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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

-  413 —
Die Belieferung der Tierhalter durch die Verteiler wurde beibehalten, jedoch 
wurden alle Verteiler einander gleichgestellt; als Großverteiler walteten die städtischen 
Lebens- und Futterm ittelwerke. Außerdem wurden die Kleintierhalter in den Jahren 1918 
und 1919 unterstützt durch Zuweisungen von E rsatz-Futterm itteln , und zw ar von 
Geflügelhackfutter für Hühner und von Futterkleie für Ziegen.
2. S t ä d t i s c h e  L e b e n s -  u n d  F u t t e r m i t t e l w e r k e .
*
Die Notwendigkeit zur G ründung der städtischen Lebens- und Futtermittelwerke 
ergab sich, wie bereits angedeutet wurde, aus den Zuständen auf dem Gebiete der 
G em üseversorgung. Obst und Gemüse ging unter der Herrschaft der Zwangswirtschaft 
zeitweise so reichlich ein, daß der Absatz an die Verbraucher stockte und eine Ver­
w endung für die nicht im frischen Zustande absetzbare Ware unbedingt erforderlich 
wurde. Diese Verwendung konnte nur in der Trocknung bezw. Verarbeitung ge­
schehen, wozu Fabrikanlagen geschaffen werden mußten. Diese Anlagen sollten ein 
selbständiges Unternehm en werden, das nach rein kaufmännischen Gesichtspunkten 
zu verwalten war. Zu diesem Zwecke wurde ein kaufmännischer Direktor eingestellt 
und diesem nicht nur die Verwaltung der einzelnen Fabrikbetriebe, sondern auch die 
Verwaltung der sich aus der Zwangswirtschaft ergebenden Lebensmittelläger übertragen. 
Ihm zur Seite stand der aus M agistratsmitgliedern und Stadtverordneten bestehende 
V erw altungsausschuß für Lebens- und Futtermittelwerke. Den Werken wurde zwar 
von der Stadt der notwendige Kredit zur Aufrechterhaltung des Betriebes eingeräumt, 
jedoch waren die W erke verpflichtet, die ihnen zur Verfügung gestellten Gelder zu 
verzinsen und den Betrieb derart zu regeln, daß Zuschüsse seitens der Stadt nicht 
erforderlich wurden. Es wurden zur Benutzung überwiesen die Gebäude und Ein­
richtungen der ehem aligen Berliner Malzfabrik Hermannstr. 29 und die Gebäude und 
M aschinen auf dem Grundstücke M ittelbuschweg 6-7. Die Verwaltung und Buchführung 
erfolgte völlig abgetrennt von der städtischen Verwaltung; es wurde eine besondere 
Kasse mit besonderen Bankkonten errichtet und für den Gesamtbetrieb die kauf­
m ännische Buchführung angeordnet. Die Eröffnung der W erke erfolgte am 1. 10. 1917.
Die städtische W urstfabrik wurde ebenfalls dem neuen Unternehmen zugeteilt, 
so daß dieses ziemlich umfangreich wurde und außer der Abteilung für die F utter­
m ittelverteilung folgende Unter-Abteilungen geschaffen werden m ußten:
a) Trockenanstalt Herm annstraße 29,
b) Sauerkohlfabrik H erm annstraße 29,
c) M armeladenfabrik Herm annstraße 29,
d) W urstfabrik Steinmetzstraße 47,
e) Eisfabrik M ittelbuschweg 6-7,
f) Häckselanlage Köllnische Allee.
Was innerhalb der einzelnen Abteilungen geleistet und geschaffen wurde und 
wie sie verwaltet wurden, ergibt sich aus den folgenden Abschnitten.
a) T r o c k e n a n s ta l t .
Nachdem am 1. Oktober 1917 vom M agistrat die „Erste Berliner Malzfabrik A.G.“ 
käuflich erworben war, wurde zunächst das überschüssige Gemüse, welches sich 
inzwischen bei der Gem üseversorgung angesammelt hatte, auf den in der Malz­
fabrik befindlichen M alzdarren getrocknet. Die Trocknung auf den M alzdarren gestaltete 
sich jedoch äußerst schwierig und wirtschaftlich sehr unrentabel, so daß gleich darauf 
und zwar Ende November desselben Jahres mit der M ontierung zweier Schilde- 
A pparate begonnen wurde. Mitte Februar 1918 wurden dann diese beiden Apparate 
in Betrieb gesetzt und, da sich diese Art der Trocknung sehr gut bewährte, Anfang 
Juni gleichen Jahres zwei weitere Schilde-Apparate montiert, die Anfang Septem ber 
in Betrieb gesetzt werden konnten. Inzwischen hatte man mit der Maschinenfabrik 
Büttner in Uerdingen a. Rh. Verhandlungen wegen Lieferung eines großen 7 m langen
        
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