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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Die Verkaufsstellen tätigten wiederholt selbständig Ankäufe von Gemüse usw. 
bei. den Landwirten der Umgebung.
In den 14 Verkaufsstellen wurden beschäftigt 12 Kassiererinnen und 50 Ver­
käuferinnen sowie 3 Hausdiener. Das Büro für die städtischen Verkaufsstellen einschl. Ge­
müseverkaufs und Autoparks stand unter Leitung eines Oberinspektors und beschäftigte 
4 Buchhalter und 3 Buchhalterinnen sowie 22 Bürohilfsarbeiter und 3 Kontrolleure.
in) D ie A u s g a b e  d e r  L e b e n s m i t te lk a r te n .
(Zentralstelle für die Brotkommissionen.)
Als im Februar 1915 die Rationierung des Brotgetreides einsetzte und zu er­
warten war, daß die Zwangsverteilung in allernächster Zeit auf weitere Genußmittel 
und G ebrauchsgegenstände ausgedehnt werden würde, handelte es sich zunächst 
darum, eine gerechte Verteilung der zur Verfügung stehenden Lebensrnittel zu er­
möglichen. Zu diesem Zweck wurden die Bezugskarten eingeführt. In Anbetracht 
des Umfanges der im Kommunalverband Neukölln zu versorgenden Bevölkerung und 
der A usdehnung des Stadtgebietes wurde die Errichtung von Ausgabestellen in den 
einzelnen Ortsteilen erforderlich. Nur auf diese Weise konnte es ermöglicht werden, 
den Bezugsberechtigten schnell und ohne besondere Schwierigkeiten die Karten zu­
zuteilen und über die verausgabten Mengen 'eine genügende Uebersicht zu erzielen. 
Eine Ausgabe an nur einer Stelle für die gesamte Bevölkerung kam nicht in Frage.
Für die Errichtung der Ausgabestellen eigneten sich die in den einzelnen Orts­
teilen gelegenen Schulen insofern, als durch die vorhandenen Schulbezirke bereits 
eine Einteilung des Stadtgebiets bestand und weil andererseits sich die Leiter der 
Schulen bezw. ein Teil des Lehrpersonais auf eine A nregung des Magistrats hin zur 
ehrenamtlichen Uebernahme der mit. der Kartenausgabe verbundenen Arbeiten bereit 
erklärt hatten. Es wurden dem gem äß 17 solcher Stellen eingerichtet und in geeigneten 
Schulräumen untergebracht. Sie erhielten die Bezeichnung „Brotkommission“, da 
zunächst nur Brotkarten in Frage kamen. Die Leitung einer jeden Brotkommission 
war einem Rektor bezw. Lehrer übertragen, dem eine Anzahl Lehrpersonen zur Ver­
fügung gestellt wurde. Je  nach Bedarf wurden ihnen Kräfte aus der städtischen 
Verwaltung zugewiesen.
Aufgabe der Brotkommissionen war es zunächst, die in Berliner Druckereien 
unter Aufsicht des Magistrats Berlin hergestellten Brotkarten auf die einzelnen Häuser 
zu verteilen, so daß sie durch Vermittlung des H auseigentüm ers bezw. Verwalters den 
H aushaltungen zugeführt werden konnten. Zu diesem Zweck wurde auf Grund der 
V erordnung des M agistrats vom 18. Februar 1915 über Abgabe und Entnahm e von 
Brot und Mehl ein Merkblatt für die H ausbesitzer und ihre Stellvertreter unter dem ­
selben Tage herausgegeben, nach dem die Hausbesitzer bezw. ihre Stellvertreter ver­
pflichtet waren, bei der Feststellung der Em pfänger von Brotausweisen und bei der 
Zuteilung der Ausweise (Brotkarten) mitzuwirken. Insbesondere waren sie verpflichtet, 
Hauslisten über die in ihren Häusern vorhandenen Haushaltungen und Haushaltungs­
mitglieder aufzustellen, diese fortlaufend zu berichtigen und die ihnen von den Brot­
kommissionen zugestellten Karten auf die H aushaltungen zu verteilen. Diese 
Bestimmungen wurden später durch die Verordnungen des M agistrats vom 11. März 
bezw. 5. Oktober 1915 und die Anweisung des M agistrats vom 21. Mai 1920 dahin 
ergänzt, daß die Hausbesitzer bezw ihre Stellvertreter verpflichtet waren, die L ebens­
mittelkarten von den Brotkommissionen abzuholen und zur Verteilung zu bringen. In 
welcher Form letzteres geschah, blieb den Hauseigentüm ern bezw. Stellvertretern 
überlassen mit der M aßgabe, daß die Karten den Haushaltungen vor Inkrafttreten zu­
geführt werden mußten, entweder durch Zustellung an die Haushaltungsvorstände oder 
durch Abholung seitens der Mieter.
Die den Hauseigentüm ern bezw. deren Stellvertretern durch diese Verordnungen 
auferlegten Pflichten gingen weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Sie haben viel 
Mühe und Zeit aufwenden müssen, um die ihnen übertragenen Arbeiten zu versehen, 
und nur durch ihre M itwirkung ist es möglich gew esen, das Rationierungssystem in 
einwandfreier Weise zur Durchführung zu bringen.
        
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