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Periodical volume X. Soziale Fürsorge, Wohlfahrtspflege

Full text: Verwaltungsbericht der Stadt Neukölln Issue 1912/1913

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zu zahlen. Der Beschluß fand die Z ustim m ung  der städtischen Körperschaften. — 
Letztere beschlossen ferner im Dezember 1913: 10000 M zur V erfügung zu stellen und 
als Arbeitslosenbeihilfe an solche Neuköllner E inw ohner  zur Verteilung zu bringen, 
die m indestens 1 J a h r  in der Stadt wohnten und 8 W ochen ohne Arbeit waren. Die 
Unterstützung w urde  in 2 Raten, und zw ar an  Personen  mit e igenem  H ausha lt  
in F orm  von Naturalien (Brot, Mehl, Milch, Fleisch, Kartoffeln, Kohlen) und an solche 
ohne H aushalt  in bar  gewährt.  Es w urden als 1. Rate g e g e b e n : an Familien von 
mindestens 6 Köpfen Naturalien im W erte  von 7 M., an kleinere Fam ilien im W erte  
von 6 M.. an alleinstehende Personen 4 M. in bar. Als 2 Rate konnten sodann  nur 
noch 50 Pfd. Kartoffeln gew äh r t  werden. Es w urden  insgesam t 1928 erstm alige und 
720 zweitmalige A nträge gestellt, von denen  1580 bzw. 612 berücksichtigt wurden. 
Die Unterstü tzung hatte nicht den C harak te r  einer A rm enunters tü tzung , w ar  auch nicht 
zurückzuzahlen. Sodann w urde  die F rage  der E inführung einer Arbeitslosenversiche­
ru n g  für den Bezirk unserer Stadt e ingehend erörtert. Der A ntrag  w urde  aber  schließ­
lich abgelehnt, da die E inführung einer Arbeitslosenversicherung nur  für einen Teil­
ausschnitt eines du rchaus  einheitlichen W irtschaftsgebiets für unzweckm äßig , ja un ­
möglich erklärt werden mußte. Man stellte sich vielm ehr auf den in dem Antrage 
an den Zweckverband festgelegten S tandpunkt, daß eine solche E inrich tung  ihren 
Zweck nu r  dann voll und wirksam  erfüllen könne, w enn sie sich über einen größeren  
Bezirk erstrecke.
Ferner  w aren in der Arbeitslosenfrage bereits im Herbst 1913 mit dem Verein 
für soziale Kolonisation Deutschlands in Zehlendorf V erhandlungen  angeknüpft worden. 
Der Verein verfolgt den Zweck, den vorübergehend  Arbeitslosen der Großstädte Arbeit auf 
kulturfähigem Oedland zu verschaffen. Er hat zu diesem Zweck schon verschiedene 
Ländereien —  u. a. in Beeskow, Reppen, Franz. Buchholz —  erworben, mit deren 
U rbarm achung  viele Arbeitslose beschäftigt werden. Die V erhand lungen  führten 
Anfang April 1914 zum Abschluß eines Vertrages, wonach die S tad tgem einde dem 
Verein auf 10 Jah re  ein Darlehn von 10 000 M. gibt, das bis zum 1. 4. 1916 u nver­
zinslich ist und von da ab mit 4° 0 verzinst und mit 1% getilgt w erden muß. Dafür 
verpflichtet sich der Verein, Neuköllner Arbeitslose auf seinen Kulturstätten an insge­
sam t 6000 Arbeitstagen, jedoch nicht m ehr  als 20 Mann zu gleicher Zeit, ohne beson ­
deren Zuschuß der Stadt zu beschäftigen. Die ledigen Arbeiter erhalten  einen Mindest­
tagelohn von 2,60 M., die verheirateten  einen solchen von 3,35 M. A ußerdem ist 
den Arbeitern Gelegenheit gegeben , durch Akkordarbeit erheblich m ehr  zu verdienen. 
—  Durch den Vertrag  ist so die Stadt in der Lage, ohne erhebliche finanzielle Auf­
w endungen  für einen wenn auch nu r  kleinen Teil ihrer Bürger Arbeitsgelegenheit 
zu schaffen.
G. Oeffentliche Schreibstube.
Der Betrieb in der öffentlichen Schreibstube hat sich in den Berichtsjahren 
1912 bezw. 1913 g egenüber  den Vorjahren 1910-1911 nicht wesentlich geändert.  Dilb 
Zahl der Aufträge ist um 10 zurückgeblieben. Wie sich aus  nachstehenden  Zahlen 
ergibt, w aren sie dafür desto umfangreicher.
In den beiden Berichtsjahren haben 152 bezw. 147 Personen , darunter  7 bezw. 
9 weibliche, Beschäftigung nachgesucht. Ein Teil m ußte w iederum  w egen  M angels  
an Aufträgen zurückgewiesen werden. 112 bezw. 77 P ersonen  konnten in den Berichts­
jahren beschäftigt werden. Die erteilten Aufträge beliefen sich auf 112 bezw. 71. 
27 bezw. 17 F irm en hatten sich an die Schreibstube wegen Stellung von Aushilfs­
kräften gew and t:  und es g e lang  der Schreibstube, 37 bezw. 24 S tellungsuchende in 
solche Aushilfsstellen zu bringen, aus  denen sich in 3 Fällen bezw. in 1 Fall feste 
S tellungen entwickelt haben.
Im Ganzen w urden  801 bezw. 1629 Stunden  gearbeitet. Die E innahm en  aus 
den Aufträgen beliefen sich auf 398.47 M. bezw. 878.03 M. Der D urchschnittsstunden­
lohn be trug  rund  0.50 M. bezw. 0.54 M.
        
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