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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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von Spargeldern, so daß die Rückzahlungen die Einzahlungen überstiegen. Auch im 
vorhergehenden M onat Juli 1914, der kritischen Zeit vor dem Kriege, hatten die Ab­
hebungen eine beträchtliche Höhe erreicht. Im Monat Septem ber aber war bereits 
wieder ein Ausgleich hergestellt, die Einzahlungen überwogen die Abhebungen in 
normaler Weise und das O esam tguthaben begann wieder zu steigen. In die beiden 
folgenden Monate Oktober und November 1914 fielen die Einzahlungsterm ine für die 
1. Kriegsanleihe. Die Rückwirkung dieser ersten, wie auch der späteren Anleihen, 
äußerte sich in der Weise, daß im M onat der Anleihebegebung der Betrag der E in­
zahlungen sank und der der Rückzahlungen sich stark erhöhte. In dem jeweils
darauffolgenden Monat halten sich dann die Rückzahlungen in normalen Grenzen, 
während die Einzahlungen weiter sinken oder sich doch nicht vermehren. Nur die
6. Kriegsanleihe verursachte keine Verringerung der Einzahlungen.
Die außergewöhnlich starke Steigerung der Einlagen begann im Dezember 1917 
und im Januar 1918. Auch das Ende des Krieges und die Revolution sind ohne 
merkbare W irkungen geblieben. Die Abnahme der Einzahlungen und die Verm ehrung 
der Abhebungen im November 1918 hängen wohl hauptsächlich mit der letzten Kriegs­
anleihe zusammen.
Eine aufmerksame Betrachtung der Höhe der monatlichen Ein- und Auszahlungen 
läßt weiter in ihnen eine gewisse Regelmäßigkeit erkennen. Die Höhe der Ein­
zahlungen wechselt ziemlich regelmäßig in einem dreim onatigen Turnus, der mit den 
Monaten Februar, Mai, August und November beginnt, in denen die Einzahlungen 
am niedrigsten zu sein pflegen. In den jeweils folgenden M onaten steigt dann die
Höhe der Einlagen und in den Monaten April, Juli, Oktober und Januar erreichen
sie ihren höchsten Stand. Besonders stark ausgeprägt ist die Höhe der Einzahlungen 
im Monat Januar. Diese Regelmäßigkeit läßt sich selbst in den Kriegsmonaten ver­
folgen, wenn auch in diesen die Höhe der Ein- und Rückzahlungen wesentlich von 
der fortschreitend günstigen Lohnkonjunktur und vor allem von den Kriegsanleihen 
beeinflußt wird. Eine Erklärung für diese Erscheinung ist nicht schwer zu finden. 
Zu Beginn eines jeden Vierteljahres fließen den Benutzern der Sparkasse, die sich in 
der Hauptsache aus Arbeitern, kleinen Kaufleuten, Gewerbetreibenden, Beamten usw. 
zusam m ensetzen, vielfach höhere Einnahm en aus Lohnzahlungen, Rechnungs­
begleichungen usw. zu, die dann zur Sparkasse wandern. W ürde man die Ein­
zahlungen und Abhebungen nach einzelnen W ochen oder Tagen gliedern können, 
so würde sich wahrscheinlich innerhalb eines jeden Monats das gleiche Bild ergeben: 
höhere Einzahlungen zu Beginn des M onats und höhere Rückzahlungen gegen 
dessen Ende.
Die Zahl der in der Berichtszeit ausgegebenen H e i m s p a r b ü c h s e n  betrug 
2000 Stück. Es wurden in den 5 Jahren 1914 bis 1918: 950, 527, 612, 575 und 
200 Entleerungen vorgenommen, die Beträge von 42870.24 M., 24137.86 M., 25151.58 M., 
31 964.29 M. und 9 898.61 M. ergaben.
Von der Einrichtung der A u f b e w a h r u n g  v o n  S p a r b ü c h e r n  gegen eine 
jährliche Gebühr von 0.50 M. wurde in steigendem Umfang Gebrauch gemacht. Es 
fanden 1914 bis 1918 neue Hinterlegungen s ta tt: 768, 694, 733, 849 und 593, während 
in der gleichen Zeit 412, 268, 347, 279 und 388 Rückgaben von Sparbüchern erfolgten. 
Insgesamt waren Sparbücher hinterlegt: am Ende des Jahres 1913: 2214, 1914: 2570, 
1915: 2996, 1916: 3382, 1917: 3952 und 1918: 4157.
Die Zunahme des Sparverkehrs veranlaßte die Einrichtung einer 3. Z w e i g s t e l l e ,  
die am 1. Oktober 1917 im Hause Hasenheide 61 62 am Kaiser-Friedrich-Platz 
eröffnet wurde. Ueber den Verkehr bei den drei Zweigstellen gibt Uebersicht 3 
Auskunft.
Von den zu Beginn der Berichtszeit vorhandenen 13 S p a r k a s s e n n e b e n s t e l l e n  
mußten drei wegen Einberufung ihres Verwalters geschlossen werden. Die Ein­
zahlungen bei diesen Nebenstellen bezifferten sich 1914 auf 265 130.66 M., 1915 auf 
288 509.72 M., 1916 auf 336 428.06 M., 1917 auf 455 286.61 M. und 1918 auf
528 029.55 M. Also auch diese Nebenstellen erfreuten sich, wie die Zweigstellen, 
einer steigenden Inanspruchnahme.
        
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