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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

— 343 —
XII. Kriegswohlfahrts- und Wirtschaftspflege.
A. Allgem eine Kriegswohlfahrtspflege.
D er K riegszustand, der am 2. A ugust 1914 eintrat, hatte  zunächst durch die 
m ilitärischen E inziehungen  die E inste llung  zahlreicher B etriebe und dam it größere 
A rbeitslosigkeit zu r F o lg e ; er brachte ferner durch die V erkehrsstockung und das 
A ufhören der E infuhr K nappheit der Lebensm ittel m it sich und dam it zunehm ende 
T euerung . W eite Kreise, die b isher ruh ig  von ihrer A rbeit gelebt hatten , sahen 
sich plötzlich in eine N otlage versetzt. Durch E rlaß des M inisters des Innern vom 
28. A ugust 1914 w urde daher den G em einden auferlegt, für diese durch den Krieg 
hilfsbedürftig  gew ordenen  P ersonen  K r i e g s w o h l f a h r t s p f l e g e  zu üben, eine F ü r­
sorge, die sow ohl in ihrem  U m fang als auch in ihrem  C harakter sich w esentlich 
über die öffentliche A rm enpflege erheben  sollte.
A ber schon ehe die staatlichen B ehörden sich zu d ieser A nordnung veranlaßt 
fühlten , hatten  die O rgane der S elbstverw altung  rechtzeitig  M aßnahm en zur L inderung  
der allgem einen Not ergriffen. B ereits durch M agistratsbeschluß vom 5. A ugust 1914 
w ar die E rrich tung  einer Zentrale für K riegsw ohlfahrtspflege und einer A nnahm estelle 
für L iebesgaben  g enehm ig t w orden. Bei e iner vom M agistrat für den 14. A ugust 1914 
einberufenen  V ersam m lung von über 100 V ertretern aller N euköllner W ohlfahrts­
e in rich tungen  und V ereine w urde einm ütig  die w eitestgehende U nterstü tzung  der 
Zentrale für K riegsw ohlfahrtspflege zugesagt. Es herrsch te  dam als in allen Be­
völkerungskreisen  eine erhebende Opfer- und G ebefreudigkeit, die sich nicht nur in 
finanzieller B eziehung erschöpfte, sondern  auch viele veranlaßte, ihre ganze P ersön ­
lichkeit unentgeltlich  in den D ienst der A llgem einheit zu stellen, so daß beispielsw eise 
der B etrieb der Z entrale für K riegsw ohlfahrtspflege mit ihren zahlreichen N eben­
einrich tungen  m onatelang  fast ausschließlich mit freiw illigen Helfern aufrechterhalten  
w erden  konnte.
Die städtischen K örperschaften hatten  inzw ischen die E inse tzung  einer K riegs­
notstandskom m ission beschlossen, w elche selbständig  alle M aßnahm en beschließen 
sollte, die sich aus dem  K riegszustand ergaben . Die K riegsnotstandskom m ission 
bildete 3 U nterkom m issionen, S onderausschüsse  genann t. Dem S onderausschuß III 
w urde  als städ tischer D eputation das G ebiet der gesam ten  K riegsw ohlfahrtspflege zur 
B eschlußfassung zugew iesen . Zu diesem  A ufgabenkreis sollte bestim m ungsgem äß 
geh ö ren : die Jugen d fü rso rg e , die insbesondere  durch die verm ehrte  E in rich tung  von 
V olkskindergärten  und K inderhorten gefördert w erden  sollte, die S o rge  für die E r­
nährung , für die es öffentliche S peiseanstalten  zu errichten galt, die W ohnungs­
fürsorge, die G esundheitspflege, die A rbeitslosenfürsorge. D er S onderausschuß  III hielt 
in sgesam t 20 S itzungen  ab. Die bürom äßige B earbeitung  aller d ieser A ufgaben w urde 
der schon  g enann ten  Z entrale für K riegsw ohlfahrtspflege übertragen , w elche bereits 
am 20. A ugust zum  Zwecke der D ezentralisierung  der K riegsw ohlfahrtspflege die ö rt­
liche O rganisation  der W ohlfahrtsausschüsse schuf, durch w elche N eukölln in 8 Bezirke 
geteilt w urde, an deren Spitze je ein aus einem  M agistratsm itgliede, zwei S tad t­
verordneten  sow ie V ertretern von W ohlfahrtseinrich tungen  und Vereinen geb ildeter 
W ohlfahrtsausschuß stand. Die W ohlfahrtsausschüsse w urden zur se lbständigen  
E n tscheidung  über die no tw endigen  U nterstü tzungsm aßnahm en in ihren Bezirken 
erm ächtig t und erhielten  die erforderlichen M ittel von der Zentrale für K riegsw ohl­
fahrtspflege nach Bedarf zugew iesen.
1. K r i e g s - A r b e i t s l o s e n - F ü r s o r g e .
Die L inderung  der N ot der A rbeitslosen w ar die d ringendste  und w ichtigste 
A ufgabe, m it der sich der S onderausschuß  III zu befassen hatte. Die vom  S onder­
ausschuß aufgestellten  G rundsätze  über den Kreis der U nterstü tzungsem pfänger 
w urden bereits zum  1. 10. 14 vereinheitlicht durch B eschlüsse des P rovinziallandtages
        
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