Path:
Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  391 —
Die Geschäftszeit der Brotkommissionen w ar zunächst auf 3 T age  in der W oche 
und für diese T age  auch nur  auf die Nachmittagsstunden beschränkt, doch schon 
nach kurzer Zeit w urden auch die übrigen 3 W erktage h inzugenom m en, da der über 
aus  rege Verkehr an nur  3 Nachm ittagen wöchentlich nicht bewältigt werden konnte.
Zu den Aufgaben der Brotkommissionen gehörte  außer der Verteilung der L ebens­
mittelkarten die E rled igung  der verschiedensten A nträge seitens der Bevölkerung, so 
insbesondere  über nicht oder  zu w enig  erhaltene Karten, Ersatz verlo rengegangener 
Karten, Umtausch von abgelaufenen Karten, A usgabe von Zusatzkarten, V ersorgung 
der M ilitärurlauber und N achprüfung der von Bäckern und Mehlkleinhändlern ab­
gelieferten Brotkarten und M ehlabschnitte sowie die N euzuteilung von Mehl auf Grund 
der abgelieferten K artenm engen. Dazu kam mit Beschlagnahm e der Woll-, Web- und 
Strickwaren sowie des Leders durch die Reichsstellen die Ausfertigung von Bezugs­
scheinen auf diese W aren, die erst nach sorgfältiger P rü fung  der Anträge geg eb en en ­
falls durch örtliche Fes ts te llungen  verabfolgt werden durften.
ln durchaus anerkennensw erte r  Weise haben sich die ehrenamtlich tätig gew esenen 
Personen , zu denen neben den Rektoren und Lehrern im Laufe der Zeit auch weitere 
Personen  aus der B evölkerung und insbesondere auch Beamte aus der städtischen 
V erwaltung traten, diesen um fangreichen Arbeiten unterzogen, und es war ihnen nicht 
im m er leicht, den an sie gestellten A nforderungen gerecht zu werden.
Die A usgabe  der Karten erfolgte zunächst in Zwischenräumen von 3 - 8  Wochen, 
je nachdem  die Um stände auf die Kartenausgabe einwirkten. Die inzwischen durch 
weitere Zwangsverte ilungen  erforderlich w erdenden  Bezugskarten auf Milch, Fett, 
Fleisch, Zucker usw. w urden in gleicher Weise wie die Brotkarten durch die Brot­
kom m issionen verteilt. Die im m er g rößer w erdende Anzahl der zur Ausgabe g e ­
langenden  Kartenarten m achte  es erforderlich, das Geschäft der Kartenverteilung nach 
Möglichkeit zu vereinfachen. Aus diesem Bestreben heraus wurden feststehende 
V ersorgungsperioden  a u f . einen Zeitraum von 4 W ochen festgesetzt und die zur Ver­
te ilung ge langenden  Karten nach Möglichkeit in e iner Ausgabe den Hausbesitzern 
übergeben.
Eine Reihe von Einzelfällen, in denen der unberechtigte Bezug von L ebens­
mittelkarten nachgew iesen  werden konnte, und die unverhältm äßig  hohen A usgabe­
zahlen g eg en ü b er  den amtlich festgestellten Bevölkerungsziffern veranlaßte das 
K riegsernährungsam t A nfang 1917, anzuordnen, daß nicht nur die von den H aus­
eigentüm ern  bezw. Stellvertretern aufgestellten Hauslisten als Unfbrlage für die Ver­
te ilung der Lebensmittelkarten zu dienen hatten, sondern daß über die Lebensmittel­
kartenem pfänger und Selbstversorger namentliche Verzeichnisse anzulegen waren. 
F e rn e r  w urden  periodische Anzeigen über die B evölkerungsbew egung  in vierteljährlichen 
Zwischenräum en an das Statistische Landesam t nach besonderem  Vordruck gefordert. 
Diese Anzeigen umfaßten den Zuzug, W egzug, die Geburten, Todesfälle sowie die 
E inz iehungen  zum Heeresdienst und die Entlassungen  und schlossen sich an die auf 
Grund der E inrich tung  der namentlichen Verzeichnisse ermittelten Zahlen an. Die 
weitere Fortschre ibung  der B evö lkerungsbew egung  an Hand dieser periodischen An­
zeigen an das Statistische Landesam t erfolgte im Anschluß an die durch das Statistische 
Amt unserer  Stadt durchgeführten  amtlichen Volkszählungen. Die auf Grund des 
Fortschre ibungsergebnisses  vom Statistischen L andesam t ermittelten Bevölkerungszahlen 
bildeten die G rundlage  für die Belieferung der K om m unalverbände mit Lebensrnitteln. 
Gleichzeitig w urde ein einheitliches Abmeldeformular für das gesam te Reichsgebiet 
eingeführt und angeordnet, daß n u r  bei dessen A bgabe im neuen W ohnorte  bezw. 
Aufenthaltsorte die A ufnahme in die Lebensm itte lversorgung  erfolgen durfte. Zunächst 
w ar es den K om m unalverbänden überlassen, die Herstellung dieser Abm eldescheine — 
allerdings nur  nach dem amtlichen Vordruck —  zu bewirken. Durch A nordnung  des 
Preußischen Staatskom m issars für Volksernährung vom 3. Septem ber 1919 trat jedoch 
die B undesra tsvero rdnung  vom 24. 10. 1918 in Kraft, nach der von diesem Zeitpunkt 
ab für dauernde A bm eldungen, die bei Aufgabe des W ohnsitzes auszugeben  waren, 
nur noch die vom Preußischen Statistischen Landesam t gelieferten Vordrucke als 
Lebensm itte labm eldescheine benutzt werden durften. Die Herstellung dieser Lebens-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.