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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Aus den vorerwähnten Gründen war auch nicht an die Abgabe von Grundstücken 
an die Schulverwaltung zu denken. Nur das Schulgrundstück Kaiser-Friedrich-Straße 4 
konnte durch Erwerb des Hinterlandes vom Grundstücke Kaiser-Friedrich-Straße Nr. 5, 
welches durch eine lästige Testamentsbestimmung in früheren Jahren nicht verkäuflich 
und daher von der Stadt angepachtet worden war, vorteilhaft vergrößert werden.
Im vorigen Bericht wurde bereits erwähnt, daß das städtische Gaswerk eine 
Vergrößerung seines Kohlenplatzes durch Hinzunahme des Grundstücks zwischen 
Ringbahn und Schiffahrtskanal vorgenommen hatte Mit Rücksicht auf die Bedeutung 
dieses städtischen Unternehmens und in Anbetracht der ständigen Ausdehnung des 
Betriebs mußte der F rage einer weiteren Vergrößerung des Gaswerkes näher getreten 
werden. Eine günstige Lösung wurde durch Hinzukauf der Grundstücke gefunden, 
welche an der Teupitzer Straße, Ecke Weserstraße, gelegen sind und der Sankt 
Nicolai- und M arienkirchengemeinde sowie den Eigentümern Bischofs und Theil ge­
hörten. Die Verhandlungen mit den Beteiligten führten zu einem befriedigenden 
Ergebnis und hatten bei der Kirchengemeinde den Erfolg, daß auch das jenseits des 
Kanals zwischen der Ringbahn und Teupitzer Straße belegene Grundstück mit an­
gekauft werden konnte. Die erwähnte Vergrößerung versetzt die Stadt in die Lage, 
nach Aufhebung der Teupitzer Straße zwischen der W eserstraße und dem Weigand- 
Ufer, welche inzwischen beschlossen worden ist, die Betriebsunternehm ungen des 
Gaswerks und des Elektrizitätswerks zusammenzulegen, wodurch erhebliche ver­
waltungstechnische Vorteile entstehen.
Im neuen Wohnviertel am Bahnhof Köllnische Heide ergab sich die Möglichkeit, 
die Grundstücke von C. & G Müller zu erwerben. Nicht nur die Unansehnlichkeit 
der Bauwerke, sondern auch der Betrieb der Schmalzfabrik zwangen dazu, den Kauf 
zu betätigen, obgleich der Kaufpreis nicht billig war. Die Baulichkeiten wurden sofort 
niedergelegt. Wertvoll war für die Stadt ferner der Erwerb des ebenfalls mit unschönen 
Bauten besetzten Grundstücks Köllnische Allee, Ecke Dammweg, der Eingangspforte 
zum neuen Wohnviertel. Auch diese Baulichkeiten wurden sofort niedergelegt. Im 
allgemeinen sind die Verhandlungen wegen Erwerbs derjenigen Grundstücke, welche 
im Gebiet der Abteilung V liegen und noch nicht in den Besitz der Stadt Neukölln ge­
langt sind, mit größter Vorsicht und nur dann aufgenommen worden, wenn die 
Eigentüm er ihr Interesse an dem Verkauf durch Gestaltung günstiger Verkaufs­
bedingungen bewiesen. Unter diesen Voraussetzungen ist der Ankauf eines schmalen 
Streifens am Dammweg von Frau W eber geb. M üncheberg und von Gustav Niemetz 
im hinteren Teil des Viertels zustande gekommen.
W ichtiger gestalteten sich für uns die Aufgaben, welche uns durch Schaffung 
des im letzten Berichtsjahr erwähnten Industrieviertels zufielen. Wenn auch der 
größte Teil des für den Hafen und die z. Zt. im Betriebe befindliche Anschlußbahn 
in Frage kommenden Geländes bereits im Eigentum der Stadt stand, waren doch 
durchweg Arrondierungen nicht zu umgehen, sollten nicht die Grundstücke entweder 
unverkäuflich werden oder aber als schlecht geschnittene Industrieparzellen zur Ver­
wertung gelangen müssen. Zu diesen Erwerbsobjekten gehörte insbesondere das 
Grundstück der Großen Berliner Straßenbahn an der verlängerten Lahnstraße. 
Gegen Hergabe des eignen Grundstückes am Neuköllner Oberhafen wurde schließlich 
ein Tauschvertrag vereinbart, welcher nunm ehr das ganze Dreieck zwischen Ober­
und Unterhafen der Stadtgem einde Neukölln zuwies. Die Lebensmittelversorgung, 
die infolge der kriegswirtschaftlichen M aßnahmen zum großen Teil in die Hand der 
Gemeinden gelegt wurde, führte dazu, daß die Gleise der Industriebahn eine be­
deutende Vergrößerung erfuhren und die Ausziehgleise bis in das Solm itz’sche 
Grundstück hinein gelegt wurden, das zu diesem Zwecke erworben werden mußte. 
Daß in dem Industriegebiet verschiedene Baulichkeiten auf städtischem Grund und 
Boden gegen Zahlung einer U eberlassungsgebühr für letzteren errichtet wurden, sei 
nebenbei erwähnt. Zur Erstattung gelangte das von den Geschwistern Mier er­
worbene frühere Eiswerksgrundstück, nachdem es für den kriegswirtschaftlichen 
Betrieb vollständig eingerichtet worden war. Ueber die auf dem Grundstück in­
zwischen geschaffenen großen Anlagen ist an anderer Stelle berichtet.
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