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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Es wurden besonders jugendliche Stellen nur zur Hälfte besetzt, dagegen zahlreiche 
Aushilfsarbeiten durch Erwachsene völlig gedeckt. Bei Einführung der Erwerbslosen­
fürsorge stieg die Arbeitslosenzahl vom 26. 11. ab von ca. 400 auf ca. 2000 und im 
Dezember auf ca. 6300. Die Vermittlung offener Stellen verdoppelte sich bis zum 
Schluß des Berichtsjahres.
Bei der weiblichen Abteilung stieg im Vergleich zum Vorjahre die Vermittlung 
von Dienstboten. Dem monatlichen Angebot von Fabrikarbeiterinnen entsprach die 
gleiche Anzahl neuer Arbeitsuchender. Aufwarte- und Waschstellen hielten sich auf 
gleicher Höhe und wurden sämtlich besetzt. Im Dezember vergrößerte sich die Anzahl 
der weiblichen Erwerbslosen infolge der plötzlichen Einstellung der meisten Fabrik­
betriebe von 1400 auf 4600.
Die Verlegung der weiblichen Abteilung nach der Berliner Str. 93 Ecke Reuterstr. 
erfolgte am 1. 7. 1914. Die in der Isarstr. 12 dadurch freigewordenen Vermittlungs­
räume wurden teils vom männlichen Arbeitsnachweis, teils von der Rechtsauskunft­
stelle, die bis zum 1.7. 1917 in demselben Hause untergebracht war, benutzt. Nach W eg­
zug der Rechtsauskunftstelle benutzte der männliche Arbeitsnachweis teilweise auch 
deren Räume. Infolge der Beendigung des Krieges hatte der Geschäftsbetrieb in beiden 
Abteilungen des Arbeitsnachweises einen derartigen Umfang angenommen, daß die 
Vermittlungsräume wieder nicht ausreichten und sofortige Abhilfe erforderlich wurde. 
Die männliche Abteilung bezog daher die Turnhalle in der Mahlower Str. 29-30. In 
der weiblichen Abteilung wurde eine Teilung vorgenommen. Die abgezweigte Abteilung 
zur Vermittlung gewerblicher Arbeiterinnen wurde in den alten Räumen des männlichen 
Arbeitsnachweises, Isarstr. 12, untergebracht, während in der Berliner Str. 93 nur noch 
Haus- und kaufmännisches Personal vermittelt wird.
Der im Laufe der Jahre, namentlich nach Beendigung des Krieges immer stärker 
zunehm ende Geschäftsverkehr bedingte auch in allen Abteilungen eine Verstärkung 
des Personals. Am Ende des Berichtsjahres 1918 waren in den einzelnen Abtei­
lungen tätig: in  d e r  m än n l. A b te i lu n g  2 Beamte, 6 Hilfskräfte, in  d e r  w e ib l. 
A b te i lu n g  I s a r s t r .  1 Leiterin, 3 Hilfskräfte, in  d e r  w e ib l. A b te i lu n g  R e u te r s t r .  
1 Leiterin, 3 Hilfskräfte.
Die Vermittlungszeiten waren wie folgt festgesetzt:
M ä n n lic h e  A b te i lu n g :  Vom 1. 4. 1914 bis 25. 11. 1918 für ungelernte Arbeiter 
von 8 — 11 Uhr und von 2 —3 Uhr; für gelernte Arbeiter von 11— 1 Uhr und von 
2—3 Uhr; für jugendliche Arbeiter von 8 —9 l/s Uhr und von 11— 12 Uhr; vom 25. 11. 1918 
bis 1. 12. 1919 für alle männlichen Personen von 8— 1 Uhr; vom 1. 12. 1919 ab wurden 
Erwachsene von 8 —12 Uhr und Jugendliche von 12—1 Uhr vermittelt.
W e i b l i c h e  A b t e i l u n g :  Vom 1. 4. bis 1. 7. 1914 für alle weiblichen Personen 
von 9— 12 Uhr und von 3—7 Uhr; Sonnabends bis 6 Uhr; vom 1. 7. 1914 bis 25. 11. 1918 
für Hauspersonal von 8— 10 Uhr und von 4—6 Uhr, für Fabrikpersonal von 10—12 Uhr 
und von 3 4 Uhr, für kaufmännisches Personal von 10—12 Uhr und von 3—6 Uhr; 
nach dem 25. 11. 1918 für alle weiblichen Personen von 8 — 1 Uhr.
Zur besseren W ahrung der gemeinschaftlichen Interessen der im Verbände 
M ärkischer Arbeitsnachweise vereinigten Groß-Berliner Gemeinden wurde im Verbände 
ein besonderer Ausschuß gebildet. Diese M aßnahme war jedoch nur eine Ueberleitung 
zur Schaffung einer von der Provinz unabhängigen Organisation, welche im Oktober 1918 
als „Ausschuß Groß-Berliner Arbeitsnachweise“ ins Leben gerufen wurde. Im Anschluß 
hieran, am 1. Februar 1919, erfolgte die Errichtung einer besonderen Zentralauskunft­
stelle für Groß-Berlin. Die Groß-Berliner Gemeinden schieden hiermit auch aus der 
Zentralauskunftstelle der Arbeitsnachweise für Berlin und die Provinz Brandenburg 
aus. Die Lösung der organischen Verbindung mit der Provinz w ar hiermit vollkommen 
durchgeführt.
Die nachstehende Uebersicht gibt ein Bild über die Inanspruchnahm e des 
Arbeitsnachweises in den Rechnungsjahren 1914 bis 1918. Die Zahlen für die 
einzelnen M onate sind in den Halbjahresberichten des Statistischen Amtes veröffentlicht.
        
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