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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  446 —
An Personal standen zu Beginn der Berichtszeit dem Leiter, Stadtchemiker Dr. Funk, 
ein zweiter Chemiker und zwei Laborantenlehrlinge zur Verfügung. Bei Ausbruch 
des Krieges wurde der zweite Chemiker, Dr. Quitmann, sofort eingezogen; auch die 
beiden Laboranten folgten später. Ersatz der letzteren war schwer zu beschaffen; die 
Einstellung weiblicher Hilfskräfte wurde wiederholt versucht, bewährte sich jedoch 
nicht, da sie im Betriebe zur Entnahme von Materialproben und anderen wichtigen 
Arbeiten ungeeignet waren, z. T. auch derartige Tätigkeit verweigerten. Längere Zeit 
waren nur ein russischer Kriegsgefangener, während einiger Monate ein hilfsdienst­
pflichtiger Notabiturient die einzigen Hilfskräfte, welche natürlich nur zu ganz ein­
fachen Arbeiten verwendet werden konnten. Da das Gaswerk infolge der Einrichtung 
einer Benzolgewinnungsanlage, deren Leitung dem Berichterstatter übertragen war, 
und infolge der Kriegswirtschaft überhaupt erheblich höhere Anforderungen stellte, 
konnten bei dem geschilderten Personalmangel Arbeiten für Private nur in geringer 
Anzahl ausgeführt werden; dagegen wurden Aufträge der städtischen Verwaltung, 
welche die verschiedensten Gebiete betrafen, nach Möglichkeit erledigt.
Die im Interesse des Gaswerks ausgeübte Tätigkeit erstreckte sich auf die 
Leitung der Ammoniakfabrik, in der das rohe Ammoniakwasser für Zwecke der 
Heeresverwaltung konzentriert oder auf schwefelsaures Ammoniak (für Düngezwecke) 
verarbeitet wurde, und auf die Betriebsleitung in der Benzolgewinnungsanlage ein­
schließlich der gesamten hiermit zusammenhängenden Korrespondenz und der Er­
stattung der hierauf bezüglichen Berichte an die Behörden. Ferner wurde die Gas­
erzeugung und -reinigung durch täglich zweimalige Bestimmung des Heizwertes und 
die regelmäßige Ermittelung des spezifischen Gewichtes, des Gehaltes an Ammoniak, 
Naphtalin, Cyan, Schwefelwasserstoff sowie durch zahlreiche Gasanalysen überwacht 
und entsprechend geregelt. Der Betriebsleitung wurde hierüber laufend Bericht er­
stattet. Die Wäscher und sonstigen Reinigungsapparate wurden regelmäßig auf ihre 
Wirkung geprüft und nötigenfalls wurde ihre Auswechselung und Reinigung veranlaßt; 
ebenso wurden die Anlagen zur Enteisenung des gesamten Gebrauchswassers sowie 
zur Enthärtung des Kesselspeisewassers kontrolliert.
Ferner wurden die zum Verkauf gelangenden Nebenprodukte, Ammoniakwasser, 
schwefelsaures Ammoniak, Teer, ausgebrauchte Gasreinigungsmasse untersucht, die 
Lieferungen der Roh- und Hilfsmaterialien (Kohlen, Kalk, Gasreinigungsmasse, 
Schwefelsäure, Karburieröl, Schmieröl etc.) überwacht und die zwecks Einkaufs der­
selben eingeforderten Proben begutachtet.
Gasherde, Kocher, Bügeleisen und sonstige Gasverbrauchsapparate, sowie Glüh­
strümpfe wurden auf ihren Gasverbrauch, Nutzeffekt etc. geprüft und die vorteil­
haftesten zum Ankauf empfohlen.
Eine große Anzahl von Untersuchungen und Materialprüfungen war erforderlich, 
um die Ursache der zahlreichen Durchrostungen der mit Wasser gefüllten Gaszähler 
festzustellen. In mehreren erstatteten Gutachten wurde zum Ausdruck gebracht, daß 
dieselbe nicht in der Qualität des Gases zu suchen sei; vielmehr wurde ermittelt, daß 
die Verzinnung des Weißbleches, aus welchem die Zählergehäuse hergestellt sind, 
porös war und der zum Innenanstrich verwendete Asphaltlack durch die Einwirkung 
des Gases allmählich angegriffen wurde und keinen Schutz mehr bot. Die Bedin­
gungen für die Verrostung des nun stellenweise freiliegenden Eisens waren dadurch 
sehr günstig, zumal da im Gase Kohlensäure in reichlicher Menge und stets auch 
etwas Sauerstoff (0.1—0.3 Proz.) vorhanden waren und außerdem zwischen dem Eisen 
und den andern Metallen des Zählers unter Vermittelung des Sperrwassers elektro­
lytische Wirkungen vorhanden waren, welche die Verrostung beförderten. Diese Er­
klärung wurde auch von anderen Gutachtern als richtig anerkannt. —
Trotz der starken Inanspruchnahme durch das Gaswerk und des eingangs ge­
schilderten Personalmangels wurde es ermöglicht, die meisten Aufträge der Stadt­
verwaltung zu erledigen. Diese betrafen das städtische Leitungswasser, Wasser aus 
den zahlreichen Brunnen der städtischen Güter, Abwasser, Grundwasser, Ackerboden 
der Güter, Erdproben von Probebohrungen für den Bau der Untergrundbahn, Zement,
        
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