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Periodical volume IX. Gesundheitswesen

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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Bedeutungsvoller noch als die Einführung des vorstehend erwähnten Benutzungs- 
stundentarifes für kleine und mittlere Abnehmer w ar für die Entwicklung des Elektrizitäts­
werkes die Einführung eines Sondertarifes für große Abnehmer. Der einzige Abnehmer 
mit über 50 000 Kwstd. Jahresstrom verbrauch war das städtische Gaswerk. Alle übrigen 
großen industriellen Betriebe hatten sich der Stromlieferung seitens des städtischen 
Elektrizitätswerkes noch nicht bedient, weil der Kraftbezug vom Elektrizitätswerk mit 
anderen Kraftquellen nicht konkurrenzfähig war. Sollten nun auch durch diesen Groß­
abnehm ertarif die Strom preise wesentlich ermäßigt werden, so durften dieselben auf 
keinen Fall so weit heruntergehen, daß dem Elektrizitätswerk aus der Stromlieferung 
an große Abnehmer kein direkter finanzieller Nutzen verblieb. Die Verkaufspreise 
m ußten vielm ehr stets so gestellt werden, daß sie die Selbstkosten um einen angemessenen 
Prozentsatz überstiegen. Die Einführung von gleitenden Tarifen oder Konsumrabatten 
bot keine Gewähr dafür, daß die Selbstkosten in jedem Falle gedeckt würden. Es 
war daher erforderlich, den neuen Tarif so aufzubauen, daß er die Strompreisberechnung 
nach den festen (Bereithaltungs-) Kosten und nach den veränderlichen zusätzlichen 
Kosten ermittelte? Ein solcher Tarif wurde nach eingehender Durcharbeitung im 
März 1912 eingeführt.
Abnehm er elektrischer Energie, die sich verpflichten, pro Geschäftsjahr (1. April 
bis 31. März) mindestens 36 000 Kwstd. zu entnehmen (3000 Kwstd. pro Monat) und 
bereits diesen M indestverbrauch erreicht haben, erhalten die Kwstd. gleichgültig, für 
welchen Verwendungszweck, für 4 Pf. Außer diesem Preis pro Kwstd. ist für jedes 
gleichzeitig entnom m ene Kw., mindestens jedoch für 15 Kw., ein fester Satz zu zahlen. 
Derselbe beträgt:
bei einem Maximum bis zu 50 Kw. 8.— M. für jedes Kw. und Monat
„ „ » 75 „ 7.75 n yy „ „ n
„ „ „ „ 160 „ 7.50 v V il „ n w
„ „ „ „ „ 150 n 7.25 „ r> » „ »
„ „ „ M 200 „ 7.— » M n vt >,
„ „ „ „ „ 300 „ 6.75 n n w T, » „
„ n „ 400 „ 6.50 » n » r n
„ „ „ 500 „ 6.25 » „ N N n
über 500 „ 6 — » » „ » „
Strom abnehm er, die eine Benutzungsdauer des W interabendm axim um s (15. Ok­
tober bis 15. Februar abends von 4—8 Uhr) von m ehr als 2000 Std. erreichen, erhalten 
am Jahresschluß eine Benutzungsdauerprämie und zwar für je volle 250 Benutzungs­
stunden über 2000: 1% ihrer Jahreszahlung, höchstens jedoch 20% . Als Mindest­
strom preis sind 5 Pf. pro Kwstd. zu zahlen.
Die M essung des Stromes und des Maximums geschieht in der Regel vor dem 
Transform ator, also in der Hochspannung. Soll auf Antrag des Abnehmers die Messung 
niederspannungsseitig erfolgen, so wird ein Zuschlag von 2 %  auf die monatlichen 
Zahlungen berechnet.
Die M esser- und Apparatemiete beträgt ohne Rücksicht auf die Größe der 
Anlage 10.— M. pro Monat und Messer.
Vorstehende Preise basieren auf einem Kohlenpreis von 16— 18 Mark pro 
Tonne prim a oberschlesischer Erbskohle von ca. 7000 Cal. frei Elektrizitätswerk 
Neukölln und erm äßigen oder erhöhen sich um 0.2 Pfg. für jede angefangene Mark 
unter 16 — bezw. über 18.— M. pro Tonne Kohle.
Auf Grund dieses Tarifes w ar es uns möglich, schon in den beiden Berichts­
jahren eine große Anzahl von Strom lieferungsverträgen abzuschließen.
        
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