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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Nach der A usdehnung  der Rationierung auf w eitere N ahrungsm ittel m ußten auch 
hier Kolonialwaren-, Mehl- und dergl. -lagerflächen geschaffen w erden Raum hierfür 
fand sich in den E ishäusern , und eine E rw eiterung  w urde durch E inbau von zwei 
Zw ischendecken im östlichen Teil des großen E islagerhauses geschaffen. Da auch 
diese Lagerflächen noch nicht ausreichten, m ußte das ehem alige kleine E islagerhaus 
für die A ufspeicherung von Kartoffeln um gebaut w erden. Das G ebäude erhielt einen 
m assiven Fußboden  und eine m assive Zw ischendecke und w urde ebenso w ie die 
östliche Hälfte des großen E islagerhauses mit einem elektrisch betriebenen L asten­
aufzug ausgerüstet. Die auf dem G rundstücke der Eisw erke vorzunehm ende H erings­
verteilung an die K leinhändler m achte es erforderlich, daß auch für diesen Zw eig der 
städtischen Kriegsw irtschaft Räume geschaffen w urden, die w enigstens der gelieferten 
W are Schutz vor d irekter S onnenbestrah lung  gew ährte und es erm öglichte, daß das 
V erteilungsgeschäft selbst im Trockenen abgew ickelt w erden konnte. H ierzu w urde 
an der östlichen G renze des G rundstücks im Anschluß an das kleine E islagerhaus 
ein großer, an drei Seiten offener Schuppen von ungefähr 800 qm G rundfläche e r­
richtet, der später teilw eise ganz geschlossen w urde, um die von außerhalb  gelieferte 
M arm elade aufzunehm en. Die Zustände, die sich beim Schlachten des der S tad t­
gem einde überw iesenen Viehs in den privaten Schlachthäusern  N euköllns im Laufe 
der Zeit entw ickelt hatten, führten aus Sparsam keits- und hygienischen R ücksichten 
dazu, den ganzen Schlachtbetrieb in die eigene V erw altung zu übernehm en. Das 
V orhandensein der Kühl- und G efrieranlage auf dem E isw erk und der inzw ischen 
ausgeführte  A nschluß des G rundstücks an das H afenzw eiggleis ließen die E rrich tung  
eines provisorischen Schlachthauses, in dem täglich etw a 100 Stück Rindvieh g e ­
schlachtet w erden konnten, auf dem E isw erksgrundstück ratsam  erscheinen. Die zu ­
gehörigen  S tallungen  sollten die M öglichkeit bieten, etw a 220—240 Stück Rindvieh 
unterstellen zu können. Das G ebäude w urde in Fachw erksbau mit e iner großen, 
m odern eingerich teten  Schlachthalle für Großvieh und einer kleineren für Kälber und 
H am m el mit den erforderlichen N ebenräum en für den T ierarzt, die S chlächterm eister 
und -G esellen, e iner B rausebadeinrichtung und einem  Trockenraum  für die von den 
G esellen w ährend  des Schlachtbetriebes benutzten  K leidungsstücke eingerichtet. F ü r 
die U nterb ringung  des Schlachtviehes w urde ein G ebäude mit vier S tallungen, die 
nötigen Futterkam m ern , Räum e für Kehricht und Abfälle sow ie ein Raum für H äute 
und Felle  errichtet. E ine besondere T ransportbahn, auf w elcher die zerteilten  Tiere 
auf e igens konstru ierten  Laufkatzen befördert w erden können, dient zur V erb indung 
der Schlachthalle  mit den K ühlräum en, so daß das Fleisch ohne Schw ierigkeiten  
dorth in  überführt w erden konnte. Die K ühlräum e m ußten eine aberm alige Ver­
g rö ß eru n g  erfahren. Ein neu aufgestellter Luftkühler versah die Räum e mit der e r­
forderlichen Kälte. Das Schlachthaus sowie die S tallungen  w urden  an die städtische 
A bw asserkanalisation und an das elektrische B eleuchtungsnetz angeschlossen . G leich­
zeitig  erhielt das Schlachthaus eine Kalt- und W arm w asserversorgung. Der B etrieb 
hat später gezeigt, daß die geschaffenen E inrichtungen den anfangs gestellten
A nsprüchen vollkom m en genüg ten . W ar es doch m öglich , in Zeiten starker
B elieferung mit Schlachtvieh 180 und m ehr R inder täglich zu schlachten. Bei der 
gew altig  geste igerten  Inanspruchnahm e des Schlachthauses und der K ühlräum e, 
die zeitw eise auch w ieder G efrierzwecken dienen m ußten, w ar es der kleinen,
anfangs neu aufgestellten Kältem aschine nicht m ehr m öglich, den Kältebedarf allein 
zu decken. M an m ußte infolgedessen die beiden vorhandenen  K ältem aschinen, 
die früher nur der E isbereitung  dienten, um bauen und mit der K ältem aschine
für die K ühlräum e kom binieren. Das alte vorhandene Prinzip der K ältelieferung 
durch Schw efelsäure w urde hierbei aufgegeben  und das A m m oniak als K ältem edium  
eingeführt.
Zwecks U nterbringung des F r i s c h g e m ü s e s  zur V ersorgung  der B evölkerung 
w urde auf dem  unm ittelbar neben dem G rundstück der E isw erke an der M ierstraße 
gelegenen , ebenfalls in städtischen H änden befindlichen G rundstück  im Ja h re  1917 ein 
Fachw erkschuppen  von rd. 1600 qm G rundfläche errichtet. Der Schuppen w urde, um 
ihn besser für die G em üseein lagerung  benutzen zu können, in seiner G esam theit
        
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