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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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gewählten Neuköllner Vertreter auch zugleich der Preisprüfungsstelle Neukölln an­
gehörten. Zur praktischen Durchführung der Preisprüfungstätigkeit wurden in Ueber­
einstimmung mit den Brotkommissionen 17 Kontrollkommissionen gebildet, deren Leiter 
und Mitglieder ehrenamtlich tätig waren. (Näheres siehe unter „Preisprüfungsstelle“.)
Im Oktober/November 1915 mußte die Stadt auch eine Verteilungsstelle für 
P e tro le u m , das besonders für Heimarbeit und Landwirtschaft bestimmt war, einrichten.
Am 9. Dezember 1915 verfügte der Lebensmittelausschuß die Verteilung der 
von der Zentral-Einkaufsgesellschaft überwiesenen R e is m e n g e n  gegen Abstem pelung 
der Brotkarten; es war dies die erste Rationierung von Kolonialwaren in Groß-Berlin.
Im Laufe der Monate Januar bis März 1916 wurden die noch vorhandenen, 
ziemlich umfangreichen Bestände an B re n n h o lz  zum Verkauf geboten. Der Preis betrug 
11 M. je Raummeter für Kiefernklobenholz und 6 M. je Raummeter für Eichenklobenholz.
Infolge der fortgesetzten Inanspruchnahme von Pferden und Fuhrw erk durch 
die Heeresverwaltung war es notwendig, einen A u to p a rk  einzurichten. Im Februar 1916 
wurde der erste Lastwagen gekauft und zunächst der Feuerw ehr angegliedert. Der 
Fuhrpark wurde, allmählich vergrößert, zunächst nach der Feuerw ache II, Kirchhof­
straße, und später nach dem Grundstück Berliner Str. 35/39 verlegt, wo geeignete 
Garagen und Reparaturwerkstätten hergestellt wurden. Der Autopark bestand am 
Schlüsse der Berichtszeit aus 13 Benzin- und 2 elektrischen Lastwagen sowie 4 An­
hängern. Beschäftigt wurden 1 Fahrmeister, 14 Chauffeure und 42 Arbeiter, in der 
Reparaturwerkstatt 1 W erkmeister und 8 Gehilfen. Diesem Autopark der Lebens­
m ittelversorgung waren auch die Personenautos der allgemeinen Verwaltung an­
gegliedert. Der Autopark war zwar ein wirksames Mittel zur Behebung der Transport­
not; wirtschaftlich hat er sich jedoch, hauptsächlich dadurch, daß alte Wagen der 
verschiedensten Systeme gekauft werden mußten, dem Pferdefuhrwerk nicht überlegen 
gezeigt. Für die Lagerung der Betriebsstoffe mußte gemäß den Vorschriften der 
Feuerpolizei im Jahre 1916 am Oberhafen neben der Schleuse ein besonderer Lager­
schuppen errichtet werden. Zur weiteren Behebung der Not an Beförderungsgelegen­
heiten erfolgte etwas später die Einrichtung eiher H a n d w a g e n v e rm ie tu n g s s te l le .
Im Jahre 1917 erreichte die Lebensmittelknappheit ihren Höhepunkt. Das Recht, 
das den Munitionsfabriken eingeräum t war, nämlich Lebensrnittel an ihre Arbeiter in 
den Betrieben zu verteilen, erweckte auch bei den städtischen Arbeitern, Beamten und 
Hilfskräften die gleichen Wünsche. Der Lebensmittelausschuß konnte sich der Sache 
nicht entziehen und beschloß daher, Reste aus Ueberweisungen, für die ein Schlüssel 
zur Verteilung nicht zu finden war, ferner W aren aus freihändigen Ankäufen und unmittel­
baren Ankäufen aus dem Auslande den Antragstellern zum Selbstkostenpreise zur Ver­
fügung zu stellen. In den Kreis der Abnehmer wurden auch die ehrenamtlich tätigen 
M itglieder der Kontrollkommission der Preisprüfungsstelle und die Bezirksvorsteher ein­
bezogen. Die Verteilung an die einzelnen Personen war den Organisationen überlassen.
W ährend dieser Zeit im Jahre 1917 — es kamen besonders die Monate April 
bis Juli in F rage — betrugen die allgemeinen Rationen:
April/M ai 1917 J u n i/J u li 1917
je Kopf und W oche je Kopf und W oche
B r o t .................................. 1 600 g 1 600 g
K a r to f fe ln ...................... 5 Pfund 2 bezw. 1 Pfd. und 400 bezw.
800 g Gebäck als Kartoffelersatz
F le i s c h ............................ 250 g 250 g
Nährmittel (Grieß, Teig­
waren, Haferfabrikate) rund 125 g rund 250 g
Brotaufstrichmittel(Mar-
melade, Kunsthonig,
S y r u p ) ...................... rund 200 g rund 100 g
E i e r ................................. 1 Stück * 1 Stück
F e t te ................................. 50 g  Butter u. 30 g M argarine 50 g Butter u. 30 g  M argarine
Zucker für 1 M onat. . 750 g 750 g
        
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