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Periodical volume XI. Verkehrswesen, Märkte, Preise

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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„öffentlicher Seefischverkauf der Fischhändler Rixdorfs unter Kontrolle des M agis tra ts“ 
dergestalt einzurichten; daß der im hiesigen Ort ansässige Fischhändler W inkler in 
der auf dem Grundstück Bergstraße 5 belegenen Markthalle 5 Verkaufsstände für 
einen städtischen Seefisch markt zur V erfügung halten und auch den Einkauf der Fische 
vermitteln sollte. Wöchentlich sollte einmal ein Verkauf von Seefischen in der  Zeit 
von 8 bis 2 Uhr stattfinden. F ü r  die M ühewaltung wurde den Verkäufern ein Verdienst 
von 4 M. pro Zentner zugebilligt. Die Fische wurden von der Stadt Berlin bezogen, 
die die Fische für mehrere Vorortgemeinden besorgte. Der erste Verkaufstag fand 
nun m eh r  am Mittwoch, den 25. Oktober 1911 statt. Um die ärm ere Bevölkerung in 
noch größerem  Maße zu unterstützen, hielt die Teuerungskom m ission in ihrer Sitzung 
vom 3. N ovember 1911 die Abgabe von Kartoffeln zum Selbstkostenpreise für w ünschens­
w ert und beauftragte eine Unterkommission, nähere Vorschläge über die Art des Ein­
kaufs und der Abgabe der Kartoffeln zu machen. Die städtischen Körperschaften 
bewilligten zur Durchführung entsprechender Maßnahmen in ihren Sitzungen vom 8. 
bis 30. Novem ber 1911 den B etrag  von 10 000 M. Die eingesetzte Unterkommission 
hielt jedoch den eigenen Einkauf und Vertrieb von Kartoffeln wegen der dadurch ent­
stehenden Schädigung der Kleinhändler für nicht wünschenswert und beschloß in der 
Sitzung vom 22. J a n u a r  1912 die Verabfolgung von Gutscheinen an hiesige Einwohner, 
deren jährliches steuerpflichtiges Einkommen 1 800 M. nicht überstieg. Jeder  Gutschein 
lautete über 25 Pfd. Kartoffeln und über den Betrag, der nach dem jeweiligen Markt­
preise m ehr  als 45 Pfg. für jede 10 Pfd. Kartoffeln betrug. Wöchentlich wurde nur
1 Gutschein an eine Person ausgegeben. Geschäftsleute aus allen Teilen des Stadt­
gebietes sollten diese Gutscheine in Zahlung  nehm en und die Differenzbeträge bei der 
S tadtgem einde anfordern, die Ausgabe der Gutscheine erfolgte durch die Bezirksvor­
steher. Den Normalpreis von 45 Pfg. für je 10 Pfd. —  1.13 M. für 25 Pfd. hatten 
die Inhaber von Gutscheinen bei Entnahm e von Kartoffeln an den Händler selbst zu 
zahlen. Der Marktpreis für diejenigen Händler, die sich zur Annahm e von Gutscheinen 
des  M agistra ts  bereit erklärt hatten, wurde wöchentlich von der Unterkommission 
festgesetzt. So be trug  er für die Zeit vom 12. bis 18. März 1912: 65 Pfg. für 10 Pfd., 
für die Zeit vom 19. bis 25. Februar  1912: 60 Pfg., für die Zeit vom 26. Februar bis 
16. März 1912: 55 Pfg. Infolge der inzwischen gefallenen Marktpreise wurde am 
16. März 1912 die Ausgabe von Gutscheinen eingestellt. Insgesamt waren 8 941 Gut­
scheine zu 25 Pfd. verausgabt worden. Die von den Händlern auf diese Scheine 
verkauften 223 525 Pfd. Kartoffeln erforderten seitens der Stadt einen Zuschuß von
2 903.37 M. Auch der Seefischverkauf mußte wegen der wärm eren  W itterung am 
27. Juni 1912 eingestellt werden. Umgesetzt waren insgesamt ca. 300 Zentner Seefische.
Doch schon am 4. September 1912 beschloß der Magistrat in Ansehung der 
wieder gesteigerten Lebensmittelteuerung, sich der von Groß-Berlin geplanten wieder­
holten Petition der Gemeinden Groß-Beilins und des Preußischen Städtetages auf 
Oeffnung der Grenzen für die E inführung von Vieh, Fleisch, Getreide und Futter­
mitteln anzuschließen und beauftragte die Teuerungskom m ission, in neue Beratungen 
über den Ausbau der vorhandenen Einrichtungen einzutreten. Die Teuerungskom m ission 
hielt dann auch in ihrer Sitzung vom 11. September 1912 die Erweiterung des im 
Vorjahre eingerichteten Seefischverkaufs für dringend notwendig und beschloß ferner 
in ihrer Sitzung vom 28. Septem ber 1912 die Beteiligung der Stadt an der von Groß- 
Berlin beabsichtigten Einfuhr von Gefrierfleisch. Die städtischen Körperschaften be­
willigten zur A usführung dieses Beschlusses in ihren Sitzungen vom 2. bis 14. O k­
tober 1912 aus dem Stadtverordneten-Dispositionsfonds weitere 40000 M. Das Ministerium 
für Landwirtschaft, Domänen und Forsten erteilte dann auch der führenden Gemeinde 
Berlin am 3. Oktober 1912 die G enehm igung  zur Einfuhr von frischem Rind- und 
Schweinefleisch aus dem europäischen Rußland, worauf die Teuerungskom m ission  in 
ihrer Sitzung vom 18 Oktober 1912 beschloß, von der Stadt Berlin, die wegen Lieferung 
von wöchentlich 3000 Zentner russischem Rind- und Schweinefleisch mit einem Schläch­
termeister einen Vertrag  abgeschlossen hatte, russisches Fleisch zu beziehen. Nach 
der der jführenden  Gemeinde Berlin abzugebenden bindenden Erk lärung  hatte unsere 
Stadt 180  Zentner russisches Fleisch wöchentlich abzunehm en und zwar Rindfleisch
        
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