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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Das Depositengeschäft sowie die Bewegungen auf den Scheck- und Sparkonteti 
waren sehr lebhaft und die Gesamtumsätze erreichten die Höhe von 1V« Milliarden Mark.
Trotz der bereits erwähnten Geldflüssigkeit bot die nutzbringende Anlegung 
der zur Verfügung stehenden Gelder keine erheblichen Schwierigkeiten. Es fanden 
sich gute Abnehmer in den größeren Kommunalverbänden und Banken. Das Banken­
konto weist denn auch einen Bestand von rund 14 851 000 M. gegen 9 267 000 M. 
Ende 1917 auf.
Personalkredit wurde im allgemeinen von der Einwohnerschaft wenig begehrt, 
was auf die guten Verdienstmöglichkeiten fast aller Bevölkerungsschichten und auch 
darauf zurückzuführen ist, daß die Gewerbetreibenden, insbesondere die Bauhandwerker, 
mit ihrem Betrieb infolge Mangels an Rohstoffen vollständig stillgelegt sind.
Im Effektenverkehr war das Geschäft sehr lebhaft, insbesondere handelte es sich 
dabei um den "An- und Verkauf der deutschen Kriegsanleihen für fremde Rechnung.
Der eigene Effekten bestand stieg auf 4657000 M. Hierin sind die auf Grund 
des abgeschlossenen Fusionsvertrages vom Neuköllner Bankverein e. G. m. b. H. über­
nommenen W ertpapiere von rund 1310000 M. enthalten. An der Zeichnung auf die 
8. und 9. Kriegsanleihe beteiligte sich die Stadtbank mit je 1 Million Mark. Da die 
Zeichnungen der Kundschaft zurückgingen, wurden von diesen beiden Millionen 
rund 1 Million Mark für eigene Rechnung übernommen. Infolge des für unser 
Vaterland unglücklichen Verlaufs des Krieges haben die Kriegsanleihen leider eine 
beträchtliche Kurseinbuße erlitten. Diese Kurseinbuße soll durch alljährliche Ab­
schreibungen ausgeglichen werden; hiermit ist bereits im Berichtsjahre der Anfang 
gemacht worden.
Die geschäftlichen Beziehungen zwischen dem Neuköllner Bankverein und der 
Neuköllner Stadtbank wickeln sich nach Maßgabe des zwischen beiden Instituten 
abgeschlossenen Vertrages ab. Im laufenden Jahre sind bereits die sämtlichen W ert­
papiere sowie der Verkehr aus den Kontokorrentkonten auf die Neuköllner Stadtbank 
übernommen. Demzufolge weist auch das Uebernahmekonto nur einen Bestand von 
6826000 M. gegen 8161000 M. im Vorjahre auf.
Durch das mit 29719.69 M. ausgeführte Grundstückskonto wird der W ert eines 
im W ege der Zwangsversteigerung erworbenen unbebauten Grundstücks in Adlershof 
nachgewiesen. An diesem Grundstück war der Neuköllner Bankverein mit einer 
Hypothek beteiligt. Um sie nicht ausfallen zu lassen und um bei der Beendigung 
der Liquidation des Neuköllner Bankvereins erneute Kosten durch eine Besitz­
übernahm e zu ersparen, erfolgte der Ankauf für Rechnung der Stadtbank. Der 
Grundstückswert deckt den hierfür eingestellten Betrag.
In gleicher Weise erklärt sich der Bestand des Hypothekenkontos mit 126500 M. 
Hier handelt es sich um Restkaufgeldhypotheken aus den vom Neuköllner Bankverein 
im abgelaufenen Jahre getätigten Grundstücksverkäufen.
Die Erw eiterung des Geschäftsbetriebes wurde nach verschiedenen Richtungen 
hin in die Wege geleitet. So erfolgte am 1. Oktober 1918 im Hause Neukölln, 
Hermannstr. 212 die Eröffnung einer Depositenkasse. Diese hat sich so günstig 
entwickelt, daß sie bereits in der kurzen Zeit vom Oktober bis Ende Dezember 1918 
rund 600000 M. Ueberschuß an flüssigen Geldern abliefern konnte. Die guten 
Erfahrungen geben Veranlassung, auf diesem Gebiete fortzufahren, und es werden 
daher im Jahre 1919 weitere Filialen errichtet werden. Auch die Eröffnung von 
Zweigniederlassungen an fremden Plätzen wurde sehr lebhaft erörtert. Die Verhand­
lungen führten dazu, daß mit dem 1. April 1919 eine solche in Luckau (Lausitz) 
errichtet wurde. Dieser Platz schien mit Rücksicht auf die vielen Beziehungen, die 
zwischen der Einwohnerschaft der Stadt Luckau und dem der Stadt Neukölln gehörigen 
Braunkohlenbergwerk und Rittergut Bornsdorf bei Luckau sowie durch den Betrieb 
verschiedener Ziegeleien bereits bestehen, für das Vorhaben besonders günstig.
Die ungeahnte Erw eiterung und A usdehnung des Gesamtbetriebes hat aber auch 
zur Folge gehabt, daß die vorhandenen Geschäftsräume im Hause Bergstr. 1 schon 
jetzt völlig unzureichend sind und für eine zweckentsprechende Unterbringung des 
Instituts gesorgt werden muß, wenn seine Entwicklung nicht gehemm t werden soll.
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