziffer läßt sich nun in zweierlei 
W eise vornehm en. Einmal kann man die in einem Kalenderjahr gestorbenen Kinder 
nach ihrem G eburtsjahr trennen, für die sich ergebenden beiden Gruppen die Teil­
sterbeziffern berechnen, indem man die Gestorbenen jedes der beiden Jahre zu den 
entsprechenden G eburtenm assen in Beziehung setzt, und dann schließlich durch Zu­
sam m enzählen der beiden Teilsterbeziffern die Gesamtsterbeziffer des Kalenderjahres 
finden. So starben z. B. im Jah re  1916 insgesam t 307 Kinder im 1. Lebensjahre, 
darunter 77 im vorhergehenden Jahre 1915 G eborene oder 2.0 v. H. der in diesem 
Jahre 1915 überhaupt Lebendgeborenen, und 230 im Jah re  1916 Geborene oder 9.2 
v. H. der im Jahre 1916 überhaupt Lebendgeborenen. Die Sterbeziffer des Jahres 1916 
stellt sich mithin auf 11.2 v. H.
Die zweite Berechnungsart geht aus von der Gesamtzahl der in einem gegebenen 
Jah re  Lebendgeborenen und stellt fest, wie viele von diesen im gleichen Jahre und 
im darauffolgenden Jah re  vor Vollendung des 1. Lebensjahres starben. Von den 
2484 Lebendgeborenen des Jah res  1916 z. B. starben 230 im gleichen Jahre 1916 
und 75 im Jahre 1917, zusammen also 305 oder 12.2 v. H. jener Lebendgeburtenzahl. 
In Uebersicht 7 sind nun die Ergebnisse dieser drei verschiedenen Berechnungsarten 
für die Jah re  1910— 1918 einander gegenüber gestellt.
        
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