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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Außerdem besteht noch die Möglichkeit, auch das Zollamt, die Gemeindeschule 
Mahlower Str., das Wohnhaus Hertzbergstr. 25-26 und das Wohnhaus Dr. Student- 
kowski, Kaiser-Friedrich-Str. 69-70 anzuschließen. Die Baukosten sind auf 2 200 000 M. 
veranschlagt. Als Fertigstellungstermin ist Oktober 1920 angenommen.
4. S äu g lin gs - und M ü tte rhe im  M a rie n do rfe r Weg. Infolge der Schäden 
des Krieges und seiner Begleiterscheinungen wurde der Ausbau der öffentlichen 
Säuglingsfürsorge so dringend, daß die Stadtverordnetenversammlung in ihrer Sitzung 
am 20. Februar 1919 den Bau eines Säuglings- und Mütterheims auf dem Grundstück 
Mariendorfer Weg 46 nach dem vom Hochbauamt aufgestellten Entwurf genehmigte
Der Entwurf zeigt eine strenge Scheidung der Verwaltungs-, Säuglings- und 
Mütterabteilung, vor allem aber auch eine scharfe Trennung der Säuglingsabteilung 
selbst in eine Quarantänestation und die eigentliche Anstalt. Die Räume, die der 
Verwaltung und der Wirtschaftsführung dienen, liegen im Mittelbau. Die Quarantäne­
station liegt im Erdgeschoß des westlichen Flügels vollkommen abgeschlossen und 
sieht 14 Zimmerchen für je einen Säugling vor. Die eigentliche Säuglingsabteilung 
ist im östlichen Flügel angeordnet. Insgesamt können 128 Säuglinge untergebracht 
werden. Die Mütterabteilung liegt im 1. und 2. Obergeschoß des westlichen Flügels 
und bietet Platz für 41 Mütter. Das Projekt enthält ferner eine aus je 2 Zimmern 
bestehende Wohnung für 2 Aerzte, eine Wohnung für die Oberin, eine Hausmeister­
wohnung, Räumlichkeiten für 29 Schwestern, 8 Pflegeschülerinnen und das erforder­
liche Dienstpersonal Außerdem sind untergebracht im Untergeschoß die Milchküche, 
der Milchkühlraum, die Spülkiiche, der Wäschereibetrieb und die Heizung mit an­
schließendem Kohlenkeller; in den Stockwerken das Operationszimmer, das Verbands­
zimmer, das Röntgenzimmer, das chemische und anatomische Laboratorium, der 
Schwestern- und der Mütterspeisesaal, im Dachgeschoß die Küche nebst Spülküche, 
die Vorratskammer und der Speiseraum für Dienstboten.
Sämtliche Räume erhalten eine Warmwasserheizung. Die Anstalt wird nach 
allen neueren Erfahrungen der Säuglingspflege eingerichtet.
Die Baukosten einschließlich Grunderwerbskosten sowie Kosten der inneren 
Einrichtungen, aber ausschließlich Wäsche sind auf 2080000 M. veranschlagt. Der 
beantragte Baukostenzuschuß von Reich und Staat beläuft sich auf 189500 M. Da 
die Anstalt nicht nur dem Bedürfnis der Stadtgemeinde dient, sondern auch die Ein­
richtungen der gegenüberliegenden Provinzial-Hebammenlehranstalt in der Weise er­
gänzen soll, daß die Schülerinnen der Hebammenlehranstalt in dem Säuglingsheim 
in der Säuglingspflege unterwiesen werden, beteiligt sich die Provinzialverwaltung an 
den Baukosten mit 550000 M. und außerdem mit laufenden jährlichen Beiträgen zu 
den Betriebskosten. M it den Arbeiten soll im Jahre 1919 baldigst begonnen werden.
5. K r iegsbauten .  Schon vor Beginn des Krieges wurde die Frage geprüft, ob 
es zweckmäßig sei, auf dem Grundstück der städtischen Eiswerke in den großen 
Eislagerhäusern vermietbare K ü h l  räume einzubauen. Der damalige Stand der 
Ernährungsverhältnisse ließ diese Frage aber nicht so brennend erscheinen. Nachdem 
sich aber bereits kurz nach Ausbruch des Krieges die Ernährungsverhältnisse schwieriger 
gestalteten, sah sich die Stadt durch die ministeriellen Anweisungen über die Ver­
sorgung der Bevölkerung in den größeren Städten mit Fleisch usw. anfangs des 
Jahres 1915 gezwungen, derartige Kühlräume anzulegen. Mit der am 22. März 1915 
erfolgten Zuschlagserteilung an die Firma L. A. Ridinger-Augsburg auf Lieferung und 
Einbau einer Kältemaschine für Gefrier- und Kühlzwecke begann auf dem Grundstück 
der Eiswerke am Mittelbuschweg eine Bautätigkeit, die mit geringen Unterbrechungen 
während der Dauer des ganzen Krieges anhielt Zuerst wurde die Kühl- und Gefrier­
anlage für frisches Fleisch in der westlichen Hälfte des großen Eislagerhauses ein­
gebaut. Es folgte die Einrichtung eines Kornlagerbodens über den Räumen der 
Gefrieranlage, wofür ein besonderer Elevator und eine elektrisch betriebene Sackwinde 
neben anderen Anlagen eingebaut wurde. Auch der östliche Teil des großen Eis­
lagerhauses wurde für die Zwecke der Kornlagerung eingerichtet und deshalb mit 
einem neuen Fußboden und mit einer Holzwandverkleidung versehen.
        
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