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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  301 —
4. S t a d t  bad.
In den Jahren 1912/1913 hatten die städtischen Körperschaften die Errichtung 
einer Bade- und Schwimmanstalt auf einem städtischen Grundstück an der Ganghofer­
straße beschlossen und für diesen Zweck rund 1 900 000 M. bereitgestellt. W ährend 
der Jahre 1912/1913 war der Bau soweit gefördert worden, daß am 10. Mai 1914 die 
feierliche Weihe und nach dieser die Inbetriebnahme des Stadtbades erfolgen konnte. 
Ueber die bauliche Einrichtung sind bereits im letzten Verwaltungsbericht für 1912/13 
auf S. 149 -152 ausführliche Angaben mitgeteilt worden.
Das neue „Stadtbad Neukölln“, welches getrennte Abteilungen für Schwimm-, 
Wannen-, Brause- und Heilbäder für Männer und Frauen enthält und gleichzeitig 
Raum für etwa 500 Badende bietet, war nach seiner Eröffnung zunächst außer­
ordentlich gut besucht. Es w ar dies ein deutliches Zeichen dafür, daß die Erbauung 
des Stadtbades einem dringenden Bedürfnis entsprochen hat.
Außerordentlich nachteilig und störend wirkte jedoch der Beginn des Krieges 
auf den jungen Betrieb des Stadtbades ein. W ährend nämlich die Besucherzahl im 
August in der Regel derjenigen des Juli gleichkommt, fiel sie von 77 741 im Juli 
auf 38 536 im August zurück und nur nach und nach fanden sich die Bewohner 
Neuköllns zur Benutzung ihres Stadtbades wieder ein. Erfreulicherweise wurde im 
Frühjahr und Sommer 1915 festgestellt, daß die Besucherzahl sich wieder merklich 
hob; es konnte daher von dem Schließen einzelner Abteilungen, wie es zur Minderung 
der Unkosten mehrere Male erwogen wurde, Abstand genommen werden. W ährend 
der ersten neun Monate des Betriebsjahres 1916 hielt sich der Besuch des Stadtbades, 
trotz des regnerischen und kühlen Sommers, auf der Höhe des Vorjahres, dagegen 
fand, hervorgerufen durch die äußerst strenge und anhaltende Kälte in den Monaten 
Januar, Februar und März 1917 ein im Verhältnis zur Jahresbesucherzahl geringer 
Rückgang der Benutzung statt (1916: 86629; 1915: 99 329).
W ährend die übrigen städtischen Badeanstalten in Berlin, Charlottenburg und 
Steglitz wegen Kohlenmangels während dieser Monate ihre Tore schließen mußten, 
konnten infolge der sehr zweckmäßig eingerichteten W arm wasserversorgung im Stadt­
bad Neukölln sämtliche Abteilungen in Betrieb erhalten bleiben. Wegen der durch 
den Krieg bedingten wirtschaftlichen Lage mußte im Jahre 1917 mit einer erheblichen 
Steigerung der für das Stadtbad erforderlichen Betriebskosten gerechnet w erden; es 
wurden daher mit Beginn des Rechnungsjahres 1917 und später nochmals im 
Januar 1918 die sämtlichen Bäderpreise jedesmal um 10 Proz. erhöht. Trotz dieser 
Preiserhöhungen stieg die Besucherzahl im Jahre 1917 gegen das Vorjahr um rund 
150000. Günstig für den Besuch der Anstalt war der heiße Sommer und der Umstand, 
daß die Schwimmhallen in Berlin, Charlottenburg und Steglitz auch in diesem Jahre 
wegen Kohlenmangels geschlossen blieben.
Aus dem gleichen Grunde wie im Jahre 1917 beschlossen die städtischen 
Körperschaften 1918 wiederum eine weitere Bäderpreiserhöhung, von der nur die 
Schwimmbäder ausgenomm en wurden. Trotz dieser Preiserhöhung und des verhältnis­
mäßig kühlen Sommers stieg die Gesamtbesucherzahl weiter um rund 60000. Die 
Schwimmhallen der Anstalten in Berlin, Charlottenburg und Steglitz blieben auch 
1918 geschlossen.
Da mit Beginn des Krieges über die Hälfte der männlichen Angestellten zu den 
Fahnen einberufen wurde, ein guter Ersatz für sie aber nur sehr schwer zu bekommen 
war, sah sich die Verwaltung des Stadtbades gezwungen, an geeigneten Stellen in 
den M ännerabteilungen weibliches Personal zu beschäftigen. Wenngleich auch in den 
Jahren  1915/18 die E rlangung geeigneten Personals immer schwieriger wurde, so 
gelang es dennoch, den Betrieb in allen Abteilungen ohne Unterbrechung aufrecht 
zu erhalten.
Im November 1918 kehrten mit der Auflösung des Heeres nach und nach die 
eingezogenen Angestellten zu ihrer alten Arbeitsstätte zurück und die bisher an ihrer 
Stelle beschäftigten Frauen schieden damit wieder aus.
        
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