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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Durch Ankauf des Grundstückes in der Herinannstraße 29, durchgehend nach 
der Fontanestraße 30, im Herbst des Jahres 1917 konnten die früher als Malzfabrik 
benutzten großen Lagerräume dieser Gebäude für ein Ko lon ia lw a re n la g e r  aus­
genutzt werden. Hierdurch wurde einerseits eine wesentlich bessere Versorgung der 
Stadtbevölkerung erreicht, andererseits konnten auch die räumlich unzulänglich ge­
wordenen Verhältnisse auf dem Grundstück der Eiswerke erheblich verbessert werden, 
ln einem anderen Teil des Gebäudes wurde eine G em üse t rocknung  eingebaut, 
um die nicht geringen Mengen des frischen Gemüses vor dem Verderben zu schützen 
und später der Bevölkerung wieder zuzuführen. Auch für die F u t t e r m i t t e l ­
be re i t ung  war der Ankauf des Grundstücks von großem Vorteil, denn große Räume 
im Keller und in zwei Obergeschossen konnten diesem Zweig der Kriegswirtschaft 
nunmehr zur alleinigen Verfügung überlassen werden. Die Tiefkeller der ehemaligen 
Malzfabrik ermöglichten es weiter, hier eine Sau e rko h l fab r ik  größeren Umfanges 
einzurichten. Schließlich blieb in den vorhandenen Gebäuden immer noch Raum für 
eine M arme laden fab r ik  übrig, die es ermöglichte, den größten Teil des Bedarfs der 
Stadtbevölkerung durch Herstellung im Eigenbetrieb zu decken. M it den baulichen 
Ausführungen zur Durchführung dieser Maßnahmen wurde sofort nach Ankauf des 
Grundstücks begonnen. Zunächst erstand ein neues Kessellhaus zur Aufnahme eines 
Hochdruckdampfkessels. Da aber vorauszusehen war, daß ein Kessel für das aus­
gebaute Lebens- und F u t te rm i t te lw e rk  nicht ausreichen würde, wurde das Kessel­
haus gleich so groß angelegt, daß ein zweiter Dampfkessel Aufstellung finden konnte. 
Es folgte sodann der Bau eines offenen Schuppens von rd. 300 qm Grundfläche zur 
Lagerung von Kohlen und Fastagen. Der Bau des Kesselhauses und die Aufstellung 
des ersten Dampfkessels wurden so beschleunigt, daß schon im Frühjahr 1918 beim 
Eintreffen des Frühgemüses der Dampf für die Gemüsetrocknung zur Verfügung stand. 
Die Maschinen für die Gemüsetrocknung, bestehend aus den in ausreichendem Maße 
beschafften Vorbereitungsmaschinen und vier großen Schildetrocknern, gelangten gleich­
zeitig mit dem Dampfkessel zur Aufstellung. Zur Einrichtung des Kolonialwarenlagers 
waren ebenfalls verschiedene bauliche Aenderungen, die Anlage mehrerer Treppen, 
der Einbau von Büroräumen und einer Ausgabestelle und schließlich die Ausführung 
eines elektrisch betriebenen Lastenaufzuges erforderlich. Für die Futtermittelbereitung 
waren inzwischen ein großer Trommeltrockner, eine Mahl- und Sichtanlage und zwei 
große Mischtrommeln angeschafft und aufgestellt. Der Trommeltrockner besaß eine 
eigene Koksfeuerung. Diese wurde in einem besonderen Gebäude im Anschluß an 
das Kesselhaus untergebracht. Gleichzeitig mit der Errichtung dieses Gebäudes wurde 
auch das Kesselhaus einem teilweisen Umbau unterzogen, da der vorhandene Kessel 
— ein alt gekaufter — kaum noch imstande war, den Bedarf an Dampf für die in­
zwischen in Betrieb gesetzte Gemüsetrocknung zu decken. Beim Eintreffen der ersten 
Obstlieferungen sollte aber auch die Marmeladenfabrik mit Dampf versorgt werden; 
es war daher ein neuer Siederohrkessel in Bestellung gegeben worden, für dessen 
Einbau die Höhe des Kesselhauses nicht mehr ausreichte; es mußte daher eine teil­
weise Erhöhung des Kesselhauses durchgeführt werden. Einige bauliche Aenderungen 
für die Einrichtung der Büroräume und die Unterbringung des recht zahlreichen 
Personals wurden mit den anderen Arbeiten zur Ausführung gebracht. Für den 
umfangreichen Betrieb der Marmeladenfabrik genügten die zuerst vorgesehenen Räume 
nicht mehr, es mußten infolgedessen die Räume der alten Malzdarren der Marmeladen­
fabrik zur Verfügung gestellt werden, wo zwei neue große Vakuumkessel zur Auf­
stellung gelangten. Um den nach der Hermannstraße zu belegenen Hof von dem 
starken Wagenverkehr zu entlasten, wurde die Zufahrt von der Fontanestraße aus 
befestigt und ein neuer elektrisch betriebener Lastenaufzug für den Zu- und Abgang 
aus dem Futtermittelwerk hergestellt. Alle diese Ausführungen verlangten recht 
bedeutende Anlagen für die Be- und Entwässerung sowie für die elektrische Kraft- 
versorgung und Beleuchtung. Für einige neu angelegte Büro- und Unterkunftsräume 
wurde eine Dampfheizung zur Ausführung gebracht, während in allen alten Büro­
räumen die vorhandene Ofenheizung belassen wurde.
Zur Versorgung der auf den Transporten zu den Kriegsschauplätzen auf der
        
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