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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Gegenstände, deren Beschlagnahme nicht angeordnet war, freiwillig abgegeben werden. 
In Neukölln wurde jedem Haushaltungsvorstande durch die Hauswirte ein Anmelde­
formular zugestellt. Am Schlüsse der Formulare mußte der Haushaltungsvorstand 
die Richtigkeit der Ausfüllung durch Namensunterschrift bescheinigen. Nach Durch­
arbeitung dieser zum Magistrat zurückgelangten Meldungen setzte dann straßenweise 
die Enteignung ein. Jedem, der bei der amtlichen Meldung Gegenstände gemeldet 
hatte, wurde eine Anordnung betreffend Eigentumsübertragung der bei ihm vorhandenen 
Metalle auf den Reichsmilitärfiskus zugestellt. Auch wurde in der Anordnung an­
gegeben, an welchen Tagen und zu welcher Stunde die Metalle abgeliefert werden 
mußten. Während bei der freiwilligen Abgabe die Bürger stundenlang anstehen
mußten, bis sie ihre Metalle dem Vaterlande opfern konnten, war durch die Zustellung 
der Enteignungsanordnung die Möglichkeit gegeben, nur soviel zu bestellen, daß eine 
glatte Abwicklung ermöglicht wurde. Damit den Hauseigentümern Zeit zur Beschaffung 
des erforderlichen Ersatzes für Ofentüren, Kessel usw. verblieb, wurden diese erst 
nach Abfertigung der übrigen Haushaltungsvorstände zur Abgabe aufgefordert. Von 
dieser Maßnahme erhielten sämtliche Haus- und Grundbesitzer- sowie Bürgervereine 
rechtzeitig Nachricht.
Am 13. Januar 1916 wurde die Metallsammelstelle für die Abnahme wieder er­
öffnet. Die Preise für die enteigneten Metalle waren durchweg um 10 Pf. je kg
geringer. Nicht alle Einwohner lieferten zu den in der Enteignungsanordnung an­
gegebenen Terminen ihre Metalle ab. Bei ihnen mußte leider zur zwangsweisen 
Beitreibung geschritten werden. Die gesamte Metalleinziehung auf Grund der letzteren 
Verordnung brachte
54 098.2 kg Kupfer 
243 655.5 kg Messing 
 1 439.6 kg Nickel und Nickellegierungen
insgesamt 299 193.3 kg
Metalle, d .i. pro Kopf der Bevölkerung 1.110 kg. Ausgezählt wurden seitens der
Gemeinde
für K u p fe r .........................................  198 874.41 M.
„ M e s s i n g ...................................  729 062.04 „
„ Nickel und Nickellegierungen . . 7 053.43 „
Bei diesem gewaltigen Andrange mußten alle nur verfügbaren Räume zu Lagerzwecken 
herangezogen werden.
Die Gemeinde bekam für die Arbeiten diesmal 30 Pf. je kg. Sie mußte aber
dafür die erheblichen Kosten der Anfertigung und Zustellung der Enteignungsanordnungen 
tragen. Neukölln erhielt insgesamt 96 736.51 M. Die Hauptschwierigkeiten bei der
Ablieferung machte die Annahme der seitens der Hausbesitzer abzulieferndenO fen­
türen und Waschkessel. Diese wurden in solchen Mengen abgeliefert, daß 5 Abnahme­
stellen zur Bewältigung des Andranges notwendig wurden. Zur Abfuhr dieser Metalle, 
die teilweise nach dem Lagerplatz am Osthafen, teilweise nach dem Güterbahnhof
Neukölln geschafft und dort in Waggons verladen werden mußten, stellte das Res.- 
lnf.-Regt. 64, das in der Schule Erkstraße untergebracht war, Mannschaften auf Tage 
zur Verfügung.
Durch die seitens der kriegführenden Mächte über Deutschland verhängte Sperre 
war es unmöglich geworden, noch Metalle aus dem Auslande hereinzubekommen. 
Die durch die Enteignung der Haushaltungsgegenstände erlangten Metalle reichten 
aber bei weitem nicht aus, um den Bedarf für Heereszwecke und Zivilwirtschaft zu 
decken. Es mußte daher zur Erlangung von weiterem Kriegsmaterial an die Beschlag­
nahme noch weiterer Gegenstände aus vorstehendem Metall sowie anderer Metalle 
gegangen werden. Wurden doch neben Kupfer und Nickel dringend auch Zinn, Zink 
und Aluminium gebraucht. Das Oberkommando verfügte daher zuerst die Beschlag­
nahme der zinnernen Bierglasdeckel auf Stammkrügen, jedoch nur aus den Wirt­
schaften. Sodann kamen die Orgelpfeifen, d. h. nur die Prospektpfeifen in Frage. 
Die Orgelpfeifensammlung brachte 683.3 kg mit einem Werte von 4512.03 M. ein.
        
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