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Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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zuführen. Es war auch die Ansicht vertreten, daß das Kölner System für Berlin 
geeignet erscheine. Ein Mitglied wurde beauftragt, persönlich mit der Reichsregierung 
in Verbindung zu treten, um ihre Stellungnahme zur Einführung einer Arbeitslosen­
versicherung zu ermitteln. Inzwischen hatten die einzelnen Gemeinden zu beraten, 
ob sie sich einer bezüglichen Groß-Berliner Einrichtung anschließen würden.
Die in Neukölln am 11. Mai 1917 zu diesem Zwecke zusammengetretene 
Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit beschloß, mit Berlin die neuerdings 
eingeleiteten Verhandlungen auf der Grundlage des Systems der Kölner Versicherungs­
kasse — jedoch unter Abänderung der Einzelbestimmungen, wie sie Groß-Berliner 
Verhältnisse bedingten — fortzuführen. Diese Festlegung erfuhr unter dem 16. Mai 1917 
die Billigung des Magistrats; er beschloß als ergänzende Maßnahme in Verbindung mit 
Berlin vorerst nochmals die reichsgesetzliche Regelung anzustreben.
Auf unser Schreiben vom Juli 1917 teilte der Berliner Magistrat mit, der Aus­
schuß des Reichstages für Handel und Gewerbe wirke bereits dahin, daß während 
der Zeit der Gebergangswirtschaft eine Arbeitslosenunterstützung aus Reichsmitteln 
nach bestimmten Grundsätzen gewährt werde. In der Annahme, daß das Plenum 
diesem Beschlusse seines Ausschusses beitreten werde, hielt seinerzeit Berlin eine 
Erörterung der Gemeinden Groß-Berlins für sich über Durchführung einer „Arbeits­
losenversicherung im gemeinschaftlichen Wirtschaftsgebiet nach Friedensschluß“ nicht 
für angebracht.
Im Einverständnis mit der Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit er­
suchte darauf der hiesige Magistrat Berlin im September 1917 mit Rücksicht auf die 
inzwischen im Reiche erfolgte Neuorientierung, unter eingehender schriftlicher Darlegung 
der Verhältnisse im Namen der Groß-Berliner Gemeinden bei dem neu gegründeten 
Reichswirtschaftsamt dahin vorstellig zu werden, daß die Arbeitslosenversicherung auch 
nach der Gebergangsperiode auf das Reich übernommen und mit den Vorarbeiten 
sogleich begonnen werde. Im November 1917 erwiderte Berlin, daß der Staatssekretär 
des Reichswirtschaftsamtes beabsichtige, demnächst eine Konferenz von Arbeitgeber- 
bezw. Arbeitnehmervertretern sowie von Behörden und sonst in Frage kommenden 
Körperschaften einzuberufen zwecks Erörterung aller in Angriff zu nehmender sozial­
politischer Aufgaben. Dabei sollte auch die Frage der Arbeitslosenfürsorge nach 
Friedensschluß wie auch die etwaige Errichtung einer dauernden Arbeitslosenver­
sicherung behandelt werden. Berlin halte es danach für zweckmäßig, diese Verhand­
lungen, an denen auch die Verwaltungen der Städte und Industriezentren beteiligt 
würden, abzuwarten, ehe von den Groß-Berliner Gemeinden erneut zur Frage der 
Arbeitslosenversicherung Stellung zu nehmen sei.
Es vergingen 3 Monate, bevor sich die maßgebenden Kreise abermals mit der 
vielbesprochenen Frage befassen konnten. In einer Zusammenkunft von Vertretern 
Berlins und der größeren Vororte, welche Februar 1918 stattfand, drang die Auffassung 
durch, daß für die Gebergangszeit nur eine Arbeitslosenunterstützung, geschaffen unter 
erheblicher Beitragsleistung seitens des Reichs und der Staaten, in Frage kommen 
könne. Die Konferenz war sich darüber einig, daß die Besprechung nur einen all­
gemeinen Meinungsaustausch, nicht aber schon die Feststellung bestimmter Vorschläge 
bezwecken sollte. Die Weiterbehandlung der einschlägigen Fragen wurde einer 
siebengliederigen Kommission übertragen. Bis zur Einleitung von Waffenstillstands­
verhandlungen und Eintritt der Staatsumwälzung waren nennenswerte Ergebnisse der 
Verhandlungen nicht an den Tag getreten.
Schließlich wurden auf Grund von Beschlüssen, die in gemeinschaftlicher Sitzung 
der Gewerbedeputation und der Kommission zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit 
gefaßt wurden, im November 1918 von der Stadt zur Einschränkung der mit der 
bereits beginnenden Demobilmachung äußerst stark anschwellenden Arbeitslosigkeit 
die Anhöhung von Straßen, der Bau der Fernheizung des Rathauses sowie der Bau 
von Brücken usw. als sofort in Angriff zu nehmende Notstandsarbeiten angeordnet.
Der auf S. 236 des Verwaltungsberichts für 1912/13 erwähnte Vertrag der Stadt­
gemeinde mit dem „Verein für soziale Kolonisation Deutschlands“ über Beschäftigung 
Neuköllner Erwerbsloser auf seinen kulturfähigen Oedländereien erwies sich alsbald
        
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