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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  424 —
Perlte  auch von der Stirne der Schweiß.
Bergehoch wuchsen die Sammelgüter,
N irgends war weder Platz noch Raum,
Fifi, den treuen Brockenhüter,
Sah man mit seinem Hüttchen wohl kaum.
Noch aber brauchen wir neue  Schätze,
Um zu erfüllen, was wir uns gelobt,
Weil enger und dichter schlingt ihre Netze 
Um uns die bittere Kriegesnot.
D’rum dienet weiter dem Vaterlande,
Erneuert den Hilfsdienst in Liebe und Treu 
Und füllet uns wieder bis zum Rande 
Ein jegliches Lager mit Brocken neu.
Alt’ Eisen und Knochen und Lumpen und Flaschen,
Zerfetzte Wäsche, die nicht m ehr zu waschen,
Zeitungen und Bücher, die fleißig gelesen 
Und ehemals von hohem W ert sind gewesen,
Abfall von Kohl, Kohlrabi und Rüben,
Den Ziegen und Kaninchen als Futter belieben.
Dazu den Stein von der Kirsche und Pflaume
Und Kerne vom Obst, das sonst noch wächst am Baume,
Das sammelt und bringt’s im em sigen Bemühen,
Damit euch des Sammlers Freuden erblühen.
Wir lohnen den Dienst, wie es sich gehört 
Mit Gutschein auf Preise von Nutzen und W ert 
Und A nerkennungszeichen, womit man euch ehrt.
W ir spenden euch Bücher zum Lesen und Lernen,
Und vieles, was Leib und M agen mag wärmen.
Nun laßt euch nicht länger bitten und locken 
Und kommt gelaufen mit euren B rocken!
Aehnlich wie die Kriegshilfe in Hannover wurde auch in Neukölln kein Bargeld 
gegeben, sondern die Kinder bekamen für die abgelieferten Sam m elgüter Gutscheine, 
die sie an bestimmten Tagen in der Woche auf der Brockensam m lung gegen Spiel­
sachen, Schulutensilien, Bücher und Lebensrnittel, auch Kleidungsstücke und Kriegs­
stiefel eintauschen konnten. W er eine gewisse Anzahl Gutscheine hatte, bekam auch 
ein lebendes Kaninchen. Durch letztere Belohnung sollte der Sinn der Kinder für 
die Kleintierzucht angeregt und der herrschenden Fleischnot gleichzeitig gesteuert 
werden. Die Felle der geschlachteten Tiere wurden von den Kindern gern wieder 
zurückgenom m en und der Reichsfellstelle in Leipzig zugeführt, die daraus Garderobe 
für die m inderbemittelte Bevölkerung anfertigte. Die Kriegsbrockensammlung, deren 
Blütezeit im Kriege war, konnte schon im zweiten Jahre ihres Bestehens 3000 Mark, 
die den Erlös der verkauften Sam m elgüter darstellten, zur W eihnachtsbescherung von 
Kriegerkindern, deren Väter im Felde geblieben waren, hergeben. Der wirtschaftlichen 
Not in ,d e r  Bevölkerung durfte die Kriegsbrockensam mlung teilweise steuern helfen, 
indem sie Lebensrnittel, die von der Rationierung für Sammelzwecke freigegeben 
wurden, ausgeben konnte. F ür die gesam m elten Knochen bekam die Kriegsbrocken­
sam m lung einen geringen Prozentsatz Fett geliefert, das an die Kinder zur Anspornung 
des Sammeleifers w ieder ausgegeben wurde. In der letzten Kriegszeit hat die Sam m el­
tätigkeit erheblich nachgelassen. Dieses Nachlassen dürfte darauf zurückzuführen 
sein, daß seitens der Trödler die Altwaren mit geradezu ungeheuerlichen Preisen 
bezahlt wurden. Das Nachlassen war aber nicht so stark, daß es ein Eingehen der 
Kriegsbrockensammlung gerechtfertigt hätte. Der für die Kriegsbrockensam mlung 
eingesetzte Ausschuß beschloß daher, diese in ein selbständiges Unternehm en um ­
zuwandeln und aus ihr einen eingetragenen Verein mit der Bezeichnung „Brocken­
sam m lung Neukölln E. V.* zu gründen. Unter dieser F irm ierung besteht der Verein 
heute noch. Zu seinen Geschäftsführern sind Herr Stadtkäm m erer Lindner und Herr
        
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