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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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Das Hauptgebiet des Militärbüros war die Zahlung der Unterstützungen an die 
Familien der zum Kriegsdienst einberufenen Mannschaften. Durch das Gesetz vom 
28. Februar 1888, zu dem am 4. August 1914 eine Novelle erging, war die Fürsorge- 
pflicht für die Angehörigen von Kriegsteilnehmern den sogenannten Lieferungs­
verbänden überwiesen worden, deren Grenzen sich mit denen der Kreise deckten. 
Neukölln bildete als Stadtkreis einen besonderen Lieferungsverband. Die Vertretung 
des Lieferungs-Verbandes und die Entscheidung über die Unterstützungsbedürftigkeit 
usw. w ar durch das Gesetz einer besonderen Kommission überwiesen worden, die 
sich als Kommission für G ewährung von Familienunterstützungen bezeichnete und 
aus drei Magistratsmitgliedern, 7 Stadtverordneten und 4 Bezirksvorstehern als Bürger­
deputierten bestand. Bei den Vorbereitungen für den Kriegsfall, die zur Ausführung 
des vorgenannten Gesetzes schon im Frieden getroffen werden mußten, war man 
über die große Masse der unterstützungsberechtigten Personen und über die unge­
heure Höhe der finanziellen Lasten völlig im klaren gew esen. Es wurde daher ein 
Unterstützungssystem  geschaffen, das eine Verteilung der Unterstützungsberechtigten 
bei Em pfangnahm e der Gelder ermöglichte und das außerdem die Sicherheit bot, 
daß nur wirklich bedürftige Personen die Unterstützung erhielten. Die Anträge auf 
Unterstützung wurden deshalb von den über das ganze Stadtgebiet verteilten S teuer­
zahlstellen entgegengenom m en, von dort an die zuständigen Bezirksvorsteher zur 
Prüfung der Verhältnisse weitergeleitet, die dann die Anträge weiter an das Militär­
büro übermittelten. Dieses als Büro des Lieferungsverbandes setzte die U nterstützungs­
beträge unter Berücksichtigung der Vorschläge der Bezirksvorsteher in Anlehnung an 
bestimmte Unterstützungsgrundsätze fest, benachrichtigte die Zahlstelle, die die Ab­
holung der Unterstützungen veranlaßte und zu diesem Zwecke der Unterstützung 
empfangenden Person eine Ausweiskarte, die bei jeder Zahlung vorzulegen war, 
ausfertigte.
Das Reich hatte in dem Gesetz vom 28. Februar 1888 bis 4. August 1914 
M indestsätze festgesetzt, die auf jeden Fall zur Auszahlung gelangen mußten, wenn 
überhaupt Bedürftigkeit anzuerkennen war. Die Höhe derselben ergibt sich aus der 
Tabelle 1. Es war selbstverständlich, daß diese Beträge für großstädtische Verhält­
nisse absolut nicht ausreichten, um die Familien der Eingezogenen vor Not zu be­
wahren. Im Einvernehm en mit den übrigen Groß-Berliner Gemeinden wurde daher 
ein städtischer Zuschuß zu den Reichsmindestsätzen festgesetzt. (Vergl. Tab. 1.)
1. Kriegsunterstützungssätze.
Reichsunterstützung Städtischer Zuschuß
Kind oder 
Bis Ehefrau Ehefrau
Kind oder 
and. Pers. and. Pers.
Ende Oktober 1914 9.— M. 6 — M. 9 . -  M. 6 — M.
Oktober 1915 12.— „ 6.— „ 1 2 . -  „ 6 . -  „
April 1916 15.— „ 7.50 „ 12.—*) „ 6.75 „
„ Oktober 1916 15.— „ 7.50 „ 12.— „ 6.75 „
„ April 1917 20.— „ w . -  „ 12.-*) „ . 6.75 „
„ Oktober 1917 1 0 . -  . 15.— „ 1 0 . -  „
„ Oktober 1918 2 5 . -  „ 1 5 . -  . 1 5 . -  „ 10.— „
der Berichtszeit 3 0 . -  . 2 0 . -  „ 1 5 . -  „ 10.— .  
für Eltern 15.— M.
*) D azu e ine  K ohlenkarte im W erte von 3.— M. m onatlich für 6 M onate.
18
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