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Periodical volume I. Bevölkerungsverhältnisse

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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und beim Aller von über 20 bis 30 Jah ren  die Anteilsziffer 1.5 Fm. erreicht wurde. Aber 
selbst noch im höchsten Alter von über 70 Jah ren  w aren  von 1000 Männern nur  7.31 
bedürftig, während von den gleichaltrigen F rauen  114.5 Almosenem pfängerinnen waren.
Es leuchtet wohl ohne weiteres ein, daß in dieser Beziehung die Eheauflösungen, 
die ja die F rauen  wirtschaftlich härter treffen als die M änner, von einschneidender 
Bedeutung sein m üssen. Ein Blick auf den Fam ilienstand der A lm osenem pfänger 
wird das bestätigen Von den 942 A lmosenempfängern w aren 9.3 %  ledig. 1 3 .3 %  
verheiratet, dagegen  6 9 .2 %  verwitwet, 3 . 8 %  geschieden und 4 . 4 %  eheverlassen: bei 
7 7 .4 11 o hatte also eine Eheauflösung stattgehabt. Sieht m an von der na tu rgem äß  
nicht sehr  bedeutenden Zahl der Geschiedenen und Eheverlassenen ab, so bleiben 
652 Verwitwete. Unter diesen hatten wieder die F rauen  mit 603 Personen  den H aup t­
anteil. Auf 1000 der entsprechenden Gruppen der G esam tbevölkerung  berechnet, 
zeigt sich, daß die verwitweten F rauen  mit 77 Fm  und die geschiedenen F rauen  mit 
38.2 Fm. am  meisten zur Inanspruchnahm e öffentlicher Unterstützungen genötig t w aren , 
während  von 1000 verwitweten M ännern nur  27.7 und von 1000 geschiedenen g a r  
nur 8 Almosen empfingen.
Abgesehen von den hohen A ltersgruppen werden es aber nicht so sehr  die 
alleinstehenden Witwen als  vielmehr die mit der Erziehung  von Kindern Belasteten sein, 
die sich an die A rm enverw altung um G ew ährung  von Unterstü tzung wenden. Von den 
787 A lm osenem pfängerinnen hatten 548 oder 69 6 %  Kinder zur W elt gebracht. Die 
Zahl dieser Kinder be trug  2734, von denen am 1. Dezember 1910 noch 1738 oder 
63.6 %  am Leben waren Es kam en also auf jede Mutter unter den Alm osen­
em pfängerinnen  3.1 Kinder. Unter den Ledigen w aren 1 5 .2 % ,  unter den Verheirateten 
7 3 .5 % ,  unter  den Verwitweten 7 4 .6 % .  unter den Geschiedenen 68 7 %  und unter 
den Eheverlassenen 81 1 %  Mutter gewesen. Unter diesen Müttern w urden  die Ledigen 
mit 1.7, die Verheiraten mit 3.1. die Verwitweten mit 3 2. die Geschiedenen und die 
Eheverlassenen  mit je 3 lebenden Kindern belastet. Die Belastung durch die Kinder 
w a r  also w iederum  am größten bei den Witwen. Es könnte nun mit Recht e ingew endet 
werden, daß die Kinder nur insoweit eine Belastung darstellen, als sie noch jung  und 
erz iehungsbedürftig  sind. Das Alter der Kinder ist nun aber leider aus  den Zähl- 
papieren nicht zu ersehen; wir sind also darauf angewiesen, aus  dem Alter der 
Mütter auf das  Alter der Kinder zu schließen Scheiden wir die F rauen  von über 
50 Jah ren  überhaupt und die von über 40 bis 50 Jah ren  mit w eniger als vier Kindern 
als nicht m ehr durch Kindererziehung belastet bei der Betrachtung aus, so w aren 
im m erhin  noch 170 Mütter mit 552 Kindern hilfebedürftig, also 73.6 %  der A lm osen­
em pfängerinnen  im Alter von 18 bis 40 Jahren . Es erscheint die A nnahm e gerech t­
fertigt, daß in Neukölln die jüngeren  Frauen zum größten  Teile infolge Kinderlast 
der Armenpflege anheimfallen. Es sollte dies ein erneuter Anreiz sein, bei diesen Personen 
anderweitig  so rechtzeitig helfend einzugreifen, daß die Inanspruchnahm e öffentlicher 
U nters tü tzung möglichst verm ieden werden kann.
Zur Kennzeichnung der wirtschaftlichen Lage der A lm osenem pfänger ist die Art ihres 
W ohnens. insbesondere der Aufwand für W ohnungsm ie te  sehr wesentlich. Auf Grund 
der A ngaben auf den G rundstückskarten  vom 15 Oktober 1910 konnten bei 546 oder 
58.0 %  säm tlicher A lm osenem pfänger gew isse M erkmale für die W ohnungsverhältn isse  
festgestellt werden. Unter diesen 546 Alm osenem pfängern  hatten 459 oder 58.3 %  
der weiblichen und  87 oder 56.1 %  der männlichen Personen eine eigene W o h n u n g  
inne. Von diesen W o h n ungen  befanden sich 45.1 %  im Vorder- und 54.1 %  im 
Hinterhause. N ur 3.8 0 o w aren Kellerwohnungen, in fast allen Fällen mit Gte wer be­
räum en  verbunden: auf dem Dachboden hatten nur 4 oder 0 .7 %  der Alm osenem pfänger 
eine W o h n u n g  inne. Die E inz im m erw ohnungen  waren natürlich in der überw iegenden 
Mehrzahl; solche bew ohnten  65.5 0 o der männlichen und 68 8 %  der weiblichen Almosen- 
em p än g er ;  zwei und m ehr Zimmer, letzteres nur in ganz  vereinzelten Fällen, waren 
bei 27.6 %  bezw. 26.1 %  der unterstützten Personen  angegeben. Es blieben also 
6.9 %  M änner und 5.1 %  Frauen , die sich nu r  mit einer Küche begnügen  mußten 
Ueber eine Küche überhaupt verfügten 94.3 %  der M änner und 8 8 .0 %  der Frauen.
        
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