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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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starke Inanspruchnahme der Bücherei machte die Einstellung einer Bibliotheksgehilfin • 
zum 1. Oktober 1916 notwendig, so daß nunm ehr 3 vollbeschäftigte Damen tätig waren.
Die im Rechnungsjahr 1917 sich weiter fühlbar m achende Büchernot führte not­
gedrungen zu erheblichen Einschränkungen der Bücherausgabe, da trotz aller Vor­
stellungen der Büchereiverwaltung nur 500 M. von den städtischen Körperschaften 
bewilligt wurden, zu denen eine Beihilfe der Staatsregierung in gleicher Höhe kam. 
Durch Erlaß des Ministers der geistlichen- und U nterrichtsangelegenheiten wurde der 
Volksbücherei die Erm ächtigung erteilt, jährlich eine Praktikantin zur Vorbereitung auf 
die Diplomprüfung für den mittleren Bibliotheksdienst anzunehm en. Die Bücherei hat 
die hierin für ihre Volksbildungsarbeit liegende Anerkennung dankbar begrüßt. Die 
erste Praktikantin ist am 1. März 1919 eingetreten, die Beschäftigung erfolgt un­
entgeltlich.
Die Abhängigkeit der Bücherei vom Stadtbade machte sich insoweit ungünstig 
bemerkbar, als der Betrieb von 4 8 Uhr gegen bisher 4 —9 Uhr eingeschränkt 
werden mußte.
Die schon in unliebsamem Maße in den Vorjahren hervorgetretene Bücherkappheit 
verstärkte sich 1918 derart, daß die 1917 eingeführte Beschränkung der Bücherausgabe 
erweitert werden mußte, ohne daß damit ein erträglicher Zustand herbeigeführt wurde. 
Die Inanspruchnahm e der Bücherei war im Verhältnis zu dem geringen Bücherbestände 
zu stark; insbesondere bei der U nterhaltungsliteratur vermochte die Bücherei in keiner 
Weise den Ansprüchen zu genügen. Den dringenden Vorstellungen der Bücherei­
verwaltung war es gelungen, für 1918 einen Betrag von 2500 M durch den Etat für 
Neuanschaffungen zu erhalten, zu dem noch ein von der Regierung zu Potsdam  be­
willigter Betrag von 500 M. kam. Die mit diesen Mitteln neu beschafften Bücher, 
die zudem im Laufe der Kriegsjahre erheblich teurer geworden waren, vermochten 
keine Verbesserung des Verkehrs herbeizuführen. Ganz trostlos wurden die Zustände 
in der Bücherei als im Herbst 1918 unsere Soldaten aus dem Felde zurückkehrten 
und im Zusam m enhang mit der einsetzenden Arbeitslosigkeit die Zahl der Leser 
wesentlich stieg Es gelang, die städtischen Körperschaften zur Bewilligung eines 
Betrages von 6000 M. zu bewegen, die zur Ausfüllung der wesentlichsten Lücken 
Verwendung fanden. Nachdem im November 1918 der Buchbinder aus dem Felde 
zurückgekehrt war, konnte auch die Buchbinderwerkstatt der Bücherei wieder auf­
genom m en werden, dadurch wird im Laufe der Zeit eine bessese Erhaltung der 
Bücher möglich werden. Die 1. Praktikantin bestand im März 1919 die Diplomprüfung 
vor der staatlichen Prüfungskom m ission in Berlin; nach ihrem Ausscheiden trat die 
2. Praktikantin ein. Die Bücherei mußte sich weiter der Betriebszeit des Stadtbades 
anpassen, indem auch Sonnabends die Oeffnungszeit auf 4—8, vordem 4—9 Uhr be­
schränkt und die Oeffnung der Lesehalle an den Sonntagen gänzlich eingestellt werden 
mußte Zahlenmäßig ergibt sich für die Berichtsjahre 1914/1918 folgendes Bild:
Bücherbestand und Benutzung der städtischen Volksbücherei.
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I 2 3  1 4 5 6 7 8 9 10 11
1914 12 840 70 421 262 73 620 4540 4 255 17 9 268 1552 10820
1915 13 125 94 089  311 100 355 3998 7 020 14 13 501 2105 1 5606
1916 1 3670 111 874  1 370 117 943 2890 7 653 13 11 862 1892 13 754
1917 14510 93  366 | 315 99 677 2561 9 231 13 9  176 1740 1 0 9 1 6
1918 15 650 9 6 1 7 6  318 105 715 3158 12 280 7 11 398 1486 1 2884
        
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