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Periodical volume I. Bevölkerungsverhältnisse

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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glaubw ürdige Nachrichten hierüber hinterlassen und man im übrigen auf mehr oder  
w eniger zweifelsfreie Verm utungen und A ussagen  der Verwandten und Nachbarn an ­
g ew iesen  ist Dementsprechend ist auch bei m ehr als der Hälfte aller Selbstmordfälle  
ein Grund nicht an gegeb en ,  während bei den übrigen Fällen die a llgem eine A ngabe  
„Schwerm ut“ oder . Lebensüberdruß ■ überwiegt Den äußeren Anlaß, w enn  w ohl auch  
nicht im mer den tieferen Bew eggrund, scheinen nicht selten wirtschaftliche Sorgen .  
Arbeitslosigkeit und häuslicher Streit zu bilden. D em  Stande nach gehört die Hälfte 
aller männlichen Selbstm örder der Gruppe der G esellen , Gehilfen und Arbeiter in 
Landwirtschaft, Industrie und Handel an, während unter den Frauen die Berufslosen  
bei weitem  überwiegen.
In d iesem  Z u sam m enhang sei noch e in e  Erhebung über die in der Zeit vom  
2o. N ovem ber 1013 bis zum 20. D ezem ber 1913 in B ehandlung g ew e sen en  g e s c h l e c h t s -  
k r a n k e n  Personen erwähnt, die vom  Verband deutscher Städtestatistiker in G em ein ­
schaft mit der deutschen Gesellschaft zur Bekäm pfung der Geschlechtskrankheiten  
veranstaltet wurde und deren Durchführung in Neukölln in den Händen des Statist. Am tes  
unserer Stadt ruhte. Die Bearbeitung der Ergebnisse erfolgte für die im Um kreise von  15 
km g e legen en  Groß-Berliner Gemeinden gem einschaftlich  im Statistischen Amt der Stadt 
Berlin. Die auf die einzelnen G emeinden entfallenden Kranken wurden nicht besonders  
ausgezählt,  da dies eine Verzeichnung des W ohnorts für jeden Kranken erforderlich  
gem acht und den Aerzten eine bedeutende Mehrarbeit auferlegt haben würde. Die  
Gesamtzahl der durch die Erhebung in Groß-Berlin ermittelten Geschlechtskranken  
belief sich auf 20004, darunter 9708 an Tripper, 1010 an w eichem  Schanker und 9226  
an Syphilis  Erkrankte. In der letzteren Zahl ist allerdings die groß e Zahl der behan­
delten Rückfälle mit enthalten. Die Zahl der frischen Fälle, die während der Erhe­
bungszeit  zur Behandlung kamen, betrug beim Tripper 4003, beim w eichen  Schanker  
567 und bei der Syphilis 2982. Auf je 100 Frauen entfielen unter allen G eschlechts­
kranken überhaupt 280 Männer, bei den an Tripper Erkrankten 360  und bei den mit 
frischer Syphilis Behafteten 20o. Von den Syphiliskranken litten nicht w en iger  als  
1874 an T abes und Paralyse, darunter 1392 alte und 482 während der E rhebu ngs­
zeit neu in Behandlung gek o m m e n e  Fälle. W enn man bedenkt, daß nicht einmal die 
Hälfte der Berliner Aerzte die Um frage beantwortet haben, die Zahl der ärztlich 
behandelten Fälle sich mithin annehm bar m indestens verdoppelt, zahlreiche G esch lechts­
kranke außerdem sich von Kurpfuschern behandeln  lassen, dann gew in n en  die Ergeb­
nisse der Aufnahm e ein erschreckendes Gesicht.
e. Wanderungen.
Der W anderungsüberschuß, der für die Entwicklung der B evölkerung unserer 
Stadt von solch überragendem Einfluß g e w e se n  ist, beginnt in neuerer Zeit gegenü b er  
dem Geburtenüberschuß im mer mehr an B edeutung zu verlieren. Im Jahre 1913 
w a n n  nur noch 56 9 v H. der B evölkerungsverm ehrung auf W an d eru ngsgew inn  zu ­
rückzuführen gegen ü b er  71.4 v H im Jahre 1912 und 75 5 v. H. im Jahre 1 9 1 1. Im ein­
zelnen gestaltete sich die Bevölkerungsentw icklung durch Mehrgeburten und Mehrzu­
w anderungen  im Lauf des letzten Jahrzehnts folgenderm aßen:
        
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