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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Die im m er gerin g er w erdende Zahl der T agespfleglinge, die dadurch bedingt 
w ar, daß die erw erbstätigen  F rauen  infolge K riegsendes und A rbeitsm angels w ieder 
m eh r ihre H äuslichkeit und ihre K inder selbst versorg ten , ferner die ständ ige G efahr 
der E insch leppung  von K rankheiten veranlaßte den M agistrat, die T ageskrippe A nfang 
F eb ru a r 1919 aufzulösen und n u r solche Kinder aufzunehm en, die der Krippe auf 
unbestim m te Zeit zugeführt w urden. Die V ersorgung der K inder in beiden Krippen 
lag  in den B erichtsjahren vom  D iakonie-Verein Zehlendorf gestellten  Schw estern  ob. 
F ü r  ärztliche Aufsicht w ar in beiden Krippen in dem erforderlichen Maße gesorgt.
7. U n t e r b r i n g u n g  v o n  K i n d e r n  i n E r h o l u n g s s t ä t t e n .
Zur A ufnahm e in E rholungsheim en kam en solche K inder in F rage , die infolge 
K rankheit besonderer K räftigung und Pflege un ter ärztlicher Aufsicht bedürfen. Da 
der S tad t e igene  E rho lungsheim e nicht zu r V erfügung stehen, w urden die Kinder 
durch V erm ittlung versch iedener Vereine, wie Verein Lenzheim , Steglitz, Pflegeverein 
Berlin u. a. un tergebrach t. Es fanden A ufnahm e 1914: 165 Kinder, 1915: 192 Kinder, 
1916: 220 Kinder, 1917: 290 Kinder und 1918: 365 Kinder. Die nicht unw esentlichen 
K osten w urden  von der S tadt getragen .
8. L a n d a u f e n t h a l t  f ü r  S t a d t k i n d e r .
Zur H ebung  des G esundheitszustandes der Kinder, der infolge der jahrelangen  
E n tbeh ru n g en  stark  herabgem indert war, e rg ing  im Ja h re  1917 der Ruf, die K inder 
aufs Land zu schicken. Die L andbevölkerung  zeig te  sich diesem  G edanken sehr 
en tgegenkom m end , so daß die K inder freundliche A ufnahm e fanden.
Es w urden  3322 Kinder (1904 K naben und 1418 M ädchen) un tergebracht, und 
zw ar im Kreise A ngerm ünde 546 Kinder, D arkehm en 456 Kinder, Tem plin 376 Kinder, 
S p rem berg  42 Kinder, C rossen 284 Kinder, N augard 323 Kinder, Prenzlau 235 Kinder, 
R um m elsburg  i. Pom . 346 Kinder und in versch iedenen  Kreisen 714 Kinder.
D er A ufenthalt w ährte  etw a 4— 5 M onate. Ein Teil der K inder hatte den L and­
aufen thalt über die üblichen R ückkehrterm ine h inaus fortgesetzt und eine kleinere 
A nzahl ist dauernd  auf dem  L ande verblieben. Mit den K indern w aren auch einige 
Lehrkräfte zur U nterrich tserteilung  en tsand t w orden, so ein L ehrer nach O stpreußen, 
ein L ehrer und zwei L ehrerinnen  in den Kreis A ngerm ünde und zwei L ehrer in die 
Bezirke der katholischen Schulen. F ü r ein ige Bezirke w aren  außerdem  besondere 
A ufsichtspersonen gestellt und zw ar für A ngerm ünde fünf und für P renzlau  zwei.
Die V ersorgung  d er K inder auf dem L ande und ihre B ehandlung  war, w ie die 
A eußerungen  der Kinder, die Berichte der L ehrkräfte und A ufsichtspersonen und 
auch ein ige Inspektionsreisen ergeben  haben , im allgem einen gut. Die M ehrzahl der 
K inder lebte sich auf dem L ande g u t ein und fühlte sich in der neuen U m gebung 
w ohl, obw ohl der U nterschied zw ischen den häuslichen V erhältnissen und den Ver­
hältn issen  der P flegeeltern oft ziem lich groß  war. Vielfach m achten sich die K inder 
nützlich, indem  sie im H ause und in der Landw irtschaft behilflich w aren und nam en t­
lich das Vieh hüteten .
Die Kosten des gesam ten  U nternehm ens w aren  nicht gering, denn es kam en 
n icht n u r die zu zahlenden  Pflegegelder, die F ah rg e ld e r sow ie die E n tschäd igungen  
für die L ehrkräfte und A ufsichtspersonen in B etracht, sondern  auch beträchtliche 
V erw altungskosten. G lücklicherw eise verringerten  sich die Kosten dadurch, daß von 
versch iedenen  Pflegeeltern, nam entlich aber von den größeren  G ütern, ein  Pflegegeld 
nicht beansprucht w urde und insbesondere der V erein „D eutschw ehr“ in dankens­
w erter W eise die unentgeltliche U nterb ringung  der nach O stpreußen en tsand ten  
K inder bew irkt hatte . Die D eckung der Kosten w ar gem äß den m inisteriellen Be­
stim m ungen derart geregelt, daß von den E ltern  ein B eitrag von 50 Pfg. täglich für 
jedes Kind erhoben  w urde. K inder bedürftiger E ltern  erhielten  Freistellen .
        
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