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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Industrie, etwa ab Dezem ber-Januar 1918/19, auf 14.3 Millionen KW -Stunden. Dabei 
war die Strom abgäbe außerordentlich gleichm äßig auf die 24 Tagesstunden verte ilt; 
die N achtbelastung betrug z. B. im W inter 1916/17 etwa 2000 KW, die Tagesbelastung 
etwa 3600—3700 KW bei einer W interabendspitze von nur 4300—4500 KW. Da die 
O esam tstrom erzeugung des Jahres 1916 rd. 18.2 Millionen KW -Stunden betrug, so 
ergibt sich eine B enutzungsdauer des Maximums von m ehr als 4000 Stunden, eine 
Ausnutzung, wie man sie sich besser kaum w ünschen kann. Diese günstigen S trom ­
abgabe-Verhältnisse waren natürlich von gutem  Einfluß auf das finanzielle Resultat 
des W erkes. Trotz der sehr niedrigen Strom preise konnte das W erk nach Bestreitung 
aller Unkosten einschließlich der Kosten des Kapitaldienstes an die Stadthauptkasse 
abliefern im Jahre 1913: 355 116.40 M., 1914: 400916 M., 1915: 562584.14 M. und 
1916: 666814.13 M., bei einem Anlagekapital von etwa 5 000 000 M. gewiß ein recht 
annehm bares Resultat. Leider setzten mit der zweiten Hälfte des Jah res 1916 auch 
die unangenehm en Folgen des zu lange dauernden Krieges ein, die sich bis zum 
Schluß des Krieges derartig steigerten, daß es kaum noch möglich war, einen ordnungs­
m äßigen Betrieb aufrecht zu erhalten. Das Personal mußte immer weiter verringert 
werden, • fast alle noch im wehrfähigen Alter stehenden Leute wurden eingezogen, 
kaum noch 10 M ann der Friedensbelegschaft von etwa 50 Mann w aren geblieben, 
auch die immer wieder Neueingestellten wurden, kaum eingearbeitet, w ieder eingezogen, 
die wenigen Verbleibenden überarbeitet, schlecht ernährt, häufig krank. Dabei häuften 
sich die Reparaturen besonders an den Kesseln infolge ungeeigneter Kohle. Reparatur­
material w ar nur sehr schw er und nur in ungenügender Qualität zu beschaffen, man 
mußte sich oft mit ganz ungenügendem  „E rsatz“ behelfen. Doch wären diese 
Schwierigkeiten noch zu überwinden gew esen bezw. überhaupt nicht in solchem 
Umfang aufgetreten, wenn nur das hauptsächlichste Rohmaterial, die Kohle, in ge­
nügender M enge und geeigneter Q ualität geliefert worden wäre. Daran aber fehlte es. 
Die Kesselanlage des Elektrizitätswerkes ist ausschließlich mit W anderrosten ausgerüstet. 
Diese erfordern ein kleinstückiges, möglichst gleichm äßig gekörntes Brennmaterial, 
also Erbs- und Nußkohle, die zwecks A usscheidung der in der Förderkohle stets ent­
haltenen Berge (Schiefer, Steine) gew aschen sein soll. Im Frieden waren diese 
Kohlensorten in genügender M enge am Markt, auch in den ersten Kriegsjahren wurden 
noch erhebliche M engen geliefert; durch stark gesteigerte Nachfrage, wohl auch durch 
das Zubruchgehen der Aufbereitungs- und W aschanlagen auf den Oberschlesischen 
Zechen w urde der Anteil an sortierter Kohle immer geringer und hörte etwa vom 
Herbst 1916 fast vollständig auf. Das Elektrizitätswerk m ußte sich mit Förderkohlen 
aus allen möglichen Gruben behelfen, war zeitweilig (Januar-M ärz) überhaupt fast 
ohne eigene Kohle und m ußte von den glücklicherweise in erheblichem Umfang vor­
handenen älteren Lagerbeständen des Gasw erkes zehren, die vom Lagerplatz des 
Gaswerkes in kleinen Kippwagen zum Kesselhaus des Elektrizitätswerkes befördert, 
dort zerschlagen und von Hand den Kesseln zugeführt werden mußten. Da auch die 
B ekohlungsanlage des W erkes nicht für derartig grobstückiges M aterial eingerichtet 
ist, m ußten auch die von den Gruben zu W asser kom m enden Kohlen auf dem G as­
werk gelöscht werden oder es mußte W aggontransport gewählt werden. Das alles 
erforderte natürlich erhebliche M ehrkosten für den Transport und die Löhne. Trotz 
alledem wäre das finanzielle E rgebnis des W erkes nicht wesentlich beeinflußt worden, 
wenn nicht infolge des ungeeigneten Brennm aterials der spezifische Verbrauch ins 
fast.U ngeahnte gestiegen wäre. Dieses aus groben Stücken und sehr viel Grus ge­
mischte Brennm aterial verschiedenster Herkunft brannte auf den Rosten schwer an, 
wenn es aus Flözen mit geologisch älteren Kohlen bestand, oder es backte zu großen 
Stücken zusamm en bei geologisch jüngerem  Material, oft erloschen die Feuer, 
immer schob sich unverbranntes Brennmaterial, mit Schlacken vermischt, vor den 
Absperrorganen am hinteren Rostende zusamm en, verschm orte diese und ging 
unverbrannt mit den Schlacken in die Aschenfälle. Bis zu 40 v. H. der zu­
geführten Kohlen betrugen die Rückstände gegenüber 8 — 10 v. H. bei Ver­
w endung geeigneter Kohle. Entsprechend der geringeren A usnutzung des zu­
geführten Materials m ußte die zugeführte Kohlenmenge erhöht werden, wodurch
        
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