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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

—  191 -
F. Neuköllner Theater, Projekt eines Stadttheaters.
Die bis zum Schlüsse des Winterhalbjahres 1913 von der Stadtgemeinde Neukölln 
in dem großen Saale des Restaurants „Bürgersäle“ unter Leitung des Direktors Türk 
veranstalteten Theatervorstellungen wurden während der Berichtsjahre wegen des 
inzwischen ausgebrochenen Krieges nicht wieder aufgenommen. Aus Zweckmäßigkeits­
gründen wurde der Theaterfundus im Jahre 1916 veräußert, da eine Fortführung der 
Veranstaltung als Saaltheater nach Beendigung des Krieges nicht geplant war und 
somit die sachgemäße Aufbewahrung der Requisiten erhebliche Kosten verursacht hätte.
Die hiermit in engstem Zusammenhange stehenden, bereits seit 1912 gepflogenen 
Verhandlungen über die Errichtung eines eigenen Theatergebäudes (Stadttheater» und 
Uebernahm e des Betriebes durch die Schillertheatergesellschaft mußten wegen der 
durch den Krieg geschaffenen Sonderverhältnisse mit ihren anderweitigen hohen 
finanziellen Anforderungen gleichfalls zurückgestellt werden.
G. Städtisches Lichtspielhaus und Weltpanorama.
Als ersteGroß-BerlinerStadtverwaltung konnte Neukölln seine Bildungsbestrebungen 
auch auf dem Gebiete des Films durch Errichtung eines eigenen kommunalen Licht­
spielhauses betätigen. Nachdem der Magistrat das in zentraler Lage Neuköllns belegene 
Grundstück Bergstr. 147 erworben hatte, vermietete er den 600 Plätze fassenden Theater­
saal vom 1. Oktober 1918 an die Universum-Film-Aktiengesellschaft in Berlin auf 8 
Jahre gegen eine Jahresm iete von 40 000 M. ln dem unterm 27. 3./10. 4. 1918 mit 
der Gesellschaft geschlossenen Vertrage wird das Interesse derStadt andenreform atorischen 
B estrebungen auf dem Gebiete des Films und die geschäftliche Seite (Miete, Gewinn­
beteiligung, Lustbarkeitssteuer) gleicherweise gewahrt. Das Programm wird vor der 
Aufführung von dem durch die städtischen Körperschaften eingesetzten örtlichen 
Bilderbühnen-Ausschuß geprüft. Der Besuch des städtischen Lichtspielhauses war auch 
während der Kriegszeit zufriedenstellend. Was die ideelle Seite des Unternehmens 
anlangt, so gehen naturgem äß die Bestrebungen des örtlichen Bilderbühnen-Ausschusses 
darauf hinaus, den Schundfilm der städtischen Lichtbildbühne unbedingt fernzuhalten 
und insbesondere durch zweckmäßige Auswahl der Films allmählich einen veredelnden 
Einfluß auf den Geschmack der großen Masse der Bevölkerung zu gewinnen, ln der 
spielfreien Zeit sind Vorstellungen für die Schulen der Stadt zu einem mäßigen Eintritts­
preis vorgesehen. An der Aufstellung des Programms dieser Schülervorstellungen 
nimmt die Schulverwaltung teil.
Am 25. Oktober 1916 eröffnete der Magistrat im Hause Kaiser-Friedrich-Straße 8 
eine von der Stadtgem einde eingerichtete Zweigstätte des Berliner W eltpanoramas, 
welches die Reiseserien dieses Instituts in wöchentlichem Wechsel vorführt. Bei der 
Einrichtung ist der M agistrat von der Absicht geleitet worden, nicht nur der erwachsenen 
Bevölkerung eine erwünschte Bildungs- und Unterhaltungsstätte zu schaffen, sondern 
vor allem der Schuljugend neues reiches Anschauungsmaterial für den erdkundlichen 
Unterricht zuzuführen. Die Eintrittspreise sind mit Rücksicht auf die Volkstümlichkeit 
des Instituts derartig niedrig bemessen, daß die Einnahmen gerade die Ausgaben 
decken. Sie betragen für Kinder 10 Pf., für Erwachsene 20 Pf., für Familienkarten 
1.— M. (6 Stück), für Vereinskarten (100 Stück 3.— M.). Bei klassenweisem Besuch 
durch die hiesigen Schulen haben unbemittelte Kinder freien Eintritt. Das Panorama 
ist an den W ochentagen während der Vormittagsstunden nur für die Schulen geöffnet. 
F ü r den öffentlichen Besuch ist die Betriebszeit an den W ochentagen von 3—9 Uhr, 
an den Sonntagen von 2—9 Uhr nachmittags festgesetzt.
Besuch und Einnahme des städt. Weltpanoramas.
Geschäftsjahr Erwachsene Kinder Besucher überhaupt Einnahme
1916 12 132 23 751 35 883 4512 M.
1917 17 029 40 635 57 664 7204 „
1918 23 508 37 777 61 285 8216 „
        
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