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Periodical volume

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1914/1918

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erzielt werden. Es erscheint an sich durchaus möglich, daß in den Zeiten der stür­
mischen Bevölkerungsbewegung sowohl in den Tagen des Kriegsausbruchs als ins­
besondere auch in den ersten Revolutionsmonaten noch häufiger als sonst die ord­
nungsmäßige Abmeldung von Fortziehenden unterblieben ist. Denn daß zuziehende 
Personen nicht angemeldet worden sind, ist wohl nicht häufig vorgekommen, da die 
Aufnahme in die Lebensmittelversorgung von der vorhergehenden polizeilichen An­
meldung abhängig gemacht war. Eine vollkommene Uebereinstimmung zwischen dem 
Volkszählung;;- und dem Fortschreibungsergebnis würde sich aber auch bei genauester 
Erfassung aller Zu- und W egzüge nicht erzielen lassen, da, wie bemerkt, die Volks­
zählung sich auf die ortsanwesende Bevölkerung, also auch auf die nur vorübergehend 
Anwesenden erstreckt, während die Fortschreibung nur die als dauernd zu- oder w eg­
gezogen zur polizeilichen An- und Abmeldung gelangenden Personen betrifft. Die 
Fortschreibung wird also im eigentlichen Sinne nur für die W o h n b e v ö l k e r u n g  g e­
führt. ln normalen Zeiten pflegten, insbesondere im Winter, außerhalb der Reisezeit, 
die Zahlen der vorübergehend Anwesenden und die der vorübergehend Abwesenden 
einander im allgemeinen auszugleichen, ln besonderen Zeitläuften jedoch kann die 
eine oder die andere nicht unbedeutend überwiegen.
Die aus der Bevölkerungsfortschreibung gewonnenen Zahlen werden nun fort­
laufend mit anderen Aufnahmen des Bevölkerungsstandes, wie sie regelmäßig oder 
gelegentlich für besondere Zwecke vorgenommen werden, verglichen und, soweit er­
forderlich, auch in der zwischen den Volkszählungen liegenden Zeit durch Abänderung 
des Zuschlags einer Berichtigung unterzogen. In dieser Hinsicht sind besonders 
wichtig die sog. P e r s o n e n s t a n d s a u f n a h m e n ,  die sich zum Zweck der Erfassung 
der zur Steuer heranzuziehenden Ortseinwohner auf die Wohnbevölkerung beziehen 
und regelmäßig Mitte Oktober eines jeden Jahres durch die städtischen Vollziehungs­
beamten ausgeführt werden.
Bietet nach dem Gesagten die Ermittlung der Einwohnerzahl außerhalb der 
Volkszählungsjahre schon in Friedenszeiten gewisse Schwierigkeiten, so erhöhten sich 
diese seit Kriegsbeginn noch ganz erheblich. Da die Auszählung der zu- und fort­
ziehenden Personen im Statistischen Amt infolge vorübergehender Einstellung aller 
statistischen Arbeiten von Anfang August 1914 bis Anfang Dezember 1914 unterbrochen 
war und bei Wiederaufnahme der Arbeiten ein Teil der polizeilichen Meldezettel 
fehlte, so mußten für die fehlenden 4 Monate die Wanderungszahlen unter Zuhilfe­
nahme von Unterlagen des Einwohnermeldeamts errechnet werden. Dann aber brachten, 
ganz abgesehen davon, daß auch die Handhabung des polizeilichen und städtischen 
Meldewesens unter den mancherlei durch die Einziehungen herbeigeführten Personal­
schwierigkeiten gelitten haben mag, die durch den Krieg hervorgerufenen eigenartigen 
Wanderungserscheinungen eine Reihe störender Momente in die Ermittlung der Be­
völkerungszahl. Besonders fiel es ins Gewicht, daß zunächst über die Frage der 
polizeilichen Abmeldung der Eingezogenen — diese sind nicht abzumelden — keine 
Klarheit herrschte, daß viele Frauen und Familien nach Einziehung des Familien­
oberhauptes unter Aufrechterhaltung des hiesigen Wohnungsmietverhältnisses ihren 
Aufenthalt nach außerhalb verlegten, z. B, zu Verwandten zogen und daß fernerhin 
die für längere Zeit oder ständig in die Heimat Beurlaubten (Arbeits- oder Entlassungs­
urlauber) nicht alsbald wieder als Anwesende in die Erscheinung traten. Endlich bot 
auch die Verlegung von Ersatztruppenteilen nach unserer Stadt mit ihren ständig 
wechselnden Mannschaftsbestandszahlen eine veränderliche Größe, die bei einem zeit­
lichen Vergleich der verschiedenen Einwohnerzahlen zu berücksichtigen ist.
Zu den genannten Begriffen der ortsanwesenden, der fortgeschriebenen und der 
rechtlichen (Wohn-) Bevölkerung trat dann nach Rationierung der Lebensrnittel noch 
ein neuer Begriff hinzu, der der v e r s o r g u n g s b e r e c h t i g t e n  Bevölkerung. Ueber 
die Zahl der Versorgungsberechtigten fanden während des Krieges in regelmäßigen 
Zwischenräumen Zählungen statt Außerdem wurden diese Versorgungsberechtigten, 
über die in den Brotkommissionen fortlaufend eine Kartensammlung geführt wurde, 
gewissermaßen noch persönlich fortgeschrieben. Da die Kartensammlung aber bei 
den einzelnen Brotkommissionen nicht in genau gleicher Weise geführt wurde (z. T.
        
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