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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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1. Den Verheirateten soll die zuletzt bezogene Vergütung bezw. der Lohn bis 
zur Hälfte dergestalt gezahlt werden, daß unter Berücksichtigung der Reichs­
und Qemeinde-Familienunterstützung drei Viertel des Lohnes nicht über­
stiegen wird und zwar ohne Rücksicht auf die Dauer der Beschäftigung.
2. Den Verheirateten gleichgestellt sollen diejenigen Unverheirateten werden, 
die vordem Eltern im gem einsam en Haushalt unterhalten hatten.
3. Unverheiratete sollen ein Viertel des Lohnes oder des Gehaltes beziehen.
Die angegebenen Sätze zu 1. sind vom 1. August 1917 ab auf 80 Proz. des
früheren Einkommens erhöht worden.
Vom 1. September 1918 ab ist den Familienangehörigen der Kriegsteilnehmer 
die Kriegsunterstützung
a) für verheiratete von 50 auf 6 6 8/s Proz., b) für unverheiratete von 25 auf 
33 Vs Proz. des Grundlohnes mit der Maßgabe erhöht worden, daß diese Unterstützung 
unter Berücksichtigung der Reichs- und Gemeinde-Familienunterstützung 100 Proz. 
des Diensteinkom m ens des Ehem annes nicht übersteigen sollte.
Da infolge des Krieges eine Verteuerung der Lebensrnittel eintrat, sahen sich 
die städtischen Körperschaften im April 1915 genötigt, zum Ausgleich den Arbeitern usw. 
mit einem Lohn oder Gehalt bis zu 2000 M. und denjenigen mit zwei oder mehr 
Kindern bis zu 2700 M. Lohn eine einm alige Kriegsteuerungszulage von 25 M. zu 
bewilligen. Der damit beschrittene W eg konnte während der ganzen Kriegsdauer nicht 
verlassen werden und die fortschreitende Teuerung für alle Lebensbedürfnisse zwang  
zur Gewährung immer höherer Zulagen.
Vom 1. Oktober 1915 ab wurde für die vollbeschäftigten Arbeiter eine laufende 
Zulage von 50 Pf. für jeden Arbeitstag und vom 1. April 1916 ab außerdem für jedes 
Kind bis zum vollendeten 16. Lebensjahre und für jeden Arbeitstag eine Zulage von 
10 Pf. gewährt. Mit W irkung vom 1. Oktober 1916 ab wurde die Teuerungszulage 
für verheiratete Arbeiter von 50 auf 60 Pf. und für jedes Kind von 10 auf 20 Pf. erhöht.
Um einen Ausgleich für die in der Privatindustrie gezahlten hohen Löhne zu 
schaffen und sich die geeigneten Arbeitskräfte zu sichern, wurde den vollbeschäftigten 
Arbeitern für jeden Arbeitstag bezw. für jede Schicht eine Konjunkturzulage von 
75 Pf. mit Wirkung vom 1. Dezem ber 1916 ab gezahlt. Auch die nebenbei be­
schäftigten Reinmachefrauen, die bis dahin noch keine Lohnaufbesserung erhalten 
hatten, erhielten von dem selben Zeitpunkt ab einen Zuschlag von 15 Proz. zu den 
monatlichen Lohnbeträgen.
Die weitere Preis- und Lohnbew egung machte es notwendig, die Arbeitergruppen
nach dem Wert ihrer Leistungen zu trennen. Sie wurden eingeteilt in
1. Facharbeiter in maschinellen Betrieben, 2. Facharbeiter in den übrigen Betrieben, 
3. ungelernte Arbeiter, 4. Arbeiterinnen.
ln verschiedenen Steigerungen wurde die Konjunkturzulage
in Gruppe 1 bis auf 5.40 M., in Gruppe 2 bis auf 5.00 M.
„ 3 „ „ 4 25 „ „ „ 4 „ „ 3.75 ,  erhöht.
Die letzte Erhöhung auf den vorerwähnten Satz erfolgte am 1. August 1918.
Für die in freier Station befindlichen Personen wurde in entsprechender W eise gesorgt.
Auch die Löhne der Reinmachefrauen erfuhren Aufbesserungen auf 33 l/a, 50, 
75 und zuletzt vom 1. Dezember 1918 ab auf 130 Proz. Daneben traten auch noch 
Erhöhungen der Entschädigungen für Sonderleistungen, w ie für Ofenheizung, ein.
Auch der Lehrlinge wurde gedacht, indem ihnen Zuschläge von erst 33 l/s und 
später 50 Proz. ihres Lohnes bewilligt wurden.
Mit welchem  Personal die Betriebe in der Kriegszeit arbeiten mußten, ergab eine 
im Januar 1918 veranstaltete Umfrage. Es standen 364 ständigen Arbeitern 335 Kriegs­
aushilfsarbeiter gegenüber.
Zur Erfüllung der an die Betriebe gestellten Anforderungen mußten von den 
Arbeitern außer der neunstündigen Normalarbeitszeit beträchtliche Ueberstunden ge-
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