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Periodical volume XI. Verkehrswesen, Märkte, Preise

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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zum Preise von 66 Pfg. und Schweinefleisch zum  P reise  von 72 Pfg. pro  Pfd. Die 
S tadtgem einde hatte sich ferner zu verpflichten, an den der S tad t Berlin en tstandenen  
und entstehenden U nkosten im  V erhältn is der G esam tm enge des von ih r bezogenen  
F leisches teilzunehm en. D er V ertrag  konnte n u r durch dreiw öchige F rist gekün d ig t 
w erden. Die S tad tgem einde erließ nunm ehr sofort eine B ekann tm achung , nach der 
sich hiesige S ch läch term eister zum  V erkauf von russischem  F leisch  m elden sollten. 
Zum  V ertriebe des ausländ ischen  F leisches e rk lärten  sich ca. 50 S ch läch te rm eiste r 
bereit. F ü r den V erkauf sollten in der H auptsache fo lgende B edingungen  g e lten :
1. Die F estse tzung  des V erkaufspreises erfolgt durch den M agistra t unter 
A ufschlag  eines G ew innes von 10 Prozent.
2 Die A bfuhr von der V erteilungsstelle in den E isw erken ist S ache des k au ­
fenden Schlächterm eisters.
3. An den einzelnen K äufer dürfen nicht m ehr als 4 Pfd. verabfo lg t w erden .
4. D as Fleisch ist bei dem V erkauf von dem  privaten  F leisch  g eso n d ert zu halten.
5. In den V erkaufsstellen sind en tsprechende P lakate, die die städ tische  V er­
w altung  liefert, anzubringen.
6. D er Schlächterm eister darf das Fleisch nicht zur W urstfab rikation  verw en­
den, b is auf solche Teile, die von den V erkaufsresten  üb licher W eise ver­
w endet w erden.
Aus der Mitte der S chlächterm eister w urden  3 V ertrauensm änner, fe rner als 
B ürgerdeputierte  der O berm eister S tarke und der T ierarzt A ugat gew ählt, die mit der 
städ tischen  U nterkom m ission insbesondere die L adenverkaufspreise  festzustellen hatten .
Mit dem  T ran sp o rt des F leisches vom  B erliner Schlachthofe nach der V erte i­
lungsstelle  auf den städtischen E isw erken w urde  der S ch läch term eister A rnold beauftrag t.
Mit dem  Fleischbezuge konnte am  26. O ktober 191-2 begonnen  w erden . D er­
selbe w ickelte sich wie folgt ab : Seitens des M agistrats w urde gew öhnlich  ta g s  zuvor 
(M ontags und D onnerstags) das von den S ch lächterm eistern  schriftlich bestellte Fleisch 
auf dem  Zentralv iehhof in Berlin zur A bnahm e angem eldet. D er O b erm eiste r S tarke  
oder in dessen  V ertre tung  einer der drei V ertrau en sm än n er der S ch läch term eister 
nahm  dann mit einem  M agistratsbeam ten  das Fleisch ab  und ließ es durch den 
Schlächterm eister Arnold nach den städ tischen  E isw erken fahren. H ier w urde  das 
F leisch au fgehäng t, in Lose geteilt und gew ogen. D as Los b e tru g  in der Regel 
Vs Schw ein und Vs Rind. D ann tra t die U nterkom m ission m it 'den 3 V ertrau en s­
m ännern  zusam m en, setzte die V erkaufspreise  für die S chlächter w ie fü r den K lein­
verkauf für das P ublikum  fest und verteilte das Fleisch g eg en  sofortige B ezahlung  
an die Schlächterm eister. Die erforderlichen P reisp lakate  w urden  von der städtischen 
D ruckerei hergestellt und den S ch lächterm eistern  bei der F leischentnahm e ausgehänd ig t. 
Um den m ehrfachen B eschw erden über m angelhafte  B edienung der Schlächterm eister 
beim  V erkauf von russischem  Fleisch E inhalt zu tun , w urde  das S tad tgeb ie t in 
3 B ezirke eingeteilt und für jeden Bezirk eine K om m ission, bestehend  aus je einem  
S tad tverordneten , einem  T ierarzt und einem  Schlächterm eister, gew ählt. D iese Kom ­
m issionen sollten eine schärfere F leischkontrolle ausüben. Bald jedoch sank  die Zahl der 
regelm äß ig  bestellenden S chlächterm eister und auch diese verm ochten nicht viel Fleisch 
zu verkaufen. Um das Pflichtquantum  in H öhe von 180 Z entnern  w öchentlich von 
B erlin n u r an n äh ern d  abzunehm en, beschloß die T euerungskom m ission , die K onsum ­
g enossenschaft B erlin und U m gegend zum  V ertriebe von russischem  Fleisch zuzu­
lassen. G leichzeitig w urde das H öchstquantum  für den E inzelverkauf auf 6 Pfd. e r­
höht. D a jedoch im m er w en iger S ch läch term eister und diese auch n u r gerin g e  M engen 
Fleisch bestellten, beschloß die T euerungskom m ission  in ih re r S itzung  vom  17 . April 
1913 , den F leischbezug  durch die S tadt einzustellen , den jen igen  S ch lächterm eistern  
aber, die noch w eiter russisches Fleisch verkaufen w ollten, einen B erechtigungsausw eis 
zu erteilen, dam it sie Fleisch direkt vom Z entralv iehhof in Berlin beziehen könnten. 
Die K onsum genossenschaft verkaufte dann  auch bis zum  2 . Ju n i 1913 russisches Fleisch. 
Insgesam t w urden  351 697 Pfd. russisches Fleisch um gesetzt und zw ar 173 265.5  Pfd. 
Rindfleisch, 166 106 5 Pfd. Schw einefleisch und 12 325  Pfd. Kalbfleisch. U eber die 
Fleischpreise m ögen  die nachstehenden  U ebersichten A ufschluß g e b e n :
        
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