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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Die Büroräume waren zuerst im neuen, später im alten Rathaus untergebracht. 
Am 26. Juli 1918 wurden die Räume in die von dem Justizfiskus angebotenen 
unbenutzten Räume des Amtsgerichts verlegt. Hier wurden zwölf Zimmer, darunter 
zwei kleine Sitzungssäle, bezogen. Von diesem Zeitpunkt ab erfolgte die Akut-
Abfertigung nach Dienstschluß beim Rathauspförtner.
Die Beschaffung der erforderlichen Karten und Bezugsscheine erfolgte:
a) für Brot, Fleisch und Speisefett durch die Zentralstelle für die Brot­
kommissionen,
b) für Milch und Sahne durch die Feststelle Groß-Berlin,
c) für Grieß, Haferfabrikate, Graupen oder Grütze, Sago, Reis, Teigwaren, Eier,
Honig, Malzextrakt, Fleischextrakt, Fleischpepton, Kondensmilch, Krankenbrot, 
Süßstoff durch Bestellung bei der städtischen Druckerei.
Die Karten wurden von den Kranken anfänglich unter Vorlegung des über­
sandten Bewilligungsschreibens abgeholt. Der ständig zunehmende Geschäftsverkehr 
machte eine Aenderung notwendig, und so wurden die Karten und Bezugsscheine 
dem Kranken im gewöhnlichen Brief als „Portopflichtige D ienstsache“ durch die Post 
übersandt. Die bei diesem Verfahren auftretenden Verluste zogen eine weitere 
A enderung nach sich. In den Monaten November 1918 bis Januar 1919 sind von 
48 848 abgesandten Briefen 215 verloren gegangen. Die durch die Post angestellten 
Erm ittlungen über den Verbleib sind in allen Fällen ergebnislos verlaufen. Allein in 
den letzten Vji  M onaten (15. Dezember 1918 bis 31. Januar 1919) mußten ersetzt werden: 
275 Milchkarten,
1 523 N ährm ittelbezugsscheine — 380 kg Nährmittel,
374 Krankenbrotbezugsscheine.
Um in Zukunft die Verlustziffer ganz zu beseitigen oder doch auf den denkbar 
niedrigsten Stand zu bringen, beschloß der M agistrat am 5. Februar 1919, alle Briefe, 
welche Karten und Berechtigungsscheine enthielten, unter „Einschreiben“ und als 
„Portopflichtige D ienstsache“ zu versenden. Die erstm alige Auflieferung erfolgte am 
12. Februar 1919. Der Preis für den Einschreibebrief im O rtsverkehr als portopflichtige 
Dienstsache betrug 35 Pf. Bis zum Schlüsse des Berichtsjahres ist kein Brief verloren 
gegangen.
Die Ausgabe der bewilligten Nährmittel, zuerst nur Reis, erfolgte im städtischen 
Eiswerk, später im Rathause durch die M aterialienverwaltung auf besondere Anweisung 
des Büros. Im August 1916 wurde die Ausgabe zwei Kolonialwarenhändlern in der 
Stadt mit zusammen fünf Filialen übertragen. Eine besondere Ausgabestelle für 
Kalbfleisch wurde eingerichtet. Im Oktober 1918 sind die Nährmittelverkaufsstellen 
auf 10 gestiegen, zu Ende des Berichtsjahres auf 29. 15 Krankenbrotbäcker und
5 Akutmilchstationen sind vorhanden.
Um bei vorübergehender Abwesenheit — in der Reisezeit — die den Kranken 
bewilligten Milchkarten restlos zurückzuerlangen, wurden mit der Zentralstelle für die 
Brotkommissionen im Mai 1918 besondere Abmachungen getroffen und eine besondere 
Bescheinigung für die zurückgegebenen Karten eingeführt. Für Seifenzusatz- und 
Kohlenzusatzkarten wurden gleichfalls besondere Bescheinigungen eingeführt.
Die nachstehende Zusam m enstellung gibt eine Uebersicht über die Entwicklung 
des Verbrauchs bis zum Schlüsse der B erichtszeit:
Zuweisung pro Tag an Milch und Brot.
Milch Sahne Milch an Milch an 
Stichtag an Kranke an Kranke werdende Mütter stillende M ütter
Zahl Liter Zahl Liter Zahl Liter Zahl Liter
31. 12. 1916 7 327 3 747 250 ;__" ' --
31. 12. 1917 15 319 6 552 500 42 9 875 878 658 500 1 128 282 000
31. 12. 1918 24 126 10 108 000 35 8 375 849 646 750 — —
31. 3. 1919 32 235 12 999 750 36 8 500 833 624 750 — —
        
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