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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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deren Ernährer sich im Felde befanden, die daher der teuren Kriegsverhältnisse wegen 
nach Möglichkeit das platte Land aufsuchten.
Die höheren Lehranstalten weisen durchweg im Jahre 1918 erheblich höhere 
Kosten auf als 1917. Wenn trotzdem die Kostenquote beim Kaiser-Friedrich- 
Realgymnasium von 105.98 M. auf 101.29 M. und bei der Realschule sogar von 
338.79 M. auf 285.79 M. gesunken ist, so ist dies auf die zum Teil recht erheblich 
gesteigerten Schülerzahlen zurückzuführen, die sich beispielsweise bei der Realschule 
im Jah re  1917 auf 498 und im Jahre 1918 auf 613 Köpfe belief. Lediglich die 
S teigerung der Schülerzahlen hat auch den Umstand hervorgerufen, daß im Jahre 1918 
die Kostenkopfquote der Realschule mit 285.79 M. wesentlich geringer ist, als die der 
Oberrealschule mit 331.75 M. Der Grund für die Steigerung der Kostenkopfquote 
bei der Knaben-Mittelschule von 84.88 M. im Jahre 1917 auf 106.83 M. im Jahre 1918 
ist in ähnlichen Verhältnissen zu suchen wie bei den Volksschulen, während ihr 
Anwachsen bei den höheren Lehranstalten für Mädchen und den Mädchen-Mittel­
schulen von 85.75 M. im Jahre 1917 auf 101.33 M. im Jahre 1918 allein durch die 
allgemeine Steigerung der Ausgaben während des Krieges und durch die Mehr­
ausgabe für Verzinsung und Tilgung der im Jahre 1917 aufgenommenen Anleihen 
herbeigeführt wurde.
Die Belastung der Stadt durch Volksschulen und höhere Lehranstalten ergibt 
sich aus den Durchschnittsziffern, wonach im Gegensatz zu der Kostenkopfquote pro 
Volksschüler von 91.88 M. sich diese für einen Schüler der höheren Lehranstalten auf 
179.52 M. für eine Schülerin der höheren Mädchenschule oder Mädchen-Mittelschule 
auf 101.33 M. und für einen Besucher einer höheren Lehranstalt überhaupt auf 
143.50 M. stellte.
6. D e r  S c h u l l a s t e n s t r e i t  z w i s c h e n  N e u k ö l l n  u n d  B e r l i n
Die Stadtgem einde Neukölln hat auch für die Jahre seit 1909 auf Grund des 
§ 53 des Kom m unalabgabengesetzes gegen die Stadt Berlin Ansprüche auf Erstattung 
der durch solche Kinder erwachsenen Schulkosten erhoben, deren Väter in Berlin 
beschäftigt waren.
Das Verwaltungsstreitverfahren für die Jahre 1909 ff. hat infolge des Kriegs­
zustandes und der damit zusam m enhängenden Schwierigkeiten einer Nachprüfung der 
Arbeitsverhältnisse längere Zeit geruht. Erst im Jahre 1918 ist das Streitverfahren 
wieder aufgenommen worden, und zwar wurde zwischen den Parteien vereinbart, 
zunächst nur dem Verfahren für 1909 Fortgang zu geben und die Ansprüche der 
späteren Jahre ruhen zu lassen, bis das Oberverwaltungsgericht über die Ansprüche 
aus dem Jahre 1909 rechtskräftig entschieden haben würde.
Für das Jah r 1909 hatte Neukölln von Berlin einen Zuschuß für 4411 Kinder in 
Höhe von 275000 M. verlangt, während die Gesamtausgaben für das öffentliche Volks­
schulwesen 2 238 839 M. betrugen. Der Bezirksausschuß zu Berlin hat darauf im 
Juli 1918 einen Vergleich auf Zahlung von 157000 M an Neukölln angeregt. Da 
Berlin jedoch grundsätzlich eine gerichtliche Entscheidung verlangte, ist der Vergleich 
nicht zustande gekommen. Der Bezirksausschuß hat jedoch mit Rücksicht auf die 
kurze Zeit darauf eintretenden Verhandlungen über die Bildung des Kommunal­
verbandes Groß-Berlin seine Entscheidung ausgesetzt, so daß für 1909 ein Urteil nicht 
mehr ergangen ist.
F ür die Jahre 1910—1918 sind die Ansprüche von Neukölln ebenfalls durch 
Klage beim Bezirksausschuß zu Berlin anhängig gemacht worden, ohne daß auch 
hier eine Entscheidung ergangen ist. Für 1910 ist ein Zuschuß von 329000 M., für 
1911 und 1912 ein solcher von je 400000 M. und für die Jahre 1913— 1918 ein 
solcher von jährlich 450000 M. erhoben worden. Allerdings ist bei den Ansprüchen 
aus den Kriegsjahren ausgeführt worden, daß es infolge der Kriegsverhältnisse nicht 
möglich gewesen ist, eine genaue Berechnung aufzustellen, da sich ein großer Teil 
der Väter seit Ausbruch des Krieges oder im Laufe der Jahre 1914—1918 im Felde 
befand, auch ferner ein großer Teil der Fabrikbetriebe, in denen die Arbeiter be-
        
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