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Periodical volume I. Bevölkerungsverhältnisse

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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Bemerkenswert ist auch die A nsam m lung Neuköllner Selbsttätiger in einzelnen 
g rösseren  Betrieben. Eine Auszählung in dieser Hinsicht wurde für die in Berlin 
Beschäftigten vorgenommen. Es wurden hier 11 Betriebe ermittelt, in denen je über 
200 in Neukölln wohnhafte Berufstätige beschäftigt waren, 17 mit 100 bis 200 N eu­
köllnern und 69 mit 50 bis 100 berufstätigen Neuköllnern. An der Spitze dieser 
Betriebe steht die Auer-Qasglühlicht-A -G. mit 423 Neuköllnern, darunter  291 weib­
lichen; es folgen dann die Reichsdruckerei mit 400, darunter 65 weiblichen, die 
„Victoria“ Vers.-A.-Q mit 322, darunter 4 weiblichen, das W arenhaus  A. Wertheim 
in der Leipzigerstr. mit 317, darunter 169 weiblichen und die Allg. Elektr.-Qes. mit 
310, darunter  48 weiblichen. Je  über 200 Neuköllner waren ferner noch beschäftigt 
in den Betrieben des Berliner Lokalanzeigers, des Anhalter Bahnhofs, der Berliner 
M orgenpost, der Englischen Gasanstalt und zweier eisenindustrieller Privatunter­
nehm ungen.
Mit den vorstehenden Bem erkungen sind die Ergebnisse der Nachweisung der 
N euköllner  selbsttätigen Einwohnerschaft nach ihrem Wohn- und Beschäftigungsort 
noch keineswegs erschöpft. Das hier in großen Umrissen gekennzeichnete Bild würde 
insbesondere noch eine wertvolle E rgänzung durch eine G egenüberste llung der in 
Neukölln beschäftigten, aber außerhalb Neuköllns wohnenden Personen erhalten. Die 
Unterlagen hierzu nach den im Statistischen Landesamt bearbeiteten Ergebnissen der 
V olkszählung des Jah res  1910 sind jedoch noch nicht veröffentlicht worden.
Bezeichnend für die Berliner Vorortsgemeinden in ihrem Verhältnis zur 
Reichshauptstadt ist es, daß es nicht, wie vielfach in der U m gebung anderer Großstädte, 
die ansässige Bevölkerung der Außengemeinden ist, die sich ihren bisherigen land­
wirtschaftlichen oder kleingewerblichen Berufen ab- und den Verdienstmöglichkeiten 
in Handel und Industrie Berlins zugewendet hat, sondern daß um gekehrt die in Berlin 
in der N ähe ihrer Beschäftigungsstätte W ohnenden infolge der zunehm enden A usdehnung 
des für gewerbliche Zwecke dienenden H ausraum s und auch aus anderen Gründen 
aus ihren bisherigen W ohnungen  verdrängt und zur A bw anderung in die Vororte 
gezw ungen wurden, soweit nicht von vorn herein die von anderswo Zuziehenden in 
Berlin zw ar Beschäftigungsgelegenheit, nicht aber gleichzeitig W ohngelegenheit fanden. 
Ist doch die Bevölkerungszunahm e Groß-Berlins in den letzten Jahrzehnten nur zum 
geringen  Teil auf natürliche V erm ehrung  und zum weitaus überwiegenden Teil auf 
Z uw anderung  von außen her zurückzuführen. Es handelt sich mithin bei dem Verhältnis 
zwischen Berlin als  Arbeitsort und seinen Vororten als W ohnort n i c h t  u m  e i n e n  
Z u z u g  v o n  A r b e i t s k r ä f t e n  a u s  d e n  V o r o r t e n  i n d i e  R e i c h s h a u p t s t a d t ,  
s o n d e r n  u m g e k e h r t  u m  e i n e n  Z u z u g  d e r  Wo  h n b e v ö l k e r u n g  i n  
d i e  V o r o r t e .  Diese Tatsache gibt den ganzen in F rage  stehenden Verhältnissen 
ein besonderes G epräge und auch die daraus zu ziehenden Folgerungen müssen unter 
diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Erst neuerdings hat die Industrie begonnen, 
ihrerseits der W ohnbevölkerung  in die Außenbezirke zu folgen. Darauf deutet u. a. 
auch die Tatsache hin, daß in unserer Stadt in der Zeit von 1900 bis 1910 die Zahl 
der in Neukölln selbst beschäftigten Einwohner mit der Gesamtzahl der hier wohnenden 
Berufstätigen, wenn auch nicht ganz, so doch nahezu gleichen Schritt gehalten hat, 
obwohl sich die letztere in diesem zehnjährigen Zeitraum etwa verdreifacht hat, 
1900: 37225, 1910; 108961. Davon waren in Neukölln selbst beschäftigt 1900: 53.6 V.  H. 
und 1910: (einschließlich der Personen mit wechselndem Beschäftigungsort) 48.8 v. H 
Allerdings ist diese V erm ehrung der Arbeitsgelegenheiten in den Vororten noch weit 
hinter der  Z unahm e der W ohnbevölkerung zurückgeblieben Unter den auswärts 
berufstätigen Neuköllnern ist der Anteil derjenigen, die in Berlin ihrem Erwerb nach­
gingen. vergleichweise etwas zurückgegangen  (im Verhältnis zur Gesamtzahl der 
Neuköllner Selbsttätigen von 40.5 v. H. auf 38.7 v. H.), und zwar zu Gunsten der in 
den übrigen Vororten Tätigen. F ü r  die industriellen Vororte aber wiederholt sich 
hinsichtlich ihrer Bedeutung als Arbeitsort für die in Neukölln W ohnenden dasselbe 
Bild wie für Berlin: n i c h t  d i e  i h n e n  d o r t  g e b o t e n e  A r b e i t s m ö g l i c h ­
k e i t  z i e h t  d i e  N e u k ö l l n e r  i n  d i e s e  V o r o r t e ,  s o n d e r n  u m g e k e h r t  
z i e h t  d i e  b e s s e r e W o h n g e l e g e n h e i t  i n  N e u k ö l l n  d i e  i n  a n d e r e n
        
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